Montag, 9. Dezember 2019

HANSEINVESTIGATIV: Die Machenschaften des Otto-Marktplatzhändlers Alexander Mendler.

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE


Abwimmel-Truppe aus Welzheim: Alexander Mendler (Mitte) und sein Team.
Werbefoto: facebook.com/heute-wohnen

Wer online shoppt, der kann schon was erleben: Ramponierte Pakete aus dem DHL-Fussballturnier und der Hermes-Balkon-Weitwurfzustellung, unseriöse GLS-Bulgarenbanden und treppenverweigernde Post-Paketsklaven - um nur einige Highlights der KEP-Branche mit Kurieren, Expressdiensten und Paketboten zu nennen. Eine aktuelle Studie zeigt: 82,5% aller Beschwerden kassiert der gelbe Riese DHL mit über 50% Marktanteil. Kein Wunder.

Dazu kommt der preisgekrönte DHL-Konzernverweigerungsservice - mit Agenten im Reklamationsdienst, die einfach mal den Hörer aufschmeissen, einen 2. Level-Vorstandssupport "PnP" im Monheim, der nach Lust und Laune toter Käfer spielt und ein Beschwerdemanagement, mit dem man sich den Hintern abwischen kann. Denn im Falles Falles wird im Tracking einfach gelogen. Ein Erlebnisbericht von Thomas Keup:


Der deutsche Online-Handel hält neben den bekannten Paketproleten noch ein paar ganz besondere Schmacklr bereit, die mehr mit Hamburg zu tun haben, als man zunächst denkt: z. B. einen schwäbischen Online-Händler und Betriebswirt (BA), der bei einer verschollenen Paketsendung durch seinen Erfüllungsgehilfen DHL die Schuld systematisch auf den Kunden abwälzt und am Telefon mit Mehrkosten und juristischen Konsequenzen droht. Passt irgendwie auch zu den gelben Paketabwerfern.

Schwingt gern die juristische Keule gegen seine Kunden: Alexander Mendler.
Pressfoto: Möbelkultur

Willkommen in der kleinen Welt des großen Postenschiebers Alexander Mendler aus Welzheim unweit von Stuttgart - einem der neuen, stolzen Marktplatzpartner von Otto.de in Hamburg. Dank des Kundendienstes von DHL Paket aus der Weidestraße 122d in Hamburg-Barmbek - hier sitzt nämlich die Abwimmeltruppe der Paketsklaven aka "Customer Care Center" - dürfen wir aus unserer Erfahrung als Geschäftemacher einzustufenden Vertriebler hinter dem 70-Mann-Laden heute-wohnen.de persönlich kennenlernen.

A. Mendler droht uns am Dienstag, den 26.11.2019 um 10.20 Uhr in einer 20-minütigen Abwimmel-Orgie am Telefon mit Zusatzkosten und juristischen Konsequenzen, wenn wir ein 20 kg schweres und über 1 Meter hohes Paket mit einem Rollcointainer aus Stahl nicht mit Bus und Bahn aus der Filiale abholen. Dahin hatte Erfüllungsgehilfe DHL die Sendung einfach umgeleitet, nachdem der vereinbarte Zustelltermin dreist gebrochen wurde. Der Beginn der Odysee mit einem seit fast 20 Jahren Kunden fast so gut wie glücklich machenden Vertriebler.

Ich schiebe Dir den schwarzen Peter zu, Du dummer Kunde.

In seiner E-Mail am 27. November d. J. um 11.18 Uhr verharmlost der heute über 20 Mio. € umsetzende Familienunternehmer das bedrohliche Telefonat als "vertrauliches Gespräch" (Zitierrecht!). Der Alexander versucht, sich der Verantwortung zu entledigen: "Wir bieten unseren Kunden ganz bewusst keinen Wunschtermin für eine Zustellung an. Wenn Sie hier etwas mit DHL vereinbaren, dass ist das allein eine Sache zwischen DHL und Ihnen." Heißt: Ich schiebe Dir den schwarzen Peter zu, Du dummer Kunde. Und wenn DHL nicht funktioniert, schleppst Du unsere Möbel gefälligst selbst nach Hause.

Doch unser neuer "Heute Wohnen"-Freund kann noch mehr: "Wenn Sie die Ware nicht annehmen, dann sind Sie in Annahmeverzug - auf diesen Umstand habe ich freundlich und völlig ohne Druck hingewiesen." Und begründet damit Mehrkosten für Rücksendung und Einlagerung - was er in der Mail mal kurz 'vergessen' hat. Nur um der Vollständigkeit halber: Mit der Nichtzustellung ist der Händler in Lieferverzug, was unser Mendler lieber verschweigt. Weiter im Text unseres lieben Alexander: "Die DHL haben wir nochmals kontaktiert - eine erneute Zustellung hat diese nach jetzigem Stand jedoch abgelehnt."


Eine Widerrufsbelehrung mit Kosteninformationen zum Abwimmeln:

Das sieht leider nach gelogen aus. Denn DHL Paket selbst schickt eine E-Mail mit dem Link zur Online-Beauftragung einer Zweitzustellung von der Filiale an die Haustür. Der Link ist für jeden einfach zu googlen. Zweitzustellung 'abgelehnt'? So, so ... Andere Händler sind professioneller: "Wir sehen, dass Sie die Ware nicht erhalten haben. Wenn Sie das Paket nicht abholen möchten, warten wir darauf, dass es automatisch zurückkommt. Dann erhalten Sie eine volle Rückerstattung." Aber wir sind ja in den Fängen des Mendlers ....

Wer online in das Widerrufsrecht und die verbundenen - Zitat - "Kosteninformationen(!)" schaut, ahnt, wessen Kind im württembergischen Welzheim werkelt. Im idyllischen Erholungsort wälzt man nämlich mit bedrohlichen Formulierungen jegliche Widerrufe und Retouren systematisch ab. Denn die Kosten Geld, und das will man lieber selbst behalten. Im drohenden Slang versucht es der Chef auch gern mal persönlich am Telefon. Wie das klingt, kann man in diesem Internet nachlesen:


Alexander Mendler - so vertrauenswürdig wie Bremer Kaufleute ...

"Sollte eine Rücksendung aufgrund eines von Ihnen verursachten Sachmangels erfolgen oder kein anfänglicher Sachmangel nachweisbar sein, berechnen wir Ihnen dann die Versandkosten sowie alle weiteren Kosten, die daraus entstehen (z.B. Aufwendungen für Kostenvoranschlag, Arbeitsaufwand 15.- €/15min), wenn Sie fahrlässig nicht erkannt haben, dass kein Mangel vorliegt oder dieser durch Ihnen verursacht wurde." Von der-das Grammatik mal ganz abgesehen. 

Weißte Bescheid! Der Mendler zockt Dich ab, ist unsere Bewertung. Und das meinen wir genau so, wie wir es schreiben. Denn mit Kundendienst, geschweige denn Kulanz hat das in keiner Weise zu tun - aber mit dem Mendler. Hier versucht ein KMU'er - der offensichtlich damit bislang immer durchkam - jegliche Kosten auf Kunden abzuwälzen. Offensichtlich ist dem Alexander der "ehrbare Kaufmann" sch.iß egal. Damit kann er sich ja mit den Bremern zusammentun - die sind damit auch aus dem Rennen geflogen. 


Kundendienst a la heute-wohnen.de: Falschaussagen ggü. Paypal!

Wenn man nicht nach der Pfeife des windigen Württembergers tanzt, bekommt man die ganze Wucht der Kundenfeindlichkeit des Postenschiebers zu spüren. Gegenüber dem PayPal-Garantieservice nehmen es seine Mitarbeiter auch nicht so ganz genau mit der Wahrheit und mogeln sich mit einem alten Sendungsstatus durch die Klärung. Und wenn klar ist, dass der eigene Paketdienst DHL zwei vereinbarte Liefertermine verschlammt und abgebrochen hat, schweigt man einfach, statt den Fall offen zu klären. Auch eine Methode ...

Unser Zwischenfazit:

Statt mit Kundendienst wirbt der windige Vertriebler mit einem "Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg". Ob der Mendler damit die brav ausgeführte Kehrwoche in seinem Heimatstädtchen meint, oder dass er die Arbeitsbedingungen in seinem Lager an die der DHL-Paketsklavenhalter angepasst hat, bleibt bei dem vermeintlichen Hygienesiegel im Dunkeln - ganz im Gegensatz zu den kundenfeindlichen Methoden, damit zu drohen, Kosten abzuwälzen.

Damit nicht genug: Der Mendler wirbt nicht nur mit einem Baden-Württembergischen Mittelstandslogo, er greift auch gleich in die ganze große "Ich bin der Gute"-Trickkiste mit DKMS-Urkunde, DRK-Fotos auf Facebook, Inkusionspreis-Logo, Mitarbeiter-Fotos in seinem YouTube-Video, SOS Kinderdorf-Logo und World Vision-Signé. Im hauseigenen Selbstbeweihräucherungs-Video (mit 5 Followern und 5 Likes) wird eine ganze Wand des hässlichen Büroflurs mit schicken Urkunden abgedreht.

Um keinen falschen Zungenschlag aufkommen zu lassen: 

Das Engagement für die Integration mobilitätseingeschränkter Menschen, die Unterstützung von örtlichem DRK und Freiwilliger Feuerwehr, der Kampf gegen Leukämie und finanzielle Unterstützung für eine bessere Zukunft für Kinder in Afrika ist ohne wenn und aber zu unterstützen. Wenn Urkunden und Logos jedoch gezielt als Hygienesiegel im Online-Marketing eingesetzt werden, ist dies nicht nur zweifelhaft, sondern der Versuch, sich mit Geld ein gutes Image zu kaufen, um mehr Möbel zu verticken.


Zweifelhafte Verhaltenskodizies mit kleinen + größeren Fallstricken:

Weil wir gerade so viel Spaß mit unserem vertrauten Versandhändler haben, legen wir gern noch eine Schüppe drauf. Neben dem lustigen Winke-Winke-YouTube-Video mit jung-dynmischen China-Importeurinnen, einer offensichtlich nicht funktionierenden Kundendienst-Abteilung und einer - dank schrecklicher Website-Usebility - nicht wirklich vertrauenswürdigen IT-Abteilung schreibt der Mendler in seiner Widerrufsbelehrung online unter der Überschrift "Verhaltenskodizies":

"Wir sind geprüftes Trusted-Shops-Mitglied und sind Mitglied im Verein "Sicherer und seriöser Internethändler e.V.", der eine kostenfreie Schlichtungsstelle durch einen unabhängigen, externen Rechtsanwalt anbietet. In den seltensten Fällen kommt es zu Unstimmigkeiten, die oftmals durch unbeeinflussbare Gründe entstehen ..."

Wenn der Posteingang voll ist oder Mail verschwinden, bist Du schuld!

Die vermeintliche Vertrauensbekundung hat bedauerlicherweise zwei klitzekleine Schönheitsfehler, mit der sich der Mendler - Sie wissen, der mit den ganz persönlichen Drohungen - selbst ins Knie schießt: 1. Im Checkout seiner 80er Jahre Look-a-Like-Homepage wird das Trusted Shop-Tracking versehentlich "vergessen". Aha, vergessen?! Wer's glaubt, kann ja seinen Garantieanspruch händisch nachbuchen lassen. Ansonsten hat es halt Pech gehabt und fällt auf die zweifelhaften Methoden des Mendler rein.

2. Mit der Formulierung "Unstimmigkeiten, die oftmals durch unbeeinflussbare Gründe entstehen" stiehlt sich der Verkäufer gleich wieder aus der Verantwortung. Denn auf Deutsch steht da: Wir werden ganz sicher nicht schuld gewesen sein. Der Mendler liefert auch gleich seine Begründung, mit der er Widerrufe abwimmeln wird: "oftmals kommen Mails wegen voller Postkörbe, Spam etc. nicht an". Noch Fragen? Mittlerweile können wir Mobilfunk-Verträge stressfrei per E-Mail kündigen. Beim Mendler sollte man lieber schriftlich per Einschreiben kommunizieren. 


heute-wohnen.de: Scheiß auf Trusted Shops, scheiß auf Trustpilot!

Bleibt die Gegenfrage, ob wir mit unserer Kritik wirklich richtig liegen, oder die kleine Keule zu unrecht rausgeholt haben. Fakt 1: DHL Paket hat die Sendung innerhalb von 2 Wochen immer noch nicht zugestellt. Das Paket verschimmelt in der Filiale. Fakt 2: Der DHL-Paketfahrer hat - schwarz auf weiss getrackt - 2 Zustellversuche im Auftrag des Online-Händlers vorsätzlich gebrochen. Fakt 3: Alexander Mendler hat es nicht geschafft, das in seiner Verantwortung stehende Lieferproblem (denn er ist der gewerbiche Versender) zu beheben. 

Fakt 4: Die Drohungen mit juristischen und finanziellen Folgen sind auch online bestätigt und auf der Homepage des Geschäftemachers für jedermann nachzulesen. Fakt 5: Der windige Verkäufer antwortet selbst ggü. PayPal zur Lösung des Problems ... nicht und 'vergisst' die korrekte Trusted Shops Einbindung. Deswegen ist der Käuferschutz aktiviert. Fakt 6: Im Bewertungsportal "Trustpilot" bekommt heute-wohnen.de gerade einmal 3,2 von 5.0 Sternen - bei 54% "ungenügender Leistung".


Zum Glück sitzt der aufgeklärte Verbraucher am längeren Hebel.

Händler wie der Mendler fahren mit der Methode "Abwimmeln. Abstreiten. Abducken" zum Glück nur in eine Richtung - an die Wand. In der Konsequenz sind sie darauf angewiesen - wie unser windiger Wohnausstatter - über Marktplätze, wie Amazon, Ebay und Otto zu verkaufen. Denn ihr Image ist trotz unzähliger 'erkaufter' Urkunden für die Katz. Und wenn Händler auf den Marktplätzen mit inkludierten Daumenschrauben nicht funktionieren, sind sie draußen.

Wir haben den Fall gegenüber PayPal und Trusted Shops eskaliert und Käuferschutz beantragt, der Verbraucherzentrale NRW die Fakten zur Abmahnung bereitgestellt, eine Beschwerde im 2nd Level bei DHL Paket zu laufen und werden nun den Marktplatzpartner Otto.de informieren, wen sich die Bramfelder da eingefangen haben. Vielleicht passt heute-wohnen.de ja auch zur Otto Group-Philosophie, bedenkt man, dass About You-Cofounder Tarek Müller gern mal auf Facebook öffentlich über Kunden herzieht. Gleich und Gleich gesellt sich halt gern ...


Hier ziehen alle an einem zweifelhaften Strang: Alexander Mendler und Mitarbeiter/innen.
Foto: facebook.com/heute-wohnen

Unsere Empfehlung auf Grund durchschlagend negativer Erlebnisse:


Finger weg vom Kauf-Button auf heute-wohnen.de.
Finger weg von Heute Wohnen auf Amazon, Ebay und Otto.

Da werden Sie bei Versandproblemen bewiesener Maßen allein gelassen.
Da werden Sie mit zusätzlichen Kosten und juristischer Keule bedroht.
Da müssen Sie ernsthaft um Ihr sauer verdientes Geld bangen.
Unsere Erfahrung. Unsere Bewertung.

Zu guter Letzt: 

Wie reagiert ein offen kritisierter, nachweislich unfair agierender KMU-Onlinehändler auf einen entlarvenden Beitrag über ihn? Am 7. Dezember d. J. schreibt der Mendler in seiner Antwort auf den ihm vorab zur Verfügung gestellten Beitragsentwurf: "Ich bitte um belästigende Werbung für Ihr Magazin abzusehen" - und schließt seinen Brief mit einer weiteren, juristischen Drohung sowie einer persönlichen Herabsetzung, wie er es offensichtlich immer macht. Und vielleicht auch nicht anders kann ...

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Donnerstag, 5. Dezember 2019

HANSEPERSONALITY Andreas Moring: Ich will, dass Hamburg die Nr. 1 in Deutschland in Sachen KI wird.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Will Hamburg zur führenden KI-Metropole machen: Andreas Moring.
Foto: Andreas Moring

HANSEMACHINE: Hamburg. Intelligent.

Im Jahr 2030 wird jeder 4. in der Wirtschaft verdiente Euro durch Daten beeinflusst. Die Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Rund 1/3 aller Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen haben in Zukunft mit Geschäftsprozessen und Produktionsketten zu tun, rd. 20% mit Marketing und Vertrieb. Die Wirtschaftsmetropole Hamburg bereitet sich auf die datengetriebene Zukunft vor.

Andreas Moring ist Experte für Innovationsmanagement, Business Modelling und Digitalisierung sowie ... Künstliche Intelligenz. Der 41-jährige Professor der ISM Hochschule Hamburg bringt das Thema KI mit seiner Initiative "WeGoFIve" in die breite Öffentlichkeit. Unser HANSEPERSONALITY ist KI-Spezialist Prof. Dr. Andreas Moring:

Ganz Hamburg spricht über KI. Ihr habt an der ISM Hamburg eine eigene Konferenz gemacht, in Hammerbrooklyn gab es gerade eine große Cluster-Konferenz zu AI und das Event-Netzwerk 12min.me hat eine eigene Eventreihe dazu gestartet. Fangen wir am Anfang an: Wo macht Künstliche Intelligenz wirklich Sinn?

KI macht immer da Sinn, wo ich definierte Prozesse automatisieren kann und wo es um Mustererkennungen geht. Je genauer Abläufe beschrieben werden können, desto schneller, einfacher und zuverlässiger kann eine KI sie lernen und dann selbstständig ausführen. Das gilt nicht nur in der Produktion, sondern zunehmend auch in den sogenannten Verwaltungsjobs. Hier wird es sogar mehr Veränderungen geben, als sich manche heute vorstellen wollen. 


Jobs werden von Maschinen übernommen werden, neue Jobs werden entstehen. Bei den meisten Jobs wird sich aber das Profil verändern: Weniger Routine, mehr in Zusammenhängen denken und mit anderen zusammenarbeiten und mehr ein System am Laufen halten und verbessern, als einzelne Jobs abzuarbeiten.

Bei den Mustererkennungen geht es um vielfältige Bereiche in Medizin, Marketing, Logistik, genauso, wie in der Finanzbranche oder im Bereich Green Tech. Denn schließlich gibt es überall Muster, typische Abläufe und Korrelationen. Einige sind leicht zu erkennen und von KI zu lernen, andere sind schwerer zu erkennen. Deswegen ist zunächst wichtig, zu definieren, was eine KI für ein Unternehmen leisten soll. Dann kann man daraus auch ableiten, nach welchen Mustern gesucht und welche gelernt werden sollen. Un diese Zieldefinition ist eine Aufgabe für den Menschen.

Künstliche Intelligenz ist nicht unbedingt ein Thema, bei dem jeder von uns sofort vor Begeisterung in die Luft springt und enthusiastisch "Hier!" ruft. Du bist Betriebs- und Volkswirt mit vielen Jahren Tech-Background. Was sind Deine ganz persönlichen Treiber, das Thema KI an der ISM und mit Deiner Firma WeGoFive voranzubringen?

Als Professor fasziniert es mich, dabei zu sein, die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten einer neuen Technologie zu erforschen und zu entdecken. Ich denke, dieser Entdeckergeist ist typisch für Wissenschaftler und Unternehmer. Als Hochschule wollen wir natürlich hier auch vorne mit dabei sein. Sowohl, was die Forschung und Projekte angeht, aber auch, weil es unsere Aufgabe ist, junge Leute fit zu machen, für die Berufswelt von heute und vor allen Dingen von Morgen.


Leider haben wir schon gegenüber München, Berlin oder auch Aachen etwas den Anschluss verloren.

Ich will mit der ISM einen Teil dazu beitragen, dass Hamburg die Nummer Eins in Deutschland in Sachen KI wird. Leider haben wir hier schon gegenüber München, Berlin oder auch Aachen etwas den Anschluss verloren. Aber das sollte gerade Ansporn sein. 
Die Initiative WeGoFive habe ich zusammen mit Sascha Dem vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufen. Hier wollen wir Wissen und Know-How zur Umsetzung von KI in Unternehmen sammeln. 

Kollaboration und Vernetzung bringen uns voran. Am besten ist es, wenn wir voneinander lernen. Mit WeGoFive wenden wir uns vor allem an mittlere und kleinere Firmen, die ganz konkret vor den Frage stehen: Wo macht KI bei mir Sinn und wie bringe ich das Ganze in mein Unternehmen und zu meinen Mitarbeitern? Denn die müssen mitmachen wollen. Dieser entscheidende Faktor wird bei aller Technik unserer Meinung nach leider noch zu sehr übersehen. 

Lass uns "Butter bei die Fische" packen: Wo stehen wir mit dem Thema aktuell - insbesondere bei wichtigen in Hamburg starken Branchen und Bereichen, wie Mobilität, Medizin, Marketing oder Personal? Und wo ist Künstliche Intelligenz schon weit fortgeschritten oder sogar marktreif?

In den Bereichen Marketing, Kommunikation, Logistik und Medizin sehen wir schon viele Anwendungen in Hamburg. Ebenfalls in Produktionsprozessen in verschiedenen Branchen und zunehmend auch Anwendungen im Human Resources Bereich in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen. Da kann man ohne Bedenken von Marktreife sprechen. Bei Mobilität und Finanzen geht es gerade los, ebenso im Bereich Immobilienwirtschaft.

Im Bereich von Green Tech und Nachhaltigkeit sehe ich eine große Dynamik und vor allem für Hamburg realistische Möglichkeiten, zu dem KI-Standort in den Bereichen in Deutschland und Europa zu werden. 

In der Immobilienwirtschaft sehe ich sehr großes Potenzial, weil sich hier gerade der Trend zur allgemeinen Digitalisierung mit dem Fortschreiten von KI verbindet und eine besondere Dynamik gewinnt. Sowohl beim Planen, als auch beim Bauen, als auch beim Betreiben von Immobilien. Im Bereich von Green Tech und Nachhaltigkeit sehe ich ebenfalls eine große Dynamik und vor allem für Hamburg realistische Möglichkeiten, zu dem KI Standort in den Bereichen in Deutschland und Europa zu werden. 

Vor allem, wenn die Metropolregion Hamburg einbezogen wird, beispielsweise bei erneuerbaren Energien, die dann mithilfe von KI „intelligent“ gesteuert, gespeichert und verteilt werden. Diese Kooperation sollten wir sogar noch ausbauen, mit unseren Partnern im Ost- und Nordseeraum. München ist in Süddeutschland und der Ecke Europas in dieser Hinsicht sehr aktiv und erfolgreich. Wir in Hamburg können das doch auch?!

Wir müssen auch die Kehrseite der Medaille ansprechen: Müssen Menschen Angst haben, dass ihre Arbeitsplätze durch Artificial Intelligence abgeschafft werden? Und wenn ja, in welchen Branchen? Dazu ein "Deep Dive": Welche Aufgaben kann eine KI wirklich übernehmen - und wo sind die Grenzen?

Die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Denn es gilt: je genauer Du Deinen Job und Deinen Tagesablauf beschreiben kannst, desto schneller und sicherer wird dieser Job von einer (intelligenten) Maschine übernommen werden. Das gilt in der Produktion, aber vor allem - wie vorhin gesagt - in der „Verwaltung“; egal ob öffentliche Verwaltung oder in privatwirtschaftlichen Unternehmen. Und es betrifft wirklich alle Branchen: 

Grenzen für den KI-Einsatz gibt es überall da, wo es auf individuelle Interaktion ankommt.

Von der Stadtreinigung über die Landwirtschaft oder Landschaftspflege über die Herstellung oder den Bau von Dingen bis in die Medizin, die Vermarktung, Finanzen, Recht und selbst Lehre oder Programmierung. Mir macht das keine Angst, denn das ist nie ein guter Ratgeber. Ich kann aber verstehen, wenn sich viele Menschen deswegen zunehmend Sorgen machen. Grenzen für den KI-Einsatz gibt es überall da, wo es auf individuelle Interaktion ankommt:

Eine KI kann eine Diagnose machen, aber das Gespräch davor und danach mit den Patienten muss der Arzt oder die Ärztin führen, wo es um Kreativität geht (das geht von Kommmunikationskampagnen, über Produktentwicklung oder strategischen Aufgaben bis hin zur Kindererziehung oder der Organisationsentwicklung) und wo unterschiedliche Domänen zusammenkommen und es deshalb eben keine eindeutigen Muster und Zusammenhänge mehr gibt (wenn sich also beispielsweise unternehmerische Interessen und politische Interessen überlappen) überall da ist der Mensch gefragt. 
 
Von Grundlagen über Deine Motivation, der Nutzen und die Folgen zu den Grenzen. In Verbindung mit Künstlicher Intelligenz steht immer wieder die Frage im Raum: Welche Entscheidungen kann man einer Maschine übertragen? Und wo sind die moralischen Grenzen von Maschinen?

Gute Frage. Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Eine eindeutige Grenze ist in jedem Falle da, wo die Würde oder die Unversehrtheit des Menschen in Gefahr sind. Alles andere kann meiner Meinung nach nicht definitiv und allumfassend festlegen. Letztlich werden wir herausfinden, wie wir mit diesen neuen Möglichkeiten umgehen wollen. Das war bei allen technischen Neuerungen in der Vergangenheit auch so. Die Würde und die Unversehrtheit sollten der moralische Kompass sein. Allerdings sollten wir hier aufpassen, dass unter der Überschrift Moral und Menschenwürde nicht alles tot diskutiert und mit Bedenken überlastet wird. 

Wenn Europa eine eigene Stimme haben und die eigenen Werte bewahren will, dann können wir nicht nur diskutieren und abwägen, sondern müssen mit dabei sein - am besten vorne.

Wie gesagt: Wir finden es nur heraus, wenn wir es machen. Und wir sollten uns auch immer klar darüber sein: In China oder Russland oder auch in den Ölstaaten wird massiv in die Entwicklung von KI investiert und da zähen solche Überlegungen zu Moral und Menschenwürde einfach nicht. Wenn Europa hier eine eigene Stimme haben und die eigenen Werte bewahren will, dann können wir nicht nur diskutieren und abwägen, sondern müssen mit dabei sein - am besten vorne. 

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: In welchen Unternehmen oder Branchen siehst Du Hamburg beim Einsatz von KI bereits gut aufgestellt? Und wo wünscht Du Dir ein stärkeres Engagement in Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik

Am besten aufgestellt sind die Bereiche Medizin und Marketing in Hamburg. Bei Logistik, Produktion und Immobilien tun die Unternehmen in Hamburg auch wirklich viel. Ein stärkeres Engagement von politischer Seite wünsche ich mir im Bereich Green Tech. Vor allem aber brauchen wir in Hamburg branchenunabhängig mehr Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Da gibt es gute Ansätze, wie beispielsweise das Artificial Intelligence Center ARIC, bei dem ich Themenpate für Mensch-Maschine-Kollaboration bin, oder an der TU Harburg oder beim Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung und es gäbe noch mehr Beispiele. 

Ich bin optimistisch, das wir das in Hamburg durchaus hinbekommen.

Da geht aber noch mehr. Es kommt nicht auf die Anzahl der Initiativen an, sondern auf die Dynamik und die Ernsthaftigkeit. Die ist bei vielen (nicht allen) Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft da, politisch könnte hier sicherlich noch mindestens eine Schippe drauf gelegt werden. Denn solche Aktivitäten brauchen ja auch immer eine Zeit, um ihre volle „Performance“ zu erreichen. Bei der schnellen internationalen Entwicklung haben wir aber eben nicht allzu viel Zeit. Ich bin aber ungeachtet dessen optimistisch, das wir das in Hamburg durchaus hinbekommen.

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Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

Grafik: Schäfer Shop
www.hansemachine.de

 Hamburg Digital Background: 

Prof. Dr. Andreas Moring:

Initiative WeGoFive:

Dienstag, 26. November 2019

HANSESTATEMENT: Eine digitale Odyssee in Rot-Grün.

HAMBURG DIGITAL WAHLEN

Hanseatische Bescheidenheit zur Digitalisierung an Alster und Elbe.
Urheber: bekannt.

"
Ich wüsste schon, wen ich dort hin ... schicke", frotzelte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Bezug auf sein Raumfahrtprogramm und den Traum vom Flug zum Mond - in einer viel beachteten Rede vor dem CDU-Bundesparteitag am 23.11.19 in Leipzig. Hamburgs Ersten Bürgermeister und SPD-Chefwahlkämpfer Peter Tschentscher meinte er eher nicht. Denn die Freie und Hansestadt beschäftigt sich vor allem mit sich selbst und hat - wie immer - die Stadt und damit sich selbst im Blick, fernab politischer Impulse für die Zukunft.

Der CSU-Chef lobte in seiner Rede den Wissenschaftsstandort Berlin - mit drei kooperierenden Universitäten als einen Exzellenzstandort für die Zukunftsthemen unserer Zeit. Der angstfreie Regierungschef kündigte an, dem Beispiel der Hauptstadt zu folgen, und Hochschulen fernab von LMU und TUM zu regionalen Themenschwerpunkten und lokalen Projektschwerpunkten - vor allem für den geplanten KI-District Bayern - zusammenzuschließen. An die unbekannte Science City Bahrenfeld dachte er offenbar nicht.

"Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete.
Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen ...
Die Kunst ist auch, die Zukunft im Blick zu haben."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Suchen wir beim parteilosen, auf SPD-Ticket laufenden Wirtschaftssenator nach der Hamburger Zukunft. Am 30. September d. J. präsentierte Michael Westhageman voller Stolz die Gründung des Articial Intelligence Center Hamburg, einem privaten Zusammenschluss aus kleinen, mittleren und größeren Unternehmen sowie Hochschulen plus Technologietransfer-Experten. Der unermüdlich die Chancen der KI hervorhebende, scheidende Senator verspricht eine unglaubliche Unterstützung i. H. v. 400.000,- € pro Jahr - für max. 2 Jahre.

In Hamburg tüdeln drei Behörden mit Informatik-Plattform (BWFG), AI-Netzwerkförderung (BWVI) und KI-Prototypen-Förderung in Medien (BKM) herum. Und was macht Bayern? Der Süden investiert 360 Mio. €. Der Freistaat will allein 100 neue Lehrstühle nur zum Thema KI schaffen, davon 22 in der mit Hamburg durchaus vergleichbaren Stadt München - in Worten: "zwei-und-zwanzig". "Die KI ist die Dampfmaschine der neuen digitalen Welt und die Basis für eine grundlegende technische und industrielle Revolution", so Markus Söder.

"Das Tempo der Entscheidungen machen nicht wir,
aber die Geschwindigkeit der Reaktionen - das entscheiden wir."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Natürlich engagiert sich der Senat mit Bürgermeister*in-Kandidatin Katharina Fegebank für den Wissenschaftsstandort. Mit der Informatik-Plattform Ahoi Digital plant die Hansestadt mit 23 Mio. € Fördermitteln von Senat und zwangsweise mit zur Kasse gegebenen Hochschulen 35 neue Informatik-Professuren (auf dann 100 Stellen) und bis zu 1.500 zusätzliche IT-Studienplätze. Womit wir bei der Frage sind, wer den längeren Atem hat. Bayern plant 1.000 neue Professuren für noch einmal zusätzlich 10.000 Informatik- und Technologie-Studienplätze, plus 400 Mio. € für die Hochschulreform.

Zukunft vs. Hafen

Womit wir in der rauen Wirklichkeit der Handels- und Logistikmetropole angekommen wären. Während Markus Söder am 1. Juli d. J. in München die neue Raumfahrtfakultät an der TU einweiht, verbunden mit einem Förderprogramm von 700 Mio. €, einem eigenen Universitäts-Campus und dem Ziel, in Bayern Satelliten zu bauen, baggert man an der Hammaburg nach 17 Jahren Planung und diversen Prozessen zu den geschätzten Kosten einer Elbphilharmonie (866 Mio. €) den Schlick aus dem Fluss.

Gegensätze bringen auf den Punkt, worum es geht. Daher zitieren wir einmal mehr den Bayerischen Ministerpräsidenten: "Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete. Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen." Wo in Antwerpen und Rotterdam innovative Terminals schneller laden und hochautomatisierte Logistikzentren schneller drehen, investiert Bayern mit der Hightech-Agenda 2 Mrd. € in die Zukunft als KI- und SuperTech-Standort, z. B. für Robotik.

Zukunft vs. Games

Der Blick in die Hamburger Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörden lässt weder eine Strategie noch Visionen in Sachen digitaler Zukunft erkennen. Die für den Herbst erwartete neue Innovationsstrategie des Senats ist ein bis heute perfekt gehütetes Geheimnis. Schauen wir beim Senator für digitale Inhalte und Infrastruktur vorbei: Nach der Reanimation des staatlichen Branchenclusters für die Gameswirtschaft verkündet Scholz-Vertrauter Carsten Brosda zur Eröffnung der 1. Gamevention eine - zum 50 Mio. €-Paket von Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) - eine ergänzende, "scharf zugespitzte" Gamesförderung für Hamburg.

Großmütig gesteht er ein, dass die Branche ohne Förderung nicht auskommt. Sein Freund Scholz hatte die vom CDU-Senat eingeführte Prototypenförderung mit bis zu 1 Mio. € zinslosem Kredit 2011 kurzerhand gestrichen. Statt auf Zukunftskurs für die so führende Gamesbranche zu gehen, sammelt der SPD-Wahlkämpfer die Hoffnungen der Branche gleich wieder ein: Eine Förderung wie in Bayern mit 3 Mio. € oder NRW mit 2,4 Mio. € werde es in Hamburg nicht geben. Klingt nach Haushaltskrümeln und Dezember-Fieber der Medenbehörde. Senatskollegin Fegebank wusste bei der Messeeröffnung davon jedenfalls (noch) nichts.

Zukunft vs. Bücherei

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Digitalisierung, wenn man sich im Blitzlichtgewitter oder in Kameralampen wieder einmal sonnen will. Neueste Idee der - die Dächer der Stadt im Blick behaltenden - SPD ist ein "Haus der digitalen Welt". Das medial von der Lokalpresse kolportierte Leuchtturmprojekt soll ein "Bildungs- und Zukunftsort für alle Hamburgerinnen und Hamburger" werden. "Es wird ein bundesweit einzigartiger Ort, an dem Digitalisierung erlebbar und erlernbar wird", feiern sich die Sozialdemokraten für die Schnapsidee ihres am kommenden Samstag zu verabschiedenden Wahlprogramms.  

Was heißt "digitales Haus" auf Deutsch? Ein neuer Standort für die Zentralbibliothek vom Hühnerposten, verbunden mit einer handvoll digitaler Selbstverständlichkeiten - umgesetzt von den staatlich gängelten Bücherhallen und Volkshochschulen. Das Ganze zu einer Fast-schon-so-gut-wie-Revolution an der Kaikante hochgejazzt - und fertig ist ein weiteres Stückchen "Future Hamburg". Kann ja nicht jeder mal eben 4,5 Mio. € in die KI-Entwicklung stecken, wie das arme Schleswig-Holstein. Aber wir wollten ja bei Hamburg vs. Bayern bleiben ...

"Deutscher Provinzialismus in der Hoffnung, das zieht an uns vorbei,
war schon immer gefährlich."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Hamburg liegt unter den deutschen Städten mit den meisten Digitalexperten auf einem so mittleren Platz 3 - hinter Berlin und München, bei den meisten KI-Experten nicht einmal unter den Top 5 - noch hinter Frankfurt, Stuttgart und Köln. Nur bei den angestellten IT-Experten führt die Hansestadt knapp vor der Startuphauptstadt Berlin. Bei den angesiedelten Startups entgeht die Hansestadt nur um Haaresbreite einem peinlichen 4. Platz, durchgereicht von Stuttgart und Karlsruhe. Dafür wird Hamburg unter den Smart Cities in diesem Jahr von Köln auf den 2. Platz degradiert.

Der Senat reagiert auf Zahlen und Fakten mit eingekauften oder zahmgestellten Leuchtturmprojekten. Der heisseste Scheiss der rot-grünen Sandmännchen unter Mondfahrer Tschentscher ist der "Digital Campus Hammerbrooklyn". Nachdem die miesen Machenschaften von Art Invest aufflogen, schnappte sich Vorzeigemobilisierer Westhagemann das Terrain. Seit dem wird in den grünen Blechboxen die Zukunft der Mobilität diskutiert, alternativ die "Stadt der Zukunft" - also das geplante Büro- und Gewerbeimmobilienprojekt hinter dem Digitalpavillon. Wenigstens der Name ist digital ... 


"Ich kriege manchmal den Satz zu hören: 'Wir müssen der Fels in der Brandung sein.'
Dann stelle ich die Frage: Da, wo Du stehst, gibt's gar kein Wasser mehr?"
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Über die Grenzen der Elbe hinweg ist die Hansestadt in jüngster Zeit auch nicht durch Digitalkompetenz in Erscheinung getreten. Bei einem Spitzentreffen der Digitalminister, Staatssekretäre und Amtschefs glänzten SPD-Staatsrat Jan Pörksen und sein Chief Digital Officer Christian Pfromm mit Abwesenheit. Während Hamburg sich nicht mit den Unions-Gastgebern aus Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein an einen Tischen setzen wollte, hatten die Genossen aus Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen kein Problem mit der "Frankfurter Erklärung" zur Zusammenarbeit der Länder.

"Wir haben da Ambitionen, auch Anschluss zu finden."
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

HANSEVALLEY hat in den vergangenen 3 Jahren in 1.100+ Nachrichten und mehr als 270 Interviews, Reportagen, Beiträgen und Kommentaren gezeigt, was digital in Hamburg läuft - und was nicht. SPD und Grüne haben in der vergangenen Wahlperiode nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, Hamburg in die digital-vernetzte Zukunft zu führen. Die oppositionellen Christdemokraten freuen sich über mehr oder weniger visionäre Straßenbahnträume, um die Stadt im Blick zu behalten. Die steckt derweil weiter im Schlick fest - statt durchzustarten.


*  *  *

Ein Meinungsbeitrag von Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background:

Rede Markus Söder 23.11.19
youtu.be/s9NdPNB3uac

Frankfurter Erklärung der Länder
digitales.hessen.de/sites/digitales.hessen.de/files/Frankfurter%20Erkl%C3%A4rung%20der%20D17%20-%20beschlossen.pdf

Spieleförderung des Bundes
bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Computerspielefoerderung/computerspielefoerderung.html

Hightech Agenda Bayern
bayern.de/hightech-agenda-bayern/#I,1,3

Raumfahrt-Fakultät TU München
sueddeutsche.de/muenchen/tu-muenchen-neue-fakultaet-luftfahrt-raumfahrt-1.4507176

Mittwoch, 6. November 2019

HANSEPOLITICS: Hamburg sucht den Impfpass - und Peter Tschentscher vorne weg ...

HAMBURG DIGITAL STATEMENT


Mit gutem Beispiel vorn: Mit Papier zum Impfstatus: Gesundheitssenatorin
Prüfer-Storcks und Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher (v.l.n.r.)
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Impfen? Ja, impfen! Da kann es ernsthaft keine zwei Meinungen geben.

So sehen das auch Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und seine Gesundheitssenatorin, Cornelia Prüfer-Storcks - und lassen sich deswegen werbewirksam per Hausbesuch im Rathaus wie Privatpatienten impfen, um mit gutem Beispiel voran zu gehen. Vorbildlich! Möchte man meinen.

Tatsächlich muss man sich aber fragen, warum der Regierungschef eines deutschen Bundeslandes offenbar bisher doch Lücken in seinem Impfstatus hatte. Und, ebenso offenbar, ist er nicht der Einzige in seinem Kabinett. Wie viele Senatsmitglieder sind wohl noch ohne umfassenden Impfschutz unterwegs?

Vorbildlich wäre es gewesen, wenn eine Impfung ausweislich des dazugehörigen Passes nicht notwendig gewesen wäre. Dass es nicht so ist, erschreckt nicht nur, weil es um den Ersten Bürgermeister Hamburgs geht, der nicht richtig geschützt war-ist-gewesen wäre!? Vor allem irritiert es, weil Peter Tschentscher auch Arzt ist, und es dann eigentlich besser wissen müsste.

Wieder einmal gilt: Gut gemeint ist nicht immer gut PR-mäßig gemacht.


Deutschland sucht den Impfpass ... in Papier

Mit diesem Slogan versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit 2012 die Bevölkerung für die Aktualisierung ihres Impfstatus zu sensibilisieren. Zuletzt steigende Zahlen von Maserninfektionen zeugen vom mäßigen Erfolg dieser Aktion.

Dabei gibt es bereits funktionierende digitale Lösungen, die das Suchen des Impfpasses unnötig machen, weil die relevanten Daten griffbereit immer dabei sind. Denn das eigene Smartphone wird selten lange gesucht - nicht nur wegen aktueller WhatsApp-Nachrichten.

Mit den von Hamburger Krankenkassen frühzeitig eingeführten mobilen Patientenakten "Smart Health" der HEK und "TK-Safe" der Techniker Krankenkasse sowie "Vivy" der DAK und zahlreicher BKKn hat man heute und in Zukunft mit wenigen Klicks Klarheit über den eigenen Impfstatus - auch ohne medienwirksam in Szene gesetzte Senatoren.

Vorbildlich wäre es gewesen, auch die Information über die digitalen Möglichkeiten für einen möglichst vollständigen Schutz – um im Bild zu bleiben – einzuimpfen. Aber vielleicht braucht die Hamburger Politik noch ein bisschen Nachhilfe, dass digital-vernetzt bei jedem selbst anfangen sollte.

Redakteur: Gerd Kotoll
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 Hamburg Digital Background: 

Pressemitteilung Gesundheitsbehörde Hamburg, 05.11.2019
https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/13167132/2019-11-05-bgv-senatsimpfen/

Freitag, 25. Oktober 2019

HANSEPERSONALTIY Dr. Kevin-Lim Jungbauer: Auch eine Maschine kann diskriminieren.

HAMBURG DIGITAL GASTINTERVIEW

Dr. Kevin-Lim Jungbauer, ‎HR Diagnostics & Talent Assessment
Expert bei der Beiersdorf AG - Foto: Roger Günther

Künstliche Intelligenz im Personalbereich

Bei der FOM-Veranstaltung „Künstliche Intelligenz im Personalbereich: Wer ist hier der Boss?“ sprach Dr. Kevin-Lim Jungbauer von der Beiersdorf AG in Hamburg über Chancen und Grenzen von KI in der Eignungsdiagnostik. Im Interview verrät der Psychologe, der beim Hautpflegekonzern in Eimsbüttel Auswahlprozesse gestaltet, warum seine HR Abteilung die selbstlernenden Maschinen noch nicht auf Beiersdorf-Bewerber loslässt. Unser HANSEPERSONALITY ist Kevin-Lim Jungbauer:

Haben Bewerber bei Beiersdorf während eines Telefoninterviews schon einen maschinellen Ansprechpartner in der Leitung, einen Chatbot?

Nein, das haben sie nicht. Wir setzen im Auswahlprozess auf klassische psychometrische Verfahren und persönliche Interviews. Wir beobachten die Entwicklung von KI genau. Ein solches Instrument muss unseren Qualitätsansprüchen genügen und einen Mehrwert stiften, damit wir es nutzen.

Tun heutige Tools das nicht?

Selbstlernende Systeme bieten HR-Abteilungen schon viele Möglichkeiten, etwa als Vorfilter bei einem hohen Bewerbungsaufkommen. Aber je kleiner die Zahl der Kandidaten im Verlauf des Recruiting-Prozesses wird, desto mehr kommt es darauf an, diese umfassend kennenzulernen. Das machen wir persönlich.

Es gibt bereits KI-Instrumente, die Sprache, Texte oder Videos von Bewerbern analysieren.

Aus unserer Sicht sind diese Tools noch nicht gut genug. Es sind viele Fragen offen, allen voran: Misst ein Algorithmus das, was wir messen wollen, und können wir damit vorhersagen, dass jemand für eine bestimmte Position geeignet ist? Neben der Validität geht es um Messgenauigkeit: Eine automatisierte Sprachmessung kann man möglicherweise täuschen. Ein Bewerber, der weiß, auf welche Schlüsselworte oder Intonation eine KI anspringt, könnte sich darauf einstellen – das würde das ganze Verfahren konterkarieren. 

Eine weitere Schwachstelle der bestehenden Tools ist die algorithmische Voreingenommenheit, der sogenannte „Algorithmic Bias“. Es heißt immer, dass eine KI vorurteilsfreier bewertet als ein Mensch –  aber ob das so ist, hängt von der Qualität der Daten ab, mit denen der Algorithmus trainiert wurde. Theoretisch kann auch eine Maschine diskriminieren.

Sind konventionelle Tests der KI in ihrem Vorhersagepotenzial also noch überlegen?

Aus meiner Perspektive ja. Bei Beiersdorf gehen wir nach einer multimodalen Auswahlstrategie vor. Wir arbeiten mit psychometrischen Verfahren, die wissenschaftlichen Gütekriterien genügen, etwa kognitiven Leistungstests und Persönlichkeitsfragebögen. Dazu kommen klassische Interviews, die wir mit Case Studies anreichern, die ein Bewerber während des Gesprächs bearbeitet und anhand derer wir konkretes Verhalten beobachten können. Mit dieser Bandbreite ist es uns möglich, aus verschiedenen Facetten ein möglichst ganzheitliches Bild eines Menschen zu gewinnen.

Wie bewerten Sie die Chance, dass Künstliche Intelligenz in absehbarer Zeit auch den „Human Factor“ abbildet?

Das Potenzial von KI ist faszinierend – man denke nur daran, dass sie Schachweltmeister besiegen kann. Aber: Ich persönlich glaube eher nicht daran, dass Künstliche Intelligenz den „Human Factor“ abbilden kann. Intuition, Selbstreflexion, Interaktion in einem Gespräch, wie Menschen miteinander Kontakt herstellen oder mit zweideutigen Informationen umgehen: Der menschliche Geist ist nicht nur komplex, sondern ein Wunder der Natur.

In der Forschung wird KI bei Beiersdorf schon eingesetzt. Ist der Einsatz von Algorithmen im HR-Bereich die größere Herausforderung?

Ja, eben weil wir es mit Menschen zu tun haben und damit immer mit Schattierungen und Unklarheiten. Wir wollen Mitarbeiter finden, die zu uns passen, und wir wollen der Verantwortung den Bewerbern gegenüber gerecht werden, für die unsere Zu- und Absage eine große Rolle spielen kann. Persönliche Wertschätzung hat in unserer Unternehmenskultur einen hohen Stellenwert.

Ist das eine grundsätzliche Absage an Künstliche Intelligenz bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter?

Nein, gar nicht: Chatbots in der Kandidatenkommunikation kann ich mir sehr gut vorstellen, auch den Einsatz von KI-Elementen bei Eingangstests – die Technologie entwickelt sich ja schnell weiter. Unsere Strategie bei der Bewerberauswahl besteht schon heute aus verschiedenen Verfahren. KI kann dieses Baukastensystem ergänzen und befruchten.

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 Hamburg Digital Background 

Konferenz "Künstliche Intelligenz im Personalbereich - Wer ist hier der Boss?"