Mittwoch, 14. März 2018

HANSECHAMPIONS: Der digitale Postbote aus der Speicherstadt

HAMBURG DIGITAL REPORT

Hamburg-Hauptbahnhof: 500.000 Hanseaten und Pendler, Touristen und Durchreisende laufen täglich an den 12 Bahnsteiggleisen auf Deutschlands meist frequentiertem Fernbahnhof vorbei. Auf dem Südsteg zwischen Kirchenallee und Mönckebergstraße werden am Tunnel Steintorwall die Blicke von einer überdimensionalen Werbetafel eingefangen. Den bewegten Bildern kann sich niemand entziehen - flankiert von bewegter Werbung zwischen den Treppen.


Referenz Hörmann Forum
Foto: Kommatec Redaction
Was auf Bahnhöfen, an Haltestellen, auf Mittelstreifen und an Kreuzungen von Außenwerbern wie Stroer und Wall-Decaux unser Auge einfängt, gibt es auch im Heinemann Duty-Free-Shop auf dem Hamburg Airport, in mehr als 80 Filialen der HDI-Versicherung, in den SB-Zonen der Frankfurter Sparkasse oder in den Geschäftsstellen der AOK in Baden-Württemberg. Eine pfiffige Firma aus der Speicherstadt sorgt dafür, dass wir in Geschäften, Hotels und Museen das zu sehen bekommen, was wichtig ist. Ein Hamburg Digital Report.

Der Showroom für digitale Werbung auf dem 1. Boden des Speichers am Alten Wandrahm ist wie ein Zauberwald. Mit Überschreiten eines Bodendisplays füllt sich die interaktive Werbefläche mit digitalen Kaffeebohnen eines Hamburger Rösters. Wenige Meter entfernt präsentiert ein mannhoher LG-Kühlschrank mit eingelassenem Display seine gut gekühlten Getränke. An der gegenüberliegenden Seite lässt ein überdimensionales Kosmetikregal die Herzen der weiblichen Kundschaft höher schlagen - unterstützt von einem digitalen Werbedisplay in der Mitte. 


Referenz Gärtner Internationale Möbel
Foto: Kommatec Redaction
Mehr als 30 Displays und Exponate präsentiert das Hamburger Unternehmen Kommatec Redaction hier auf 400 qm des alten Lagerhauses. 9 verschiedene Szenarien können Kunden und Interessenten live vor Ort kennenlernen - von der Kaffeebohnen-Promotion über Wartezimmer-TV bis zu interaktiven Preisschildern für den Einzelhandel. 13.000 sogenannte Playouts laufen weltweit mit dem "Display Star" - der Digital Signage Software von Kommatec Redaction aus der Speicherstadt, die die digitalen Postboten in allen Größen und mit unterschiedlichsten Aufgaben zum Leben erweckt.

20% Umsatzplus durch Fahrstuhldisplays im Hotel

Im Mittelpunkt der Informations- und Werbetechnik stehen Bewegtinhalte für Einzelhändler, Dienstleister, Museen, Hotels und Konferenzräume. Statische Werbung gewinnt nur zu 3% unsere Aufmerksamkeit, bewegten Inhalten kann sich niemand entziehen. Unternehmen, wie die AOK Süd-West, BASF, Bosch, Golf House, HDI oder Skandia Versicherung setzen auf die Kreativität des 18-köpfigen Teams. 5 Softwareentwickler kümmern sich um die Weiterentwicklung der Software auf digitalen Displays an Wänden und Türen, in Böden, Kassen- und Wartezonen. 
Unternehmer mit Leib und Seele: Fabian Scholz
Foto: Kommatec Redaction

Der Markt ist hart umkämpft. 260 Wettbewerber gibt es, die Hamburger sind unter den Top Ten - vor allem in der DACH-Region. Und die Technologie wirkt: die Fahrstuhlwerbung auf Displays im Mandarin Oriental Hotel in Genf brachte 10-15% Umsatzsteigerungen in Gastronomie und Bügelservice. Das Dorint Hotel an der Kölnmesse konnte sogar über 20% Umsatzplus durch bewegte Werbung auf Fahrstuhldisplays vermelden. Für den Hamburger Gründer und Geschäftsführer Fabian Scholz die beste Referenz, mit seiner Software und modernen Displays etwas Besonderes zu zaubern.

Fabian Scholz: "Kunden wollen über Inhalte reden"

Vor 20 Jahren verkaufte der heutige 43-jährige Familienvater in Norddeutschland Konferenz- und Medientechnik. 1999 macht sich der erfolgreiche Verkäufer mit Konferenz- und Seminartechnik selbstständig, vertreibt digitale Schilder für Konferenzräume in Hotels. Eine Revolution für das Hotel Adlon am Brandenburger Tor, denn zuvor mussten Mitarbeiter über Stunden die aktuelle Beschilderung Buchstabe für Buchstabe zusammenstecken. Mit Verlegung seiner Firma von Berlin nach Hamburg siedelt sich der engagierte Unternehmer am Holländischen Brook an, dem heutigen Alten Wandrahm.



Referenz Golf House
Foto: Kommatec Redaction
Früh erkannte der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann für Kfz-Zubehör, dass die Zukunft in der Software liegt. Mit Beginn seiner Unternehmerkarriere liegen die Preise für Displays bei 8.000,- €, heute kosten sie lediglich 1.000,- €. Das Geheimnis liegt im Bespielen der unintelligenten Bildschirme: "Ob wir mit der Software einen Konferenzraum beschriften oder in der BMW-Welt in München die Werbung für den neuen 5er läuft, ist für die Software das Gleiche." 2010 verliert er den Auftrag für die Ausstattung von Reisebüros mit Werbestehlen. Er gewinnt eine wertvolle Erfahrung: "Kunden wollen über Inhalte reden". Fortan werden Werber seine Kunden, denen es um Content geht.

"Ich möchte ein Komma setzen und weitergehen"

Kommatec entwickelt sich zur Agentur und geht weg vom Softwarehaus. Im Mittelpunkt der Beratung stehen die Möglichkeiten für Inhalte, nicht die Technik. Statt Displays zu bepreisen, sprechen Fabian Scholz und sein Team über Kampagnenziele. Heute nutzen Banken und Versicherungen die interaktiven Lösungen, gefolgt von Einzelhändlern und Kioskketten, Industrieunternehmen mit Mitarbeiterinformationen und Sicherheitsvideos oder Museen, wie das Leica Museum in Wetzlar. 70% der Aufträge macht das Lösungsgeschäft aus, rd. 30% entfallen auf die Software.


Referenz Gasteig München
Foto: Kommatec Redaction
"Ich möchte ein Komma setzen, wo andere einen Punkt sehen", fasst der Bergedorfer im Recherchegespräch auf dem alten Speicherboden zusammen, und ergänzt: "Ich möchte ein ganzheitliches Angebot erarbeiten, von der Idee über die Konzeption bis zur Umsetzung und zur Wartung und Pflege." In dieser Breite sind nur wenige Anbieter unterwegs - ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Mit dem Blick in die Ferne eröffnet Fabian Scholz ganz neue Möglichkeiten: "Der Kunde kann sich sich ein eigenes Fernsehen aufbauen." Ob Teppiche, Nagellack oder Kaffeewelt - mit seinem Erfolgsrezept erwirtschaftet der clevere Kaufmann rd. 3 Mio. € im Jahr.

"Versuch' nicht gleich in den Olymp aufzusteigen"

Dabei sind die bewegten Inhalte in Einzelhandel oder Hotellerie erst der Anfang. Mit dem Smartphone können Kunden via Beacon wiedererkannt werden. Die Gesichtserkennung mittels Webcam liest in Geschäften die Stimmung, das Alter, Geschlecht oder die Ethnie aus - und präsentiert personalisierte Inhalte. "Das alles können wir bereits heute", freut sich der Hamburger Unternehmer. Tracking, Identifikation, Gesichtserkennung und Gestensteuerung - die Werbung lernt gerade laufen. Zugleich warnt Scholz vor zu viel Euphorie: "Wenn Du vom Poster kommst, versuch' nicht gleich in den Olymp aufzusteigen."

Im Hamburger Hauptbahnhof müssen wir uns auf der Werbewand bis auf Weiteres noch mit der Uhrzeit auf der nachgebildeten Bahnhofsuhr begnügen. Und ein angeheiterter "Captain Morgan" fliegt mit seinem Bier alle paar Minuten regungslos durch die Displays am Bahnsteig. Schauen wir mal, wann die Werbetafeln unseren Hunger erkennen und uns ins Restaurant einladen.

 Hamburg Digital Background: 

Kommatec Redaction GmbH:
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