Mittwoch, 28. März 2018

HANSEEXKLUSIV: Peter Tschentscher fordert flächendeckendes Glasfasernetz

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburgs neuer Erster Bürgermeister Peter Tschentscher
Foto: HANSEVALLEY

Peter Tschentscher fordert einen flächendeckenden Ausbau mit schnellen Glasfaserleitungn in Hamburger Wohn- und Gewerbegebieten. Auf dem SPD-Landesparteitag am vergangenen Samstag setzte der neue Erste Bürgermeister damit eigene Akzente bei der Digitalisierung an Alster und Elbe.

Der neue erste Mann des Hamburger Senats gab HANSEVALLEY auf dem Parteitag ein erstes Interview zu seiner aktuellen Forderung. Chefredakteur Thomas Keup fragte ihn zur Umsetzung der Glasfaserinitiative und wie es mit dem erst zu Jahresbeginn neu gegründeten Amt für IT und Digitalisierung in der Senatskanzlei weitergeht.




Der Hamburger Senat hat die Digitalisierung der Verwaltung zum 1. Januar 2018 im Amt für IT und Digitalisierung in der Senatskanzlei zusammengefasst. Staatssekretär ist Christoph Krupp, Chef der Hamburger Senatskanzlei. Operativer Kopf ist der zum 1.1.2018 eingeführte Chief Digital Officer Christoph Pfromm. Ihm untersteht die bisherige Leitstelle Digitale Stadt mit Mobile-First-Strategie und das Hamburg Serviceportal. Außerdem unterstehen dem Amt rd. 60 IT-Mitarbeiter - bislang angesiedelt in der Finanzbehörde - sowie die Kontrolle des mit Schleswig-Holstein betriebenen IT-Dienstleisters Dataport.

Neben dem Amt für IT und Digitalisierung mit dem Chief Digital Officer haben 3 Hamburger Senatsbehörden eigene CDOs für die Modernisierung ihrer Verwaltungen eingeführt. Als wichtigster Digital Officer für die Wirtschaft gilt Dr. Sebastian Saxe, CDO in der Wirtschafts- und Innovationsbehörde BWVI, in gleicher Funktion auch für die Hafenbehörde HPA tätig. Ein Schwerpunkt der Senatsaktivitäten liegt auf Intelligenten Transportsystemen (ITS) mit digital-vernetzter Mobilität und Transportslogistik. Hinzu kommen CDOs in der Wissenschaftsbehörde BWFG und in der Schulbehörde BSB. 

 Hamburg Digital Magazin: 

HANSESTATEMENT: Peter's Hamburg - Hafenfolklore oder Hightechmetropole?
http://hh.hansevalley.de/2018/03/hansestatement-staatsrat-digitalisierung.html

HANSEVISION: Von ehrbarer Kaufmannssiedlung zur Digitalen Metropole Hamburg.
http://hh.hansevalley.de/2018/01/hansevision-hamburg-digital-metropole.html

HANSETRANSPORT: Läuft intelligent in Hamburg!
http://hh.hansevalley.de/2017/10/hansetransport-its-strategie-hamburg.html

HANSEEXKLUSIV Dr. Sebastian Saxe: This! - Der Expertenrat zur Digitalisierung.
http://hh.hansevalley.de/2018/03/hanseexklusiv-sebastian-saxe.html

HANSENEWS - Aktuelle Nachrichten zur Digitalisierung:
www.hansenews.hamburg

 Hamburg Digital Background: 

Koalitionsvertrag SPD + Grüne zur "Digitalisierung der Großen Stadt":
www.hamburg.de/digitalisierung/

Amt für IT und Digitalisierung der Freien und Hansestadt - Organigramm:
www.hamburg.de/contentblob/10445610/b58f832dad095b4ad51203eb4a66bcb6/data/organigramm-amt-it-digitalisierung.pdf

ITS-Strategie des Hamburger Senats für Mobilität und Logistik:
www.hamburg.de/bwvi/its/

CDOs im Hamburger Senat - Kleine Anfrage Michael Kruse, FDP:
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/60939/inflation-der-cdos-%E2%80%93-kriegt-jetzt-jede-beh%C3%B6rde-einen-.pdf

Sonntag, 25. März 2018

HANSEPERSONALITY André Schwämmlein: Flixtrain - vielleicht die letzte Chance für privaten Fernverkehr in Deutschland.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Am vergangenen Freitag hat Flixmobility mit dem "FLX 20050" der Bahn den Kampf angesagt. Mit alten Schlafwagen der Nürnberger BahnTouristikExpress ging es mit 400 Premierengästen, lokaler Politprominenz und der versammelten Tagespresse von Hamburg-Altona über Hauptbahnhof und Harburg nach Köln. Der grüne Flixtrain fahrt ab sofort täglich außer Mittwochs am Morgen von Köln nach Hamburg und Mittags zurück an den Rhein, wie sein Vorgänger HKX. 


Der neue Flixtrain im Hamburger Hauptbahnhof.
Foto: Flixmobility

Mit Flixtrain startet das Tech-Startup ein eigenes, bundesweites Zugangebot. Im April d. J. fährt der Herausforderer die nächste Strecke von Berlin über Hannover und Frankfurt nach Stuttgart. 500.000 Fahrgäste will Flixtrain in diesem Jahr befördern, bis zu 600 pro Fahrt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember d. J. plant man auf weiteren Strecken den Bus zu ergänzen und in Wettbewerb zum IC-Service der Bahn zu gehen. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer von Flixtrain auf der Premierenfahrt von Hamburg nach Köln. Unser HANSEPERSONALITY ist André Schwämmlein:


Meine erste Frage: Haben Sie ein Bahn Card?


Ich habe keine Bahn Card. Ich hatte auch nie eine. Ich bin sehr offen, was Verkehrsmittel angeht. Ich bin großer Fan von öffentlichem Verkehr, hab' ja kein Auto. Aber Bahnfahren habe ich in den letzten 5 Jahren vermieden.


Warum?

Große Teile sind rational. Ich komme mit Bus und auf langen Strecken dann auch mal mit dem Flieger gut zurecht. Ein Teil ist sicherlich ein bisschen irrational. Wenns passt, nehme ich lieber was anderes in Kauf und fahr' eben nicht Bahn.

Sie fahren mit Ihren eigenen Bussen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Service, den Ihre Subdienstleister da anbieten?


Mit dem, was unsere Partner machen, bin ich in der Menge sehr zufrieden. Es ist immer so, dass wenn man selber mitfährt, immer Sachen findet, die man besser machen könnte. Aber das ist - glaube ich - der kritische Blick, den man selber hat.


Jetzt gehen Sie mit Flixtrain auf dieser Strecke in den Wettbewerb zur Deutschen Bahn. Sie gehen preislich in den Wettbewerb unterhalb des ICE-Schnellverkehrs. Wie waren die ersten Reaktionen der Deutschen Bahn? Sie mussten ja direkt oder indirekt mit ihrem Partner mit der Deutschen Bahn verhandeln. Was hat die Deutsche Bahn dazu gesagt, nachdem sie bereits den BerlinLinienBus aus dem Verkehr geschoben haben?

Es ist bei dieser Trasse besonders, weil es diese Trasse schon gab, deshalb war es eher ein administratives Thema. Von daher keinerlei Beschwerden von unserer Seite. Richtig spannend wird's jetzt. Wir gehen jetzt in die Trassenbeantragung für den nächsten Fahrplan, und da kommt es glaube ich zum Schwur, wie gut der Netzzugang für andere Anbieter als die Deutsche Bahn wirklich ist.

Welche Bedeutung hat für Sie die Strecke Hamburg-Köln, schließlich ist hier bisher nichts Super-Schnelles und Super-Modernes unterwegs?



Flixtrain-Chef André Schwämmlein nach erfolgreicher Premiere in Köln.
Foto: HANSEVALLEY

Für uns ist das Projekt Flixtrain in Summe sehr wichtig, weil wir es als sehr gute Ergänzung zu unserem Busgeschäft sehen, und auch ein bisschen als natürliche Erweiterung dessen, was wir machen. Auf der anderen Seite ist Hamburg-Köln auch eine der ersten Strecken, die wir mit dem Bus gefahren sind - damals vor 5 Jahren. Das war im ersten Netz unter den ersten 10 Linien mit dabei. Von daher finden wir, dass es auch eine Strecke ist, die wir auf der Schiene attraktiv ist.

Gehen wir nochmal auf die Wettbewerbssituation: Sie gehen ab 9,90 € in den Wettbewerb bis ca. 29,90 € - vom Pricing aktuell, wenn man sich dass mal durchschaut. Das ist deutlich unter den Sparpreisen und den "Lidl-Tickets" der Deutschen Bahn. Greifen Sie die Bahn in erster Linie über den Preis an?

Das soll wirklich ein Produkt sein, dass sich quasi zwischen Flixbus und ICE positioniert, und damit auch preislich da positioniert. Und ja, wir wollen dauerhaft auch den günstigsten Preis bieten. Das haben wir im Busgeschäft. Unter dem Strich muss es dadurch funktionierten, dass der Bus oder hier der Zug sehr voll ist, und das ist das, was wir erreichen wollen.

Und das geht vor allem über Preis?

Der Preis ist nur möglich,, wenn wir auch schaffen, die Züge so voll zu machen. Da wir einen anderen Ansatz haben, als alle anderen, die vorher Fernverkehr probiert haben, nämlich das wir schon Netz haben, das wir schon viele Millionen Kunden haben, glauben wir, dass wir dieses Volumen generieren können. Allein heute 400 Leute an Board bei der Premierenfahrt - ich glaube, dass ist ein klares Signal: die Kunden haben Interesse, die Nachfrage ist da und unser Job ist es, dafür zu sorgen, dass es auch nachhaltig funktioniert.

Sie gehen als Nächstes auf die Strecke Berlin-Hannover-Frankfurt-Stuttgart. Was erhoffen Sie sich von der Strecke? Berlin-Hannover ist eine Rennstrecke, auch eine Pendlerstrecke. Auch Hannover-Frankfurt ist eine klassische Deutsch Bahn-Strecke, wo richtig Geld verdient wird. Da gehen Sie ja noch wesentlich stärker in den Wettbewerb, als hier auf der Nord-Ost-Tresse.


Wir schauen eigentlich viel stärker von uns kommend, was Sinn macht. Im südlichen Teil der neuen Strecke ist ja Stuttgart, Heidelberg, Darmstadt und dann Frankfurt, und die nach Berlin zu verbinden, das sind gerade bei Stuttgart sehr lange Fahrzeiten mit dem Bus. Da erschließen wir mit dem Zug nochmal ein komplett neues Segment von Leuten, die vorher Bus nicht nutzen konnten. Es funktioniert also nicht, wenn ich sage, ich nehme einfach mal meine Busfahrgäste und setze sie jetzt in den Zug. Das kann gar nicht funktionieren.


"Die 25 Mio. Menschen, die letztes Jahr Bus gefahren sind,
kommen nicht aus der Deutschen Bahn." 

Das Volumen hatte ich auf Berlin-Stuttgart nicht und das haben wir ehrlicherweise auf Hamburg-Köln auch nicht, sondern es müssen Leute umsteigen, und das haben wir im Bus auch gezeigt die letzten 5 Jahre. Natürlich sind wir Wettbewerber der Deutschen Bahn, aber wir müssen es schaffen, das Menschen aus dem Individualverkehr in den öffentlichen Verkehr kommen, denn die 25 Mio. Menschen, die letztes Jahr Bus gefahren sind, die kommen nämlich nicht aus der Deutschen Bahn. Die kommen aus dem Individualverkehr, denn die Bahn hat im selben Zeitraum auch nochmal 5 bis 10 Mio. Menschen gewonnen. Ich glaube, dass ist die richtige Interpretation.

Wir sind sehr harte Wettbewerber - wir und die Deutsche Bahn, und das ist gut für den öffentlichen Verkehr in Deutschland, weil beide dadurch stärker werden und der große Wettbewerber Auto hoffentlich auch in Zukunft weiter leidet.


Geht in Konkurrenz zur Deutschen Bahn: Flixtrain-Chef André Schwämmlein.
Foto: HANSEVALLEY

Schauen wir ein bisschen weiter nach vorn: Was planen Sie als Nächstes? Sie haben es gerade angesprochen: Weitere Trassen wollen Sie jetzt beantragen. Wollen Sie die Langstrecke Deutschland flächendeckend über grüne Züge abdecken?

Flächendeckend ist ein starkes Wort. Ja, das haben wir beim Bus immer gesagt, weil wir da auch immer viel mehr Kontrolle hatten, was wir eigentlich tun. Wir haben gesagt, wir wollen im Bus ein deutschlandweites Netz haben. Wir sind in vielen Bundesländern schon präsent. Ja, wir möchten diese Präsenz auch ausbauen. Es soll nicht bei 2 Strecken bleiben. Allerdings sind wir in großem Maße von der DB Netz abhängig, was wir wirklich fahren können. Und wir sind da schon realistisch genug zu wissen, dass die Geschwindigkeit, mit der wir ein deutsches und europäisches Netz im Bus aufgebaut haben, mit der Schiene nicht funktioniert.



"Wir werden nicht die zweite Deutsche Bahn.
Wir wollen eine günstige Alternative sein."

Ich habe sehr viel längere Zyklen, Trassen zu bekommen, Wagenmaterial zu bekommen. Von daher sind wir da realistisch, wir werden nicht die zweite Deutsche Bahn. Wir wollen eine günstige Alternative sein, das wollen wir auch gern auf mehr Strecken sein. Aber wir fahren diesen Sommer dann 3 Züge. Die Bahn hat fast 300 ICEs. Ich glaub', das gibt die Dimension wirklich wieder.

Das ist ja schon Wettbewerb. Sie sind der Erste, der auch in die Fläche geht und nicht nur eine einzelne Strecke anbietet. Wieviele Trassen wollen Sie jetzt für 2018 ff. neu beantragen?


Wir kommunizieren das ehrlicher Weise gar nicht. Warum? Nicht, weil wir etwas zu verstecken haben. Sondern, weil da noch soviel Unsicherheit im Prozess ist, weil wir auch sehen müssen, was kriegen wir von der DB Netz wirklich. Und ich möchte nichts ankündigen und dann sagen müssen 'haben wir nicht bekommen'. Da bin ich im Spätsommer/Herbst schlauer, wenn ich weiß, welche Trassen wir bekommen haben.


"Wir sind nicht größenwahnsinnig.
Wir wissen, wie die Zyklen im Fernverkehr laufen."

Ja, es ist sicherlich anders, als es bisher Einzelunternehmen gemacht haben, die sagen: ich mache Betrieb und Vertrieb zusammen und kann dann eben auch nur wenig betreiben, weil ich eine Trasse habe. Wir haben sicherlich den Vorteil, dass wir jetzt schon Stuttgart-Berlin mit einem anderen Betreiber machen können, wie Hamburg-Köln - damit wir uns auf den Vertrieb konzentrieren können. Ja, ich glaube schon, dass das vielleicht die letzte Chance ist, für privaten Fernverkehr in Deutschland.

Ich glaube auch, dass wir alle Voraussetzungen haben, das erfolgreich zu machen. Aber, wir sind nicht größenwahnsinnig. Wir wissen, wie die Zyklen im Fernverkehr laufen.

Die Deutsche Bahn geht jetzt im Regionalverkehr mit Start Deutschland in den Low Coast-Wettbewerb, versucht dort Strecken zurückzugewinnen. Erwarten Sie, dass DB Fernverkehr Ihnen irgendwann auch ein günstiges Angebot entgegensetzt, dass Sie mit Ihrem Angebot dauerhaft herausfordern wird - und nicht nur saisonal "Lidl-Tickets" schiebt?


Premierenfahrt des Flixtrain am vergangenen Freitag ab Altona.
Foto: HANSEVALLEY

Das weiß ich nicht. Es ist natürlich schwer, das irgendwie zu prognostizieren. Von daher ersparen wir quasi, uns darüber irgendwie Gedanken zu machen, was könnte jemand anderes tun. Ich glaube, wir haben es im Bus geschafft, alle Ideen die andere hatten, wie ich ein gutes Angebot konkurrisieren kann, mit unserer eigenen Vertirebskraft zu kontern. Ich glaube, dass wir das auch hier auf der Schiene haben. Wir haben mit unseren 40 Mio. Passagieren letztes Jahr etwas, das andere nicht haben im Fernverkehr.


Wettbewerb tut der Schiene gut. Wir wollen Verkehr auf die Schiene bringen.
Das ist der erste Schritt dazu.  

Flixmobility ist absoluter Vertriebsexperte. Sie sind Marktführer in Deutschland und Teilen Europas, was den Fernbus angeht. Sie gehen im Fernverkehr auf die Schiene. Was wird das Nächste sein? Holen Sie sich irgendwann einen Shared Mobility-Service im Bereich PKW? Wollen Sie irgendwann die Kette schließen, wann auch immer ich über 50 km hinaus unterwegs bin, sollte das dann irgendwann grün sein? Planen Sie da was?

Ich würde schon unterschreiben, dass wir für Menschen eine Alternative sein wollen, wenn es in eine Mittel- und Langstecke geht. Das ist sicherlich das, was wir erreichen wollen, das überlegt wird: ich könnte fliegen, ich könnte mit der Deutschen Bahn fahren, ich könnte Flix fahren, in könnte mein eigenes Auto nehmen. Da möchten wir rein, dass wir immer eine Alternative sind. Da ist Zug jetzt eine wichtige Ergänzung, damit wir auch wirklich in die Köpfe von Leuten kommen, die Bus bisher vielleicht nicht genutzt haben.


Wir fühlen uns mit Bus und Schiene sehr wohl. Und da liegt auch gerade unser Schwerpunkt drauf. Wir haben jetzt mit Flixtrain und der Expansion von Bussen in die USA zeitgleich mit dem Ausbau des Netzes in Europa soviel zu tun, dass wir uns auch wirklich darauf konzentrieren müssen.


Das wichtige ist, wir müssen Bus und Bahn in den Griff kriegen und das erfolgreich machen.


*  *  *


Herzlichen Dank für die Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

Alt trifft neu: Premierenzug des Flixtrain in Hamburg-Altona.
Foto: HANSEVALLEY

 Hamburg Digital Background: 

Flixmobility mit Sitz in München hat sich in den vergangnen 5 Jahren vom Fernbusanbieter zum europaweiten Mobilitätsdienstleister entwickelt. Das von Jochen Engert, Daniel Krauss und André Schwämmlein gegründete Tech- und Vertriebs-Startup hat im vergangenen Jahr mit seiner Netzplanungs- und Vertriebsplattform 40 Mio. Kunden befördern lassen. Das Fernbusnetz umfasst heute täglich 250.000 Verbindungen zu über 1.400 Zielen in 27 Ländern. In Deutschland, Österreich und der Schweiz fährt Flixbus täglich 500 Punkte an. Ab April d. J. sollen weitere 140 Haltestellen in der DACH-Region hinzukommen.

Von Schulfreunden zum Bahnschreck: Die Flixbus-Gründer
Foto: Flixmobility

Mit Übernahme des insolventen Anbieters Locomore im August '17 sammelte Flixtrain erste Erfahrungen auf den Strecken des "Hamburg-Köln-Express" (HKX) und Stuttgart-Frankfurt-Hannover. Seit Wiederinbetriebnahme der Strecken verkaufte Flixmobility mehr als 70.000 Bahntickets auf den 2 Trassen. Das VC-finanzierte Unternehmen betreibt mit Flixbus Strecken in 10 europäischen Ländern sowie Schienenkooperationen in Österreich und Tschechien und beförderte in den vergangenen 5 Jahren über 100 Mio. Fahrgäste. Flixmobility beschäftigt mit seinen Tochterfilrmen über 1.000 Mitarbeiter, hinzu kommen mehr als 7.000 Mitarbeiter bei rd. 250 Bus- und Zugbetrieben.

Fotos und Video zur Premiere:
www.instagram.com/hansevalley

Das Unternehmen Flixmobility Tech:
www.flixbus.de/unternehmen

Von GoBus zu Flixmobility:

www.gruenderszene.de/galerie/flixbus-busbranche-ueberblick

Der Bahnservice Flixtrain:
www.flixtrain.de

Mittwoch, 21. März 2018

HANSETECHTEST: Aus dem Alltag eines BahnComfort-Kunden

HAMBURG DIGITAL TECHTEST
*Persönlicher Meinungsbeitrag*

Sie drängeln, sie zicken, sie pöbeln. Fahrgäst*innen an Board von ICEs sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Was für den Gelegenheitsfahrer mit Wochenend-Trolley ein hinzunehmendes Ärgernis ist, wird für den täglichen Pendler und regelmäßigen Vielfahrer zum Horror: Schnäppchenjäger*ìnnen - aka "Lidl-Tickets"  aka "Maxdome-Tickets" - ohne Reservierung, ohne Ahnung, ohne Anstand. 



Der neue ICE 4 zwischen Berlin und München.
Foto: DB AG

Weil sich Privatreisende leider nicht mit Gutscheinen und Gratisfahrten auf den Fernbus abschieben lassen, haben sich Deutschlands Vielfahrer einiges einfallen lassen, um dennoch entspannt ans Ziel zu kommen. Als "Club-Mitglied" mit "schwarzer Mamba" (BahnCard 100) verrate ich heute 12 praktische Tips & Tricks für eine entspannte Bahnfahrt - ohne Kreti, ohne Pleti. Ein persönlicher HANSETECHTEST:

Ich fahre jede Woche 3 bis 5 mal auf der Strecke von Berlin-Südkreuz nach Hamburg-Hauptbahnhof und zurück von Hamburg-Dammtor. Neben Fallstudien zu Menschen, die man nicht in seine Wohnung lassen würde, bieten die rd. 2 Stunden einen bunten Querschnitt aller schlechten Manieren - von randalieren Punks bis zu rauchenden "Assis" - pardon: bildungsfernen Fahrgäst*innen -, von beleidigenden Gelegenheits-Fahrer*innen bis zu pöbelnden Möchtegern-Geschäftsleuten. So wird's dennoch ein entspannter Aufenthalt an Board.

Die Vielfahrer-Anfahrt:

Der clevere Geschäftsreisende vermeidet Hauptbahnhöfe. Stattdessen gilt, eine Station vor dem Umsteigeknoten an Board zu gehen, in Hamburg z. B. am Messebahnhof Dammtor, in Berlin am Südkreuz nahe Potsdamer Platz. So hat man die Chance, vor drängelndem und pöbelndem "Lidl-Mob" ein nettes Plätzchen zu ergattern und ist der erste, sich einen freiwerdenden Wunschsitzplatz auszusuchen. In voll belegten, durchreservierten oder hochfrequentierten Zügen lohnen sich 10 Minuten S-Bahn-Fahrt zum Ausweichbahnhof besonders. Der Wunschsitzplatz wartet schon.


Nahkampfzone Hauptbahnhof: Der richtige Standort ist der halbe Sitzplatz.
Foto: Sterilassistentin, Lizenz: GNU GPL

Am ICE-Bahnsteig:


Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - und deshalb stehen an Durchgangsbahnhöfen, wie Hamburg oder Berlin-Hauptbahnhof, alle Privatreisenden in der Mitte des Bahnsteigs. Großer Anfängerfehler und Garantie für einen Stehplatz! Grund: Rolltreppen gehen immer zur Bahnsteigmitte und das Herdentier Mensch steht da, wo alle stehen. Der kluge Geschäftsreisende sucht sich mit anderen Berufspendlern einen Wagen am Anfang oder Ende des Zuges, denn dort sind Onkel, Tanten und Ausflügler*innen selten zu finden.

Die klare Vorauswahl:

Lockführer spielen regelmäßig das beliebte Spielchen "Wagenfolge würfeln". Ahnungslose Gelegenheitsfahrer*innen ohne Reservierung freuen sich dann auf die "Tour de Class" durch 12 bis 14 volle Wagons. Der erfahrene Vielfahrer schaut bei der Anfahrt in die DB Navigator-App, wie der Zug unterwegs ist - mit geplanter oder umgekehrter Reihenfolge. Frühzeitiges Ansteuern weniger überfüllter Wagen am einen oder anderen Ende garantiert eine entspannte Reise. Alles andere fällt unter Sardinenbüchse.

Die ICE-Zugeinfahrt:

Kritisch wird die Pulkbildung bei unerwarteter Reihenfolge. Stehen Fahrgäst*innen mit Reservierung laut Wagenstandsanzeiger im richtigen Bereich, fängt bei umgekehrter Wagenfolge das Chaos an. Dann stehen 2.-Klasse-Reisende beim ICE 3 plötzlich vor der 1. Klasse. Folge; Bevor der/die gepflegte Tourist*in ihren festen Platz sucht, blockiert Mann/Frau gern einen der direkt benachbarten Bahn Comfort-Vielfahrersitz. Sehr unschön und die Garantie für Ärger. Denn Bahn Comfort ist für "Lidl-Tourist*innen" Tabuzone.

Das ideale Einsteigen:

Bei Auswahl der Türen gilt für Geschäftsreisende mit knapper Zeit: keine Kinder, keine Rentner, keine Reisegruppen. Grund: Alle drei Gruppen kosten verständlicher Weise mehr Zeit beim Einsteigen. Bekommen Kinder ihre 5 Minuten, haben Sie das schönste Drama. Haben Senioren vor Ihnen Probleme mit der Mobilität, dauert es. Blockieren Reisegruppen mit Schrankkoffern den Gang, haben Sie verloren. Grundsätzlich sollte man Müttern mit Kindern, Senioren oder Reisenden mit schwerem Gepäck natürlich behilflich sein. 

Die sichere Platzsuche:

Der Geschäftsreisende vermeidet bei der Platzwahl einen entscheidenden Fehler: die Wahl eines 4er-Tisches. Grund. Wird's kuschelig voll am Tisch, kann man das Verstauen der eigenen Füsse vergessen. Besonders unangenehm: Die Fensterplätze mit Tischbein in der Mitte und Mülleimer am Fenster. Das will man nicht wirklich. Deshalb wählen professionelle Zuggäste gern eine komfortable 2er-Reihe mit Beinfreiheit und maximal einem (nervenden) Mitreisenden an seiner Seite. 

Die absoluten Idealplätze:

Neben der 2er-Reihe ist die Fahrtrichtung ein Thema. Dabei bietet es sich an, in Fahrtrichtung durch den Zug zu laufen. Das erleichtert die Entscheidung. Der erste Blick gilt den Anzeigen: keine Reservierung? Mein Platz. Reservierung ab späterem Bahnhof? Mein Platz. Bahn Comfort-Sitz?  Mein Platz, aber vielleicht nicht Ihr Platz. Das i-Tüpfelchen: Sitzreihe mit Wandverkleidung statt Fenster. Dann haben Sie einen Kleiderhaken für sich. Und als Insidertipp: Wollen Sie schlafen, nehmen Sie keine Reihe mit Rückenlehne an Rückenlehne. Diese lässt sich dann nur teilweise zurückstellen.

Die BahnComfort-Plätze:

Absolutes Ärgernis sind die Bahn Comfort-Plätze. Grund: Hier machen sich regelmäßig "Lidl-Tickets" aka "Maxdome-Tickets" breit. Die reservierten Plätze sind für Vielfahrer mit Bahn-Comfort-Status re-ser-viert, z. B. Bahn Card 100-Nutzer. Alle anderen haben dort nichts zu suchen, ebenso wenig wie in der 1. Klasse. Die Plätze sind für Billig-Tourist*innen ohne Reservierung und Lesebrille Sperrgebiet. Pendler und andere Vielfahrer scheuchen Sparfüchs*innen zu Recht von den Plätzen, auch wenn diese gern mal rumzicken.

Die unschönen Platzfallen:

Vermeiden Sie nicht nur, mit Schnäppchenticket von Bahn Comfort-Plätzen verjagdt zu werden. Behindertensitze sind keine rollende Arbeitspätze für Berater*innen. Und Sitzplätze für Familien sollte man meiden, will man im Zug seine Ruhe haben, ein wenig arbeiten und schlafen. So sehr Kinder eine Bereicherung für uns alle sind, nach einem langen intensiven Arbeitstag wollen Sie auf der Heimfahrt eher nicht im Kindergarten vorbeischauen, außer Sie planen gerade eigenen Nachwuchs.

Die Lückenfüller*innen:

Haben Sie Ihr Wunschplätzchen bekommen, meiden Sie Nervensäg*innen neben sich. Hier hat der Geschäftsreisende einen Katalog erprobter Maßnahen zur Auswahl: 1. Niemals einsteigende Fahrgäst*innen anschauen - außer Sie suchen Anschluss. 2. Kopfhörer aufsetzen - dies verringert die Gefahr, angesprochen zu werden. Noise Cancelling ist für Vielfahrer Standard. 3. Schlafend stellen - bis alle "Lidl-Tickets" an Ihnen vorbeigezogen sind. Und 4. Hustenanfall und kräftiger Schnäuzer beim Boarding garantiert einen freien Sitz neben Ihnen - und damit die Freiheit, es sich gemütlich zu machen.


Das ICE-Schnellverkehrsnetz 2018
Grafik: Classical Geographer
Die Trickser*innen:

Nicht nur Sie kennen jetzt den "Servicekatalog" für entspanntes Bahnfahren: Andere sind nicht weniger kreativ. Frauen setzen sich gern ans Fenster und bauen sich mit Koffer, Rücksack und Verpflegung eine Höhle. Wollen Sie dennoch den blockierten Platz - lassen Sie sich nicht "breitquatschen". Glauben Sie andererseits Männern nicht die Geschichte vom Mitreisenden, der gleich kommt. Als Alleinreisender erhöhen Sie die Chance auf einen freien Nachbarplatz mit der Wahl des Gangplatzes. Niemand will sich ans Fenster quetschen, wenn dort schon der Trolley steht. Probieren Sie es einmal aus.

Die Nervensäg*innen:

Ist man auf seinem Wunschplatz unterwegs, kommen die Störenfriede zum Einsatz. Besonders beliebt in Pendlerzügen: Arbeitskolleg*innen mit den größten Hits aus Kollegenschaft und Kundschaft. Nervig sind renitente Telefonierer*innen, die meinen, an Board ihre Probleme mit Projekten und Freund*innen auszudiskutieren. Und schließlich Ferienfahrer*innen: Ja, die Landschaft ist schön. Und jetzt einfach mal den Sabbel halten. In Ruhebereichen können und dürfen Sie Mitreisende zur Ordnung rufen. Im Zweifelsfall hilft das Bordpersonal, unverfrorenen oder renitenten Fahrgäst*innen die Meinung zu sagen - und für Ruhe zu Sorgen.

Der schnelle Abschluss:

Zum Ende der Fahrt gilt, was am Anfang galt: keine Kinder, keine Rentner, keine Reisegruppen. Frühzeitiges Packen und Positionieren an der Tür garantiert schnellen Ausstieg und schnelles Verlassen des Bahnhofs. Die Seite des Bahnsteiges wird im Display an der Tür angezeigt. Ein vollbesetzter ICE hat bis zu 750 Sitzplätze und noch einmal soviel Stehplätze. Im schlimmsten Fall warten Sie, bis Mutti und Papi, Kreti und Pleti sowie alle Schrankkoffer und Kinderwagen vor Ihnen auf der Rolltreppe sind - und das kann dauern.

Ein Hinweis zum Abschluss:

Täglich nutzen rd. 400.000 Fahrgäste sicher und komfortabel den Fernverkehr der Deutschen Bahn. Ein friedliches, verantwortungsvolles Miteinander ist Grundvoraussetzung für geteilte Mobilität, attraktive Möglichkeiten und die Schonung von Ressourcen. Dies möchte ich als ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bahn ausdrücklich betonen.

Dieser Beitrag spitzt zugleich persönliche Erfahrungen aus 6 Monaten nahezu täglicher Nutzung des Fernverkehrs der Deutschen Bahn wider. Er basiert auf zahlreichen, z. T. sich wiederholenden Erfahrungen und pointiert als persönlicher Meinungsbeitrag die Schattenseiten zweifelhaften Verhaltens kritisierenswerter Zeitgenossen*innen.

Für alle empörten Schnäppchenjäger*innen mit Lidl- oder Maxdome-Ticket darf ich eine persönliche Empfehlung geben, die jeglichen Ärger von vornherein vermeidet: Eine Reservierung im ICE der Deutschen Bahn kostet 4,50 € und erspart, ausdrücklich als reserviert ausgeschilderte Bahn Comfort-Plätze unfreiwillig wieder verlassen zu müssen. Ein kleiner Hinweis zur Schonung der eigenen Nerven.





 Hamburg Digital Background: 

Die Deutsche Bahn setzt für ihre gut 380.000 Fahrgäste im Fernverkehr mehr als 260 ICEs durch die Tochter DB Fernverkehr ein. DB Station & Service bewirtschaftet dazu rd. 180 ICE-Bahnhöfe in ganz Deutschland. Dazu kommen ab Juni d. J. insgesamt 9 Züge der jüngsten Baureihe 412. Künftig soll die IC-Strecke Hamburg-Köln als ICE-Strecke aufgewertet und mit den neuesten Zügen bedient werden. Die Zahl der ICE 4 steigt in den kommenden Jahren auf rd. 120 Züge an. Bis 2030 plant die DB AG insgesamt 12 Mrd. € in die Modernisierung und den Ausbau ihrer Fahrzeugflotte zu investieren.

HANSECHAMPION A. W. Niemeyer: "Wir wollen die Welt."

www.hansevalley.de


HAMBURG DIGITAL REPORT

"A. W. Niemeyer sticht mit Digitalisierungsexperte Hanse Ventures in See." Die gemeinsame Pressemitteilung sorgte am 18. Januar d. J. an Alster und Elbe für lebhafte Diskussionen: Der Hamburger Traditionshändler für Bootbsbedarf beteiligt den Hamburger Company Builder mit 30% an seinem Geschäft - und holt sich mit den Online-Experten um Jochen Maaß und Tobias Seikel die Digital-Expertise ins Haus.


Traditionshändler vor der Digitalisierung: A. W. Niemeyer
Foto: HANSEVALLEY

Was hat ein Familienbetrieb aus dem Jahr 1745 mit einer Online-Company aus dem Jahr 2010 vor? Was plant ein Einzelhändler mit 13 Filialen in der DACH-Region mit dem Company-Builder von hausgold.de, geschenke.de und pflege.de? Wie werden die 140 Mitarbeiter in Einkauf, Marketing und Verkauf am Holstenkamp fit gemacht durch 30 Digital-Experten vom Sandtorkai? Ein Hamburg Digital Report:

Ein kalter Dienstag-Nachmittag im verschneiten Februar: Hamburg-Bahrenfeld, im Gewerbegebiet am Holstenkamp. In Europas größtem Wassersport-Geschäft ist man auf die Saison vorbereitet. Auf 2.000 qm findet der Bootseigner alles, was er fürs Hobby braucht: von Deckausrüstung bis zu Sicherheitsausstattung, vom Kajütenkomfort bis zur Hochseekleidung. Ein Hamburger Stammkunde steht an der Kasse. Der langjährige AWN-Kunde lebt in Russland, kauft Bootsfarbe für 1.300,- €. Die 500,- €-Scheine gehen über den Tresen. Neben der Kasse liegt der jährliche Katalog des Sportbootausrüsters.


Hält das Ruder bei "AWN" fest im Griff: Geschäftsführer Christian Hofmann
Foto: A. W. Niemeyer
528 Seiten ist der "AWN"-Katalog dick. 250.000 Exemplare druckt der Hamburger Händler jedes Jahr zum Saison-Auftakt mit der "Boot" in Düsseldorf. Der Ausstatter hat mit 22.000 Artikeln "Alles an Bord". Gegründet als Eisenwaren-Händler für die Schifffahrt, großgeworden als Schiffsausrüster für Berufsschifffahrt - von Container- bis zu Kreuzfahrtschiffen. Das Familienunternehmen vom Rödingsmarkt wechselt nach dem Krieg in die Sportschifffahrt. 76% erwirtschaftete eines der ältesten Hamburger Handelskäuser im vergangenen Jahr nach wie vor im Filialgeschäft. 300.000 potenzielle Kunden gibt es allein in Deutschland.

Digitales: "Da wird viel passieren in den nächsten 5 Jahren"

"AWN" ist Platzhirsch unter den stationären Händlern. Mehrere hundert Lieferanten sorgen fürs Geschäft, dazu ein eigene B2B-Sparte mit Takelei, Wartungsstation und Spezialreinigung. Seit 4 Jahren leitet Christian Hofmann das Unternehmen, ist mit 10% am Unternehmen beteiligt. Im 1. Stock der Zentrale sitzt ein hellwacher Vertriebsexperte am Ruder. Er spricht offen über die Herausforderungen: 1998 startete Niemeyer mit einem ersten Online-Shop, stellte 15.000 Artikel ins Netz. Doch der Fokus liegt auf Filialexpansion in Deutschland, später auch in Österreich und der Schweiz. Zu den wichtigsten Standorten zählen, Hamburg, Kiel und Berlin - dem größten Wassersportzentrum Deutschlands.


Stationärer Marktführer unter den Bootsausstattern: "AWN"
Foto: HANSEVALLEY
Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Dilemma: 76% seines Geschäfts macht A. W. Niemeyer in den Filialen, 10% gehen via Katalog über den Ladentisch, 14% machen die Online-Shops aus - seit 2014 mit 22.000 Produkten im neu gelaunchten Online-Shop und der 2016 forcierten Internationalisierung in die Niederlande, nach Dänemark, Schweden und Polen, nach Frankreich, Spanien und Italien. Dazu kommt seit 2017 die Präsenz auf Marktplätzen, wie Amazon und Ebay. Aus dem 4.000 qm großen Zentrallager in Hamburg werden im Jahr rd. 80.000 Pakete verschickt. 

Online-Handel: "Ein großer Wandel wie vor 70 Jahren"

So richtig online ist der Schiffsausrüster trotz zweistelligem Wachstum dennoch nur bedingt. Zum digitalen Wandel bringt der 47-jährige Geschäftsführer und Vater dreier Kinder auf den Punkt: "Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem", und ergänzt: "Wie saßen selbst 3 Jahre darin." Über 2 Jahre suchte man einen "Online-Star", der "AWN" zu einem Raketenstart im E-Commerce verhilft - vergeblich. Langsam öffnet sich der Vorhang zur Partnerschaft zwischen Bootsausrüster und Digitalexperten. Der Vater u. a. zweier motorsportbegeisterter Söhne gibt zu: "Es ist uns nicht gelungen, schnell genug online zu wachsen, um daraus ein Gesamtwachstum herzustellen." 


Europas größter Bootsshop auf 2.000 qm am Holstenkamp.
Foto: HANSEVALLEY
Zu langsam und zu zögerlich, könnte man die Entwicklung zusammenfassen. Christian Hofmann geht noch weiter, legt das Negativbeispiel des in Konkurs geratenen amerikanischen Spielzeugriesen "Toys'R'Us" auf den Tisch. Seit 2014 stagniert das Gesamtgeschäft, im vergangenen Jahr wurden 2 schwächere Filialen abgeschlossen. Wettbewerber "SVB" aus Bremen ist Vorreiter beim Internet-Handel, Konkurrent "Compass24" aus Ascheberg führend als Katalog-Versender. "AWN" ist der stationäre Platzhirsch mit der Herausforderung, online Wachstum zu generieren.

Hanse Ventures? "Die haben alle schon geliefert!"

In mehr als 100 Länder liefert Niemeyer bereits, betreut seine Kunden in 8 Sprachen. "Wir wissen schon, wie das geht", bekräftigt Hofmann im Interview, und ergänzt: "Wir sind seit vielen Jahren Versandhändler." Die Schlüsselfrage für das von Amadeus Wilhelm Niemeyer 1745 gegründete Unternehmen lautet: 'Wo wollen wir hin?' Mit dem bislang einmaligen Schritt der Beteiligung dürfte "AWN" einen cleveren Schachzug machen. "Es geht um die Experise von Hanse Ventures", fasst Hofmann fast bescheiden zusammen. Die gemeinsame Vision der Hamburger Partner ist, "den Online-Umsatz stark auszubauen". 


4.000 qm Paletten- und Kleinteilelager in Bahrenfeld.
Foto: A. W. Niemeyer
10 Mann kümmern sich in Bahrenfeld bislang um 12 Shops plus Marktplätze. Dazu gehören Redakteure und Native-Speaker für den Content, Marketer und Customer Care-Mitarbeiter für das internationale Geschäft. Hanse Ventures baut eine eigene Digital-Unit mit CEO für das Online-Business, mit E-Commerce-Leiter, SEO- und SEA-Spezialisten, mit BI- und CRM-Experten sowie eigener Social Media Expertise auf - wie ein Startup. Das Team aus 30 Hanse Ventures-Experten wird in einem halben Jahr durch eigene Digitalexperten abgelöst. Hofmann unterstreicht das Besondere an dem Deal: "Wir konnten am nächsten Tag starten." So kann die Markterschließung national und international parallel skalieren.

Christian Hofmann: "Digitalisierung beginnt im Kopf"


Im nächsten Schritt plant der pfiffige Geschäftsführer, die Prozesse zu digitalisieren. Mehrere Mitarbeiter sind im Einkauf tätig, zuständig für Disponieren und Einlagern von 22.000 Artikeln. "Im Tagesgeschäft kommt es zu kurz, sich die Prozesse anzuschauen"; weiß der Geschäftsführer. Sein Wunsch: die bestmöglichen Prozesse definieren, daraus Exzellenz im Betriebsablauf ermöglichen und weitere Einkaufsvorteile entwickeln. Selbstkritisch gibt Hofmann zu bedenken: "Es gibt Mitarbeiter, die machen es so, wie sie es machen - auch wenn sie es nicht effizient machen." Digitalisierung beginnt für den Macher im Kopf. 


Flaggschifffiliale, Zentrallager und Unternehmenssitz von AWN.
Foto: HANSEVALLEY
Einkauf, Logistik, Buchhaltung  - "was machen wir falsch?" fragt Hofmann, und schiebt hinterher: "der Business-Case hat ambitionierte Ziele." Das Statement lässt ahnen, was zwischen Hanse Ventures und A. W. Niemeyer vereinbart wurde. "Man kann nicht radikaler vorgehen", gibt der Unternehmer zu Protokoll. Für einen der größten Boots- und Yachtausstatter Europas geht es um nicht weniger, als die Zukunft - im Umfeld eines sich konsolidierenden stationären Einzelhandels. Eine spannende Entwicklung zweier ambitionierter Hamburger Unternehmen - für uns ganz klar HANSECHAMPIONS.



 Hamburg Digital Background: 

Pressemitteilung Hanse Ventures:
hwww.presseportal.de/pm/80173/3835683

A. W. Niemeyer im Überblick:
www.awn.de/ueber-awn/

Hanse Ventures im Überblick:
www.hanseventures.com/hv-team/

Sonntag, 18. März 2018

HANSESTATEMENT: Peter's Hamburg - Hafenfolklore oder Hightechmetropole?

HAMBURG DIGITAL STATEMENT

Alles beim Alten? Oder Aufbruch in die Zukunft? Die regierende SPD steht 23 Monate vor der Bürgerschaftswahl mit 28% bei der Sonntagsfrage mit dem Rücken zur Wand. Hamburgs neuer Erster Bürgermeister Peter Tschentscher will wie Olaf Scholz weiter "ordentlich regieren". Hamburgs Grüne Bürgermeisterin erklärt, die "Karten neu zu mischen". CDU und FDP sehen Tschenscher nicht als Impulsgeber, sondern als "Notlösung", kritisieren das "Weiter so" einer "Scholz-Imitation".


Hamburgs neuer Erster Bürgermeiter: Peter Tschentscher
Foto: Bina Engel

Mit dem Umbau im Senat hat die rot-grüne Koalition die Chance, in den Schlüsselthemen Wirtschaft und Innovation die Grundlage für den kommenden Wahlkampf zu legen. Denn in der Wirtschaftsbehörde BWVI wechselt der zuständige Staatsrat Rolf Bösinger mit Olaf Scholz nach Berlin. Dreh- und Angelpunkt ist das "Hafenamt". Hier liegt die Keimzelle für Hamburg mit "Hafenfolklore" oder als "Hightechmetropole". Ein Hamburg Digital Statement:

Am Mittwoch dieser Woche wurde Olaf Scholz zum neuen Finanzminister der Bundesrepublik gewählt. Der Vizekanzler wird mit seinem Wechsel an die Spree zwei Staatsräte aus dem Hamburger Senat mit nach Berlin nehmen: Wolfgang Schmidt aus der Senatskanzlei und Dr. Rolf Bösinger aus der Wirtschaftsbehörde. Die engsten Vertrauten des SPD-Vizevorsitzenden aus dessen Berliner und Hamburger Zeiten werden als Staatssekretäre im Finanzministerium das "Vizekanzleramt" leiten und die SPD-geführten Bundesministerien koordinieren - und damit die Hamburger Führungsrolle mit den bislang bereits abgestimmten SPD-Bundesländern ausbauen.


Dr. Rolf Bösinger beim Workshop des Digital Hub Logistics.
Foto: HNASEVALLEY
Mit Rolf Bösinger verlässt einer der engsten Vertrauten von Olaf Scholz die Freie und Hansestadt in Richtung Spreemetropole. Der 52-jährige Wirtschaftswissenschaftler aus dem Schwarzwald war unter SPD-Generalsekretär Scholz vom 2002 bis 2004 dessen Abteilungsleiter Politik im Berliner Wiliy-Brandt-Haus. 2012 bis 2015 leitete der Finanzexperte den Planungsstab in der Senatskanzlei. Mit Erweiterung der Wirtschaftsbehörde BWVI um den Bereich Innovation übernahm Rolf Bösinger in der 2. Amtszeit der rot-grünen Koalition als Staatsrat das Schlüsselressort Wirtschaft und Innovation unter Senator Frank Horch.


Dr. Torsten Seveke
Foto: BA Eimsbüttel
Interne oder externe Lösung der BWVI?

Die entscheidende Frage für Hamburgs wirtschaftliche Zukunft lautet: 

Wer wird als künftiger Staatsrat in der BWVI am Alten Steinweg die wichtigen Ämter für Wirtschaftsförderung (W), Hafen und Innovation (I) sowie Recht (R) übernehmen?  

Eine besondere Rolle dürfte dabei dem traditionell starken "Hafenamt" von Amtsleiter und SPD-Mann Torsten Seveke zukommen, der nach 6 Jahren als Bezirksamtsleiter im Heimatbezirk Eimsbüttel am 1. Oktober 2016 an die Spitze des einflussreichen Ressorts kam. Dem 55-jährigen Juristen werden nicht nur vom Abendblatt Ambitionen auf mehr nachgesagt.

Das "Amt I" gilt innerhalb der Wirtschaftsbehörde eines der größten und wichtigsten Ressorts zu sein. Hier sind die Themen Hafen, Schifffahrt und Logistik, Mittelstand und Wirtschaftsförderung, Firmenansiedlungen, Forschungs- und Innovationsparks sowie Clusterinitiativen und die Startupförderung verortet. Damit steht und fällt die erfolgreiche Entwicklung der Wirtschaft an Alster und Elbe maßgeblich in diesem Amt. Und das ist die Bandbreite im Überblick:
  • mit dem einfiußreichen Hafenamt, mit Schiffahrt (HPA), Kreuzfahrt (HCC), intermodaler Logistik (HHLA) und Hafen-Vermarktung (HHM)
  • mit den Cluster-Initiativen als Teil der Innovations-Strategie, u. a. für Martime Wirtschaft (MCN), Logistik (LIHH) und Luftfahrt (HA)
  • mit dem Digital Hub Logistics Hamburg bei der Logistik-Initative (LIHH) im Rahmen der DE Hub-Initiative von Bitkom und Bundeswirtschaftsministerium 

Mit der Dialogplattform Industrie 4.0, dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 und dem 3D-Druck-Netzwerk Hamburg hat die Wirtschaftsbehörde und das zuständige Amt die entscheidenden Industriethemen adressiert, Plattformen geholfen aufzubauen und praktische Projekte möglich gemacht. Darüber liegt die politische Entscheidung mit Kammern, Verbänden und Gewerkschaften, den Masterplan Industrie für den Produktionsstandort Hamburg um Industrie 4.0 und 3D-Druck zu erweitern. Richtig so.

Als kritischer Beobachter gehört zugleich die Frage in den Raum: 

Reicht das Hamburger Engagement aus, um den internationalen Industrie- und Dienstleistungsstandort mit Flugzeug- und Schiffbau, Maschinen- und Anlagenbau, produzierender und verarbeitender Industrie, mit Luft- und Schifffahrt sowie Transport und Logistik in stürmischen Zeiten wetterfest zu machen? 

Hamburgs Zukunft auf dem Land oder auf dem Wasser?


Klaus von Dohnanyi beim IT Executive Club
Foto: HANSEVALLEY
"Es ist wichtig, aber es genügt nicht für die Zukunft Hamburgs, zu wissen, wie die Häfen der Welt ausgebaut werden. Die Hamburger Wirtschaft und die Hamburger Politik müssen künftig ihre Aufmerksamkeit wesentlich stärker auf das Konkurrenzverhalten der wichtigen Industriezentren der Bundesrepublik und Europas ausrichten."

Hamburgs Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi bringt am 29. November 1983 bei seiner ersten Rede im Übersee-Club am Neuen Jungfernstieg auf den Punkt, mit wem der drittgrößte Wirtschaftsstandort Deutschlands konkurriert. 35 Jahre später wiederholt Hamburgs Visionär im Interview mit HANSEVALLEY:

"Die Zukunft Hamburgs liegt auf dem Land und nicht auf dem Wasser."

Olaf Scholz hat mit seiner Grundsatzrede zum Wissenschaftsstandort im Norden, zu Spitzenforschung, Exzellenzinitiativen, Technologietransfer und Digitalisierung vor dem Übersee-Club am 28. November vergangenen Jahres klar gemacht, worauf es für die Freie und Hansestadt in den kommenden Jahren ankommen wird:

"Hamburg hat erst relativ spät verstanden, dass ein starker Wissenschaftsstandort für eine moderne, internationale Metropole kein schmückendes Beiwerk ist, sondern die Voraussetzung für Innovation, Wirtschaftswachstum und die Lösung globaler Herausforderungen." 


Olaf Scholz bei der Eröffnung des "HIP" von Philips und TK.
Foto: HANSEVALLEY
Dahinter steht die von Hamburgs erstem Mann unermüdlich wiederholte Aufforderung an Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die Digitalisierung nicht nur als Lippenbekenntnis in Sonntagsreden zu erwähnen. Olaf Scholz gibt am 2. Mai '16 vor der Universitätsgesellschaft zu Protokoll:

"Die „Digitalisierung der großen Stadt“ ... ist kein Wettbewerb um die abgefahrensten Zukunftsvisionen, es ist ein ganz realistisches Projekt für die Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt. Ein Projekt, das alle Bereiche des Lebens, Arbeitens und Lernens durchdringt und in einer Vielzahl konkreter Schritte vollzogen wird."

Hamburger bisherige Wirtschaftscluster
Grafik: BWVI
Wenn die bisherigen Anstrengungen in Innovationsmanagement, Wirtschaftsförderung und Startupsupport für die Zukunft Hamburgs nicht mehr ausreichen, wie sollten sie dann in der Zukunft aussehen? 


Hamburgs neuer Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Wirtschaftssenator Frank Horch sind gefragt, dem neuen Staatsrat und seinem Amt für Hafen und Innovation die Richtung zu weisen, um die bislang unterentwickelte Dynamik zu entfalten.

Konkurrenzfähigkeit über Harburgs Stadtgrenzen hinaus

Die Fokussierung auf lokale Maßnahmen bis zu Harburgs Stadtgrenzen, eine bekannte "Gieskannenförderung" von altvertrauten Subventionsjägern zur Sicherung kaum zukunftsfähiger Konzepte und die "Klumpenbildung" in bestimmten Clustern und Cross-Clustern könnten unter einem neuen Staatsrat durch eine weitsichtige, fokussierte und wirkungsvolle Förderpolitik neu justiert werden - eine Chance für Torsten Seveke, sich für die kommende Bürgerschaftswahl zu profilieren.

Klaus von Dohnanyi sagt im Exklusiv-Interview mit HANSEVALLEY:

"... Transport, Logistik und Handel werden durch Digitalisierung und die Globalisierung im Kern getroffen. Hamburg braucht ein zweites Standbein. Deswegen glaube ich machen wir einen Fehler, indem wir die Bedeutung eines Wissenschaftsstandortes Hamburg noch immer unterschätzen."

Die Fokussierung auf Forschung und Lehre, auf Exzellenz und Digitalisierung ist kein Freifahrtsschein für Harburger Antragschreiber, ihre schwarzen Löcher zu stopfen. Es ist die Einladung, eine praxisorienterte HAW und eine breitgefächerte Uni Hamburg ebenso in den Mittelpunkt zu stellen, wie exzellente Privathochschulen - von Bucerius Law und Hamburg Business School bis zur Kühne Logistics University. Alles andere endet in Hafenfolklore.

 Hamburg Digital Background: 

Scholz holt engste Vertraute ins Finanzministerium:
www.welt.de/politik/deutschland/article174515301/Kuenftiger-Finanzminister-Olaf-Scholz-SPD-holt-engste-Vertraute-ins-Ressort.html

Interview mit Peter Tschentscher in "Bild Hamburg":
www.bild.de/regional/hamburg/hamburg/hier-spricht-hamburgs-neuer-chef-55063834.bild.html

Torsten Sevekes im "Hamburger Abendblatt":
www.abendblatt.de/hamburg/eimsbuettel/article207693043/Torsten-Seveckes-Wechsel-stoesst-nicht-nur-auf-Zustimmung.html

Amt Hafen und Innovation in der BWVI:
www.hamburg.de/bwvi/amt-i/

Grundsatzrede Olaf Scholz, 28.11.2017, Übersee-Club:
hwww.olafscholz.de/main/pages/index/p/5/3231