Donnerstag, 18. Juli 2019

HANSEFINANCE: Facebooks Libra - die Kryptowährung 3.0?

HAMBURG DIGITAL AUTOREN

Foto: Screenshot libra.org

Der US-Kongress beschäftigt sich mit dem Digitalthema des Jahres. Der US-Präsident zieht öffentlich gegen die globale "Corporate Money" zu Felde. Und Bundesfinanzminister Olaf Scholz kritisiert eine Währung in den Händen eines Unternehmens. Plötzlich kommen ein "China Coin" und ein "E-Euro" in die Diskussion.


Auf der Disitribute Konferenz im Helmut-Schmidt-Audimax der Bucerius Law School stellte ein Jurist, M&A-Experte, Fintech-Berater und Gründer die Pläne von Facebook für eine eigene Digitalwährung vor. Björn Brücher gibt als Hamburg Digital Autor aktuelle Einblicke in die Welt des "Libra Coin" von Facebook, Paypal, Uber & Co.:

Kaum ein Thema dürfte in der weltweiten Blockchain-Community so kontrovers diskutiert worden sein wie Facebooks Ankündigung, mit Libra eine eigene blockchainbasierte Kryptowährung erschaffen zu wollen. Aber auch außerhalb der Szene hat die Veröffentlichung des White Papers hohe Wellen geschlagen. Ebnet Libra den Weg in ein neues Zeitalter?


Libra in a nutshell

Bei Libra soll es sich um eine stabile, digitale Kryptowährung handeln, die vollständig durch eine Reserve realer Vermögenswerte (der „Libra Reserve“) gedeckt wird. Die Libra Reserve soll von der Libra Association, einer “Not-for-profit”-Organisation mit Sitz in Genf/Schweiz, verwaltet werden. Libra soll dabei von einem wettbewerbsfähigen Börsennetzwerk unterstützt werden, das Libra kauft und verkauft.

In technischer Hinsicht soll Libra auf einer zuverlässigen, sicheren und skalierbaren Open-Source-Blockchain basieren. Durch die offene Open-Source-Architektur soll die Grundlage für ein lebhaftes Ökosystem geschaffen werden. Facebook macht auch direkt den Anfang und hat mit Calibra ein von Facebook (rechtlich) unabhängiges, reguliertes Unternehmen gegründet, welches ein Wallet und perspektivisch auch weitere Finanzdienstleistungen (z. B. im Bereich Investing, Trading, Lending) anbieten wird.

Die Vision

Mit Libra verfolgt Facebook das Ziel, eine einfache, globale (Krypto-) Währung und eine finanzielle Infrastruktur für Milliarden von Menschen bereitzustellen. Finanzdienstleistungen sollen hierdurch besser, schneller und günstiger werden – und zwar für alle Menschen, nicht nur für die 2,7 Mrd. Nutzer von Facebook, Whatsapp und dem FB Messenger. Facebook versteht es vor allem als Mission, die 1,7 Mrd. Menschen mit Libra zu erreichen, die derzeit keinen Zugang zum klassischen Bank- und Finanzsystem haben.

Libra wäre damit ein weiterer Schritt zum globalen „Internet-of-money“ und möglicherweise die erste ernstzunehmende Cryptocurrency 3.0.

Die Blockchain

Facebook hat erkannt, dass die gesteckten Ziele nur zu erreichen sind, wenn gewisse Anforderungen erfüllt werden. Hierzu gehören neben der notwendigen Skalierbarkeit eine hohe Sicherheit und Stabilität, aber auch genügend Flexibilität, um eine globale Verbreitung und Weiterentwicklung zu gewährleisten.

Die Blockchain, auf der Libra basiert, soll dabei eine hohe Datenrate und Transaktionsgeschwindigkeit ermöglichen. In Zahlen ausgedrückt sind das 1.000 Transaktionen pro Sekunde. Hier wird deutlich, dass die technische Infrastruktur tatsächlich auf eine Skalierbarkeit ausgelegt zu sein scheint. Dies wird im Vergleich zu anderen Blockchains deutlich: Bitcoin ermöglicht lediglich 7 Transaktionen pro Sekunde und Ethereum 15 Transaktionen pro Sekunde.

Gleichzeitig soll die Open-Source-Struktur des Libra-Ökosystems dabei eine Partizipation der Marktteilnehmer fördern, um künftige Innovationen bei Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Mittel- bis langfristig dürfte die Blockchain damit nicht nur der Disruption von (M-)Payments dienen, sondern eine „Ethereum für Banking und Financial Services“ darstellen.



Björn Brücher stellt auf der Distribute Konferenz Libra vor.
Foto: HANSEVALLEY

Der Coin


Ein wesentliches Kriterium von Libra ist die Konzeption des Coin. Es handelt sich um einen (Asset backed) Stable Coin. Das bedeutet, dass eine hohe Volatilität, d.h. starke Preis-/ Kurschwankungen, durch die Koppelung an einen Basiswert, reduziert bzw. vermieden werden soll. Zu diesem Zweck soll Libra nicht nur durch einen Vermögenswert, sondern durch einen ganzen Korb an Vermögenswerten mit geringer Volatilität gedeckt werden (z.B. Bankeinlagen, kurzfristige Staatsanleihen, Devisen) – der Libra Reserve.

Hierdurch erhält der Libra Coin einen intrinsischen, d.h. inneren, Wert. Die Vermögenswerte der Libra Reserve werden dabei durch die Libra Association verwaltet und durch ein geografisch verteiltes Netzwerk an Verwaltern mit „Investment Grade“-Bonitätsbewertung verwahrt.

Wenn ein Nutzer einen Libra Coin von der Libra Association erwerben möchte, wird dieser gegen Fiat-Währung ausgegeben und die Libra Reserve entsprechend aufgestockt. Im Falle einer Rückgabe eines Libra Coin erfolgt die Auszahlung des Gegenwertes aus der Libra Reserve und der zurückgegebene Coin wird vernichtet. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass der Gegenwert der im Umlauf befindlichen Coins stets vom Gegenwert der Libra Reserve gedeckt ist.

Nur die Libra Association ist berechtigt, neue Libra zu schaffen oder zu vernichten.

Die Libra Association

Die Libra Association hat derzeit 29 Gründungsmitglieder. Ihr soll neben der Verwaltung der Libra Reserve auch die Weiterentwicklung des Projekts obliegen. Insoweit ist auch nicht verwunderlich, dass die Gründungsmitglieder aus sehr unterschiedlichen Branchen stammen:

  • Blockchain
  • Venture Capital
  • Telecommunications
  • Academic Institutions
  • Payments
  • Technology & Marketplaces
  • Nonprofit Organizations
  • Multilateral Organizations


Dem Kreis der 29 Gründungsmitglieder gehören folgende Unternehmen an:
Mit Blick auf die vertretenen Unternehmen dürfte kein Zweifel mehr daran bestehen, dass eine klare Strategie und das Potential zur Umsetzung des Projekts Libra vorhanden ist. Ungeachtet dessen ist geplant, den Kreis der Mitglieder bis zum geplanten Launch im zweiten Quartal 2020 auf ca. 100 Mitglieder zu erweitern.

Die Mitglieder der Libra Association sollen jeweils einen sogenannten „Validator Node“ betreiben, d.h. vereinfacht gesagt Transaktionen auf der Blockchain validieren. Sowohl die Libra Association als auch deren Mitglieder nehmen damit in der Konzeption von Libra eine wichtige Stellung ein und üben wesentliche Funktionen aus.








Disruption oder Dominanz?

Nüchtern betrachtet mag Libra zwar technisch und konzeptionell nur bedingt disruptiv sein. Dennoch dürfte das Projekt das Potenzial zur Disruption haben und eine wichtige Vorreiterrolle bei der globalen Verbreitung von blockchainbasierten Kryptowährungen und (M-) Payment Services einnehmen. Facebook, die Libra Association und deren Gründungsmitglieder haben nämlich die erforderliche Reichweite, Marktrelevanz und Marktmacht, um eine enorme Nutzergruppe zu erreichen - unter anderem auch solche Nutzer, die bislang keine Berührungspunkte zu blockchainbasierten Kryptowährungen hatten. 


Zudem ist aufgrund der beteiligten Personen das Thema wieder verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung geraten – aber auch in das Ziel von Zentralbankern, Politkern und Regulatoren. Neben der Betonung der grundsätzlichen Bedeutung sowie des Potenzials des Projekts werden insbesondere aufgrund der dominanten Stellung der involvierten Unternehmen verstärkt auch kritische Stimmen laut.

Dies gilt zum einen mit Blick auf daten- und verbraucherschutzrechtliche Bedenken, zum anderen mit Blick auf die potenziellen Risiken für das Bank- und Finanzsystem. Neben staatlichen Alternativen (Stichwort: E-Euro) stehen daher auch die regulatorischen Rahmenbedingungen auf dem Prüfstand. Die verantwortlichen Personen scheinen erkannt zu haben, dass das Zeitalter der Cryptocurrencies 3.0 begonnen hat.




Hamburg Digital Autor Björn Brücher

Foto: WSS Redpoint
Björn Brücher ist Rechtsanwalt sowie Startup- und Venture-Capital-Spezialist aus Köln. Er ist Anwalt im Bereich Gesellschafts-, Bank(aufsichts)- und Kapitalmarktrecht und Experte für FinTech/RegTech-, InsurTech- und PropTech-Geschäftsmodelle.

Neben der Begleitung von Transaktionen berät er in allen rechtlichen Fragen der Unternehmensgründung und -finanzierung sowie bei der Strukturierung von Beteiligungsmodellen. Björn Brücher ist nicht nur als Berater in der Startup-Szene aktiv, sondern auch Mitgründer eines FinTech-Startups.

Björn Brücher ist Gastautor des Hamburg Digital Magazins.



Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.


*  *  *

 Hamburg Digital Background: 




Eines der vornehmlichen Ziele von "Libra" ist die Versorgung von weltweit 1,7 Mrd. Menschen ohne ein Bankkonto und die Möglichkeit des globalen, bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Bereits im kommenden Jahr soll der "Libra Coin" in Facebooks digitaler "Calibra"-Geldbörse Realität werden. Die Daten von "Libra"-Transaktionen und Facebook-Aktivitäten sollen nach eigenen Angaben getrennt werden.

Nach aktuellen Informationen soll "Libra" bei einer Schweizer Stiftung angesiedelt werden. Damit würde die Schweizer Finanzaufsicht verantwortlich werden für die globale, privatwirtschaftliche Kryptowährung. Die Regelungen zur Verwaltung des digitalen Geldes will die "Libra" Association festlegen, wenn die anvisierten 100 starken Partner an Board sind.

Homepage Libra Association:
Whitepaper Libra Association:

Distribute Konferenz 2019 - Die Folien:

 Hamburg Digital Service: 


Illustration: Blockchance

Libra-Experte Björn Brücher spricht auf der BLOCKCHANCE Conference 2019:

HANSEVALLEY unterstützt die internationale Blockchain-Konferenz als Medienpartner im Rahmen der HANSEPARTNER. Mit dem Rabatt-Code "BC2019/HANSEVALLEY10" erhalten Leser/innen des Hamburg Digital Magazins 10% auf die aktuellen Tickets. Alle Informationen und erste Programmhighlights gibt es auf der Eventseite. 

Donnerstag, 11. Juli 2019

HANSEBUSINESS: Paketzustellung: Fiege's Engel zeigen den Hermes Boten, wie's geht.

HAMBURG DIGITAL REPORT


Fiege schickt Engel in die Feierabend-Zustellung
Foto: Angel bringt's

Pakete, die nicht zugestellt werden. Paketfahrer, die ihre Touren nicht schaffen. Paketdienste, die Beschwerden mit Hinhalte-Hotlines und juristischer Keule abwimmeln. Die tägliche Praxis bei DHL, DPD, GLS, Hermes & Co. ist ein dauerhaftes Ärgernis. Weniger als 50% aller Pakete werden beim ersten Versuch erfolgreich dem Empfänger zugestellt. Selbst "Same Day Delivery" klappt bei der Berliner Hermes-Startuptochter Liefery nicht ohne schwerwiegende Probleme.

Ein E-Commerce-Logistiker und zwei ehemalige Hermes-Manager wollen das ändern. Im Digital Hub Logistics Hamburg arbeitet ein 7-köpfiges Team an der Zukunft der "letzten Meile" für Pakete. Was die "Hermes Boten" täglich nicht packen, wollen "Fiege's Engel" dafür rocken. Ein Hamburg Digital Report über Schmuddelkinder im E-Commerce, Paketsklaven und Zustellengel "Made in Hamburg":

Das Internet, unendliche Weiten: Der Onlinehändler Notebooksbilliger.de aus Saarstedt entpuppt sich bei der Lieferung als Schmuddelkind unter den Elektronikversendern. Der Hardliner der Kistenschieber (743 Mio. € Umsatz in 2017) verspricht kostenpflichtig "Same Day Delivery" - bricht dreist sein Versprechen. Auch die "Next Day Delivery" wird versemmelt. Erst am dritten Tag schafft es der "Beste Online-Shop" laut NTV überhaupt, zu liefern. Dabei wimmelt die Hermes-Tochter Liefery dreist jede Verantwortung ab. Ein dokumentierter Einzelfall, der kein Einzelfall ist. Aber mit jeder Menge schöner "Hygiene-Siegel" auf notebooksbilliger.de, die irgendwie gekauft wirken ...

Die Krönig des "Einkaufserlebnisses" in Saarstedt: ein abfällig agierender Geschäftsführer Oliver Hellmold. Zitat: "Ich lese Ihre Seite nicht, dann rege ich mich nicht auf. Und Sie kaufen nicht mehr online ein. Dann regen Sie sich nicht auf. Und finden vielleicht irgend etwas Anderes, wo Sie drüber schreiben können. Oder auch nicht. Wird ja an mir vorbei gehen." Gründer Arnd v. Wedemeyer tritt auf Facebook gleich nochmal nach: "Hatten bei notebooksbilliger.de auch Kontakt zu dieser Person. Er konstruiert offensichtlich Probleme, um Reichweite zu generieren." Wie war das gleich mit "Der Fisch stinkt immer vom Kopf her"?


Elektronik-Onlinehändler mit fragwürdigen Versandpraktiken.
Foto: RaBoe@Wikipedia, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Unhaltbare Versprechen + dreistes Brechen = 31,5 Mrd. € Amazon-Umsatz 

Arnd W. - Markenzeichen bei Facebook und Instagram: Bascap, Hipster-Vollbart, Goldkette -  bezeichnet sich als "Fitnessmodel" und "Influenza". Vielleicht ist das der Grund, warum er Probleme nicht löst, sondern pöbelt. die Methoden seiner Saarstedter Firma inkl. Hermes und Kuriertochter Liefery sind jedenfalls tägliche Praxis in Deutschland. Je nach Zustellgebiet versaut es der eine oder der andere Paketdienst. Zitat einer Amazon-Supporterin: "Da können sie alle in einen Sack stecken und draufhauen - und treffen keinen Falschen." Dagegen gewinnt Amazon den Krieg im E-Commerce durch Service - mit hochgerechnet 13,2 Mrd. € Eigenumsatz und 18,3 Mrd. Marktplatzerlösen - nur in Deutschland, nur in 2018. Zum Vergleich: Otto.de erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr 3,2 Mrd. €. 

Das Problem bleibt: Pakete, die nie ankommen. Sendungen, die in Paketshops abgeworfen werden - vor allem aber Zustellversuche, wenn niemand zu Hause ist, weil bei der Arbeit - um das sauer verdiente Geld anschließend bei Amazon, Otto, Zalando & Co. (und nicht bei Notebooksbilliger.de) wieder auszugeben. Doch die Servicewüste Deutschland wird langsam bewässert. Der Grevener Logistiker und E-Commerce-Spezialist Fiege hat in Hamburg "Angel bringt's" gegründet. Ok, kommt nach den "Hermes-Boten" mit "Fiege's Engeln" die nächste Enttäuschung in der Paketzustellung um die Ecke? Offensichtlich gibt es Versender, deren Patentrezept nicht prekär beschäftigte Paketsklaven sind.

"Wir wollen jetzt kundenorientiert sein", so die Paketdienste

Die Idee ist so einfach, wie logisch: 'Bringe mir das Paket, wenn ich da bin. Und gebe mir ein Zeitfenster von 2 Stunden, damit ich mich drauf einrichten kann. Und sage mir rechtzeitig Bescheid, wenn Du in den nächsten 30 Minuten um die Ecke kommst.' Klingt logisch. Für DHL, Hermes & Co. jedoch böhmische Dörfer. Die entscheidenden Fragen der lieben Konkurrenz dazu: 'Wer zahlt's denn?' Und: 'Wer soll's machen?' Genau diese Fragen hat "Angel" beantwortet: Eine "Premium-Zustellung" bringt stationären Händlern etwas, die a) hochwertige Güter glücklichen Kunden nach Hause bringen lassen wollen, b) Händlern, die im harten Wettbewerb wirklich einen Unterschied machen wollen und c) Kunden, die ihre Ware hier und jetzt bekommen wollen.


Weil es Dir wichtig ist, ist es uns wichtig: Balkon-Weitwurf-Zustellung
Video: Lichtner 1955@YouTube

Hier werden nicht die überlasteten Zustellnetze inkl. buckelnder Paketfahrer mit weiteren Lastzügen an die Wand gefahren. Zitat eines lokalen DPD-Managers: "Wir sind bereits an der Wand und versuchen täglich, die Katastrophe abzuwenden." Dabei macht die Tochter der französischen Post gerade einmal 1 Mio. Pakete am Tag. Das Geheimnis liegt ein wenig verborgen: Hinter der "Angel"-eigenen IT-Plattform und den B2B-Apps für die Zustellung verbergen sich Zusteller von Zeitungsverlagen. Diese sind lediglich 4 Stunden am Tag damit ausgelastet, Hamburger Abendblatt & Co. von Blankenese bis Bergedorf zu bringen. Wie wäre es also, wenn Zeitungsfahrer am Abend Pakete zustellen? Gefragt, gesagt, getan.

Wenn Karstadt-Kaufhof versteht, dass online auch gut geht

Einer der ersten Partner ist der Warenhaus-Konzern Karstadt-Kaufhof. Wer auf der Mönckebergstraße in eines der beiden Kaufhäuser geht, kann sich ausgewählte Produkte in der "Same Day Delivery" für 5,- € extra nach Hause liefern lassen (allerdings eine, die funktioniert). Das geht neben Hamburg auch in Berlin und München sowie der Karstadt-Heimat Essen und in Mühlheim/Ruhr. Nicht genug: 150 Artikel können auch online am selben Abend auf dem Wohnzimmertisch liegen, darunter Bestseller und Werbeware, wie z. B. ein AEG Akku-Staubsauger oder ein Steiff Teddybär. Und weil Otto.de jetzt staunt und Notebooksbilliger.de raus ist, machen wir noch ein wenig weiter.

In Hamburg liefern "Fiege's Angel" u. a. für den Pharmaservice einer Apotheke Laborproben. Außerdem transportieren die fleißigen Engel rund um die Alster Pakete im "Same Day Delivery" für Zalando und in Berlin Frischfleisch für verwöhnte Vierbeiner. Und im Auftrag eines Online-Händlers können sich die Hauptstädter Liquids für E-Zigaretten auch nach Feierabend an die Wohnungstür bringen lassen. In 8 Städten inkl. 5 Karstadt-Kaufhof-Standorten können heute bereits Zeitungszusteller Kunden abends glücklich machen. Weitere 20 Städte sind in der Planung. Für das kommende Jahr arbeiten die "Angel" aus dem Logistik-Hub in der Speicherstadt am großen Roll-out. 

Erwartungsgewissheit + Nachhaltigkeit: "Angel bringt's"

Das Beste kommt jedoch erst (und jetzt müssen Saarstedter Notebook-Schieber mit Hipster-Nase ganz tapfer sein): Die Zustellquote von "Angel bringt's" liegt bei 99% erfolgreicher Paketübergabe an den Empfänger - beim ersten Mal. Was wie der 5-Jahr-Plan der DDR-Staatspost klingt, ist die logische Konsequenz aus a) fest vereinbartem Liefertag, b) fest vereinbartem Zeitfenster und c) konkretem 30 Minuten-Zustellfenster. Stellt sich die klitzekleine Gretchenfrage: Was ist umweltfreundlicher? Pakete, die teilweise mehrfach um den Block gefahren werden (was DPD bis zu 1 Woche schafft)? Kunden, die am Samstag mit dem schicken SUV mit Vollgas bei Postfiliale und Paketshop anrauschen? Oder Pakete, die beim 1. Versuch da hinkommen, wo sie hingehören?


Wenn's DHL, Hermes & Co. nicht packen, macht's Amazon halt selbst.
Foto: HANSEVALLEY - Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg 

Wenn Verbraucher sicher sein können, dass ihre bestellte Ware genau dann ankommt, wenn sie Zeit haben, wenn Verbraucher sicher sein können, dass ihre bestellte Ware so schnell ankommt, wie sie sie benötigen, dann sind Verbraucher auch bereit, ein paar Euro mehr zu bezahlen, um Zeit und Ärger zu sparen. "Prime Now" lässt grüßen. Alles andere endet in gebrochenen Lieferversprechen, gebrochenen Paketfahrern und gebrochenen Kundenbeziehungen - die Amazon gern jederzeit aufsammelt, um mit dem Wissen um gehaltene Versprechen und gelieferte Sicherheit die nächsten Milliarden zu verdienen. Vielleicht wäre das ja eine Idee für Hamburgs Handelsriesen, in der digital-vernetzten Zeit anzukommen, oder auch nicht ...


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 Hamburg Digital Service: 

Homepage Angel bringt's: "Alles zu Deiner Zeit"
angelbringts.de/

DVZ: "Angel bringt's kooperiert mit Shipcloud"
dvz.de/rubriken/land/kep/detail/news/fiege-tochter-angel-kooperiert-mit-shipcloud.html

Digital Hub Logistics Hamburg
digitalhublogistics.hamburg/

 Hamburg Digital Background: 

HANSETECHTEST: Die Schmuddelkinder des E-Commerce: About You, Shoop & Co.
hansevalley.de/2018/08/hansetechtest-e-commerce-kundendienst.html

HANSEFAIL: Lässt Deutsche Post DHL Kunden für Profitmaximierung sterben?
hansevalley.de/2017/04/hansefail-lasst-deutsche-post-dhl.html

HANSEBUSINESS: "About Frust" - Einmal Online-Katastrophe und Retoure.
hansevalley.de/2017/01/hansehermes-about-frust.html

Donnerstag, 27. Juni 2019

HANSESTATEMENT: Von Winterhude auf der Elbe in die Welt - an der Digitalisierung vorbeigetrieben.

HAMBURG DIGITAL STATEMENT

Hafen Hamburg: Tourismus-Folklore statt Future Port?
Foto: HANSEVALLEY



Cover der "HW" Juni 2019.
Illustration: Handelskammer Hamburg
Ein lauer Sommerabend unweit der Alster in Winterhude. Hinter den roten Klinkern des Altbaus in der Gryphiusstraße steigt heute noch eine ganz besondere Feier. Wie gut, dass unser Hauptdarsteller auf dem Weg vom Büro in der Speicherstadt noch schnell bei seinem geliebten "Budni" diese weichen und saugstarken Design-Küchentücher mitgenommen hat. Der Strand von Övelgönne und der Blick auf die Eurogate-Terminals auf der Verpackung - ach, es ist einfach die schönste Stadt - zwischen Pinneberg und Lüneburg ...

Seine ganz persönliche Perle (Bekannter Status: "Es ist schwierig") ist mit Freundinnen unterwegs und die Lütten zum Glück schon in Träumen versunken. Mit einem guten Schlückchen hat es sich unser digitaler Vorreiter an seinem Schreibtisch bequem gemacht. In seiner Tasche steckt das Objekt seiner Begierde: Die druckfrische und noch jungfräuliche Ausgabe des Kammer-Magazins "HW". Mein Gott, dass er das erleben darf: Als Inbegriff für die digitale Zukunft seiner Stadt auf dem Cover eines Pflichtblatts. Endlich ist er im siebten Himmel - na ja, auf dem Weg dahin.

Wer interessiert sich schon für 20.000 Kopien von "Philipp" ...


Coverbild des Magazins "Philipp" April 2019.
Illustration: Hamburger Abendblatt
Das farblich perfekt abgestimmte Freizeithemd, der legere Sitz des Unkonventionellen, die Frisur dennoch perfekt gestylt, das Lächeln kann nicht strahlender sein, die Geste visionär - es ist zum selbst (ver-)lieben. Mit dieser sozialdemokratischen Souveränität stellt er selbst die Grand Dame der Hamburger Digitalwirtschaft neben sich auf dem Cover in den Schatten. Und dann die Zahl: 55.000 Exemplare in Hamburgs Unternehmen von Industrie, Handel und Gewerbe - ob sie wollen oder nicht.

Wer interessiert sich schon für 20.000 Kopien von "Philipp" - diesem Online-Marketer aus der Schanze? Und wer weiß schon, wie viele Stapel "Abendblatt für Werber" nach den "Online Marketing Rockstars" in den Papiercontainern von Otto Dörner hinter den Messehallen verschwunden sind? Ganz anders heute, hier und jetzt: 'Hamburg hat die gleiche DNA wie das Silicon Valley' titelt die Zwangspostille Hamburger Kaufleute. Wer hätte das gedacht, dass ihn sein Auslandsjahr in Berkeley noch einmal eine Titelgeschichte einbringt - damals, 1995, noch jung und (fast) unschuldig ...

Keiner weiß besser, wie lang, hart und beschwerlich der Weg ist ...

Die Vorhänge sind zugezogen, das Licht gedämmt, die Tür verschlossen. Es werden die schönsten Minuten dieses Abends - nach einem stressigen Tag mit Marketing-Startups, ihren Träumen, Pitchdecks und der Hoffnung, tatsächlich in einem Accelerator groß rauskommen zu können. Keiner weiß besser, wie lang, hart und beschwerlich der Weg ist, als er: Gesprächsleiter für seinen Parteivorstand, Sachverständiger einer regionalen Enquete Kommission, "Top 20 Web 2.0 Pionier", "Top 68 der die Internetwirtschaft bewegt", Social Media Direktor, vor allem aber bloggendes Gewissen seiner Partei. Eigentlich hat doch die Partei immer Recht?!

Der Datenschutz verbietet uns, weiter durch dieses sehr private Schlüsselloch in Winterhude zu schauen. Aber wir sind uns sicher, unser Protagonist erlebt in diesen Minuten eine Explosion voller Anerkennung und Hingebung. Wenns am Schönsten ist, ... Ja, Hamburg ist gut zu seinen Butjes. Diese Stadt, die in ihrer Besonderheit einfach unvergleichlich bleibt. Nicht so vorlaut, so verdreckt und gewöhnlich wie Berlin. Hier weiß man, was gut ist und wer die Stadt bewegt - in Politik und Gesellschaft. Das sieht auch der gebürtige Rostocker Oliver so.

Nein, Hamburg ist für Oliver nicht die digitale Hauptstadt ...

Oliver Rößling von 12min.me (re.) + SQUARE-Macher Uve Samuels (li.)
Foto: HANSEVALLEY

Der Basecap-Boy kann auf die größte Event-Community Deutschlands verweisen. Auch er hat Sendungsbewusstsein, wie unser gleich entspannter Cover-Boy aus Winterhude. Der Eppendorfer Familienvater ist ebenfalls Business Developer, "Maker" und "Leader", wie der Genosse von der anderen Seite der Alster. Dabei ist Oliver fast unhanseatisch dreist: Nein, Hamburg ist für ihn nicht die digitale Hauptstadt, sagt er frech der "Welt". Und legt nach: "Wenn Hamburg internationaler Standort sein will, dann müssen wir uns auch endlich öffnen“ - und zielt auf die Mauer in den Köpfen rund um Binnen- und Außenalster ab.

Wie recht er hat, zeigen die erschrockenen Gesichter bei seinem Event "Caps'n'Collars". Dem Innovationsdirektor der Investitionsbank bleibt fast der Wein des Monopol-Caterers der Kammer im Hals stecken: Berater Joachin Sörgel stellt das "Elbvalley" auf den Kopf: "Wachstum in der Welt bedeutet in Hamburg gar nichts". Der Hafenexperte zeigt mit nackten Fingern auf die schrumpfende Hafenwirtschaft - inkl. HHLA. Während weltweit erhebliche Investitionen in den Ausbau des wachenden Containerverkehrs gesteckt würden, habe man sich "im gallischen Dorf" Hamburg "eine Komfortzone zugelegt". Dagegen ist HANSEVALLEY in der Kommunikation ja eine Klosterbruderschaft ...
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Hafenmetropole verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Medienhauptstadt verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Designmetropole verloren? 

Oder anders gefragt:
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Internethauptstadt verloren? 
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Gameshauptstadt verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Fintech-Metropole verloren? 

Warum verliert Hamburg gerade den digital-vernetzten Anschluss unter den deutschen und europäischen Metropolen? 

Liegt es an Mitarbeitern der Wirtschaftsbehörde, die das Thema Digitalisierung - wie ihr Senator betont - stets nach bestem (Ge-)Wissen "vorbeigetrieben" haben? Liegt es an einer "Startup-Unit" mit 2 einsamen Mitarbeitern - aber umso mehr Flugmeilen? Liegt es an 2 "Kindergärtnerinnen" eines privaten Startup-Netzwerks, die versuchen alles wegzubeißen, was nicht nach ihrer Nase tanzt? Liegt es an der "Games-City Hamburg" mit jetzt 3 statt nur 1 Mitarbeiter - um endlich Skat kloppen zu können? Liegt es an Key Accountern der Wirtschaftsförderung, die satt, aber auf jeder Party umso durstiger sind? Oder liegt es an der Biotop-Pflege unter dem Titel "Unser Dorf soll schöner werden" - nachzulesen in den staatlichen "Hamburg News"? 


Visualisierung "Hammerbrooklyn Digital-Campus"
Illustration: Hammerbrooklyn Immobilien

Vielleicht liegt es ja auch am Verschieben eines 50 Mio. €-Grundstücks in "Hammerbrooklyn"? Man weiß es nicht, und ahnt es nur ... Wirtschaftssenator Westhagemann rühmt das unrühmliche Gewerbeimmobilien-Projekt in Hammerbrook vorsorglich als "Stadt der Zukunft". Die 2. Notlösung neben dem "Ersten" wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit - von Logistik-Interview über Grundsteinlegung bis Wirtschaftsvortrag - seine Lieblingsschlagworte 1. Mobilität, 2. Autonomes Fahren, 3. KI und 4. Wasserstoff zu platzieren, ob es passt oder auch öfter mal nicht. Die hanseatische Höflichkeit verbietet es uns, auch nur an "B.llshit-Bingo" zu denken. Passende Apps mit Freitext-Eingaben für die nächste Senatorenrede laden Sie bitte aus den App Stores herunter. *Werbung*

Nein, das tun wir unsern Lesern nicht (mehr) an ...

Wir sparen uns, über den unerschütterlichen Glauben der harmonisch vereinten Hafenwirtschaft zu schreiben, das "Umlaufbaggern" in der Elbe würde Hamburg seinen verdienten Platz in der ersten Reihe der Weltmetropolen (wieder)bringen. Wir ersparen uns Kommentare über eine spaßbefreite SPD, die mal eben 15% Vertrauen verloren hat und um ihre Führungsrolle bangt. Auch die mütterlichen Grünen sind für uns kein Thema, auch wenn sie sich auf Bezirksebene selbst klonen. Und die hoffnungsgeschwängerte CDU mit unermüdlichem Pfeifen im Walde ist auch kein Thema, ebenso wie ihre PR-Show, aus der 15%-Opposition "ganz nah am Wähler" die Regierungsmehrheit zu rocken. Nein, das tun wir unsern Lesern nicht (mehr) an ...

Der Schweizer Karl Golta könnte dem Geheimnis des "gallischen Dorfes" auf die Spur gekommen sein. In einem Gespräch für ein Hamburg Digital Interview antwortet er: "Vielleicht ist es die Kaufmannsdenke". Seit 19 Jahren lebt und arbeitet der Industrie-Designer an der Elbe, stellt die Menschen und ihr Handeln in den Mittelpunkt. Auf Nachfrage erklärt er, dass Kaufleute ein Produkt entwickeln (oder einkaufen), um es dann so oft und so lange wie möglich zu handeln. Der Prozess der Entwicklung ist damit abgeschlossen. Treffer! Die gute alte Krämerseele lebt in echten und zugereisten Hanseaten bis heute anscheinend fort.

Wenn nur die Digitalisierung mit der Notwendigkeit zur Technik nicht wäre ...

Selbst der analoge Vorzeige-Hamburger Karl Lagerfeld gab in einem Interview im Dezember 2017 gegenüber dem Abendblatt unumwunden zu: "Im Grunde bin ich ein Pfeffersack". Und ergänzt, die Stadt sei "wie eine Tapete" in seinem Hirn. Wenn ich heute die Grundschulklassen am Großen Burstah ihre Hamburg-Fragen beantworten sehe, weiß ich, dass es immer so bleiben wird - wie seit 1189, als sich die gar nicht so ehrbaren Pfeffersäcke ihren Zoll-Freihandels-Brief kurzerhand selbst schrieben - inkl. Signatur von König Barbarossa. Wenn heute nur diese dumme Digitalisierung mit dieser hässlichen Notwendigkeit zur Technik nicht wäre, diese Transformation mit dem Zwang sich anzupassen und dieser Kulturwandel, der uns Hanseaten so gar nicht gut tut ...

In einer illustren Runde von Wirtschaftsförderern aus Hamburg und der Welt bekomme ich an einem lauen Sommerabend eine weitere Bestätigung: Menschen, Städte und Länder, die wenig oder nichts haben, müssen innovativ sein, um etwas zu erreichen. Menschen, Städte und Länder, die alles haben, denken, sie müssen sich nicht bewegen. Das geht solange gut, bis die Hungrigen, die Zielstrebigen, die Kreativen an ihnen vorbei ziehen und die nächste Runde des Geschäfts übernehmen. Bis dahin klebt man in Hamburg den Begriff "Next" gern auf alles, was wenig bis gar nicht innovativ ist. Und da alle - von Sparkasse bis Marketing-Inkubator - mitmachen, fällt es fast gar nicht auf.

Vielleicht sollten wir die Berliner zurück in ihren ostdeutschen Slum schicken ...

Vielleicht sollten wir einen weiteren Preis neben 4.685 Ehrungen in Rathaus und Bezirken einführen - wenn uns schon niemand da draußen versteht. Vielleicht sollten wir auch die Berliner bei Hochbahn, TU Tech oder Uni Hamburg zurück in ihren ostdeutschen Slum schicken?! Denn das berüchtigte "Berlin-Hamburg-Ding" darf einfach nicht fehlen, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Und vielleicht sollten wir auch gleich eine neue Mauer bauen, nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch gegenüber "Nord-Italien" aka "Nord-Afrika"?! Vielleicht sollten wir weiterhin unsere Kaffeesäcke zählen und hoffen, dass die Welt um uns herum nicht mitbekommt, dass wir einem drittklassigen Hafen an einem verschlickten Fluss 6 Stunden Frachterfahrt hinter der Deutschen Bucht huldigen. 

Hier in Winterhude ist die Welt noch in Ordnung und die 80 Blatt dreifach saugfähigem "Budni"-Zellstoff in besten Händen. Ach, wäre doch ganz Hamburg so kuschelig - und nicht so gierig, wie die Bauträger in "Hammerbrooklyn", so unverschämt, wie die Subventationsritter in Harburg und so unverblümt, wie diese Digital-Blogger. Ach wäre die Welt doch schön ohne Subventionen, Skandale und zum Himmel schreiende Schiebereien. Wie gut, dass es diesen einen Moment gibt, wo er sich über alles selbst liebt - unser Cover-Boy in Baby-Blau. Und Morgen dreht sich wieder alles um dieses Internet und diese verdammten 12% Wählerschaft, die einem den Spaß am Spaß verderben können ...

Autor: Thomas Keup

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag entspricht nicht unbedingt der Meinung der Redaktion.

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 Hamburg Digital Background: 

HANSESTATEMENT: 
Hamburg Innovation, Hamburg Future, Hamburg What?
hansevalley.de/2019/06/hansestatement-hamburg-innovation-future-something.html


HANSESTATEMENT:
Digitalisierung? Kein Thema mehr für die Hamburger CDU?
hansevalley.de/2019/06/hansestatement-cdu-ovens.html

HANSESTATEMENT:
"Future Hamburg" - ein büschen gestern ... noch morgen.

Donnerstag, 20. Juni 2019

HANSEBUSINESS: Nach WhatsApp Newsletter-Aus - Messenger Marketing mit Köpfchen.

HAMBURG DIGITAL REPORT


Messenger-Services wie "MagicPostr" von "DM"
erobern WhatsApp-Chats. Foto: DM

Die Hochbahn nutzt ihn. Radio Hamburg ist mit ihm auf den Straßen unterwegs. Die Volksbank weiß, wie er ihren Kunden hilft. Auch die Bücherhallen und der Hauptbahnhof schätzen die Möglichkeit, mit ihm direkt ins Gespräch zu kommen. Das Portal "Wunderweib" von Bauer Excel nutzt ebenfalls die Vorzüge vom ihm auf unseren Smartphones:

Die Rede ist von WhatsApp - dem führenden Messenger in Deutschland und der westlichen Welt und einem der beliebtesten Newsletter-Kanäle der Werbewirtschaft. Doch jetzt ist damit Schluss. Ab Dezember '19 verbietet Facebook den Versand von Newslettern über WhatsApp. Was über Jahre zum beliebten Marketing-Kanal gehörte, ist kurz vor dem Ende. 

Wenn vier von fünf Nutzern in Hamburg und Deutschland mit ihren Freunden auf WhatsApp setzen, wird's für Unternehmen richtig spannend. Denn der mobile Chatservice kann viel mehr, als Werbung spammen. Ein Blick hinter die Kulissen von Messenger Marketing - und was man Gutes damit tun kann. Ein Hamburg Digital Report:

50 Prozent der Deutschen nutzen mehrmals täglich einen Instant Messenger. 71 Prozent der Bundesbürger haben eine Messenger-App auf ihrem Smartphone. 81 Prozent davon sind Nutzer der Facebook-Tochter WhatsApp und über den globalen Messenger-Service mit Familie, Freunden und Kollegen vernetzt. Wenn kaum noch telefoniert wird, wird umso mehr getextet.


Fast alle jungen User nutzen WhatsApp aktiv.
Grafik: Statista, Quellen: Faktenkontor, IMWF

Messenger wie Facebook, WhatsApp und Telegram übernehmen die Kommunikation - für Terminabstimmungen und Freundschaftsdienste, beim Showrooming sowie unterwegs und auf Reisen. Der kleine Dienst ist Briefbote - und hat schon so manche Beziehung in Bedrängnis gebracht. Die unschlagbaren Vorteile kleiner grüner Häkchen: Das schnelle und einfache Teilen von Fotos, Videos sowie vertrauliche Text- und Sprachnachrichten ohne Umweg.

WhatsApp auf dem Handy: Rote Karte für Werbemüll.

Die Potenziale hat auch die Werbewirtschaft für sich erkannt: Mit News-, Wetter- und Verkehrs-Alerts, Newslettern und Gutscheinen drängen sich mehr oder weniger legale Dienste in unsere Privatsphäre. 58% der deutschen User lehnen es jedoch ab, wenn es um das Zuspammen eines weiteren Kanals durch reichweiten-optimierte Performance-Kampagnen geht. Das hat auch Facebook erkannt und die Reißleine gezogen. Was wir dagegen akzeptieren: Informationen und schnelle Kommunikation.


WhatsApp: Macht Beziehungen ein Ende - und bringt neue Liebe -
z. B. über das Magazin von Parship/Elite Partner aus Hamburg.
Screenshot: HANSEVALLEY

Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet? Wie kann ein Messenger-Dienst so genutzt werden, dass er Kunden und Usern, Partnern und Mitarbeitern hilft - und nicht nervt, wie inhaltsfreie Bullshit-Kampagnen? Die Zauberworte heißen Service und Support - statt Spammen und Schleudern. Für die eine oder andere Online Marketing-Agentur in Hamburg wird das jetzt vielleicht eine größere Herausforderung.

Der Sperr-Bildschirm: Das Heiligste auf unserem Handy.

Die Fakten sprechen eine eigene Sprache, bei der alle Relationship-Experten mit dem Kopf nicken und alle Performance-Marketer abtreten dürfen: Eine aktuelle YouGov-Studie zeigt: 12 Prozent der Deutschen wünschen sich lokale Informationen von Restaurants, Cafés oder Bars, 8 Prozent schätzen Informationen lokaler Händler, z. B. von Möbel-, Blumen- oder Dekoläden. Das ist für kluge Kaufleute besonders interessant, denn: 


WhatsApp ist vor E-Mails und Facebook auf dem Sperrbildschirm erlaubt.
Grafik: MessengerPeople

Während News-Apps von N-TV, Spiegel, Welt & Co. nur zu 12 Prozent auf unserem heiligsten Display - dem Sperrbildschirm - Nachrichten abliefern dürfen, erlauben Android- wie iPhone-Nutzer WhatsApp zu 45 Prozent Nachrichten auf dem Bildschirm, gefolgt von E-Mails mit 26 Prozent und mit gerade einmal 20 Prozent auch Facebook, so das Ergebnis der YouGov-Studie von "MessengerPeople" aus dem vergangenen Jahr. Ein Umstand, der mit Umsicht behandelt werden sollte, um nicht vom Bildschirm verbannt zu werden.

Services und Support - statt Alerts und Newsletter-Spam.

Matthias Mehner ist Marketing-Chef beim Service-Provider "MessengerPeople". Mit gut 1.600 Messenger-Kunden und rd. 18 Mio. versandten Nachrichten täglich sind die Münchener ein führender Anbieter für Messenger-Dienste. Anlässlich der "Online Marketing Rockstars" nutzten wir die Chance, dem langjährigen Social Media-Experten von "Pro Sieben Sat 1 Fernsehen" auf den Zahn zu fühlen - mit überraschenden Erkenntnissen.


Einer der ersten Hamburger WhatsApp-Dienste:
Störungenmeldungen auf den U-Bahn-Linien.
Foto: Hamburger Hochbahn AG

Seit 4 Jahren beschäftigt sich das Münchener Team mit Messenger Marketing - und hat u. a. mit der Hochbahn den viel beachteten Störungsdienst für die vier Hamburger U-Bahn-Linien aufgesetzt. Mittlerweile arbeitet das fast 80 Mann starke Team vor allem an cleveren Messenger-Lösungen, denn Alerts und Newsletter werden von der WhatsApp-Mutter Facebook gebrandmarkt und ab Dezember komplett verbannt.

WhatsApp im Business: Kundendienst + wichtige Infos.

Weltweit sind rd. 25 WhatsApp-Anbieter von Facebook als "Business Solutions Partner" zertifiziert. Sie allen haben sich verpflichtet, über WhatsApp keine Spam-Kampagnen abzufeiern, und bei einmaligen Informationen den Messenger-Stream nicht als regelmäßige Reklame-Mülltonne zu missbrauchen. Einer dieser Anbieter sind die "Messenger People". Und Matthias Mehner macht klar: 


Eine Nachricht per WhatsApp genügt:
3-S-Service auf dem Hauptbahnhof:
Foto: Deutsche Bahn AG

WhatsApp dient im professionellen Einsatz zu 90% am Besten dem Kundendienst, zu 10% gewünschten, einmaligen Benachrichtigungen, z. B. einer Info über die Paketsendung. Womit wir bei Hamburgern Anbietern sind: Die Hochbahn testet gerade einen WhatsApp-basierten Kundendienst und die Deutsche Bahn schickt auf Messages von Reisenden die Putzkolonne in Wandelhalle, auf Südsteg und die Bahnsteige des Hauptbahnhofs (Stichwort "3-S-Service"). 

Messenger Marketing: Hamburgs Wirtschaft mittendrin.

Radio Hamburg betreibt über seinen Kanal "Content Sourcing" mit Verkehr & mehr von Hamburgs Straßen. Bei den Bücherhallen können sich Interessenten in einen Abo-Dienst zu interessanten Veranstaltungen eintragen lassen. Schließlich gilt "all Business is local". Apropos: Die Hamburger Otto Group bedient über ihre heimischen Outlets "Bon Prix" und "Otto.de" Interessenten mit gewünschten Angeboten, wie dem "Deal des Tages". Für 11 Prozent der User absolut ok.


Online Marketing Rockstars mit News für WhatsApp und Instagram.
Screenshot: HANSEVALLEY

Die Beispiele zeigen: Der Kontakt zu Kunden, Abonnenten und Nutzern via WhatsApp ist nicht nur möglich, sondern im konkreten Fall sogar nützlich - auch mit werblichem Charakter. Verschickten Anbieter im Messenger Marketing in den Jahren 2016 bis 2018 vor allem Newsletter als Push-Dienst, hat sich der Nachrichtenkanal im vergangenen Jahr zunehmend zur Möglichkeit für Interaktion und Kommunikation entwickelt. 

Kundendienst: Die Leute fragen immer das Gleiche.

Seit ca. 2017 kommt ein weiteres, spannendes Thema ins Spiel: WhatsApp als automatisierter Kundendienstkanal im 1st Level - in Verbindung mit vorprogammierten Chatbots. Damit wird das Thema Messenger-Kommunikation zu einem Massenmarkt-zentrierten Dienstleistungsthema. Für die nicht unbedingt immer innovative Call- und Contact Center-Branche heißt das: bis zu 4 mal mehr gelöste Tickets mit dem selben Personaleinsatz. 


Best Practice bei Otto.de: Chatbot "Clara" mit WhatsApp-Service
Screenshot: HANSEVALLEY

Was in Best Practices wirkt, muss sich auch im Controlling rechnen. Für die Cost-Center Services sowie Support gibt es auch in der digital vernetzten Welt nicht mehr Budget - aber den Druck, mit den selben Ressourcen mehr Fälle abzuarbeiten. Hier können Chatbots ohne KI im 1st Level bereits eine Quote von bis zu 80% erledigten Fällen verbuchen, gefolgt von 20% Telefon-Support im individuellen 2nd Level-Support.

WhatsApp für Mitarbeiter: Der Tot der Intranets.

Wenn Kunden für Standardanfragen Antworten von einem Bot bekommen, können sich Service-Mitarbeiter auf die wichtigen Themen konzentrieren. Neben dem B2C-Kundendienst ziehen Messenger-Services zunehmend auch in die B2B-Kommunikation ein. Im nächsten Schritt ermöglichen WhatsApp & Co. per verschlüsselter Verbindung die interne Kommunikation und lösen tote "schwarze Bretter" aka Intranet-Portale ab.


Messenger als Kunden-Kommunikations-Kanal.
Foto: WhatsBroadcast

Im Geschäftskundenbereich ist WhatsApp ebenfalls bereits ein Service- und Support-Kanal: So kommuniziert der amerikanische Traktor- und Bagger-Hersteller "John Deere" mit Bauern und Bauarbeitern via Messenger. Was dem Traktor-Hersteller recht ist, ist dem Dünger-Lieferanten Bayer nicht nur billig. Auch die Leverkusener interagieren mit ihren Kunden live vom Kartoffelacker. 

2 Klicks zur Kommunikation - oder zu 500 Containern.

Für Privat- wie Geschäftskundenangebote gilt in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs, geänderter Kommunikation - nicht nur von jungen Kunden -und einer verpflichtenden Erreichbarkeit via Internet: mit nur 2 Klicks müssen Messenger den Kunden in die Kommunikation bringen - ohne lästige Handy-Nr. im Telefonbuch einspeichern zu müssen. Wir haben dies live ausprobiert - und waren positiv angetan. Damit nicht genug.


Cyber Tactical Operations Workshop im IBM C-Force Lagezentrum.
Foto: HANSEVALLEY

IBM verriet in einem Presseworkshop im 23 Tonnen schweren mobilen "Cyber Tactical Operation Center" in Berlin: Während des weltweiten Cyberangriffs auf A. P. Moeller Maersk lies die dänische Hochseereederei über WhatsApp und die Smartphones der Mitarbeiter 500 Container verschiffen - ein Plan des Krisenmanagements von Maersk, während die IT und die Terminals in Rotterdam stillstanden. Mal so als Tipp für die digital verloren wirkende HHLA ...

Messenger Marketing: Thema zur richtigen Zeit.

Übrigens: Matthias Mehner und die "MessengerPeople" haben die "Online Marketing Rockstars" trotz des jüngeren Publikums und der "Legebatterie" im "Hühnerstall" als rundherum erfolgreich erlebt. Für die 150 Plätze in der von ihnen geplanten Masterclass gab es über 400 "Bewerber". Ein Zeichen für das richtige Thema zur richtigen Zeit - und eine erfolgreiche Adressierung des OMR-Teams aus der Schanze. Kein Wunder, dass OMR selbst auch auf WhatsApp als Servicekanal setzt.


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 Hamburg Digital Background: 

Aus der Whatsapp-Newsletter: Wie Marken und Medien auf den Reichweiten-Verlust reagieren