Dienstag, 18. April 2017

HANSEBUSINESS: DAKOSY - Der digitale Lotse im Hamburger Hafen.

HAMBURG DIGITAL HAFEN

5.000 Container-Schiffe weltweit, 129 Millionen Standard-Container pro Jahr. Liniendienste und Container-Logistik sind ein globales Geschäft. 150 Stahlboxen werden pro Stunde allein an Europas größtem Terminal in Altenwerder umgeschlagen, 8,9 Mio. Standard-Container waren es in Hamburg im vergangenen Jahr.

Der Hamburg Port ist Deutschlands größter Universal- und Europas Containerhafen Nr. 2. 10.000 Schiffe machen jährlich an der Norderelbe fest. Unser Themenschwerpunkt in dieser Woche: Der Hamburger Hafen und seine digitalen Chancen. Ein Hamburg Digital Report:

Hamburg-Neustadt, Mattentwiete 2, in der Nähe des Nikolaifleets. Über den Türen des unscheinbaren Bürogebäudes findet sich der goldfarbene Schriftzug "Hafenhaus". Nichts Besonderes in direkter Nachbarschaft zur Speicherstadt. Im Treppenhaus ein weiteres Indiz: In den bunten Scheiben der Glasfront ist zu lesen "Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft". Es ist der ehemalige Sitz des Hamburger Personaldienstleisters für Zeitarbeitskräfte - früher "unstätige Arbeiter" genannt. 


Treppenhaus der ehem. Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft
Foto: HANSEVALLEY / Thomas Keup 
Heute wird in dem Bürogebäude der Hamburger Hafen am Laufen gehalten. Waren es früher Tagelöhner, die von hier aus in Hafen- und Lagerlogistik eingesetzt wurden, ist es heute ein umfassendes Computersystem: PCS - das Port Community System - des IT-Dienstleisters der Seehafenverkehrswirtschaft DAKOSY vernetzt 2.200 Unternehmen aus Schifffahrt, Spedition, Transport und der Logistik von Großkunden in Handel und Industrie. Ein Hamburg Digital Report:

Täglich werden im Hamburger Hafen rd. 25.000 TEU umgeschlagen - importiert, exportiert und gelagert. 8,9 Mio. TEU waren es 2016. Daran beteiligt: Spediteure, Reedereien, Terminals und Verlader. Dazu kommen Lotsen, Schlepper, Festmacher, Zoll, Veterenär- und Einfuhramt. 

Für den Weitertransport kommen Feederdienste, Binnerschiffer, Bahnbetriebe und LKW-Transporteure zum Zug. Allein 1.500 Betriebe leisten rund um die Uhr im Hamburger Hafen ihren Dienst. Ohne IT-Unterstützung und klar definierte Prozesse schwer vollstellbar.

Hamburg Port: Was kommt rein, was geht aus raus?


Container-Terminal Burchardkai, im Hintergrund Tollerort
Foto: HHLA/Thies Rätzke
Bis 1982 war der Container- und Stückgutumschlag in Hamburg eine Angelegenheit mit viel Papier: Schiffszettel zum Löschen, Inhaltslisten, Zollpapiere und Empfängerinformationen - all das wurde händisch von einem Dienstleister zum nächsten gereicht - per Fax, Kurier und die gute, alte Briefpost. Die Informationen liefen regelmäßig den Containern hinterher, Vorausplanung war praktisch nicht möglich. Und bei Problemen wußte niemand so recht Bescheid.

35 Jahre später: Rd. 50 verschiedene Prozesse verbinden die Logistikpartner im Hamburg Port. "Alle Export-Prozesse für Hamburg kann man über Dakosy abwickeln", freut sich Vorstand Ulrich Wrage im Gespräch. Und fast alle machen mit. Das "Port Community System" ist der "digitale Integrator" im Hamburger Hafen. Wo andere Branchen noch davon träumen, ihre Faxgeräte verschrotten zu können, ist die Hamburger Hafenwirtschaft international digital vorn mit dabei.

Das Geheimnis hinter dem "Single Window" für die Logistik-Prozesse an der Norderelbe sind die Gesellschafter der DAKOSY AG. Es sind zu 1/3 die in Hamburg aktiven Reeder und Linienagenten - von der chinesischen Cosco über die deutsche Hapag-Lloyd bis zur dänischen Maersk. Ein weiteres Drittel wird von den wichtigen Spediteuren gehalten, wie die Logistikriesen Dachser, DHL, Kühne+Nagel und Schenker bis zur Hamburger Spedition A. Hartrodt. Dazu kommen die Terminalbetreiber, wie Eurogate,  HHLA und Steinweg.

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Die Bedeutung von Dakosy kommt aber erst bei diesen Fakten richtig zum Tragen: Die Logstik-Kette besteht aus vielen, unterschiedlichen Partnern, wie Spediteure, Hochsee-Carrier oder Hafenterminal. 
Die Dakosy-Kommunikationspartner im Überblick
Grafik: Dakosy AG
Nicht alle diese Partner haben eine direkte Geschäftsbeziehung untereinander. Und doch sind sie auf Informationen voneinander angewiesen, Dahinter stehen Themen, wie Verfügbarkeit, Sicherheit, Datenschutz und Wettbewerbsschutz. 

"Als Kunde muss ich mich nicht darum kümmern, wie die Informationen die richtigen Empfängenr erreichen", so Geschäftsführer Wrage. Das ist die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite: "Wenn das System 5 Minuten ausfällt, fängt es draußen an zu ruckeln"; fasst es der längjährige IT-Kenner zusammen. Im Detail geht es zumeist um Im- und Export. 

DAKOSY: Ein digitaler Lotse im Hamburger Hafen 

Beim weltweiten Import von Waren sieht recht komplex aus: Beginnend mit dem Import-Manifest, der Entladeliste und der Löschmeldung, von der Behördenanmeldung bis zur -freigabe und dem Transportauftrag - bei all diesen Schritten ist das Port Community System mit seinem "Single Window IMP" der erste Kontakt für Waren im Hamburger Hafen - digital vorbereitet auf ihrem Weg durch den Zoll in Fabriken, Hochregallager, Kaufhäuser und Supermärkte.

Dakosy dient als Trust-Center für alle beteiligten Partner - und steht nicht im Verdacht, einen oder bestimmte Stakeholder zu vertreten oder zu bevorzugen. Der Vertrauensvorschuss ist das Erfolgsrezept: 22 Mio. € Umsatz haben die 160 Mitarbeiter im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Über 2.000 internationale Kunden, darunter ca. 1.000 Spediteure zählt der Hamburger IT-Dienstleister zu seinen Partnern. Allein deshalb ist die Dakosy ein digitaler Lotse im Hafen. Und damit nicht genug.
Das neue Truckgate-System
Grafik: Dakosy

Service: von der Deutschen Bucht bis ins Hinterland
Der Hamburger Hafen liegt 100 km hinter der Deutschen Bucht und ist damit ein Binnenhafen. Die Revierfahrt über den engen Strom ist für die dicken Pötte nicht ungefährlich. Themen, wie Tiefgang, Begegnungen mit größeren Schiffen oder Kreuzfahrern sind an der Tagesordnung. Für optimale Sicherheit sorgt eine lückenlose IT-Unterstützung mit zahlreichen Antennen entlang der Fahrrinne und das "Port River System Elbe" (PRISE) im Auftrag der Terminal-Betreiber HHLA und Eurogate. Damit können Reeder, Frachter, Lotsen, Schlepper und Festmacher jederzeit in Echtzeit informiert werden. 

Doch die Entwicklung wartet nicht: Seit Ende November vergangenen Jahres müssen sich LKW-Transporteure elektronisch anmelden, bevor sie Container abholen können. Heute werden darüber täglich 9.000 Abholungen und Anlieferungen gesteuert. Ab Ende diesen Jahres sollen sich Transporteure an feste Zeitfenster halten. Verpassen sie diese, benötigen sie eine neue Abholzeit. Um all diese Transportsthemen kümmert sich das neue Dakosy-System "Truckgate" - ebenfalls im Auftrag der großen Hamburger Terminal-Betreiber.


"Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.“ 

Der papierlose Hafen ist in Hamburg damit größtenteils bereits Realität. Doch am Wichtigsten sind die Mitarbeiter - im Aufsetzen der Prozesse ebenso wie im Rund-um-die-Uhr Support. Damit wird aus einer IT-Plattform ein lebendiges System, eine "Plattform mit Seele", wie es Ulrich Wrage pointiert. Gut, dass es bei aller Digitalisierung solch einen "persönlichen Lotsen" in Hamburg gibt.



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 Hamburg Digital Reports: 

HANSESHIPPING: Hapag-Lloyd - Vom Gießkannendienst zu Data in Action.
http://hh.hansevalley.de/2017/04/hanseshipping-hapag-lloyd.html

HANSEPERSONALITY Willem van der Schalk: "Das Rad nicht neu erfinden!"
http://hh.hansevalley.de/2017/03/HANSEPERSONALITY-van-der-Schalk.html



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