Sonntag, 24. September 2017

HANSEPERSONALITY Jennifer Lachman: "Wir werden uns verstärkt mit Videoinhalten beschäftigen."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg-Neustadt, Dammtorstraße am Gänsemarkt. Hinter der gläsernen Fassade verbirgt sich das journalistische Herz das Business-Netzwerks "Xing". Auf 3 Etagen arbeiten insgesamt mehr als 500 Mitarbeiter am Erfolg des deutschsprachigen Business-Netzwerks. Mit "Xing News" hat sich die Karriereplattform selbst zu einem Medium entwickelt - mit eigenen Inhalten  und einem Ohr für die Expertise seiner Nutzer.



"Xing"-Chefredakteurin Jenniger Lachmann
Foto: Xing AG
Das grüne "Xing" ist die Content-Fabrik der Burda-Tochter in Hamburg. Journalisten und Werkstudenten, Entwickler und Designer arbeiten hier im Herzen des größten der 3 "Xing"-Standorte an Inhalten und Traffic für den "Linkedin"-Konkurrenten. An ihrer Spitze steht eine langjährig-erfahrene Wirtschaftsjournalistin. Unser HANSEPERSONALITY ist "Xing"-Chefredakteurin Jennifer Lachman:

Steigen wir mitten ein ins Tagesgeschäft: Im Rahmen Ihrer Serie "10 Wochen - 10 Themen" zur Bundestagswahl haben Sie die AfD voll mit einbezogen? Sie waren US-Korrespondentin, Medienredakteurin und Wirtschaftsredakteurin? Warum haben diese Entscheidung getroffen?

Wir haben Xing-Klartext vor zwei Jahren als pluralistische, politisch neutrale Plattform gestartet. Unser Ziel ist es, einen Raum zu bieten, in dem sich die 12 Millionen Xing-Nutzer miteinander austauschen können – auch über kontroverse Inhalte. Das Prinzip ist immer: eine Debatte, mehrere Standpunkte – von Experten, Betroffenen, Beobachtern. Die Nutzer können sich dann über die verschiedenen Meinungsbeiträge ihr eigenes Urteil bilden und miteinander austauschen. Wir wollen das Gegenteil von Filterblase und Echokammer sein.

Wir haben im Rahmen unserer Wahlberichterstattung zehn aktuelle Fragen an die Spitzenpolitiker der Parteien gestellt: 'Sollte Deutschland mehr Geld für Rüstung ausgeben? Was tun, damit die digitale Revolution nicht zum Jobkiller wird? Wie lässt sich die Migration steuern?' Die AfD sitzt in 13 von 16 Landtagen. Sie hat realistische Chancen, in den Bundestag einzuziehen. Wir fanden es enorm wichtig, dass auch sie den Wahlberechtigten ihre Positionen offen und konkret darlegt – und das im direkten Vergleich mit den anderen fünf großen Parteien.

Hätten wir sie nicht beteiligt, hätte das den „Opfer-Mythos“ derjenigen gestärkt, die meinen, die Presse würde die AfD bewusst ausschließen. Die Brexit-Entscheidung und die Wahl von Donald Trump haben uns gezeigt: Es ist gefährlich, Meinungen zu ignorieren, wenn sie nicht in das eigene Weltbild passen. Deswegen können sich die Nutzer bei uns informieren: 'Warum hält die AfD Klimaschutz für einen Irrweg? Warum spricht sie sich gegen Inklusion aus? Wie ist es wirklich um ihr Frauenbild bestellt?' Manche haben uns dafür kritisiert, dass wir der AfD eine Plattform gegeben haben. Viele fanden es aber auch genau richtig.

Seit 2 Jahren gibt es "Xing Klartext" - eine eigene Redaktion innerhalb des Business-Netzwerks "Xing". Warum produzieren Sie als Journalistin zusammen mit einem fast 10-köpfigen Team eigene Inhalte? Worin unterscheiden sich Ihre Geschichten von denen klassischer Medien?

Xing wandelt sich immer mehr vom virtuellen Adressbuch zu einer Plattform, die unseren Nutzern all das bieten soll, was sie brauchen, um im Job voranzukommen. Neben den Kontakten sind das Stellenanzeigen und inzwischen eben auch journalistische Inhalte. Wir produzieren bei Xing Klartext mindestens eine Debatte am Tag. Die Bandbreite reicht von Themen rund um Job & Karriere wie 'Haben Schwule und Lesben wirklich die gleichen Chancen im Job?' über Trendfragen wie 'Künstliche Intelligenz: Wird unser Leben bald von Robotern beherrscht?' bis hin zu aktuellen Themen, wie zum Beispiel die Bundestagwahl.

Unsere Arbeit ähnelt die einer klassischen Redaktion: Themen identifizieren, setzen, spannende und kompetente Gesprächspartner finden und für sich gewinnen. Wir wollen informieren, unterhalten und zum Nachdenken anregen. Was uns unterscheidet? Bei uns stehen die Reaktionen der Nutzer stärker im Vordergrund als bei klassischen Medien: Wir lesen die hunderte Kommentare, die uns täglich erreichen, und ziehen daraus weitere Beiträge, wenn sie die Ursprungsdebatte bereichern und ergänzen. Der Prozess ist also interaktiv. Da steht dann der Beitrag des Xing-Nutzers, der Automobilexperte ist, plötzlich neben dem des Automobil-Vorstands.

Sie sitzen zusammen mit Entwicklern, Designern und QA-Experten in einer Unit rund um das Thema News. Mehr als 20 Techis und fast 10 "News-Junkies" aus 14 Nationen unter einem Dach an der Dammtorstraße. Was macht Ihre Kultur in der täglichen Arbeit aus?

Xing ist ein sehr internationales, multikulturelles Unternehmen. Amtssprache ist daher auch Englisch. Es ist eine sehr junge Firma, die sich trotz einer Größe von fast 1000 Mitarbeitern den Start-up-Charakter erhalten hat. Unsere Hierarchien sind flach, alle Chefs – bis hin zu unserem Vorstandschef Thomas Vollmoeller – sitzen mit im Großraum. Alle duzen sich. Es ist ein Unternehmen, das den "New Work"-Ansatz wirklich lebt: Thomas (Vollmoeller) hat vergangenes Jahr als erster CEO einer börsennotierten Firma ein Sabbatical gemacht, bei uns arbeiten viele – auch männliche – Führungskräfte in Teilzeit.

Als ich vor zwei Jahren anfing und das Redaktionsteam aufgebaut habe, haben mir ein paar Tech-Kollegen später gestanden, dass sie etwas nervös waren: 'Wie sind Journalisten so? Wie arbeiten die? Reden die nicht irre viel?' Unser Team wurde aber schnell integriert und heute lachen wir darüber. Die Schallwand, die wir aufgestellt haben, hilft aber sicherlich auch. :-)

Zu Ihren Leitthemen gehören die Arbeitswelt von Morgen (Stichwort "New Work"), Personalentwicklung in Unternehmen und wichtige Leitbranchen der Wirtschaft. Wie passt ein Videoformat wie "Xing Talk" in das Konzept? Und wie geht das Talk-Format weiter?

Wir haben Xing Talk im Sommer 2016 gestartet: Auch bei unseren Nutzern steigt die Nachfrage nach Bewegtbild- und Podcast-Formaten. Wir haben daher einen unserer Meeting-Räume umgebaut, in das kleinste, aber schönste TV-Studio der Welt. Zum Start hatten wir tolle, prominente Gäste: Dietrich Grönemeyer hat über Achtsamkeit und die Zukunft der Medizin gesprochen. Heike Henkel darüber, wie sie Spitzen-Managern beibringt, mit Hochstressphasen umzugehen.

In der zweiten Staffel, die im Oktober beginnt, wollen wir ausprobieren, wie nutzwertige Inhalte funktionieren: Wir produzieren gerade Xing Talks, die unsere Nutzer beruflich weiter bringen sollen. Von Tipps für Berufsanfänger, die ihr erstes Gehalt verhandeln wollen bis hin zum älteren Arbeitnehmer, der wissen will, wie er sich am besten auf die Rente vorbereiten kann.

Sie öffnen sich mit dem Netzwerk gegenüber traditionellen Medienhäusern als Vertriebsplattform. So hat das Magazin "Business Punk" rd. 135.000 Follower bei Ihnen. Wie funktioniert die Vermarktung für Ihre Kunden aus Verlagen und Medienkonzernen?


Wir sehen die Verlage und Medienkonzerne, mit denen wir arbeiten, nicht als Kunden, sondern als Partner. Als wir vor ein paar Jahren anfingen, im Content-Segment aktiver zu werden, haben wir als erstes die Branchen-Newsletter gestartet: ein Algorithmus stellt die Artikel zusammen, die im Netz besonders viel gelesen oder geteilt werden. Diese Newsletter wurden von unseren Mitgliedern sehr gut angenommen, so dass wir das Thema schnell ausgebaut haben. Heute liefern wir einmal am Tag „das Wichtigste kompakt“ für mehr als 25 Branchen – und das an 5 Millionen Nutzer in der Woche.

Durch die hohe Verbreitung und Nutzung hat sich Xing für viele Verlage und Medientitel zu einem der wichtigsten Traffic-Lieferanten entwickelt, so dass mehr als 450 von ihnen inzwischen eigene News-Seiten auf XING pflegen, um diesen Effekt zu verstärken. Wir stehen mit den Machern und Entscheidern bei den Verlagen – vom Großverlag bis hin zu den kleinen Fachverlagen – im persönlichen Kontakt und entwickeln das Geschäft partnerschaftlich weiter. 

Vor wenigen Wochen haben wir News Plus gestartet, um Medien dabei zu unterstützen, auch kostenpflichtige Inhalte zu vertreiben. Dazu kooperieren wir mit Medien wie "Die Welt", "Die Deutsche Verkehrszeitung" oder die "Zeit Akademie".

Branchennewsletter, Expertengeschichten, Videointerview, Paid Content-Plattform: Was dürfen wir als Nächstes von "Xing News" erwarten? Wird das Business- und Karrierenetzwerk zu einem YouTube fürs Geschäft? Verraten Sie uns ein wenig, was Sie planen!


Tatsächlich haben wir in den vergangenen Jahren mit einer hohen Geschwindigkeit neue Formate entwickelt und an den Markt gebracht. Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir uns verstärkt auch damit beschäftigen, die einzelnen Angebote inhaltlich zu schärfen und noch besser aufeinander abzustimmen. Aber ganz ohne neue Formate können wir auch wieder nicht. Verraten kann ich zumindest, dass wir uns verstärkt mit Video-Inhalten beschäftigen werden.

In Pöseldorf frühstücken und am Hamburger Berg feiern - das ist es, was Sie persönlich schätzen. Sie leben als gebürtige Britin seit rd. 27 Jahren in Deutschland und sind gerade eingebürgert worden. Ganz privat: Was lieben Sie an Hamburg - privat wie beruflich?

Die Vielfalt: Wer mag, kann in Pöseldorf frühstücken und abends am Hamburger Berg feiern gehen. Jeder Stadtteil hat seine Eigenheiten. Außerdem: das Wasser. Im Sommer liebe ich stehpaddeln auf der Alster, im Winter lange Spaziergänge an der Elbe. Beruflich macht es mir derzeit irre Spaß, mich mit den anderen Digitalkonzernen zu vernetzen: Die Kolleginnen und Kollegen von Google oder von Dropbox sitzen ja alle quasi um die Ecke.


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Vielen Dank für die offenen Antworten!

Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 

Xing News-Überblick
www.xing.com/news

Xing Klartext-Magazin
www.xing.com/news/klartext

Xing Talk-Videoreihe
www.xing.com/talk



HANSESTATEMENT: 

Die Herausforderungen des Medienstandorts Hamburg - ein Hamburg Digital Statement von Chefredakteur Thomas Keup - am kommenden Mittwoch exklusiv hier auf HANSEVALLEY.


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