Donnerstag, 20. Juni 2019

HANSEBUSINESS: Nach WhatsApp Newsletter-Aus - Messenger Marketing mit Köpfchen.

HAMBURG DIGITAL REPORT


Messenger-Services wie "MagicPostr" von "DM"
erobern WhatsApp-Chats. Foto: DM

Die Hochbahn nutzt ihn. Radio Hamburg ist mit ihm auf den Straßen unterwegs. Die Volksbank weiß, wie er ihren Kunden hilft. Auch die Bücherhallen und der Hauptbahnhof schätzen die Möglichkeit, mit ihm direkt ins Gespräch zu kommen. Das Portal "Wunderweib" von Bauer Excel nutzt ebenfalls die Vorzüge vom ihm auf unseren Smartphones:

Die Rede ist von WhatsApp - dem führenden Messenger in Deutschland und der westlichen Welt und einem der beliebtesten Newsletter-Kanäle der Werbewirtschaft. Doch jetzt ist damit Schluss. Ab Dezember '19 verbietet Facebook den Versand von Newslettern über WhatsApp. Was über Jahre zum beliebten Marketing-Kanal gehörte, ist kurz vor dem Ende. 

Wenn vier von fünf Nutzern in Hamburg und Deutschland mit ihren Freunden auf WhatsApp setzen, wird's für Unternehmen richtig spannend. Denn der mobile Chatservice kann viel mehr, als Werbung spammen. Ein Blick hinter die Kulissen von Messenger Marketing - und was man Gutes damit tun kann. Ein Hamburg Digital Report:

50 Prozent der Deutschen nutzen mehrmals täglich einen Instant Messenger. 71 Prozent der Bundesbürger haben eine Messenger-App auf ihrem Smartphone. 81 Prozent davon sind Nutzer der Facebook-Tochter WhatsApp und über den globalen Messenger-Service mit Familie, Freunden und Kollegen vernetzt. Wenn kaum noch telefoniert wird, wird umso mehr getextet.


Fast alle jungen User nutzen WhatsApp aktiv.
Grafik: Statista, Quellen: Faktenkontor, IMWF

Messenger wie Facebook, WhatsApp und Telegram übernehmen die Kommunikation - für Terminabstimmungen und Freundschaftsdienste, beim Showrooming sowie unterwegs und auf Reisen. Der kleine Dienst ist Briefbote - und hat schon so manche Beziehung in Bedrängnis gebracht. Die unschlagbaren Vorteile kleiner grüner Häkchen: Das schnelle und einfache Teilen von Fotos, Videos sowie vertrauliche Text- und Sprachnachrichten ohne Umweg.

WhatsApp auf dem Handy: Rote Karte für Werbemüll.

Die Potenziale hat auch die Werbewirtschaft für sich erkannt: Mit News-, Wetter- und Verkehrs-Alerts, Newslettern und Gutscheinen drängen sich mehr oder weniger legale Dienste in unsere Privatsphäre. 58% der deutschen User lehnen es jedoch ab, wenn es um das Zuspammen eines weiteren Kanals durch reichweiten-optimierte Performance-Kampagnen geht. Das hat auch Facebook erkannt und die Reißleine gezogen. Was wir dagegen akzeptieren: Informationen und schnelle Kommunikation.


WhatsApp: Macht Beziehungen ein Ende - und bringt neue Liebe -
z. B. über das Magazin von Parship/Elite Partner aus Hamburg.
Screenshot: HANSEVALLEY

Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet? Wie kann ein Messenger-Dienst so genutzt werden, dass er Kunden und Usern, Partnern und Mitarbeitern hilft - und nicht nervt, wie inhaltsfreie Bullshit-Kampagnen? Die Zauberworte heißen Service und Support - statt Spammen und Schleudern. Für die eine oder andere Online Marketing-Agentur in Hamburg wird das jetzt vielleicht eine größere Herausforderung.

Der Sperr-Bildschirm: Das Heiligste auf unserem Handy.

Die Fakten sprechen eine eigene Sprache, bei der alle Relationship-Experten mit dem Kopf nicken und alle Performance-Marketer abtreten dürfen: Eine aktuelle YouGov-Studie zeigt: 12 Prozent der Deutschen wünschen sich lokale Informationen von Restaurants, Cafés oder Bars, 8 Prozent schätzen Informationen lokaler Händler, z. B. von Möbel-, Blumen- oder Dekoläden. Das ist für kluge Kaufleute besonders interessant, denn: 


WhatsApp ist vor E-Mails und Facebook auf dem Sperrbildschirm erlaubt.
Grafik: MessengerPeople

Während News-Apps von N-TV, Spiegel, Welt & Co. nur zu 12 Prozent auf unserem heiligsten Display - dem Sperrbildschirm - Nachrichten abliefern dürfen, erlauben Android- wie iPhone-Nutzer WhatsApp zu 45 Prozent Nachrichten auf dem Bildschirm, gefolgt von E-Mails mit 26 Prozent und mit gerade einmal 20 Prozent auch Facebook, so das Ergebnis der YouGov-Studie von "MessengerPeople" aus dem vergangenen Jahr. Ein Umstand, der mit Umsicht behandelt werden sollte, um nicht vom Bildschirm verbannt zu werden.

Services und Support - statt Alerts und Newsletter-Spam.

Matthias Mehner ist Marketing-Chef beim Service-Provider "MessengerPeople". Mit gut 1.600 Messenger-Kunden und rd. 18 Mio. versandten Nachrichten täglich sind die Münchener ein führender Anbieter für Messenger-Dienste. Anlässlich der "Online Marketing Rockstars" nutzten wir die Chance, dem langjährigen Social Media-Experten von "Pro Sieben Sat 1 Fernsehen" auf den Zahn zu fühlen - mit überraschenden Erkenntnissen.


Einer der ersten Hamburger WhatsApp-Dienste:
Störungenmeldungen auf den U-Bahn-Linien.
Foto: Hamburger Hochbahn AG

Seit 4 Jahren beschäftigt sich das Münchener Team mit Messenger Marketing - und hat u. a. mit der Hochbahn den viel beachteten Störungsdienst für die vier Hamburger U-Bahn-Linien aufgesetzt. Mittlerweile arbeitet das fast 80 Mann starke Team vor allem an cleveren Messenger-Lösungen, denn Alerts und Newsletter werden von der WhatsApp-Mutter Facebook gebrandmarkt und ab Dezember komplett verbannt.

WhatsApp im Business: Kundendienst + wichtige Infos.

Weltweit sind rd. 25 WhatsApp-Anbieter von Facebook als "Business Solutions Partner" zertifiziert. Sie allen haben sich verpflichtet, über WhatsApp keine Spam-Kampagnen abzufeiern, und bei einmaligen Informationen den Messenger-Stream nicht als regelmäßige Reklame-Mülltonne zu missbrauchen. Einer dieser Anbieter sind die "Messenger People". Und Matthias Mehner macht klar: 


Eine Nachricht per WhatsApp genügt:
3-S-Service auf dem Hauptbahnhof:
Foto: Deutsche Bahn AG

WhatsApp dient im professionellen Einsatz zu 90% am Besten dem Kundendienst, zu 10% gewünschten, einmaligen Benachrichtigungen, z. B. einer Info über die Paketsendung. Womit wir bei Hamburgern Anbietern sind: Die Hochbahn testet gerade einen WhatsApp-basierten Kundendienst und die Deutsche Bahn schickt auf Messages von Reisenden die Putzkolonne in Wandelhalle, auf Südsteg und die Bahnsteige des Hauptbahnhofs (Stichwort "3-S-Service"). 

Messenger Marketing: Hamburgs Wirtschaft mittendrin.

Radio Hamburg betreibt über seinen Kanal "Content Sourcing" mit Verkehr & mehr von Hamburgs Straßen. Bei den Bücherhallen können sich Interessenten in einen Abo-Dienst zu interessanten Veranstaltungen eintragen lassen. Schließlich gilt "all Business is local". Apropos: Die Hamburger Otto Group bedient über ihre heimischen Outlets "Bon Prix" und "Otto.de" Interessenten mit gewünschten Angeboten, wie dem "Deal des Tages". Für 11 Prozent der User absolut ok.


Online Marketing Rockstars mit News für WhatsApp und Instagram.
Screenshot: HANSEVALLEY

Die Beispiele zeigen: Der Kontakt zu Kunden, Abonnenten und Nutzern via WhatsApp ist nicht nur möglich, sondern im konkreten Fall sogar nützlich - auch mit werblichem Charakter. Verschickten Anbieter im Messenger Marketing in den Jahren 2016 bis 2018 vor allem Newsletter als Push-Dienst, hat sich der Nachrichtenkanal im vergangenen Jahr zunehmend zur Möglichkeit für Interaktion und Kommunikation entwickelt. 

Kundendienst: Die Leute fragen immer das Gleiche.

Seit ca. 2017 kommt ein weiteres, spannendes Thema ins Spiel: WhatsApp als automatisierter Kundendienstkanal im 1st Level - in Verbindung mit vorprogammierten Chatbots. Damit wird das Thema Messenger-Kommunikation zu einem Massenmarkt-zentrierten Dienstleistungsthema. Für die nicht unbedingt immer innovative Call- und Contact Center-Branche heißt das: bis zu 4 mal mehr gelöste Tickets mit dem selben Personaleinsatz. 


Best Practice bei Otto.de: Chatbot "Clara" mit WhatsApp-Service
Screenshot: HANSEVALLEY

Was in Best Practices wirkt, muss sich auch im Controlling rechnen. Für die Cost-Center Services sowie Support gibt es auch in der digital vernetzten Welt nicht mehr Budget - aber den Druck, mit den selben Ressourcen mehr Fälle abzuarbeiten. Hier können Chatbots ohne KI im 1st Level bereits eine Quote von bis zu 80% erledigten Fällen verbuchen, gefolgt von 20% Telefon-Support im individuellen 2nd Level-Support.

WhatsApp für Mitarbeiter: Der Tot der Intranets.

Wenn Kunden für Standardanfragen Antworten von einem Bot bekommen, können sich Service-Mitarbeiter auf die wichtigen Themen konzentrieren. Neben dem B2C-Kundendienst ziehen Messenger-Services zunehmend auch in die B2B-Kommunikation ein. Im nächsten Schritt ermöglichen WhatsApp & Co. per verschlüsselter Verbindung die interne Kommunikation und lösen tote "schwarze Bretter" aka Intranet-Portale ab.


Messenger als Kunden-Kommunikations-Kanal.
Foto: WhatsBroadcast

Im Geschäftskundenbereich ist WhatsApp ebenfalls bereits ein Service- und Support-Kanal: So kommuniziert der amerikanische Traktor- und Bagger-Hersteller "John Deere" mit Bauern und Bauarbeitern via Messenger. Was dem Traktor-Hersteller recht ist, ist dem Dünger-Lieferanten Bayer nicht nur billig. Auch die Leverkusener interagieren mit ihren Kunden live vom Kartoffelacker. 

2 Klicks zur Kommunikation - oder zu 500 Containern.

Für Privat- wie Geschäftskundenangebote gilt in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs, geänderter Kommunikation - nicht nur von jungen Kunden -und einer verpflichtenden Erreichbarkeit via Internet: mit nur 2 Klicks müssen Messenger den Kunden in die Kommunikation bringen - ohne lästige Handy-Nr. im Telefonbuch einspeichern zu müssen. Wir haben dies live ausprobiert - und waren positiv angetan. Damit nicht genug.


Cyber Tactical Operations Workshop im IBM C-Force Lagezentrum.
Foto: HANSEVALLEY

IBM verriet in einem Presseworkshop im 23 Tonnen schweren mobilen "Cyber Tactical Operation Center" in Berlin: Während des weltweiten Cyberangriffs auf A. P. Moeller Maersk lies die dänische Hochseereederei über WhatsApp und die Smartphones der Mitarbeiter 500 Container verschiffen - ein Plan des Krisenmanagements von Maersk, während die IT und die Terminals in Rotterdam stillstanden. Mal so als Tipp für die digital verloren wirkende HHLA ...

Messenger Marketing: Thema zur richtigen Zeit.

Übrigens: Matthias Mehner und die "MessengerPeople" haben die "Online Marketing Rockstars" trotz des jüngeren Publikums und der "Legebatterie" im "Hühnerstall" als rundherum erfolgreich erlebt. Für die 150 Plätze in der von ihnen geplanten Masterclass gab es über 400 "Bewerber". Ein Zeichen für das richtige Thema zur richtigen Zeit - und eine erfolgreiche Adressierung des OMR-Teams aus der Schanze. Kein Wunder, dass OMR selbst auch auf WhatsApp als Servicekanal setzt.


*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Aus der Whatsapp-Newsletter: Wie Marken und Medien auf den Reichweiten-Verlust reagieren

Mittwoch, 12. Juni 2019

HANSESTATEMENT: Digitalisierung? Kein Thema mehr für die Hamburger CDU?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT
von Gerd Kotoll


Wissenschaftsexperte und Blockchainspezialist Carsten Ovens.
Foto: HANSEVALLEY

Schockwellen nach der Europawahl, Erdbeben in der SPD – da kann die CDU Hamburg nicht untätig bleiben ... und sorgt an Alster und Elbe ebenfalls für durchschlagene Erschütterungen. Das Epizentrum der strategischen Verwerfung ist der Kreisverband Eimsbüttel, genauer gesagt, der Ortsverband Niendorf. Ein Hamburg Digital Statement aus dem inneren Zirkel der bürgerlichen Opposition Hamburgs.

"Hamburg besser machen" war und ist das Motto meiner politischen Arbeit. Dennoch werde ich mich nicht erneut um ein Wahlkreismandat bewerben, um Lokstedt, Niendorf und Schnelsen auch in der kommenden Legislatur in der Hamburgischen Bürgerschaft zu vertreten." Mit diesen Worten verabschiedet sich der Hamburger Digitalpolitiker Carsten Ovens in seinem Blog am Dienstag von der politischen Bühne.

Was war da wirklich los? Der Niendorfer Ortsvorstand hat mit 13:3 Stimmen beschlossen, dass der einzig sprechfähige CDU-Kopf im Elbvalley zu Fragen der Digitalisierung, zur Blockchain und zu KI nicht mehr auf dem sicheren ersten Platz der Wahlkreisliste zur Bürgerschaftswahl im kommenden Frühjahr gesetzt werden soll. Basta! 


Nachdem schon die - sagen wir mal - etwas sehr "unbeholfene Reaktion" der Bundes-CDU auf ein "Influencer"-Video eines blauhaarigen YouTube-Comedians für Kopfschütteln sorgte, steht der Kopf auch bei dieser Entscheidung entgegen aller Versuche einfach nicht still.

Carsten Ovens organisiert regelmäßig Veranstaltungen mit dem Startup-Bundesverband in Hamburg, pflegt einen engen Austausch zur lokalen Gründerszene und gibt nicht nur Floskeln zu Technologie-Themen zum Besten. 


Der 37-jährige Hamburger betreibt ernsthaften inhaltlichen Austausch. Bislang ist in der Hamburger CDU niemand in Erscheinung getreten, der über vergleichbares Know how verfügt. Von den guten Verbindungen ins Startup-Land Nr. 1 - Israel - ganz zu schweigen. 

Die Personalauswahl – noch so ein Schwachpunkt der CDU

An dieser Stelle wird erneut deutlich, wie dünn die Personaldecke der Hamburger Christdemokraten ist: 


Während sie Bürgermeister Tschentscher partei-intern (zu Recht) als Dritte Wahl in der Scholz-Nachfolge titulierten, nachdem Andreas Dressel und Melanie Leonhard aufgrund persönlicher Befindlichkeiten abwinkten, konnte auch die CDU mit Marcus Weinberg erst im dritten Versuch einen Spitzenkandidaten finden (wenn auch mit dem Unterschied, dass gesundheitliche Gründe bei zwei vorher gehandelten Personen den Ausschlag gegeben haben, nicht anzutreten). 

Ob ein Kandidat, der als ehemaliger Landesvorsitzender vor rd. zehn Jahren eine Halbierung des Wahlergebnisses mitzuverantworten hatte (von dem sich die Partei immer noch nicht wieder erholt hat), der richtige Kandidat ist, den mittlerweile noch tiefer im Dreck steckenden Karren wieder flott zu machen, kann man dahingestellt sein lassen. 

War der personelle Aderlass der Fraktion - durch Rücktritte und Verschiebungen der Prioritäten weg von der Politik - seit dieser Zeit bereits schmerzhaft, wird sie künftig durch die Entscheidung eines Ortsvorstands nochmals geschwächt - personell wie fachlich. 

Lieber formales Quorum als inhaltliche Kompetenz

Eine Partei, die mangels zugkräftiger Themen und Köpfe, potentiell darum kämpft, nicht in der politischen Bedeutungslosigkeit zu landen, macht sich obendrein mit einer realitätsuntauglichen Quorums-Vereinbarung selbst das Leben noch schwerer, als ohnehin schon.

Wenn das Geschlecht - wie offiziell verkündet - mehr Bedeutung hat, als thematische Kompetenz und damit inhaltliche Relevanz, dann gibt die Partei ihre Zukunftsfähigkeit zugunsten einer von anderen definierten Beliebigkeit vor der Wahlkabine ab. 
Eine Kapitulation vor dem Zeitgeist ist aber das Letzte, was der Wähler wirklich will. 

Da ist es intelligenter, in den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" einzutreten, wenn der politische Gegner als Idee lediglich aufbietet, die Stadt zum Dorf zurück entwickeln zu wollen. 
Damit muss man den Gegner aber erstmal stellen (wollen).

Das ist auch bei den Hamburger Liberalen angekommen. FDP-Fraktionschef und Digitalexperte Michael Kruse stellte zu den Aktivitäten in der CDU gegenüber HANSEVALLEY fest: "Carsten Ovens ist ein anerkannter Experte im Bereich Digitalpolitik. Ich glaube nicht, dass die CDU zu viele derartig profilierte Digitalpolitiker hat.“

Wie notwendig in Digitalisierungsfragen fachlich kompetente Politiker wären, zeigt sich, wenn – unabhängig von Parteifarben – in typischer politischer Sonntags-Reden-Manier von Hamburg als "Blockchain-Hauptstadt" fabuliert wird: 


Tatsächlich gibt es in Hamburg nach aktueller Zählung im Auftrag von HANSEVALLEY 38 Blockchain-Companies an Alster und Elbe. Das sind rd. die Hälfte allein der deutschen Blockchain-Startups mit Sitz in der Startup-Hauptstadt Berlin - von etablierten Blockchain-Nutzern und -Dienstleistern ganz abgesehen.

Wer soll eigentlich Carsten Ovens Listenplatz für die Bürgerschaft einnehmen? Und vor allem: warum?

Dass in Parteien, erst recht wenn es um bezahlte Politik geht, personeller Wettbewerb herrscht, gehört zur Natur der Sache. Das wird auch Carsten Ovens bewusst sein, der beruflich begründet seit einiger Zeit mehr in Berlin als in Hamburg ist. 
Dass die neue Nr. 1 in Niendorf eine Frau ist, ist heutzutage ein Zeitgeist-Vorteil. Eine Qualifikation ist es nicht. 

Es ist auch kein Qualifikationsausweis, dass sie eine - wenn auch indirekte - Mitarbeiterin außerhalb des Politikbetriebes des Kreisvorsitzenden und Bundestagsmitglieds Rüdiger Kruse ist. 

Dass sie sich als engagierte und erfolgreiche Kommunalpolitikerin in der Eimsbüttler Bezirksversammlung einen Namen gemacht haben soll, ist nun das inhaltliche Argument, wie man aus dem Umfeld hört. Bei der Wahl im Mai haben zwei andere CDU-Mitglieder mehr Personenstimmen bekommen, als sie. 


Die CDU selbst hat nur in Hamburg-Mitte noch weniger Stimmen als in Eimsbüttel eingefahren. Wie und warum diese Kompetenz nun vor Ort nicht mehr genutzt werden, sondern stattdessen die Bürgerschaftsfraktion aufwerten soll, wurde nicht erklärt.

Erst das Land, dann die Partei, dann die Person: Das scheint keinen Wert mehr zu haben und auch nicht Bestandteil der Überlegungen in Niendorf gewesen zu sein, wo die Kirchtürme offenbar nicht nur bei den Gebäuden die niedrigsten sind. 


Wer sich in einer Zeit drängender digitaler Herausforderungen für "PDF" statt "ICO" entscheidet - und damit auch eine Chance vergibt, die grün-rote Koalition im Rathaus anzugreifen (deren digitaler Firniss sehr durchsichtig ist), darf sich nicht wundern, wenn er von käuflichen YouTube-Boys vorgeführt und vom Wähler nicht mehr als regierungsfähig angesehen wird. 

Oder wie formulierte HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup - über 16 Jahre selbst CDU-Mitglied - in einem Brief an die Hamburger CDU-Parteispitzen Heintze, Trepoll, Weinberg:

"Zukunft wird aus Mut gemacht. Mut erfordert Angstfreiheit. Eine Partei gewinnt Profil, wenn Sie bereit ist, aus ihrer Komfortzone herauszutreten und die entscheidenden Themen anzupacken. Ich sehe bei Ihnen im Moment weder Mut, noch zukunftsweisende Themen, noch ein eigenständiges Profil." 

Das letzte Wort möchten wir gern dem Abgeordneten und Digitalexperten Carsten Ovens geben:

"In einer kleinen Fraktion ist jedes Mitglied als Fachpolitiker gefordert. Bei mir sind dies Wissenschaft und Digitale Wirtschaft als Fachsprecher unserer CDU-Fraktion. Dazu liegen mir die internationalen Beziehungen Hamburgs sehr am Herzen. Wir sind Deutschlands Tor zur Welt. Diesem Anspruch müssen auch wir Abgeordneten gerecht werden. Wer Hamburg besser machen will, der sollte ohnehin regelmäßig seinen eigenen Horizont erweitern und über die Grenzen des eigenen Stadtteils hinaus denken."


*  *  *

 Hamburg Digital Autor Gerd Kotoll: 

Gerd Kotoll vernetzt Entrepreneure mit potentiellen Partnern und Kunden - und berichtet von ausgewählten Events und Entwicklungen im Ökosystem der Hamburger Startup-Szene. 

Als unabhängiger Makler berät und betreut Gerd Kotoll er Vereine, Verbände und Unternehmen in Fragen der betrieblichen Absicherung. Besonderen Fokus legt er auf junge Unternehmen und Startups. 

Gerd Kotoll ist Freier Autor des Hamburg Digital Magazins.

Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

 Hamburg Digital Background: 

CDU-Abgeordneter Ovens verzichtet auf Kampfkandidatur:
welt.de/regionales/hamburg/article195082563/Buergerschaftswahl-2020-CDU-Abgeordneter-Ovens-verzichtet-auf-Kandidatur.html

Donnerstag, 6. Juni 2019

HANSESTATEMENT: Hamburg Innovation, Hamburg Future, Hamburg What?

 Hamburg Digital Statement 
* Update 6. Juni 2019 *


Hamburg Innovation Awards 2019 - es war zu schön, um wahr zu sein.
Foto: HANSEVALLEY

1.500 Besucher bei Konferenz, Ausstellung und Networking. Ein Award (fast) ohne die üblichen Verdächtigen. Dazu eine ganze Serie an Senatoren, Staatsräten, Startups, echten und beinahe Innovatoren: Der Hamburg Innovation Summit 2019 war ein echtes Highlight, was Hamburg an Innovationen, Zukunftsfähigkeit und ... Subventionen zu bieten hat. Ein Hamburg Digital Statement ohne politische Schlussredaktion: 

Es ist eine kleine wenn auch ungewollte Sensation: Die Freie und Hansestadt bekommt eine neue Innovationsstrategie - verkündete eine sich gern im eigenen Licht sonnende Moderatorin bei den "Hamburg Innovation Awards" des "Hamburg Innovation Summit" von "Hamburg Innovation". Das nach der Sommerpause zu erwartende Update "Hamburg 4.1" ist eine gute Gelegenheit, mal wieder hinter das verschlossene Tor der innovativen "Hammaburg" zu schauen.

Da wir generell publizistisch nur noch hamburgisch-bescheiden kleinere Ungereimtheiten erwähnen wollen, stellt sich bei allem Respekt für Peter Tschentscher die eine, kleine Frage: Welche Partei wollte bei den Bürgerschaftswahlen im kommenden Frühjahr gleich noch die Vorherrschaft im Rathaus behalten? Richtig! Womit die Frage nach Sinn oder Unsinn einer neuen "Hamburg Innovation Strategie" fast schon beantwortet sein dürfte.

Hamburg Innovation Summit: Leider nur die halbe Stadt ...

Nun haben sich die Genossen an Alster und Elbe bekanntermaßen dazu verpflichtet, "gut zu regieren" (Danke, Olaf! Aber glaubste wirklich, Kanzler zu werden?). Leider haben wir - trotz unserer Selbstverpflichtung lieb zu sein -, doch noch ein paar klitzekleine Stecknadeln im Heuhaufen gefunden: Der dank externem Know-how rundherum professionell organisierte "Hamburg Innovation Summit" hatte leider einen winzigen Schönheitsfehler (wir wollen ja nicht die dicken Fische servieren): 


Finanzierten die Subventions-Show: HHIS 2019
Foto: HANSEVALLEY

Es war nach einem langen und interessanten Tag unterm Strich doch (noch) nur ein "Subventions-Stadl" der Wirtschaftsbehörde BWVI - ohne das KI-Know how der ISM, ohne das Logistik-Know how der KLU, ohne das Drohnen-Know how der NBS, ohne das CAPTA-Know der Nordakademie und ohne das Innovations-Potenzial des "SQUARE HSBA Innovation Hubs". An dieser Stelle darf man ins Grübeln kommen, nach welchen Kriterien die Wirtschaftsbehörde Innovationen treibt, Fördermittel verteilt oder Förderanträge nicht bearbeitet ... (ja, wir wissen davon).

Hamburg Innovation: Wer will nochmal, wer hat noch nicht ...

Allgemein bekannt ist rund um Binnen- und Außenalster: Wer brav nickt und sich zu Foto-, Fernseh- und Feierstundenterminen nett anzieht und die senatseigenen Lobpreisungen auf die innovative Politik des - genau - eigenen Senats fehlerfrei und ohne nachzudenken mitsingt, hat gute Chancen auf 50.000,- € oder auch mal 100.000,- € frischer Briese aus der Fördergieskanne. So weit, so innovativ, so fast schon förderwürdig.

Berühmte wie berüchtigte Protagonisten - z. B. die Next Acceleratoren - kassierten die 100.000,- € auch gern dreimal ab - weil dreimal suuuuuper innovativ, eigenständig und zukunftsweisend. Schon klar bei einem Copycat-System! All' jene Subsventionsritter und jene, die noch mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle wollen, traf man fast geschlossen in der Altonaer Fischauktionshalle zum "Hamburg Subentventions Summit" - pardon - "Hamburg Innovation Something". Wie konnte uns das nur rausrutschen...?


Pausenfüller auf der OMR: Future Hamburg Awards '19
Foto: HANSEVALLEY

Innovation ./. Future: Hamburger Geschwister-Liebe?!

Genug der Frotzeleien über einen gelungenen Event mit Senatoren, mit Staatsräten und mit Subventionsrittern aus Hamburg, Harburg und drumherum. Eine fast unbedeutende Frage lies der so harmonische Summit jedoch offen: Warum veranstaltete die zur BWVI gehörende Wirtschaftsförderung "Hamburg Invest" gerade einmal zwei Wochen vor dem "Hamburg Innovation Award" einen "Future Hamburg Award" - getarnt als Pausenfüller auf einer völlig überdimensionierten "Deep Dive"-Bühne der "Online Marketing Rockstars"? 

Ok, "Hamburg Innovation" zeigt das Beste aus Hamburg - z. B. Startups in der Ideen-, Gründungs- und Wachstumsphase. "Future Hamburg" zeigt das Beste aus Hamburg und der Welt - z. B. Startups in der Ideen-, Gründungs- und Wachstumsphase. Merkt Ihr selbst, oder? Wir haben uns tatsächlich nochmal getraut, (wirklich liebevoll) nachzufragen. Und siehe da - es war uns eine wahre Freude, zuzuhören:

Roter Filz, schwarzer Filz, Filz ist für (fast) alle da ...

Wie, "Hamburg Innovation" und "Hamburg Invest" konnten sich nicht auf ein gemeinsames Event einigen? Wie, "Hamburg Invest" wollte unbedingt ein öffentlich-rechtliches Extra-Löckchen drehen? Oh, die genannten und von der BWVI mit-/finanzierten Institutionen in Harburg und Hamburg sind sich "spinnefeind"? Dabei hatten wir so sehr gehofft, keinen Dreck mehr unterm Teppich zu finden...


Startup-Finalisten der Hamburg Innovation Awards
Foto: HANSEVALLEY

Dass unter dem (zum Geizpreis geschossenen) hanseatischen Perser regelmäßig Dreck und rote wie schwarze Filzreste zu finden sind, ist nicht wirklich neu. Dass der Teppich deswegen mittlerweile schon ausbeult, schon! Naturgemäß weckt das unsere journalistische Neugier: Durchlüften, Durchsaugen und die Dinge (sprich: die Verantwortlichen) beim Namen nennen - das ist leider unsere Aufgabe. Upsi!

"Be Your Pilot": Willkommen im Subventions-Club!

Es ist wirklich schade, dass trotz aller Bemühungen für eine gemeinsame Innovationsplattform der - mit Steuermitteln auch schon mal großzügigen - TU Tech-Tochter "Hamburg Innovation"  doch noch "Zickenalarm" im Stadl ausbrach. Oder wie kann man die Extra-Tour der "Future Hamburg"-Fraktion aus der Wexstraße sonst begründen? Von einer chaotisch wirkenden Pressearbeit abgesehen. Vielleicht haben wir aber auch nur etwas Entscheidendes übersehen, kann ja theoretisch sein...?

Zurück in die nicht wirklich von Neuheiten überflutete Fischauktionshalle: Unsere besondere Aufmerksamkeit galt den jüngsten Subventionsrittern im Club - der Abteilung "Be Your Pilot". Frisch ausgestattet mit 10 Mio. € - in Worten: zehn Millionen Euro - Fördermitteln für die kommenden 5 Jahre, feierten sich die Technologietransfer- und Startup-Berater von DESY, HAW Hamburg, TU Harburg und Uni Hamburg an der hauseigenen "Hamburg Innovation Bar" gleich mal selbst.

Überklebte Bierflaschen? Ist nicht Euer Ernst, oder?


Von der Uni hintern Tresen: Be Your Pilot
Foto: HANSEVALLEY
Mit dabei: Exklusiv gelabelte Bierpullen, exklusiv gelabelte Chipstüten und exklusiv gelabelte Bierdeckel (wenn schon keine gründungswilligen Studenten freiwillig vorbeikommen). Man hat's ja - also kann man auch zeigen, dass man richtig auf die Sahne hauen kann. Das erinnert ein wenig an das Linux-Wirtschaftscluster der Technologiestiftung Berlin (heute "Berlin Partner"). 

Die Spree-Athener Subventionsritter schafften es doch glatt, im 1. Jahr des Clusters 50% der Fördermittel (von schlappen 500.000,- €) in einem Flaggschiffstand auf der Cebit zu versenken, sagt man. Daran sollte sich "Be Your Pilot" mal ein Vorbild nehmen. Berliner beweisen halt immer wieder: "Wenn, dann richtig..." (Nicht wahr, Herr Mahn?). Nicht diese kleinkarierte Provinzmentalität mit überklebten Bierflaschen. 

Das große Zittern hat begonnen: Wer die Wahl hat, ...

Zurück in die (beinahe immer) schönste Stadt der Welt: Die Grünen haben bei der Bezirkswahl in 4 der 7 Bezirke die Mehrheit eingefahren. Mutti Katharina (die künftig "Erste") verteilt auf dem "Hamburg Innovation Summit" - und überall an Alster und Elbe - Streicheleinheiten für die durch G20-Krawalle und verschwundenen Olaf geschundene Hanseaten-Seele. Die CDU hat mit Carsten Ovens gerade ihren einzigen Digitalpolitiker mit Grips im Köpfchen politisch kaltgestellt - und sabbelt was von Nachhaltigkeit. 


Darf beim Kuscheln nicht fehlen: Mutti Katharina Fegebank
Foto: HANSEVALLEY

Und die Sozialdemokraten? Sie hoffen und bangen in Hamburg, bei der kommenden Bürgerschaftswahl nicht mit dem SPD-Bundestrend von 12% in den Abgrund gerissen zu werden - wer auch immer dann Partei- oder Fraktionschef in Berlin ist. In einer Zeit der "Unsicherheit" hat es auch unser Hamburger "Subventions-Stadl" nicht leicht: Wer folgt auf Michael Westhagemann? Welche Linie wird der neue (grüne? gelbe?) Staatsrat für Innovation ausrufen? Und wie können die nimmersatten Freunde aus Hamburg und Harburg ihre Pfründe sichern? 

Fortsetzung folgt - spätestens beim großen "Futtertrog"-Rücken. Wir freuen uns schon auf neue Innovationen, neue Subventionen und natürlich jede Menge Future, wenn es die dann noch gibt ...

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Hamburg Innovation Summit@YouTube:

 Hamburg Digital Background: 

HANSESTATEMENT:
"Future Hamburg" - ein büschen gestern ... noch morgen.
hansevalley.de/2018/04/hansestatement-future-hamburg.html

HANSEINVESTIGATION:
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2: Ein Startup Port für Hamburg.

HANSEMARKETING:
Sei Digital. Sei Erfolgreich. Sei Hamburg.
hansevalley.de/2017/01/hansemarketing-welcome-to-hamburg.html

Dienstag, 28. Mai 2019

HANSESTATEMENT: MOIAs Mobilitäts-Märchen - eine Zeitreise ganz besonderer Art.


Hamburg Digital Statement


Viele Hamburger wünschen sich ein weiteres Feld:
"Welche MOIA Fahrt?"
Screenshot: HANSEVALLEY

Fast 2.000 Leser über unsere Media-Outlets HANSEVALLEY.de und MEDIUM.com. Unzählige Netzwerkpartner an Alster und Elbe, die von ähnlichen Erlebnissen in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis berichten. Und unsere Informanten bestätigen: Das Chaos bei "Moia" in Hamburg geht weiter: Fahrgäste, die durch die halbe Stadt kutschiert werden, um neue Mitfahrer abzuholen.  

Vor allem aber: Reihenweise Anfragen, die selbst mit stadtweit diskutierten Tricks für die App nicht bedient werden - und ein Pressesprecher, der Märchenstunde macht. Zeit für eine ganz besondere Zeitreise des Hamburg Digital Magazins - mit einem Mobilitäts-Märchen aus Wolfsburg, das zum Gespött Hamburger Innovatoren und Multiplikatoren zu werden droht. Gerd Kotoll ist Protagonist:

Üblicher Weise beginnen Märchen mit: „Es war einmal …“. Im Falle eines Wolfsburger Mobilitätsanbieters lautet der Einstieg ausnahmsweise „Es wird einmal …“.  Dabei wäre „Es hätte wirklich was werden können…“ der bessere Beginn unseres Märchens gewesen. Vor allem: der wahre. Von allen Mobilitätsanbietern in Hamburg ist "Moia" der Auffälligste: das liegt zum einen an den völlig überdimensionierten VW-Kleinlastern aka "E-Crafter", zum anderen an der mit Abstand auffälligen Langsamkeit, wofür offenbar eine unausgereifte Softwareplattform die Ursache zu sein scheint. 


Schaut man sich den Neuling an, ist es gar nicht innovativ und schon gar nicht service-orientiert, Menschen an virtuellen Haltestellen abzuholen, anstatt vor der eigenen Haustür. Zum anderen schafft es wirklich jeder Taxifahrer in Hamburg, mich exakt dorthin zu fahren, wo ich hin will, oft sogar ohne Navi - die heute vor allem den Weg durch Stau und Baustellen-Wirrwarr leiten und nicht etwa die mangelnde Ortskenntnis des Fahrers beheben sollen. 


Das Hauptptoblem von "Moia": Zu wenige Fahrer.
Foto: HANSEVALLEY

Anders bei Moia: hier wird auf Weisung der Software mit der einen oder anderen Runde um den Block noch eine Landeschleife gedreht, bevor der Fahrgast zumindest ungefähr dort abgesetzt wird, wo er wohl hinwollte. Vielleicht wird vorher aber noch ein anderer Fahrgast eingesammelt, was zumindest im Moment aber noch eher die Ausnahme als die Regel ist, denn ein Großteil der bronzierten Crafter transportiert nur einen Gast. 

Dabei sollte Ridesharing die öffentliche Mobilität eigentlich revolutionieren. Dieses Märchen wird aber nicht wahr - jedenfalls bisher nicht. Welch' innovative Disruptoren in Hamburg aber tatsächlich unterwegs sind (vermutlich ohne es zu wissen), kann man an den Fahrgastzahlen des HVVs ermessen: Schließlich ist Ridesharing – also: Fahrgemeinschaften bilden – dort ehernes Prinzip, denn in Bus & Bahn fahren Sie immer mit mehreren Fahrgästen in einem Fahrzeug. Und das übrigens regelmäßig schneller und günstiger als mit Moia ...



"Moia"-Pressesprecher Christoph Ziegenmeier wiegelt ab:
"Wir haben festgestellt, dass das Frontend schon sehr stabil läuft ...
und dass es keine größeren Schwierigkeiten gab."
Foto: HANSEVALLEY

'Aber sie fahren mit Strom', heißt es von standfesten Verteidigern des Corporate-Innovation-Startups. Stimmt. Das machen viele andere aber auch. Und auch nicht erst seit diesem Jahr. Hinzu kommt, dass man begründete Zweifel daran haben kann, dass elektrische Fortbewegung jenseits von Bahnen eine sinnvolle Energieverwendung ist. Hamburgs Wirtschaftssenatoren - von Frank Horch bis Michael Westhagemann - denken da schon weiter.

Ganz sicher ist es aber sinnfrei, mit einem Crafter  - ursprünglich als Transporter für Handwerker entwickelt - ein sehr viel schwereres Fahrzeug einzusetzen, dessen Kapazität zumindest bislang kaum benötigt wird. Denn der Verbrauch wird hier eben auch sehr viel höher sein, als bei einem E-betriebenen PKW als normales Taxi – das ja zusätzlich auch noch weniger Zeit benötigt, wie wir dank diverser Pressetests lernen durften.

Wir wollen an dieser Stelle nicht hinterfragen, warum ein Unternehmen mit einem derart holprigen Konzept eine Stadt als Werbefläche mißbrauchen darf, während man parallel mit Durchfahrverboten  - die ihren Ursprung letztlich beim gleichen Unternehmen aus Wolfsburg haben - versucht, die Luft sauberer zu machen. Trifft sich hier die vereinte Sinnfreiheit an Alster und Elbe? Oder wird der Bock mal wieder zum Gärtner?

Mein Fazit: An Moia ist nichts wirklich innovativ und schon gar nicht ausgereift. Mobilität schaffen andere besser und schneller. Auch das snobistische Interieur der Moia-Flotte wiegt das nicht auf. So ist dieser Dienst bestenfalls eine Stadtrundfahrt, leider als Stummfilm. Happy End geht aus meiner Sicht anders. Erst Recht, wenn es märchenhaft sein soll. 


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 Hamburg Digital Autor Gerd Kotoll: 

Gerd Kotoll vernetzt Entrepreneure mit potentiellen Partnern und Kunden - und berichtet von ausgewählten Events und Entwicklungen im Ökosystem der Hamburger Startup-Szene. 

Als unabhängiger Makler berät und betreut Gerd Kotoll er Vereine, Verbände und Unternehmen in Fragen der betrieblichen Absicherung. Besonderen Fokus legt er auf junge Unternehmen und Startups. 

Gerd Kotoll ist Freier Autor des Hamburg Digital Magazins.

Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

 Hamburg Digital Background: 

HANSETECHTEST: MOIA - Versuchtskaninchen für Bananen-Software.
https://hh.hansevalley.de/2019/05/hansetechtest-moia-hamburg.html

Donnerstag, 23. Mai 2019

HANSESTATEMENT: Die DIN-Norm - ein "Jodeldiplom" für Startups. Im Ernst jetzt?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT 
von Gerd Kotoll


DIN-Institut in Berlin: Hauptgeschäftszweck: Normen erstellen und vermarkten.
Foto: DIN

Eine neue Idee geistert durch die Republik: eine deutsche DIN-Norm für Startups. Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, Beratern und Unternehmen plant mit der "SPEC 91354" Jungunternehmen zu regulieren. Das Hauptargument: Mit der Spezifikation sollen die hohen Ausfallquoten bei Startups verringert werden. 

Die Diskussion ist eröffnet. Nach der ersten Welle der Kritik ruderte das Konsortium hinter der Startup-Norm denn auch gleich zurückDer Leitfaden solle Investoren, Banken oder Gremien, die über die Vergabe von staatlichen Fördermitteln entscheiden, die Urteilsfindung bei Projekten erleichtern. 

Ein Hamburg Digital Statement von Startup-Experte Gerd Kotoll:

Während am Montag dieser Woche u.a. das Handelsblatt über die neue DIN Norm SPEC 91354 berichtete und verständlicher Weise von empörter Zurückweisung auf Seiten von Gründungsexperten, weist die Gründerszene darauf hin, dass es ja alles ganz anders gemeint sei.

Die neue Norm soll ein freiwilliges Angebot sein und eher eine bessere Checkliste. Je mehr Punkte davon das Startup erfülle, desto wahrscheinlicher sei bspw. eine Finanzierung durch Banken oder Risikokapitalgeber möglich – zumindest im Grundsatz.

So weit, so gut. Wer’s glauben mag.

Ein Blick hinter die Kulissen lässt etwas Anderes vermuten: der Verein, der das DIN-Institut trägt, generiert gut zwei Drittel seines Budgets durch Dienstleistungen gegenüber Dritten, vor allem durch den Verkauf von Normen.

Für dieses Oxymoron einer Startup-Norm haben laut DIN-Institut gleich eine ganze Reihe von Partnern, darunter Ernst & Young, die TU Darmstadt, verschiedene Patentanwälte u.a. gut 18 Monate gearbeitet und in eine 17-seitige Checkliste und Leitfaden gegossen (siehe Hamburg Digital Background).

Hinzu kommt, dass den Anstoß für diesen Leitfaden angeblich ein bekannter Seriengründer geliefert haben soll, der aber nicht genannt werden möchte. Womit wir den nächsten Widerspruch hätten, da Altruismus und Gründung sonst nur aus dem Bereich sozialer oder grüner Projekte bekannt sind, wo es in aller Regel eben nicht um Skalierung geht.

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, wann die bislang kostenfreie Zertifizierung durch politische Regelungswut eine (dann natürlich kostenpflichtige) Anforderung an die Gründer werden wird.

Es ist aber genau diese wuchernde Bürokratie, diese krude staatliche Allmachtsfantasie, alles regeln zu müssen, die Gründungen in Deutschland schwerer machen als anderswo.
Wir brauchen nicht mehr Regelungen, sondern viel viel weniger. 


DIN-Broschüre: „Die Anwender profitieren mit der DIN SPEC 91354 von wertvollen Expertentipps für ihr Start-up.“

Startups werden dann besonders erfolgreich, wenn sie eben die vermeintlich ehernen Regeln des Marktes brechen konnten. Verstöße gegen Arbeitsrecht, Datenschutzvorgaben oder andere rechtliche Regulierungen sind mit der Risikominimierung in der DIN-Spezifikation aber nicht gemeint - und werden durch eine DIN-Norm auch nicht erfasst.

Mein Fazit: Startups sollen sich auf ihr Geschäftsmodell und den Vertrieb konzentrieren können und nicht auf das Ausfüllen von Checklisten und Zertifizierungsanforderungen, denn damit verdient man kein Geld. Es sei denn, man ist das Deutsche Institut für Normung.


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 Hamburg Digital Autor Gerd Kotoll: 

Gerd Kotoll vernetzt Entrepreneure mit potentiellen Partnern und Kunden - und berichtet von ausgewählten Events und Entwicklungen im Ökosystem der Hamburger Startup-Szene. 

Als unabhängiger Makler berät und betreut Gerd Kotoll er Vereine, Verbände und Unternehmen in Fragen der betrieblichen Absicherung. Besonderen Fokus legt er auf junge Unternehmen und Startups. 

Gerd Kotoll ist Freier Autor des Hamburg Digital Magazins.

Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

 Hamburg Digital Background: 

DIN-Institut: DIN SPEC 91354
https://www.din.de/blob/313462/ff9bf5d1099dc812b623ccc40d95fc50/broschuere-din-spec-91354-data.pdf

Handelsblatt: "Auch Start-ups sollen eine DIN-Norm bekommen – Gründer sind empört."
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/jungunternehmen-auch-start-ups-sollen-eine-din-norm-bekommen-gruender-sind-empoert/24360404.html

Gründerszene: "Keine Angst, es wird keine DIN-Norm für Startups geben."https://www.gruenderszene.de/perspektive/din-norm-spec-91354-startups

t3n Magazin: "DIN-Norm für Gründer: Ein Jodeldiplom für die Startup-Szene."
https://t3n.de/news/din-norm-fuer-gruender-fuer-1164827