Mittwoch, 8. August 2018

HANSESTARTUPS: Gruenderschnack & 1.000 Gründe, warum man gründen sollte.

HAMBURG STARTUP REPORT

Zwei Millionenstädte, zwei Startupzentren, zwei Gründerszenen. Die Hauptstadt und die Freie und Hansestadt sind Hochburgen für Firmengründungen und Jungunternehmen. Von Freiberuflern über Kreativagenturen bis zu Techstartups - Berlin und Hamburg buhlen mit Beratung, Finanzierung und Netzwerken um den Wirtschaftsnachwuchs. Die Bürgermeister und Chefs der Förderbanken rühmen sich mit den jüngsten KfW-Zahlen. Doch wie sieht es im harten Alltag der Gründer aus? 


Pemiere des "Günderschnacks" im Mindspace am Rödingsmarkt.
Foto: Gruenderschnack

Marius Eschen und Paulo Kalkhake sind im besten Gründeralter. Die beiden Young Professionals der HPA sind nah dran an neuen Ideen, technischen Möglichkeiten und gründungswilligen Freunden in ihrer Hood. Doch im bescheidenen Hamburg redet man nicht gern über eigene Pläne, steinige Wege und kritische Herausforderungen. Mit ihrem "Gruenderschnack" wollen sie das ändern - und treffen den Nerv der Szene. Ein Hamburg Startup Report:

Rekordsommer 2018, der letzte Juliabend, im Mindspace am Rödingsmarkt. Die beiden Vorstandsassistenten Marius und Paulo laden zum "Gruenderschnack" - mitten im Allwetterhoch, mitten in den Sommerferien. Womit keiner rechnen kann: Mit gut 30 Gästen ist die Premiere des jungen Gründertalks im Digital Hub Logistics Hamburg mehr als gut besucht. Eiskaltes Bier und Schöfferhofer Weizen sorgen für Abkühlung vor einem spannenden Abend mit Geschichten, die nur Gründer schreiben.


Marius Eschen und Paulo Kalkhake bei Ihrer Premiere im Mindspace.
Foto: HANSEVALLEY

Es ist der Beginn von etwas Neuem und der Abschied des Digital Hub Logistics nach einem Jahr im gemütlichen Mindspace. Gemeinsam lassen die Organisatoren des "Gruenderschnacks" und des Digital Hubs Logistics die blaue Stunde zu einem gelungenen Abend werden. "Es ist unser Baustein, zu gründen", ist Paulo stolz auf die Entscheidung, einfach mal ein neues Event auszuprobieren. Natürlich: Es gibt Gründerwettbewerbe und Pitchcontests, Fraueninitiativen und Foodmessen. Doch ein Event mit den Geschichten hinter den Geschichten, das macht auch uns neugierig.

Das wahre Gründerleben: Menschen, Bilder, Emotionen.

Es soll ein Abend werden, an dem Gründer im Mittelpunkt stehen, nicht Produkte oder die Suche nach Geld. Es soll ein Abend werden, auf dem man Vorbilder treffen und offen fragen kann. Das Ganze ist branchenübergreifend, grenzt nicht auf Lieblingsthemen von Food bis Fahrradanhängern ein. Ambitionierte Jungunternehmer sollen dabei genauso zu Wort kommen, wie erfahrene Seriengründer, frühphasige Startupper ebenso eine Bühne haben, wie gemachte Unicorns. Im Mittelpunkt: Ungeschminkte Gründer, realistische Bilder, spannende Geschichten und die Achterbahnfahrt auf dem Weg zum eigenen Unternehmen.


Volles Haus für Hamburgs spannende Gründergeschichten.
Foto: Gruenderschnack

Das Premierenthema des "Gruenderschnacks" lautet: "Gibt es ein Gründer-Gen?". So unterschiedlich die Antworten der Speaker des sommerlichen Abends sind, so unterschiedlich sind die Geschichten der Gründer auf der Bühne im 2. Stock des Klöpperhauses am Rödingsmarkt. Bei der Premiere sind u. a. mit dabei Otto Klemke, Mitgründer des Hamburger B2B-Startups NautilusLog aus dem Digital Hub Logisitics Hamburg und Stefan Kisker, Gründer der Bielefelder Internetagentur Comspace und Supporter von Bertelsmanns "Founders Foundation". 

Otto Klemke, NautilusLog: "Learn to fail and to fly"

Der frisch verheiratete NautilusLog-Gründer Otto Klemke macht den Anfang. Der Medieninformatiker berichtet über seine Unternehmerfamilie in 3. Generation. Mit persönlichen Einblicken in die vergangenen rd. 10 Jahre bietet der 35-Jährige ganz praktische Tipps und Tricks, als Gründer durch den Alltag zu kommen. Gleich zu Anfang geht es an den täglichen Workload, lädt er ein, dass zu verändern, was einen stört und Dinge für sich auszuprobieren. Sicher keine neuen Erkenntnisse, aber persönliche Erfahrungen, die einen Moment des inne Haltens ermöglichen.


NautilusLog-Gründer Otto Klemke berichtet über seinen Weg.
Foto: HANSEVALLEY

Mit den Erfahrungen seines zweiten Unternehmens gibt er den zumeist jungen Zuhörern im "Gruenderschnack" mit auf den Weg, sein Ding zu machen. "Wir haben bei unserem ersten Unternehmen Securizon immer nur Projekte gemacht, die uns Spaß machen". So stammt die Tinitus-App "Tinitracks" aus ihren Computern. Und der sympathische Jungunternehmer fordert uns auf, neugierig auf Neues zu sein und Fragen zu stellen - ohne Berührungsängste. So kamen Bruder Moritz - Schifffahrtsexperte und HSBA-Absolvent - und Otto auf die Digitalisierung des guten alten Logbuchs an Board der Schiffe. 

Heute gehört NautilusLog mit seiner Logbuch-App als Sieger der Hamburg Innovation Awards und des Pitch Blue 2018 zu den Shootingstars der Hamburger Startupszene. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die beiden Brüder, ihr Vater und vertraute Entwickler Hand in Hand arbeiten. Otto gibt uns zu guter Letzt den guten Rat mit, nach Möglichkeit mit Leuten zusammenzuarbeiten, die den selben Spirit haben, wie man selbst. Dem können die gut 30 Gäste des Premierenabends nur zustimmen.

Zwischen Unternehmertum, Kyten, Golfen und Biertrinken.

Als Kontrast berichtet der 44-jährige Diplom-Informatiker Stefan Kisker von seiner Journey als Jungunternehmer und Startupberater. 2002 gründete er zusammen mit Freunden die Bielefelder Internetagentur Comspace. Seitdem durchlebte der 2-fache Familienvater in den vergangenen mehr als 15 Jahren alle Höhen und Tiefen der Selbstständigkeit. Seit 1995 selbstständig, wechselte er nicht nur vor der erfolgreichen Agentur zur Beratung des Gründernachwuchses im Auftrag von Bertelsmann. In seinen 19 Jahren beruflicher Laufbahn war der nimmer müde Techi gerade einmal 14 Monate fest angestellt, wie aktuell für die Bertelsmann-Contenttochter Territorry. 


Ein spannendes Leben im Unternehmertum: Stefan Küster
Foto: Gruenderschnack

Die Ursprünge seines größten Erfolgs Comspace liegen in einer Studentenkneipe, auf einem Bierdeckel und in der Idee, Sportergebnisse des heimischen Vereins im Internet zu veröffentlichen. 2002 wurde daraus die Internetagentur, doch es sprangen zahlreiche Kumpel aus der Studienzeit ab. Erst 2005 etablierte sich Comspace als technischer Dienstleister für Kreativagenturen - bis zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. 2012 entscheidet sich der Unternehmer für eine Auszeit - und für Kyten, Golfen und Biertrinken. Doch schon ein Jahr später heuert er bei der "Founders Foundation" an, beginnt, Startups zu beraten.

Stefan Kisker, Comspace: "Gründen ist eine Achterbahnfahrt"

"Wenn man Gründer ist, hat man eine andere Geschwindigkeit, als ein Angestellter", fasst der gebürtige und überzeugte Bielefelder zusammen. Seine guten Tipps sind so einfach wie komplex, so hoffnungsvoll wie verängstigend. "Gründen ist einfach", fasst er zusammen, und ergänzt "Gründen ist kompliziert", besonders wenn es um das passende Team, den eigenen Vertrieb und künftige Investoren geht. Auf die Leitfrage des Abends nach dem Gründer-Gen antwortet der sympathische Profi: "Gründer ist man, oder nicht. Entweder, man will es, oder nicht." 


Organisatoren Marius (li) und Paulo (re) mit Stefan aus Bielefeld
Foto: HANSEVALLEY

Der erfahrene Unternehmer empfiehlt, lieber früher als später zu gründen - bevor man mit einem "Rucksack" voller Verantwortung unterwegs ist, wie Frau, Freundin oder Eigenheim. Als gutgemeinte Warnung gibt er den Gästen des "Gruenderschnacks" mit: "Augen auf bei den Mitgesellschaftern", denn die wird man so leicht nicht wieder los. Bei der Finanzierung empfiehlt er klar Business Angel - und anfangs eher keine Bank. Ein Schlüsselsatz von Stefan Kisker ist sicherlich die Feststellung: "Gründen ist eine Achterbahnfahrt - auch im Stundentakt." 

Fazit des 1. "Gruenderschnacks": Gründen ist das Beste.

Schließlich trichtert der Informatiker den Besuchern des Mindspace ein, seine Idee sofort und ständig zu validieren, zu validieren und ... zu validieren. "Es gibt nichts Wichtigeres. Guckt, ob die Idee funktioniert", schreibt der Unternehmer mit fast 20 Jahren Berufserfahrung allen ins Stammbuch. Dabei sollte man auf tolle Features besser verzichten. Zu guter Letzt bestätigt Stefan, das Gründen ein wertvolles Netzwerk bringt, sei es durch die Zeit in Inkubatoren, Acceleratoren, auf Contests und Networkngsevents. Und durchs Gründen macht man wertvolle Erfahrungen fürs Leben. So ist es kein Wunder, dass der Senior unter den Referenten des Abends zusammenfassend feststellt: "Gründen ist das Beste."


Hamburgs neuer Treffpunkt für Gründer: Der Gruenderschnack
Foto: HANSEVALLEY

Etwa alle 2 Monate wollen Marius und Paulo von nun an die Türen des "Gruenderschnacks" öffnen, an unterschiedlichen Orten der Stadt jeweils 3 spannende Geschichten aus der Gründerszene Hamburgs erzählen lassen. So dürfen wir uns nach den Sommerferien am 19. Oktober freuen - mit Open-minded Menschen aus Hamburg und der Region, die unsere Stadt mit Mut und Engagement nach vorn bringen. Karl-Heinz Piotrowski vom Digital Hub Logistics bringt dazu treffend auf den Punkt: "Ich wünsche mir eine Veranstaltungsreihe, die vielen Gründern Inspirationen bringt und Spaß macht." Dem ist nichts hinzuzufügen.

HANSEVALLEY unterstützt den GRUENDERSCHNACK als Medienpartner.

 Hamburg Startup Background: 

Gruenderschnack Hamburg:
www.gruenderschnack.de

Digital Hub Logistics Hamburg:
www.digitalhublogistics.hamburg/

Startup Unit von Hamburg Invest:
www.hamburg-invest.com/startup-unit/

Gründerförderung von IFB Hamburg:
https://innovationsstarter.com/

--

HANSESTARTUPS: NautilusLog - das digitale Logbuch aus dem Logistik-Hub:
https://hh.hansevalley.de/2018/05/hansestartups-nautluslog.html

HANSESTARTUPS: Hamburgs Logistik-Startups digitalisieren die Schifffahrt:
https://hh.hansevalley.de/2017/10/hansestartups-logistik-startups.html

HANSESTARTUPS - Das Hamburg Startup Magazin:
www.hansestartups.de

Donnerstag, 2. August 2018

HANSETECHTEST: Die Schmuddelkinder des E-Commerce - About You, Shoop & Co.

HAMBURG DIGITAL TECHTEST

Sie waren Handyhändler, Shishaverkäufer, Seriengründer und Eliteabsolventen. Sie sind Chefs bekannter Onlinevertriebe und Marketer. Sie alle haben ein Problem: Kundendienst ist für sie offensichtlich ein Fremdwort. Der schnelle Euro regiert ihren E-Commerce-Alltag. Dabei rutschen ihre Methoden schon mal ab ins "Fiese bis Miese": Die Macher von About You, Deltatecc, Shoop und Tink sind alles andere Hermes-Boten. Ihr Verhalten enttarnt sie eher als Schmuddelkinder des E-Commerce.


Wer online shoppt, kann was erleben, z. B. Angriffe auf Kunden.
Foto: HANSEVALLEY

Dieser HANSETECHTEST zeigt am Beispiel von Tarek Müller, Andreas Müller, Veit Mürz und Marius Lissautzki, was gar nicht geht: Schönreden, Abwimmeln, Pöbeln und sogar strafbares Shitstormen. Es sind persönliche Erfahrungen, die schriftlich belegt sind. Die Schmuddelkinder des E-Commerce im Hamburg Digital Techtest. Keine schönen Erlebnisse - aber eine Lektion, wo man nicht mehr kaufen will:



About You: Shitstorm jetzt gleich mitbestellen.

Tarek Müller, 29, Mitbegründer und Co-Geschäftsführer des Mode-Startups und Zalando-Klones About You aus der Hamburger Otto-Familie. Tarek Müller ist Vorzeige-Ägypter mit Rastalocken, Ex-Shisha-Verkäufer und Selfmade-Techi. Der schöne PR-Schein des vermeintlichen E-Commerce-Lieblings hat jedoch deutliche Risse. Der Vorzeige-Unternehmer hat die hässliche Fratze eines Shitstorm-Anheizers gezeigt, der keinerlei Hemmungen hat, öffentlich über Kunden und Journalisten herzuziehen, z. B. in einem von dem für seine öffentlichen Ausfälle bekannten Nico Lumma. Müller beteiligt sich ohne mit der Wimper zu zucken an Lynchjustiz in Social Media Kanälen.

"Nicht nachvollziehbar, bei wem die Sendung abgegeben wurde"

Zum Sachverhalt: About You-Pressesprecherin Muschda Sherzada bekommt von mir eine Stellungnahme des konzerneigenen Paketdienstes Hermes zugeschickt, verbunden mit der Aufforderung der umgehenden Lösung des Problems. Hintergrund: Die Paketgötter erklärten ihren Bankrott nicht zu wissen, wo meine About You-Lieferung geblieben war. Die heutige "Leiterin Unternehmenskommunikation" schwieg - eisern. Nachdem sich das Paket dank eigener Recherchen wieder auffand, stänkerte die Junior-PRlerin, "die Katastrophe" sei somit ja "in Bearbeitung". Der Fall ging in die Konzern-Kommunikation zu Klärung.

Otto Group Werte? Fairness, Transparenz und Partnerschaft?

Bis heute hat Müller seine Shitstorm-Attacke weder bereut, den Auslöser seines öffentlichen Fehltritts erklärt, noch versucht sich zu entschuldigen und den Vorfall zu erklären. Statt dessen versucht die Otto-Pressestelle den Fall weiterhin als persönliche Angelegenheit herunterzuspielen. Der verantwortliche Manager des bis heute mehrheitlich in Besitz von Otto Group und Familie Otto befindlichen Startups verstößt weiter gegen die konzerneigenen Werte. Ein Armutszeugnis, dass weder mit Alter noch Herkunft zu entschuldigen ist, dafür aber ein schlechtes Licht auf den ganzen Konzern wirft.

Bewertung: Vertrauensbruch der Kundenbeziehung, Öffentliche Kritik an Kunden, Herabsetzung von Journalisten, Teilnahme an Rufmordkampagne, Uneinsichtigkeit des Fehlverhaltens.




Deltatecc: Vertraulichkeit ist uns scheißegal.

Andreas Müller ist Geschäftsführer des saarländischen E-Commerce-Händlers Deltatecc. Mit 500.000 Paketen im Jahr ist er eine Hausnummer auf Amazon, Check24, Ebay & Co. Mit mehr als 40 Mitarbeitern und gut 30 Mio. € Jahresumsatz gehört der Saarländer nicht - wie von ihm behauptet - zu den armen, kleinen KMU der Branche. Müller hat allerdings ein Problem: Seine Mitarbeiter wimmeln Endkunden rüde ab. Wird er dabei erwischt, verschickt er Kundendaten an einen bekannten Blogger, womöglich um Druck auszuüben und die Berichterstattung zu verhindern. Dabei sind ihm DSGVO und Datenschutzverträge egal.

Lieferprobleme: "Handelt sich nur um einen Ausnahmefall."

Zum Sachverhalt: Eine über Check24 bei Deltatecc georderte Sendung wird vom - Zitat Müller - Paketversender mit der "besten Performance" verschickt - den in Hamburg und Berlin besonders beliebten und bekannten Freunden von DHL. Das Problem: Die Post lässt das Paket eine geschlagene Woche in Zielpaketzentrum und Zustellfahrzeug verschimmeln. Der 1. Anruf beim Deltatecc-Service wird von einem unfreundlichen Mitarbeiter im Angriffsmodus mit Halbwahrheiten abgewimmelt. Eine Supporterin legt per E-Mail nach, Deltatecc sei niemals verantwortlich. Verständnis für die miese Lieferqualität? Keines.

"Vorbildliche Leistung" oder nur Selbstbeweihräucherung?

In einem Brief wimmelt Andreas Müller ab. Deltatecc habe eine "vorbildliche Leistung" erbracht, innerhalb einer Stunde die Sendung verpackt. Er nutze den "Branchenführer DHL", habe aber "keinen ausreichenden Durchgriff". Seine Mitarbeiter hätten keine Möglichkeit, die Lieferung zu beschleunigen oder weitergehende Auskünfte zu erteilen. Bei allem Eigenlob vergisst der so clevere Online-Händler fast schon so gut wie zufällig, dass es seine eigenen Mitarbeiter im Kundendienst sind, die systematisch Endkunden abwimmeln. Anscheinend fallen die (faulen) Äpfel nicht weit vom Stamm.

Bewertung: Vertrauensbruch der Kundenbeziehung, Unerlaubte Weitergabe von Kundendaten, Vertragsbruch gegenüber Marktplatzpartner Check24, Uneinsichtigkeit des Fehlverhaltens.



Shoop: Service mit moralischer Keule.

Veit Mürz ist ein Startupper, wie er im Buche steht: Wenn es um Umsatz geht, ist der Geschäftsführer des Cashback-Portals Shoop.de zur Stelle. Wenn es um Kundendienst geht, überlässt er dies überforderten oder zickenden Mitarbeiter/innen. Angestellte Silva schießt den Vogel ab: Meine Anfrage zur Cashback-Zahlung von Shoop-Partner Mister Spex nimmt sie persönlich: "Mit Deinen wiederholten Anfragen dieser Art verstößt Du gegen die Prinzipien der Fairness." Statt den Fall zu klären, greift sie mich als Kunden frontal an.

Supporterin Silvia: "Ich weise nochmals darauf hin, ...."

Zum Sachverhalt: Shoop bündelt im Auftrag von Händlern und Dienstleistern Einkäufe über Kampagnen und mit finanziellen Anreizen. Leider werden Zahlungen immer wieder verspätet oder gar nicht gebucht. User können über eine Nachbuchungsanfrage mit Bestell- oder Rechnungs-Nr. Korrekturen einreichen - mit unbestimmtem Ausgang. Nach Ablehnung eines Cashbacks für einen Brillenkauf wende ich mich an Mister Spex. Das Berliner Startup prüft die Affiliate-Prozesse, schmeißt die zuständige Agentur kurzerhand raus.

Gleich und Gleich: Berliner Startups Shoop und Mister Spex.

Das Shoop es mit Service nicht wirklich ernst meint, unterstreicht das Verhalten des Cashback-Anbieters: Geschäftsführer Veit Mürz spielt toter Käfer, wie die von ihm beauftragte PR-Agentur Markengold. Der Startup-Unternehmer reagiert erst auf Druck des Kunden Mister Spex, wiegelt zugleich ab, in Vorbereitungen zum Black Friday zu stehen. Auch Shoop-Partner Mister Spex bekleckert sich nicht mit Ruhm. Zwar verspricht Pressesprecherin Katharina Berlet mehrfach ein Gespräch, verschiebt dieses jedoch auf den Sanktnimmerleinstag. Ernsthaftes Interesse an einer Klärung? Fehlanzeige. 

Bewertung: Vertrauensbruch der Kundenbeziehung, Angriff auf den Endkunden auf moralischer Ebene, inakzeptable Kommunikation, Uneinsichtigkeit des Fehlverhaltens.




Tink: Die bösen Medien bashen uns.

Dr. Marius Lissautzki ist kein Dummer. Der WHU'ler unternimmt seine ersten Schritte bei Bertelsmann. Strategie und Operations sind sein Ding. Im Mai 2016 gründet er die Berliner Smart Home Handelsfirma - pardon: "Plattform" - Tink. Das erste Geld kommt - wen wundert's - von Rocket Internet. So w
eit, so promoviert. Leider vergisst der selbsternannte "David gegen Amazon & Co." bei aller smarten Strategie Kundendienst und Lieferqualität. Nach einem misslungenen Black Friday mit katastrophaler Lieferung sieht er sich per E-Mail als Opfer böser, "bashender Medien".

Lissautzki: "Ganz nah am Kunden und sehr guter Service"

Zum Sachverhalt: Lissautzki schiebt zum Black Friday Google Home Minis zum Kampfpreis von 25,- € in den Markt, beherrscht über Tage das Active Pricing auf Idealo & Co., kauft sich tausende an Smart Home interessierter Kundenkontakte ein. Leider verschickt er bei Paketbilligheimer DPD. Die Franzosen kutschieren das Paket inkl. Live-Tracking eine geschlagene Woche um den Häuserblock. Rückfrage beim Händler. Der ist telefonisch nie erreichbar, antwortet auch auf E-Mails nicht. Wer hätte denn auch zum Black Friday mit Active Pricing größere Kundenbestellungen erwarten können? Unser Dr. jedenfalls nicht ...

David gegen Amazon & Co: Kunden kaufen, Service sparen.

Tink will "Normalbürger für Connected Home über Beratung, eigenen Content und eigenes Testing begeistern". In seinem Startup arbeiten laut Website jedoch fast nur Online-Marketer. Im klärenden Telefonat gibt der clevere Kaufmann zu, keinen First Level Support für seinen E-Commerce zu haben, der standardisiert Kunden beruhigt. Auch wenn Tink sich nach erfolgreicher Eskalation um Ersatzlieferung und Telefonat bemüht - die Märchenstunde vom armen "David gegen Amazon & Co", der für uns nur das Beste will, war leider nicht besonders überzeugend. Und DPD ein Vollausfall.

Bewertung: Vertrauensbruch der Kundenbeziehung, Keine Kontaktmöglichkeit mit Kundendienst, Herunterspielen der eigenen unternehmerischen Verantwortung.

Der Kunde sitzt am längeren Hebel: 
Storno, Käuferschutz & Negativbewertung.

Wie kann man sich am Besten gegen Schmuddelkinder im deutschen Onlinehandel erfolgreich wehren? Ein befreundeter Onlinhändler aus Schleswig-Holstein gab mir nach dem aktuellen Vorfall mit Deltatecc eine Reihe guter Tipps. die ich gern weitergebe:

1. Annahme verweigern

Zickt der Verkäufer schon vor der Lieferung rum - z. B. bei Nachfragen zum Lieferstatus - hilft es, die Annahme der Sendung schlicht zu verweigern. Damit geht das Paket zurück, der Händler hat doppelte Versandkosten und muss den vollen Betrag aus dem nicht vollzogenen Kaufvertrag rückerstatten. Das kostet ihn richtig Geld.

2. Käuferschutz aktivieren

Verhält sich der Verkäufer entgegen seiner Versprechungen unfair, verweigert er Rücknahme oder Rückerstattung, schalten Sie die Plattform ein, über die er verkauft hat, z. B. Amazon, Check24 oder Ebay. Die Plattformen haben den längeren Hebel, da Sie das Geld mehrere Wochen zurückhalten. Das kann für den Händler schmerzhaft werden.

3. Negative Bewertungen

Nichts hassen Händler mehr, als eine eindeutig negative Beurteilung auf Grund ihres Verhaltens. Sie zieht die Reputation des Händlers runter und er verliert Kunden. Das betrifft sowohl Bewertungen auf den Plattformen, als auch durch Drittanbieter, wie Trusted Shop. Nutzen Sie ihr Recht und machen Sie anderen klar, wer das schwarze Schaf ist.

Abschließender Kommentar:

Die Kampf um den Endkunden in der digitalen Welt hat gerade erst begonnen. Smart Shopping per Sprachassistenten, wie Amazon Echo und Google Home, läuten eine neue Runde im Kampf um den Kunden ein. Dabei werden kleine Händler nur überleben, wenn Sie endlich beginnen, Kunden wirklich ernst zu nehmen. 

Tun sie dies nicht, landen noch mehr Umsätze auf den Plattformen, und dort sind Händler im schlimmsten Fall ein austauschbarer Lieferant mit schmerzenden Daumenschrauben. Die oben genannten Händler About You, Deltatecc und Tink mögen gut skalieren, ihre Kunden nehmen sie offensichtlich jedoch nicht ernst.

 Hamburg Digital Background: 

HANSETECHTEST: Die Freenet Hotspot-App - kost' fast gar nix - bringt auch nix! 
https://hh.hansevalley.de/2018/05/hansetechtest-freenet-hotspot-app.html

HANSETECHTEST: Aus dem Alltag eines BahnComfort-Kunden

HANSETECHTEST: Der Sparkasse neue Kleider: Die Yomo-App.

Freitag, 27. Juli 2018

HANSEGLOBAL: From Smart Moscow with Love.

MOSKAU DIGITAL REPORT

Mehr als 12 Millionen Einwohner aus über 130 Nationen, mehr als 2,5 Millionen Pendler und Besucher jeden Tag. 4 Mio. Fussball-Begeisterte kamen allein zum FIFA World Cup 2018, davon 2,5 Mio. aus aller Welt. Die Hauptstadt der Russischen Förderation ist mit gut 2.500 km² die Megacity Osteuropas. Bis 2025 erwartet der Innenminister der Metropole bis zu 20 Mio. Menschen am Tag in seiner Stadt. Der einstige Industriestandort mit qualmenden Schloten ist auf dem Weg zur Smart City. 


Moskau - Megacity und Millionen-Metropole an der Moskwa
Foto: Oliver Klein, gemeinfrei (Creative Commons CC0)

Einmal im Jahr lädt die Stadtregierung der russischen Metropole Journalisten aus aller Welt zur internationalen Medienkonferenz ins Herz der Russischen Republik ein. In dieser Woche trafen sich Journalisten aus den USA und Europa, Israel und Persien, Asien und Australien sowie aus Russland im World Trade Center. Das Top-Thema: Moskau 2030. HANSEVALLEY war exklusiv aus Hamburg mit dabei. Ein Moskau Digital Report:

Nr. 1 bei digitalen Services, Nr. 2 bei der Entwicklung der Infrastruktur, Nr. 3 beim Aufbau der Digitalwirtschaft, Top-Nr. 5 der weltweit innovativsten Smart Citys, stellt PWC im globalen Ranking 2017 fest. Die Millionenmetropole Moskau ist mit 11.300 Einwohnern pro km² eine Global City und mit 4 internationalen, z. T. ausgezeichneten Airports der Verkehrsknoten Russlands. Die Hauptstadt kann mit einem mittelgroßen Land Europas verglichen werden. Über 4 Tage hatte HANSEVALLEY als einziges Hamburger Medium die Chance, vor und hinter die Kulissen zu schauen, Zahlen und Fakten aus erster Hand zu recherchieren - zusammen mit rd. 30 weiteren Journalisten aus aller Welt.

Smart City Moscow 2030.

Moskau, im Bezirk Ostanskinski, im Norden der Megacity: Am Rande des nationalen Ausstellungsgeländes VDNH sticht ein grauer Pavillon mit nachgebildeten Platinen als Außenfassade heraus. Der "Smart City Pavilion 461" mit mehr als 50 Ausstellungsobjekten auf 250 m² ist Schaufenster für ein Moskau, wie es wohl wenige erwarten: Eine Stadt mit all jenen Themen, die auch in Hamburg auf der Tagesordnung stehen: digitale Infrastrukturen, online-vernetze Services und Nutzung öffentlicher Daten, digitale Gesundheitsversorgung und Online-Lernangebote sowie eine intelligente Verkehrssteuerung für 4,3 Mio. Autos sowie Car-, Bike- und Scooter-Sharing-Angebote zur Reduzierung des Straßenverkehrs. 


Die Megacity Moskau auf der digitalen Überholspur:
Im Smart City Center zeigt die Hauptstadt, was sie kann.
Foto: HANSEVALLEY

Was für die Freie und Hansestadt der ITS-Weltkongress 2021 im neuen CCH wird, ist für die Stadtregierung der Global City Moskau die gerade beendete Fußball-Weltmeisterschaft: Die Möhre vor der eigenen Nase, ein Ziel loszulegen und eine Zwischenstation auf dem Weg zur Smart City 2030. Um Moskau zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit hilfreich: 2016 beschließt die Stadtregierung, ihre IT nach vorn zu bringen, mehr als 350 Projekte werden angeschoben. Umgerechnet bis zu 680 Mio. € investiert die Regionalverwaltung seitdem jährlich in IT-Modernisierung und städtische Digitalprojekte. 

Die Stadtregierung hat drei zentrale Ziele für die Zukunft der Metropole, ihrer Verwaltung und der Finanzen definiert, die durch die Smart City 2030 erreicht werden sollen:
  • Nachhaltige Entwicklung, hoher Lebensstandard und optimale Bedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung
  • Eine zentralisierte, integrierte und transparente Verwaltung für die 12 Mio. Einwohner zählende Megacity
  • Höhere Wirtschaftlichkeit bei öffentlichen Ausgaben u. a. durch die Förderung von Partnerschaften mit Firmen

Um die strategischen Ziele zu erreichen, wurden 6 Bereiche identifiziert, in denen Moskau aktiv wird: von Smart People bis Smart Living, von Smart Mobility bis zu Smart Economy und von Smart Enviroment bis zu Smart Government. Die Metathemen definieren das große Ganze mit insgesamt 17 Handlungsfeldern. Um die Schlüsselthemen mit Leben zu erfüllen, fokussiert das IT-Department und ihr CTO auf 9 Maßnahmenkataloge, die man so zusammenfassen kann:
  • Smart City für Einwohner + Besucher mit digitalen Angeboten in allen Bereichen
  • Smarte Public Services für Moskauer mit Online-Lösungen für das tägliche Leben
  • Partnerschaften mit Wissenschaft + Wirtschaft und KI als ein Schlüsselthema
  • Digitale Verwaltungs-Dokumente gleichberechtigt neben gedruckten Unterlagen
  • Lösungen "Made in Russia" und Nutzung umweltfreundlicher Technologien

Beschäftigt man sich mit den bestehenden und geplanten Smart City Projekten, kommt man zu dem Schluss: Hier wird getan, was gesagt wird. Dabei hat die Stadtregierung und ihre IT den Vorteil, keine funktionierenden Angebote oder alten Zöpfe abschneiden zu müssen. Wie auf der grünen Wiese stemmt die Stadt in allen definierten Themenfeldern Pilotprojekte aus dem Boden, die anschließend zu regulären, flächendeckenden Angeboten werden. Um diese Schwerpunkte zu meistern, hat Moskau 8 zukunftsweisende Schlüsseltechnologien im Blick:
Wie sieht die technologische Zukunft aus?
Foto: HANSEVALLEY
  • Predictive Analytics
  • Künstliche Intelligenz
  • Neuronale Schnitstellen
  • Blockchain-Technologie
  • Internet of Things (IOT)
  • VR, AR & Mixed Reality
  • 5 G-Kommunikation
  • 3D-Modelling und -Druck

Spätestens bei Themen wie Künstlicher Intelligenz und Neuronalen Schnittstellen kann einem mulmig werden. Bei einer Bewertung der Aktivitäten und Technologien kann man jedoch auch zu dem Ergebnis kommen, dass die Smart City kein Selbstzweck ist und - im Gegensatz zum Social Scoring in China - kein Repressionsinstrument sein muss. Es geht um Lebensqualität und wirtschaftliche Zukunft einer europäischen Megacity, aber auch um Bekämpfung von Korruption, organisierter Kriminalität und Cyber-Security. Diese Sicherheitsthemen stehen auch bei uns auf der Tagesordnung.

Transparenz und Sicherheit.

Auch in Russland gibt es Gesetze zur Privatsphäre. Im Gesundheitssystem mit elektronischer Gesundheitsakte werden personenbezogene Daten von medizinischen Informationen getrennt - z. B. zur Erforschung personalisierter Medizin. 64% der Moskauer befürworten personalisierte Behandlungen - zu erwarten ab ca. 2030. Zugleich gehören Technologien auch zur Safe City Moskau. 160.000 Kameras überwachen wie in London Hauptstraßen und öffentliche Plätze  - an neuralgischen Punkten erweitert um biometrische Gesichtserkennung. Sie liefern 1,2 Mrd. Stunden Videomaterial im Jahr. In rd. 70% aller Ermittlungen spielen Kameras eine Rolle. Während der WM entdeckte man in Zusammenarbeit mit internationalen Sicherheitsbehörden fast 100 gesuchte Täter.


Überwachung von öffentlichen Straßen und Plätzen mit Kameras.
Foto: HANSEVALLEY

Smart Public Infrastructure.

Auf 211 Moskauer Buslinien mit 1 Mio. Fahrgästen am Tag und auf über 330 Kilometern der 13 U-Bahn-Linien mit ihren mehr als 200 Stationen gibt es seit 2 Jahren kostenloses Internet, ebenso wie an 2.500 Plätzen, verteilt über 15,5 km² in der ganzen Stadt. Damit ist Moskau weltweit Nr. 2 bei freiem WLAN - hinter Seoul. 3/4 aller Moskauer nutzen ein Smartphone. Die Mobilfunkanbieter bieten dafür 99% LTE-Abdeckung über 2 große und 1 kleineres Netz. Auch beim Breitband ist Moskau vorn dabei: Mehr als 80% des Stadtgebiets sind mit mind. 20 Mbit/s vernetzt. Und die Stadtverwaltung plant bei der bevorstehenden Renovierung von Stalin-Bauten 5G-Antennen und Elektroladesäulen mit zu verbauen. 


Von der Industriemetropole zur Smart City: Moskau 2018
Foto: HANSEVALLEY

Smart Public Transport.

Die Fußball-WM hat den Moskauern vor allem beim Nahverkehr Verbesserungen gebracht. Die Stadt investierte in 2.000 neue Busse. Bis 2021 schaffen die Verkehrsbetriebe jährlich 300 neue Elektrobusse an, ab 2021 nur noch Busse mit emissionsfreiem Antrieb. Bis 2020 sind 255 Verkehrs-Knotenpunkte mit Park & Ride-Parkplätzen geplant. Investitionen: mehr als 15 Mrd. € privater Mittel. Bis 2025 kommen 170 km neue U-Bahn hinzu, dazu 74 Stationen. Die Transportbehörde erwartet dann zwischen 8 und 10 Mio. Nutzern am Tag. Auch bei Regionalzügen wird aufgerüstet: Bis 2020 wird das Netz um 1.500 km erweitert, der Zeittakt auf 3,5 Minuten verringert. Das hilft vor allem Millionen von Pendlern.


Interaktives Modell der Megacity Moskau im "Maket Moscow".
Foto: HANSEVALLEY

Smart Transport Strategy.

Das McKensey Center for Future Mobility stellt in seiner Studie zu Transportsystemen in 24 Weltstädten fest: Moskauer Busse und Bahnen arbeiten hoch effizient (Platz 1), das elektronische Ticketsystem ist vorbildlich (Platz 1), die internationalen Luftverkehrs-Anschlüsse der Metropole sind erstklassig (Platz 5). Moskau punktet mit elektronischen Mobile Services z. B. zum Parken (Platz 6). Die Stadt hat mit kostenpflichtigen Services die Reduzierung des Autoverkehrs im Blick (Platz 7) und das ÖPNV-System ist für jedermann bezahlbar (Platz 9).

Die Fußball-WM 2018 als Testbed für die intelligent-vernetzte Stadt.
Foto: HANSEVALLEY

Auch Shared Mobility ist in Moskau angekommen. 12 Unternehmen bieten an der Moskwa seit 3 Jahren mit 4.000 Fahrzeugen Car Sharing an. Mehr als 7.000 Fahrten ersetzen jeden Tag private Autos in der Metropole. Nur E-Mobilität spielt im Ölförderland noch nicht wirklich eine Rolle. Zur Verhinderung des Verkehrskollaps helfen 2.000 Verkehrskameras und 3.500 Sensoren. Im Falle eines Unfalls können die Überwachungsfilme 30 Tage lang angefordert werden. Laut offiziellen Angaben konnte der Autoverkehr mit Smart Mobility Maßnahmen um rd. 10% beschleunigt und die Zahl der Unfälle um 11% reduziert werden. Heute erreicht ein Notarztwagen einen Unfall in der Megacity im Schnitt nach nur 8 Minuten.

Smart Public Services.

Dreh- und Angelpunkt der Moskauer Bürgerservices ist die Onlineplattform ag.mos.ru mit 6,4 Mio. registrierten und 2,1 Mio. aktiven Nutzern. Den Einwohnern der Megacity stehen mehr als 250 Angebote zur Verfügung, mit Varianten sind es mehr als 400. Das sind rd. 75% aller wichtigen Leistungen der Stadt. Diese können auch über Mobile Apps genutzt werden. 10 verschiedene Service-Apps bietet Moskau an. Im Geschäftsjahr 2016-2017 beteiligten sich 1,7 Mio. Moskowiter online an über 2.600 Online-Umfragen, aus denen mehr als 1.500 Lösungen für eine lebenswerte Stadt entwickelt wurden.


Das digitale Gesundheitssystem UMIAS vernetzt alle Player.
Foto: HANSEVLLEY

In Moskau wird wie in Hamburg alles über ein Portal gemanagt: Mos.ru erreichte mit seinen Informationen 2016 stolze 365 Mio. Visits. Dazu gehören 101 Mio. Arzttermine, die über das integrierte, digitale Gesundheitssystem UMIAS vereinbart wurden. 680 Versorgungszentren und Kliniken sind heute an das seit 2011 schrittweise eingeführte Digital Health System angebunden. 21.500 Ärzte und 9,5 Mio. Patienten sind mit digitaler Gesundheitskarte und Gesundheitsservices vernetzt. Das mittels Portal, App und Terminals zugängliche System gilt als Vorbild, bescheinigen KPMG, PWC und der British MobilGov Summit 2017 Award.

Smart Mobile Services.

Auch in Moskau gibt es ein Single-Sign-On für die öffentlichen Angebote - u. a. für die Nutzung der städtischen App Gosuslugi. Sie deckt fast alle Lebensbereiche mobil ab - von der Pass-Beantragung bis zur Registrierung eines neuen Unternehmens, der Ausstellung von Urkunden und Bescheinigungen, vom Beantragen sozialer Leistungen bis zur Bezahlung von Miete, Steuern, Abgaben und Knöllchen, ebenso wie die Auswahl von Grundversorgern oder die Nutzung von Reha-Services. Genau das nutzen die Moskauer online 80 Meter unter der Erde im freien WLAN - in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit.

Smart Education Services.

Im Jahr 2016 startete die Stadt als weiteres Großprojekt die Moscow Online School - eine umfassende Lernplattform. 1,5 Mio. User zäht das stadtweite System - inkl. Cloud-Services und digitaler Bibliothek sowie 50.000 frei verfügbaren digitalen Unterrichtslektionen. Rd. 3.600 Moskauer Schulen werden Teil der Lernplattform. Neben mehr als 860.000 Schülern nutzen auch 500.000 Eltern und 150.000 Lehrer das System. Die Lehrer sind mit 129.000 Tablets und 224.000 Laptops ausgestattet worden und arbeiten in den Klassen mit 17.000 interaktiven Whiteboards und 28.000 Multimedia-Projektoren. Investment: umgerechnet 24 Mrd. Euro inkl. neuer Schulgebäude.


Digital-vernetztes Lernen und Bewertung der Lehrer:
84 Zoll große Whiteboards mit insgesamt 50.000 Lektionen.
Foto: HANSEVALLEY

Schule Schwänzen ist für Moskaus Schüler praktisch nicht mehr möglich. Jeder Schüler ist mit Smart Card und Mobile App im städtischen Schülerservice eingebucht. Mit dem Kidradar bekommen Eltern eine Meldung, wenn ihr Schützling die Schule betritt oder verlässt. Mit dem Schülerservice wird die Schulspeisung bezahlt und beurteilen Lehrer nach jeder Stunde jeden Schüler - aber auch umgekehrt. Damit Schüler nach der Schule nicht auf dumme Ideen kommen, können Mama und Papa in der App sehen, welche Hausaufgaben auf der Tagesordnung stehen. Transparenz im Interesse eines leistungsfähigen Schulsystems. Das dürfte manche Elternvertretung in Hamburg interessieren.

Smart Digital Health.

Neben Sicherheit und Verkehr, Bürgerservices und Bildung steht das Gesundheitswesen im Fokus der Stadt. Bis 2020 sollen alle Leistungen digital vernetzt sein. Gesundheitsdaten werden vom Hausarzt zum Facharzt und vom Facharzt zum Krankenhaus übertragen. Das Ziel: Niemand soll mehr als 2 Tage auf einen Spezialisten warten, niemand länger als 15 Minuten im Wartezimmer sitzen. Jeder Mediziner wird nach der Behandlung beurteilt - und dass bei 620 Mio. Behandlungen im Jahr. So fördert die Stadt Exzellenz. Investitionen: mehr als 23 Mrd. € - inkl. Cluster mit neuem Forschungs- und Diagnosezentrum sowie Reha- und Trainingscenter. So will Moskau zugleich den Medizintourismus ins Ausland eindämmen. 


Öffentlich zugängliche Daten der Stadt für neue Modelle.
Screenshot: HANSEVALLEY

Eine Ebene darüber hat die Stadt eine Open Data Strategie aufgesetzt und teilt über data.mos.ru Informationen, z. B. für Partnerschaften mit Unternehmen. Dazu gehören bekannte Themen, wie Gesundheit und Religion, Verkehr und Transport oder Infrastruktur und Verwaltung. 745 Datensätze von 60 Anbietern sind 5 Jahre nach Einführung der Dienste ein beachtenswerter Zwischenerfolg. Mehr als 30 Mobile Apps konnten dank öffentlicher Daten entwickelt werden - zum Bezahlen von Knöllchen, zum Ausleihen von Fahrrädern oder zur Auswahl des Wohnbezirks. Das Portal wird heute 63 Mio. mal im Jahr aufgerufen und rd. 1,5 Mio. mal Datensätze downgeloadet.

Smart City Leadership.

Moskau ist mit seiner Smart City Strategie nach Beurteilung der Vereinten Nationen führend bei der Entwicklung des E-Governments - vor London, Paris oder New York sowie 36 weiteren Metropolen. Über 160 Fachverfahren werden heute elektronisch angeboten. Mehr als 400 Mio. mal wurden diese bereits genutzt. 2014 entschied die Verwaltung mit dem Projekt "Aktiver Bürger", Services zu digitalisieren und die Schlangen in den Behörden abzubauen. Mehr als 60% aller Einwohner nutzen heute E-Services ihrer Stadtverwaltung. 

Smart City Openess. 

Die Beteiligung ist kein Zufall und hat nichts mit Verpflichtung zu tun: Die Moskauer sind laut Angaben des russischen und in New York börsennotierten Mobilfunkanbieters MTS technischen Entwicklungen äußerst aufgeschlossen. Die Einwohner der Megametropole liegen mit 53% Aufgeschlossenheit direkt hinter Barcelona mit 54%, Shanghai mit 55%, London mit 59% und Singapore mit 64%. Da können wir Deutschen noch eine Schüppe zulegen, um nicht die rote Laterne zu tragen.


Modell der Megacity Moskau im Smart City Pavilion.
Foto: HANSEVALLEY

Neben den Weltmetropolen Europas und der USA vergleicht sich die russische Millionencity gern mit besonders dynamischen Großstädten, wie Berlin oder Barcelona. Nach einer erfolgreich gemeisterten Fußball-WM beraten die Moskauer Digitalexperten nun auch Doha, den Austragungsort der FIFA WM 2022 in Katar am Persischen Golf. Dazu kommen Kooperationen mit internationalen Ballungsräumen, wie Jerusalem oder Singapur. Moskau ist vorn dabei, um mit künftig 20 Mio. Menschen pro Tag die Herausforderungen einer Megacity in allen Bereichen des Lebens meistern zu können.


Smart City Hamburg: Mit allen wichtigen Themen dabei.
Grafik: ITS Hamburg 2021

Auch wenn Hamburg mit künftig 2 Mio. Einwohnern deutlich überschaubarer ist: Die Herausforderungen für eine lebenswerte und erfolgreiche Millionenstadt sind die Gleichen, Themen rund um Digitale Dienste, Nutzung öffentlicher Daten direkt vergleichbar. Nach 4 Tagen Exkursionen, Präsentationen und Diskussionen in der Megacity steht fest: Beide Städte sind auf dem Weg - zur Smart City bzw. Digitalen Stadt - mit klaren Zielen, Partnerschaften und Erfolg versprechenden Projekten. Darauf dürfen wir in Hamburg ebenfalls stolz sein.

 Moskau Digital Background: 

Smart City Moskau 2030:
www.mos.ru/en/news/item/22722073/

Smart City Projekte Moskau:
www.mos.ru/en/city/projects/smartcity/

Open Data Strategie Moskau:
www.mos.ru/en/news/item/13179073/

Open Data Apps und Services:
www.mos.ru/en/news/item/14690073/

Smart City Pavilion 461 Moskau:
https://vdnh.ru/en/news/mayor-of-moscow-sergey-sobyanin-opened-smart-city-at-vdnh/

Nach der Fußball-WM: Moskau buhlt um Investoren:
https://www.pressetext.com/news/20180731032

Russland: Smart City Moskau, ARD:
www.ardmediathek.de/tv/Weltbilder/Russland-Smart-City-Moskau/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=3906326&documentId=51001390

 Hamburg Digital Background: 

Digitale Stadt Hamburg:
www.hamburg.de/digitale-stadt/

ITS Hamburg 2021:
www.hamburg.de/bwvi/its/

HANSEPERSONALITY Christian Pfromm, CDO Senat Hamburg:
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansepersonality-christian-pfromm.html

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe, CDO BWVI + HPA:
https://hh.hansevalley.de/2017/09/hansepersonality-sebastian-saxe.html

Freitag, 20. Juli 2018

HANSEDIGITAL: Eye Bee M Design Studio: Mehr als nur schön machen.

Hamburg ist mit rd. 90.000 Beschäftigten und 11 Mrd. € Jahresumsatz ein führender Kreativstandort in Deutschland u. a. mit Werbung, Marketing und Digital-Business. Große Marketing- und Digitalagenturen haben rund um die Alster ihren Sitz. Seit 18 Jahren gibt es in der Freien und Hansestadt vom Technologiepionier IBM eine eigene Einheit für E-Business Innovationen am Alten Wandrahm in der Speicherstadt - und heute im Rahmen der Digital-Services "iX" im IBM-Hochhaus am Berliner Tor. 


Die Hamburger Innenstadt: Mittendrin das Rebus des IBM Design Studios.
Foto: HANSEVALLEY

Herzstück der 80 Mitarbeiter in Konzeption, Technik und Design ist das IBM Studio Hamburg. Ob Automobilhersteller oder Gesundheitsdienstleister, ob Direktbank oder Sachversicherung - in einem lichtdurchfluteten Großraum mit bunten Möbeln, Whiteboards und Pinnwänden entstehen praktische Portale, hilfreiche Apps, schnackende Chatbots und coole Voice-Services für Kunden, Partner und Mitarbeiter der Klienten. Ein Hamburg Digital Report aus dem norddeutschen Zentrum der Designcompany IBM:


"Good Design is Good Business" schreibt Thomas Watson jr., President der International Business Machine Corporation, 1966 in einem Brief zur Einführung des Design Programms nach Vorbild der "New York School" an seine Mitarbeiter. Ob ThinkCenter, ThinkPads, die drei gestreiften Buchstaben oder das Look & Feel der Büros - der Sohn des Firmengründers und Namensgebers der künstlichen Intelligenz "Watson" weiss: Design bewegt Menschen. 10 Jahre zuvor engagiert er Eliot Noyes, einen Kurator des Museum of Modern Art. Der Auftrag: Aufbau eines Corporate Design Programs. 1981 entwickelt der Designer Paul Rand das berühmte Rebus "Eye Bee M" .


Weltberühmtes Rebus-Rätsel "Eye Bee M" von Paul Rand in 1981.
Grafik: IBM

Ein sonniger Mittwoch im Juli 2018, im Hochhaus "Berliner Tor-Center" in St. Georg: Hier kümmert sich ein 50-köpfiges Team im Auftrag von Industrie- und Dienstleistungskunden um mehr, als nur schön machen. Als Teil der Digital-Sparte "iX" konzeptionieren, gestalten und designen UX- und Visual Designer, Content Strategen sowie Frontend- und Mobile-Developer digitale Lösungen für die Kommunikation mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Herz und Seele der Design-Unit ist die 49-jährige Harburgerin Antje Kruse-Schomaker. Seit 1992 ist sie bei der IBM, zunächst im Multimedia-Kompetenzzentrum in Stuttgart.

Was Anfang der Neunziger mit Kiosk-Systemen und CD-Roms beginnt, Mitte der Neunziger zu verteilten Multimedia-Systemen und Kiosken mit Videoberatung wird, mündet 1996 in der E-Business-Unit der IBM Unternehmensberatung nam Hamburger Sandtorkai, einer Ausbildung in Business Transformation Ende der Neunziger in den USA und dem Einstieg im neu gegründeten E-Business Innovation Center der IBM im Jahr 2000 - einer Full-Service-Agentur am Alten Wandrahm, dort wo heute die Agentur Kolle-Rebbe ihren Sitz hat. Mehr als 25 Jahre ist die Design Principalin und Studio-Leiterin nun schon dabei.


Seit 25 Jahren bei IBM, seit 2000 in Hamburg für digitale Technologien:
IBM Studio-Leiterin Antje Kruse-Schomaker
Foto: HANSEVALLEY

Heute leitet die 49-jährige Mutter dreier Kinder das Hamburger Studio im Verbund der weltweit 46 Design-Center des Technologieunternehmens IBM. Neben Hamburg hat der Konzern mit Aperto in Berlin und Ecx.io in Düsseldorf sowie in München und Stuttgart weitere digitale Standbeine in Deutschland. Was kaum jemand weiss: Mit 1.600 fest angestellten Mitarbeitern ist IBM die weltweit größte Design-Firma mit Headquarter im IBM Studio Austin, Texas. Ob Europa, USA oder Asien: Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören die Digital-Units von Accenture und Deloitte. Die Design-Studios sind wiederum Teil von IBM iX - der Digital-Agentur der IBM.


Zu den Highlights des Hamburger Teams gehören der Konzernauftritt der Deutschen Bahn, der weltweite Webauftritt der STA Travel und von Lufthansa.com, der europäische Aufritt des Elektronikkonzerns Sharp sowie die Website der DAK. Auf die Frage, was das IBM Studio konkret für ihre Kunden macht, kommt eine klare Aussage der Design-Informatikerin und Diplom-Designerin: "Es geht immer in die Prozesse." Dabei reicht die Spannweite von der Konzeption digitaler Lösungen über das fertige Produkt bis zum Methoden Coaching des Kunden, um an den Lösungen weiter arbeiten zu können.


Von wegen Tech-Dinosaurier: Hackathon im Hamburger Studio.
Foto: IBM Studio


Die iterative Arbeitsweise besteht aus 3 Schritten, beginnend mit einem konzeptionellen Design Sprint von Papierentwürfen, über einen visuellen Prototypen bis hin zum lauffähigen Piloten. Alle diese Ergebnisse durchlaufen Nutzertests und werden in der nächsten Stufe optimiert. So hat das Team in 6 Wochen einen fertigen Fleet Management Piloten gebaut, eine Demo für ein mobiles Liquditätsmanagement für die Deutsche Bundesbank gebaut, den Chatbot "CALRS" für den Personalbereich von Siemens gebaut, eine Berater-App für die Agenturen einer norddeutschen Versicherung entwickelt und für Otto Bock die digitale Strategie erarbeitet und die US-Website relauncht.


IBM Studio Grundsatz: Design Thinking is not a workshop.

Design Thinking gehört in den Studios zur Grundeinstellung. Dazu hat der Tech-Riese mit Enterprise Design Thinking seine angepasste Methode, die am Anfang jeden Projekts zum Tragen kommt. So ist nutzerzentriertes Denken kein Buzzword-Bingo, sondern gelebte Praxis. 2012 rief die heutige Konzernlenkerin Virginia Marie "Ginni" Rometty die entscheidende Leitlinie aus: "There's one key to our future growth: the client experience." Konzequenz: Aufbau des weltweiten Studio-Netzes und des Ziels, dass auf 8 Entwickler mind. 1 Designer kommt. Gesagt, getan. Heute haben Designer in der IBM eine eigene Karriereleiter bis zum Vice President. 




Wenn Alexa wüsste, was Watson weiss ...


Auf die Frage, wohin die Reise in Sachen User Experience geht, hat Antje Kruse-Schomaker spannende Ideen: z. B. UX für die DSGVO. Die Informatikerin erzählt: "Es ist spannend, weil es hilft, seine Nutzer durch Transparenz und Verständnis mitzunehmen und Vertrauen zu gewinnen." Damit nicht genug. Ein weiteres Top-Thema können sprachbasierte Assistenzsysteme als Begleiter (Companion) in Text (Chat), Voice (Alexa) und Grafik (Visual) werden - mit einer eigenen Persönlichkeit in Ansprache, Tonalität, Sensibilität und Umgang mit kritischen Situation. Die künstliche Intelligenz hat die IBM mit Watson bereits. 

 Hamburg Digital Background: 


Nicht ohne Kreativität: Blick ins Design Studio
Foto; HANSEVALLEY
Das Vorbild: The New York School
www.historygraphicdesign.com/the-age-of-information/the-new-york-school

Die Philosophie: IBM Good Design
www-03.ibm.com/ibm/history/ibm100/us/en/icons/gooddesign/

Das Programm: IBM Design
www.ibm.com/design/language/

Die Methode: IBM Enterprise Design Thinking
www.ibm.com/design/thinking/

Die Experten: IBM Studios
www.ibm.com/design/studio.shtml

Das Business: IBM iX-Sparte
www-935.ibm.com/services/ibmix/

Die Zukunft: IBM Watson 
www.ibm.com/watson/de-de/