Sonntag, 3. September 2017

HANSEPERSONALITY Uwe Jens Neumann: Wir wollen im Jahr 2025 DAS Digital-Cluster in der Metropolregion sein.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Es ist das älteste Technologie-Netzwerk Hamburgs und das größte Business-Netzwerk Norddeutschlands: Hamburg@work. Mehr als 2.000 Mitglieder aus über 650 Unternehmen machen das ehemalige Cluster-Netzwerk der Hansestadt zu einem Vorreiter der Digitalisierung. Am 7. September d. J. feiert das Netzwerk mit einem "Zukunftskongress" auf Kampnagel sein 20-jähriges Jubiläum.
Hamburgs Digitaler Vordenker:
Vorstand Uwe Jens Neumann
Foto: Hamburg@work

Wie fing alles an, damals 1997, als sich die Hamburger Multimediabranche zusammenschloss? Was ist in den vergangenen 20 Jahren alles passiert - in der Startupszene,  am Medienstandort und in der digitalen Wirtschaft? Und was können wir in den kommenden Jahren vom "Digital-Cluster" an Alster und Elbe erwarten? Unser HANSEPERSONALITY ist Hamburg@work-Gründer und Vorstand Uwe Jens Neumann:


Lieber Herr Neumann: Ihr Baby ist erwachsen geworden, hat eine schöne Kindheit und eine lebendige Jugend gehabt und ist mitten im Studium der "Digital Innovation & Business Transformation". Was geben Sie als stolzer Vater ihrem "Erstgeborenen" Hamburg@work zum 20. Geburtstag als wichtigste Botschaft mit auf den Weg?

Hamburg@work ist längst aus den Kinderschuhen heraus gewachsen, hat die wilden Dotcom-Jahre hinter sich gelassen und den Internet-Crash Anfang der Nullerjahre gut überstanden. Heute sind wir DAS Netzwerk für die digitale Wirtschaft im Norden und führen Hamburg mit in die digitale Zukunft.

"Weiter so! Du hast den richtigen Weg eingeschlagen."

Unser Jubiläum feiern wir im September mit einem 20th Anniversary Summit "The Next 20 Years" - mit hochkarätigen, internationalen Speakern. Denn die Digitale Zukunft bietet neben viele Chancen auch Gefahren. Face recognition, mobile payment, wearable technology und artificial intelligence werden bald zu den absoluten Standards gehören und heute müssen die Weichen dafür gestellt werden. Dazu möchten wir unseren Beitrag leisten und die digitalen Transformationsprozesse der Hamburger Wirtschaft durch Bau von Cluster-Brücken zwischen unterschiedlichen Branchen voranzutreiben.

Wenn ich jetzt gefragt werde, was ich Hamburg@work für die nächsten 20 Jahre mit auf den Weg gebe, dann kann ich nur sagen: Weiter so! Du hast den richtigen Weg eingeschlagen. Digitalisierung erfasst heute alle Wirtschafts- und Lebensbereiche und Du bist dafür super ausgebildet und positioniert.

RETROSPEKTIVE@WORK

Gehen wir zusammen ein wenig zurück in der Historie: Netzwerk der Hamburger Startupszene, Netzwerk der Hamburger Medienbranche, Netzwerk der Hamburger IT-Industrie - Hamburg@work ist so eng mit Hamburgs digitalen Branchen verbunden, wie keine zweite Initiative. Worauf sind Sie besonders stolz in den vergangenen 20 Jahren?

Bereits Ende 1995 veranstaltete die Hamburgische Wirtschaftsförderung ein erstes Treffen der „Hamburger onlineKapitäne“ für internetaffine Unternehmen, damals eine richtige Innovation, da das Thema Internet noch recht neu war. Aus dem Kreis der onlineKapitäne wurde kurze Zeit später der Förderkreis Multimedia.

"Die Digitalisierung läutet einen fundamentalen Wandel ein"

Dieser schloss sich dann als privater Partner der Stadt der Initiative „Hamburg-newmedia@work“ an, einer Public-Private Partnerschaft mit dem Hamburger Senat und der Wirtschaftsbehörde unter Senator Dr. Thomas Mirow. Der große Internethype führte damals dazu, dass wir in wenigen Monaten 800 Mitglieder gewannen, der weiße Mitgliedsausweis war Eintrittskarte zu Szene-Events und ein richtiges Statussymbol. Eine aufregende Zeit.

Als die Internet-Blase 2001 mit einem großen Knall platzte, haben wir uns jedoch keinesfalls zurückgezogen, sondern einfach weitergemacht. Denn wir haben immer geglaubt, dass das Internet und die Digitalisierung einen fundamentalen Wandel einläuten würden. Mit Abklingen des Hypes konzentrierten wir uns etwas bodenständiger auf Medien, IT und Telekommunikation. Aus der Initiative und dem privat-wirtschaftlichem Trägerverein wurde „Hamburg@work“.

Heute hat Hamburg ein spezielles Cluster-Netzwerk für die Medienbranche, gibt es in Hamburg mehrere Netzwerke rund um die Startupszene, fokussieren neue Technologie-Initiativen auf Zukunftsthemen, wie Augmented- & Virtual Reality, Blockchain und den Drohneneinsatz. Was waren für Sie als Vorstand besondere Herausforderungen in den vergangenen 2 Jahrzehnten?

Die wirklichen Herausforderungen entstanden dadurch, dass sich die Digitale Transformation rasend schnell aus den Lehrjahren in der Medienwirtschaft in alle Wirtschaftsbereiche erstreckte. Das galt und gilt es weiterhin neu zu organisieren. Eine Initiative, die auf die Medienwirtschaft ausgerichtet war, konnte unmöglich das alles abdecken.

"Horizontale Ausrichtung auf Themen, die für alle gelten"

So erfolgte in der Public-Private-Partnerschaft mit dem Senat eine noch stärkere vertikale Konzentration auf Medienthemen und die Überleitung in die Initiative nextMedia.Hamburg, deren Partner wir auch weiterhin sind.

Der Verein hingegen behielt seinen Namen „Hamburg@work“ und folgte dem eingeschlagenen Weg in einer horizontalen Ausrichtung auf Themen, die für alle Wirtschaftsbereiche gleichermaßen gelten: Dem Zukunftsthema Digitalisierung in seinen technischen Möglichkeiten, den Themen Innovation und Arbeitswelt sowie deren Folgen für die Gesellschaft und Politik.

Sie haben seit 1999 die Geschicke der Wirtschaftsförderung gelenkt und sind Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler mit Abschluss an der Hamburger Bundeswehr-Hochschule. Hand aufs Herz: An welche Momente in mehr als 20 Jahren Wirtschaftsentwicklung erinnern Sie sich besonders gern - unabhängig Ihrer Herzensthemen rund um neue Technologien?

Als ich 1999 in die Wirtschaftsförderung eintrat, war diese nach Staaten und Sprachräumen organisiert. Der Hamburger Senat entschied sich kurze Zeit später, seine Wirtschaftspolitik an den für Hamburg relevanten Clustern auszurichten. Mit der Initiative Hamburg@work waren wir Vorreiter in der Cluster-Entwicklung und haben damit unbeabsichtigt die Blaupause für weitere Cluster-Netzwerke geliefert. 

"Alle befassen sich mit Themen der Digitalen Transformation"

Heute gibt es Cluster-Organisation in der Logistik und Luftfahrt bis hin zu Erneuerbaren Energien, Gesundheitswirtschaft und länderübergreifende für Life-Science und Maritime Wirtschaft. Die Liste ist nicht abschließend und wird ständig länger. Und alle befassen sich mit Themen der Digitalen Transformation.

PERSPEKTIVEN@WORK

Lassen uns einen Moment persönlich sprechen: Digitalisierung und Transformation ist in aller Munde, kein Bereich von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft, der nicht zunehmend von Technologien berührt und beeinflusst wird. Welche Chancen und Risiken sehen Sie in den kommenden Jahren mit der Digitalisierung auf jeden von uns zukommen?

Die Digitalisierung ist die größte politische und gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit und wird den Menschen wirtschaftliche und auch soziale Vorteile bringen, dazu gehören Kommunikations- und Bildungsmöglichkeiten für Alle, digitale und flexible Arbeitswelten, und der ständige Zugriff auf Informationen.

"Ich weiß immer, ob Familie oder Einbrecher die Wohnung betreten"

Mir persönlich macht das Thema „Smart Home“ jetzt schon sehr viel Spaß. Ich weiß immer, ob die Putzfrau, Familie oder etwa Einbrecher die Wohnung betreten, bewässere im Urlaub Pflanzen und Rasen per App und kurz vor Urlaubsende schalte ich aus der Ferne die Heizung wieder an. Und wer weiß, was da noch möglich sein wird! “

Sie gehören zu gut einem Dutzend engagierter Innovatoren, die in Hamburgs Branchen, Firmen und Institutionen die Digitalisierung fernab von "digitalen Kindergärten" vorantreiben. Was haben Sie sich als Innovator hinter Hamburg@work für die Zukunft Ihres digitalen Netzwerkes vorgenommen? Können wir mit Überraschungen rechnen?

Kurz gesagt: Mit Hamburg@work wollen wir spätestens im Jahr 2025 DAS Digital-Cluster in der Metropolregion sein. Das heißt, wir treiben Digitalisierungsprojekte interdisziplinär voran, denn die Disruption, die wir in den letzten Jahren in der IT- und Medienwelt erlebt haben, werden wir in allen Wirtschaftszweigen sehen.

"Wir wollen die wichtigen Hamburger Wirtschaftcluster unterstützen"

Wir wollen die wichtigen Hamburger Wirtschaftscluster, also beispielsweise Logistik, Life Science, Aviation, Erneuerbare Energien und die Maritime Wirtschaft, hierbei unterstützen. Aktuell sind wir hier mit den Clustern Logistik und Gesundheitswirtschaft in Kooperationsgesprächen.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Sie sind seit ihrem Studium an der Elbe zu Hause, Sie haben die Managerinnen von Nextmedia.Hamburg damals in der Wirtschaftsförderung eingestellt. Ihr Ausblick: Wie gut ist unsere Stadt in Sachen Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Stadtleben aufgestellt? Und wo geht noch ein bisschen mehr?

Wenn es gelingt, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zur Smart City zu in den nächsten Jahren zu meistern, könnte Hamburg in 15 Jahren eine der attraktivsten Metropolen in Europa werden. Schon heute plant die Stadt mit Partnern aus der Wirtschaft Projekte in den Bereichen Verkehr, Steuerung von Straßenbeleuchtungen, Bürgerdienstleistungen und in der Hafenlogistik. 

"Der Austausch zwischen den Clustern ist zu gering"

Aber die Stadt braucht eine Vernetzung der verschiedenen Wirtschaftszweige: Es gibt so viele parallele Initiativen und Angebote, aber der Austausch zwischen den Clustern ist zu gering. Digitale Disruption entsteht aber gerade durch interdisziplinäres Denken. Hier wollen wir weitere Angebote initiieren, um Hamburgs Rolle in der Transformation Deutschlands zu festigen.

Im Hamburg der Zukunft könnte es dann einen florierenden Einzelhandel geben, der zum Digital Retail geworden ist und die Läden nur noch zur Markenhaptik nutzt, verarbeitende Industrie 2.0, die mit 3D-Druck und Robotern angelieferte Elektrobestandteile individualisiert weiterverarbeitet und ruhigere Innenstädte durch leise Elektroautos. Das sind nur einige konkrete Punkte, die mir einfallen.

Vielen Dank für die offenen Worte!


Das Interview führte Thomas Keup.

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 Hamburg Digital Background: 


Hamburg@work - Zukunftskongress
https://www.digitalcluster.hamburg/summit

Solutions.Hamburg - Programm
https://solutions.hamburg/programm

Hamburg@work - Wir über uns
https://www.medianet.hamburg/wir-ueber-uns/



Ihr Hamburg Digital Marketing _____________________________________________


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