Sonntag, 4. Februar 2018

HANSEPERSONALITY Ehrenfried Conta Gromberg: Zeit für smarte Experten.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg sind Vordenker. Statt nachzuplappern, was andere vorkauen, haben die beiden Hamburger Solopreneure eine Botschaft: "Think smart". Damit adressieren Sie eine Gruppe von Existenzgründern, die erfolgreich sein wollen - aber nicht um jeden Preis. Zwischen Maikäfer-Konzepten und Weltmarktführerschaft gibt es etwas, das in Zeiten der Disruption traditioneller Branchen und Betriebe immer interessanter werden kann.



Hamburger Solopreneure Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg
Foto: Smart Business Concepts
Am 18. Januar d. J. stellte Ehrenfried Conta Gromberg auf der Freiheits Business Konferenz im Mindspace die Chancen und Herausforderungen für ein smartes Business mit persönlicher Freiheit und unternehmerischem Erfolg vor. HANSEVALLEY ergriff die Chance und freut sich auf HANSEPERSONALITY Ehrenfried Conta Gromberg:

Im Startup-Business wird gern von "Entrepreneurship", "Think Big" und "Scale Fast" gesprochen. Sie plädieren für "Solorpeneurship" und "Think Smart". Ist das nicht "zu klein" gedacht? Warum sprechen Sie sich eher nicht für den Traum von Größe und Reichtum im Geschäft aus?

Entrepreneurship ist für uns nicht an Größe gebunden, sondern daran, unternehmerisch zu handeln. "Think Smart" ist dabei eine andere Haltung als das Accelerator-Denken der Start-up-Schmieden. Dort gilt die Logik, dass man erst ab einer "gewissen Größe" mitspielen kann. "Groß, Geld, Team und schnell" ist aber nicht die einzige Möglichkeit.

Das Wort "Solo" steht bei uns bewusst vor "Entrepreneurship", weil wir irgendwann genervt waren, dass alle so tun, als wenn es nur im Team geht. Die Team-Fetischisten übersehen, dass die digitale Revolution auch eine ganze Welle neuer, smarter Selbstständigkeiten hervorbringt. Lynda Gratton hat in ihrem Buch „The Shift“ früh darauf verwiesen, dass in Zukunft vor allem zwei Unternehmenstypen zunehmen: 

Sehr große und kleinere als bisher. Diese kleineren Einheiten sind flexibler. Sascha Lobo hat das einmal so formuliert: Man kann sich ab jetzt sein Unternehmen um sein Leben herum bauen. Diesen Bereich nennen wir "smart". Der Traum von Größe ist nicht der passende Traum für alle. Weder persönlich noch für unseren Planeten.

Ein entscheidender Unterschied zwischen "Think Big" und "Think Smart" sind persönliche Werte, die Sie in den Mittelpunkt stellen - z. B. Gewinnmaximierung versus Balance zwischen wirtschaftlichen und sozialen Interessen. Welche weiteren Beispiele für Werteorientierung sehen Sie?

Smarte Geschäftsfrauen oder Geschäftsmänner fragen sich, was die richtige Größe für die eigene Person ist. Es geht um Eigenverantwortung. Was hilft mir ein Business, wenn ich hinterher mit Herzinfarkt umkippe? Was passt in mein Leben und wirkt sich dort gut aus? Es geht auch um die Wirkung auf andere und unsere Umwelt.

Nicht alles, was online geht, hat eine gute Auswirkung. Viele Geschäfte im Netz basieren rein auf "Gier-Marketing". Wir setzen dagegen auf Vertrauensmarketing und arbeiten stark am Mindset, damit man nicht automatisch auf Glaubenssätze wie "Think Big" hereinfällt und auch nicht meint, jede manipulative Technik im Online-Marketing übernehmen zu müssen.

Viele gute Ideen von engagierten Gründer*innen enden als Hobby, nicht selten im Bereich sozial äußerst lobenswerter Engagements. Wodurch unterscheiden sich die von Ihnen als "Harmlos-Konzepte" gelabelten Wege von Erfolg versprechenden "Smart Business Concepts"?


In Deutschland haben wir eine komische Stimmung. Die "Verantwortungsbewussten“ sind oft geschäftsfeindlich eingestellt. Geschäftsideen aus einer solchen Ecke haben oft keinen Boden unter den Füßen. Unternehmerisch zu handeln braucht eine Schlagzahl. Wenn wir Facebook nicht als Richtschnur nehmen, bedeutet das nicht, naiv zu sein. Auch uns geht es darum, etwas zügig aufzubauen. Auch wir nutzen digitale Technik und automatisieren.  

Wer eine Idee zu sozial denkt, also alle gesellschaftlichen Systemprobleme auf einen Schlag lösen möchte, landet oft in einer Kiste, in der es keinen Umsatz gibt. Das passiert auch, wenn ich nur auf meinen Bauch höre und versuche mein Hobby zum Geschäft zu machen. Für ein Business brauche ich den Willen, Geld zu verdienen und konkrete Angebote und Produkte. Deswegen pochen wir stark darauf, ein echtes Geschäftskonzept zu erstellen.

In Ihrem Bestseller "Smart Business Conecpts" stellen Sie 5 Typen von "Solopreneuren" über die Wertschöpfungskette von Kreativität und Planung über Produktion und Dienstleistung bis zum Handel vor. Welche Bereiche sind bei smarten Gründern besonders beliebt - und warum?

Unser Buch war die erste deutsche Systematik der smarten Geschäftswelt. Von den 5 Solopreneur-Typen haben sich seitdem drei besonders stark entwickelt:


Die 5 Solopreneur-Typen in Smart Business Concepts
Grafik: Smart Business Concepts

  • Zum Einen sind es die Händler. Nach wie vor gelingt es smarten Pure-Play-Internet-Händlern, sich in Nischen zu etablieren. Ob über Amazon oder andere Kanäle. Wer ein gutes Sortiment und Ausdauer hat, kann punkten.
  • Zum Zweiten sind es die Productized Services. Wer es schafft, eine skalierbare Dienstleistung in einen digitalen Prozess zu bringen, wird an diesem Business lange Zeit Spaß haben.
  • Zum Dritten sind es die Expertenmodelle. Das ist unser Lieblings-Sektor. Bis heute werden Content-Geschäftsmodelle irgendwie nicht als „Unternehmen“ gewertet. Dabei wächst dieser Sektor besonders stark.
  • Die Produzenten und Kreativen sind natürlich ebenfalls im Rennen. In Deutschland steckt aber hier noch viel ungehobenes Potenzial.

Sie arbeiten an einem neuen Buch, einem "Expertenbuch“ mit dessen Hilfe jeder herausfinden kann, ob in ihm ein smartes Experten-Geschäftsmodell steckt. Verraten Sie uns, was den Leser im neuen "Expertenbuch" von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg erwartet?

Wir arbeiten seit über einem Jahr an unserem neuen Buch "Die Zeit der smarten Experten". In ihm unser Lieblings-Thema: Experten-Geschäftsmodelle. Wissens-Konzepte sind ein großer, wachsender Bereich. Bisher gab es dafür keine Systematik. Jeder redet zwar über Vlogger, Blogger und Podcaster, kratzt damit aber nur die Oberfläche. 

Denn was ist mit Autoren, Public Speakern und und und? Oft ist nicht ersichtlich, was eigentlich das Geschäftskonzept hinter diesen Modellen ist. Was ist zum Beispiel HANSEVALLEY für ein Unternehmen? Solche Fragen haben wir aufgebohrt und in eine Systematik gebracht. In Kürze ist das Buch fertig. Wer das mitbekommen möchte, kann sich bei uns in eine Vormerkliste eintragen. Wir informieren dann, wenn das Buch draußen ist:



Im "Big Business" ist der "Raketenstart" eine gern genommene Assoziation. 7 von 10 Tech-Startups überleben das 2. Jahr nicht, 2 weitere erreichen eher im "Long Tail" den Break Even. Warum ist es aus Ihrer Sicht smarter, als Solopreneur in stürmischer Zeit unternehmerisch unterwegs zu sein.

Die Rakete symbolisiert Kraft, Abenteuer, Technik und das perfekte Zusammenspiel einer Crew. Gründungsphantasien bestehen oft daraus, eine verwegene Idee zu haben, dann kommt ein Investor und finanziert den Raketenstart. Es gibt nur einen Haken an der Sache: Hat eine Rakete keinen Treibstoff mehr, ist sie ein toter Haufen Blech. Wenn einem fremdkapitalfinanzierten Start-up ein Jahr vor Break Even das Geld ausgeht, sind die Fixkosten meist zu hoch, um das Unternehmen rüberzuretten.

Smart kann dagegen wie ein Korken im Wasser rauf- und runterskalieren. Es geht um eine andere Form der Stärke, um Resilienz. Wir raten zu hoher Eigenliquidität, schlanker Infrastruktur, möglichst sofort Geld zu verdienen und den Laden zunächst klein zu halten. Habe ich genug Wasser unterm Kiel, kann ich einen Umsatzeinbruch abwettern. Das erhöht die Überlebensrate ungemein. Für smart steht eher ein Segelboot, bei dem kann ich auch einmal das Segel einholen und Pausen einlegen.

Sprechen wir über die Vermarktung von smarten Geschäftsmodellen mit Hilfe der "Produktreppe". Mir selbst ist bei Ihrem Vortrag bei der Freiheits Business Konferenz der "Groschen gefallen". Wie funktioniert der Aufbau von Resonanz, Relevanz und Reputation für smarte Unternehmer?

Marketing wird meist alleine von der Reichweite her gedacht. Wie kann ich mit Anzeigen oder anderen Instrumenten bekannt werden? Das hilft nur nichts, wenn die eigenen Produkte nicht klar sind.

Die Produkt-Treppe ist ein sehr einfaches Business-Modelling-Tool, um Produkte zu ordnen. Viele haben den Wunsch, sich etwas aufzubauen und auch eine Idee. Sie bekommen aber die eigenen Angebote „nicht auf die Reihe“. Ich muss als Entrepreneur meine Produkt-Logik kennen, bevor ich Marketing anfange. 

Was steht für welche Aufgabe? Wird das vom Kunden verstanden, die Produkte gekauft und diese halten, was sie versprechen, entsteht Reputation. Auf Reputation kann smartes Marketing aufbauen. Vertrauen ist die höchste Währung für smarte Unternehmer, die in der Regel über kleine Etats verfügen.

Sie leben und arbeiten mit Ihrer Frau Brigitte in der Region. Sie haben hier eigene Unternehmen gestartet und sind in der Digital- und Business-Community verankert. Was läuft in Hamburg im Kontext neuen Business schon richtig "smart" - und wo würden Sie etwas anders machen?


Vorbild für smarte Unternehmer: Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg
Foto: Smart Business Concepts
Brigitte ist geborene Hamburgerin und ich Wahl-Hamburger. Uns gefällt besonders, dass man sich hier auf Menschen verlassen kann und eine Offenheit herrscht, Altes und Neues zu verbinden. Es gibt eine Kultur des Austauschs und wir hatten in den letzten Jahren nicht eine blöde Begegnung.

Schwächen sehe ich im unternehmerischen Leitbild. Im Kopf einiger Hanseaten ist Infrastruktur immer noch alleine für die großen Einheiten reserviert: Hafen, Flugzeugbau, Hafen-City mit Bürogebäuden für große Firmen. Smart bedeutet für uns aber, auch die neuen Bewegungen abzubilden. Und dazu gehört eindeutig das Home-Office. 

Wir sind aus Hamburg rausgezogen, weil betriebswirtschaftlich die Home-Office Flächen in Hamburg zu teuer sind. Kreativität braucht Luft. Wir haben dafür eine ganze Etage in unserem Haus. Wer – wie wir – als Solopreneur-Paar ein Home-Office-Haus baut, kann das in Hamburg finanziell eigentlich nicht mehr verantworten. Dafür muss man in die Randgebiete. Wir haben uns für den Süden Hamburgs entschieden und das nie bereut. Hamburg hat aber die Randgebiete nicht wirklich vor Augen. Das ist in meinen Augen nicht smart.

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 Hamburg Digital Background: 

Smart Business Concepts:

www.smartbusinessconcepts.de/

Die Produkt-Treppe:
www.smartbusinessconcepts.de/produkt-treppe/

Vormerkliste Expertenbuch:
www.smartbusinessconcepts.de/die-zeit-der-smarten-experten/

Freiheits Business Konferenz:

www.freiheitsbusiness.de/