Dienstag, 18. Oktober 2016

HANSEEXCLUSIV: Transatlantische Startup-Brücke am Alsterufer

HAMBURG DIGITAL REPORT

70% aller Fortune-1000-Firmen im Jahr 2003 gehörten 10 Jahre später nicht mehr dazu. Mit dem dramatischen Vergleich spitzt Andre Marquis - Executive Director des Lester Center für Entrepreneurship an der Haas School of Business der Berkeley University - die Situation der amerikanischen Wirtschaft zu. Die einzigen US-Firmen, die heute qualifizierte Arbeitspätze schafften, seien Startups, während traditionelle Unternehmen Jobs in Billiglohnländer verlagerten. Seine Eltern gehörten zur letzten Generation Amerikas, die lebenslang einen einzigen Arbeitgeber hatten. 


Andre Marquis, Executive Director @BerkeleyHaas
Die 60 Zuhörer im ehrwürdigen Ballsaal des amerikanischen Generalkonsulats am Hamburger Alsterufer hörten gespannt zu. Oliver Rößling, Co-Organisator von "12min.me", lud zusammen mit US-Wirtschaftskonsul Michael W. Gray am Montag-Abend zum 2. exklusiven Event "Hamburg Valley or Silicon Harbor" - und alle waren gekommen: Gründer und CEOs Hamburger Startups, Tech-Journalisten, Startup-Supporter von Unternehmen und Vertreter der Stadt. Mehr als 420 Interessenten hatten sich angemeldet, doch nur ein kleiner Teil konnte dabei sein.

Andre Marquis pointierte in seltener Offenheit die unterschiedliche Kultur zwischen Startups und Enterprise Companies: Während traditionelle Unternehmen Innovationen wissenschaftlich fundiert über die Zeit entwickelten, probierten Startups schnell neue Ideen aus. Diesen Prozess sieht der Executive Director der Innovation Acceleration Group in Berkeley als Schlüssel zu neuen Produkten, ein Prozeß der jedoch nicht einfach kopierbar sei. Aus seiner Sicht reiche es nicht aus, in einem Accelerator 5 oder 10 Startups zu coachen. Mit dieser Methode hätten etablierte Unternehmen keinen Erfolg, legte Marquis den Finger in die Wunde von Innovationlabs.

"Jedes Scheitern ist eigentlich Lernen"

Das Startup-Programm der Universität Berkeley schickt 290 Startups parallel durch einen systematischen Prozess nach der Lean Startup Methode. Internationale Unternehmen, wie Intel und Caterpillar, vertrauen dem Innovation-Center in der Bay Area mit 12 weiteren Standorten weltweit. Gerade interviewte Marquis 20 Startups in Berlin und stellte ihnen die entscheidende Frage nach der Kundengruppe - nicht immer überzeugend. Vielen Startups hierzulande fehle echte Skalierbarkeit. Damit war die Diskussion über die Unterschiede zwischen den USA und Europa eröffnet.

Erik Magdanz, Seriengründer und erster Sekretär für Innovationspolitik der US-Botschaft in Deutschland, brachte die Finanzierungthematik auf die Tagesordnung: In Deutschland fehle viel frühphasiges Geld, um neue Dinge ausprobieren zu können. Investoren erwarteten erst 300 Nutzer für ein neues Produkt, bevor sie investierten. Das sei gegen die Logik von Startups und Risikokapital, so der Fürsprecher einer starken Startup-Szene in Deutschland. Der Funnel sollte möglichst weit aufgemacht werden, um auch aus Deutschland ein weiteres Unicorn vom Typ SAP zu ermöglichen.

5% Invesitionsmittel als Risikokapital

Ein weiterer schmerzlicher Unterschied war für die Referenten des Abends die unterschiedliche Zielsetzung von Investoren: Erik Magdanz nannte als Beispiel die Pitch-Decks der Dubsmash-Gründer: Deutschen Investoren präsentierten sie ein Deck mit dem Fokus auf schnellen Gewinn, amerikanische VCs bekämen dagegen den Weg zur Steigerung der Nutzer aufgezeigt. Andre Marquis sprach sich dafür aus, dass deutsche Mittelständler 5% ihrer Investitionen als Risikokapital in Startups investieren sollten, um der schnellen Entwicklung neuer Ideen und Produkte eine Chance zu geben.

Aus den Reihen des gespannten Publikums kam denn auch eine der wohl entscheidenden Fragen des Abends: Wie können die zahlreichen Stiftungen an der Elbe davon überzeugt werden, in Startups zu investieren? Für alle Teilnehmer waren die Unterschiede der Entwicklung zwischen amerikanischen Unicorns und deutschen Jungunternehmen vor allem eine Frage der Kultur. Das 12min.me-Event war eine weitere, wertvolle Brücke über den Atlantik - direkt am Hamburger Alsterufer.

Live vor Ort: Thomas Keup


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