Freitag, 20. Juli 2018

HANSEDIGITAL: Eye Bee M Design Studio: Mehr als nur schön machen.

Hamburg ist mit rd. 90.000 Beschäftigten und 11 Mrd. € Jahresumsatz ein führender Kreativstandort in Deutschland u. a. mit Werbung, Marketing und Digital-Business. Große Marketing- und Digitalagenturen haben rund um die Alster ihren Sitz. Seit 18 Jahren gibt es in der Freien und Hansestadt vom Technologiepionier IBM eine eigene Einheit für E-Business Innovationen am Alten Wandrahm in der Speicherstadt - und heute im Rahmen der Digital-Services "iX" im IBM-Hochhaus am Berliner Tor. 


Die Hamburger Innenstadt: Mittendrin das Rebus des IBM Design Studios.
Foto: HANSEVALLEY

Herzstück der 80 Mitarbeiter in Konzeption, Technik und Design ist das IBM Studio Hamburg. Ob Automobilhersteller oder Gesundheitsdienstleister, ob Direktbank oder Sachversicherung - in einem lichtdurchfluteten Großraum mit bunten Möbeln, Whiteboards und Pinnwänden entstehen praktische Portale, hilfreiche Apps, schnackende Chatbots und coole Voice-Services für Kunden, Partner und Mitarbeiter der Klienten. Ein Hamburg Digital Report aus dem norddeutschen Zentrum der Designcompany IBM:


"Good Design is Good Business" schreibt Thomas Watson jr., President der International Business Machine Corporation, 1966 in einem Brief zur Einführung des Design Programms nach Vorbild der "New York School" an seine Mitarbeiter. Ob ThinkCenter, ThinkPads, die drei gestreiften Buchstaben oder das Look & Feel der Büros - der Sohn des Firmengründers und Namensgebers der künstlichen Intelligenz "Watson" weiss: Design bewegt Menschen. 10 Jahre zuvor engagiert er Eliot Noyes, einen Kurator des Museum of Modern Art. Der Auftrag: Aufbau eines Corporate Design Programs. 1981 entwickelt der Designer Paul Rand das berühmte Rebus "Eye Bee M" .


Weltberühmtes Rebus-Rätsel "Eye Bee M" von Paul Rand in 1981.
Grafik: IBM

Ein sonniger Mittwoch im Juli 2018, im Hochhaus "Berliner Tor-Center" in St. Georg: Hier kümmert sich ein 50-köpfiges Team im Auftrag von Industrie- und Dienstleistungskunden um mehr, als nur schön machen. Als Teil der Digital-Sparte "iX" konzeptionieren, gestalten und designen UX- und Visual Designer, Content Strategen sowie Frontend- und Mobile-Developer digitale Lösungen für die Kommunikation mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Herz und Seele der Design-Unit ist die 49-jährige Harburgerin Antje Kruse-Schomaker. Seit 1992 ist sie bei der IBM, zunächst im Multimedia-Kompetenzzentrum in Stuttgart.

Was Anfang der Neunziger mit Kiosk-Systemen und CD-Roms beginnt, Mitte der Neunziger zu verteilten Multimedia-Systemen und Kiosken mit Videoberatung wird, mündet 1996 in der E-Business-Unit der IBM Unternehmensberatung nam Hamburger Sandtorkai, einer Ausbildung in Business Transformation Ende der Neunziger in den USA und dem Einstieg im neu gegründeten E-Business Innovation Center der IBM im Jahr 2000 - einer Full-Service-Agentur am Alten Wandrahm, dort wo heute die Agentur Kolle-Rebbe ihren Sitz hat. Mehr als 25 Jahre ist die Design Principalin und Studio-Leiterin nun schon dabei.


Seit 25 Jahren bei IBM, seit 2000 in Hamburg für digitale Technologien:
IBM Studio-Leiterin Antje Kruse-Schomaker
Foto: HANSEVALLEY

Heute leitet die 49-jährige Mutter dreier Kinder das Hamburger Studio im Verbund der weltweit 46 Design-Center des Technologieunternehmens IBM. Neben Hamburg hat der Konzern mit Aperto in Berlin und Ecx.io in Düsseldorf sowie in München und Stuttgart weitere digitale Standbeine in Deutschland. Was kaum jemand weiss: Mit 1.600 fest angestellten Mitarbeitern ist IBM die weltweit größte Design-Firma mit Headquarter im IBM Studio Austin, Texas. Ob Europa, USA oder Asien: Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören die Digital-Units von Accenture und Deloitte. Die Design-Studios sind wiederum Teil von IBM iX - der Digital-Agentur der IBM.


Zu den Highlights des Hamburger Teams gehören der Konzernauftritt der Deutschen Bahn, der weltweite Webauftritt der STA Travel und von Lufthansa.com, der europäische Aufritt des Elektronikkonzerns Sharp sowie die Website der DAK. Auf die Frage, was das IBM Studio konkret für ihre Kunden macht, kommt eine klare Aussage der Design-Informatikerin und Diplom-Designerin: "Es geht immer in die Prozesse." Dabei reicht die Spannweite von der Konzeption digitaler Lösungen über das fertige Produkt bis zum Methoden Coaching des Kunden, um an den Lösungen weiter arbeiten zu können.


Von wegen Tech-Dinosaurier: Hackathon im Hamburger Studio.
Foto: IBM Studio


Die iterative Arbeitsweise besteht aus 3 Schritten, beginnend mit einem konzeptionellen Design Sprint von Papierentwürfen, über einen visuellen Prototypen bis hin zum lauffähigen Piloten. Alle diese Ergebnisse durchlaufen Nutzertests und werden in der nächsten Stufe optimiert. So hat das Team in 6 Wochen einen fertigen Fleet Management Piloten gebaut, eine Demo für ein mobiles Liquditätsmanagement für die Deutsche Bundesbank gebaut, den Chatbot "CALRS" für den Personalbereich von Siemens gebaut, eine Berater-App für die Agenturen einer norddeutschen Versicherung entwickelt und für Otto Bock die digitale Strategie erarbeitet und die US-Website relauncht.


IBM Studio Grundsatz: Design Thinking is not a workshop.

Design Thinking gehört in den Studios zur Grundeinstellung. Dazu hat der Tech-Riese mit Enterprise Design Thinking seine angepasste Methode, die am Anfang jeden Projekts zum Tragen kommt. So ist nutzerzentriertes Denken kein Buzzword-Bingo, sondern gelebte Praxis. 2012 rief die heutige Konzernlenkerin Virginia Marie "Ginni" Rometty die entscheidende Leitlinie aus: "There's one key to our future growth: the client experience." Konzequenz: Aufbau des weltweiten Studio-Netzes und des Ziels, dass auf 8 Entwickler mind. 1 Designer kommt. Gesagt, getan. Heute haben Designer in der IBM eine eigene Karriereleiter bis zum Vice President. 




Wenn Alexa wüsste, was Watson weiss ...


Auf die Frage, wohin die Reise in Sachen User Experience geht, hat Antje Kruse-Schomaker spannende Ideen: z. B. UX für die DSGVO. Die Informatikerin erzählt: "Es ist spannend, weil es hilft, seine Nutzer durch Transparenz und Verständnis mitzunehmen und Vertrauen zu gewinnen." Damit nicht genug. Ein weiteres Top-Thema können sprachbasierte Assistenzsysteme als Begleiter (Companion) in Text (Chat), Voice (Alexa) und Grafik (Visual) werden - mit einer eigenen Persönlichkeit in Ansprache, Tonalität, Sensibilität und Umgang mit kritischen Situation. Die künstliche Intelligenz hat die IBM mit Watson bereits. 

 Hamburg Digital Background: 


Nicht ohne Kreativität: Blick ins Design Studio
Foto; HANSEVALLEY
Das Vorbild: The New York School
www.historygraphicdesign.com/the-age-of-information/the-new-york-school

Die Philosophie: IBM Good Design
www-03.ibm.com/ibm/history/ibm100/us/en/icons/gooddesign/

Das Programm: IBM Design
www.ibm.com/design/language/

Die Methode: IBM Enterprise Design Thinking
www.ibm.com/design/thinking/

Die Experten: IBM Studios
www.ibm.com/design/studio.shtml

Das Business: IBM iX-Sparte
www-935.ibm.com/services/ibmix/

Die Zukunft: IBM Watson 
www.ibm.com/watson/de-de/

Donnerstag, 12. Juli 2018

HANSEINSURANCE: Aus dunklen Datenkellern in neue Servicewelten.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Airbnb, Netflix, Spotify & Co. - globale Plattformen erobern Märkte, besetzen Kundenzugänge, bieten Mehrwerte, machen Anbieter zu unsichtbaren Lieferanten. Keine Dienstleistung ist vor ihren Ökosystemen sicher. Beispiel: Die Versicherungsbranche. Das Münchener Vergleichsportal Check24 ist in den Markt eingebrochen, bestimmt die Regeln bei Auswahl, Entscheidung und Belieferung mit der traditionellen Leistung der Risikoabsicherung.





Amazons Apothekendienst, Apple Health und Googles Verily saugen über E-Commerce, Smartphones, Smartwatches und Sprachassistenten persönliche Daten - blasen zur Eroberung des nächsten großen Marktes: der Gesundheitsindustrie. In Hamburg rüstet sich ein Konsortium um die Signal-Iduna, den GAFAs das Feld nicht zu überlassen. Im Mittelpunkt: eine Echtzeit-Datenplattform, eigene Kundenzugänge und Kollaboration mit externen Partnern. Ein Hamburg Digital Report:



SDA-Direktor Dr. Stephan Hans
Foto: SDA
Service Dominierte Logik, kurz: SDL - die Idee hinter Plattformen ist eigentlich ein alter Hut. Seit 2004 forschen Wissenschaftler an der Ablösung der Industriedenke. Die Idee: Produkte werden unbedeutender, Leistungen werden wichtiger. "Eigentlich kauft man nicht mehr das Produkt, sondern das Bündel der Services drumherum", erklärt der 39-jährige Kommunikationswissenschaftler Dr. Stephan Hans im quirligen WeWork am Axel-Springer-Platz. Der Ostfriese ist Geschäftsführender Direktor der SDA, einer europäischen AG. "Open Industry Solutions" steht auf seine Visitenkarte, aber was heißt das?

Es geht um die von Steve Vago und Robert Lusch maßgeblich forcierte Service-Philosophie, mehr 10 Jahre alten IT-Systemen bei Deutschlands Versicherungs-Dinosauriern und dem heran rollenden Tsunami durch Tech-Giganten und ihrem ungestillten Hunger auf Daten, um das nächste Geschäftsfeld für sich zu erobern. Nach Musik- und Filmindustrie, nach Hotel- und Taxidienstleistungen geht es der Versicherungsbranche an den Krage. Den seit 2009 in Hamburg beheimateten Wissenschaftler treibt eine Frage um: "Wie sieht die IT-Zukunft in einer Service-Welt aus?"

Im Keller der Versicherer lagern ungehobene Datenschätze.


SDA-Aufsichtsrat Dr. Markus Warg
Foto: Signal-Iduna
Prof. Dr. Markus Warg ist nicht nur Sparringspartner des Chief Business Development Officers und zweifachen Familienvaters. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der SDA, IT-Vorstand der in Hamburg und Dortmund beheimateten Signal-Iduna Versicherung und Professor für Service Design und Risikomanagement. In seiner Doppelrolle stellt der Ökonom und langjährige Bank- und Versicherungsexperte die richtigen Fragen: Was will der Kunde wirklich? Wie will der Kunde einen Service buchen - und wieder loswerden? Welche Abrechnung ist für den Nutzer am Interessantesten?

Während Startups - wie das von uns vorgestellte Kasko - mittels Whitelabelservices digitale Vertriebskanäle für neue Versicherungsprodukte unabhängig von den Branchentankern aufbauen, lagern in den Kellern von Signal-Iduna, Hanse-Merkur & Co. ungehobene Datenschätze. Ideal zur Befriedigung echter Kundenbedürfnisse - fernab von schnellen und kurzfristig generierten Absatzmärkten. Genau um diese Schätze in steinzeitlich anmutenden Datenbanken und mit vorsinnflutlichen Schnittstellen kümmert sich das Hamburger Gemeinschaftsunternehmen SDA - mit seinen Investoren Signal-Iduna, IBM und dem IT-Dienstleister MSG.

Ökosysteme, um mit Dienstleistungen Werte zu schaffen.

Die Idee von SDA ist so einfach wie logisch: Auf der einen Seite stehen Frontend-Services für B2C und B2B - online, mobil oder voice - um mit Interessenten und Versicherten zu kommunizieren. Auf der zweiten Seite stehen Zugänge zu Partnern, die Dienstleistungen erbringen, z. B. Dienste zum Scannen oder Drucken sowie Abrechnugnsdienste für Rechnungsprüfung und Bezahlung. Auf der dritten Seite stehen die Versicherungen mit dunklen Kellern voller Daten und einem Software-Zoo voller Fachanwendungen. Dazwischen sitzt die SDA, zusammen mit IBM als Cloud- und Datenprofi und der MSG als Profil im "Keller". Das, was SDA mit der Signal-Iduna entwickelt, ist mit Open Source Technologien von Anfang ein offener Ansatz, denn im Keller sieht es fast überall genauso aus.

Im Gegensatz zu anderen Tech-Riesen denkt man in Hamburg nicht über Plattformen nach, weil es Plattforen sind. Vielmehr geht es um Ökosysteme, die mittels Dienstleistungen neue Werte schaffen - für Nutzer wie für Anbieter. Das ist auch unbedingt notwendig. Denn der Krankenversicherer Signal-Iduna hat diverse Partner, mit denen er kooperiert: Agenten und Makler, Praxen und Krankenhäuser, Apotheken und Pharmahersteller. Dabei steht der Kundenkontakt im Mittelpunkt. Ist er verloren, sind alle Bemühungen umsonst. Umso wichtiger ist es, die Datensilos mit der Historie seiner Kunden zu heben und zu nutzen. Denn der Versicherer SignalIduna hat diverse Partner, mit denen er bereits kooperiert oder in Zukunft zusammenarbeiten möchte.


Kunden-App mit intelligenter Anbindung ans Data-Backend
Grafik: SDA SE

Richtig Spaß macht der Plattform-as-a-Service-Ansatz, denkt man künftige Möglichkeiten z. B. im Gesundheitssektor. Wenn die Gesundheitsakte von Techniker Krankenkasse und IBM, die Fallakte von UKE, Vivantes oder Helios und die Fitness-Apps von Adidas aka Runtastic im Rahmen gesetzlicher Möglichkeiten zusammenspielen, können anonymisierte Daten eine Qualität in Diagnose, Therapie und Kur bringen, die sonst nur den großen Datensammlern aus den USA möglich sind. Was für den Gesundheitssektor möglich wird, ist ebenso im Pflegesektor machtbar, was im Pflegesektor machbar ist, könnte ebenso in der Altersvorsorge entwickelt werden.

Die im Sommer 2016 zunächst innerhalb der Signal-Iduna getestete Plattform-Technologie wurde im Dezember des Jahres ein eigenes Unternehmen. Aktuell arbeitet das Hamburger Team mit 20 festen Mitarbeitern und fast 80 Köpfen Manpower einschl. Mitarbeitern bei IBM Global Business Services und MSG. Die sorgen dafür, dass Services im Frontend in Echtzeit laufen können, die Datenverarbeitung im Backend davon aber abgekoppelt sein kann. Und sie gewährleisten, dass die zertifizierte, regulierte Backend-Systeme ohne Sorge angekoppelt werden können.

Kein Fuß in der Haustür der Kunden ist kritisch bis tödlich.

Stephan Hans hat eine klare Botschaft an Versicherer: "Ihr seid für den Kunden in Zukunft nur relevant, wenn ihr Servicewelten in einem eigenem Ökosystem aufbaut": Geht des Kundenkontakt an Check24, ist er für lange Zeit verloren. Ist die Schnittstelle von einem fremden Ökosystem besetzt, gibt es keine aktuellen Daten zum Aufbau von Serviceangeboten. Ein Teufelskreislauf, der kaum zu durchbrechen ist. Der langjährige Berater warnt: Im nächsten Schritt lauert die künstliche Intelligenz. Hier keinen Fuß in der Haustür der Kunden zu haben, ist kritisch bis tödlich.

Haben Startups das Asset schneller und flexibler Kundeninteraktionen liegt für die Versicherer der Goldschatz im eigenen Keller: die Datenhistorie aus den Kundenbeziehungen. Und die wird bis heute selten bis nie genutzt, um besser zu werden und sich gegen  neue Herausforderer aus der Plattform-Ökonomie zu wappnen. Einige Player haben den Schuss gehört, z. B. die Allianz mit der DAK, ihrem IT-Dienstleister Bitmarck, dem IT-Riesen Atos und einer Reihe von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen oder die Techniker zusammen mit IBM, den Krankenversicherern Central, DKV, Signal-Iduna, dem UKE und den Klinikriesen Helios und Vivantes aus Berlin.

Das Rennen ist eröffnet. Der Wettlauf um Partner, Daten und Services hat begonnen. Die SDA von Signal-Iduna, IBM und MSG setzt auf eine offene Cloudarchitektur, die modulare, quelloffene Docker-Entwicklungsumgebung. Als einer der ersten externen Partner konnte die Alte Leipziger/Hallesche für eine eigene Gesundheitsplattform gewonnen werden. Dreh- und Angelpunkt des Ansatzes sind Schnittstellen und Adapter, die alles mit allem lauffähig machen können. Schauen wir mal, welches Konsortium das Rennen macht - und ob die US-Techriesen noch zu stoppen sind.



 Hamburg Digital Background: 

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösugnen aus der Werft für den Linienbetrieb.
https://hh.hansevalley.de/2018/07/hanseinsurtech-insurtech-werft.html

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html


Dr. Stephan Hans, SDA SE:
www.xing.com/profile/Stephan_Hans2/cv

Prof. Dr. Markus Warg, FH Wedel:
www.fh-wedel.de/mitarbeiter/mwa/

Service-Dominierte Logik:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service-Dominant_Logic

Service-Dominierte Architektur:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service_Dominierte_Architektur

Donnerstag, 5. Juli 2018

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösungen aus der Werft für den Linienbetrieb.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Hamburg, Neue Börse am Adolphsplatz. Einmal wöchentlich treffen sich Agenten, Makler, Assecuradeure und Sachverständige, um Transport- und Industrierisiken wie z. B. Feuer abzusichern. Seit dem Recht der Kaufleute von 1558, eine Börse zu betreiben, entwickelte sich die Versicherungsbörse zur wichtigsten Sparte  - wichtiger als Café, Getreide, Immobilien oder Wertpapiere. 


Altehrwürdige Eingangstüren der Hamburger Versicherungsbörse.
Foto: HANSEVALLEY

460 Jahre später drohen Versicherer den Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren, schieben sich Plattformen dazwischen, übernehmen Startups mit schnellen Geschäftsmodellen Teile des Geschäfts. Jetzt müssen die Versicherer handeln. An Deutschlands drittgrößtem Standort brennt es unter den Dächern lichterloh. Eine neue Werft soll Hamburgs und Norddeutschlands Anbietern helfen, sturmfest zu werden. Ein Hamburg Digital Report:

Ein Ende mit Schrecken: Die jeden Donnerstag um 13.30 Uhr öffnende Präsenzbörse der Hamburger Versicherungsbranche schließt nach 460 Jahren täglichem Betrieb in diesem Monat ihre Pforten. Ein Opfer der Digitalisierung. Schluß mit offenen Briefen, die im Börsensaal ausgetauscht werden, um mit einer Signatur das Risiko für Geschäfte abzusichern. Die Digitalisierung macht vor der Heimat der Feuergilde als weltweit erster Versicherung von 1591 nicht halt. Hamburgs Versicherer sind mittendrin im Sturm.

Rund 20.000 Beschäftigte arbeiten in rd. 370 Unternehmen der Branche. Die Handelskammer zählt aktuell 4.000 Versicherungsvermittler, davon 1.500 unabhängige Makler. Doch wie sieht die Zukunft aus? Berlin, Köln und München haben eigene Innovationshubs für die Versicherungsbranche gegründet. Verschläft die Freie und Krämerstadt einen wichtigen Trend? Verliert Hamburg seine Position als Nr. 3 unter den Versicherungsstandorten der Republik. Am Großen Burstah denkt man weiter.



Versteht sich als Think- und Work Tank: Die Insurtech Werft
Foto; HANSEVALLEY

Tilman Freyenhagen ist seit 1996 in der Branche, hat bei der Condor gelernt, 2002 ein duales Studium zum Vertriebsökonomen absolviert. Er war Maklerbetreuer, Vertriebsdirektor bei der Ideal und Prokurist bei Condor und R+V Leben. Risikomanagement liegt ihm im Blut, 20 Jahre "Stallgeruch" haben ihre Spuren hinterlassen. Mit Alsterspree gibt er das Fachmagazin "Procontra" heraus, betreibt mit "Profino" eine digitale Online-Plattform für den Austausch der Branche. Mit sehendem Auge kümmert er sich jetzt darum, dass die Branche ihre Augen öffnet.


Insurtech-Innovator Tilman J. Freyenhagen
Foto: Alsterspree
"Wir sind mit unseren innovativen Ideen bei den Versicherungen abgeprallt", bringt der Wahl-Hamburger zunächst auf den Punkt. Für Versicherungen geht es darum, Bestände zu migrieren, Regulierung zu beherrschen und Effizienzen zu steigern. Digitalthemen gehören nicht zum Alltagsgeschäft. Hinzu kommt: Mittelgroße Anbieter, wie die norddeutschen Anbieter Hanse-Merkur, Itzehoer oder Uelzener haben nicht die Ressourcen der Großkonzerne, um eigene Labore zu betreiben.

Die Idee von Startups, das Maklergeschäft anzugreifen, zielt zu kurz.

Prof. Dr. Florian Elert, Spezialist für Versicherungsmanagement an der Wirtschaftshochschule HSBA und Partner der gemeinsamen Insurtech Werft Hamburg sagt, wie man den norddeutschen Versicherern helfen will: "Unsere Idee ist, dass die Versicherungen möglichst schnell und mit wenig Aufwand neue Dinge ausprobieren können." Der Veranstalter des 1. Hamburg Insurance Innovation Days macht klar: Die Idee vieler Startups, das Maklergeschäft anzugreifen, zielt zu kurz. So, wie Versicherungen nicht immer schnell genug sind, so haben Startups nicht den Zugang zu Kunden und Daten.


Rapid Prototyping der InsurTech Werft im DI-Lab der HSBA
Foto: InsurTech Werft
Die Insurtech Werft geht einen anderen Weg: Auf der einen Seite engagieren sich Versicherer mit ihren Innovatoren, die offen sind für neue Ideen und die Umsetzung. Auf der anderen Seite stehen ausgewählte Startups. 6x im Jahr treffen sich die Partner, um einen Use Case in die Praxis umzusetzen.
Dreh- und Angelpunkt: Die digitale Musterversicherung "Fury“ als Sandbox. Umgesetzt an einem Tag zusammen mit dem Hamburger Startup „Kasko“, dass wir vorgestellt haben. Mittlerweile hat Fury einen Chatbot und ein Robotics-Tool bekommen, mit dem Geschäftsvorfälle automatisch und ohne Schnittstelle bearbeitet werden können.

Die praktische Zusammenarbeit an konkreten Themen ist der Kern der Insurtech Werft von Alsterspree, HSBA und Gründungspartner Hanse-Merkur. 16 Corporates und Startups sind aktuell dabei, widmen sich 6x im Jahr im DI-Lab gegenüber der Neuen Börse der Zukunft der Versicherungsbranche. Das Besondere: Alle Partner erarbeiten gemeinsam Konzept, Funktionen und Umsetzung einer Idee. Am Ende des Tages können die Beteiligten den fertigen Prototypen mit in Ihre Companies nehmen - und nutzen.

Versicherungen, Startups und Dienstleister freiwillig in einem Boot

"Wir sind der Meinung, dass das operative Arbeiten der große Unterschied ist, betont Vordenker Tilman Freyenhagen die Idee des Rapid Prototyping-Ansatzes. Während die bayerischen Versicherungen im "Insurtech Hub" München Blockchain-Strategien erarbeiten und im größten deutschen Lab in Köln Hackathons im Mittelpunkt stehen, geht es in Hamburg um konkrete Entwicklungen und schnelle Ergebnisse. "Unser Wunsch war, etwas sehr nah am Unternehmensalltag zu machen", betont Florian Elert. Im April vergangenen Jahres wurde die Idee geboren, im September kam die Hanse-Merkur an Board, im März diesen Jahres gab es den ersten Workshop.


Versicherungsexperte Prof. Dr. Florian Elert von der HSBA
Foto: HSBA
Die Partnerschaft mit den beteiligten Unternehmen geht über mindestens 1 Jahr, beinhaltet 6 eintägige Sprints im DI-Lab der HSBA mit vorabendlichen Netzwerk-Events und bis zu 2 Vertretern pro Unternehmen am Puls der Zeit. Zu den wünschenswerten Mitarbeitern zählen Innovationsmanager, Tech- und Themenspezialisten, leitende Mitarbeiter und Vorstände. Die Kosten richten sich nach Größe und Funktion und liegen für Startups, Dienstleister und Versicherer zwischen 4.900,- € und 14.900,- € im Jahr. 

Alle Unterstützung für Hamburger und norddeutsche Versicherer 

Dabei arbeitet die Hamburger Innovationswerft selbst nach der Lean-Startup-Methodik, spart sich kostspielige Strukturen. Zweimal im Jahr trifft sich ein "Steering-Komitee" mit aktuell 9 Vorständen der Partner und den Organisatoren, um das Konzept weiterzuentwickeln und die nächsten Themen abzustimmen. Drei Grundsätze verfolgt die neuartige Innovationswerft: 1. Es geht um Support der Branche in Hamburg und Norddeutschland, 2. Offenheit für neue Ideen ist A und O, und 3. Dienstleister dürfen mit max. 20% nur eingeschränkt dabei sein.

Mit der Sommerpause ist die Aufbauphase der Insurtech Werft abgeschlossen. Ab Herbst geht es um die Frage, wie das Programm weiterentwickelt wird und welche Themen in Zukunft auf der Agenda stehen. Außerdem sollen die Erfahrungen in den beteiligten Häusern vertieft werden und breit zum Einsatz kommen. Tilman Freyenhagen fokussiert zum Abschluss, dass "Fury" als Sandbox zu einem digitalen Versicherer ausgebaut werden wird. Prof. Dr. Florian Elert ergänzt: "Welche Ideen die Partner aufgreifen und in den Häusern umsetzen, liegt bei den Unternehmen." 

 Hamburg Digital Backgrund: 

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html

GESTERN:

Älteste Feuerversicherung der Welt: 
www.wasistwas.de/archiv-geschichte-details/die-aelteste-feuerversicherung-der-welt.html

Älteste Seeversicherung der Welt: 
http://versicherungswirtschaft-heute.de/dossier/seeversicherung-die-alteste-sparte-der-welt/

HEUTE:

Hamburger Versicherungsbörse:
http://hamburger-versicherungsboerse.de/

Hamburg Insurance Innovation Day:
www.hsba.de/hsba/unsere-hochschule/team/1-hamburg-insurance-innovation-day-start-ups/

Versicherungsstandort Hamburg:
www.vfvh.de/index.php/projekte

MORGEN:

Insurtech Werft, Hamburg:
https://insurtech-werft.de/

Insurhub, Berlin:
https://www.insurhub.de/

Insurlab Germany, Köln:
www.insurlab-germany.com/

Insurtech Hub, München:
www.insurtech-munich.com/

Werk 1 - W1 Insurtech, München:
www.werk1.com/branchen-programme/w1-insurtech/

Sonntag, 1. Juli 2018

HANSEMEDIA: Exklusiver Rundgang durch die Zentrale von Google in Hamburg

HAMBURG DIGITAL MEDIA

Zu Gast bei Google an der ABC-Straße in der Neustadt
Foto: HANSEVALLEY

Oktober 2001: Der amerikanische Suchmaschinen-Anbieter eröffnet in einem unscheinbaren Bürogebäude an der ABC-Straße in der Neustadt seine deutsche Hauptverwaltung. 13 Mitarbeiter gehören zum Gründungsteam des amerikanischen Technologieanbieters aus Mountain View. 

Mai 2007: Google Germany stellt der Öffentlichkeit seine erweiterten und modernisierten Büros im ABC-Bogen unweit des Gänsemarkts vor. Auf 5 Etagen arbeiten mittlerweile 300 Mitarbeiter für den Technologiekonzern. In Hamburg wird das Deutschlandgeschäft für Google und YouTube gesteuert.

Google kümmert sich in Hamburg um zentrale Aufgaben für Deutschland, wie den Branchenvertrieb der Werbeprodukte, das Marketing für Hardware-, Software- und Servicemarken sowie zusammen mit einer Hamburger Agentur die Kommunikation mit Medien und Partnern.

März 2018: Der Tech-Riese eröffnet an seinem über 9 Stockwerke ausgebauten Deutschlandsitz in der Freien und Hansestadt den zweiten dauerhaften Standort der firmeneigenen Bildungseinrichtung - die Google Zukunftswerkstatt. Mehr als 500 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile bei Google in Hamburg.

HANSEVALLEY hatte die Chance, zusammen mit weiteren Redaktionen die Zentrale an der ABC-Straße hinter den Kulissen kennenzulernen. Mit diesem Fotoalbum bietet das Hamburg Digital Magazin einen aktuellen Einblick in die bunte Arbeitswelt an der ABC-Straße 19. Viel Spaß beim Entdecken!

Google Germany Hamburg

Google betreibt neben der Deutschlandzentrale einen Entwicklungsstandort mit dem Schwerpunkt Datenschutz in München, der auf bis zu 800 Techis ausgebaut werden soll. Außerdem ist Google in Berlin mit einem Hauptstadtbüro präsent. Weltweit unterhält Google mehr als 70 Niederlassungen in über 40 Ländern sowie 6 regionale "Campus"-Startup-Zentren in London, Madrid, Sao Paulo, Seoul, Tel Aviv und Warschau. 

Struktur von Alphabet und Google im Überblick.
Infographik: Googlewatchblog

Die Google-Holding Alphabet Inc. hat im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz i. H. v. 110 Mrd. $ und einen Gewinn von 12,7 Mrd. $ erwirtschaftet. Die Konzern beschäftigt mit Stand März 2018 weltweit mehr als 85.000 Mitarbeiter und ist mit einem Wert von 732,844 Milliarden US-Dollar die zweitwertvollste Marke der Welt - hinter Apple und vor Microsoft, Amazon und Facebook.

Zu den Hauptwettbewerbern von Google gehören die weiteren "GAFAs": Amazon (Produktsuche, AWS, Appstore, Echo mit Alexa, Fire TV), Apple (iOS, iPhone, iPad, App Store, iCloud) Facebook (Facebook Ads/Mobile Ads) und Microsoft (Bing, Ads, Office, Cloud Services). Dazu kommen die chinesischen "BAT"-Riesen Baidoo (Suche), Alibaba (E-Commerce) und Tensent (WeChat, Internet-Services).

 Hamburg Digital Background: 

Google WatchBlog: Google eröffnet Zukunftswerkstatt in Hamburg
www.googlewatchblog.de/2018/03/google-zukunftswerkstatt-hamburg-digitale/

Google Zukunftswerkstatt: Das digitale Bildungsprogramm für Deutschland
https://learndigital.withgoogle.com/zukunftswerkstatt

Glasdoor: Google Job-Angebote in Hamburg
www.glassdoor.de/Jobs/Google-Hamburg-Jobs-EI_IE9079.0,6_IL.7,14_IC2804376.htm?filter.radius=31

Google in der Wikipedia: Alle Zahlen und Fakten
https://de.wikipedia.org/wiki/Google

Mittwoch, 27. Juni 2018

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."

HAMBURG DIGITAL REPORT

Versicherungen und Flexibilität - zwei Welten treffen aufeinander. Assekuranzen und Kundenservice - passten noch nie so richtig zusammen. Der Grund liegt nicht nur in der Kultur Jahrhunderte alter Versicherungsvereine verborgen. Viele Versicherungen werden im eigenen Haus ausgebremst - von durchschnittlich 14 Jahre alten IT-Systemen, von 30 Jahre alten IT-Anwendungen ganz zu schweigen.



Ein junges Team aus fünf Ländern hat womöglich den Stein des Weisen gefunden - zumindest für die versteinerte Versicherungsbranche: eine Serviceplattform für smarte Produkte, flexiblen Vertrieb und die kundenorientierte Verwaltung. Was wie ein Grimmsches Märchen klingt, ist bei 100 neuen Versicherungprodukten bereits im Einsatz - made in Hamburg. Ein junger Hamburg Digital Report.


Mit Stallgeruch der Versicherungsbranche:
Jungunternehmer Nikolaus Sühr.
Foto: Kasko
Versicherungen sind ihm in die Wiege gelegt: Der 34-jährige Nikolaus Sühr hat früh Berührung mit dem Geschäft seines Vater, einem Spezialvermittler für Oldtimer-Versicherungen aus Lübeck. Nach seinem BWL-Studium in London fokussiert sich der Hamburger auf die Versicherungswirtschaft und das Risikomanagement. Er geht zum Industriemakler Funk, ist unter den ersten Trainees des Risikomanagers. Nach 2 Jahren wechselt er in die elterliche Firma, ist für Produktentwicklung und Marketing verantwortlich. Schnell stellt der Nachwuchs fest: "Ich habe kein Benzin im Blut."


"Lass uns doch mal was Richtiges machen!"


Er hat eine Idee: einen Versicherungsvergleich für Spezialpolicen - z. B. für Kunst oder Jäger. Mit seiner fortschrittlichen Vorstellung trifft er auf eine Branche aus der Analog-Zeit: Der Jungunternehmer stellt fest: es gibt weder digital aufbereitete Daten noch digital-vernetzte Prozesse. Die Zeit ist noch nicht reif. Nikolaus wechselt in eine Strategieberatung, kümmert sich um Finanzthemen. Doch es kribbelt weiter in seinen Fingern. Die Idee, etwas Eigenes zu gründen, lässt ihn nicht los. Nach ersten Testläufen mit einer App für Zitate kommt Geschäftspartner und Datenspezialist Mathew Wardle im Dezember 2014 auf den Punkt: "Lass uns doch mal was Richtiges machen!" 

Zwei Ideen verfolgen die in ihrer Studienzeit in Nothingham in einem Zimmer untergebrachten Nachwuchsunternehmer: 1. einen digitalen Policen-Makler á la "Knip", oder Versicherungspolicen für das Carsharing mit Privatfahrzeugen, z. B. via "Drivy". Neujahr 2015 trifft Nikolaus eine Entscheidung: "Ich gehe die Autogeschichte an". Beim Startup-Weekend an der WHU pitcht er seine Idee: "Kasko Drive" - und gewinnt die Challenge, mit Fremden an einem Wochenende ein Produkt zu entwickeln. "Kasko" geht den Startup-Weg: Die jungen Gründer pitchen vor Investoren, machen den 2. Platz an der Jakobs Universität in Bremen, gewinnen Coworking-Plätze im "Hubraum" der Telekom in Berlin.


"Da muss es doch was im Versicherungsbereich geben."

Partner Matt kündigt seinen gut bezahlten Job als IT-Spezialist, kommt nach Hamburg, arbeitet an der Technik für den Versicherungsservice. Im Frühjahr 2015 entscheiden sie sich für Seedcamp in London, wollen ihre Idee von Mai bis Juli auf die nächste Ebene heben. Anfang 2016 starten Sie einen Testlauf mit der Barmenia und Autoscout24. Die Produktidee: ein Versicherungsschutz für Probefahrten. Die Idee floppt: das Geschäftsmodell fliegt nicht wirklich. Der entscheidende Hinweis kommt von einem Produktentwickler der Basler Versicherung aus der Schweiz.


Produktbeispiel "Friday" Kfz-Versicherung mit Modulen
Screenshot: Kasko

Statt selbst Versicherungen zu verkaufen, wird Kasko zum technischen Dienstleister. Das Geschäftsmodell dreht sich. Aus dem digitalen Vermittler wird ein Tech-Service für die Versicherer: "Versicherer sind auch ein Vertriebskanal für uns", stellt Unternehmer Nikolaus fest. Die Assekuranzen haben ein Problem: Ihre IT-Systeme sind im Schnitt 14 Jahre alt, in der Spitze laufen bis zu 30 Jahre alte Cobol-Anwendungen in ihren Kellern. Während bei einer Bank im Schnitt ein Kreditsystem die Arbeit macht, werkeln bei Versicherern bis zu 25 Systeme parallel. 


"Es ist total unterschiedlich, ob es ein Handy, ein Laptop oder ein Pferd ist."

Nikolaus bringt die Herausforderungen auf den Punkt: komplexe IT-Systeme inkl. Altsysteme und komplexe Prozesse in Bestands- und Neugeschäft. Der Experte im Gespräch: "Für einen Versicherer ist es nicht wirtschaftlich, ein kundenorientiertes Produkt mit den bestehenden Prozessen und Systemen herauszubringen." Damit fasst der Kopf eines heute 20-köpfigen Teams seine mehr als 10-jährige Expertise zusammen. Mit flexiblen Geschäftsmodellen der Versicherer und bedarfsorientiertem Vertrieb on- oder offline hat das wenig zu tun. Geschweige mit der Nutzung von Daten.

Der lange Weg hat sich gelohnt: Die Studienfreunde und Jungunternehmer bauen eine Whitelabel-Plattform für Versicherungsprodukte - nutzbar für angestellte Agenten, freiberufliche Makler, Online-Aggregatoren, Vertrieb über Webseiten und diverse Vertriebskanäle, wie Banken oder Autohändler. Mehr als 500 verschiedene verschiedene Vertriebspartner arbeiten heute mit der Plattform. Aus 12-18 Monaten Einführungszeit inkl. IT-Anpassung werden 2-3 Wochen über den modularen Service aus Hamburg. 22 Produkte werden allein in 2017 eingeführt, über 100 Einführungen mit 20 verschiedenen Versicherungen in 6 europäischen Ländern sind es bis heute. 


"Wir müssen offen sein, denn der Prozess ist bei jedem ein bisschen anders."

Nikolaus Sühr ist nach all den Startup-Irrungen und -Wirrungen stolz auf das Geschäftmodell: "Wir bauen ein Frontend für Endkunden und Vertriebspartner. Wir bauen den Rechenkern für Tarife, Angebote und Anträge - inkl. Policierung, Zahlungsabwicklung und Kundenkommunikation." Das Ganze funktioniert auch für Omni-Channel-Lösungen, z. B. bei einer Sparkasse, einem Autohersteller oder einem Möbelhaus inkl. erforderlicher Datenintegration. Und damit Versicherungen richtig Spaß an der Lösung haben, ist die Verwaltung und das Management von Verträgen auf Wunsch mit dabei - einschließlich Schadensmeldungen und Adressänderungen.


Schweizer WG-Versicherung "Splitsurance" von der Allianz
Screenshot: Kasko

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit der Service-Plattform ist keine Integration in Altsysteme notwendig, die komplette Verwaltung der neuen Spezial-/Versicherung erfolgt stand alone. Die Zeit von der Entscheidung bis zur buchbaren Versicherung verringert sich auf 2-3 Wochen. Dazu kommt Flexibilität in der Anpassung und späteren Integration, wenn gewünscht. Mittlerweile beraten die jungen Hamburger Versicherungen bei der Umsetzung ihrer Produktideen, lizensieren ihr virtuelles System als Blaupause. Nikolaus formuliert es so: "Wir geben Euch Schaufeln an die Hand. Die Kosten nicht 500.000, €, sondern 5.000,- €. Jetzt schaufelt mal los!"


"Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."

Im Gespräch gibt er zu: "Wir profitieren von der Goldgräberstimmung. Und wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln." Hintergrund: Viele Versicherungen wollen neue Produkte auf den Markt bringen, wollen flexible Prozesse einführen und sich aus den Fängen ihrer IT befreien. Auf die Frage, warum sie soviel günstiger sein können, als klassische IT-Dienstleister mit großen Systemen, antwortet der Insurtech-Unternehmer: "Wir sind soviel günstiger, weil wir viele Sachen nicht machen. Das ist nicht sexy, aber es ist ein Geschäftsmodell." Mit Standorten in London, Hamburg und Riga sind sie international aufgestellt. 

Stellt sich die Frage, wer unter den jungen, flinken Startuppern zu leiden hat. Es sind vor allem interne IT-Abteilungen mit eigenen Entwicklungen, die sie unter Kontrolle haben wollen. Es sind Software-Häuser mit spezialisierten Fachanwendungen für die Versicherungswirtschaft und es sind IT-Systemhäuser, z. B. im SAP-Umfeld. Nikolaus ist stolz auf seine Technologie, denn "am Ende geht es um Kapazitäten". Und wieder einmal zeigt sich, dass die Kooperation mit einem etablierten Partner auch für junge Partner hilfreich sein kann. In diesem Fall ist es Häuser wie Barmenia oder Basler, die Kasko mit spannenden Projekten den Start ermöglichen und weiter begleiten.


Reiseversicherung von AXA Starling in Großbritannien.
Grafik: Kasko
Als Nächstes plant Nikolaus zusammen mit seinem Co-Founder Matthew Dataservices und ein Marktplatzmodell für Versicherungen. Dabei spielt trotz Startup-Anfängen seine langfristige Ausrichtung eine wichtige wichtige Rolle: "Mir geht's um die Freiheit zu entscheiden und dass es langfristig Sinn macht." Dabei hilft ihm auch sein "Stallgeruch" aus der Versicherungsbranche. Kein Wunder, dass Kasko auch ein Partner der noch jungen Hamburger "Insurtech Werft" der Agentur Alsterspree und der HSBA ist. Aber das ist unsere Insurtech-Geschichte in einer Woche.

 Hamburg Digital Background: 

KASKO - InsurTech as a Service:
www.kasko.io

Nikolaus Sühr bei Linkedin:
www.linkedin.com/in/nikolaussuehr/de/

InsurTech Werft: Alsterspree + HSBA:
https://insurtech-werft.de/

Sonntag, 24. Juni 2018

HANSEPERSONALITY Olaf Rotax: "Da muss mehr sein als das, was wir heute haben."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

20 Jahre digitaler Background, über 100 Transformationsprojekte in mehr als 50 Konzernen, Familienunternehmen und Startups. Mit der Erfahrung von tchibo.de, otto.de, shopping24.de, karstadt.de ist der gebürtige Hamburger Olaf Rotax ausgewiesener E-Commerce-Spezialist. Der Buchautor zur "Web-Exzellenz im E-Commerce" sieht sich jedoch als Generalist für die Transformation von Unternehmen.


Visionär mit klaren Vorstellungen: Olaf Rotax
Foto: dgroup
Seit 4 Jahren beschäftigt sich der 45-jährige Vater dreier Kinder mit der dgroup um Verständnis zu Wirtschaft und Technologien sowie Kultur und Politik Chinas, baut Brücken zwischen Berlin und Peking, Hamburg und Shanghai. Der Blick nach Osten eröffnet neue Perspektiven - zu Plattformen, Ecosystemen und künstlicher Intelligenz. Wo ist Europas Platz zwischen Darvinismus und Sozialismus? Ein Hamburg Digital Interview mit dem Visionär und Innovator Olaf Rotax:

Während Ihres Schülerpraktikums erlebten Sie mit 16 Jahren in einem großen Verlagshaus, dass hochspezialisierte Lochkartenprogrammierer auf Grund verjährter Kompetenzen in die Kantine versetzt wurden. Haben Sie sich an der FH Wedel zum Wirtschafts-Ingenieur ausbilden lassen, um als Generalist niemals in die Gefahr geraten, aussortiert zu werden und - bildlich gesprochen - in die Kantine versetzt zu werden?

Am Ende hat mich das Erlebnis sicherlich dazu gebracht, nicht nur auf die ursprünglich favorisierte Informatik und eine praxisnahe Ausbildung zu setzen. Viel entscheidender war aber, dass ich mich dadurch schon sehr früh mit Megatrends auseinandergesetzt habe, die unser Leben in Zukunft verändern können – und dabei stößt man zwangsläufig auf den Wirtschaftsingenieur als „Brückenbauer“ der Veränderungen und Disziplinen. Der damit verbundene Anspruch, dass dafür durchschnittliche Leistung nicht ausreicht, hat mich dann zusätzlich angespornt.

Trainee bei Tchibo, Nr. 4. mit E-Mail-Adresse @tchibo.de, Entrepreneur bei der Gründung von tchibo.de, Mitarbeiter Nr. 14 für "Neue Medien" bei otto.de, Gründer der E-Commerce-Agentur Mindwyse und der Beratungsfirma Diligenz, Gründer der Digitalberatung dgroup, nach der Übernahme Vorzeigeexperte bei Accenture, Brückenbauer zwischen Europa und China. Wann werden Sie mit Ihrem Erreichten zufrieden sein?

Zuerst einmal klar und deutlich: Das klingt nach einem klaren Plan von Anfang an, ist aber eine Kombination aus Chance, Glück und sicherlich dem Streben nach „da muss mehr sein, als das, was wir heute haben“. Ich habe früh Chancen bekommen, mich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen und die Freiheiten erhalten, diese dann auch konsequent zu verfolgen. Dafür bin ich meinen Führungskräften in den ersten 10 Jahren meiner Entwicklung sehr dankbar – dabei bin ich hier sicherlich nicht immer nur den „eingetretenen“ Weg gegangen, durfte auch mal Fehler machen. 


Olaf Rotax - Gründer und Geschäftsführer der dgroup
Foto: dgroup
Die Selbständigkeit und der gemeinsame Firmenaufbau mit meinen Partnern hat mich dann erst einmal Demut gelehrt, aber ebenso wieder bestärkt, dass beim Zusammenkommen einer klaren Vision und eines starken Teams fast alles möglich ist. Plus die Erkenntnis nach fast 20 Jahren Auseinandersetzung mit „What‘s Next“ – was viele heute mit Digitaler Transformation gleichsetzen - dass ich mich noch einmal verändern muss, wenn ich die Zukunft wirklich aktiv gestalten möchte. 

Zufrieden werde ich realistisch sein, wenn ich dazu beigetragen habe, für meine drei Kinder das Gute von heute mit dem Neuen von Morgen verbunden zu haben. Ich habe eine klar positive Vision unserer Zukunft und möchte sicherstellen, dass diese auch so eintritt.



Sämtliche intellektuellen Modelle, die heute z. B. von Startups umgesetzt werden, stammen aus der Zeit zwischen 1998 und 2000, z. B. Online-Bestellungen, Abo-Modelle über das Netz oder Vermittlungsplattformen. Gibt es überhaupt eine wirklich neue Methode, wenn selbst "KI" bereits 1956 erstmals beschrieben wurde. Ist das alles nur "alter Wein in neuen Schläuchen"?


Ein sehr fairer Punkt. Intellektuell wurde „Digital“ zwischen 1995 und 2000 quasi vollständig durchdacht, wenn auch auf Basis damaliger Technologie und ihrer entsprechenden Adaption. Was wir heute sehen, ist tatsächlich auf dem Meta-Level gleich zu dem vor 20 Jahren, aber eben der aktuellen Technologie und verzögert laufend technologischer Adaption angepasst. Die kurzfristige Veränderung zur Kernvision der Zukunft um 2000 wurde unterschätzt, die langfristige Wahrscheinlichkeit der dann iterierten Vision wird aber nach wie vor unterschätzt. 

Wie schnell dann Veränderung ablaufen kann, können wir aktuell am besten in China beobachten, wenn eine Nation aktuell einfach eine Stufe in der Entwicklung überspringt. Und die aktuelle Erkenntnis, dass Spitzenleistung und Innovation eigene Organisationsformen braucht, ist eigentlich auch bereits seit Jahrzehnten und nicht erst seit ein paar Jahren bekannt. Ich möchte es mal so ausdrücken: 


Alle Einzelteile waren eigentlich schon immer da – sie werden aktuell nur neu geordnet und mit neuen Methoden zusammengebaut.

Seit rd. 5 Jahren kommen die Innovationen zunehmend aus China. Alibaba will ein voll automatisches Lager in Hamburg errichten. Sie haben im vergangenen Jahr mit dem "D20 Sino-German Digital Leadership Forum" eine Brücke zwischen Hamburg und Hangzhou, zwischen Deutschland und China gebaut. Warum sollten wir uns auf den "Silicon Dragon" einlassen?

Wenn es um (digitale) Trends geht, haben wir uns angewöhnt, zunächst nach Westen ins Silicon Valley zu schauen. Das ist nach wie vor nicht vollkommen falsch, aber definitiv nicht mehr ausreichend. China verbinden wir wiederum viel zu sehr mit einem Niedriglohn-Produktionsland oder großen Entwicklungsabsatzmarkt für unsere westlichen Produkte. 


Weiß, was in China online, mobil und digital passiert.
Foto: dgroup
Was wir lange Zeit übersehen haben ist, dass China zwar am Anfang gut kopiert hat, aber längst mit hoher Agilität iteriert und weiterentwickelt. WeChat ist keine WhatsApp-Kopie, sondern WhatsApp plus Paypal plus Amazon plus X – WeChat ist ein neuartiges Ecosystem, dass jetzt wiederum von WhatsApp und Facebook teilweise kopiert wird.  Bei der technologischen Adaption hat China die Entwicklung der letzten Jahre bei uns einfach übersprungen – Online Retail ist bereits größer als der klassische Retail und das „New-Retail-Konzept“ aus China wird realistisch ein weiteres Role-Model auch im Westen werden. 

Die alles entscheidende Frage wird sein: wird es auch „echte“ Innovation aus China geben? Die Zeichen stehen dabei sehr positiv – bei Future Mobility, Future Banking, New Retail und Technologien wie Quantum Computing, AI und Blockchain ist China bereits auf Augenhöhe und zum Teil führend. 


Wer also Zukunft gestalten möchte, sollte sich auf den „Silicon Dragon“ einlassen!

Europa steckt in der Zwickmühle: Einerseits die Vereinigten Staaten mit den GAFAs (Google, Apple, Facebook, Amazon), andererseits China mit den BAT-Riesen Baidoo (Suche), Alibaba (E-Commerce) und Tencent (u.a. WeChat-Services). Auf beiden Seiten massive Anstrengungen in datenbasierte Geschäftsmodelle. Wie kommt das zersplitterte Europa aus dieser Zwickmühle heraus?


Klare Worte, klare Perspektiven: Wie soll unsere Zukunft aussehen?
Foto: dgroup
Zunächst einmal muss man sich klarmachen, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum es keine „dritte Lösung“ aus Europa geben sollte. Mir persönlich würde eine pluralistische Welt mit Alternativen besser gefallen als eine Welt, in der nicht zwangsläufig europäische Werte im Vordergrund stehen. Gleichzeitig ist aber auch eine realistische Einschätzung, dass kein Einzelspieler aus Europa in der Lage sein wird eine echte Alternative zu den skalierenden aktuellen Eco-Systemen aufzubauen, von Nöten. 

Es ist uns bereits einmal gelungen beim ursprünglichen Aufbau der Europäischen Union Einzelinteressen zu Gunsten eines größeren Ganzen zurückzustellen – jetzt müssen wir zeigen, dass wir trotz aktueller wiedererstarktem Eigeninteressenfokus gemeinsam etwas sehr Lohnenswertes schaffen können, denn wie bereits gesagt – die kurzfristige Auswirkung von GAFA und BAT auf unsere Wirtschaft und Werte wird vielleicht zum Teil überschätzt, die langfristige Wirkung ohne Veränderung bei uns aber sehr naiv unterschätzt. 


Wir brauchen – wie übrigens vorbildlich orchestriert und gemanagt in China – eine digitale Zukunftsvision von Europa als drittem Eco-System neben GAFA und BAT.

Die Entwicklung geht vom klassischen Geschäftsmodell zur offenen Plattform, daraus zum umfassenden Eco-System und über allem steht eine konsolidierende Künstliche Intelligenz (AI). Sie sagen: die GAFAs werden bei der Datenauswertung zusammenarbeiten, im chinesischen System ist dies keine Frage. Was bedeutet es für international agierende Player aus Deutschland und Europa, wenn alles auf Artificial Intelligence hinausläuft?

Lassen Sie es mich so sagen: Weder die USA noch China überlassen die Entwicklung zum Aufbau des AI Meta-Ecosystems dem Zufall oder der reinen freien Marktentwicklung. Eine Dualität aus Förderung, Lenkung und Protektionismus eigener Lösungen ermöglicht es neuen Spielern, kritische Masse zu entwickeln und diese effektiv einzusetzen. Beide Faktoren werden bei uns in Europa viel zu wenig koordiniert und viel zu wenig auf ein klares Ziel gerichtet angewendet. Das Spiel um die Führungsplätze in der neuen Weltliga AI wird im Doppelpass zwischen Politik und Wirtschaft und mit hohem Einsatz gespielt. 


Hat eine konkrete Idee für das datenbasierte Europa.
Foto; dgroup
Für das Einzelunternehmen mache ich gerne folgende bewusst vereinfachte Rechnung auf: Der Aufbau eines wirklich relevanten und überlebensfähigen dritten AI Meta-Ecosystems wird vermutlich über die nächsten 10 Jahre mehr als 1.000 Milliarden kosten. Kein Einzelunternehmen wird diese Mittel alleine aufbringen können. 1.000 Unternehmen mit jeweils 1 Milliarde in einer neuen Art von "Genossenschaft" könnten das aber erreichen. Aktuell sind es diese 1.000 Unternehmen, die entscheiden müssen, ob sie mit ihren aktuellen Daten lieber für kurzfristigen Erfolg die AI der bestehenden Eco-Systeme GAFA und BAT füttern wollen oder den „Rohstoff der Zukunft Daten“ für eine eigene gemeinschaftliche Plattform einzusetzen.

Zu guter Letzt unser Hamburg-Frage: Sie sind gebürtiger Hamburger, leben heute mit ihrer Familie in Rellingen bei Pinneberg. Sie haben fast 10 Jahre für Tchibo und Otto das Online-Geschäft aufgebaut. Hand aufs Herz: Wie gut ist die Hamburger Wirtschaft aus Ihrer Sicht auf die digital-vernetzte Daten-Zukunft vorbereitet? Der Medienstandort ist bekanntermaßen bereits verloren das Marketing ist eine globale Disziplin. Wo hat die Hamburger Wirtschaft deutlichen Nachholbedarf?

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass wir noch in keiner Disziplin aus meiner Sicht final verloren haben, auch wenn in der zweiten Halbzeit schon einige Zeit verstrichen ist, wir nicht vorne liegen und nun das Spiel umstellen müssen. Am Ende sind es drei Dinge, die ich mir wünschen würde: 

1. Mehr Mut für echte disruptive Visionen für unsere Stadt genauso, wie für die hier führenden Unternehmen – Wir werden zwar noch Jahre vom Erreichten profitieren, aber müssen heute bereits den Grundstein für die nächste Generation von digitalisierten Geschäftsmodellen legen 


Zwei, die Brücken bauen: Petra Vorsteher (Smaato) und Olaf Rotax.
Foto: dgroup
2. Mehr Kooperation zwischen den Unternehmen und der Regierungsseite – keiner wird das Ziel alleine erreichen und unsere historische Partnerschaft zwischen Hamburg und China wird eine wichtige Brücke für uns sein 

3. Mehr Fokus auf Agilität – unsere Welt wird sich immer schneller verändern und die meisten Unternehmen sind nach wie vor für ein relativ stabiles Umfeld organisiert – eine exponentielle Zukunft braucht aber exponentielle Unternehmensorganisationen.

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Herzlichen Dank für die zukunftsweisenden Antworten!
Das Interview führte Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Xing - Business-Profil von Olaf Rotax:
https://www.xing.com/profile/Olaf_Rotax/

Turi2 - Homescreen von Olaf Rotax:
http://www.turi2.de/allgemein/mein-homescreen-olaf-rotax/

dgroup - Ein Unternehmen von Accenture:
www.dgroup.com