Sonntag, 19. Februar 2017

HANSEPERSONALITY Hansjörg Schmidt: In Hamburg liegen alle Karten auf dem Tisch.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

+++ Innovations-Wachstumsfonds nimmt Gestalt an +++ Fonds-Management soll Family Offices ins Boot holen +++  SPD-Digital-Sprecher kündigt baldige Vorstellung des Fonds-Konzepts an +++ Bürgerschaft wird über Hamburger Startup-Wachstumsfonds diskutieren +++

Digital-Sprecher der SPD und IT-Unternehmer:

Hansjörg Schmidt
Starke Branchen, wie Schifffahrt, Logistik und Medien geben an Elbe und Alster den Ton an. Senat und Handelskammer sind aktive Player bei Standortsicherung und Wirtschaftsförderung. Nun übernimmt Digitalisierung die Führung.

Wie kann die Handelsmetropole ihre führende Wirtschaftsrolle sichern? Wie kann die Medienindustrie zum führenden Branchenschlepper werden? Und wie kann die Hamburger Sozialdemokratie ihre größte Herausforderung seit der industriellen Revolution meistern?


Wir fühlen dem Digital-Experten der führenden Regierungsppartei auf den Zahn: die SPD, Bildung, Startups und Investments - unser HANSEPERSONALITY ist Hansjörg Schmidt - Fachsprecher für Medien, Netzpolitik, digitale Wirtschaft, Technologie und Innovation der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft:


Du bist Informatiker und Mitgründer eines Hamburger Softwareanbieter. Was war Deine persönliche Motivation, in die Politik zu gehen und für die SPD zu kandidieren?

Ich bin in Horn in einer SAGA-Siedlung aufgewachsen. Da lernt man früh, dass eine bessere Welt nicht von alleine entsteht. Man muss mit anpacken, damit sich was ändert. Ich habe mich schon immer engagiert. Als Schulsprecher bin ich dann an die SPD geraten und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Ich war eines der jüngsten Mitglieder der Bezirksversammlung in Hamburg und habe als Fraktionsvorsitzender in Hamburg-Mitte die Geschicke im Bezirk gelenkt. Seit 2011 bin ich in der Bürgerschaft. Mir ging es schon immer darum, keine Wolkenkuckucksheime zu bauen, sondern konkret den Menschen zu helfen.

Immer mehr Bereiche unseres Leben werden digitalisiert und Arbeitsplätze veränderten sich. Kann die SPD von heute die Partei der Digitalisierung sein, und wenn ja, wie?

Sämtliche Parteien tun sich immer noch schwer mit konkreten Antworten auf die Fragen, die die Digitalisierung aufwirft.

Ich zähle ja zur Generation C-64, hatte schon im Alter von 10 Jahren meinen ersten Computer und habe auch durch meinen beruflichen Background als IT-Unternehmer früh Diskussionen über die Digitalisierung angestoßen. Mich hat die Behäbigkeit der Politik hierbei immer geärgert. Deshalb habe ich den Altvorderen in meiner Partei schon früher immer gesagt, dass die SPD die erste Partei war, die eine Antwort auf die Industrialisierung geliefert hat und es wäre fatal, wenn sie die letzte Partei wäre, die eine Antwort auf die Digitalisierung liefert.

Aber in den letzten Jahren hat sich vieles bewegt. Die SPD hat sich ein digitales Grundsatzprogramm gegeben (#DigitalLeben), an dem ich mitgewirkt habe. Hier stehen viele richtige Dinge drin. Nun gilt es, dieses auch in die Tat umzusetzen. Dabei hilft es, dass wir an vielen Regierungen auf Landesebene und nicht zuletzt auf Bundesebene beteiligt sind. Ich denke, dass das Thema Digitalisierung auch eine große Rolle im anstehenden Bundestagswahlkampf spielen wird.

Die 4 staatlichen Hochschulen haben gerade beschlossen, Hamburg zu einem führenden IT-Hochschulstandort zu machen. Reicht das aus, um Hamburg im Bildungsbereich fit zu machen?

Unser Senat hat gerade die Informatik-Plattform "ahoi.digital" auf den Weg gebracht. Diese bettet sich ein in den Rahmen der Gesamtstrategie "Digitale Stadt", um Hamburg zum Spitzenstandort für Informatik auszubauen. Dafür sollen 35 neue Professuren und bis zu 1.500 neue Studienplätze geschaffen werden. Das ist ein großer Schritt.

Im Schulbereich geht mir die Entwicklung persönlich nicht schnell genug. Medienkompetenz und informatorische Grundausbildung ist ein Thema, das in der Bildungspolitik noch viel stärker in den Fokus gerückt werden müsste. Aber man muss auch sehen, dass der Schulbetrieb insgesamt vor großen Herausforderungen steht, Stichwort Inklusion und Integration. Dabei würde die Digitalisierung gerade bei diesen beiden Themen enorm helfen.

Hamburg hat in den letzten Jahren über eine Milliarde Euro in den Schulbau gesteckt. Hier wurde auch vielerorts die digitale Infrastruktur in den Schulen auf Vordermann gebracht. Aber am Ende zählen die Inhalte. Hier stehen noch viele Aufgaben an.

Der Startup-Standort Hamburg wächst, ist aber meilenweit von Berlin und der dortigen Szene entfernt. Wie beurteilst Du die Startup-Szene an der Elbe und was fehlt aus Deiner Sicht noch?

Der Vergleich mit Berlin langweilt die Meisten doch nur noch. Hamburg belegt beim Gründungsgeschehen insgesamt einen Spitzenplatz in Deutschland, da müssen wir uns vor niemanden verstecken! Unsere Start-Up-Szene zeichnet sich durch sehr gute Vernetzung und einer sehr großen Ernsthaftigkeit aus. Hier wird halt nicht viel Bohei gemacht, sondern an Geschäftsideen gearbeitet, die sich schnell am Markt behaupten müssen. Wolf Lotter von brand eins hat mal gesagt: "Hamburg ist Kreativwirtschaft für Erwachsene". Gleichwohl müssten wir aber dennoch öfter mal die Erfolgsgeschichten besser vermarkten. Da steht uns unser hanseatisches Understatement gern mal im Weg.

Neben der stärkeren internationalen Ausrichtung der Start-Up-Szene müssen wir auch an einer noch stärkeren Vernetzung mit den traditionellen Wirtschaftszweigen arbeiten. Das Buzzword "Industrie 4.0" ist hier ein gutes Beispiel. Um hier gute Produkte und Services an den Start zu bringen, braucht die Industrie die kreativen Querdenker aus der Start-Up-Szene. Denn hier geht es nicht darum, Prozesse zu optimieren, sondern diese auch mal komplett anders zu denken. Deshalb haben wir dieses Thema auch als neues Handlungsfeld in den "Masterplan Industrie" der Stadt aufgenommen und wollen die Cluster stärker für Start-Ups öffnen.

Finanzierung ist eines der Schlüsselthemen. Der Senat hat einen Innovations-Wachstumsfonds angekündigt. Wann es geht damit in 2017 weiter und wie managt die Stadt das 100 Mio. €-Projekt?

Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen haben mit dem Wachstumfonds ein wichtiges Thema adressiert. An Venture Capital in der Frühphase gibt es mittlerweile viele Angebote. Etablierte Unternehmen kommen am Kapitalmarkt für neue Investitionen auch relativ leicht an Geld. Wenn man aber als Start-Up eine Geschäftsidee hat, die an Traktion gewinnt, braucht man meist viel Geld für den Aufbau von Marketing- und Vertriebsstrukturen und den Aufbau weiterer Ressourcen. Hier ergibt sich für die Start-Ups eine Finanzierungslücke, die der Wachstumsfonds schließen soll.

Wir haben deshalb den Senat beauftragt, ein Konzept für so einen Fonds zu entwerfen. Im letzten Jahr gab es dann viele Gespräche mit Experten aus der Finanz- und Start-Up-Szene und man hat verschiedene Modelle evaluiert. Das daraus entstandene Konzept wird nun bald in der Bürgerschaft behandelt.

Ein viel diskutiertes Thema ist die Beteiligung von Hamburger Stiftungen und ihren Family Offices an Startups. Wo liegt aus Deiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg, das alte Hamburger Kapital zu aktivieren?

Das ist ja eine Frage, die wir bei der Erstellung des Konzepts für den Fonds gestellt hatten. Ich habe schon früher als Bezirksabgeordneter gesagt, dass es für die wohlhabenden Hamburger sinnvoll wäre, einen Teil der Gelder lieber in die klugen Köpfe der Start-Up-Szene zu stecken, als in weitere leerstehende Bürogebäude. Hier bieten sich häufig interessante und lukrative Investitionsmöglichkeiten. Dem steht aber die Risikoaversität dieses Klientels entgegen. Also brauchen sie jemanden, der ihnen den Weg zu den Investitionen ebnet. Auch hier soll das Management des neuen Fonds einspringen.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Was macht aus Deiner Sicht Hamburg fit für die Zukunft - gesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich und politisch? Was macht Dich hoffnungsvoll für Hamburg und seine Digitalisierung?

In Hamburg liegen alle Karten auf dem Tisch: Eine erfolgreiche und diversifizierte Wirtschaft, eine kreative Szene und ein starker finanzieller Background. Hamburg war und ist schon immer eine weltoffene Stadt, die mit der ganzen Welt handelt und ein Anziehungspunkt für kluge und hochmotivierte Köpfe ist. Wenn wir diese Karten geschickt ausspielen, dann werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein. Wenn ich mir die Entwicklungen in Wirtschaft und Politik anschaue, dann bin ich da äußerst zuversichtlich, dass uns dies auch gelingen wird.


Vielen Dank für die Bürgersprechstunde!
Das Interview führte Thomas Keup.

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 Außerdem im Hamburg Digital Magazin: 

HANSEPOLITICS: Hamburgs Wirtschaftscluster werden für Startups geöffnet!


 Hamburg Digital Background: 

Persönliche Website des Abgeordneten:
www.hansjoerg-schmidt.de

Facebook-Seite des Abgeordneten:
www.facebook.com/HansjoergSchmidt/

Übersicht der Hamburgischen Bürgerschaft:
www.hamburgische-buergerschaft.de/abgeordnete/4411772/schmidt-hansjoerg/

Vita, Arbeitsschwerpunkte und Kontaktdaten:
www.spd-fraktion-hamburg.de/wir-ueber-uns/abgeordnete/hamburg/g/157.html

Wikipedia-Eintrag über Hansjörg Schmidt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hansj%C3%B6rg_Schmidt



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