Mittwoch, 18. April 2018

HANSECHAMPIONS: Auf dem Weg zur digital-vernetzten Industrie 4.0

HAMBURG DIGITAL REPORT

8. Februar d. J., Albert-Schäfer-Saal in der Handelskammer am Adolphsplatz. Gut 150 Vertreter aus Großindustrie und Mittelstand, Wissenschaft, Kammer und Politik treffen sich zum 2. Dialogforum Industrie 4.0. Die Präsentationen, Workshops und Diskussionen sind das Follow-up der Anfang 2015 aus der Taufe gehobenen Plattform zur Sensibilisierung und Vernetzung der Hamburger Industrie - auf dem Weg in die digital-vernetzte Zukunft.


Industrieller Vordenker an der Alster: Andreas Pfannenberg
Foto: Pfannenberg Group

Diplom-Ingenieur Andreas Pfannenberg sitzt in der 1. Reihe, ist Initiator und Motor der industriellen Vernetzung rund um die Alster. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Industrieholding im Hafen und Partner im Arbeitskreis Industrie der Handelskammer. Was macht Industrie 4.0 aus? Und welche Chancen bieten sich für Hamburger Produzenten auf dem Weg in die Zukunft. Ein Hamburg Digital Report:

"Die Digitalisierung erlaubt, Dinge viel transparenter zu machen und den Kunden zielgerichteter zu analysieren und anzusprechen." Andreas Pfannenberg ist ein offen wirkender Unternehmer. Im Konferenzraum seiner Verwaltung im Industriegebiet von Moorfleet steht er Rede und Antwort. Gut 260 Mitarbeiter arbeiten in Hamburg für den Elektro- und Elektronikspezialisten, rd. 500 Mitarbeiter sind es weltweit in der Firmengruppe. Der Familienunternehmer produziert industrielle Kühlanlagen, Steuerungsanlagen für die Klimatisierung und Signaltechnologie. 


Pfannenberg-Kundenssoftware "PSS" zur Industrieanlagen-Planung
Foto: Pfannenberg Group

Pfannenberg ist Unternehmer in 2. Generation. Der Vater einer 28-jährigen Tochter hat mehr als 35 Jahre Industrieerfahrung. Der studierte Elektrotechniker ist 1987 ins Familienunternehmen eingestiegen. Der Wellingsbütteler ist stolz auf den Industriestandort: mit Kupfer, Aluminium und Stahl, mit Geräten und Maschinen und dem traditionsreichen Schiffs- und Flugzeugbau ist Hamburg der größte Industrieproduktionsstandort der Republik. Dazu kommen neue Kompetenzen, wie der 3D Druck, zunächst mit Metalldruck für Airbus & Co. - mittlerweile auch in Kunststoffen unterwegs. Das Laserzentrum Nord und die Partner im neuen 3D Druck-Netzwerk Hamburg machen's möglich.

Wer schiebt sich zwischen die eigenen Produkte und Kunden?

Industrie 4.0 ist eines der Buzzwords des Jahr: ob Dialogforum, Kompetenzzentrum oder Masterplan - die digital-vernetzte Industrie gilt neben der additiven Fertigung von Kunststoff- und Metallteilen eines der Wachstumsthemen zu sein. "Ich kann nicht verstehen, wenn Unternehmen sich mit der Digitalisierung nicht aktiv beschäftigen", fasst es der stellvertretende Vorsitzende des Industrieverbandes Hamburg zusammen. Es sei keine Zeit zu verlieren, denn die Gefahr ist da: Wer schiebt sich zwischen die eigenen Produkte und Kunden? Globale Plattformen - z. B. in schneller, agressiver Startup-Methodik - erobern immer mehr Bereiche des B2B-Sektors.


Fördern Industrie 4.0 in Hamburg: BWVI, DGB, HK und IVH
Foto: BWVI 

Der Dreh- und Angelpunkt: Wenn eine Plattform reine Leistung statt eines physischen Produkts anbietet, wird der Hersteller zum Lieferanten im Hintergrund - und kann als Zulieferer mit Knebelvertrag ausgetauscht werden. Beispiele, wie Airbnb mit Privatunterkünften und Booking.com mit Hotelzimmern, Uber mit Limousinen und Amazon mit Marktplatzhändlern sprechen eine eigene Sprache. Der (End-)kunde kauft lediglich die Leistung, zusammen mit Kundendienst und Liefergarantien. Wie die Leistung erbracht wird und zu welchem Preis, tritt in den Hintergrund.

Mit veränderten Geschäftsmodellen steht Performance im Mittelpunkt

Andreas Pfannenberg sieht einen eindeutigen Wandel von Verkauf und Dienstleistungen zur Lieferung und Betreuung von Leistungen. Beispiel: Rolls Royce vermietet heute bereits Flugzeugtriebwerke auf Basis von Betriebsstunden. Der Wandel von der reinen Produktion zur Lieferung garantierter Leistung kommt. Und sie setzt industrielle Hersteller unter Druck. Standen bisher die Produktion, Fehlquote und der Absatz im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns nicht nur Hamburger Familienunternehmer, wird's in einer Welt garantierter Leistung knifflig.


Daten stehen im Mittelpunkt in Industrie und Dienstleistung.
Foto: HPA

Plötzlich stehen reale Daten in Echtzeit im Fokus des Interesses, um seinen Job machen zu können. Andreas Pfannenberg, neben Handelskammer und Industrieverband als Vorsitzender des Zentralverbandes der Elektroindustrie in Hamburg und Schleswig-Holstein engagiert, hat genau für die Herausforderung vor 4 Jahren die Dialogplattform Industrie 4.0 gegründet. Grund: Mit veränderten Geschäftsmodellen rund um garantierte Leistungen stehen nicht mehr nur Produkte und Garantien, sondern Performance und Kommunikation im Mittelpunkt des Geschäfts.

"Die Digitalisierung hilft, neue Geschäfte aufzubauen, die nicht möglich waren"

Damit ist weitgehende Transparenz in Fabrikhalle und Geschäftsbetrieb A und O für den Geschäftserfolg. Forschung und Entwicklung, Produktion und Geschäftsführung müssen ganz andere Fragen beantworten: Was muss ich tun, bevor etwas ausfällt? Um das zu wissen ist eine kontinuierliche Erfassung von Produktions- und Betriebsdaten notwendig - und genau das ist jetzt ohne größere Probleme möglich. Denn Daten bieten die Transparenz, mit servicebasierten Geschäftsmodellen nicht Schiffbruch zu erleiden. 


Engagiert für die digital-vernetzte Industrie: Die Handelskammer
Foto: HANSEVALLEY

"Die Digitalisierung hilft, neue Geschäfte aufzubauen, die bislang so nicht möglich waren"; gibt Andreas Pfannenberg im tiefgreifenden Gespräch auf Moorfleet zu Protokoll. In seiner eigenen Firmengruppe investiert er jährlich bis zu 7% weltweit in Forschung und Entwicklung. Und das ist auf Nachfrage ein Millionenbetrag. Zu den Geschäftsmodellen hat er eine logisch aufeinander aufbauende "Produkttreppe" für das künftige Geschäft mit garantierter Leistung zu marktgerechten Konditionen.

"Digitalisierung ist ein Enabler für neue Geschäftsmodelle."

Wurde in der Vergangenheit der Monteur gerufen, wenn die Maschine ausfiel, waren die Kosten durch Produktionsausfall, Reparaturleistung und Ersatzteile hoch. Von der reaktiven Instandsetzung sind wir zu vorausschauender Wartung (Preventive Maintenance) gekommen. Wie bei VW oder Airbus gehen auch Industriemaschinen in regelmäßige Wartung, um Verschleissteile auszutauschen und den Betrieb zu sichern. Dank realer Daten in Echtzeit sind nun vorausschauende Wartung und Pflege (Predictive Maintenance) möglich.


Daten schaffen Transparenz in der vernetzten Industrieproduktion
Foto: nIT Lemgo, Lizenz: CC BY-SA-30

Mit Echtzeit-Daten durch Sensoren und Sender können reale Erfahrungswerte analysiert und zu vorausschauenden Empfehlungen aufgewertet werden. Der Effekt: nicht nur vorausschauende Wartung von Industrieanlagen, sondern auch flexible Wartungsintervalle, wenn sie wirklich nötig ist. Damit erzeugen Hersteller als Betreiber der Maschinen wertvolle Informationen - und die sparen beim Kunden bares Geld. Digitalisierung in der Industrie heißt für den Hamburger Unternehmer Pfannenberg nicht umsonst: Wie erzeuge ich den Pull-Effekt? 

"Was wir lernen müssen, ist übergreifender zu kooperieren."


Bleibt die Frage, welche Rolle Startups spielen in einer Welt Daten und Geschwindigkeit. Andreas Pfannenberg - mit seinem Unternehmen seit 3 Jahren zusammen mit einem strategischen Partner am Hamburger Middleware-Softwarestartup "Cybos" beteiligt - hat einen klaren Blick für das Mögliche: "Die Skalierung im B2B ist wesentlich schwieriger." Zugleich sieht er pfiffige Tech-Startups durchaus als Chance für die Hamburger Wirtschaft. Und ermutigt Startups zugleich: "Die sollen auch ihre eigenen Märkte entwickeln." 

Kundenorientiert, schnell, flexibel: Startups helfen bei Innovationen
Foto: mediaserver.hamburg.de / Timo Sommer + Lee Maas

Wenn sich interessante Perspektiven ergeben, sieht der Familienunternehmer auch in Zukunft die Option, sich selbst zu beteiligen. Als Mentor von Jungunternehmen sieht er Kultur, Arbeitsweisen und die Kommunikation als Chance für traditionelle Firmen. "Was wir lernen müssen, ist übergreifender zu kooperieren." Pfannenberg greift die "Hamburger Bescheidenheit" auf. In kundenzentrierten Märkten spielen Daten und damit verbundene Services die Schlüsselrolle. Sie werden in der eigenen Produktion ebenso erhoben, wie in der Distribution und im Betrieb beim Kunden. Und das bedeutet Kollaboration. 

Hamburger Unternehmen sind nicht besonders gut im verschwinden.

Nachgefasst, wie es mit der Digitalisierung in der Pfannenberg-Gruppe aussieht, ist der Firmenlenker sympathisch direkt: "Das geht nicht von heute auf morgen." Er sieht im eigenen Haus eine offenere Kommunikation, mehr Projektstrukturen und eine übergreifende Zusammenarbeit der IT - im Datenmanagement ebenso, wie im Marketing. Die Herausforderung auf Moorfleet ist ebenso, wie überall der kulturelle Wandel. "Wir haben den Weg bewußt eingeschlagen und wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen. Aber wir denken nicht in Quartalen", fasst Andreas Pfannenberg zusammen.


Die Digitalisierung erfasst alle Bereiche der Hamburger Wirtschaft
Foto: mediaserver.hamburg.de / Doublevision

Auf die Herausforderung anderer Hamburger Familienunternehmer in Industrieverband, Elektroindustrie und Handelskammer, nach gut 800 Jahren Tradition erfolgreich in die digital-vernetzte Zukunft zu kommen, hat Andreas Pfannenberg zwei interessante Perspektiven: 1. "Digitalisierung allein kann ein Unternehmen nicht bewegen". Und 2.: "Wenn sie nicht innovativ sind, verschwinden sie. Ich glaube nicht, dass Hamburger Unternehmen besonders gut im verschwinden sind." Das wollen wir alle hoffen.

 Hamburg Digital Background: 

Nachbericht Dialogplattform 08.02.2018:
hwww.hk24.de/servicemarken/presse/pressemeldungen/pm-08-02-18-industrie40-mittelstand/3978100

Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0:
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/industrieplatz_hamburg/Industrie_4_0/Hamburger_Dialogplattform_Industrie_4_0/1152124

Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg:
https://kompetenzzentrum-hamburg.digital/

3D Druck-Netzwerk Hamburg:
www.3d-druckhamburg.de/

Branchenüberblick Industrie in Hamburg:
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/industrieplatz_hamburg/branchenueberblick/3162454

Handelskammer-Initiative "Digital Voraus":
www.hk24.de/produktmarken/beratung-service/digitalisierung

Mittwoch, 11. April 2018

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group

HAMBURG DIGITAL REPORT

Am morgigen Donnerstag feiert Michael Otto seinen 75. Geburtstag. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hamburger Otto Group und Ratsvorsitzende der familieneigenen Stiftung hat zusammen mit seinem Sohn Benjamin den Kurs eines der weltgrößten Versandhäuser auf Zukunft ausgerichtet. Anläßlich des Jubiläums schauen wir hinter die Kulissen des Innovationsmanagements und der Business Intelligence in Bramfeld.

Das Hamburger Versandhaus Otto stellt in den kommenden 12 Monaten 580 weitere Techis in den Bereichen E-Commerce und Online Marketing, Business Intelligence und IT-Management ein. Kommunikationschef Martin Frommhold bestätigt: Otto wird zur Tech-Company. Auf einer Tour durch die rd. 300 Mitarbeiter starke Business Intelligence Unit wird klar: Das Familienunternehmen überlässt die digitale Zukunft nicht allein Amazon und Zalando.


Otto-Firmenzentrale in Hamburg-Bramfeld.
Foto: Otto Group
Was mit dem Corporate-Startup "Collins" begann, mit dem Einstieg von Benjamin Otto als "gestaltender Gesellschafter" verankert wurde, ist mit Kulturwandel 4.0 und New Work sichtbar geworden: Der Handels- und Dienstleistungsriese transformiert mit Technologien, Partnerschaften und Beteiligungen sein Geschäft und seine Arbeitswelt für die datenbasierte Zukunft. Ein Hamburg Digital Report aus dem Innovationsmanagement der Otto Group:

Hamburg, Werner-Otto-Straße: Die vier roten Buchstaben überstrahlen alles im Gewerbegebiet. Hinter den grauen Fassaden der 1959 erbauten Firmenzentrale bleibt allerdings kein Stein auf dem anderen. Der 1949 gegründete Versandhändler ist zwischen den milliardenschweren Rivalen Amazon und Zalando eingekeilt. Es ist Familiensproß Benjamin Otto, der 2013 mit "Collins" ein Tech-Startup initiiert, dass als Zalando-Konkurrent Fashion personalisiert an junge Kundinnen bringt und technische Möglichkeiten für den Konzern erarbeitet - der Concept Proof für den Umbau des deutschen Versandhändlers.


Otto-Coworking "Collabor8" in Bramfeld.
Foto: Otto Group
Zwei Jahre später übernimmt der damals 39-Jährige als "gestaltender Gesellschafter" Schlüsselfunktionen bei der tonangebenden Michael-Otto-Stiftung und im Gesellschafterrat der Otto Group. Benjamin Otto ist seit 2003 in Tech-Themen zu Hause, Gründer einer Smart Home-Company und Startup-Investor. Anfang 2017 präsentiert die Otto Group auf ihrem Campus ein 1.700 qm großes Coworkingspace namens "Collabor8", bietet 200 Mitarbeitern im 8. Stock flexibles Arbeiten - ein Meilenstein für "New Work" bei der Otto Group - mit offenen Arbeitsbereichen für die bis zu 7.000 Mitarbeiter auf dem Firmencampus.

Trüffelsucher für den "heissen Scheiss"

Im 6. Stock der Konzernzentrale hat sich eine 30 Mann starke "Task-Force E-Commerce" für die mehr als 120 Konzernfirmen und über 100 Onlineshops in mehr als 30 Ländern strategisch auf den Weg gemacht: Neben Business Intelligence und Data Analytics der Otto Group, User Experience- und Mobile Lab haben im Großraumbüro der Konzernzentrale die Bereiche E-Commerce-Strategie und Innovationsmanagement ihr Zuhause. Die Trüffelsucher bringen den "heissen Scheiss" nach Bramfeld. Kopf des Innovationsmanagements ist Diplom-Medieninformatiker Florian Hermsdorf.


Leitender "Trüffelsucher" der Otto Group: Florian Hermsdorf
Foto: Otto Group
"Ich sehe Technologien als Chance, neue geschäftliche Aktivitäten aufzubauen", betont der 37-jährige Wahl-Hamburger seine Intention, seit 12 Jahren bei der Otto Group neues Geschäft zu entwickeln. Damals kümmerte sich der Absolvent der FH Wedel um das zarte Pflänzchen Mobile, unterstützte den Aufbau eines ersten Mobile Shops und des Mobile Marketings. Es ist die Neugierde, die den 2-fachen Familienvater antreibt: "Was entsteht Neues daraus und was kann man damit machen?", sind für den gebürtigen Frankfurter entscheidende Fragen als Kopf eines 7 Mann starken Teams. Die Innovationen reichen von Kennzahlenoptimierung im Onlineabsatz bis zu neuen Geschäftsfeldern.

Zwischen Kreativität und Konzeption

"Internet macht mir Spaß", antwortet der Co-Founder des E-Commerce-Magazins "Kassenzone". Dabei geht es dem Spezialisten um die Kombination aus Kreativität und Konzeption. Zwei Aufgaben treiben den in Bremen aufgewachsenen Online-Experten an: 1. alle relevanten Innovationen in den drei Otto-Group Geschäftsfeldern Multi Channel-Retail, Logistik und Finanzdienstleistungen rechtzeitig erkennen und 2. die für den Konzern relevanten Themen zusammen mit den Geschäftsbereichen erfolgreich einführen. Rund 3 bis 6 Monate dauern die agil aufgesetzten Projekte im Schnitt.


Brainstorming des Innovations-Teams für neue Services
Foto: Otto Group
Es geht um die Reduzierung einer Idee auf den Kern. Dieser Kern wird im Rahmen eines Proof of Concept mit Usern getestet. Besonders spannend: Die Veränderungen einer Innovation im Laufe der Testphase. Für den Erfolg ist die offene Zusammenarbeit, die Transparenz von Informationen und schlanke Strukturen das A und O. Mit dem Rollout des "Kulturwandel 4.0" seit 2016 hat die Otto Group genau die Voraussetzungen geschaffen, um heute agil an Ideen für die eigene Zukunft zu arbeiten. 

Werteorientiertes Familienunternehmen


Protest gekündigter Zalando-Mitarbeiter
Twitter-Foto: Dimitri Lambrecht, @dilam77
Dreh- und Angelpunkt der Trüffelsuche sind Technologien. "Alle glauben, daß sie die Prozesse stark beeinflußen werden", bestätigt der verheiratete E-Commerce-Profi den Trend. "Maschine ersetzt Mensch" kommentieren die Medien Anfang März d. J. die Kündigungswelle bei Zalando. Bis zu 250 Online-Marketer werden beim Rivalen durch Algorithmen ersetzt, will das börsennotierte Rocket-Growup die Marketing-Automation vorantreiben. Hermsdorf sieht für das werteorientierte Familienunternehmen Otto Group derartige Trends nicht. Obwohl Daten auch für den Hamburger Konzern der entscheidende Treiber für Wachstum sind.

Als Beispiele nennt Hermsdorf die kontextbasierte Auswertung von Renzensionen auf Otto.de. "Aggregated Reviews" bieten Kunden die Chance, schnell einen Überblick über die Beurteilung gesuchter Produkte zu bekommen. Die Hamburger sind weltweit der erste Anbieter, der solch ein System im Einsatz hat - vor Erzrivale Amazon. Auch bei Chatbots müssen sich die Bramfelder nicht verstecken. "Clara" beherrscht die textbasierte Auswertung von Chats in den Otto-Onlineshops. Damit experimentiert der Versandhändler längst mit der Auswertung großer Datenmengen auf dem Weg zu künstlicher Intelligenz.

Augmented Reality-App mit Google

Bei der Tech-Tour durch die Business Intelligence Unit stellt Otto Ende März d. J. seine jüngste Entwicklung vor: eine automatisierte Auswertung von Bildern zur Produktsuche. Eine eigene App bietet Kunden in Kürze die Möglichkeit, Schnappschüsse von Kleidung oder Möbeln aus Prospekten, Schaufenstern oder von der Straße anonymisiert hochzuladen und in Sekundenschnelle relevante Informationen zu Produkt, Eigenschaften, Rezensionen und Preis zu bekommen. Mit der Data Science-Lösung zeigen die Hamburger, Amazon und Zalando in nichts nachzustehen.


AR-App für Möbelkauf per Smartphone und Tablet
Foto: Otto Group
Eine besondere Bedeutung messen die Innovatoren Geräten zu, über die Kunden künftig shoppen werden. Mit "Yourhome AR" hat Otto.de zusammen mit Google auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona eine Augmented Reality-App für Android-Devices gelauncht, um den Möbelkauf zu revolutionieren. Als einer von 5 Partnern des Online-Giganten Google ist Otto zugleich einziger E-Commerce-Launch Partner - und damit auf Augenhöhe mit Amazons AR-App. Die iOS-Version für Apple-Geräte stellten die Hamburger Ende März d. J. der Presse vor.

Das smarte Zuhause als Startpunkt


Das Versandhaus Otto auf dem Weg zur Tech-Company.
Foto: HANSEVALLEY
950 Mio. € setzte Otto im vergangenen Jahr mit Möbeln und Einrichtung um und ist Online-Marktführer in Deutschland - vor Amazon, Ikea, Home 24 und Tchibo. Strukturen, Texturen und die automatische Anpassung des Blickwinkels auf Smartphones und Tablet-PCs machen Möbel-Shopping zum visuellen Erlebnis. Nicht nur beim Möbelkauf ist Otto längst in unseren Wohn- und Schlafzimmern angekommen. Mit eigener "Action" für den Assistent in Google Home hören die Hamburger schon heute unseren Wünschen zu. Darüber hinaus experimentieren der Outletshop Limango und die Pakettochter Hermes in Großbritannien mit "Skills" in Amazon Echo - u. a. zur der Abfrage von Sendungsnummern.

In Zukunft wird das smarte Zuhause Startpunkt für den Kontakt zu den Otto-Onlineshops. Es ist die 3. Phase des Internets - in Waschmaschinen, Lautsprechern und Glühlampen. "Es ist eine Aufgabe für die Otto Group, in dieser Welt Fuß zu fassen", bringt es Visionär Hermsdorf auf den Punkt. Nachdem Geräte online vernetzt wurden und überall gesteuert werden können übernimmt die Hardware in Zukunft Services, vom Verkauf über Kundendienst bis zur -bindung. Die Einkaufsliste von Amazon Alexa zeigt, wo es hingeht. Für den seit 1995 mit PC und HTML aktiven Familienvater ist entscheidend, sich "flexibel auf neue Devices und Services einzustellen, um einen höheren Kundennutzen zu bieten".

300 mögliche Trends auf dem Radar


OTTO-Strategie: Auf dem Weg zur Handelsplattform
Foto: HANSEVALLEY
Mit dem Blick in die Zukunft bearbeitet Florian Hermsdorf mit seinem kleinen Team rd. 6 Fokusthemen pro Halbjahr, initiiert Pilotprojekte, bevor Ideen und Konzepte zu Produkten und Services in den Konzerngesellschaften werden. 3 bis 6 Monate dauert ein Projekt im Schnitt, bevor es produktiv im Konzern umgesetzt oder eingestellt wird. Dabei schaut das Innovationsmanagement der Otto Group durchaus mittel- und längerfristig in die Zukunft, beobachtet mit dem "Innovation Radar" 300 mögliche Trends bis 2030 und darüber hinaus. 

Eines der Themen ist die Blockchain-Technologie - für eine neue Supply Chain aka Lieferkette - von Rohstoff-Lieferanten über Hersteller und Großhändler, Logistiker, Versandhändler bis zum Endkunden. Michael Otto, seit vielen Jahren engagiert für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und eine lebenswerte Zukunft, präsentiert auf dem Symposium "Zukunftswerte" am Montag dieser Woche in der Elbphilharmonie ein ganz praktisches Anwendungsfeld:

Fälschungssichere Lieferketten dank Blockchain

Die Otto Group kann heute die Probleme jedes Rohstofflieferanten, jedes Herstellers und jedes Lieferanten in Sachen Umweltverträglichkeit und Arbeitsbedingungen benennen. Michael Otto bringt auf den Punkt: "Die Blockchain macht den Prozess vom Rohstoff bis zum Endkunden fälschungssicher". Florian Hermsdorf bestätigt: "Blockchain ist eine grundlegende Technologie, mit der man sich auseinandersetzen muss." Eine interessante Aussage eines leitenden Innovationsmanagers bei größtem Onlinehändler "Made in Germany". Wir sind gespannt.

Fast 14 Mrd. Mrd. € setzen die mehr als 52.000 Beschäftigten des Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group weltweit mit Multi Channel-Retail, Logistik- und Finanzdienstleistungen um. Mit fast 8 Mrd. € und mehr als 30 Marken ist die Hamburger Firmengruppe global erfolgreich im E-Commerce, 5,5 Mrd. € davon werden in Deutschland erwirtschaftet. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die größte Gesellschaft Otto.de inkl. 7 Spezialshops rd. 3 Mrd. €. 

 Hamburg Digital Reports: 

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
http://hh.hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
http://hh.hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html

 Hamburg Digital Background: 

Michael Otto schlug Amazon-Angebot über 100 Millionen aus
www.welt.de/wirtschaft/article175249145/Otto-Chefaufseher-Aerger-ueber-ausgeschlagenes-Bezos-Angebot.html

Benjamin Otto wird gestaltender Gesellschafter bei Otto
www.abendblatt.de/wirtschaft/article205265507/Benjamin-Otto-wird-gestaltender-Gesellschafter-bei-Otto.html

OTTO DIGITALSTRATEGIE:


Innovationsmanagement Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/

Technologieprojekte Otto Group:

www.ottogroup.com/de/dossier/Technologie-die-den-Menschen-begeistert-2018.php

OTTO INNOVATIONEN:


Kulturwandel 4.0 der Otto Group:
www.ottogroup.com/de/karriere/Unternehmenskultur/Kulturwandel-4.0.php

E-Commerce-Strategie Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/E-Commerce-Strategie-der-Otto-Group.php

Task Force E-Commerce Otto Group:
www.ottogroup.com/de/innovation/Exzellenz/Task-Force-fuer-den-E-Commerce.php

OTTO TRANSFORMATION:


Otto.de Market + Brand Connect:

www.otto.market/

Otto.de Developer Blog:

https://dev.otto.de/

Otto Group Konzernzentrale:
www.basicthinking.de/blog/2018/03/31/otto-hamburg/14/

DIE FAMILIE OTTO:

Zukunftswerte - Verantwortung für die Welt von Morgen - Das Buch:
www.zukunftswerte.net/buch.html

Benjamin Otto, Unternehmer und Erbe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Otto

Dr. Michael Otto, Unternehmer und Stifter:
http://michael-otto.info/

Werner Otto, Unternehmer und Mäzen:
http://www.werner-otto.info/

Sonntag, 8. April 2018

HANSEPERSONALITY Dr. Ralf Belusa: Alles wird digitalisiert, was digitalisiert werden kann.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW
*Udate*

"Solange wir das Beamen nicht erfunden haben, brauchen wir physische Transportmittel." Hamburgs Logistikexperte und Handelskammermann Jens Assmann bringt auf den Punkt, was Hamburger Spediteure, Reeder und Transporteure für die nächsten 100 Jahre hoffen. Doch die Digitalisierung ist in Containern, auf Frachtern und an Terminals angekommen. Hapag-Lloyd ist die größte deutsche Linienreederei und mittendrin im Wandel.

In den erwürdigen Gemäuern am Ballindamm arbeiten Programmierer und Digitalisierer an der Zukunft der stolzen Container-Reederei. Mit digitalen Prozessen, digitalisierten Services und einer Kundenorientierung fernab von Commodity entsteht an der Binnenalster mit weltweit 12.000 Mitarbeitern ein digitaler Qualitätsführer unter den Liniendiensten. Ein Hamburg Digital Interview mit Chefidigtalisierer Dr. Ralf Belusa:



Unter den "Top 100" der wichtigsten Digitalisier Deutschlands.
Dr. Rall Belusa, CDO Hapag-Lloyd AG

Hapag-Lloyd hat vor 3,5 Jahren mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm die Kundenorientierung nach vorn gestellt, Ideen und Konzepte aus dem Silicon Valley an die Alster importiert und vor einem halben Jahr mit Dir und Deinem 10-köpfigen Team die Umsetzung der digitalen Strategie begonnen? Seit Ihr noch rechtzeitig oder wird es stürmisch für Euch?


170 Jahre Tradition von der HAPAG zum digitalen Anbieter.
Foto: Hapag-Lloyd
Digitalisierung bedeutet, sich kontinuierlich entlang digitaler Möglichkeiten zu verändern. Veränderung und Unternehmertum sind seit Gründung fest in der DNA von Hapag-Lloyd verankert. Dies zeigt sich heute auch in einer sehr leistungsstarken und modernen IT Infrastruktur. Darüber hinaus wollen wir Prozesse, Produkte und Services Schritt für Schritt mit unseren Kunden weiterentwickeln – das sogenannte "Window of Opportunity" steht dafür jetzt sehr weit offen. 

*Update*
Wir digitalisieren vom Kunden entlang der Wertschöpfungskette. Dabei geht es darum, Prozesse digital abzubilden, zu bündeln, zu vereinfachen oder zu beschleunigen. Dies erfolgt getreu der Methode: Build, Measure, Learn.

Hapag-Lloyd ist 5. größte Linienreederei der Welt mit rd. 220 Container-Frachtern - und damit eher ein mittelgroßer Anbieter im Vergleich zu Maersk, MSC oder CMA CGM. Ihr annonciert keine millionenschweren Blockchain-Projekte und wollt keine Hafenstadt zur Startup-City ausbauen. Wie wird Hapag-Lloyd die Digitalisierung für die eigene Zukunft nutzen?


Die Digitalisierung der Schiffahrtsindustrie ist in vollem Gange.
Grafik: HLAG
Blockchain ist sicher eine Technologie mit Potenzial, wie andere Architekturen beziehungsweise Infrastruktur-Systeme in der Vergangenheit auch. Dies sollte man sich immer sehr genau ansehen und entlang der zunehmenden Marktreife und auf Basis eines agilen "innovativen Best of Ansatz" für die Kunden adaptieren. Das bedeutet, funktionierende Systeme und Innovationen agil aufsetzen, anpassen und dann ständig verbessern. 

*Update*
Dabei nutzen wir insbesondere auch
das Know-how unserer Kolleginnen und Kollegen aus den Regionen. Konkret wird hier mit agilen Arbeitsmethoden wie SCRUM gearbeitet und wir sehen uns beispielsweise auch ein neuartiges schnelles System für die Verteilung von Wissen und Informationen im Unternehmen und für Kunden an.

Du hast umfassende Erfahrungen als Manager, Consultant, Mentor und Investor mit Technologie-Startups, Corporate-Acceleratoren, der Berliner Tech-Szene und namhaften Unternehmen, wie Axel Springer und Microsoft. Wo liegen aus Deiner Sicht bei der Digitalisierung die entscheidenden Unterschiede zwischen Tech-Startups und etablierten Corporates, wie Hapag-Lloyd?
Die digitalisierbare Customer Journey bei Hapag-Lloyd
Grafik: HLAG

Startups „explorieren“, sprich: sie versuchen ihre "Produkte und Services" für noch nicht gefundene Kunden zu entwickeln, um damit Geld zu verdienen. Wenn das geschafft ist, geht man den Schritt zum Corporate und macht dann mit dem "neu geschaffenem Produkt mit Kunden" die "Execution" und skaliert.
Hapag-Lloyd hat mehr als 260 IT-Experten und mit FIS ein eigenes IT-System mit Schnittstellen zu Partnern und Portalen. Du sagst: Die Digitalisierung muss entlang der Customer Journey erfolgen. Zugleich bietet Ihr aktuell nur wenig digital bereitgestellte Tarife und Verträge an. Das klingt nach Telefax und nicht nach Digitalgeschäft?


Geschwindigkeit und Skalierung entlang der Customer Journey sind hier der Schlüssel. Jedoch werden wir Schritt für Schritt mit unseren Kunden gemeinsam neue digitale Services entwickeln und anwenden.
Da sind einige Kunden schon sehr weit, stärker digitalisiert und adaptieren extrem schnell, andere befinden sich auf dem Weg dorthin oder brauchen noch etwas Zeit. Gerade im globalen Kontext sieht man hier interessante Unterschiede in der digitalen Adaption.

*Update*
Weiterhin muss man sich Stück für Stück die gesamte Customer Journey ansehen und dabei jede Komponente von der Online Kundenregistrierung über den Bill of Lading bis zur Bezahlung kontinuierlich verbessern.


Du bist als Chefdigitalisierer ein halbes Jahr mit Deinem Team bei der Hamburger Linienreederei an Board. Du sagst, neue digitale Möglichkeiten müssen einen 10-fachen Output im Vergleich zu analogen Lösungen bieten, um Sinn zu machen. Kannst Du ein paar digitale Projekte skizzieren, die Ihr für Eure Kunden aktuell umsetzt?


*Update*
Wir bauen hier gerade ein Framework an sehr attraktiven Produkten und Services auf, um bessere digitale Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und anzubieten. Beispielsweise schauen wir uns die Bereiche Online Buchungen für Containertransporte an, aber auch Zusatzdienste wie Versicherungen oder einfache und schnelle Kundenbenachrichtigungen. Zentrale Fragestellungen sind: 'Was müssten wir tun, um schnell gemeinsam mit dem Kunden zu Ergebnissen zu kommen?' Da arbeiten wir mit Hochdruck dran und können dann gerne gemeinsam reinschauen, sobald wir die konzeptionelle Phase abgeschlossen haben.
Die Containerschifffahrt ist eher auf "Commodity" ausgerichtet und hat durch Konzentration und Kostenoptimierung agiert. Böse Zunge sprechen von einem Geschäft wie in der Segelschifffahrt. Wo siehst Du die Herausforderungen bei einem 170 Jahre alten Traditionsunternehmen wie Hapag-Lloyd - und zugleich die besonderen Chancen?

Stand der Digitalisierung bei Hapag-Lloyd 2018.
Grafik: HLAG
Es ist wundervoll, auf einer 170-jährigen Gründertradition und damit auch einem enormen Wissen aufzusetzen. Hier zu Veränderungen beizutragen und zugleich die Startup-Kultur im globalen Handel weiter zu etablieren ist herausfordernd und braucht an vielen Stellen einen Kulturwandel. 

Die Welt ist aber nicht nur digital, sondern physische Güter, Transport, Logistik, Schiffe, Geschäftspartner entlang der Wertschöpfungskette in 125 Ländern werden verknüpft mit digitalen Produkten und Services – das macht dieses einzigartige Geschäft aus. Commodity sehe ich hier nicht, sondern genau das Gegenteil. Hier gibt es viele Chancen zur Differenzierung, ganz gleich ob digital, analog oder eben in Kombination.

Unsere Hamburg-Frage: Die Heimat der HAPAG ist geprägt von traditionsreichen Famiiienunternehmen und angestammten Geschäftsmodellen. Mit Deiner nationalen und internationalen Erfahrung: Wo ist unsere Stadt in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt, und wo kann der Hamburger Kaufmann noch einen Schippe zulegen?

Wenn der Hamburger etwas macht, dann hat es meistens Hand & Fuß, aber das digitale Verständnis und die Erfahrung und Methoden für ganzheitliche Geschäftsmodelle – vom Kunden über Sales, Marketing, IT bis hin zu HR – die zugleich skalierbar sind und sich kontinuierlich anpassen, ist oft noch ausbaufähig. 

Im internationalen Vergleich mit China, Asien, Südamerika und einigen europäischen Ländern, lernt und skaliert man hier langsamer. Es gibt wichtige Business-Frameworks und Mechaniken im digitalen und nicht-digitalen Geschäft, welche es zu verstehen und anzuwenden gilt. Wer das nicht umsetzt, bleibt zwangsläufig auf der Strecke. 

Am Ende wird alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann. Alles was intelligent gemacht werden kann, wird intelligent gemacht (Artificial Intelligence) und somit wird das Verständnis und Erlernen/Trainieren der Transformation für jeden einzelnen erfolgskritisch sein.



Herzlichen Dank für die Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup

Mittwoch, 4. April 2018

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft

HAMBURG DIGITAL RANKING



Hamburg zwischen Hafenfolklore, Logistikhub und digitaler Zukunft.
Foto: mediaserver.hamburg.de / Hermes Logistik

Nur 20% der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind digital unterwegs. Nur 30% der großen Unternehmen sind in der digitalen Zukunft angekommen. So das Ergebnis des Digital-Atlas Deutschland im Auftrag von Google Germany, erarbeitet vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Wie gut sind Hamburgs Unternehmen aufgestellt? Wer brilliert mit Erfolg versprechender Strategie? Und wer entwickelt sich zum Totalausfall an Kaikante und in der Kaufmannsgilde?



Welche Unternehmen haben ein ernstes Erkenntnisproblem? Welche Familienbetriebe leiden am beliebten Umsetzungsproblem? Und welche Hamburger Konzerne besitzen ein kritisches Kommunikationsproblem? Das Hamburg Digital Ranking bietet einen aktuellen Überblick über TOP und FLOP, über Spitzenreiter, Aufsteiger, Fragezeichen und (unsportliche) Absteiger. HANSERANKING - so sind Hamburgs Unternehmen heute digital aufgestellt:


 TOP OF THE TOPS: Die digitalen Spitzenreiter 

TOP Nr. 1 - Die Hamburger Otto Group

Die Familie Otto baut seit über 5 Jahren an der Zukunft - mit einem strategisch agierenden Familienerben, einem Tech-Startup als Concept Proof, eigenem Corporate Inkubator, Company Builder und VC-Investmentarm, nachhaltigem Kulturwandel und Exzellenz mit eigener Task Force für E-Commerce, mehr als 300 Mann in Business Intelligence und Plattformstrategie. Der 50.000 Mann-Tanker hat Kurs auf die digital-vernetzte Zukunft.
Gesamturteil: Kulturwandel 4.1 - hier geht die Familie vorne weg.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die mobile Zukunft der Otto Group.


Die Handelsriese Otto Group im größten Wandel aller Zeiten.
Foto: HANSEVALLEY

TOP Nr. 2 - Die Hamburger Hafenbehörde HPA

Dank eines visionären Informatikers ist die Hamburg Port Authority technologisch im Hafen weit vorn. Unter dem Dach der "Smart Port"-Initiative treibt das IT- und Digitalteam Innovationen zu Lande, zu Wasser und in der Luft - von Nautischer Zentrale über Katatrophenschutz bis zum 5G-Projekt zur Vernetzung des Hafens. Bei der HPA hat man auch keine Angst vor einem chinesischen Digitalterminal auf Steinwerder für Alibaba.
Gesamturteil: Innovationsfaktor 4.0 - der Hafen ist auf dem Weg.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe: Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt.

TOP Nr. 3 - Die Hamburger Sparkasse, HASPA

Ein Vorstandschef mit Weitblick und 25 Mio. € Investitionen in digitale Services bis 2020 zeigen: die Haspa kleckert nicht. Die Übernahme von "Heute in Hamburg" mit mehr als 200.000 Fans war ein Meilenstein für den künftigen Erfolg der Bank. In der Digital-Unit baut die Sparkasse ein neues Geschäftsmodell auf, erreicht die Kunden per App in den Stadtteilen. Lobenswert: Die "Beerdigung" des missglückten Mobile-Kontos "Yomo".
Gesamturteil: Execution 4.0 - wer weiter will, geht eigene Wege. 

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEVISION: Gut für die Haspa. Gut für Hamburg.


 TOP oder FLOP: Die digitalen Aufsteiger 

2+ Mio. Container fahren künftig First-, Business- oder Economy-Class.
Foto: Hapag-Lloyd

TOP Nr. 4 - Die Containerreederei Hapag-Lloyd


Mit einem wettbewerbsfreudigen Vorstandschef ist die gemütliche Zeit am Ballindamm beendet. Beginnend mit einer Restrukturierung werden jetzt weltweit alle Kühlcontainer mit Sensoren und Sendern ausgestattet, Boxen dank Daten künftig wie in der Luftfahrt priorisiert verladen und gelöscht. Ein 10-köpfiges Team arbeitet an digitalen Produkten und Dienstleistungen, um die HLAG mit Echtzeit-Services zum Qualitätsführer zu entwickeln.
Gesamturteil: Execution 3.5 - so wird's was auf den Weltmeeren.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEPERSONALITY Dr. Ralf Belusa: Alles wird digitalisiert, was digitalisiert werden kann.

TOP Nr. 5 - Der Bootsausstatter A. W. Niemeyer

Das führende Handelshaus hat 1998 einen ersten Onlineshop gestartet, erzielt jedoch 3/4 seines Umsatzes in den Filialen. Nach drei Jahren in der Umsetzungsfalle hat AWN mit Hanse Ventures einen starken Gesellschafter und 30 Online-Experten im Haus, die Niemeyer in die digitale Zukunft katapultieren. Ein ungewöhnlicher wie konsequenter Weg, aus der Sackgasse zu kommen. Eine echte Aufsteiger-Story Made in Hamburg.
Gesamturteil: Strategie 3.5 - mit starkem Partner aus der Sackgasse.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSECHAMPION A. W. Niemeyer: "Wir wollen die Welt."


 TOP ODER FLOP: Die digitalen Fragezeichen 

Wie wird aus analoger Container-Abwicklung ein digitales Business-Modell?
Foto: HHLA / Thies Rätzke

FLOP Nr. 6 - Der Hamburger Busbetrieb VHH


Die VHH-Busse waren Vorreiter bei mobilem Internet in Hamburg. Dann zog die große Schwester HOCHBAHN mit Vollgas vorbei. Lediglich die Linien 3 und 31 sind mit Wifi versorgt, alle anderen gucken in die Röhre. Mittlerweile sind alle 1.000 Busse der HOCHBAHN mit WLAN ausgerüstet. Die ebenfalls zur Stadt gehörenden VHH-Busse können dringend ein digitales Upgrade auf die Zukunft gebrauchen.
Gesamturteil: Execution 2.0 - als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet.

FLOP Nr. 7 - Der Terminalbetrieber HHLA

Die gebetsmühlenartig wiederholte Botschaft vom digitalen Player im Hamburger Hafen kann niemanden mehr vom Hocker reißen. Größter Hemmschuh: Gewerkschaften und widerwillige IT'er. Bei der Unterstützung des Digital Hub Logisitics Hamburg zeigt die HHLA aktuell offensichtlich wenig Entschlossenheit. Von der Beteiligung bis zum Speicher für den Hub ist öffentlich leider nicht viel zu sehen. Aber wir schauen gern noch ein zweites Mal hin.
Gesamturteil: Strategie 1.9 - weniger Angst, mehr Handeln ist gefragt.

 Hamburg Digital Statement: 
HANSEPERSONALITY Angela TItzrath: Pressestelle enthält Antworten leider seit Monaten vor.

 TOP OF THE FLOPS: Die digitalen Verlierer 


Zick-Zack-Kurs hinter schicker Fassade: Nur noch für ältere Kunndinnen attraktiv.
Foto: Beiersdorf

FLOP Nr. 8 - Der Werbevermarkter Weischer

Der Werbevermarkter kann zwar Spots und Anzeigen schalten, die Innovationsabteilung ist jedoch geprägt von einer wenig erfahrenen Werberin. Die "Manager Digital Revolution" verkauft vermeintliche Innovationen von Kreativ- und Techagenturen aus Hamburg, eine Strategie für die digitale Zukunft der Altonaer Werbefirma ist derzeit nicht erkennbar, Kommunikation findet daher auch erst gar nicht statt. Ist womöglich auch besser so.
Gesamturteil: Innovationsfaktor 0.9 - für einen Vermarkter traurig.

FLOP Nr. 9 - Der Chemiefabrikant Beiersdorf

Der Körperpflegehersteller macht mit Hire & Fire seiner Chief Digital Officer von sich reden. Mindestens drei leitende Innovationsmanager mussten bereits ihren Hut nehmen. Grund: Bei Beiersdorf steuert eine Unternehmerfamilie ohne sichtbaren Weitblick den Konzern. Ehemalige Mitarbeiter geben auf die digitale Zukunft der Eimsbütteler Dosenabfüller nicht viel. Da wundert es nicht, dass eine als unfair eingestufte PR-Chefin Maulkörbe erlässt.
Gesamturteil: Kulturwandel 0.9 - so ruiniert man sich am schnellsten.

 Hamburg Digital Statement: 
HANSEPERSONALITY Martin Böhm: Antworten von Beiersdorf-Pressesprecherin leider verboten worden.


Traum vom schnellen Reichtum: 7 von 10 Startups scheitern in den ersten 2 Jahren.
Foto: HANSEVALLEY

FLOP Nr. 10 - Der Marketing-Inkubator NMA


Man kann die Geldverschwendung von DPA, Senat & Partnern bestenfalls als Marketing-Inkubator titulieren. Die Startups kommen z. T. nur mit einer Idee ins Programm, werden mit schwachen Konditionen abgespeist, eine Betreuung nach dem Demo Day findet so gut wie nicht statt. Kluge Startups haben dankend abgelehnt, Experten über NMA-Pitches den Kopf geschüttelt, die NxA-Methode ist stadtweit bekannt - und wird offen kritisch diskutiert.
Gesamturteil: Execution 0.9 - hier kommt sicher kein Unicorn (groß) raus.

 Hamburg Digital Statement: 
HANSESTATEMENT: Hamburg, #daswarsmitmedien, oder?


HANSERANKING - aus der Praxis für die Praxis.

Das Hamburg Digital Ranking basiert auf mehr als 400 Vor-Ort-Recherchen in Unternehmen und Institutionen, über 500 Hamburg Digital Nachrichten und mehr als 180 Hamburg Digital Reports aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung sowie mehr als 50 exklusiven Interviews mit Unternehmern und Innovationsmanagern sowie Politikern und Experten. Das HANSERANKING erhebt trotz sorgfältiger Recherche und Informationen aus erster Hand keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 


Manchmal reicht es nicht aus, jung und unerfahren zu sein ...
Foto: Urheber anonym

HANSEVALLEY wünscht interessante Einblicke und hilfreiche Erkenntnisse für den eigenen Weg in die digital-vernetzte Zukunft. Die Redaktion freut sich auf spannende Vorschläge für HANSECHAMPIONS aus Industrie und Mittelstand an Alster und Elbe - per E-Mail an hamburg@hansevalley.de oder persönlich auf einem von mehr als 150 Vor-Ort-Terminen rund um Adolphsplatz und Rathausmarkt zu Digitalisierung und Transformation in 2018.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEVISION: Von ehrbarer Kaufmannssiedlung zur Digitalen Metropole Hamburg.


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