Donnerstag, 8. März 2018

HANSEHISTORY: Das digitale Freilichtmuseum auf dem Hammaburgplatz

Hamburgs Stadtgeschichte beginnt auf dem heutigen Domplatz in der Altstadt, wo die erste Befestigungsanlage der frühmittelalterlichen Siedlung Hammaburg errichtet wurde. Von hier aus entwickelte sie sich zu einer florierenden Hafen- und Handelsmetropole. Nahe dieser Keimzelle entstanden bedeutende Gebäude, wie der Mariendom und das steinerne Stadttor, das noch heute das Hamburger Stadtwappen prägt.
Visualisierung der Hammaburg-Siedlung in der Altstadt.
Illustration: AMH Hamburg
Hamburgs Gedächtnis ist an Museums- und Rathausplatz in Harburg zu Hause. Unter dem Dach des Helms-Museums kümmert sich das Team um den Archäologen und Sammlungsleiter Michael Merkel um die Sichtbarkeit der Hamburger Historie. Im Mittelpunkt: die digitale Hammaburg. Ein Hamburg Digital Report zur virtuellen Kaufmannssiedlung an der Elbe:

Ausstellungen, Kataloge, pädagogische Programme - so sieht die Arbeit eines Archäologischen Museums aus, so sieht die Arbeit der Hamburger Archäologen im Landesmuseum in Harburg aus - zugleich Hamburgs Behörde für Bodendenkmalpflege. Die Stiftung Helms-Museum kümmert sich mit rd. 2,2 Mio. € öffentlichen Mitteln im Jahr und 30 Mitarbeitern um das historische Vermächtnis der einst freiesten Stadt in der Mitte Europas. Die Ergebnisse der Ausgrabungen  werden im Archiv des Archäologischen Museums verwahrt, während sich die Bodendenkmalpflege vor allem mit Zeichnen, Vermessen und Graben beschäftigt.


Das Stammhaus des Helms-Museums in Harburg.
Foto: Wolfgang Meinhart, Lizenz: CC BY-SA 3.0
"Alles unter der Grasnarbe" fällt in die Zuständigkeit des "AMH", bringt Geschäftsführer Thorsten Römer auf den Punkt. Und ergänzt: "Die Inhalte sind eigentlich gesetzt" - z. B. auf dem Domplatz mit seinen 39 weißen - die historischen Umrisse des Mariendoms nachbildenden - Lichtkissen. Thorsten Römer, seit gut 2 Jahren für die Finanzen von Hamburger und Harburger Geschichte zuständig, spricht aus, was heute zählt: "Es geht darum, mit neuen Konzepten an die Nutzer heranzukommen." Auch wenn die 2,5 Mio. Objekte in Harburg zu den größten archäologischen Sammlungen Norddeutschlands zählen.

"Die Hammaburg gehört uns"

"Wir versuchen, digital up-to-date zu sein", unterstreicht Sammlungsleiter Michael Merkel, zuständig für digitale Projekte. Das Digitale ist für ihn längst im Museum angekommen. Bereits 2010 veröffentliche das Landesmuseum eine eigene App, um die Schätze der Kaufmannssiedlung vielen Menschen zugänglich zu machen. Mittlerweile geht man nicht nur in Harburg weg von Apps - und damit hin zu digitalen Inhalten - vor Ort und unterwegs. Mit einem E-Culture-Projekt tragen die Archäologen zusammen mit Partnern, wie der HafenCity Universität, dem E-Culture-Lab und Hamburg@work die Inhalte jetzt in die Stadt.


Soll digital wieder lebendig werden: Die Hammaburg-Siedlung
Illustration: AMH
Seit 1 Jahr forschen Stadtentwickler der HCU mit Archäologen des AMH an der gegenwärtigen Nutzung des zugigen Platzes an Hamburgs ältester Straße, der Steinstraße. 1,4 Mio. € stehen den Partnern in dem 3-jährigen Projekt zur Verfügung, nach der wissenschaftlichen Analyse zunächst einzelne Angebote und schließlich eine lebendige Museumsstätte zu errichten. Einer der entscheidenden Schritte zur Sichtbarkeit Hamburger Geschichte ist die für das Frühjahr geplante Umbenennung des Domplatzes in Hammaburgplatz. 

"Displays sind eigentlich auch Vitrinen"

Mit Displays rund um den Platz sollen im nächsten Schritt die wichtigsten Informationen zur Entstehung der Siedlung jedem zugänglich werden. Der seit 20 Jahren engagierte Sammlungsleiter Michael Merkel umreißt das Ziel der Aktivitäten: "Wir wollen kurz- bis mittelfristig Dauerausstellungen am Hammaburgplatz, der Keimzelle der Stadt Hamburg, etablieren." Zu den Orten von besonderem historischem Interesse gelten das historische Stadttor - heute Wappen der Freien und Hansestadt, der 1. Dom und die Wallanlage um die Hammaburg-Siedlung.


Museumsschaufenster in der Harburger Schloßstraße
Foto: AMH
Bevor das digitale Freilichtmuseum in der historischen Mitte am Hammaburgplatz Realität wird, ist zunächst ein "Schaufenster der Archäologie" geplant, zum Leben erweckt durch Audio- und Videoinhalte, um die Bedeutung des Platzes Touristen wie Hamburgern näher zu bringen. Das Projekt wird eventuell mit weiteren Inhalten per App oder Onlinepräsenz ergänzt. Ein Beispiel, wie ein Museumsfenster ganz praktisch aussehen kann, ist in drei Museumsfenstern in der Harburger Schloßstraße 30 zu erleben.

Weil man in Hamburg nicht nur gründlich, sondern auch vorausschauend arbeitet, steht der künftige Hammaburgplatz am Speersort nicht allein auf weiter Flur. So plant die Stadt einen "digitalen Touristenpfad" - beginnend beim Kreuzfahrtanleger, dem Cruise Center in der Hafencity. Mit der im Dezember vergangenen Jahres präsentierten Speicherstadt-App der Hamburger Kulturbehörde geht es virtuell durch das UNESCO-Weltkulturerbe. Nächste Station ist der Hammaburgplatz mit dem geplanten Freilichtmuseum zur Geschichte der Hafen- und Handelsstadt - mit Digital-Displays, Bischofsturm im Backhus und Museums-Schaufenster.

"Digital gehört heute einfach dazu"

Die historische Besucherroute könnte weiter zum Rathausmarkt und zur Nikolaikirche geführt werden, dem Ort der 1125 erbauten "neuen Burg" von Hamburg - der historischen Keimzelle der Kaufmannssiedlung an der Norderelbe. Dabei soll die Route von der Speicherstadt zur Hammaburg auch mit dem städtischen WLAN-Netz "MobyKlick" ausgeleuchtet werden, um die Angebote jederzeit auf dem Smartphone nutzen zu können. Für die Macher des Archäologischen Museums gehören die neuen Möglichkeiten zur ihrer Arbeit genauso dazu, wie die Dauerausstellung in Harburg und Gastausstellungen.

Die Dauerstellung in Googles VR-Cardboard
Foto: AMH
Michael Merkel fast abschließend zusammen: "Ein Museum ist immer auch das kulturelle Rückgrat einer Gesellschaft". Der langjährige Museumsmacher glaubt wie sein Geschäftsführer an das nebeneinander von persönlichen Erlebnissen vor Ort und virtuellen Möglichkeiten unterwegs. Auf die Zukunft der digitalen Hammaburg angesprochen, können sich die Museumsmacher z. B. virtuelle Museumsbesucher per VR-Brille und individuell angefertigte 3D-Modelle ausgewählter Fundstücke für das heimische Regal vorstellen. So wird das eigene Wohnzimmer zum "musealen Showroom".  

 Hamburg Digital Background: 

Archäologisches Museum Hamburg - Digitale Ausstellung "Mythos Ham(ma)burg" 
http://amh.de/digitales-angebot/unsere-onlinesammlung-auf-google-arts-culture/

Archäologisches Museum Hamburg - Digitale Angebote:
http://amh.de/digitales-angebot/

Archäologisches Museum Hamburg@Google Art Project:
http://amh.de/digitales-angebot/google-art-project/

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Übersicht Smart Square Projekt auf dem Domplatz:
www.hamburg.de/bwfg/8324196/verbundprojekt-der-hafencity-universitaet-hamburg-erweckt-domplatz-wieder-zum-leben/

Übersicht zum historischen Domplatz in Hamburg:
www.hamburg.de/oeffentliche-plaetze/4254702/domplatz/

Broschüre "Der Domplatz - Hamburgs Wiege" (PDF):
www.hamburg.de/contentblob/2713892/acab8d412072401960fedb79d9f7cc75/data/broschuere-domplatz.pdf

Digitale Augmented- und Virtual-App zur Speicherstadt:
www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/10070408/speicherstadt-digital/

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Museumsfenster Harburg - Bericht "Besser im Blick":
www.besser-im-blick.de/feuilleton/3301-lebendiges-schaufenster-in-die-geschichte-harburgs