Freitag, 9. Februar 2018

HANSESTATEMENT: Steuerverschwendung "Beyourpilot" - 10 Millionen Euro für was?


HAMBURG DIGITAL STATEMENT

Das zieht einem fast die Schuhe aus: Das nur auf dem Papier existierende, dafür aber umso hoch gelobtere Startup-Portal "Beyourpilot" entwickelt sich zu einem noch größeren Fass ohne Boden, als ursprünglich sichtbar: Sage und schreibe 10 Mio. Euro soll das Projekt der - laut Landesrechnungshof öffentlich kritisierten -"Steuerverschwender" von Hamburg Innovation GmbH, der TuTech Innovation GmbH und "Startup Dock" kosten. Das sieht die Beschlussvorlage der Wirtschaftsbehörde BWVI für die Hamburger Bürgerschaft vor. Ein Hamburg Digital Statement:

Ein Portal mit "Ideenfinder" mittels altbekanntem Business Model Canvas, einer nicht existenten Datenbank mit "Expertenshop" und "Ressourcenfinder" zu Know how- und Technologie-Experten und Einrichtungen sowie ein "Finanzierungskompass", den die Hamburger Konzeptagentur Evers & Jung ähnlich schon einmal an die KfW und den Bund verkauft hat. Das Ganze für 500.000,- € über 5 Jahre. So sah es zum Zeitpunkt der Hamburg Digital Recherche zu Jahresbeginn aus. Mit der Veröffentlichung der Beschlussvorlage zur Finanzierung des Startup-Projekts wird klar: 


Ist "Beyourpilot" ein Fass ohne Boden?
Grafik: Hamburg Innovation

Das unausgereift konzeptionierte Startup-Portal kostet laut Planungen der Wirtschafts- und Innovationsbehörde in den kommenden 5 Jahren insgesamt rd. 10 Mio. € - in Worten: zehn Millionen, wie die Hamburg Digital Nachrichten am Mittwoch berichtet haben. Dabei werden von 2018 bis 2022 jedes Jahr linear fast 2 Mio. € mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen - direkt in den Rachen der für die eigene "Luxusversorgung" bekannten TuTech Innovation GmbH, ihrer Schwestergesellschaft Hamburg Innovation GmbH und dem nach Beendigung des "EXIST"-Programm de facto überflüssigen "Startup Dock": 


„Finanzbedarf und Zeitplan werfen einige Fragen auf. Diese werden wir im Wirtschaftsausschuss detailliert besprechen. So jedenfalls wird Hamburg nicht zur Gründermetropole.“ 
Carsten Ovens, Sprecher für digitale Wirtschaft und Hochschulpolitik
der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft

Blind auf dem Auge TuTech oder gemeinsame Leichen?

Allein für die Ausschreibung des simplen Portals, die Stellenausschreibung und das Lobbying kassierte Hamburg Innovation im vergangenen Jahr schlappe 500.000,- € - überwiesen von der Wirtschaftsbehörde BWVI nach Harburg - ohne Nachfrage, ohne Ausschreibung, ohne kritische Prüfung. Offensichtlich ist die Innovationsbehörde auf dem Auge TU Harburg und TuTech Innovation blind - oder der Harburger Geschäftsführer Martin Mahn und Vertreter der Behörde haben gemeinsame Leichen im Keller. Wer weiß ...


„Die Drucksache des rot-grünen Senats zur Start-up-Plattform wirft einige Fragen auf. Insbesondere die Höhe des Finanzbedarfs überrascht. Die FDP-Fraktion wird dazu im Wirtschaftsausschuss detaillierte Auskünfte verlangen.“
Michael Kruse, Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Bürgerschaft

Diese Fragen stellen sich aus unserer Sicht nach der intensiven Recherche der Steuerverschwendung und der fortlaufenden Machenschaften im Harburger "TuTech-Haus":
  • Wie kann der Hamburger Senat - vertreten durch die Wirtschaftsbehörde BWVI - sicherstellen, dass es sich bei dem 10 Millionen Euro-Projekt "Beyoupilot" definitiv nicht um Subventionsbetrug und Schattenwirtschaft zu Lasten des Hamburger Steuerzahlers geht?

    "Der Senat braucht weniger als 1.000 Worte um knapp 10 Millionen Euro auf fünf Jahre für eine neue Startup-Plattform zu beantragen. Es ist abenteuerlich mit welch nebulösen Projektspezifizierungen hier eine Art Globalvollmacht zur Geldvernichtung vorgelegt wird."
    Stephan Jersch, wirtschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion in der Bürgerschaft

    Chefredakteur Thomas Keup
    Foto: HANSEVALLEY
    Jetzt liegt es bei der Hamburgischen Bürgerschaft, den 10 Mio. € Brocken blind durchzuwinken, oder kritische Fragen zu stellen und die Steuerverschwendung an der Süder-Elbe zu stoppen - im Interesse der nicht üppig gesähten Startup-Gründungen in Harburg, im Interesse der Hamburger Wirtschaft und - vor allem - im Interesse jedes einzelnen Hamburger Steuerzahlers. 

    Das Thema ist bei der Opposition bekannt. Es nicht gewusst zu haben, wird spätestens nach der Fragestunde im Wirtschaftsausschuss keine Antwort mehr sein. Wir bleiben dran.


    Vielen Dank für Ihr Interesse, Ihre Steuern nicht blind in der Elbe zu versenken.

    Mit  herzlichen Grüßen

    Ihr


    Thomas Keup
    Chefredakteur



     Hamburg Digital Recherche: 

    Beyourpilot - Startup Port Hamburg:
    Beschlussvorlage des Hamburger Senats

    HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
    Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

    HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
    Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

    HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
    Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3


    HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.