Donnerstag, 31. August 2017

HANSECHAMPIONS: Intelligente Distribution 4.0 für Meyle Autoteile aus Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

13. Juli d. J., im Albert-Schäfer-Saal der Handelskammer am Adolphsplatz: Mehr als 150 Unternehmer und Innovatoren der Hamburger Logistikbranche treffen sich zur Fachtagung "Digitale Transformation in der Logistik". Im exklusiv vorgestellten Logistikbarometer macht Christian Koopmann von den Hamburger Schiffsmaklern klar: Im Rahmen der digitalen Transformation wollen knapp 2/3 aller Hamburger Logistiker ihre Geschäftsprozesse, gut 1/3 ihre Produkte bzw. Dienstleistungen und rd. 7% ihr Geschäftsmodell verändern.

Gastgeber des Topevents ist das "Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg". Gemeinsam setzen Handels- und Handwerksammer, HAW Hamburg, Helmut-Schmidt- und Technische Universität u. a. Projekte mit Hamburgs Mittelstand um. Das Ziel: ein digital-vernetzter Mittelstand 4.0. Das erste Projekt der HANSECHAMPIONS: die intelligente Distribution der Meyle Autoteile - entwickelt im "Business Innovation Lab" am Berliner Tor. Ein Hamburg Digital Report:


Hochschule für Angewandte Wissenschaften am Berliner Tor.
Foto: HAW Hamburg
Der Campus Berliner Tor der HAW Hamburg. Hier im Hochschulturm ist der Fachbereich Wirtschaft und Soziales der bundesweit größten Fachhochschule zu Hause. 1.600 Studenten werden allein im Department Wirtschaft fit für die Zukunft gemacht. Departmentleiter Prof. Dr. Henning Kontny ist Herr über 3 Bachelor- und 3 Masterstudiengänge, Kooperationsstudiengänge mit dem Department Information der HAW Fakultät DMI und dem Shanghai-Hamburg College mit Bachelor-Doppelabschlüssen der University Shanghai for Science and Technology (USST).

Henning Kontny ist Spezialist für Produktionsmanagement und Logistik. Mit seinem Background als Berater im Bereich für Einkauf und Logistik bei Siemens sowie als diplomierter und promovierter Wirtschaftsingenieur der Digitalisierungsuniversität Paderborn ist Prof. Kontny noch mehr: Zu den Spezialthemen des engagierten Wahl-Hamburgers zählen das Supply Chain Management und der Technologieeinsatz in der Logistik. Im Rahmen der "Dialogplattform Industrie 4.0" leitete er 2015 gemeinsam mit Sven Warnck vom VDI Hamburg eine Arbeitsgruppe mit 40 Praktikern zur Schlüsselfrage: 'Was ändert sich in der Logistikkette?'

Die digital-vernetzte Logistik: Alles bleibt anders!


Prof. Dr. Henning Kontny im Interview
Foto: Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg
"Was heißt Industrie 4.0 aus Logistiksicht?", fragt Prof. Dr. Kontny im Interview. Bislang galt in der Industrielogistik die Zentralplanung mittels ERP. Künftig werden Maschinen im laufenden Betrieb sagen, was sie brauchen. Immer größere Rechnerleistung und die Kommunikationsfähigkeit von digital-vernetzter Maschinen (M2M) macht's möglich. Dabei sollte man zwei Bereiche unterscheiden: 1. Industrielogistik mit Beschaffung, Produktion und Distribution und 2. Logistikdienstleistungen mit Transport und Lagerung. 

"Das ganze System muss einmal neu durchgeplant werden", erhebt der Wissenschaftler seine Stimme. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen cyberphysische Systeme, z. B. Produktions- oder Verpackungsstraßen mit mechanischen und elektronischen Komponenten, die mittels Sensoren und Aktoren über das Internet mit der Außenwelt kommunizieren - und sich selbst steuern. Da alle Theorie grau ist, entschied man sich, im 3 Jahre aus dem "Zukunftsfonds" geförderten "Business Innovation Lab" den Einsatz dieser Systeme zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft zu testen.

Digitalisierung von Prozess- & Geschäftsmodellen


Das Business Innovation Lab mit Demonstrationsfläche
Foto: HAW Hamburg
Das "BIL" im Hochschulhochhaus bündelt verschiedene Aktivitäten in Forschung, Lehre und Transfer, ist Wissenschaftslabor, Dialogplattform und Kompetenzzentrum für Suppy Chain-Themen der HAW Hamburg. Mit Demonstrationen werden Use Cases für Unternehmen ebenso getestet, wie Projekte mit Studenten umgesetzt. Cyberphysische Demonstrationen nennt man es, wenn Maschinen und Prozesse auf Software und dezentrale Steuerung treffen. Ein Partner in Sachen Software ist das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) aus Dortmund

Anfang des Jahres startete im "Business Innovation Lab" das erste Projekt zusammen mit dem neuen "Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg" - der Fortentwicklung der "Dialogplattform Industrie 4.0" - unter Federführung der Handelskammer und Partnern. Es ist zugleich der Beginn der operativen Phase des Kompetenzzentrums. Erster Projektpartner ist der Autoersatzteilehersteller Wulf Gartner Autoparts, bekannt durch seine Marke "Meyle". Das 1958 gegründete Familienunternehmen produziert und distributiert Autoersatzteile für PKW, LKW und NKW.

Ein digitales Modell des Meyle-Teileversands


Die Handballer des FC St. Pauli im Meyle-Hochregallager
Foto: Wulf Gartner Autoparts
Wulf Gartner lagert auf 29.000 qm Fläche und über 56.000 Palettenplätzen rund 20.000 Endprodukte. Täglich werden 10.000 Autoersatzteile kommissioniert, gepackt und für den Versand zu Großhändlern in 120 Ländern vorbereitet. Das Nadelöhr des Versands sind die 15 Packplätze. Die Aufträge werden bislang nach festen Plänen aufgeteilt. Fallen Packer aus oder staut es sich an einem Platz, bedeutet das für den anschließenden Versand Stau und Stress.

Die Aufgabe des Projektes der Suppy Chain-Experten des "Business Innovation Lab" lautete: 'Wie kann man mit Unterstützung cyberphysischer Systeme für eine permanente und flexible Auslastung der Packplätze sorgen?' Um die Aufgabe optimal lösen zu können, haben die Wissenschaftler zunächst das Auslieferungslager von Wulf Gartner Autoparts digital nachgebaut - mit Lagerregalen, eingelagerten Teilen, den Mitarbeiter-Ressourcen  und den Packbereichen. Daran wird ein Software-Simulationstool (OTD-NET) des Fraunhofer-Instituts angedockt - der Dreh- und Angelpunkt.

Flexible Packsteuerung statt starrer Pläne.


Versuchsaufbau im Demonstrator des Business Innovation Labs
Foto: HANSEVALLEY
Nun kommt die Spielfläche des Labs ins Spiel - der Demonstrator. An ein ERP-System wird ein Softwaresystem für die cyberphysische Steuerung der Logistik angeschlossen. Es übernimmt Auftragsdaten, Expressaufträge und die Lagerorte für Ersatzteile. Jeder Packer bekommt am Modell einen Tablet-PC, der an das Auftragssystem angeschlossen ist. Über eine Weboberfläche bestätigt der Packer die Bearbeitung, vor allem aber meldet er Änderungen und Störungen. Das Auftrags-System errechnet in Echtzeit, ob bei Staus an einer Packstation die Versandziele gefährdet sind.

Gibt es Probleme, plant das cyberphysische System eine neue Vergabe der Packaufträge an die verfügbaren Stationen, die Autoersatzteile finden einen neuen Weg. Das Ergebnis: Rückstände der Packer an Stationen werden in Realtime berücksichtigt, eine ungleichmäßige Auslastung vermieden und Warteschlangen verhindert. Auf einem Dashboard werden zentrale Kennzahlen und Entwicklungen abgebildet, so dass eine weitergehende Ressourcenplanung möglich ist. Was jetzt im Labor ausprobiert wird, soll später vor Ort im realen Einsatz übernommen werden.

Von der praktischen Theorie in die Praxis.

Die Optimierung der Packstationen bei Wulf Gartner Autoparts ist das erste von insgesamt 12 Projekten, die im Rahmen des "Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg" in 3 Jahren umgesetzt werden. Neben der vom "Business Innovation Lab" der HAW Hamburg unterstützten Industrielogistik kümmert sich mit Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Kersten von der TU Hamburg ein weiterer Spezialist um die Dienstleistungslogistik mit Transport und Lagerwesen zwischen Herstellern - wie Wulf Gartner - und Kunden.

Mit der Arbeit des "Business Innovation Labs", seines interdisziplinären Teams und der Kooperation mit dem "Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg" haben mittelständische Produzenten und Logistiker an Alster und Elbe erstklassige Chancen, im Wettbewerb mit Großunternehmen mitzuhalten. Durch intelligent-vernetzte Lösungen mit schlanken, dezentralen Prozessen bekommen sie den entscheidenden Vorteil für die Entwicklung ihres Geschäfts in der global-vernetzten Welt. Wir nennen sie HANSECHAMPIONS.





 Hamburg Digital Background: 

PROJEKTBETEILIGTE:

Prof. Dr. Henning Kontny
www.haw-hamburg.de/presse/expertendienst/details/artikel/prof-dr-henning-kontny.html

Business Innovation Lab
www.haw-hamburg.de/bil

Wulf Gartner Autoparts
www.wulfgaertner.com/de.html

PROJEKTPARTNER:

HAW Department Wirtschaft
www.haw-hamburg.de/ws-w.html

Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg
https://kompetenzzentrum-hamburg.digital/

FACHSTUDIEN:

Logistikbarometer Hamburg
www.24liveblog.com/share/196979444?url=http://hh.hansevalley.de/p/hansenews.html

PWC-Branchenstudie 2017
www.24liveblog.com/share/197053171?url=http://hh.hansevalley.de/p/hansenews.html