Mittwoch, 15. November 2017

HANSECOMMERCE: "Hey Paula" hilft Modemarken in die Kleiderschränke.

HAMBURG DIGITAL REPORT


"Fashion makes the world go around"
Foto: Cbecom
Amazon & Ebay machen vor, wie es geht. Otto und Zalando machen es nach, weil es erfolgreich ist: Marktplätze für Mode und mehr. Jeden zweiten Dollar verdient Amazon mit seinen Marktplatz-Händlern. 4 Marktplätze dominieren den Shop-in-Shop-Onlinehandel. Zalando hat sich als "Betriebssystem der Modewelt" platziert. Und der Hamburger Handelsriese Otto ist ebenfalls aufgewacht. 

Eine pfiffige Helferin aus Hamburg sorgt dafür, dass schicke Sachen schnell zu uns in den Kleiderschrank kommen: "Hey Paula". Mit fast 1 Mio. € Crowdfunding dank 746 Unterstützern ist in Groß-Borstel ein Startup entstanden, das kleinen und großen Modemarken zum "Hockeystick"-Effekt verhilft. Zwei ehemaliger E-Commerce-Manager aus dem großen Versandhaus in Bramfeld helfen heute auch ihrem Ex-Arbeitgeber beim Ausbau der Plattform. Ein Hamburg Digital Report:


Die Gründer hinter "Hey Paula": Florian Curdt + Marcel Brindöpke
Foto: Cbecom
Amazon, Klingel, MyToys, Otto oder Zalando - das Who-is-who der deutschen Online-Handels geht in Groß-Borstel ein und aus. Florian Curdt, ehamliger Leiter des Shopmanagements im E-Commerce von Otto.de und sein früherer Mitarbeiter Marcel Brindöpke liefern dafür jede Menge Argumente. Dank ihrer Erfahrung im E-Commerce kann heute jedes kleine Modelabel ebenso auf den großen Modeseiten verkaufen, wie exklusive Marken mit kleinen Mengen. Dabei sind kleine Label und kleine Mengen für Handelsriesen im Einkauf höchst unattraktiv. Aber "Kleinvieh" macht bekanntlich viel "Mist". Doch fangen wir vorn an.

Der gute alte Katalog: "Sell Many of few"

Früher gab es einen Katalog. Der Platz pro Seite war begrenzt, die Anzahl der Seiten pro Katalog limiiert. Die Folge: Vor allem Eigenmarken mit hoher Marge wurden gelistet, ergänzt um Bestseller von bekannten Marken. Die ausgwählten Produkte wurden als Outfits in Einkaufswelten von Damen über Wäsche, den Kindern und Herren inszeniert - mit Fototapete und Südseeromantik im Hintergrund. Dazu Eigenmarken in den Kategorien "weiße" und "braune" Ware. Beispiel: Mit Übernahme der Quelle durch Otto hat Deutschlands Elektro-Handelsmarke "Privileg" ein neues Zuhause in Hamburg gefunden. Mit dem Internet veränderte sich alles.

Die Internet-Präsenz: "Sell few of many"

Plötzlich war der Platz für die Präsentation der Kollektionen praktisch unbegrenzt. Mit Shopseiten auf Webservern stiegen die Kosten für die Distribution der Angebote nicht mehr in gleichem Maße an. Die entscheidenden Kosten war IT-Kosten und die Erstellung der Shoppräsentationen. Damit konnten Händler die ganze Bandbreite verfügbarer Artikel präsentieren. In Hamburg war MyToys der erste Pattformpartner bei Otto.de, der 2005 an den Start ging. Mit dem Internethandel verschwand zugleich die regelmäßige Kundenansprache mit dicken Katalgoen. Aus "Push" wurde im Marketing Schritt für Schritt eher "Pull".

Von Otto über Breuninger zu Marktplätzen

2011 machten sich Florian Curdt und Marcel Brindöpke nach rd. 5 Jahren Erfahrungen mit Otto.de und den aufgekauften Töchtern Neckermann und Quelle auf dem Weg, ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Nach erfolgreichen Projekten in der Beratung etablierten Händler, wie Breuninger, Frontlineshop oder Peter Hahn entdeckten sie 2012 eine spannende Welt - die Welt der Marktplätze und Plattformen. Ende der Neunziger begannen Ebay und Amazon. Seit 2005 gab es Marktplatzhandel bei Otto.de, seit 2012 beim Berliner Erfolgshändler Zalando. Die beiden pfiffigen Online-Spezialisten entdeckten sie die spannende Welt für sich:

Keine großen Stückzahlen, keine Chance


Fotoshooting für Onlinepräsentation der Kollektionen
Foto: Cbecon
Modehersteller liefern große Chargen direkt an die Versandhändler. Die Label kümmern sich weder um Lagerbestände noch um Produktfoto. Bei 1-2Tausend Einheiten eines Herstellers kümmern sich die Onlinehändler um Produktbeschreibung, Fotoshooting und Videolaufsteg. Kleinere Label mit 5-10 Mio. € Großhandelsumsatz fallen bei den Handelsriesen unter den Tisch. Zudem gibt es immer weniger Modegeschäfte, die Individualität und Qualität kleiner Anbieter schätzen. Heute dominieren Modeketten wie H&M, S. Oliver, Tom Tailor und Zara die Shopping-Center.

Wie kommen kleinere Modelabel ins Netz?

Wie können auch kleinere und exklusive Modelabel online den Weg zu uns in den Kleiderschrank finden? Wie können kleine Manufakturen ohne IT-Kompetenz für Shoppingportale, ohne eigenen Content zur Präsentation und ohne Ressourcen für den Marktplatzbetrieb einschl. Kundendienst und Retourenmanagement erfolgreich im Internet verkaufen? Bereits während ihrer Zeit bei Otto sorgten sie durch Anbindung von "Trade Byte" dafür, dass sich Otto.de öffnen konnte. Der erfolgreiche IT-Dienstleister gehört seit vergangenem Jahr zum Berliner Rivalen Zalando.

"Hey Paula" winkt in jedem Online-Shop


Fasion-Portal und Best Practice: heypaula.de
Foto: Cbecom
"Hey Paula" zeigt, wie es geht: Der Online-Shop vertreibt hochwertige Fashion-Marken über die eigene Plattform, spricht die Sprache der Verbraucher, kümmert sich um Paketversand und Kundendienst. Das tut das Team nicht nur für die eigene Website. Denn hinter "Hey Paula" stehen die beiden pfiffen E-Commerce-Jungs aus Groß Bostel. Sie kümmern sich mit "Cbecom" um die Einbindung interessanter Marken auf den großen Marktplätzen, wie Amazon, Otto und Zalando. Kauft ein Kunde bei diesen Shops Fashion ein, bekommt er den gesamten Service von "Hey Paula". Lösung komplett!

97% Umsatz über 4 führende Plattformen

"Hey Paula" sucht die interessanten Marken aus, kauft die Ware ein, schießt Produktfotos und entwirft die Beschreibungen. All jene lästige Arbeit, um die sich Modemarken seit jeher nicht selbst kümmern, werden für kleinere und attraktive Marken von "Hey Paula" übernommen. Dabei werden gerade einmal 3% des Shopumsatzes über die eigene Domain generiert. Der größte Teil kommt über die Marktplätze. Die 4 führenden Modeplattformen im deutschen Markt generieren rd. 80% des Onlineumsatzes mit Mode - und gönnen sich mit 20-30% ein großes Stück vom Kuchen.

Günstiger, als Kompetenzen aufzubauen


Logistik von "Hey Paula"
Foto: Cbecom
"Wir nehmen die Marken an die Hand und führen sie auf die Marktplätze"; sagt Marcel Brindöpke im Gespräch. Das lohnt sich für die Marken. Die Kompetenz in Technologien und Kundenmanagement selbst aufzubauen, würde erheblich mehr kosten, als die rd. 20% Marge netto an den Plattformpartner abzugeben. Das Modell scheint zu funktionieren: Ende 2016 konnten die Hamburger Jungunternehmer bei 4,5 Mio. € Umsatz den Break Even verkünden, haben bis heute nicht einen einzigen Euro Venture Capital verbrannt. Mittlerweile arbeiten rd. 30 Mitarbeiter Vollzeit in Produkt- und Vertriebsmanagement, Versandlogistik und Kundendienst. 

"Wir wissen, wie Marktplätze funktionieren"

Wie jede clevere Plattform, wollen auch Florian und Marcel mit ihrer Plattformprovider-Lösung als Gatekeeper und Lösungsanbieter zwischen Modemarken und Marktplätzen fungieren. Auf die Frage, wie sich der Modehandel in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird, hat Marcel Brindöpke eine klare Vorstellung: Die Plattform-Ökonomie wird sich im Modebusiness weiter durchsetzen. Zugleich wird die Konzentration auf wenige umsatzstarke Modehändler im Netz weiter zunehmen. Zwei dieser Plattformen sind an Alster und Elbe zu Hause - ebenso wie ein spannender Plattformpartner, der Farbe in die Auswahl bringt.

heypaula goes Seedmatch from Marcel Brindöpke on Vimeo.


 Hamburg Digital Background: 

"Hey Paula" - Premium-Fashionshop
https://www.heypaula.de/

Sonntag, 12. November 2017

HANSEPERSONALITY Michael Kruse: Zukunft des Medienstandorts Hamburg auf der Tagesordnung

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Mit stolzen 10,2 Prozent liberaler Zweitstimmen zur Bundestagswahl und einem desaströsen Abschneiden der Scholz-SPD mit 23,5% weht ein rauherer Wind durchs Rathaus. Hamburgs 1. Liberaler knüpfte die Koalition zum Gewinn des ITS-Weltkongresses denn auch gleich als "Stauhauptstadt" mit "desolater Verkehrssituation" auf. 


Hamburgs digitaler Oppositionschef Michael Kruse
Michael Kruse ist mit 34 Jahren jüngster Co-Fraktionschef aller Zeiten in der Hamburgischen Bürgerschaft - aktuell vorgestellt bei den Kollegen der "Welt". Bereits als parlamentarischer Geschäftsführer der Hamburger Liberalen schenkte er dem Rot-Grünen Senat bei ihren Digitalisierungsprojekten und der Hafenpolitik kräftig ein. 

Wie beurteilt einer der engagiertesten Digitalpolitiker die Bemühungen der Stadt auf dem Weg zur vernetzten City? Was sagt der führende Liberale zu den digitalen Aktivitäten in Hafen und HHLA? Und was schreibt der Oppositionschef dem Senat ins Stammbuch? Unser HANSEPERSONALITY ist der neue Fraktionsvorsitzende der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft - Michael Kruse:


Digitale Verwaltung Hamburg

Bei unserem ersten Sonntags-Interview brachtest Du auf den Punkt: Die Digitalisierung führt bei Rot-Grün ein "stiefmütterliches Dasein". Mittlerweile ist der Senat einen Schritt weiter: Vier Behörden arbeiten an digitalen Themen. Künftig soll die Senatskanzlei die Aktivitäten koordinieren. Zufrieden?

Dass der Senat die Kompetenzen für den Digitalbereich erst aufsplittet, um sie dann wieder zusammenzuführen, hat wertvolle Zeit gekostet. Natürlich ist das Thema Digitalisierung so wichtig, dass die Kompetenzen an einem zentralen Ort gebündelt werden müssen. Ich habe aber Zweifel, ob eine rein koordinierende Rolle des neuen Amtes in der Senatskanzlei ausreichen wird.

Die Stadt hat ein Angebot für die Besetzung des Chief Digital Officer abgegeben. Nach Abschluss der Ausschreibungsphase scheint es jetzt loszugehen. Bringt ein CDO unterhalb der Staatsräteebene in den zuständigen Ressorts die gewünschte Dynamik in der digitalen Entwicklung der Hansestadt? 

Das muss das Ziel sein. Allerdings zeigt sich in dieser Position die verzweifelten Bemühungen des Senats, sich ein digitales Image zu verpassen, anstatt die Digitalisierung der Verwaltung tatsächlich voranzutreiben. Zunächst wurde die Stelle eines Chief Information Officer (CIO) eingerichtet, nun wurde ein weiterer außertariflicher, hoch dotierter Posten geschaffen. Eine zusätzliche Stelle ohne Weisungskompetenz bringt Hamburg aber nicht voran.


Digitaler Verkehr Hamburg

Zur Entscheidung, den ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme 2021 in Hamburg auszurichten hast Du die kleine Keule rausgeholt: Hamburg sei "Stauhauptstadt" mit "desaströser Verkehrssituation". Ist der ITS-Kongress keine Chance, zum "Musterschüler" zu werden?

Die erfolgreiche Bewerbung Hamburgs für den ITS-Weltkongress ist zu begrüßen: Das Großereignis wird die drastisch wachsenden Verkehrsprobleme Hamburgs schonungslos offenlegen. Im Bereich der Hafenverkehre trägt der Senat mit seiner Gebührenerhöhung für Binnenschiffer sogar aktiv dazu bei, dass ökologisch und ökonomisch vorteilhafte Transporte verteuert werden. Der ITS-Kongress ist eine Chance, aber ich sehe nicht, dass der Scholz-Senat sie nutzt.

Schauen wir uns die Projekte von HOCHBAHN, MOIA und switchh an, muss die Metropole Berlin eigentlich laut losheulen. Die Mobilitätspartnerschaften mit BMW, Daimler, Deutscher Bahn und VW sind doch richtig fortschrittlich. Wie will die FDP Hamburgs Straßenverkehr digital vernetzen? 

Der technologische Fortschritt verlangt leistungsfähige Kommunikationsnetze, bei denen z. B. Maschinen, Automaten und Fahrzeuge untereinander oder über Leitstellen verbunden sind. Die geplante Einstellung einzelner Projekte von "smartPORTlogistics" zeigt, dass Hamburg weit davon entfernt ist, intelligente Verkehrsprojekte zu präsentieren, die über die Pilotphase hinauskommen. 

Einführung des lange angekündigten Verkehrsmodells

Der Senat müsste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die notwendige Verkehrsbeschleunigung für eine Metropole zu erreichen. Dazu gehört die Einführung des lange angekündigten Verkehrsmodells, mit dem man Konfliktsituationen im Straßenraum bestmöglich abfedern kann, aber auch eine dynamische Ampelsteuerung, die nicht stumpf vor sich hinschaltet, egal, wie die Verkehrslage gerade ist.

Digitaler Hafen Hamburg

Die Digitalisierung im Hafen scheint nicht immer schon Realität zu sein: HHLA-Chefin Titzrath wiederholt seit Längerem den Wunsch, "Motor des Digitalen Wandels" werden zu wollen. Die Branche gilt nicht unbedingt als "digitale Boheme". Wie lange kann der Hafen hinter Rotterdam und Antwerpen hinterher laufen?


Kenner in Hafen- und Digitalwirtschaft: Michael Kruse
Hamburg verliert zunehmend den Anschluss – ohne die Fahrrinnenanpassung wird sich diese
Tendenz verstärken. Nur vier Prozent der Betriebe im Hafen verfügen über schnelles Internet, da müssen Senat und HPA endlich ihre Hausaufgaben machen. 

Unternehmen im Hafen besser als ihr Ruf

Tatsächlich sind die Unternehmen im Hafen aber fortschrittlicher als ihr Ruf: Die Truck-Appointment-Systeme der Terminalbetreiber in Hamburg zeigen, dass die Digitalisierungs-Fortschritte im Hamburger Hafen von privaten Unternehmen ausgehen. Ich freue mich, dass Frau Titzrath diesen Wandel mit der HHLA bestmöglich gestalten möchte.

Die Behörde BWVI ist dabei, die Logistik-Initiative neu und zukunftsweisend auszurichten. Der Digital Hub Logistics startet nach kurzer Anlaufphase in erste konkrete Digitalprojekte. Müsste die FDP nicht Applaus klatschen und einladen, mitzumachen?

Beide Initiativen sind wichtig für Hamburg, und deshalb unterstützen wir sie auch aus der Opposition heraus. Mit dem Leiter des Digital Hub Logistics habe ich mich gerade am Rande des 69. Eisbeinessens der Schiffsmakler ausgetauscht. Bei der Logistik-Initiative machen wir immer noch Druck, dass die Mitgliedschaft im ersten Jahr kostenlos wird für Start-ups. Das hatte die Bürgerschaft nämlich auf unsere Initiative hin Anfang des Jahres beschlossen.

Digitale Wirtschaft Hamburg

HANSEVALLEY hat die Medienförderung der Hansestadt als ineffektiv und verfilzt kritisiert. Neue Medienplayer, wie Microsoft, Ströer oder YouTube feiern ihre Newsrooms und damit die nächste Party in Berlin. Hat Hamburg als "Medienhauptstadt" den Anschluss gegen Berlin verloren?

Berlin hat lange Zeit Medien aus Hamburg weggelockt. Es ist wichtig, dass sich dies in Zukunft nicht fortsetzt. Hamburg und Berlin sind stark im Agenturbereich aufgestellt, gerade auch in Hamburg gibt es wichtige Medien- und Digitalagenturen. Weil wir aber auch kritische Entwicklungen im Print-Bereich sehen, wird der Ausschuss für Wirtschaft, Medien und Innovation sich am 23. November auf unsere Initiative hin mit der Zukunft des Medienstandorts Hamburg befassen.

Es gibt laut Monitoring mehr als 600 Startups an der Elbe, nach unserer Zählung allein mehr als 40 Startups in Logistik, Luftfahrt und Mobilität. Der Anfang 2016 mit den Stimmen der Opposition verabschiedete Wachstums-Fonds lässt jedoch auf sich warten. Verpasst Hamburg den Zug?

Wir hätten uns sehr gewünscht, dass der Innovations-Wachstumsfonds schneller an den Start geht. Allerdings geht es um viel Steuergeld und da haben wir als Freie Demokraten durchaus Verständnis dafür, dass der Senat lieber etwas vorsichtiger und bedachter vorgehen möchte, anstatt sich zu verlaufen. 

Startups und KMU bei der Entwicklung neuer Stadtteile berücksichtigen

Letztendlich ist dieser Fonds aber nur eines von vielen Instrumenten, um die Rahmenbedingungen für Startups am Standort Hamburg zu verbessern. Weitere Maßnahmen, wie die Einführung eines bürokratiefreien ersten Jahres, und die Berücksichtigung von kleineren Unternehmen und Startups bei der Entwicklung neuer Stadtteile – wie aktuell von uns gefordert beim Konzept Stromaufwärts an Elbe und Bille – müssen folgen.

Digitaler Ausblick Hamburg

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Gesetzt den Fall, die FDP kommt nach den nächsten Wahlen in die Regierung und stellt den Wirtschaftssenator der Hansestadt: Welche drei digitalen Aufgaben würdest Du der Koalition ins Regierungsprogramm schreiben?

1. Am Ende der nächsten Legislaturperiode muss Hamburg flächendeckend Breitbandinternet haben, und da reden wir nicht wie der rot-grüne Senat über 30 Mbit/s. 

2. Die Hamburger Verwaltung muss digitalisiert sein. Es kann doch nicht sein, dass der rot-grüne Senat unter Digitalisierung versteht, dass ich mir einen Termin online buchen kann. Kundenzentren als Service-Zentren am Bürger verstehen ist die Grundlage. Die Kür besteht darin, dass ich als Bürger für viele Dienstleistungen der Verwaltung nicht mehr zum Amt muss, sondern sie zuhause erledigen kann. 

3. Den konsequenten Einsatz von digitaler Technologie in den Lehr- und Lerneinrichtungen der Stadt. Für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg Hamburgs ist es wichtig, dass alle Menschen sicher und gut ausgebildet in die digitale Zukunft gehen. 

*  *  *

Vielen Dank für die interessanten Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Michael Kruse mit aktuellen News auf Facebook:

Michael Kruse zu Internet, Medien und Digitales:

HANSEPERSONALITY Michael Kruse:

HANSESTATEMENT:

Mittwoch, 8. November 2017

HANSEAEROSPACE: Von Flugbooten zur Zukunft der zivilen Luftfahrt - Made in Finkenwerder.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Freitag-Vormittag ist es soweit: Dann eröffnen auf Finkenwerder zwei neue Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt - DLR - ihre Pforten. Hamburg ist der drittgrößte Standort für zivile Luftfahrt weltweit. Unsere Stadt spielt global in einer Liga mit Seattle und Toulouse. Dank Airbus, Lufthansa Technik, Hamburg Airport und rd. 300 Zulieferern ist die Hansestadt und die Metropolregion Zuhause von mehr als 40.000 qualifizierten Arbeitsplätzen in der Aerospace-Industrie, mehr als 12.500 allein bei Airbus, 7.500 bei Lufthansa. 


ZAL Techcenter auf Finkenwerder.
Foto: HANSEVALLEY
Damit das so bleibt, sind Forschung und Entwicklung ein zentraler Schlüssel für die Zukunft des Aviation-Clusters. Das ZAL ist Think Tank und Motor der Innovationen für die Luftfahrt an Alster und Elbe. Das im vergangenen Jahr eröffnete Zentrum ist eine erfolgreiche Public-Private-Partnership aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Die Integration und die weitere Industrialisierung der Luftfahrt sind die Leitthemen. Was das ZAL besonders macht und wie das Erfolgsrezept des futuristischen Tech-Centers konkret aussieht - ein Hamburg Digital Report.


Dieser Sommer war für das ZAL und den Luftfahrtstandort Hamburg ein ganz besonderer: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verkündete, mit 2 neuen Instituten in die Hansestadt zu kommen, bringt 200 zusätzliche Arbeitsplätze ans ZAL. Im Mittelpunkt: Zukunftstechnologien, wie 3D-Druck und Industrie 4.0. Die Hansestadt wird zugleich Sitzland des DLR und bekommt damit eine eigene Stimme im führenden Forschungsverbund für Luft- und Raumfahrt. Mit dem Engagement von Bund und Senat rückt Finkenwerder weiter in den Fokus der Forschung.

"Es gab keine Blaupause" bringt Geschäftsführer Roland Gerhards den Aufbau des ZAL auf den Punkt. Das Tech-Center sind zwei überdimensionale Hallen und ein Bürotrakt mit Auditorium, Besprechungs- und Kreativräumen sowie der futuristischen Fassade in der Mitte. Auf 26.000 qm können bis zu 600 Forscher arbeiten. 30 Partner - von Herstellern über Hochschulen bis zu Instituten - haben z. Zt. 90% der Flächen gemietet. Das ZAL ist weltweit bekannt, vergleichbar der US-City Kansas mit ihrer Luftfahrtforschung. Der USP auf Finkenwerder ist die praxisnahe Forschung und Entwicklung mit den Testhallen.

"Silicon Valley der Luftfahrt aka Luftfahrt-Spielwiese"


Akustik-Lab im ZAL Tech-Center.
Foto: ZAL
Im Erdgeschoss: eine aufgeschnitte Flugzeugkabine - eine Präsentation des "Airbus-Protospace" mit "Rimowa" für das Projekt "Bag2Go". Nur ein Projekt des Kreativlabs von Airbus hinterm Deich. Daneben: ein abgeschirmter Bereich. Hier werden elektrische Klimaanlagentests durchgeführt. Eine Tür weiter: das futuristische "Acoustic Flight Lab". Die 140 dB starken Lautsprecher ermöglichen Praxistests für eine leise Kabine des A320. Beim Gang durch das Forschungszentrum kommen wir am VR-Lab vorbei. Hier wird an Produktionsprozessen u. a. für das Airbus-Werk geforscht - und das mit bis zu 30 Nutzern gleichzeitig. Investitionen in das VR-Lab: allein 800.000,- €.

In der 2. Testhalle wird es noch spannender: eine A320-Kabine mit Frachtraum im Maßstab 1:1 dient Cabin- & Cargo-Tests, eines von insgesamt 6 Test-Rigs der ZAL-Fachbereiche. Ein Schlüsselfrage hier in der Forschung: Kann man die Bordküche (Galley) im Cargo-Bereich unterbringen? Ein Lastenkran in der 22 Meter hohen Halle verrückt bis zu 5 Tonnen schwere Bauteile. So wird aus einer A320-Kabine wahlweise ein A380-Oberdeck. Die Kabinenausstattung ist einer der besonderen Forschungsschwerpunkte am zivilen Luftfahrtstandort Hamburg.

"Luftfahrt ist in klassischer Weise nicht First Mover."


Hochmodernes VR-Lab für kollaborative Entwicklung.
Foto: ZAL
Neben Klima-, Akustik- und Ausstattungsthemen steht die industrielle Produktion mit Unterstützung der Robotik auf dem Plan der Forscher. So entwickelt die Helmut-Schmidt-Universität am ZAL ein Exos-Skelett zum Heben schwerer Elemente in der Fertigung, z. B. von Gepäckfächern in der Montage. Lufthansa-Technik investiert auf Finkenwerder seinerseits in die Entwicklung der 3D-Technik, z. B. zum Druck von Ersatzteilen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die vernetzte Industrie 4.0 für die Produktion von Flugzeugen im 2,5 km entfernten Flugzeug-Werk.

Insgesamt hat das rd. 95 Mio. € teure ZAL sechs Forschungsschwerpunkte. Die "Technical Domains" sind "Fuel Cell Lab", "Cabin Innovation & Technology", "Air & Power Systems", "Aerospace Production & "Fuselage Engineering", "Acoustics & Vibration" sowie "General Processes & Support Topics". Damit deckt es die wesentlichen Aerospace-Themen in Hamburg ab. Dies geschieht durch Vermietung von Labor- und Hallenflächen, die Implementierung von Forschungs-Infrastrukturen, die Vermarktung des Luftfahrt-Forschungsstandortes mit Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Bereitstellung von Dienstleistungen für die Forschung. Das Engagement wird von einem rd. 40-köpfigen Team geleitet.

"Weil man an vorderster Front neueste Technologien entwickeln kann."


ZAL-Testhalle auf Finkenwerder
Foto: ZAL
Mehr als 450 Veranstaltungen brachten in 1,5 Jahren Partner aus Industrie, Mittelstand und Forschung auf Finkenwerder zusammen. Denn: Eine Besonderheit des Tech-Centers ist die direkte Kooperation, z. B. beim Thema Kabinenausstattung. So steht in der Testhalle ein Mockup von Lufthansa Technik direkt neben einem A320-Mockup von Airbus. Entscheidend ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit auf neutraler Basis. So können gemeinsame Innovationen entwickelt werden. "Es braucht einen Ort, an dem man sich vertraut", fasst Roland Gerhards die Intension zusammen, der selbst 15 Jahre bei Airbus u. a. in der Kabinenentwicklung arbeitete.

Das ZAL integriert die Bereiche Grundlagenforschung der Hochschulen, die Großforschung des DLR, die Zulieferindustrie der Region und die Großindustrie, wie Airbus und Lufthansa Technik. Damit ist das Zentrum ähnlich aufgestellt, wie die Zukunftsfabrik "Arena 2036" mit ihrer Forschungshalle für die Automobilindustrie in Stuttgart. Ein wichtiger Punkt im ZAL ist die Förderung der 300 zumeist kleinen und mittelständischen Zulieferer. Sie sind mit dem ZAL-Förderverein ebenso in Finkenwerder mit von der Partie. 

Dreh- und Angelpunkt sind die zahlreichen Veranstaltungen zur Vernetzung. Dazu kommt das neue Drohnennetzwerk "Windrove". Dieses Thema ist für Hamburg mehr als spannend, denkt man z. B. an die Luftmessung von Handelsschiffen, die Überwachung von Kaimauern oder den Transport von Blutkonserven und Medikamenten in einer Millionenstadt. Kein Wunder, dass die Netzwerkidee bei Roland Gerhards entstanden ist. "Als Ingenieur müssen Sie immer ein bisschen Spielkind sein", fasst der 49-jährige Luftfahrtingenieur das zukunftsweisende Engagement des Luftfahrt-Zentrums zusammen.


 Hamburg Digital Background: 

Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung - ZAL
www.zal.aero

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt - Hamburg

www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10257

Airbus Innovations
http://airbus-xo.com/about-us/

Lufthansa Technik Innovation

www.lufthansa-technik.com/de/innovation#wbx-accordion-collapse-1520539

Flughafen Hamburg Innovation

www.hamburg-airport.de/de/hamburg_zentrum_fuer_forschungsprojekte.php

Branchen-Verband "Hanse Aerospace" 
www.hanse-aerospace.net/

Branchen-Netzwerk "Hamburg Aviation"
www.hamburg-aviation.de

Hamburger Drohnennetzwerk - "WiNDRoVe"
www.zal.aero/aktuelles/article/326/

Aircraft Interiours Expo - Hamburg Messe
www.aircraftinteriorsexpo.com

Sonntag, 5. November 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Hansjörg Rodi: In Hamburg findet ein Großteil unserer technologischen Entwicklung statt.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Kühne + Nagel ist mit 127 Jahren Erfahrung einer der Platzhirsche unter den Speditionen an Alster und Elbe. Für die in Bremen gegründete und in der Schweiz notierte Aktiengesellschaft gilt es technologisch vorn mit dabei zu sein. Mit "KN Freightnet" hat "K + N" einen eigenen, digitalen Vertriebskanal u. a. im Wettbewerb mit "Freighthub" aus Berlin. Mit "K + N Login" gewährleistet die Spedition ihren Kunden das Monitoring der Fracht vom Schreibtisch aus.


Mehrere hundert Mitarbeiter kümmern sich bei Kühne + Nagel in der Hamburger Hafencity allein um die IT - vom eigenen Transport Management System bis zu agilen Anwendungen, eigenen Kundenportalen und Datenservices für andere Branchen. Wie gut ist eine der größten Speditionen Deutschlands für die Herausforderungen der Digitalisierung aufgestellt? Unser HANSEPERSONALITY ist Kühne + Nagel Deutschland-Geschäftsführer Dr. Hansjörg Rödi:



K + N Deutschlandchef Dr. Hansjörg Rödi
Foto: Kühne + Nagel
Die Digitalisierung ist in aller Munde. Kaum eine Woche vergeht ohne eine Konferenz zu den Herausforderungen der Transformation. Was heißt Digitalisierung konkret für die Internationale Großspedition Kühne + Nagel?

Wenn wir über Digitalisierung sprechen, stellen wir die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden in den Mittelpunkt unserer Überlegungen. Zugriffsmöglichkeit rund um die Uhr und ein extrem einfacher Umgang mit den Systemen sind dabei besonders wichtig. Wir profitieren davon, dass wir die für unser Unternehmen und unsere Kunden zentralen IT-Lösungen selbst entwickeln. 

Mit diesen Lösungen arbeiten wir weltweit einheitlich und standardisiert. Für unsere Kunden bedeutet das, dass Sie global auf jeweils identische Systeme zurückgreifen können. Kühne+Nagel war ein Vorreiter hinsichtlich der Internationalisierung des Unternehmens und dieser globale Ansatz prägt auch unsere Herangehensweise bei der Digitalisierung.

Gehen wir mal gemeinsam durch Ihr Haus und schauen uns Ihre digitalen Prozesse zusammen an: In welchen Bereichen hat Ihre mehrere hundert Mitarbeiter große IT bereits ganze Arbeit geleistet? Und wo wird's knifflig mit digitalen Services - intern und extern?

Unser Ziel ist es, unseren Kunden software- und datengetriebene Lieferketten anzubieten und damit Mehrwert für ihr Business-Modell zu schaffen. Wir haben bereits vor etwa zwanzig Jahren "KN Login" eingeführt, unsere Monitoring- und Visibility-Online-Plattform, deren Funktionen ständig erweitert werden. Mit "KN Freightnet" haben wir unseren Kunden als erstes Unternehmen eine komplett digitale Plattform für Quotierungen, Buchungen und Sendungsverfolgung zur Verfügung gestellt. Und wir verfügen wir über ein globales Operating-System.

Um unser Ziel zu erreichen, verlassen wir uns nicht allein auf unsere IT-Mitarbeiter. Alle unsere Mitarbeiter tragen dazu bei, dass unsere Kunden von unseren wertschöpfungsstarken Dienstleistungen profitieren. Insgesamt verbessern wir unsere Konnektivität kontinuierlich, um Kunden, Partner und Lieferanten reibungslos in unserer Systeme zu integrieren. Die Automatisierung unserer internen Prozesse erhöht unsere Effizienz. 

Sie dürfen aber nicht vergessen, dass nur ein kleinerer Teil der Container so transportiert wird, wie ursprünglich geplant. In diesen Fällen helfen automatisierte Prozesse nur bedingt weiter. Hier ist dann das logistische Know how unserer Mitarbeiter gefordert. Logistik bleibt auf absehbare Zeit ein Peoples‘ Business.

Neue Herausforderer, wie digitale Hamburger Speditionen - z. B. "Cargonexx" (Truck DE+EU), "Clinch Logistics" (LATAM-Europa) und "Freighthub" (Asien-Europa + USA-Europa) müssten Ihnen doch den Schweiß auf die Stirn treiben? Schlafen Sie noch ruhig angesichts der Startups?


K+N-Chef Dr. Hansjörg Rödi in der Handelskammer Hamburg
Foto: HANSEVALLEY
Wir beobachten mit großem Interesse, was die Startups unternehmen, und deren etwas anderen Blick auf unsere Industrie. Mit einzelnen dieser Unternehmen arbeiten wir gezielt zusammen. Allerdings haben wir weiterhin selbst den Anspruch, technologischer Marktführer zu sein - trotz dieser jungen Unternehmen. Dafür stehen u. a. unsere Online-Plattformen "KN Login" und "KN Freightnet", mit denen wir unseren Kunden seit langem attraktive Angebote machen und die wir kontinuierlich verbessern.

Sie organisieren Logistik und Lager für große Industrieplayer in führenden Branchen, wie Automotive, Pharma und Tech-Industrien. Wie unterstützen digitale Analysen und Services Sie in Ihrem Geschäft, das gegebene Lieferversprechen tatsächlich einzuhalten?

Wir wenden Predictive Analytics beispielsweise bei unserem Produkt "KN PharmaChain" an, wo wir ein dynamisches Lieferketten-Management entwickeln, das auf Big Data und intelligenten Sensoren basiert. Unsere Kunden erhalten noch während des Transports vorausschauende Analysen. Dadurch können sie sehr kurzfristig Maßnahmen ergreifen, um z. B. die Einhaltung von Temperaturgrenzen sicherzustellen.

Für Kreuzfahrtreedereien nutzen wir Predictive Analytics, damit diese die Belieferung von Kreuzfahrtschiffen sehr viel exakter planen können. Gleichzeitig kann dadurch die Belieferung in Echtzeit kontrolliert und synchronisiert werden. Wir stellen unseren Kunden ein Dashboard zur Verfügung, das einen Überblick über Vorlaufzeiten, Häfen, Routen, ETA (Estimated Time of Arrival) und ATA (Actual Time of Arrival) sowie Optionen zur Echtzeit-Positionsbestimmung anbietet. Letztlich können dadurch Wartezeiten und Liegekosten verringert werden. 

Perspektivisch werden wir in der Lage sein, den Beteiligten an einer Lieferkette bis auf Sendungs- und Artikelebene in Echtzeit Warnhinweise zu übermitteln und so ein dynamisches und vorausschauendes Supply Chain Management zu ermöglichen.

Amazon baut weltweit an Logistik-Ketten z. B. mit eigenen Frachtflugzeugen oder Partnerschaften im Liniendienst. Alibaba baut in Europa eigene Warehouses auf. Sie sind einer der Player im "3PL-Markt" (firmenexterne Logistikdienstleister). Sind Sie zunehmend nervös, was die E-Commerce-Riesen da in Ihrem Markt treiben?

Nein, absolut nicht. Man muss im Übrigen auch hier genau hinsehen. In der Seefracht sind die genannten Firmen eher unsere Kunden. Und mit Alibaba beispielsweise arbeiten wir im B2B-Bereich zusammen. Diese Zusammenarbeit werden wir weiter ausbauen.

Mit dem "GKNI" (Global Kühne + Nagel Indicators) haben Sie einen "Now Trade Casting"-Service entwickelt, mit dem Sie z. B. Finanzinstitutionen einen Index zur weltweiten Logistik in Echtzeit bereitstellen. Verabschieden Sie sich perspektivisch doch vom "Blechkisten" verschiffen?

Selbstverständlich nicht. Die Digitalisierung verändert unser Geschäft, aber das Know how des Spediteurs bleibt unverzichtbar. Unstrittig ist aber, dass Big-Data-Anwendungen in der Logistik eine immer größere Bedeutung bekommen. Mit "gKNi" bieten wir ein umfangreiches Trade Nowcasting an. Wir haben dafür viele interne und externe Datenquellen evaluiert und integriert. 

Auf diese Weise ist eine der größten Big-Data-Infrastrukturen in der Logistikbranche entstanden. "gKNi" ist ein Frühwarnsystem für Entwicklungen in der Weltwirtschaft, mit dem wir Einschätzungen zu wichtigen Wirtschaftsindikatoren weit vor den üblichen Analystenumfragen zur Verfügung stellen und unseren Kunden nahezu in Echtzeit Einblicke in die Wirtschaftsentwicklung einzelner Sektoren und Länder bieten. 

Die Blockchain bietet Vertraulichkeit von Dokumenten auf der ganze Reise von Containern, Paletten und Stückgut. Wie weit sind Sie heute bereits in diesen Technologien unterwegs, um den Anschluss nicht zu verpassen?

Die Blockchain-Technologie ist ein wichtiges Thema. Wir beobachten die technischen Entwicklungen nicht nur, sondern testen diese Technologie bereits. Gerade in Bezug auf die Vertraulichkeit von Dokumenten kann die Blockchain-Technologie in der Tat wichtige Impulse liefern.

Zum Schluss unsere Hamburg-Frage: Welche Herausforderungen sehen Sie für den Logistikstandort Hamburg, an dem Sie u. a. mit der HHLA und der VTG kooperieren und der auch für Ihren Umschlag wichtig ist? Und was empfehlen Sie der Stadt Hamburg für die kommenden 10 Jahre?

Mein Eindruck ist, dass Hamburg im Bereich der Digitalisierung sehr gut aufgestellt ist. Alle relevanten Hamburger Institutionen und Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema. Für Kühne+Nagel ist Hamburg auch in der Hinsicht ein wichtiger Standort, denn hier findet ein Großteil unser technologischen Entwicklungsarbeit statt.

Was eher analoge Themen angeht, sind die Herausforderungen, vor denen Hamburg steht, bekannt: die Fahrrinnenanpassung und die Organisation von Vor- und Nachlauf, um nur diese zu nennen. Wir sind mit den in Hamburg angebotenen Dienstleistungen zufrieden, so wie wir es mit den Dienstleistungen in anderen Häfen auch sind.

 Hamburg Digital Background: 


Global Kühne+Nagel Index - "gKNi" 
https://logindex.com/

Dienstag, 31. Oktober 2017

HANSETRANSPORT: Läuft intelligent in Hamburg!

HAMBURG DIGITAL REPORT
*Update*


Offizieller Titel des Bid Book Hamburgs für "ITS2021"
Foto: Marc Hübner, www.fotowelt-hamburg.de
Design: Tanja Gottschalch & Christina Föllmer, Hamburg

Es ist einer der Höhepunkte des 4-tägigen ITS-Weltkonkresses 2017 in Montreal: Hamburg wird das Gipfeltreffen für Mobilität, Transport und Logistik 2021 im frisch sanierten "CCH" ausrichten. 10.000 verkehrspolitische Entscheider, Forscher, High-Tech-Innovatoren und Geschäftsleute kommen dann vom 11. bis 15. Oktober '21 zur Messe, um die Zukunft von Transport und Verkehr zu gestalten. Damit wird die Hansestadt zur globalen "Smart City".


Gruppenfoto zur Entscheidung in Montreal: ITS2021 in Hamburg.
Foto: Frank Pflugfelder, @meet_in_hamburg)
Über 2 Mio. Menschen nutzen täglich Busse und Bahnen an Alster und Elbe. 770.000 Autos sorgen für unzählige Staus - Tendenz steigend. 2.200 Busse von "Hochbahn" und "VHH" sowie 2.000 U-Bahn-Wagons und die S-Bahnen rollen täglich durch die Hansestadt. Der Hamburger Hafen ist 3. größter Seehafen Europas, mit rd. 9 Mio. Containern und 138 Mio. Tonnen Umschlag in 2016. Die Hansestadt ist das Logistikdrehkreuz Nordeuropas und der Verkehrsknotenpunkt Norddeutschlands. "Smart City" und "Smart Port" sind Hamburgs wichtigste Aufgaben für die Zukunft. Ein Hamburg Digital Report:

Mittwoch, 15. März des Jahres: Eine Hamburger Deligation übergibt zusammen mit dem "Starship"-Zustellroboter in Brüssel der europäischen ITS-Organisation "ERTICO" die offizielle Bewerbung Deutschlands für die Ausrichtung des Weltkongresses 2021. Mehr als 100 Unterstützer aus Industrie, Wissenschaft und Interessenvertretungen stehen hinter der Präsentation des geheimen "Bid Book" der Freien und Hansestadt. Der Kongress gastiert alle 3 Jahre in Europa. Und der Senat plant Großes: Unsere Stadt soll Test- und Erprobungsumfeld für neue Technologien sein. 

Frank Horch fasst anlässlich der Bewerbung im März d. J. das Ziel zusammen: "Wir wollen in den nächsten Jahren Deutschlands Modellstadt für intelligente Mobilität und Logistik werden. Der Einsatz von modernsten Technologien und breit gefächertem Know-how wird den Verkehr für die Bürgerinnen und Bürger zugänglicher, sicherer, effizienter und umweltfreundlicher machen. Die Ausrichtung des ITS-Weltkongresses bietet die Chance, unsere Innovationskraft der Welt zu präsentieren.“


Handlungsfelder der ITS-Strategie "Verkehr 4.0" für Hamburg
Grafik: Strategiepapier BWVI

6 Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Strategie für Intelligente Transportsysteme (ITS) der Wirtschaftshauptstadt: angefangen bei der Bereitstellung von notwendigen Informationen mittels vernetzter Verwaltung und digitaler Daten, gefolgt von intelligenter Verkehrssteuerung mittels Sensoren und selbststeuernden Ampeln, einer intelligenten Infrastruktur via WLAN in der City und LoRaWAN im Hafen, smarten Parkraumlösungen über Sensoren und Handy-Apps, der Entwicklung von Mobilität als Service mit "Switch" und Partnern sowie intelligenten Fahrzeugen mit dem Ziel autonomen Betriebs in der Zukunft.

Smart und umweltfreundlich zum Paket

Wirtschaftssenator Frank Horch ärgert sich über wild parkende Paketwagen vor seiner Haustür in der Hafencity. Nur mit intelligenten Lösungen kann der E-Commerce-Lawine Einhalt geboten werden. Im Hamburger Projekt "SMILE" werden Lösungen für die letzte Meile erarbeitet. "UPS" hat in den vergangenen 2 Jahren mit einem Container als lokalem Hub und Zustellung per Sackkarre und Fahrrad rund um den Neuen Wall getestet, wie flexible, umweltfreundliche Zustellung aussehen kann. Die "Otto Group"-Tochter "Hermes" testete im Winter die Zustellung vom Paketshop zur Haustür mit dem Starship-Roboter "6D9" in Ottensen, Volksdorf und Grindel.

Ein weiteres Projekt hat die Otto-Tochter "ECE" initiiert: Das "Alstertal Einkaufs-Zentrum" dient dem Betreiber als "Future Lab": Kunden können Produkte aus den Shops bequem in der "Digital Mall" bestellen - und anschließend stressfrei abholen. 56% aller Deutschen leben laut Informationen von ECE im Umkreis von 30 Minuten zum nächsten Center. Verknüpft man Online-Bestellungen in über 100 Shops des "Otto"-Konzerns mit flexibler Abholung in Centern oder flexibler Lieferung per Fahrrad, wird Online-Shopping intelligent.

Bereits in der Planung ist ein smartes Parkraum-System. So sollen die kostenpflichtigen Parkplätze der Stadt mit Sensoren ausgestattet werden, zunächst versuchsweise rund um den Hauptbahnhof. In einer Mobile App und über Navis werden dann freie Parkplätze angezeigt. Los gehts Anfang kommenden Jahres. Läuft der Test von "T-Systems" und dem Landesbetrieb "LSBG" erfolgreich, könnten in Zukunft alle 10.000 bewirtschafteten Parkplätze mit Sensoren zu intelligenten Parkplätzen werden. 

Kostenlos vernetzt in Bus und Bahn

Zu vernetzter Mobilität gehört die Versorgung mit kostenfreiem WLAN. Die "Hochbahn" stattet aktuell alle 1.000 Busse ihrer Flotte mit WLAN-Zugängen von "MobyKlick" auszustatten, bis Ende 2018 auch alle 92 U-Bahnstationen. Ebenso werden die 68 Haltestellen der "S-Bahn Hamburg" ausgeleuchtet. Nicht genug: "MobyKlick" baut bis Dezember '18 150 kostenlose Hotspots zwischen Jungfernstieg und Lombardsbrücke auf, 900 Stück werden von "Willy.Tel" insgesamt mit Unterstützung der Stadt errichtet - zugleich der Backbone für künftige mobile Services.


Olaf Scholz nimmt die 600. Ladestation für Elektromobilität in Betrieb
Foto: Senatskanzlei Hamburg / Frederik Sperber

Elektrisch unterwegs in der Innenstadt

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz nahm Mitte Oktober d. J. mit "Stromnetz Hamburg" die 600. Ladestation für E-Autos in Betrieb. Aktuell sind in der Hansestadt nur rd. 2.400 elektrisch angetriebene PKW unterwegs, in der Metropolregion kommen noch einmal rd. 1.000 dazu. Bis 2030 soll die Zahl der emissionsfreien Autos auf bis zu 100.000 steigen. Hinzu kommen die emissionsfreie Busse von "Hochbahn" und "VHH". Ab 2020 werden die Verkehrsbetriebe nur noch solche Busse anschaffen, eine Ausschreibung für die ersten 60 E-Busse der "Hochbahn" läuft gerade. Die ersten serienreifen Fahrzeuge sollen 2019 über Hamburgs Straßen rollen.

Bis zu 550 "BMWs" und "Minis" der "Drive Now"-Flotte werden bis Ende 2019 elektrisch unterwegs sein, ebenso wie 400 der 800 "Car2Go"-Smarts. Bereits Anfang kommenden Jahres präsentiert die VW-Tochter "Moia" ihren neuen E-Shuttle, der mit der "Hochbahn" als Sammeltaxi fahren wird. Ende kommenden Jahres sollen 200 "Moias" über die Mobilitätsplattform "Switchh" Fahrgäste zum Preis zwischen "HVV"-Ticket und Taxi chauffieren, ebenso wie die neuen Shuttlebusse der Bahn. Möglich wird dies durch Mobilitätspartnerschaften zwischen dem Senat und "BMW", "Daimler", "Volkswagen" sowie von "Hochbahn" und "Deutscher Bahn".

Nicht genug: Im September gestartet, werden 20 "Toyota"-Wasserstroff-PKW bis zum Jahresende nach Hamburg kommen, abends als Shared Service und Taxi-Alternative Hamburger nach Hause bringen. In Zukunft soll "Clever Shuttle" ebenfalls in "Switchh" eingebunden werden. Und auch das "Stadtrad" wird noch attraktiver: Hier sollen den 350.000 Kunden 350 Stationen mit 4.500 Rädern zur Verfügung stehen, buchbar über über "Switchh" buchbar mit Rabatt. "Switchh"-Betreiber "Hochbahn" sieht sich denn auch als 1. Adresse für Mobilität in Hamburg, wie Vorstandschef Henrik Falk im HANSEVALLEY-Interview erläutert.



Multitouch-Tisch der HPA bei der Solutions Hamburg 2017
Foto: HANSEVALLEY

Transport + Logistik im intelligenten Hafen

Dr. Sebastian Saxe ist stolz auf eines seiner jüngsten Babies: Der Multitouch-Tisch ermöglicht in der "Nautischen Zentrale" am Lotsenhaus Seemannshöft das Steuern von 30.000 Schiffsbewegungen im Jahr - u. a. von Tankern und Kreuzfahrern - mit Wassertiefen in Echtzeit. Der digitale Tisch ist zudem eine Managementtool im Landesbetrieb "LSBG" bei der Baustellenkoordinierung für Straßen gemacht. Mit einer speziellen Software können in "Roads" 30.000 Baumaßnahmen pro Jahr koordiniert werden. So müssen Straßen nicht mehrmals aufgerissen werden. Ende September d. J. gab es dafür den "Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr".

Nicht weniger spannend ist das bis zum kommenden Jahr laufende Projekt "Smart Port Traffic Light" aka "Green4TransPORT" der Hafenbehörde zusammen mit dem Betreiber der Hamburger Verkehrsanlagen "HHVA". "NXP" und "Siemens". So kann eine Fahrzeugkolonne im Hafen, die sich einer Ampel nähert, eine längere Grünphase bekommen. Fußgänger, die über RFID identifiziert werden, fordern damit ihre grüne Ampel an. Sollte ein Fußgänger bei Rot über die Straße laufen, wird von der Ampel eine Warnung an heranfahrende Autos geschickt.

"Smart Road", "Smart City" & "Smart Port"

Eines der ersten Projekte im Hafen war "Smart Road": Auf einem Straßenabschnitt im Hafen wurde bis Mitte 2016 eine intelligente Straße getestet. Dazu gehörten Verkehrserfassung und Steuerung sowie eine selbst steuernde Straßenbeleuchtung für Fußgänger und Radfahrer. "Cisco", "Philips", "T-Systems" und Partner zeigten, wie mittels Sensoren Infrastruktur- und Umweltdaten gesammelt werden können. Mit der "Smart Port"-Strategie hat sich die HPA zur "Werkstatt für die Digitale Transformation" entwickelt. Sebastian Saxe erklärt im HANSEVALLEY-Interview, wie man mit "Smart Port" die "Smart City" voranbringt.

Das Bundesverkehrsministerium hat Hamburg als eine von 8 Städten im Rahmen des Programms "Digitales Testfeld Autobahn" ausgewählt, zukunftsweisende Projekte in den Bereichen sicheres, autonomes Fahren zu erkunden. Dabei werden in Hamburg vor allem Szenarien im Innenstadtverkehr getestet. Eine Rolle wird auch das "Smart Road"-Projekt aus dem Hafen spielen, und die dahinter stehende "V2X"-Technologie für die digitale Kommunikation von Fahrzeugen und ihrer Umgebung. Eine Ebene höher mündet das ganze in einer stadtweiten IT-Infrastruktur einschließlich Nutzerdaten und künstlicher Intelligenz. Ein Projekt, an dem der Landesbetrieb Geoinformation "LGV" arbeiten wird.


Visualisierung einer ICT-City Plattform für Hamburg
Grafik: LGV

Ausblick auf die Smart City Hamburg

Und wo geht die Reise hin? Ein Zwischenbericht von Verkehrssenator Frank Horch zu den ITS-Projekten im Ende Mai vergangenen Jahres weist bereits die Richtung: Die Entwicklung durch die Vernetzung von Prozessen, Systemen, Daten und Dingen hat eine neue Qualität. Da werden nicht nur möglichst viele Computer, Sensoren, Aktoren oder Maschinen miteinander vernetzt. Auch die damit entstehenden Schnittstellen sind Gegenstand der Digitalisierung. Im "Internet of Everything“ interagieren Maschinen, Bauteile, Autos und Ampeln direkt miteinander. Eine spannende Aufgabe auch für den neuen Digital Hub Logistics Hamburg.

Willkommen in der Zukunft - in Hamburg, wo's läuft!

 Hamburg Digital Background: 

ITS-Übersicht Hamburg 2017
www.hamburg.de/its

ITS-Strategie Hamburg "Verkehr 4.0"
http://its2021.hamburg/downloads/ITS%20Strategie%20Hamburg.pdf

HPA "Smart Port"-Strategie im Hafen
https://www.hamburg-port-authority.de/de/hpa-360/smartport/

 Hamburg Digital Interviews: 

HANSEPERSONALITY Senator Frank Horch:
"Hamburg bekommt Next Logistics Accelerator."

HANSEPERSONALITY Henrik Falk:
"Der Bedarf am privaten Fahrzeug wird nahezu ganz aufgelöst."