Sonntag, 23. April 2017

HANSEPERSONALITY Heiko Milde: "Wir sollten noch mehr auf Hamburgs Stärken setzen."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Die Hamburgische Investitions- und Förderbank IFB ist mit ihrem Start am 1. August 2013 ein echter "Spätzünder" unter den landeseigenen Förderbanken. Für Hamburgs Startups ist die IFB Hamburg jedoch ganz weit vorn. Wie kaum eine Förderbank hat die IFB von Anfang erkannt, wo Startups in Gründung und Wachstum der Schuh drückt.

Hamburgs Startup-Förderer Dr. Heiko Milde
Foto: IFB Hamburg
Bundesweit bekannte und erfolgreiche Hamburger Startups, wie Baqend, LifeTime, Familonet und Tinitracks gehören zum Portfolio der IFB Startup-Tochter IFB Innovationsstarter GmbH. Federführend verantwortlich für die städtische Startup-Förderung ist Heiko Milde. Der Elektrotechniker und Informatiker versteht Startups - und ist ein beliebter Ansprechpartner. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Heiko Milde:

Du bist Geschäftsführer der IFB Innovationsstarter GmbH. Das klingt für einen außenstehenden Startup-Gründer auf den ersten Blick vielleicht wie ein Inkubator oder Accelerator. Was machst Du als Geschäftsführer bei IFB Innovationsstarter, wer steckt dahinter und warum bist Du mit Deinem Team interessant für Startups in unserer Stadt?

Die Frage, was wir machen, ist ganz einfach zu beantworten: Wir fördern Hamburgs Startups mit Geld. Junge innovative Unternehmen sind wichtig für die Zukunftsfähigkeit des Standorts, zugleich haben sie es besonders schwer, das erforderliche Startkapital aufzutreiben. Wir entschärfen diese Finanzierungslücke, indem wir als Tochter der Hamburgischen Investitions- und Förderbank den Startups Zuschüsse und Beteiligungskapital zur Verfügung stellen. Wir sind also kein Inkubator oder Accelerator, sondern ein öffentlicher Kapitalgeber.

Startups in der Gründungsphase haben oftmals noch keine Umsätze, jedoch von Anfang an Personal- und Entwicklungskosten. Einige Digitalpolitiker kritisieren die Angelszene an Alster und Elbe als zu klein. Mit "InnoRampUp" bietet Ihr eine Startfinanzierung ohne Rückzahlung an. Wie hoch ist die Förderung und was müssen Startups bei Euch einreichen?

Innovative Startups, die jünger als zwei Jahre sind und ihren Sitz in Hamburg haben, können wir mit Zuschüssen in Höhe von bis zu 150 TEUR pro Unternehmen unterstützen. Mit diesem „Seedmoney“ machen wir viele innovative Gründungen überhaupt erst möglich. 


Voraussetzungen sind neben einer überzeugenden Geschäftsidee vor allem ein gutes Team. Idealerweise schicken die Gründer uns ihre Unterlagen wie z.B. ein Pitch Deck per E-Mail zu. Wir prüfen das dann und laden das Team gegebenenfalls zu einem persönlichen Gespräch ein. Später muss das Startup noch einen unabhängigen Ausschuss von seiner Idee überzeugen. InnoRampUp ist ein einzigartig attraktives Programm, eine vergleichbare Förderung finden Startups in keinem anderen Bundesland.

Einige Oppositionspolitiker fordern ein stärkeres Engagement der Freien und Hansestadt bei der Unterstützung von Startups in der Wachstumsphase. Der "Innovationsstarter Fonds" ist seit 2012 ein Hamburger Instrument der Risikokapitalfinanzierung. Wie könnt Ihr konkret Startups unterstützen und welche Rahmenbedingungen müssen Startups erfüllen?

Der Innovationsstarter Fonds ist ein Venture Capital Fonds, der sich an Startups beteiligt und ihnen Eigenkapital zur Verfügung stellt. Dabei geht es um besonders innovative Hamburger Unternehmen, die jünger als fünf Jahre sind. Auch Unternehmen in der Wachstumsphase kommen in Frage. Geldgeber des Fonds sind zu 50 % die Freie und Hansestadt Hamburg und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Aufgrund der guten Nachfrage wurde der Fonds bereits aufgestockt.

Der Innovationsstarter Fonds investiert bis zu 1 Mio. EUR pro Startup. Voraussetzung ist eine wachstumsstarke Geschäftsidee, die auf einer selbstentwickelten Innovation basiert und von einem überzeugenden Team vorangetrieben wird. Idealerweise kommen die Startups zu uns, wenn sie bereits erste Kunden und Umsätze haben, insbesondere bei Deep-Tech Unternehmen ist das aber nicht erforderlich. Auch beim Innovationsstarter Fonds freuen wir uns, wenn die Gründer uns zuerst ihr Pitch Deck schicken.

So gut wie jedes Bundesland setzt heute auf Startups und innovative Firmengründungen in ihrer Förderpolitik. Ihr seid mit Euren Programmen seit 2012 aktiv, Startups und fortschrittliche Technologien zu unterstützen. Wie sieht Euer ganz persönlicher "Track-Record" als Förder- und Beteiligungsgesellschaft nach 5 Jahren aus?

Wir sind 2012 mit dem Innovationsstarter Fonds die ersten Beteiligungen eingegangen. In 2013 kam InnoRampUp dazu. Die beiden Programme ergänzen sich ideal: Viele ganz junge Unternehmen starten mit InnoRampUp und, wenn es passt, investiert später der Innovationsstarter Fonds weiteres Kapital. Mit InnoRampUp haben wir bisher 66 Startups gefördert, und der Innovationsstarter Fonds ist 27 Beteiligungen eingegangen. Damit sind wir der aktivste Kapitalgeber für Hamburger Startups. Zu den von uns unterstützen Unternehmen zählen z.B. Sonormed (Tinnitracks), Familonet, eBlocker, Connected Health (Lifetime), Channelpilot, bentekk, Baqend, Sofaconcerts und Nect.

Der Senat plant einen Innovations-Wachstums-Fonds mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio. €, 10 Mio. € davon aus dem Stadtsäckel. Wie weit sind die Planungen für das Public-Private-Partnership-Projekt mit privaten Investoren aus der Hamburger Wirtschaft fortgeschritten und wann können Hamburger Startups mit zusätzlicher Wachstumsfinanzierung rechnen?

Die Hamburgische Investitions- und Förderbank hat in Abstimmung mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation einen Bericht zum Innovations-Wachstumsfonds erstellt. Dabei haben wir mit externen Experten zusammengearbeitet. Nach meinem Kenntnisstand soll die Bürgerschaft vom Senat im zweiten Quartal 2017 informiert werden. Dann erfahren wir mehr.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: In den vergangenen gut 3 Jahren hat sich in der Hamburger Startupszene viel getan - dank privater und öffentlicher Initiativen. Heute haben wir rd. 600 bekannte Startups in Hamburg. Wie beurteilst Du den Startup-Standort Hamburg und wo können Politik, Verwaltung, Investoren und Wirtschaft noch eine "Schüppe drauflegen"?

Es ist richtig, in den letzten Jahren hat sich viel getan: Unternehmen wie Kreditech, Facelift, Statista, Finanzcheck und Dreamlines haben stattliche Finanzierungsrunden eingeworben, und Smatoo hat einen schönen Exit hingelegt. Mit den Online Marketing Rockstars, Startups@Reeperbahn, dem Hamburg Innovation Summit, der Solutions.Hamburg und der d3con haben sich erfolgreiche neue Veranstaltungsformate etabliert. Eine große Anzahl von Co-Working Spaces wurde eröffnet und verschiedene Acceleratoren wie z.B. der New Media Accelerator sind gestartet. Zur Vernetzung der Startup-Szene trägt Hamburg Startups bei. 


Aber auch die öffentliche Förderung wurde massiv ausgebaut: NextMedia.Hamburg wurde gestartet und mit InnoRampUp und dem Innovationsstarter Fonds haben wir ein erfolgreiches Fördertandem aufgestellt, das deutschlandweit seinesgleichen sucht. Hamburg ist daher sicherlich ein sehr attraktiver Standort für Startups. 

Die in der ganzen Stadt herrschende Aufbruchsstimmung sollten wir nutzen und dabei noch mehr auf Hamburgs Stärken setzen. Ich denke da primär an Luftfahrt, Hafen und Logistik aber auch an das private Kapital, das sich gegenüber Startups stärker öffnen könnte. Zudem wird es spannend zu sehen, was aus den Aktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird, die sich gerade alle mit dem Thema Startups befassen.

Vielen Dank für das tolle Interview!

Das Interview führte Thomas Keup.
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 Hamburg Digital Background: 

Heiko Milde bei Linkedin

IFB Innovationsstarter


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