Freitag, 19. Januar 2018

HANSEVISION: Von ehrbarer Kaufmannssiedlung zur Digitalen Metropole Hamburg.

HAMBURG DIGITAL VISION


Blick in die Zukunft von Chefredakteur Thomas Keup
Foto: HANSEVALLEY
Von digitalisierten Prozessen über digitale Vertriebskanäle zu Digitalprodukten: was als klassischer Dreiklang in den Strategien Hamburger Unternehmen in Industrie & Handel, Hafen & Logistik, Finanzen & Versicherungen sowie Medien & Marketing auf der Agenda steht, ist für das Unternehmen Hamburg eine Herausforderung. Wie kann die Freie und Hansestadt - FHH - mit ihrem Chief Digital Officer und neuen Brücken interdisziplinäre Verwaltungsprozesse und digitale Services für Hamburger, Handelshäuser und die Hafenwirtschaft entwickeln. Eine HAMBURG DIGITAL VISION:

Ein chinesisches Konsortium will auf "Steinwerder-Süd" ein 4. Containerterminal bauen. Das ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs des Hafenmanagements HPA. Am 13. Juli 2017 verkündet das Hamburger Abendblatt: Chinas größte Firmengruppe für Internet-Dienstleistungen und Online-Handel - Alibaba -, der größte Hafenbaukonzern China Communications Construction Company (CCCC) und dessen Tochter ZPMC, Weltmarktführer bei Containerbrücken, planen auf den 42 Hektar an der Norder-Elbe ein vollautomatisches Hightechterminal mit überdimensionalem Logistikzentrum zu errichten - einschließlich Finanzierung und Projektmanagement.

Alibaba-Logistikzentrum oder Altenwerder-Sigthseeing?


Bisheriges BUSS-Terminal auf Steinwerder:
Neues Kreuzfahrtterminal oder Alibaba-Hub?
Grafik: HPA / Kartographie
Am gleichen Tag frage ich Angela Titzrath, Vorstandschefin des stadteigenen Terminalbetreibers HHLA, auf einer Konferenz zur digitalen Transformation der Logistik in der Handelskammer, nach ihrem Verhältnis zur Hafenbehörde HPA. Hätte ich gewußt, dass die reservierte Konzernlenkerin bei diesem Thema rot sieht, hätte ich mir die Frage eventuell noch einmal überlegt. Titzrath holt mit Schwung in Richtung Jens Meier aus und stutzt die technologisch erfahrene Hafenbehörde mit scharfen Worten auf einen "Infrastrukturdienstleister im Auftrag der Hafenwirtschaft" zurück.

Ein halbes Jahr später sage ich nach mehr als 120 Gesprächen, über 120 Nachrichten-Terminen, 200 Stunden Interviews, 380 Nachrichten und 150 Geschichten zur Digitalisierung allein in 2017: Ja, ich würde das Terminal bauen lassen. Ja, ich würde die Chinesen in der Stadt offen begrüßen. Ja, ich würde die Chancen mit einem Global Player Alibaba am Handels- und Logistikstandort Hamburg in den Mittelpunkt stellen. Warum? Weil der größte chinesische Internetkonzern an einem europäischen Hafen anlanden wird, entweder in Rotterdam, Antwerpen oder - nicht - in Hamburg. Und weil ein vollautomatisches Terminal und ein Alibaba-Logistikzentrum echte Leuchttürme für Hamburg wären, unabhängig vom 16 Jahre alten HHLA-Container Terminal in Altenwerder, dass man höchstens dem Bundespräsidenten vorführen kann.

Digitale Transformation + technologiebasierte Bildung.

UVNord-Präsident Uli Wachholtz
Foto: HANSEVALLEY
Szenenwechsel: Der Präsident der Vereinigung der Unternehmerverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein, Uli Wachholtz, schreibt den 600 geladenen Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft beim Neujahrsempfang 2018 der UVNord im Atlantik Hotel Hamburg am 9. Januar d. J. ins Stammbuch: "Wachstumstreiber werden Bildung und Digitalisierung, weniger als in der Vergangenheit der globale Handel, wie in den Jahren nach dem Mauerfall." Den Beweis liefert HHLA-Chefin Titzrath in einer Ansprache beim Wirtschaftsrat der CDU: In den vergangenen 2 Jahren hat sich die Zahl der internationalen Reedereien von 20 auf 12 dezimiert. In nur 2 Jahren.

Keine Festansprache, kein Grußwort und kein Pressestatement von Olaf Scholz, Katharina Fegebank und Frank Horch ohne den Hinweis, dass die digitale Transformation und die technologiebasierte Bildung der nächsten Generation das künftige Kapital an Alster und Elbe sein werden, damit in der stolzen und traditionellen Hafen- und Handelsstadt die Lichter nicht ausgehen. Womit wir beim Pferdefuss der Geschichte wären: Volker Ernst, Vorsitzender der Familienunternehmer in der Metropolregion sagt zum Neujahrsempfang am 9. Januar d. J. im Hamburg Mariott Hotel: "Unser Quartal dauert 25 Jahre. Unser Ziel ist es, unser Unternehmen in bestmöglicher Situation an die nächste Generation weiterzugeben."

Hamburg: Der rote Faden sind digitale Technologien.

Hamburgs Erste Bürgermeister Dr. Olaf Scholz
Foto: HANSEVALLEY
Damit sind wir bei Kontoren und Kammern, Banken und Versicherungen, Reedern, Schiffsmaklern und Spediteuren. Olaf Scholz schreibt der Unternehmerschaft in seiner Grundsatzrede zum Wissenschaftsstandort am 23. November 2017 wiederholt ins Stammbuch: „Es gibt keinen Zustand, der es uns erlauben würde, uns gemütlich einzurichten und bloß noch das Bestehende besser zu machen.“ Damit stellt der SPD-Spitzenpolitiker die entscheidende Schlüsselfrage für Hamburgs Existenz: Wie kommt unsere Stadt von 500 Jahren ehrbarer Kaufmannssiedlung zu einer "Digitalen Metropole"? 

Olaf Scholz fragt nach: "Wie bewegen wir uns in Zukunft fort und wie bewegen wir Güter – in der Stadt, auf dem Wasser und in der Luft? Wie können wir Krankheiten heilen und wie sieht morgen die medizinische Versorgung aus? Wie gestalten wir unsere Stadt, damit alle gut zusammenleben? Welche Werte und Fertigkeiten wollen wir jungen Menschen mit auf den Weg geben? Wie sehen Medien in Zukunft aus?"Alle von Scholz adressierten Themen haben einen gemeinsamen Nenner - mehr noch als Wissenschaft und Forschung: der rote Faden sind digitale Technologien - mit ihren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Möglichkeiten und Herausforderungen.

Chief Digital Officer für das Unternehmen Hamburg.


Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm
Foto: Privat
Der Beweis? Geliefert von Olaf Scholz: "Schon heute wissen wir, dass drei von acht Arbeitsplätzen in der Stadt einen IT-Bezug haben. Das ist deutschlandweit ein Spitzenwert. Er kommt zustande, weil IT-Arbeitsplätze nicht nur in IT-Unternehmen, sondern in allen Branchen entstehen, in denen es konkrete Anwendungsbezüge gibt." Rd. 14.000 Medien- & Kreativfirmen, rd. 9.000 IT-Firmen sowie 1.500 Software-Schmieden einschl. 150 Games-Firmen sind der technische Backbone des drittgrößten Wirtschaftsstandortes. Ohne Technologien und die Digitalisierung von Prozessen, Vertrieb und Produkten wird es schwierig - für Kontore, Kammern und die Senatskanzlei.

Anfang 2015 hat der Senat eine Strategie für eine "Digitale Stadt“ beschlossen, um die IT-Prozesse zu bündeln und Strukturen zu schaffen. Aktivitäten, wie die "Digitale Leitstelle", die "Mobile First"-Initiative und das Hamburg Serviceportal mit aktuell 70 Anwendungen beschäftigten Carsten Brosda, den Hamburger IT-Dienstleister Dataport und die IT-Abteilung bei der Finanzbehörde. Mit Chief Digital Officer Christian Pfromm kommt im neuen "Amt für IT und Digitalisierung" zusammen, was zusammen gehört: Ab Januar '18 arbeiten 60 Mitarbeiter aus der ehemaligen "Finanz-IT" mit Spezialisten von Dataport zusammen an der "Digitalen Stadt". Budget: 18 Mio. €.

FHH: Von Ordnungswidrigkeiten bis Landespolizei.


Senatskanzleichef Dr. Christoph Krupp
Foto: HANSEVALLEY
Christoph Krupp, Chef der Senatskanzlei und Staatsrat für IT und Digitalisierung bringt auf dem Neujahrsempfang des "IT Executive Club" von Hamburg@work am 12. Januar d. J. auf den Punkt: "In Sachen Digitalisierung sind wir in Hamburg ganz weit vorn." Stellvertretend nennt er das Serviceportal, die IT-Hochschulförderung "Ahoi Digital", die Hamburg Open Online University und das digitalisierte Weltkultur-Erbe Speicherstadt. Zugleich nennt der Physiker vor den 100 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft die Herausforderungen: allem voran die fehlenden, ressortübergreifenden Prozesse der Verwaltung sowie die doppelte Belastung Hamburgs als Stadt und Staat.

Stellt sich die Frage: Kann ein Ex-CIO und IT-Chef aus der privaten BHF-Bank in Frankfurt am Main der Freien und Hansestadt mit ihrer eigenen Art zu denken die zukunftsweisende Vision, die begeisternde Emotionalität und damit das erforderliche Momentum anbieten, um über digitalisierte Behördenservices hinaus der 1,8 Mio. Einwohner zählenden Großstadt mit ihren rd. 60.000 Beamten und öffentlichen Angestellten den notwendigen Funken mitzugeben? Im Moment beschränkt sich die Begeisterung für digitale Prozesse, Kanäle und Produkte an Alster und Elbe zumeist auf Wirtschaftskonferenzen, Sonntagsreden und Programmpapiere. 

Wirtschaft, Verkehr und Innovationen im Zentrum.

Hamburger Innovator: Peter Jäger
Foto: Microsoft
Ralf Siebert, 3D-Druck-Experte und einer von 4 Verantwortlichen des am 15. Februar '18 in der Handelskammer startenden 3D-Druck-Netzwerkes sagt nach dem Neujahrsempfang der Familienunternehmer zum Thema Konzeptionen: "Bitte nicht noch ein Arbeitspapier!" Wenn die sinnvollen Ideen und Konzepte, wie ein "Digital-Senator" (von Microsoft-Geschäftsführer Peter Jäger) bis zur "Digitalen Agenda" (vom CDU-Wirtschaftsrat in Hamburg) die "große Lösung" sind, wie kann dann eine "kleine Lösung" aus Hamburger Sicht aussehen? Anders gefragt: Welche Behörde adressiert die meisten der entscheidenden Zukunftsthemen aus Olaf Scholz' Rede im Übersee-Club am Neuen Jungfernstieg? 

Es ist die BWVI - die Wirtschafts-, Verkehrs- und Innovationsbehörde: 
  • mit Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft - einschl. Elektro-/Mobilität (HHA + LSBG), Hafen & Schiffahrt (HPA) sowie intermodaler Logistik (HHLA)
  • mit Firmenansiedlungen (HIE)  & Wirtschaftsförderung (HIW), Startupförderung (HIW) & Finanzierungen (IFB), Standort-Marketing (HMG) & Tourismus (HHT)
  • mit mehr als 30 ITS-Projekten bis 2021 in Hafen (HPA), Verkehr und Stadtentwicklung (HHA-PMO + GV) sowie der Güter-Logistik (LIHH)
  • mit ITS-Weltkongress (CCH) und Großmessen (HMC + HIS) sowie Kongressen und Events (HCB)   
  • mit den Cluster-Initiativen als Teil der Hamburger Innovations-Strategie, u. a. für Martime Wirtschaft (MCN), Logistik (LIHH) und Luftfahrt (HA).
  • mit Digital Hub Logistics Hamburg (LIHH) und dem Hammerbrooklyn Digital-Campus (HWWI).
Hier werden viele digitale Innovationsthemen des Unternehmens Hamburg behandelt.

Mit Übernahme der Regierungsverantwortung durch Rot-Grün bekam die Behörde 2011 den Zusatz "Innovation". Mit Beginn der Legislatur-Periode 2015 begannen die Themen, zu leben. Im vergangenen Jahr kamen Verkehr, Logistik und Startups in Fahrt, u. a. durch die selbst vor die Nase gehaltene "Möhre" ITS-Weltkongress. Bisher galt auch in der BWVI das allseits verankerte Prinzip 'mein Sessel, mein Silo, mein Lobeerkranz'. Mit Innovationsthemen, wie den F&I-Parks, dem "Hamburg Innovation Port" und der Bündelung der Startup-Aktivitäten bei Hamburg Invest bekommt die BWVI Querschnittsaufgaben für die Freie und Hansestadt - häufig in Zusammenspiel mit der Wissenschaftsbehörde BWFG. Silodenken? Wird zunehmend schwierig!

Ein "digitaler Kapitän" des Unternehmens Hamburg.


Wirtschatssenator Frank Horch.
Foto: HANSEVALLEY
Wenn wir Wirtschaft, Verkehr und Innovationen in den Mittelpunkt stellen, wenn wir die anderen Behörden mit ihren Themen, wie "Digitale Schule" (BFB), "Ahoi Digital" (BWFG), "Digitale Medientechnologien" (BKM) und "Digitale Umweltservices" (BUE) darum positionieren, bekommen wir ein Bild. Die gemeinsame Klammer sind Innovationen - in und mit Bildung, Forschung und Wirtschaft. So, wie der Erste Bürgermeister die Leitlinie der Hamburger Politik vorgibt, so sollte der "Digital-Senator" die Leitlinie der Hamburger Digitalpolitik aufzeigen. Auch wenn Frank Horch womöglich nicht scharf auf den Titel "Digital-Senator" sein wird. De Facto braucht es einen Kapitän, der das "digitale Team" führt.

Praktisch braucht es einen "Chief Operating Officer" bzw. "Chief Digital Officer" an der Spitze des "digitalen Dampfers" BWVI. Einen, der die Verwaltung von innen kennt, der als Mitarbeiter, Referatsleiter, Amtsleiter und auf Vorstandsebene die Sorgen und Nöte der Menschen versteht und sie mit auf die Reise nehmen kann. Einen, der die Entwicklung der Stadt organisatorisch und technologisch kennt. Und einen, der mit seiner Lebenserfahrung nicht mehr über jedes "Stöckchen springen" muss, einen Holzweg rechtzeitig erkennt und an der einen oder anderen Stelle auch mal einen größeren "Kieselstein" ins Wasser werfen darf.

Glaubwürdigkeit, Interdisziplinariät & Kommunikation.

Ein "Chief Digital Officer für Wirtschaft, Verkehr und Innovationen" ist Ansprechpartner für Unternehmen, Initiativen, Netzwerke und Verbände der Wirtschaft - in Industrie und Handel, in Dienstleistungen und Technologien. Auf der anderen Seite des Tisches baut Hamburg@work genau dafür das horizontale "DigitalCluster.Hamburg“ auf. In privater Initiative bündelt das älteste Wirtschaftscluster Hamburgs horizontal die Expertise für die Digitale Transformation und gibt diese an kooperierende Focus-Cluster weiter. 

Mit 20 Jahren Erfahrung in der Medien- und Digitalwirtschaft entsteht so eine technologieübergreifende Digitalplattform für Anwender aller Hamburger Branchen. Wenn die Digitalkompetenz auf Verwaltungs- und Wirtschaftsseite gebündelt und koordiniert zusammen wirken kann, dann vermeiden wir misslungene Projekte, aufwendige Reibungsverluste und unnötige Stellvertreteraktivitäten der vergangenen Jahr.


Hamburgs IT-Executives und Digital Leader bei Hamburg@work
Foto: HANSEVALLEY
Im Mittelpunkt der "Digitalen Metropole" stehen vor allem Glaubwürdigkeit, Interdisziplinarität und Kommunikation. So baut man eine Brücke über Silos, einen "Layer" für Austausch, Verständigung und Vertrauen. Das sind Skills fernab von Tagespolitik. Das sind Faktoren fernab von Skimützen, Hippster-Bärten, bunten Sneakers und Buzzword-Bingo. Wenn ein "Chief Digital Officer" der BWVI eine digitale Vision für uns an Alster und Elbe, konkrete Themen für Wirtschaft & Verkehr, Bildung & Wissenschaft oder Hafenbetrieb & Umwelt fördert und wenn dieser CDO den gepflegten "Pfeffersack" am Herzen packt, dann ist mir um die "Digitale Metropole" Hamburg nicht bange.

Eine digitale Dachmarke für das digitale Hamburg.

Am 29. Januar '17 titelte ich: 'Sei Digital. Sei Erfolgreich. Sei Hamburg.' Der scheidende Präses der noch ehrbaren Handelskammer, Fritz Horst Melsheimer, forderte gegenüber Olaf Scholz und Frank Horch in seiner Ansprache auf der noch fast ungetrübten Jahresveranstaltung der Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns eine "digitale Dachmarke" für Hamburg. Nach stürmischem Wahlkampf und ungestümen Erlebnissen versuchte Adrian Ulrich als Leiter der Abteilung IT, Medien- und Kreativwirtschaft mit "Digital Voraus" die Idee zu retten. Angesichts der "Irrungen und Wirrungen" aus dem Präsidium eher ein schwieriges Unterfangen für den anerkannten Fachmann.


Standort-Kampagne "Be Berlin"/"Sei Berlin"
Grafik: Berlin Partner
Mit "Sei Digital" schlage ich eine Brücke zur Standort-Kampagne "Be Berlin" von Berlin Partner (das ist das, was Hamburg Marketing gern einmal werden möchte). Seit März 2008 hat es die Hauptstadt Marketing GmbH geschafft, durch Partizipation mit allen Gruppen der Gesellschaft und durch inhaltliche Verankerung - wie Wissenschaft, Kultur und Sport - eine stadtweite, landesweite und weltweite Marke aufzubauen und zu verankern. Durch die individuelle Nutzung der Marke für standortnahe Aktivitäten von Initiativen, Netzwerken, Firmen & Verbänden hat sich "Be Berlin" zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Brückenschlag, Kommunikation und Kollaboration.

Überrücken wir die Aktivitäten der 6 Fachabteilungen in der BWVI mit einem kommunikativen Layer, bauen wir eine Brücke für Austausch und Verständigung an der Wexstraße, laden wir die Vorreiter von Senatsbehörden, Landesbetrieben und Beteiligungen zu einem gemeinsamen Engagement auf dem Weg zur "Digitalen Metropole" ein - und kommunizieren wir mutig, was wir Gutes tun, damit es der Stadt, den Menschen und der Wirtschaft an Alster und Elbe in der digitalen Zeit gut und besser geht.

Bringen wir zu internem Brückenschlag, zu externer Kommunikation und gemeinsamer Kollaboration Persönlichkeiten an einen Tisch, die sich um das Wohl unserer Stadt Gedanken machen, können wir mit einer Handvoll der 1.000 Stiftungen rund um die Alster die nächste Stufe, das nächsthöhere Platteau der Entwicklung Hamburgs zur "Digitalen Metropole" aktiv und erfolgversprechend gestalten - mit Hafen und Handel, mit Logistik und Mobilität, mit Banken und Versicherungen, mit Medien und Marketing und einem Schulterschluss der Innovatoren und Multiplikatoren in Wirtschaft und Verwaltung.

Konkrete Schritte, gemeinsame Wege und ein Team.


Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnany
Foto: HANSEVALLEY
Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnany schreibt Hamburgs IT-Executives und Chief Digital Officern bei Hamburg@work am 12. Januar d. J. im Norddeutschen Ragattaclub ins Stammbuch: "Es ist eine Kommunikationsrevolution. Die Veränderung von Kommunikation hat immer die Gesellschaft verändert." Der 89-jährige Vordenker weiter: "Wir leben in einer totalen Veränderung der strukturellen Form unserer Gesellschaft." Klaus von Dohnany gibt den IT- und Digital-Spitzen mit auf den Weg in die Zukunft: "Ich bin für eine offene, mutige, streitbare Debatte. Erst dann wird die Demokratie vorankommen."

Olaf Scholz gibt uns bereits am 2. Mai 2016 in seiner Rede vor der Universitätsgesellschaft zur "Digitalen Stadt" die Hausaufgaben an die Hand: "Die „Digitalisierung der großen Stadt“ ... ist kein Wettbewerb um die abgefahrensten Zukunftsvisionen, es ist ein ganz realistisches Projekt für die Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt. Ein Projekt, das alle Bereiche des Lebens, Arbeitens und Lernens durchdringt und in einer Vielzahl konkreter Schritte vollzogen wird." Fangen wir an, mit konkreten Schritten gemeinsame Wege zu gehen - z. B. mit ein Team Christoph Pfromm in der Senatskanzlei und Dr. Sebastian Saxe in der Innovationsbehörde BWVI - für die "Digitale Metropole" Hamburg, die so zur "Innovationsmetropole" werden kann. 


Dr. Sebastian Saxe ist Chief of Digital Office der BWVI
Foto: HPA

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 Hamburg Digital Nachrichten: 

Dr. Sebastian Saxe ist neuer CDO der BWVI
www.hansenews.hamburg

 Hamburg Digital Background: 

XING-Profil Dr. Sebastian Saxe, CDO BWVI + HPA
www.xing.com/profile/Sebastian_Saxe

XING-Profil Christian Pfromm, CDO FHH
www.xing.com/profile/Christian_Pfromm2

Mittwoch, 17. Januar 2018

HANSECREATIVE: Die dänische Poststation - Heimat digitaler Häuptlinge in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Grafik: IN.D Hamburg
 Journalismus, Kommunikation und Marketing - in keiner Kreativbranche bleibt nach der Digitalisierung ein Stein auf dem anderen. Vor 35 Jahren begann die Hochblüte der Werbung in Deutschland. Namen, wie Springer & Jacobi halfen der noch jungen Agenturszene auf die Sprünge. Heute sind es Jung von Matt oder die Elbkinder, die in der Hansestadt den Takt angeben. In Zeiten von Online Marketing, Digital Signage und Virtual Products sind Werber und der Nachwuchs gefordert, den Anschluss nicht zu verlieren.

3D-Hologramme, VR-Games und 4D-Animationen gehören zum guten Ton kreativer Konzepte und multimedialer Präsentationen. In einer vor 250 Jahren eröffneten dänischen Poststation an der Esplanade schicken 35 Dozenten heute jedes Jahr junge Kreative auf ihren Weg in die Welt der Werbung. Das "Haus Esplanade" mit seiner alten Bäckerei im Hinterhaus ist mit dem Institut of Design die Heimat für frische Ideen und knackige Digital-Kampagnen des kreativen Hamburger Nachwuchses. Ein Hamburg Digital Report:

Von der Poststation zur digitalen Design-Tempel
Foto: HANSEVALLEY
Ein kleiner Hinterhof mitten in der Hamburger Neustadt - an der berühmten Colonnade auf dem Weg zum pulsierenden Jungfernstieg. Das liebevoll restaurierte Fachwerk des "Haus Esplanade" lässt ahnen: hier sind Geschichte und Geschichten zu Hause. 100 Jahre ist die ehemalige Bäckerei alt. Eine überdimensionale, beleuchtete Wandgrafik überragt die schmalen Stufen in die alte Backstube im 1. Stock: "There is no elevator to success. You have to take the stairs." hat eine Absolventin kreativ an die Wand gezaubert. Es ist ein besonderes Willkommen in einer besonderen Schule, die eigentlich Designer, Texter und Konzpetionierer trainiert.







Klare Ansage und kein Lippenbekentnis der IN.D
Foto: HANSEVALLEY
"Wir bilden die Häuptlinge von morgen aus", sagt Institutsleiterin Ulrike Krämer nicht ohne Stolz. Der Anspruch ist hoch: Die private Fachschule setzt auf den Führungsnachwuchs. Im Vergleich zu anderen Schulen, wie HMS oder das DMI an der HAW Hamburg, stehen die Softskills im Mittelpunkt: Präsentieren und Verkaufen gehören zu den vorrangigen Aufgaben eines erfolgreichen Kreativen in 2017. "Es geht darum, sich zu vermitteln", erläutert die emsige Leiterin im Hausbesuch an der Esplanade. Ehrgeiz, Anspruch und Durchsetzungsvermögen gehören zu den Schlüsselfaktoren, die im Berufsleben den Unterschied machen.

Hamburg, 10.30 Uhr, Regen und Wind: Die Digitalisierung kommt ...

Rolf Jeissing ist der Mann hinter der Idee. Vor 35 Jahren wollte er mehr machen, als nur eine Werbe- und eine Packungsagentur zu leiten. Der "Erfinder" der "3 Wetter Taft"-Werbung stand vor der Alternative: 'Schreibe ich ein Buch? Kaufe ich ein Weinschloß? Oder gründe ich eine Schule?' Die zumeist 18-24-jährigen Studenten sind im dankbar, dass es kein Weinkeller wurde. Waren es im 1. Jahr ganze 25 Schüler und im 2. Jahr immerhin schon 75, konnte er im 3. Jahr das ganze Haus anmieten. Der Werber aus Leidenschaft hatte einen Nerv getroffen.


Beweise des Erfolgs: Urkunden renommierter Wettbewerbe.
Foto: HANSEVALLEY
Das Curriculum der Fachschule wurde nach den Anforderungen der Werbeagenturen geschrieben. So war die IN.D die erste Privatschule Hamburgs mit IT-basierter Ausbildung. Das ist in den vergangenen 37 Jahren so geblieben. Die Klassen brillieren mit ausgezeichneten Gewinnern in allen Kategorien: ADC Nachwuchswettbewerbe, DDP Dialog Marketing-Awards, IF Students Awards, GWA Cross-Media-Kampagnen-Gewinner, GWA App-Kampagnen-Gewinner, Neptun Talents Awards in Hamburg, Spotlight-Awards in Baden-Würtemberg. Der Empfangsbereich ziert das Who-is-who der renommiertesten Auszeichnungen. "Wir gewinnen jedes Jahr mehr als 10 Preise", weiß Leiterin Ulrike Krämer zu berichten.

Von der Werbung zum digitalen Kommunikationsdesign


Eröffnungskampagne der IND-Studenten.
Foto/Grafik: IND Hamburg
Die Idee dahinter ist so einfach wie logisch: "Wir fordern das kreative Potenzial unserer Studenten so ab, daß Sie Preise gewinnen", pointiert die seit 14 Jahren an der Spitze der IN.D stehende Chefin. Jüngstes Beispiel: die Eröffnungskampagne für das modernisierte Planetarium. Die Schüler der Meisterklasse machten aus dem renovierungsbedürftigen Denkmal im Stadtpark ein Sternentheater - mit interaktiven Postern, in frischer Optik, mit pfiffigen Sprüchen und einem Look-and-Feel, das Lust auf Sterne macht. Ulrike Krämer sieht ihre Studenten denn auch als Akteure in einem 'Innovation Lab' für begeisternde Ideen.


Dreh- und Angelpunkt der Studiengänge ist das Thema Kommunikationsdesign, also die Kunst, in Bild, Grafik und Formen Botschaften und Emotionen zu transportieren. Das Kreativ-Thema war einst eine künstlerische Disziplin. Schließlich ging und geht es auch um Typografie und Visualisierungen. Lehrgänge, wie der Digital Designer oder der International Visual & Digital Designer lassen ahnen: Was digital werden kann, wird digital.


Digitale Abschlussarbeiten an der IN.D in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY
Von 3D über 4D bis zu Augmented & Virtual Reality

Hamburg ist die Keimzelle kreativer, inhabergeführter Agenturen. Ob Werbung, Kampagnen oder Text - längst sind alle verfügbaren Medientechnologien in den Unterricht eingezogen: Ob 3D-Hologramme, VR-Games oder 4D-Animationen - die jungen Profis erlernen dank erfahrener Praktiker, was heute und morgen up-to-date ist: Die Geschichte Caspar David Friedrichs ist an der IN.D ebenso als visualisiertes Gedicht erlebbar, wie ein CSR-Report für Lego mit Augmented Reality-Elementen. Der Hamburger Kreativnachwuchs wird in insgesamt 6 Fächern ebenso als Generalisten, wie als Spezialisten ausgebildet.


Stolze Absolvent*innen mit Ulrike Krämer und Rolf Jeissing
Foto: IN.D
Von der Strategie über den Text und die Kreation bis zur digitalen Umsetzung und technologischen Innovationen - An der Esplanade gilt: "Denke wild, werde Häuptling." Die langjährige Innovatorin des Instituts fasst ihr Aufgabe an der digitalen Designschule so zusammen: "Ich liebe es zu gestalten, sowohl Menschen als auch Dinge." Im IN.D hat sie die "unbearbeiteten Dinge" vor sich - und ist begeistert von jedem einzelnen Absolventen, der nach 3 bis 4 Jahren seine Stärken entwickelt hat und über sich hinaus gewachsen ist.


Schulleiterin Ulrike Krämer und ihr Motto.

Neue Disziplinen: Digitalberatung und -Produkte

Die bis zu 150 Studenten im alten Fachwerk wissen um die Fortschrittlichkeit. Denn die 35 Dozenten bringen ihre Erfahrungen in den Unterricht ein. So können Neuigkeiten aus der Praxis direkt in die Lehre fließen. Längst ist das Institute of Design keine reine Schmiede für den Agenturnachwuchs mehr. Rd. 50% aller Absolventen gehen in Digitalagenturen oder in die Produktentwicklung auf Unternehmensseite. Als jüngstes Angebot hat Ulrike Krämer einen Digitalen Designer für Absolventen ins Studienprogramm aufgenommen. Denn entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern die Bereitschaft wild zu sein, um künftig ein digitaler Häuptling zu werden."


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 Hamburg Digital Background 

Institute of Design, Hamburg:


Sonntag, 14. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Kammer-Präses Tobias Bermann: "Dialog auf Augenhöhe."

www.alstercompany.de


HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Die Mitarbeiter der Kammer und die Hamburger Wirtschaft sollten nicht zu einem Versuchslabor für unklare Ideen und Vorstellungen werden." Mit scharfen Worten kritisierte Gunter Menges, Vorsitzender des Vereins "Versammlung Eines Ehrbahren Kaufmanns", den amtierenden Handelskammer-Präses vor 1.700 Vertretern der Kaufmannschaft, aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Medien bei der Jahresabschlussveranstaltung am 29. Dezember 2017 am Adolphsplatz.


Tobias Bergmann: "Tapfer geschlagen" nach scharfer Kritik.
Foto: HANSEVALLEY
"Es geht darum, in den Dialog zu treten", entgegnete Kammer-Präses Tobias Bergmann den Wink mit der Container-Brücke. In der - laut Medien mit Hilfe einer McKinsey-Redenschreiberin entwickelten - Ansprache ging Hamburgs ungeliebter Kammerchef auf die Digitalsierung der Ausbildung, die Internationalisierung des Arbeitsmarktes, Innovationsstandorte in Hamburg, die digitale Disruption und die Mentalität der Kaufmannschaft sowie auf die Gründerkultur der Handelskammer ein.

HANSEVALLEY hat die Rede studiert, sie mit den Aussagen der "Rebellen" aus dem Kammer-Wahlkampf verglichen und die jüngsten Entscheidungen des Kammer-Präsidiums Revue passieren lassen. Das Ergebnis ist ein Fragenkatalog, der den kritischen Dialog anbietet - ohne Schönfärberei und Tabuthemen. Ein HANSEPERSONALITY mit Handelskammer-Präses Tobias Bergmann:

Digitalisierungsgipfel für Ausbildung der Handelskammer:

Tobias Bergmann: Sie haben vor der Kaufmannschaft die Bedeutung der Berufsausbildung bekräftigt und einen Digitalisierungsgipfel für Ausbildung im 1. Halbjahr 2018 angekündigt. Schaue ich in Ihre Wahlkampf-Aussagen, wollten Sie den Digitalgipfel bereits im 2. Halbjahr 2017 durchführen:

Warum liegen Sie mit Ihrem Versprechen für die Jugend 1 Jahr im Hintertreffen? 
Warum beschränken Sie Aktivitäten auf den Nachwuchs? Was ist mit Fachkräften?

Berufsbildungsrecht ist im ganz Wesentlichen eine Sache des Bundes. Um mit dem Bund verbindlich über die nötigen Entwicklungen diskutieren zu können, braucht man eine Bundesregierung als Gesprächspartner. Diese muss sich aber bekanntermaßen erst noch finden – dass das so lange dauert, hat ganz Deutschland überrascht. 

Deshalb findet der Gipfel 2018 statt. Ich freue mich bis dahin über ein erfolgreiches Ausbildungsjahr 2017. Die Handelskammer hält übrigens eine Menge an Fortbildungsangeboten für das lebenslange Lernen von Fachkräften bereit und entwickelt diese Angebote ständig weiter.

Ansiedlung und Förderung internationaler Fachkräfte:

Sie kritisieren die geringe Quote von nur 9% internationalen Fachkräften in Hamburg und fordern einen Wandel. Sie haben mit der HSBA eine internationale Nachwuchsschmiede - mit 35 weltweiten Partnern, davon 22 Hochschulen, fast 1/3 internationalen Studierenden pro Jahrgang sowie weitgehend englischsprachigen Bachelor- und Masterstudiengängen - vor die Tür gesetzt. 

Wie passen Ihre Forderungen und das zerschlagene HSBA-Porzellan zusammen?Was kann die Kammer gegen den immer größer werdenden Fachkräftemangel tun?


Tobias Bergmann: Gute Mine zum bösen "Rebellen-Spiel"?
Foto: Handelskammer Hamburg/Ulrich Perey
Gegen den Fachkräftemangel helfen exzellente Aus- und Fortbildung, ein starker Wissenschaftsstandort und gute Ansiedlungs- und Lebensbedingungen in unserer Stadt inklusive besserer Start-Angebote für neue Fachkräfte aus dem Ausland. An allen diesen Themen arbeitet die Kammer intensiv. 

Für die HSBA haben wir eine sehr gute Lösung gefunden, mit der sowohl die Hochschulgremien als auch der Senat zufrieden sind und die Studierenden- und Absolventenzahlen stabil lässt - und die Beitragszahler sind aus der Haftung.

Innovationen durch Wissenschaft und Jungunternehmen:

Sie schlagen vor, einen "Urbanen Innovationspark" als "Leuchturm" auf dem Kleinen Grasbrook zu errichten. Dort sollen - in 20 Jahren bebaut - Forschung, Startups und Corporates innovieren. Der Senat plant aktuell in Altona (DESY), Bergedorf (HAW), Finkenwerder (ZAL) und Harburg (TUHH) integrierte F&I-Parks. 2017 gab es laut Startup-Monitor keine 60 Neugründungen in Hamburg, die Überlebens-Quote liegt bei 10%. 

Wie sehen Ihre konkreten Vorschläge für die kommenden 3, 5 und 10 Jahre aus?Was wollen Sie in 20 Jahren im neuen Stadtteil ansiedeln, wenn es keinen Bedarf gibt?

Der Senat hat sich entschlossen, den Kleinen Grasbrook zu entwickeln. Jetzt geht es darum, für Stadt und Wirtschaft das Beste herauszuholen. Wenn man es richtig anpackt, kann der Grasbrook ein Kristallisationspunkt für die Ansiedlung neuer Startups werden – es geht ja gerade darum, über den heutigen Status Quo hinauszukommen und mehr Ansiedlungen zu schaffen. 

Konkret muss es als Erstes einen Entwicklungsplan in diesem Sinne geben, bei dessen Entstehung die Interessen von Startups und etablierten Unternehmen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Digitale Disruptionen und Mentalität der Kaufmannschaft:

Sie sprechen von Disrpuptionen, Digitalisierung und Lösungen, die alte Geschäftsmodelle in 2 bis 3 Jahren aus dem Markt drängen. Vergangene Hamburger Wachstumstreiber, wie Medienwirtschaft und Versicherungen, haben - korrekt angemerkt - an Kraft verloren. 

Wie wollen Sie als Vertreter der gewerblichen Wirtschaft die Mentalität der Kaufmannschaft, in Dekaden zu denken, mit Ihrer Politik durchbrechen?

Das Denken verändert sich ja in vielen Teilen der Wirtschaft bereits. Unsere Aufgabe als Handelskammer ist dabei vor allem Wissens- und Methodentransfer. Wir vernetzen diejenigen, die voran marschieren, mit den traditionelleren Unternehmen. Unsere Aufgabe ist außerdem, Trends zu antizipieren und den Unternehmen möglichst früh die nötigen Informationen und damit Vorbereitungsmöglichkeiten zu geben.

Handelskammer als zentraler Ort für Hamburgs Gründer:

In Ihrer Rede laden Sie Gründer ein, die Börse als ihren Ort zu nutzen, sich zu vernetzen und Geschäfte zu machen. Im Wahlkampf klang das anders: 'Keine Startup-Unternehmerin braucht den Rat eines „Kammerbeamten“, wie sie den digitalen Wandel meistern soll'. Vor einem Jahr forderten Sie eine "Digitale DNA" für die Kammer. 

Hat sich die Kammer mit dem Verzicht der digitalen Kompetenz aus der HSBA mit Anlauf in die Zeit der Hammaburg zurück katapultiert?

Den logischen Zusammenhang zwischen unserer Einladung an die Mitgliedsunternehmen, sich in der Kammer zu vernetzen, dem angeführten Zitat zum digitalen Wandel müssten Sie mir erklären. Aber davon mal abgesehen: Die Handelskammer hat eine Menge digitaler Kompetenz – denken Sie nur an das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0. 

Auch darüber hinaus haben wir 2017 Kompetenzen in Sachen Digitalisierung aufgebaut, die es vorher in diesem Maße nicht gab. Die digitale Kompetenz der HSBA geht uns übrigens auch nicht verloren, es ist vereinbart, dass es auch weiter eine Partnerschaft geben wird.

Zukunft der Handelskammer nach den Erlebnissen 2017:

Sie sprechen in Ihrer Rede von Transparenz der Prozesse, gemeinsamer Meinungsbildung und Entscheidungen mit der Mitgliederschaft. Sie wollen mit der Kammer wieder "Impulsgeber für wichtige wirtschaftspolitische Diskussionen der Stadt" sein. Im Moment scheinen sich wichtige Player eher abzuwenden und Alternativen zu entwickeln, wie die angekündigte Kooperation der VEEK mit der HSBA.

Wieso wussten und wissen die Mitglieder nichts von HSBA-Rauswurf und IHK Nord?Wie setzen Sie die Budgetkürzung von 20 Mio. € "auf Augenhöhe" + "im Dialog" um?

Noch nie hat die Handelskammer mehr Mitglieder an Ihrer Meinungsbildung beteiligt, als seit der Wahl 2017. Außerdem haben wir die Satzung geändert, um den ehrenamtlichen Ausschüssen mehr Einfluss zu geben. Insofern sind wir klar auf Kurs, was Partizipation und Transparenz der Interessenvertretung angeht, und das wird 2018 Früchte tragen. 

Die Übertragung der HSBA-Anteile an die Trägerstiftung war Gegenstand einer offenen und auch öffentlichen Diskussion, die Zukunft der Handelskammer in der IHK Nord ist es noch. Über die organisatorischen Veränderungen sprechen wir vor allen anderen mit den Mitarbeitern offen und binden ihre Ideen ein. Es gibt eine Betriebsvereinbarung, die die aktive Mitgestaltung der Belegschaft als Recht und Pflicht regelt und zugleich betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.
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Vielen Dank für Ihre offenen Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

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G. Mengers (VEEK), T. Bergmann (HK), O. Scholz (FHH)
Foto: HANSEVALLEY
"Befreien Sie uns von unserer Skepsis und geben Sie uns Sicherheit, dass die Handelskammer ... zum Wohle Hamburgs und der hiesigen Wirtschaft denkt und auch entsprechend handeln wird", forderte Hamburgs Ehrbarer Kaufmann, Gunter Menges zum Abschluss des Jahres 2017.

Haspa-Chef Dr. Harald Vogelsang wurde noch deutlicher: "Wenig konstruktiv ist es aus meiner Sicht, wenn man viel Gutes, was über die Jahre entstanden ist, einfach mit der Abrissbirne zerstört. (...) jahrzehntelange Kontakte werden in Minutenschnelle eingerissen, langjährige Partner verprellt, erpresst, frustriert."


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 Hamburg Digital Background:  

Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg:
Jahresabschlussveranstaltung 2017 - Video und Rede(n)

Nachbericht Hamburger Abendblatt 29.12.2017
hwww.abendblatt.de/hamburg/article212967737/Buergermeister-Olaf-Scholz-fordert-wirtschaftliches-Wachstum.html

Nachbericht Welt Hamburg 29.12.2017
www.welt.de/regionales/hamburg/article172033642/Versammlung-Eines-Ehrbaren-Kaufmanns-Kammerpraeses-ueberrascht.html

Nachbericht Bild Hamburg 29.12.2017
www.bild.de/regional/hamburg/party/beim-ehrbaren-kaufmann-54326592.bild.html

Kritik Harald Vogelsang Welt Hamburg 28.12.2017
www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article171999564/Triumphe-und-Tragoedien-die-Geschichten-des-Jahres-Harald-Vogelsang-ueber-die-Revolution-in-der-Handelskammer.html

Kritik Alt-Präsides Welt Hamburg 23.12.2017
www.welt.de/regionales/hamburg/article171856033/Hamburger-Handelskammer-Der-hanseatische-Handschlag-gilt-nichts-mehr.html

Donnerstag, 11. Januar 2018

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischen Metropole.



Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

Liebe Leserinnen, liebe Leser:


Herausgeber & Chefredakteur
Thomas Keup
Am 16. November 2016 besuchte ich mit großer Freude den jährlichen Pitch-Contest "Uni Pitch" der Hamburger Hochschulen im Forum Finkenau der HAW Hamburg. Ich war begeistert,  dass eine hochschulübergreifende Veranstaltung Studentinnen und Studenten aus Hamburg die Chance gibt, ihre Ideen für ein neues Geschäft in einem renommierten Wettbewerb zu präsentieren. Ein wenig verwundert war ich über die unübersehbare Präsenz des "Startup Dock". Als merkwürdig aufgefallen war mir der komplett eingekaufte Werbemittelkatalog - von Bierdeckeln bis zu Jutebeuteln. Damals dachte ich mir noch nichts dabei. Ein gutes Jahr später bin ich schlauer.

55 Mann "Wasserkopf", 7,5 Mio. € Personaletats, 4,5 Mio. € "Luxus-Sanierung".

In Hamburg hat sich mit TuTech, der Schwesterfirma Hamburg Innovation und ihrem "Startup Dock" allein ein Verwaltungsapparat von 55 Mitarbeitern in einem für 4,5 Mio. € sanierten "Luxus-Quartier" komfortabel eingerichtet. Ich selbst konnte bei einer Startup-Recherche am 29. August vergangenen Jahres die nagelneuen, ökologisch korrekten Glaskästen der Mitarbeiter*innen in der Harburger Schloßstraße in Augenschein nehmen. Noch bevor TuTech zu einem Investigations-Thema wurde wunderte ich mich, in welch' "Saus und Braus" eine öffentlich-rechtliche Technologie-Transfergesellschaft und ihre Startup-Förderung arbeiten. Heute bin ich mehr als schlauer.

Die Geschichte zur "Steuerverschwendung an der Süder-Elbe" war ursprünglich als Sachbeitrag über die Arbeit der Technologietransfersstelle gedacht. Bis mehrere Kenner von Harburg auf mich zukamen und sagten: "Schauen Sie sich das mal näher an." Zu diesem Zeitpunkt wußte ich weder von dem exorbitanten Personalschlüssel, noch von der Beinahe-Pleite, den mich schockierenden Rügen des Rechnungshofes oder gar den unfassbaren Mieten für Startups in Harburg hintern Fußgängertunnel. Nach Gesprächen mit Hamburger Insidern über die geplante Serie bekam ich immer wieder neue Hinweise, die letzten Fakten teilweise erst 24 Stunden vor der Veröffentlichung.

Jeder Politiker und Verwaltungsbeamter konnte die Zahlen und Fakten nachlesen.

Nahezu alle Informationen in den drei Investigativ-Beiträgen sind öffentlich zugänglich, für jedermann ohne Hürden abrufbare Dokumente, jedoch nicht aus dem Hamburger Transparenzportal. Denn daran nehmen TU und TuTech aus "gutem Grund" nicht teil. Warum die Sprecher der Fraktionen in der Bürgerschaft die Berichte des Rechnungshofes, der TU Harburg und der TuTech GmbH bislang nicht zum Anlass genommen haben, nachzufassen, kann ich nur mit mangelndem Interesse, blinder Gutgläubigkeit und falsch verstandener Sympathie erklären. Hinter den Kellertüren von TuTech roch es bereits vor dem jetzigen Geschäftsführer ziemlich streng. Leider hat sich seit der Übernahme durch Martin Mahn seit 1. Oktober 2014 offensichtlich nichts verändert. 

Mein Eindruck nach den persönlichen Reaktionen renommierter Protagonist*innen an Alster und Elbe, nach dem wütenden Aufschrei eines - natürlich nicht genannten - Mitarbeiters aus der Wirtschaftsbehörde (seine einzige Äußerung zur TuTech-Kritik: 'marktschreierische Darstellungen'), nach den Aufrufen meines Impressums und meiner Facebook-Seiten: hier habe ich offensichtlich in ein Wespennest gestochen. Nach der Veröffentlichung der drei Folgen zur finanziellen Situation, zum geplanten Gründerportal und zur Startup-Förderung kamen gut informierte Vertreter mit den Worten auf mich: "Weißt Du eigentlich schon das ...?".

Die TuTech ist ein Thema - und im Gegensatz zu den Reden - leider nicht positiv.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Erfolgsbeispiele der Startup-Förderung - von Breeze bis Vilisto - nicht von durchsichtiger PR ("80% der Startups sind erfolgreich") billig verwässert werden. Das Aufwärmen der eigenen Aktivitäten in "Hamburg News" und "Harburg Aktuell" mit unbestätigter Behauptung nach Pareto-Prinzip lässt die Arbeit der Fleißigen, Ehrlichen und Engagierten in Technologietransfer, Patentverwertung und Startupförderung in ein zweifelhaftes Licht rücken. Derweil lässt sich Martin Mahn in Harburg als "Mann mit Meinung" feiern, der den Mief im Bezirk "wegwischt". Vielleicht sollte er mal vor der eigenen Haustür anfangen, bevor er den Bundesminister für digitale Infrastruktur anpöbelt.

Diese Fragen stelle ich stellvertretend an die zuständigen Fachsprecher*innen für Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Technologie sowie Finanzen und Haushalt:
  • Wann wird die TuTech GmbH ihren überfälligen Geschäftsbericht 2016 veröffentlichen, damit jeder die testierten Fakten nachlesen kann?
  • Sind fast 1 Mio. € Notfall-Rettung und 55 Mann Verwaltung mit 7,5 Mio. € jährlichem Personalaufwand für eine lokale Transferstelle akzeptabel?
  • Ist die Harburger Schloßstraße für Technologie-Startups im internationalen Wettbewerb ohne innerstädtische Nähe heute wirklich eine gute Adresse?
  • Sind rd. 16,- €/qm Warmmiete für betreute Startups im 2. Jahr ff. noch ein vertretbarer Mietpreis oder schon Wucher gegenüber Jungunternehmen?
  • Sind 11 Mitarbeiter für 7 geförderte Jungunternehmen im Startup Dock womöglich eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?
  • Ist der "Gründerpate" Martin Mahn angesichts der nachzulesenden Fakten noch der geeignete Steuermann für die TuTech in Harburg?
  • Wie will der Senat die Geldverschwendung in den Griff bekommen und die Effizienz von TuTech auf ein akzeptables Niveau heben?

Es ist die Aufgabe der Bürgerschaft in Koalition und demokratischer Opposition, im Auftrag der Hamburger Steuerzahler dafür zu sorgen, dem "Dukatenesel" das "Freiticket" zu entziehen. Wenn der von Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörde geplante "Innovation Port Hamburg" nicht mit einem Geschmäckle von Steuerverschwendung und "Vetternwirtschaft" ans Netz gehen soll, ist jetzt die Zeit gekommen, in der Harburger Schloßstraße durchzufegen und auszumisten. Hierum wird sich in den kommenden Monaten auch das Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesrechnungshof kümmern müssen, da das "Startup Dock" mit BMWi-Geldern im Werbemittelkatalog shoppen war.

Olaf Scholz, Katharina Fegebank und Frank Horch haben Recht, Wissenschaft und Forschung, Wissenstransfer und wissensbasierte Startups in den Mittelpunkt der politischen Ambitionen für die Freie und Hansestadt zu stellen. Die digitale Transformation und die technologiebasierte Ausbildung der nächsten Generation sind das künftige Kapital, damit in Hamburg nicht mehr ein Kaffeesack nach dem anderen umfällt (wie z. B. Medien, Reederein, Banken und Versicherungen). Die Digital Hub Initiative von Bitkom und Wirtschaftsministerium zeigt: die 11 DE-Hubs neben Hamburg schlafen nicht. Niemand - und ich meine niemand - wird auf die Freie und schlafende Hansestadt warten.

Appell an weltstädtische Politik der echten Offenheit im Interesse der Zukunft.

Die Aufgabe eines Journalisten ist es, zu berichten, was ist. Eine Investigativ-Recherche über mehrere Monate, vertrauliche Gespräche und stundenlanges Studium ist sicher keine "Kuschelgeschichte".  Ja, es tut weh in Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörde. Und es ist im Interesse der Stadt, für die ich mich aus voller Überzeugung entschieden habe und jeden Tag stark mache. Eine Stadt, die ein paar "Sümpfe trocken legen" muss, Offenheit gegenüber anderen Meinungen lernen darf und ihre etwas "provinzielle Anmutung" in der Öffentlichkeit gern ablegen kann. Als langjähriger Wahl-Berliner darf ich sagen: Dann klappt's auch mit der Weltstadt. Und das wäre plietsch!

Vielen Dank für die Bereitschaft, sich eine andere Meinung durchzulesen!

Mit  herzlichen Grüßen

Ihr


Thomas Keup
Chefredakteur

 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3