Sonntag, 21. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Gunter Mengers: Ohne Werte geht es nicht - und Anstand ist immer modern!

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Vor 500 Jahren gründeten Hamburger Kaufleute die "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns" - als Gegengewicht zum "Ehrbaren Rat" der Hansestadt Hamburg. Im vergangenen Jahr entschied die Vereinigung VEEK e. V., sich von der 1665 durch die "Ehrbaren Kaufleute" gegründeten Handelskammer Hamburg zu trennen. Die 1.200 Mitglieder der weltgrößten wirtschaftsethischen Vereinigung gehen das Jahr 2018 mit Offenheit und neuen Kooperationen an. Ein Hamburg Digital Interview mit dem Vorsitzenden der "Ehrbaren Kaufleute zu Hamburg" Gunter Mengers:


VEEK-Vorsitzender Gunter Mengers bei den Familienunternehmern
Foto: HANSEVALLEY

Sehr geehrter Herr Mengers: Sie sagen: "Wir sind keine Moralapostel." und "Wir wissen, dass es nicht immer ehrbar zugeht." Schauen wir auf den zunehmenden Druck durch globalen Handel, digital-vernetzten Vertrieb und virtuelle Produkte: Was macht Ihnen digital heute wirklich Angst.

Es ist nicht die grundsätzliche Digitalisierung, die nachdenklich macht. Das ist ein Prozess, der viele Vorteile und Erleichterungen bringt. Mit der damit verbundenen Geschwindigkeit ist allerdings die Gefahr verbunden, dass Dinge nicht ausreichend durchdacht werden und wichtige Grundlagen vernachlässigt werden. Das bezieht sich einerseits auf die Umgangsformen, die manchmal stark darunter leiden, aber – aus meiner Sicht – sehr viel bedeutender ist bestimmt, bestimmte Regeln des Anstandes und der Zuverlässigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit darf nicht dazu führen, dass Fairness und werteorientiertes Handels an Bedeutung verliert, weil vielleicht davon ausgegangen wird, dass bei der schnellen Umsetzung von Themen dies keiner merkt. Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz derartige "Werte" berücksichtigen kann, oder soll.

Die "Ehrbaren Kaufleute" im VEEK sind alles andere, als verschlossene "Pfeffersäcke": Sie unterstützen mit 120 Mentoren aus dem Kreis Ihrer Mitglieder die jungen, internationalen Studenten der Wirtschaftshochschule HSBA, in Hamburg gut anzukommen. Wie sieht das ganz konkret aus?

Es gibt klare Vorgaben, was unter einer Mentorenschaft verstanden wird - und zwar für beide Teilnehmer. Der Mentor soll der jeweiligen Studentin oder dem Studenten behilflich sein, um sich in Hamburg einzuleben, Verbindungen schaffen zu Unternehmen, bei der beruflichen Entwicklung oder generell als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Wenn auch unterschiedlich im Einzelfall, so kann davon ausgegangen werden, dass 3-4 Treffen im Jahr stattfinden. Das Mentoring ist sehr erfolgreich und wird außerordentlich positiv von den Teilnehmern bewertet.Wir wollen das weiter ausbauen.

Es ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe eines Familienunternehmers, die "nächste Generation zu bilden - im Sinne des kaufmännischen Handelns". Wie können erfahrene Unternehmer in Zeiten digital-vernetzter Information und Kommunikation den Nachwuchs erfolgreich erreichen?


Gunter Mengers: "Ohne Werte geht es nicht."
Foto: HANSEVALLEY
Die Weitergabe von werteorientierten Handeln gilt natürlich nicht nur für Familienunternehmer, sondern ganz allgemein. Wir stellen fest, dass die Bereitschaft der nächsten Generation, sich mit diesen Themen zu befassen, ganz deutlich steigt. Die negativen Beispiele der letzten Zeit aus der Großindustrie machen klar: Ohne Werte geht es nicht – und Anstand ist immer modern!

Insofern kann fast von einer Renaissance der Werteorientierung gesprochen werden - ganz im Sinne "Des Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg". Das sehen wir mit Freude. Wir konnten allein im vergangenen Jahr 160 neue Damen und Herren für uns als neue Mitglieder gewinnen.

Ihre Vereinigung will sich im neuen Jahr stärker und die Vernetzung der etablierten mit der jungen Wirtschaft bemühen. Sie haben zum Jahresauftakt ein "Generationen übergreifendes Netzwerk" angekündigt. Wann und wie dürfen Startups sich freuen, etablierte Kaufleute kennenzulernen?

Wir haben vor, über verschiedene Projektgruppen – teilweise branchenbezogen - Damen und Herren zu erreichen. Dazu gehört auch die "Zielgruppe" der Startups, die sich ja auch in Hamburg stetig weiter entwickelt. Das nehmen wir jetzt zügig in Angriff und sind sicher, gute Gelegenheiten zum Gedankenaustausch bieten zu können. Da unsere Altersstruktur sehr breit angelegt ist, ergibt sich daraus ein Generationen übergreifendes Netzwerk. Eine erstklassige Grundlage für Gespräche.

Auf dem Neujahrsempfang der Familienunternehmer haben Sie in Ihrer Gastrede das Thema "Künstliche Intelligenz" angesprochen, verbunden mit der Ankündigung, sich mit dem Thema "Moral von Maschinen" beschäftigen zu wollen. Was dürfen wir vom Verein VEEK erwarten?

Das wir uns mit dem Thema "Moral von Maschinen" beschäftigen wollen, ist vielleicht missverständlich verstanden worden. Darauf werden wir wohl keinen direkten Einfluss haben. Siehe dazu auch meine Anmerkung zu Ziffer 1. Aber es ist sicherlich ein sehr ernst zu nehmendes Thema, um nicht die Entschuldigung zu bekommen: Das war die "unmoralische" Entscheidung der Maschine, da konnte ich nichts machen. Wehret also den Anfängen. Frage ist nur, wer ist dafür zuständig. Die Programmierer, oder die Anwender?

Bleiben wir einen Augenblick bei Ihrer Organisation und der Unabhängigkeit von Ihrer "Tochter", der Handelskammer mit einem "rebellierenden" Präsidium. Was heißt die Unabhängigkeit für Sie - insbesondere in Bezug auf Hamburger Zukunftsthemen, wie Digitalisierung und Bildung?

Hamburger Spitzen (v.l.n.r.): Gunter Mengers (VEEK),
Tobias Bergmann (HK), Olaf Scholz (FHH)
Foto: HANSEVALLEY

Wir waren ja als VEEK auch schon bisher weitgehend eigenständig, allerdings mit traditionell engen Bindungen an die Handelskammer. In Übereinstimmung mit der Handelskammer haben wir über eine kürzliche Änderung unserer Satzung nun weitergehende Möglichkeiten, Entwicklungen ganz eigenständig zu bestimmen.

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie haben vor den Familienunternehmern zu Jahresbeginn eine klare Botschaft gesetzt: "Gutes Verhalten kennt keine Grenzen." Sie sehen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kaufmännischem Streben und sozialem Engagement als Lösung. Was heißt das für unsere Stadt Hamburg in 2018?

Das ist natürlich eine kaum eindeutig zu beantwortende Frage, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Lösungsansätzen gibt. Da muss jeder Einzelne den Willen haben in dem Sinne zu agieren. Für Hamburg ist der gute Ruf den die Kaufmannschaft genießt natürlich sehr Bedeutungsvoll. Was natürlich grenzüberschreitend gilt. Also nicht nur für Hamburg und Umgebung.


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Vielen Dank für Ihre offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

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HANSEPERSONALITY:
Kammer-Präses Tobias Bergmann: "Dialog auf Augenhöhe."


 Hamburg Digital Background: 

Der Verein "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg" e. V.:
www.veek-hamburg.de

Jahresschlussveranstaltung 2017 "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns":
https://youtu.be/AnpZjG7mQLo

Der VEEK e. V. in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Versammlung_Eines_Ehrbaren_Kaufmanns_zu_Hamburg

Der "Ehrbare Kaufmann" in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrbarer_Kaufmann