Montag, 9. Januar 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Johannes Jacubeit: Mit “Dr. Digital” zum Gesundheitsmanager.

Gründer und Geschäftsführer von Connected-health.eu:
Dr. Johannes Jacubeit
Foto: Connected-health.eu
HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Er ist der “Dr. Digital” von Hamburg: Der Arzt und Gründer Dr. Johannes Jacubeit entwickelt in einem Altonaer Hinterhof die Zukunft der digitalen Medizin in Deutschland. Mit einem Datenhub für Arztpraxen und einem Smartphone gibt er Patienten ihre Krankenakten an die Hand - und revolutioniert damit künftige Behandlungswege, wieder gesund zu werden.

Was der Gematik mit der Gesundheitskarte bislang nicht glückte, wird in Hamburg zum Erfolgsmodell für die Republik: Die digitale Bereitstellung, Speicherung und Nutzung von Gesundheitsdaten für bessere Behandlungen rückt in greifbare Nähe. Unser HANSEPERSONALITY ist der Gründer und Geschäftsführer von Connected-health.eu - Dr. med. Johannes Jacubeit:


Du bist approbierter Arzt, aber auch Technologieexperte, Gründer eines Health-Startups, engagiert im Gesundheitsausschuss der Handelskammer und “MIT Innovator unter 35”. Was treibt Dich als Arzt an, im Thema “Digital Health” aktiv zu sein?

Weil es Spaß macht … denn Medizin ist ein außergewöhnliches Fach. Im Studium und in den ersten Jahren meines Berufslebens konnte ich viel Wissen ansammeln. Ich habe z. B. in meiner Promotion elektrophysiologische Grundlagen des Herzschlages im Labor untersucht. Ich habe aber auch schon früh in meinem Leben angefangen, mit Technologie zu hantieren und zu programmieren. Am Beispiel des Herzens lässt sich mein Spektrum gut darstellen:



"Digital-Medizin ist ein stark wachsendes Querschnittsthema."

Ich verstehe bis auf Ionen-Ebene, wie eine Herzschlag zustande kommt und wie man diesen pharmazeutisch modulieren kann. Als Arzt habe ich gelernt, ein EKG zu schreiben, dies zu interpretieren und daraus eine Therapie abzuleiten. Außerdem habe ich die Prozesse in Kliniken und Praxen erlebt. Als Programmierer habe ich gelernt, wie ich diese Herzdaten speicher- und analysierbar machen kann, wie man mit APIs arbeitet, und welche Daten z.B. der M8 Chip von Apple erfasst. Digitale-Medizin ist ein stark wachsendes Querschnittsthema, in dem ich mit Freude etwas beisteuern kann.

Du hast vor rd. 2 Jahren “LifeTime” gestartet. Im vergangenen Jahr konntet Ihr rd. 120 Hamburger Arztpraxen überzeugen, Berichte, Diagnosen und Befunde Patienten via Smartphone zur Verfügung zu stellen. Was plant Ihr für 2017 und darüber hinaus?

2017 werden wir viele weitere Städte in Deutschland angehen. In der aktuellen Zwischenfinanzierung hat der Thieme-Verlag - der Marktführer im Bereich der Medizin-Publikationen - investiert. Ein erstes gemeinsames Produkt planen wir Mitte 2017 im Markt zu testen. Als Venture Capital-getriebenes Unternehmen werden wir natürlich auch unsere Series-A erfolgreich abschließen und somit das Team skalieren, um insgesamt noch schneller zu werden.

Was ist Euer stärkstes Argument - für niedergelassene Ärzte wie für Technologiepartner (z. B. die Gematik) - Eurem Konzept zu folgen? Und was ist die Alternative zu “LifeTime” im Markt: Krankenakten auf Papier oder gibt es internationale Konkurrenz?

Die Arzt-Patienten-Beziehung ist etwas Besonderes und sehr Schützenswertes. Der seit Jahrzehnten etablierte Kernprozess, den ein Arzt tätigt, um einem Patienten einen Befund zu übergeben, ist das Drucken. Dieser Prozessschritt bleibt bei LifeTime für den Arzt bzw. seine Mitarbeiter gleich, jedoch landet der Befund einfach beim Patienten auf dem Smartphone.



"Die größte Konkurrenz ist das gedruckte Papier."

Wir sehen zahlreiche kleine und große Player, die sich am Thema “Online-Akte” versuchen, oder sich wie Google oder Microsoft bereits daran versucht haben - mit wenig Erfolg. Der Informationsaustausch zwischen den Parteien ist etwas Zielgerichtetes und funktioniert ohne Mittelsmann. Mir ist aktuell keine Technologie bekannt, bei der die Daten der Patienten nur in der Hand des Arztes und des Patienten liegen und ein bidirektionaler Austausch einfach einfach funktioniert. National und auch international ist somit tatsächlich die größte Konkurrenz das gedruckte Papier.

Digitale Medizin basiert auf umfassender elektronischer Auswertung von medizinischen Daten des Patienten. Was ist der nächste Schritt, wenn ich alle meine Berichte, Diagnosen und Befunde selbst in Programmen - z. B. in einer App - verwalten kann?

Aktuell bauen viele große und kleine Unternehmen Analytics-Engines. Diese Engines werden Patienten z. B. eine “digitale Zweitmeinung” bieten. Aus der LifeTime-App heraus kann ich - wenn ich möchte - bereits jetzt meine Gesundheitsdaten versenden oder irgendwo hochladen. Dies bleibt jedem selbst überlassen.

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Ich habe alle Daten in einer App - einschl. Auswertung persönlicher Lebensgewohnheiten. Nun erkranke ich und das Programm schlägt eine konkrete Behandlung vor. Welche Rolle hat dann noch mein Hausarzt?

Wenn Maschinen diagnostische Schritte, definitive Diagnosen und mögliche Therapieoptionen aufzeigen, wird sich ein massiver Paradigmenwechsel vollzogen haben. Eine sehr wichtige Komponente ist und bleibt jedoch die Arzt-Patienten-Beziehung. Ein Arzt hat noch viele weitere Aufgaben, als nur Daten zu erfassen, diese zu integrieren und zu analysieren und daraus eine Therapie abzuleiten.



"Der Hausarzt wird die Rolle eines Gesundheitsmanagers einnehmen."

Ein Arzt ist bzw. sollte eine Vertrauensperson sein, mit dem ein Patient seine Ängste und Sorgen teilen kann. Der Arzt sollte diese Ängste und Sorgen - unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsstruktur des Patienten ernst nehmen. Der Hausarzt wird dann eher die Rolle eines vertrauensvollen Gesundheitsmanagers einnehmen.

Wenn personalisierte Behandlungen durch Datenauswertung einerseits und der Hausarzt als spezialisierter Gesundheitsmanager andererseits die Zukunft sind - wie wird sich das Berufsbild des Arztes und seine Ausbildung verändern?

Vieles was Ärzte täglich tun, wird in naher Zukunft durch Maschinen erledigt. Beispielsweise arbeiten viele Unternehmen daran, Bildgebung (wie MRT, CT, Röntgen u. ä.) automatisch auswerten zu lassen. Allein aus rechtlichen Gründen wird natürlich noch ein Arzt draufschauen müssen. Jedoch ist es etwas anderes, wenn ich vom Computer angezeigt bekomme, wo ich hinschauen soll, als wenn ich selbst suchen muss. Der Umgang mit digitalen Technologien wird somit schon während des Studiums gelehrt werden müssen.

Zu guter Letzt die Hamburg-Frage - wie für jeden unserer Interview-Partner: Wie gut oder ausbaufähig ist der Gesundheitsstandort Hamburg für Euer Unternehmen und das Thema Digital Health? Was sind die Vorzüge von Hamburg in Deinem Thema?

Hamburg ist ein Dorf und hier kennt man die relevanten Player sehr schnell. Auch die Unterstützung von Gründern ist großartig. Ohne “InnoRampUp” der Förderbank IFB - ein in der Bundesrepublik einzigartiges Förderinstrument - und die Unterstützung z. B. der Handelskammer wären wir noch nicht so weit, wie wir sind.

Vielen Dank für die vertrauensvolle Sprechstunde!

Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

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“InnoRampUp” der IFB Hamburg


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