Sonntag, 23. September 2018

HANSEPERSONALITY Jens Meier: "Wir leben in einem Zeitalter der Veränderung – und das sollten wir als Chance sehen."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Seit dem gefälschten Freibrief von Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1189 ist der Hafen das Herz der Ham(ma)burg. Auf 7.200 Hektar werden heute im Jahr rd. 140 Mio. Tonnen Waren u. a. in 9 Mio. Containern umgeschlagen und mehr als 800.000 Kreuzfahrt-Passagiere ein- und ausgeschifft. Das Tor zur Welt ist mit mehr als 900 Häfen in über 170 Länden verbunden. Der drittgrößte Hafen Europas bringt mehr als 21 Mrd. € Bruttowertschöpfung im Jahr und ist Standort für 155.000 Arbeitsplätze.


Innovator und Motor für den digitalen Hafen Hamburg:
HPA-Geschäftsführer Jens Meier.
Foto: HANSEVALEY

Herr über Vessel Traffic-, Coordination- und Cruisegate-Center, über 280 Liegeplätze und 119 Brücken, 270 km Bahnschienen, 140 km Straßen und den alten Elbunnel ist die Hamburg Port Authority mit rd. 1.800 Mitarbeitern. Fernab von 4.500 Container- sowie alles in allem 9.000 See- und 10.000 Binnenschiffen im Jahr, 50 eigenen Hafenschiffen und der Elbvertiefung hat die HPA mit Zukunftstechologien den Wettlauf um die Führungsrolle des Hafens eingeläutet. 

Ein preisgekrönter "virtueller Hafen" unterstützt in Augmented- und Virtuell Reality bei Bauprojekten und Katastrophenschutz. Im "SmartPort" werden Logistik und Energie digitalisiert und optimiert. Und der "ChainPort" ist das weltweite Netzwerk für die Zukunft des Hafens. An der Spitze des digitalen Hafens steht ein 52-jähriger Informatiker. Unser HANSEPERSONALITY ist HPA-Geschäftsführer Jens Meier.

Port-Thema Single Window:

Einigen Verdächtigen in Hafen und Medien stehen offensichtlich ab und zu die Nackenhaare zu Berge, wenn sie HPA hören. Ein Streitthema war der seit 2013 diskutierte "SmartPort" als Ablösung des "Port Community Systems" des Hafendienstleisters DAKOSY. Ist das Thema "Single Window" vom Tisch - und was halten Sie von einer zentralen Lösung a lá "National Single Windows"?


SmartPort steht bei der Hamburg Port Authority für eine Philosophie, im Zuge des Megatrends Digitalisierung innovative Projekte im Hamburger Hafen zu pilotieren – und diese bei Erfolg umzusetzen. SmartPort war nie EINE IT-Lösung oder App, die das existierende Port Community System ablösen sollte. 

Der Hafen kann als Testlabor für die ganze Stadt dienen. Hier können wir zeigen, dass der Hafen einen Schritt weiter ist. Seit dem Start von SmartPort im Jahr 2013 haben wir alleine im SmartPort logistics-Kontext mehr als 20 Projekte durchgeführt– alle "Made in Hamburg". Für mich ist das eine Erfolgsbilanz, die sich beispielsweise in der Verfügbarkeit und intelligenten Auslastung unserer Infrastruktur positiv bemerkbar macht – ein Streitthema ist es für mich überhaupt nicht. 


Eine globale Bill of Lading Cloud für die Sicherheit.

In die Entwicklung des National Single Window Plus war die HPA selbst nicht involviert. Als Informatiker begeistert mich in diesem Zusammenhang allerdings immer wieder eine andere Vision: Nämlich die Idee, eine globale Bill of Lading Cloud zu etablieren und zwar aus Sicherheits-, aber nachrangig auch aus Prozessoptimierungsgründen. Mit dieser könnten alle relevanten Ladungsdaten von Seeschiffen weltweit in eine zentrale Cloud hochgeladen werden – unabhängig von Reedern und Dienstleistern. Komplett diskriminierungsfrei. Die Vorteile lassen sich mit einem einfachen Beispiel erklären: 


Treibt mit IT- und innovationsabteilung die Digitalisieung:
HPA-Hafenchef und Informatiker Jens Meier
Foto: HPA/Andreas Schmidt-Wiethoff 

Im Falle einer Havarie könnten dann sofort für jeden einzelnen Container Daten abgerufen werden, welche Ladung er enthält und ob eventuell Gefahrstoffe enthalten sind. Bei dieser Lösung würden auch Container erfasst werden, die im Slot Charter auf einem Schiff transportiert werden – die Behörden hätten sofort über jeden Container die nötigen Informationen. Leider stehen nicht alle Prozessbeteiligten – aus unterschiedlichen Gründen - so einer weltweiten Lösung positiv gegenüber. Ich finde es schade, dass Dinge, die in der Luftfracht bereits lange transparent sind, sich in der Seefracht nur sehr schwer etablieren lassen. Aber wir bleiben dran.

Port-Thema Drohnenflüge:

Ein Blick nach oben: Zur Eröffnung des neuen Logistik-Hubs ist eine Drohne als Zeichen der Zukunftschancen in den Speicherboden am St. Annenufer geflogen. Die HPA plant mit "Port Wings" im Rahmen des Testfeldes "Digitaler Hafen" Drohnen zur Überwachung von Straßen, Brücken und Kränen einzusetzen. Ist das Millionenprojekt mehr, als eine Spielerei - wie z. B. "fliegende Container"?

Von Spielerei kann hier keine Rede sein. Denn egal ob in der Luft, auf dem Wasser oder unter Wasser: Der Einsatz von Drohnen eröffnet uns auch im Hafen völlig neue Perspektiven – beispielsweise bei der Inspektion, Wartung und Ausbau der Hafeninfrastruktur. Der Zustand von Gebäuden, technischen Anlagen und Infrastruktur wie Brücken, Schleusen und Kaimauern im Hafenbereich ist für den reibungsfreien Hafenbetrieb entscheidend. 


"Wir tragen Verantwortung, dass sich der Hafen entwickelt."

Der Zugang zu diesen Objekten ist vom Boden aus aber oft schwierig oder gefährlich. Auch beim Havariemanagement von Sturmfluten oder Unfällen bieten Drohnen ein riesiges Potenzial, das wir nutzen möchten. Mit dem Projekt „Port Wings“ möchte die HPA untersuchen, wie Drohnen in den Hafenalltag integriert werden können. Das Projekt, das voraussichtlich im Herbst startet und für das die HPA bei der Bundesregierung um Fördermittel wirbt, ist in das „Testfeld Digitaler Hafen“ eingebettet. 

Wir tragen Verantwortung, dass sich der Hafen entwickelt und auch in Zukunft wettbewerbsfähig ist. Dazu gehören Innovationen – also auch der Einsatz von Drohnen. So hatte ich im Januar gemeinsam mit Senator Frank Horch die Gelegenheit, im Sandtorhafen den Test einer Inspektionsdrohne live zu verfolgen. Die sogenannte „DriX“kann völlig selbstständig Wassertiefen oder Unterwasserhindernisse vermessen. Auch das ist für den Hamburger Hafen eine interessante Entwicklung - hier ist die Technik noch am Anfang. 

Port-Thema Automatisches Fahren:

Die Bundesregierung kann sich den Hafen, die Unterelbe und die Berliner Flusslandschaft als Testgebiete für autonome Schiffe vorstellen. Planen Sie bereits ein Testfeld für autonome Schiffe im Hafen? Und wo können Sie sich in Ihrer Infrastruktur mit Hafenbahn, Straßen, Brücken und Tunneln autonomes Fahren vorstellen?

Die Verkehre und die Gegebenheiten innerhalb des Hafens sind sehr komplex. Ich erwarte eher, dass Seeschiffe in nicht mehr allzu ferner Zukunft autonom über die Ozeane fahren. Nach dem Auslaufen aus dem letzten Hafen verlässt die Besatzung mit dem Lotsenversetzer das Schiff und die Reise wird fernüberwacht bis zur Annäherung an die Küste fortgesetzt, wo die für die Hafeneinfahrt notwendige Besatzung per Hubschrauber wieder an Bord gebracht wird.


Klare Ziele, klare Worte für den digitalen Hafen im Wettbewerb.
Jens Meier bei einer Konferenz der Telekom in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY

Natürlich gibt es auch bei uns im Hafen Ansätze, wie mithilfe digitaler Steuerung ein Plus an Sicherheit erreicht werden kann. Erste praktische Erfahrungen wollen wir in Kürze bei einem Projekt mit teilautonomen Schleppern sammeln, an dem neben verschiedenen Dienstleistern aus dem maritimen Sektor auch das Fraunhofer Institut und die HPA eingebettet sind.


Gemeinsam mit der Deutschen Bahn für autonomes Rangieren.

Im Kern wird es darum gehen, zu zeigen, dass die Kommunikation zwischen Lotsen und Kapitän sowie dem Schlepperführer über eine digitale Steuerung möglich wäre. Bisher läuft das noch klassisch per UKW-Funk. Wir könnten uns aber vorstellen, dass die digitale Steuerung effizienter und weniger anfällig für Fehler sein könnte. Das auf drei Jahre angelegte Projekt erstreckt sich von der automatisierten Leinenübergabe über die Kommunikation bis hin zu einer innovativen Steuerungskonsole. 

Einmal abgesehen von der Wasserseite: Ein ideales Einsatzfeld für autonomen Verkehr wäre die Hafenbahn. Der schienengebundene Verkehr lässt sich per se einfacher automatisieren als die Schifffahrt. Ich könnte mir gut vorstellen, gemeinsam mit einem Partner wie der Deutschen Bahn praktische Erfahrungen beim autonomen Rangieren im Hafen zu sammeln.


Port-Thema Straßentransporte:

Zurück auf den Boden der Hafenstraßen - und den Staus, nicht nur auf der Köhlbrandbrücke: Sie arbeiten mit Partnern der Logistik-Initiative an einer grünen Welle für LKW-Kolonnen im Hafen. Mit "Green4Transport" im EU-Projekt "Horizon 2020" wollen Sie für freie Fahrt sorgen. Wie und wann soll das funktionieren

Vereinfacht gesagt sollen Lastwagen im Hafen automatisch mit Ampeln kommunizieren. Wenn sich dann mehrere Lkw in einer Kolonne auf eine ansonsten freie Kreuzung zubewegen, soll die Ampel rechtzeitig auf Grün springen. Die Lastwagen müssten dann nicht bremsen, an einer leeren Kreuzung warten und wieder anfahren. Das verhindert Staus und hat unmittelbar positive Auswirkungen auf die Feinstaubbelastung und den Ressourcenverbrauch. 


"Wir wollen "dummen" Beton mit intelligenten Technik kombinieren."

Die Schlüsseltechnologie hinter diesem Projekt heißt V2X. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die sogenannte „Vehicle to Everything“-Kommunikation. Mit dem Projekt „Green4Transport“ will die HPA die Stabilität von V2X beweisen. Partner bei dem Projekt sind Scania CV, NXP Semiconductors Germany, Siemens Mobility und Technolution.


Praktiker ohne Star-Allüren und Angst vor der Zukunft:
Seine Mitarbeiter bescheinigen ihm Dynamik.
Foto: HPA/Andreas Schmidt-Wiethoff

Bevor wir voraussichtlich im kommenden Jahr in den Praxistest übergehen können, ist noch einiges an Vorarbeit zu leisten. Für das Projekt werden rund 200 Lastwagen, mehrere Ampeln und eine bewegliche Brücke mit entsprechender Technik ausgestattet. Wir wollen quasi „dummen“ Beton mit intelligenter Technik kombinieren.

Port-Thema digitalisierter Hafen:

Gemeinsam mit Nokia und der Telekom setzen Sie im Hafen im Rahmen von "5G MoNArch" die mobile Anbindung und Steuerung von Ampeln um. Zugleich gibt es im Hafen Gebiete ohne Breitbandanbindung und Elbabschnitte ohne Mobilfunk. Was wünscht sich der "Erste Hafenmanager" von den Telekommunikationsanbietern? 

Beim Projekt „5G MoNArch“ beginnt gerade die heiße Phase. Vom Fernsehturm aus beleuchten wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern, der Telekom und Nokia, den Hafen mit dem 5G-Signal. Wie mehrere Messfahrten gezeigt haben, ist das Signal stabil und erfasst den Großteil des Hafengebietes. Beste Voraussetzungen 5G erstmals weltweit in einem industriellen Umfeld zu erproben. In Kürze werden wir in Finkenwerder mobile Ampelschaltungen via 5G testen. 

Zudem sind Versuche mit mobilen Umweltsensoren auf Schiffen der "Flotte Hamburg" sowie 5G-gestützte Bauwerksplanungen über Virtual- und Augmented Reality geplant. Im Winter planen wir einen Workshop mit Vertretern der Hafenwirtschaft, um mit Ihnen über den späteren Einsatz von 5G zu diskutieren. 

"Netzabdeckung entlang der Elbe umgehend lückenlos verbessern."

Natürlich darf man beim Blick in die Zukunft nicht die aktuellen technischen Anforderungen aus dem Auge verlieren. Im laufenden Jahr ist der Ausbau an Glasfaser-Anschlüssen im Hafengebiet deutlich vorangekommen. Dafür arbeitet die HPA sowohl mit den zuständigen Behörden in der Stadt als auch mit Telekommunikationsanbietern wie der Deutschen Telekom und Vodafone eng zusammen. Allein die Deutsche Telekom plant 2018 bis zu weiteren 4.500 Betrieben im Hafen einen Anschluss mit hohen Bandbreiten anzubieten.

Mein zweiter großer Wunsch an die Telekommunikationsanbieter - neben dem Glasfaserausbau im Hamburger Hafen, der dringend notwendig und längst überfällig ist - betrifft den Verlauf der Elbe. Lotsen oder Schiffsbesatzungen müssen von Helgoland bis in den Hamburger Hafen sicher und unterbrechungsfrei auf dem neuesten Standard kommunizieren können. Nur so können wir auch die Potenziale einer optimalen Schiffssteuerung auf der Elbe gemeinsam heben. Ein schnelles Netz ist Voraussetzung für viele Anwendungen der Zukunft. Insofern würde ich mir wünschen, dass die Netzabdeckung entlang der Elbe umgehend lückenlos verbessert wird. 

Startschuss für das 5G-Testbed mit Telekom und Nokia.
Jens Meier mit Wirtschaftssenator Frank Horch auf dem Telemichel:
Foto: BWVI

Port-Thema Internationalisierung:

Böse Zungen sprechen von "Hafenfolklore" bei sinkendem Containerumschlag. Zugleich geht der Hafen Rotterdam mit IBM in einem IoT-Projekt voran und fischt mit "PortXL" in Ihren Gewässern. Sie haben mit "ChainPort" eine internationale Initiative gestartet. Wie sieht die Kooperation aus und was dürfen wir perspektivisch erwarten?


ChainPORT wurde auf Initiative der HPA sowie des Hafens in Los Angeles im April 2016 ins Leben gerufen. Wie der Name verrät, handelt es sich um eine globale Kette von smarten Top-Häfen wie Singapur, Barcelona oder Busan, die gemeinsam an der Lösung von Zukunftsfragen arbeiten. Unser Ziel ist, neue zukunftsorientierte und innovative Lösungen für anstehende Herausforderungen zu etablieren. Im Vordergrund steht dabei immer der Gedanke der Vernetzung und der Digitalisierung.

"Wir sehen uns als Partner und nicht als Konkurrenten."

Eine Triebfeder für die Gründung des Netzwerks ist das Bewusstsein, dass mehr Effizienz in der maritimen Versorgungskette vor allem durch eine bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure erreicht werden kann. Das Potenzial für mehr Effizienz liegt an der Optimierung von Abläufen an der Kaikante – und nicht im ungebremsten Größenwachstum der Schiffe.

Perspektivisch können alle Teilnehmer zielorientierte Lösungen erwarten, bei denen einer vom Know-how des anderen profitieren kann. Wir sehen uns da ganz klar als Partner und nicht als Konkurrenten. Im Oktober werden wir dazu sowohl in Antwerpen als auch in Los Angeles mit den ChainPORT-Hackathons eine besondere Premiere feiern – der Hackathon beginnt in Antwerpen und endet in Los Angeles. Gemeinsam werden Challenges aus den Bereichen Mobility, Safety & Security sowie Nachhaltigkeit bewältigt. Ich bin sehr gespannt auf die innovativen Ergebnisse. 

Die traditionelle Hamburg-Frage:

Ein Branchenvertreter sprach gegenüber HANSEVALLEY mal von einer "großen Schlangengrube" im Hafen - von der "liebevollen Beziehung" der städtischen "Halbgeschwister" ganz abgesehen. Butter bei die Fische: Was läuft im Hamburg Port schon richtig zukunftsweisend, vor allem digital - und was wünschen Sie sich von ihrer "Halbschwester" und der Hamburger Wirtschaftspolitik für den Hafen?

Digital hat der Hamburger Hafen den richtigen Kurs gen Zukunft eingeschlagen. Wir sammeln mit dem 5G-Testbed gerade zwei Jahre lang Erfahrungen, bevor der Kommunikationsstandard überhaupt irgendwo auf der Welt so richtig gestartet wird. Das bringt uns einen riesigen technologischen Vorsprung. Wir wissen, wie 5G funktioniert, bevor andere die Technologie nutzen können. An diesem Wissen werden wir auch die Hafenwirtschaft frühzeitig teilhaben lassen. Und Hamburg setzt einen europäischen Standard. 

"Digitalisierung bedeutet Veränderung – und das fällt nicht jedem immer ganz leicht."

Auf diese Entwicklung können wir stolz sein. Wie aber immer wieder zu hören ist, sorgt der Megatrend Digitalisierung bei vielen durchaus auch für Vorbehalte. Digitalisierung bedeutet Veränderung – und das fällt nicht jedem immer ganz leicht. Vor diesem Hintergrund wünsche ich mir manchmal noch mehr Mut und Initiative, um Innovationen gemeinsam mit Leben zu füllen. Wir leben in einem Zeitalter der Veränderung – und das sollten wir als Chance sehen. 

Zeigt den Weg auf für ein partnerschaftliches Miteinander:
HPA-Geschäftsführer Jens Meier.
Foto: HANSEVALLEY

Wichtig ist aber auch hier, immer die Kolleginnen und Kollegen im Hafen mitzunehmen. Denn bei allem digitalen Fortschritt: sie sind es, die unseren Hafen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr auch in Zukunft am Laufen halten. 

Herzlichen Dank für Ihre Offenheit.
Das Interview führte Thomas Keup.
* * *

 Hamburg Digital Background: 

Weitere Innovation im Hafen:

Die Hamburg Port Authority hat im Rahmen der 2013 eingeleiteten "SmartPort"-Initiative zahlreiche Digitalprojekte umgesetzt. Hierzu zählen das "PrePort System" zur Kontrolle der LKW-Parkplätze mit einer um 30% höheren Auslastung, das "Rail Data Gate" zur Erfassung von mehr als 600.000 Bahncontainern  pro Jahr oder das "Virtuelle Depot" für Leercontainer zur Halbierung von Leerfahrten, ab 2018 als "Myboxplace" von DAKOSY fortgesetzt.

Externe Digital-Initiativen der HPA:

Internationale "ChainPort"-Initiative:

Europäisches "5G MoNArch"-Projekt:

Hamburger "SmartPort"-Initiative:

Interne Digital-Initiativen der HPA:

Nautische Zentrale / Vessel Transport System:
https://youtu.be/9Ab2__HJHik

Hafeneigenes "TransPort"-Bahnsystem:

Hafeneigenes "Port Road" + "Pre Port"-Management:

Hafeneigenes "Truckgate"-LKW-Slotmanagement (DAKOSY):

Hafeneigenes "Myboxplace"-Containermanagement (DAKOSY):

Hafeneigenes "InfoPort"-Informationsmanagement:
hamburg-port-authority.de/de/infoport/

Städtische Digital-Initiativen für ITS:

Deutschlandweite ITS-Initiative in Hamburg:

Unternehmensinitiative ITS-Projekte in Hamburg:

HANSESERVICE:
Alle Kontakte in den Hamburger Hafen (Stand 08.2018)

Mittwoch, 19. September 2018

HANSESTARTUP Recalm: Was laut ist, wird leiser ... und leiser.

HAMBURG STARTUP REPORT

Lärm macht krank. Wir leiden körperlich und geistig, wenn es zu laut wird. Schwerhörigkeit ist die zweitgrößte Berufskrankheit in Deutschland. Jeder 8. Bundesbürger leidet unter Hörschäden. Wer in der Stadt lebt, hat durch Straßenlärm schlechte Hörwerte, als Landbewohner. Marc von Elling kennt das aus eigenem Erleben. An der Hauptverkehrsachse zwischen Altstadt, Neustadt, Altona und Blankenese ist im Sommer die Hölle los.


Das Team der Hamburger Tech-Startups Recalm.
Foto: Recalm

Ein sechköpfiges Team um den Elektroingenieur hat den Kampf gegen Lärm auf Baustellen aufgenommen. Unterstützt von Airbus und Stadt startet das Tech-Startup Recalm jetzt durch - auf dem Weg zum Lösungsanbieter für schallbasierten Lärmschutz in Führerständen von Baggern und Landmaschinen. Ein Hamburg Startup Report - entstanden in einem lauten Zugabteil zwischen Hamburg und Berlin: 

Ein Montag-Morgen, im ICE 1518 von Berlin nach Hamburg. Im "Bahn Comfort"-Abteil macht es sich eine Gruppe junger Mädchen bequem. Die Sportlerinnen entertainen den halben Wagon. Im Business-Abteil stört das die Pendler zwischen Spree- und der Alstermetropole wenig. Sie haben große Kopfhörer auf, auf diesen bekannte Namen, wie "Bose" und "Beats". Das Geheimnis der Geschäftsreisenden heißt Active Noice Cancelling - kurz: ANC - und ist Standard im Kopfhörer jedes Vielfahrers. Ob schrille Reisegruppe, quängelnde Kleinkinder oder lautstarke Urlauber - mit einem Klick ist Ruhe.

Szenenwechsel: Donnerstag, 17. Mai, Hamburg Innovation Summit in Harburg. Wirtschaftssenator Frank Horch besucht die Ausstellung junger Unternehmen und visionärer Hamburger Hochschulprojekte in einer zugigen Garage des TU Tech-Gebäudes gegenüber dem künftigen Innovationsport am Harburger Hafen. Der interessierte Spitzenpolitiker setzt sich in die Kabine eines Kompaktbaggers und lässt sich die Arbeit des Hamburger Startups Recalm erklären. Was BahnCard 100-Nutzer in ihren Over Ear-Kopfhörern haben, gibt es auch in Kopfstützen von Fahrerhäuschen - inkl. Antischall. Und das ist eine Innovation für den Industriestandort Hamburg.


Wirtschaftssenator Horch im Demo-Bagger in Harburg.
Foto: HANSEVALLEY

Der Anfang des Hamburger Tech-Startups Recalm begann auf einer mit HANSEVALLEY befreundeten Matching-Plattform - Founderio. Der Hamburger HAW-Student Marc von Elling suchte auf der von Studenten der Berliner Gründerhochschule HWR initiierten Plattform nach Mitstreitern. 'Ich möchte die Lebensqualität durch Lärmminderung erhöhen', schrieb der Elektrotechniker frei von der Leber weg. Betriebswirt Lukas Henkel aus dem Rheinland blieb an der Recalm-Website hängen. Gesucht, gefunden - in weniger als 11 Minuten - und ohne Jahresabo. Lukas erzählt im Recherchegespräch, wie bei Co-Founder Marc alles mal losging.

Active Noise Cancelling: Schall hilft gegen Schall.

Sommer 20216, eine Wohnung oberhalb des Fischmarktes, dort wo der 112er Bus seinen Schlenker macht. Die Fenster bei schönsten Wetter offen lassen, das ist für den jungen Studenten der HAW eine Herausforderung. Bei fast 30 Grad mit einem "Bose QuietComfort 35" der Abteilung "Bahn Comfort" durch die Wohnung zu laufen ist nicht wirkliche eine Alternative. Dem sympatischen Techi kommt eine Idee: Das Grundprinzip Schall gegen Schall zu setzen, um die Ohren zu schonen, gibt es seit 1930. Wie wäre es dann, wenn das Prinzip auch ohne Kopfhörer möglich wäre? Eine Idee ist geboren.


Unterschied mit und ohne Recalm in der Baumaschine.
Grafik: Recalm

Beim Pitch-Event bei Airbus setzt sich das junge Team um den Embedded Systems-Spezialisten Marc gegen 90 Ideen aus 30 Ländern durch. Im Inkubator bauen sie ihr Team mit 3 Startuppern auf und werden über 6 Monate auf ihren weiteren Weg vorbereitet. Neben Büroflächen helfen den Gründern vor allem Workshops und Coaching. Ein Mentor aus dem Airbus-Management gibt ihnen wertvolle Tipps. Ralf Ressel, Ingenieur und langjähriger Entwicklungsleiter für Baumaschinen wird ihr 4. Mann. Bis heute gibt es ertrauensvolle Kontakte zu Airbus, auch wenn sich Recalm in eine eigene Richtung entwickelt. 

Vom Flugzeug zu Baumaschinen zu Bahnsitzen.

Das Nachwuchsunternehmen spezialisiert sich auf Bau- und Landmaschinen. Der Lärmpegel auf Baustellen und im Außeneinsatz ist vergleich mit dem einer startenden Passagiermaschine. Die Schlüsselfrage wird: "Wie können wir Baustellen leiser machen?" Co-Founder Lukas Henkel ergänzt: "Wenn wir einmal in einem Sitz einer Baumaschine präsent sind, können wir später vielleicht in einem Flugzeug- oder Bahnsitz oder dem heimischen Ohrensessel aktiv werden." Womit er der beste Freund von tausenden täglicher Bahn-Pendler zwischen Haupt- und Hafenstadt werden dürfte. Doch zunächst arbeitet das junge Team am Führerstand eines Bagger- oder Maschinführers.

Mit dem Exist-Gründerstipendium des Bundes i. H. v. 125.000,- € konnten die pfiffigen Jungunternehmer ab Mitte 2017 durchstarten und ihren Prototypen mit einer intelligent-vernetzten Kopfstütze und cleveren Lautsprechern zur Rauschunterdrückung weiterentwickeln. Ein Jahr später der erste Markterfolg: In einem mehrwöchigen Stresstest wird das Recalm-System im Stresstest bei einem Pilotkunden getestet. Ein System, das im Kern aus Fingernagel-großen Mikrofonen, 3 Zoll-Laursprechern, einer Hardware-Plattform leistungsfähigen Chips und einer intelligenten Betriebssoftware mit eigens entwickeltem ANC-Algorythmus der Harburger Tüfftler.


Keine Kopfhörer, keine Kopfschmerzen, kein Hörschaden.
Grafik: Recalm

Nach dem Exist-Gründerstipendium unterstützt auch die Stadt Hamburg die visionären Gründer - fast mit dem Höchstbetrag der IFB-Gründerförderung "InnoRampUp". Dabei entwickeln sich die Profis  der IFB Innovationsstarter GmbH zugleich zu Sparrings-Partnern mit Rat und Tat. Der 28-jährige Wahl-Hamburger Lukas freut sich, ganz vorn dabei zu sein: "Es ist ein Produkt, dass die Leute gebrauchen können." Jetzt geht es um den ersten Pilotkunden. Bereits im nächsten Jahr wollen die zukunftsweisenden Hamburger auf der weltgrößten Baumaschinenmesse "Bauma" in München präsentieren, ihre Neuheit der Branche demonstrieren und Kontakte für Projekte gewinnen.

Ein Unternehmen aufbauen statt Bullshit-Bingo.

Im Gegensatz zu Hype-Statups an de Spree sehen die Recam-Gründer durchaus einen Fokus auf mittelständische Familienunternehmen unter den Baumaschinenherstellern, und nicht nur Marktführer, wie Caterpiller, John Deere und Kumastu. In ihrem Marketing beschränkt sich das heute 6-köpfige Team vor allem auf Messebesuche zur Vernetzung sowie auf die Teilnahme an Seminaren und Tagungen. Das Team aus 3 Wirtschafts-/Ingenieuren und 1 Betriebswirt plus Praktikanten hat sich auf den Weg gemacht. Co-Founder Lukas gibt uns als Inside mit: "Uns wird zurückgespielt, sehr gemischt aufgestellt zu sein." Und schließt mit den hoffnungsvollen Worten: "Das ist kein Projekt, dass 6 Monate laufen soll. Wir wollen organisch ein Unternehmen aufbauen." Wir nennen das ein echtes HANSESTARTUP.





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 Hamburg Digital Background: 

Recalm Hamburg:
www.recalm.com

Active Noise Cancelling, ANC:
www.itwissen.info/ANC-active-noise-cancelling-ANC-Verfahren.html

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Hamburg Innovation Summit:
https://hamburg-innovation-summit.de/

IFB Innovationsstarter:
https://innovationsstarter.com/

Sonntag, 9. September 2018

HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Olga Burkova: Digitalisierung zur Bewältigung von Herausforderungen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Die Hochschulen haben Ihr Geschäftsmodell verloren", sagt TU-Präsident Hendrik Brinksma zum 20-jährigen Jubiläum des Northern Institute of Technology, NIT. Der Informatikprofessor spitzt zu: "Wir haben als Hochschulen das Wissensmonopol verloren." Wenn das Wissen der Welt bei Google zu finden ist, welche Aufgabe haben Hamburgs Hochschulen im digitalen 21. Jahrhundert? 


Bringt die HAW Hamburg auf Zukunftskurs: Prof. Dr. Olga Burkova
Foto: HAW Hamburg/Paula Merkert

"Die Hochschulen haben die Aufgabe, die Entwicklung zu begleiten und zu hinterfragen", sagt die HAW-Vizepräsidentin für Digitalisierung Olga Burkova. Sie sieht die Digitalisierung für die HAW Hamburg als ganzheitliche Aufgabe - und präsentiert die Zukunftsstrategie für die 4. größte Fachhochschule Deutschlands. Unser HANSEPERSONALITY ist Prof. Dr. Olga Burkova:

Sie sind seit 2011 Professorin an der HAW Hamburg im Department Soziale Arbeit - mit Schwerpunkt auf Beratung und Case Management. Sie sehen die Welt nicht nur in Tools und Schnittstellen, sondern die kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen. Hand aufs Herz: Wie weit geht die Transformation in einer Hochschule mit Fakultäten für Design, Medien und Information, Life Science, Technik und Informatik sowie Wirtschaft und Soziales?

Digitalisierung führt zu komplexen gesellschaftlichen Veränderungen, die zunehmend alle Bereiche unseres Lebens prägen. Hochschulen stehen vor großen Herausforderungen, den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten – und ihre Absolventinnen und Absolventen als digital mündige Zukunftsträger zur differenzierten, lösungsorientierten und kreativen Mitgestaltung zu befähigen. Ich sehe Hochschulen in der Verantwortung, Phänomene der digitalen und gesellschaftlichen Transformation kritisch zu begleiten und Lösungen bzw. Handlungsempfehlungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik aufzuzeigen. Aus diesem Grund hat die HAW Hamburg die Digitalisierung in ihre strategische Hochschulentwicklung aufgenommen.


"Digitalisierung gelingt dann, wenn sie konkrete Lösungsansätze bietet."


Prof. Burkova mit Journalisten im neuen Lab für 3D Laserschweißen.
Foto: HANSEVALLEY
Als Vizepräsidentin für Digitalisierung sehe ich die Transformation unserer Hochschule nicht nur als technische Modernisierung. Die HAW Hamburg kann sich m. E. als Kompetenzpartnerin in Fragen der Digitalisierung in der Metropolregion Hamburg noch stärker etablieren und mit nachhaltigen Lösungen in die Gesellschaft hinein wirken. Mit unserem sehr breiten Spektrum an Fachdisziplinen an vier Fakultäten, die einen starken Anwendungsbezug haben, werden wir unser Potenzial nutzen, um an komplexen Fragestellungen der Digitalisierung interdisziplinär zu arbeiten. Denn Digitalisierung gelingt dann, wenn sie konkrete Lösungsansätze bietet. Dabei wollen wir das Potential der Chancen voll ausschöpfen aber auch die möglichen Risiken adressieren.

Bislang standen fachliche Kompetenzen in der Lehre im Mittelpunkt. Mit der Übernahme logischer Tätigkeiten durch Computersysteme werden soziale Kompetenzen im Berufsleben entscheidend. Projekte und Prozesse werden auf organisatorischer, technischer und kaufmännischer Ebene immer komplexer. Sie appellieren, soziale digitale Kompetenzen zu erlangen, um fit zu bleiben. Was heißt das?

Der Bedarf an gut ausgebildeten Absolventinnen und Absolventen mit fachspezifischen digitalen Kompetenzen, die im Mittelpunkt der Lehre stehen, ist weiterhin hoch und wird in Zukunft vermutlich noch steigen. In mehreren aktuellen Studien werden so genannte "soft digital skills“ als wichtiger und entscheidender eingeschätzt, als reine fachspezifische Kompetenzen. In Anbetracht der steigenden Komplexität in Projekten und Prozessen sollen sozial-kommunikative digitale Kompetenzen in der Lehre eine wichtige Rolle spielen.


Digital Soft Skills: Lebenslanges Lernen, Problemlösfähigkeit, Umgang mit Unsicherheit.

Welche Kompetenzen sind damit gemeint und wie können diese vermittelt werden? Zu den "soft digital skills" gehören z.B. Lernkompetenzen, selbstgesteuertes, lebenslanges Lernen, Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten, kreatives Denken und der Umgang mit Komplexität und Unsicherheit. Unsere Studierenden werden durch projektbezogene und interdisziplinäre Lehrangebote zur zunehmend interdisziplinären und digitalen Zusammenarbeit befähigt, um den Anforderungen wie Offenheit, Transparenz und Kollaboration im Berufsleben zu begegnen.

Die HAW hat an den drei Standorten Berliner Tor, Finkenau und Bergedorf mehr als 460 Mitarbeiter/innen in Technik und Verwaltung, rd. 380 wissenschaftliche Mitarbeiter/innen, gut 550 Lehrbeauftragte und rd. 390 Professor/innen. Wie können Sie die Digitalisierung in der Organisation HAW mit den Bereichen Lehre, Forschung und Transfer, Weiterbildung und Verwaltung initiieren und implementieren?


Wie jede andere Einrichtung müssen wir uns intern mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Im ersten Schritt haben wir eine interne hochschulweite Bestandsaufnahme in den Bereichen Lehre, Forschung, Weiterbildung und Verwaltung durchgeführt, um festzustellen, wo wir bezüglich der Digitalisierung stehen. Daraus haben wir dynamische Entwicklungsprojekte in den jeweiligen Bereichen initiiert. Die Optimierung und Digitalisierung von kundenintensiven Verwaltungsprozessen, die Bereitstellung der digitalisierten Forschungsinfrastruktur sind einige Beispiele dafür.


Lösungsideen zur zukunftsweisenden Gestaltung der Lehr-Curricular

Im Bereich der Lehre haben wir einen weiteren dynamischen Prozess durch den gewonnenen Zuschlag des „Hochschulforums Digitalisierung“ in Gang gesetzt. Im Rahmen der hochschulweiten Peer-to-Peer-Strategieberatung setzt sich die HAW Hamburg als eine von sechs bundesweit ausgewählten Hochschulen mit Fragen der Weiterentwicklung unserer Studiengänge und der entsprechenden Vorbereitung von AbsolventInnen auf die Anforderungen der digitalen Arbeits- und Lebenswelt auseinander. Wir erhoffen uns dadurch die gemeinsame Erarbeitung ganz konkreter Lösungsideen zur zukunftsweisenden Gestaltung der Lehr-Curricular im digitalen Zeitalter, die wir hier an der HAW Hamburg umsetzen wollen.

Ihr Haus ist nicht nur eine staatliche Fachhochschule, sie ist auch durch Projekte und Initiativen mit Wirtschaft und Gesellschaft der Freien und Hansestadt verbunden, z. B. mit der Informatik-Plattform "Ahoi Digital". Wie kann eine große und vielfältige Einrichtung in Hamburg und der Metropolregion den Wandel zusammen mit Wirtschaft, Politik und Hamburger Bürgergesellschaft gestalten - und nicht nur im eigenen Haus?

An der HAW Hamburg finden bereits viele Projekte und Initiativen in Kooperation mit Wirtschaft, Politik und Bürgergesellschaft statt. Das thematische Spektrum dieser Vorhaben reicht von Mobilitätsfragen, 3D-Druck, neuen Geschäftsmodellen bis zur digitalen Kommunikation und Fragen der digitalen Teilhabe. Wir arbeiten an vielen Themen, die die Metropolregion bewegen. Dieses muss sichtbarer werden, um auch andere zu beteiligen, sich zu vernetzen und andere profitieren zu lassen.

Bestehende Aktivitäten sichtbar machen & öffentliche Dialogformate initiieren

Digitalisierung setzt voraus, dass man entsprechend kommuniziert. Ich sehe meine Aufgabe darin, bestehende Aktivitäten sichtbar zu machen, aber auch Kanäle und Formate zu identifizieren, die uns ermöglichen, unsere Themen gut zu platzieren. Die Idee ist dabei, vor allem Dialogformate für die Öffentlichkeit an der Schnittstelle Hochschule – Wirtschaft – Gesellschaft – Politik zu drängenden relevanten Themen im Bereich der Digitalisierung in Hamburg auszubauen.

Professoren werden in einer heterachischen Gesellschaft zu Coaches, Vorlesungen zu gesellschaftlichen Diskursen, wie wir in Zukunft arbeiten und leben wollen. Gehen wir über den Dialog mit der Gesellschaft hinaus in die Vernetzung mit unternehmerischen und gesellschaftlichen Feldern, wie den Bildungssektor, Industriezweige oder die Gesundheitswirtschaft: Wie kann sich die HAW in Hamburg und der Region vernetzen - und damit Diskurse für unsere Zukunft initiieren?


Steht der Presse offen Rede und Antwort:
Digitalisierungs-Vizepräsidentin Burkova.
Foto: HANSEVALLEY
Vernetzung mit regionalen und überregionalen Akteuren und Akteurinnen ist eine weitere strategische Aufgabe. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug zur Bewältigung von aktuellen Herausforderungen und Bedarfen. Unsere vielfältigen Digitalisierungsaktivitäten zielen darauf ab, gemeinsam mit der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik Lösungen für die Stadt Hamburg und darüber hinaus zu entwickeln. Deshalb wollen wir mit den wichtigen Stakeholdern bestehende Bedarfe identifizieren und entsprechende bedarfsgerechte Kooperationen sowohl regional und überregional als auch international angehen.


Bedarfsgerechte Kooperationen mit Gesundheitswesen, Industrie, Arbeit und Bildung

Denn genau in solchen anwendungsorientierten Vorhaben liegt die Stärke unserer Hochschule als Deutschlands viertgrößte Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Durch eine breite Disziplinaufstellung können wir gezielt bedarfsgerechte Kooperationen in unterschiedlichen Bereichen z. B. Gesundheitswesen, Industrie, Arbeit und Bildung angehen. Wir brauchen eine Art responsive Digitalisierung, die Antworten und Lösungsansätze auf gesellschaftsrelevante Fragen liefert.

Am 2. Mai 2017 wurde Micha Teuscher als neuer Präsident der HAW Hamburg vereidigt. Der Wirtschaftswissenschaftler  und Agrarökonom hat die Veränderungen an der HAW Hamburg mit Ihnen als Vizepräsidentin für Digitalisierung aktiv eingeläutet. Wie wichtig ist das "digitale Führungsduo" Teuscher-Burkova, die 4. größte Fachhochschule Deutschlands mit rd. 17.000 Studierenden in mehr als 75 Studiengängen auf Zukunft auszurichten?

Der Strategiebildungsprozess kann nicht nur top-down umgesetzt werden. Wir haben einen Digitalisierungsbeirat, der aus relevanten Vertreterinnen und Vertretern der Hochschule wie CIO, Stabstelle Forschung und Transfer, E-Learning-Beauftragte, Arbeitsstelle für Studium und Didaktik, Weiterbildung, Diversity u. a. besteht. Die Mitglieder des Digitalisierungsbeirats beraten die Hochschulleitung bei der Entwicklung von identifizierten strategischen Handlungsfeldern.


Forschen und Lehren im digitalen Zeitalter + Hochschule für die Transformation der Region

Bundesweit lassen sich zwei Tendenzen bei der strategischen Einführung der Digitalisierung an Hochschulen beobachten: Digitalisierung als Modernisierung der Hochschulen im Sinne einer technischen Innovation und als Profilierung der Einrichtung mit dem transformativem Aspekt. Die HAW Hamburg verfolgt beide Ziele, sowohl die Bereitstellung einer Infrastruktur, um im digitalen Zeitalter zu forschen und zu lehren, als auch eine thematische Profilschärfung unsere Hochschule.

Ich denke, weder Top-down noch Bottom-up eignen sich dabei als Vorgehensweisen. Als „digitales Führungsduo“ sprechen wir uns ganz klar für einen integrativen Ansatz aus – mit dem Ziel, durch klare strategische Überlegungen möglichst viele Kolleginnen und Kollegen mit ihren Digitalisierungsideen mitzunehmen. Nur auf diese Weise kann uns gelingen, den digitalen Kulturwandel an unserer Hochschule in Gang zu setzen. Das eigentliche zentrale Element der Digitalisierung ist dieser digitale Kulturwandel.

Unsere traditionelle Hamburg-Frage: 


Die HAW Hamburg ist Partner für angewandte Lehre und Forschung. Olaf Scholz hat in seiner Übersee Club-Rede im vergangenen Jahr die Entwicklung der Stadt zum Wissenschaftsstandort ausgerufen. Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hat bereits 1983 im Übersee Club pointiert, dass die Zukunft Hamburgs an Land liegt. Wie gut sind Hamburger Politik und die Wissenschaftseinrichtungen auf Zukunft eingestellt - und wo wünschen Sie sich mehr Engagement?


Ich denke, dass in den letzten Jahren in Hamburg viele Projekte initiiert wurden. Auch hochschulübergreifende Aktivitäten wie ahoi.digital, Hamburg Open Online University (HOOU) und Hamburg Open Science (HOS) zeigen, dass die Politik und Wissenschaftseinrichtungen an wichtigen Themen arbeiten. Nicht selten habe ich jedoch den Eindruck, dass die Aktivitäten in der Stadt parallel laufen und die notwenige Vernetzung nicht in allen Fällen gegeben ist. Durch eine starke Vernetzung können die zentralen Player der Digitalisierung die Bedarfe der Stadt identifizieren und darauf gezielt reagieren.


"Die Rolle der Wissenschaft für die Weiterentwicklung der Stadt sehen."


Hat klare Botschaften an die Akteure der Stadt:
Vizepräsidentin Prof. Dr. Olga Burkova
Foto: HANSEVALLEY
Dabei können die Hochschulen eine wichtige Rolle spielen. Wenn man Hamburg als Wissenschaftsort etablieren möchte, sollte man die wissenschaftliche Expertise der Hochschulen bei der Auseinandersetzung mit zentralen gesellschaftlichen Themen stärker nutzen. Ich wünsche mir, dass die Rolle der Wissenschaft für die Weiterentwicklung der Stadt gesehen wird und das Potenzial der Hochschulen eine stärkere Förderung durch die Politik erfährt.

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Herzlichen Dank für die Einordnungen!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Tilo Böhmann: Digitalisierung ist richtig umparken im Kopf
hh.hansevalley.de/2018/05/hansepersonality-tilo-boehmann.html

HANSEEDUCATION: Eine Digitale Toolbox für die Hamburger Wirtschaft
hh.hansevalley.de/2017/11/hanseeducation-digital-toolbox.html

HANSECITYLIFE: Digitale Flüchtlingshilfe mit dem CityScienceLab der HafenCity Universität
hh.hansevalley.de/2017/08/hansecitylife-citysciencelab.html

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels: Global, dual, digital - Made in Hamburg
hh.hansevalley.de/2017/03/hansepersonality-uve-samuels.html

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Department Informations- und Elektrotechnik - Labore, HAW Hamburg:
haw-hamburg.de/ti-ie/labore.html

Creative Space for Technical Innovations, HAW Hamburg:
csti.haw-hamburg.de/

Hightech-Labor 3D Space, HAW Hamburg:
3dspace-hamburg.de/3dspace.html

Hochschulforum Digitalisierung, HFD:
hochschulforumdigitalisierung.de/de

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Ahoi Digital - Informatik-Plattform:
uni-hamburg.de/newsroom/forschung/2017-10-25-ahoi-digital.html

Hamburg Open Online University, HOOU:
hoou.de/

Hamburg Open Science, HOS:
hamburg.de/openscience/

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Symposium “Digitalisierung und Nachhaltigkeit: Chancen und Perspektiven für deutsche Hochschulen“, HAW Hamburg:
haw-hamburg.de/fileadmin/user_upload/FakLS/07Forschung/FTZ-ALS/Veranstaltungen/_PDF/SDGs.Forschungskolloquium2019.pdf

Donnerstag, 6. September 2018

HANSESTARTUPS: Acceleration - ein wenig wie "Zuckerbrot und Peitsche".

HAMBURG STARTUP REPORT

Das Startup-Business - geprägt von Inkubation, Acceleration und Funding. Venture Capital Geber und ihre Spielregeln dominieren die Szene. Schnelles Wachstum und die Verdoppelung des Unternehmenswertes als 18 bis 24 Monate gehören zur Pflicht. Startup-Brutkästen schleifen alle 3 bis 6 Monate neue Kandidaten durch Standard-Programme mit Business Modelling für Massenmärkte. Nach dem Demo Day ist meist Schluss, wie "halbtote" Startups nicht nur des Next Media Accelerator & Co. zeigen.


Speedup Europe in Hamburg: 100 Teams, 80% Erfolgsquote
Foto: Speedup Europe

Wer gründet, braucht mehr als 6 Monate Support. Wer gründet, braucht mehr als Standardfloskeln. Wer gründet, braucht einen Plan. Die Europäische Union weiß das. Mit dem Programm "Speed Up Europe" setzte sie auf Nachhaltigkeit bei der Förderung: 100 Startups wurden über 9 Monate begleitet. Nur 80% packten das intensive Programm aus Prototyping, Validierung und Markterschließung. Am Ende standen echte Kunden, echte Umsätze und echte Markterschließung. Vorbild für Hamburg und die Region? Ein Hamburg Startup Report.

Stefan Stengel ist kein Startupper, wie er im Bilderbuch steht: kein Hoodie und keine Skimütze, kein Hipster-Bart und keine Nerdbrille. Auch keine Ringelsöckchen und bunte Sneaekers. Der in Hamburg und Lübeck engagierte Berater würde bei Acceleratoren bzw. Inkubatoren bekannter M&A-Berater glatt als nicht imagekonform durchfallen. Dennoch steht auf seiner Visitenkarte 'Programm-Manager Accelerator'. Mit dem deutschen "Speedup Europe" Hub in Ottensen hat er bewiesen, das Startupförderung nachhaltig geht. 

Von September 2014 bis November 2015 ging es erstmals los. 96 Teams aus 13 Ländern Europas starteten zur 9-monatigen Reise in die Zukunft. 82% überlebten die jeweils 3-monatigen Entwicklungsstufen. Mit bis zu 30% "Verlusten" kalkulierten die Organisatoren. 2/3 der beteiligten Jungunternehmen sind auch 3 Jahre nach dem Start von "Speedup Europe" noch live, eine Quote bei der Hamburger Acceleratoren nicht mithalten können dürften. 


Hippstertum geht anders: Präsenzpflicht im "Speedup" Hub Hamburg
Foto: Speedup Europe

Kein "Bronze-Status" mit warmem Händedruck und Abzocke

Der Accelerator setzte auf Zukunftsthemen, wie Energie, Smart City und Mobility. Die betreuten Teammitglieder kamen aus ganz Europa, von Schweden über Deutschland und die Niederlande bis nach Großbritannien, von Frankreich und Italien bis Spanien. Bis heute sind über 60 Teams allein im Hamburger Hub dabei gewesen. Startups, die für das EU-Programm ausgewählt wurden, bekamen 50.000,- € pro Team. Einen "Bronze-Status" mit warmem Händedruck und abgezockten Firmenanteilen gab es nicht. 

Der Accelerator kümmerte sich über die 9 Monate vor allem um 2 Schlüsselfragen: 


Wo stecken die digitalen Geschäftsmodelle? 
Wie verdienen wir in Zukunft unser Geld?

200 Coaches begleiteten die fast 100 Teams. Dabei sind rd. 100 Expertenvorträge über die 9 Monate verpflichtend gewesen. Nicht genug: Hinzu kamen Coachings mit Bewertung durch die Coaches und Workshops zu allen Schlüsselthemen. Märchen, wie von NMA-Personal verbreitet, konnten hier nicht die Runde machen. Jedes Team musste wöchentliche Reports schreiben. Dazu kamen Reviews, ob es Probleme von Startuppern, den Teams oder den Startup-Projekten gab.

Hinzu kam die Bewertung der Pitches und die aktive Arbeit im Hub. Und die war zu 50% verpflichtend. Bei 3 Teammitgliedern hieß das 60 Stunden Präsenzzeit für das Team pro Woche. Hub-Leiter Stefan Stengel hatte selbst 16 Teams im Batch betreut. Entsprechend hoch war der Ergeiz des Unternehmers: "Ich wollte alle meine Teams durchbringen". Offenherzig gibt er zu: "Das hat schon was von Zuckerbrot und Peitsche." Damit gehört das EU-geförderte Programm eher nicht zu freiwilligen "Sperrholzmöbel-Fraktion".

Mit "Zuckerbrot und Peitsche" zum nachhaltigen Erfolg.

Die 30 besten Teams konnten sich nach 9 anstrengenden Monaten über die Chance auf die ganz große "Möhre" freuen. Im Rahmen der ECFI European Conference wurden die 5 besten Startups Europas gekührt. Mit Preisen von 50.000,- bis 200.000,- €. Krönender Abschluss des Batches war eine 1-wöchige Fahrt mit 45 Teilnehmern ins Silicon Valley einschl. Besuch einer Lean Startup-Konferenz. Eine gute Gelegenheit, nach erfolgreicher Entwicklung des eigenen MVP schon mal internationale Luft zu schnuppern.


Kennt das Startup-Business:
Unternehmer Stefan Stengel
Foto: Stefan Stengel
Der erfahrene Gründer Stefan Stengel betont, dass Startupper mit dem Habitus eines Elite-Absolventen bei "Speedup Europe" so gut wie nie zu finden waren - und kaum eine Chance hatten. "Quick & Dirty" war durch die 6-monatige Vorphase mit Auswahlprozess bei diesem Programm praktisch nicht möglich. Damit ist "Speedup Europe" für schnelle Geschäftsmodelle, entsprechend fokussierte Gründer und Investoren eher nichts. A und O des Programms war vor allem die Bereitschaft zur nachhaltigen Zusammenarbeit. 

Größte Motivation: Die Welt ein bisschen besser machen.

So kann der Hamburger Hub-Manager mit Stolz berichten, dass 3/4 der Teilnehmer aus dem Programm 2014/2015 es nicht gemacht haben, um reich zu werden. Statt dessen herrschte große Motivation, die Welt ein bisschen besser zu machen. So ist es kein Wunder, dass zahlreiche Geschäftsmodelle aus den Bereichen CleanTech und Smart City stammen. Beispiele aus Hamburg sind z. B. das Erfolgsstartup "Breeze" mit seinen Luftsensoren, aber auch "FashionCloud", die 2015 die Siegerprämie des EU-Ausscheids von 200.000,- € nach Hause holten.

Die Europäische Union ließ sich das Programm einiges kosten: 5,5 Mio. € investierte die EU in eine "Speedup Europe". 5,0 Mio. € flossen in die Startups, dazu eine halbe Million Euro Preisgeld des European Top-5-Awards. Auf die weitere Entwicklung angesprochen, hat der Hamburger Hub-Leiter eine klare Vorstellung, wo er hin will: Anfang kommenden Jahres gibt es nach "Speedup"-Vorbild einen Nachfolger mit 15 Teams bei uns in der Region - in Lübeck, unterstützt vom Land und den Clustern für Food und Life Science, Logistik und Smart City.


Lübeck - Heimat des neuen nachhaltigen EU-Accelerators 2019
Foto: mediaserver.hamburg.de / Geheimtipp Hamburg

Nach dem Bericht über die Hamburger Durchlauferhitzer fragten Leser: Wie können Alternativen zu den Next Acceleratoren aussehen? Die HANSESTARTUPS-Empfehlung sind intensive und nachhaltige Programme. Das neue Programm in Lübeck kann eine Alternative werden zu Abzocke, Bullshitting und Startups allein lassen. Und da lohnt sich vielleicht auch die Fahrt in die Hansestadt 45 Minuten vor den Toren unseres ehrbaren aber nicht immer nur nachhaltigen Hamburgs. Wäre nicht das erste Mal, das Hamburg seine Chancen verschläft. Wir werden berichten.

Hamburg Startup Background:

HANSESTARTUPS: Next Acceleratoren - Die Durchlauferhitzer des Bodo Kraeter.
hh.hansevalley.de/2018/08/hansestartups-next-acceleratoren.html

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.

hh.hansevalley.de/2018/01/hanseinvestigation-tutech-teil3.html

 Hamburg Digital Background: 

Stefan Stengel, Hamburg/Lübeck:
https://tec.tours/ueber-uns/

"Speedup Europe" - Hub Hamburg:
teams.speedupeurope.eu/?jetpack-portfolio-tag=hub-hamburg

European Community Foundation Initiative - ECFI:
communityfoundations.eu/home.html