Mittwoch, 30. Mai 2018

HANSEINVESTIGATION: Cherrypicker WorkGenius - Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Jobcenter.

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE

Gesundheit ist das nächste Megathema: Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" prophezeit uns in der aktuellen Ausgabe den "Doktor Algorithmus". Google, Apple, Facebook und Amazon werten Fitness-Apps aus, gründen Krankenversicherungen, forschen an AR- und VR-Lösungen für Operationssäle und implantierbare Minicomputer. Die großen Hamburger Krankenkassen DAK und Techniker wissen: die Zukunft gehört der Gesundheit.



Die Wirtschaft steht vor einem Paradigmenwechsel: die Wegwerfmentalität beim Personal nach 30 Jahren Hamsterrad funktioniert nicht mehr, die Alterspyramide steht auf dem Kopf, Fachkräftemangel bremst Innovationen und die Digitalisierung aus. Im nächsten Aufschwung geht es um die Wissensgesellschaft. Das Hamburger Startup WorkGenius will die 150% fitten mit zweifelhaften Methoden selektieren - und damit groß Kasse machen. Eine Hamburg Digital Recherche:

Gesundheit - das heißt heute Diagnosen, Behandlungen, Kuren. Und wenn nichts mehr geht: Berufsunfähigkeit, Frühverrentung, Abstellgleis. So schleust die Wirtschaft seit Jahrzehnten Arbeitnehmer nach Schule, Studium und Ausbildung durch die Mühlen der Betriebe. Mit 50 dann der Tritt vor die Tür: zu alt, zu unflexibel, zu teuer. SPD-Altkanzler Schröder verantwortet mit den Hartz-Gesetzen den Dammbruch. Ein Hamburger Startup geht noch einen Schritt weiter: WorkGenius - zuvor Mylittlejob - filtert die Schwachen, die nicht 150% Leistungsfähigen mit einem zweifelhaften Psychotest aus, bevor sie eine Chance haben.


Die algorithmusbasierte Personalplattform WorkGenius:
"Complient-conform" oder menschenfeindliche Selektion?
Screenshot: HANSEVALLEY

3,5 Millionen Euro investieren die ehrenwerten Verlegerenkel Axel Sven Springer und John Jahr jr. sowie Kanzleiinhaber und Springer-Aufsichtsrat Oliver Heine im Sommer 2017 im Rahmen der Series A in das Hamburger Later Stage-Startup Mylittlejob. Die Bewertung des künftigen Geschäfts: ein "mittlerer achtstelliger Bereich" - heißt im Klartext: 50 Millionen Euro Profitpotenzial - oder mehr. Verlegerkinder, Aufsichtsrat, Privatinvestoren und Family Offices wissen, was sie finanzieren: eine Algorithmen-basierte Selektion von Menschen. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten, durch die der Verlegernachwuchs offenbar sein Geld mehren lassen will.

John Jahr sagt dazu stolz gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Bilanz seines Freundes und Co-Investors Axel Sven Springer: "Das Recruiting- und Matching-Modell von Mylittlejob antizipiert einen Umbruch im Arbeitsmarkt, der sich leise hinter uns aufbaut und unsere Rolle in der Wirtschaft verändern wird“. Der Enkel des gleichnamigen Hamburger Verlegers weiter: „Persönlich überzeugt haben mich die Gründer, weil sie gleichzeitig auf originäre Qualität setzen und groß denken, was ich in dieser Kombination heute nicht oft sehe.“

Algorithmusbasierte Jobvermittlung mit 50 Mio. Euro schwerer Bewertung.

Besitzen die beiden Gründer und Datensammler wirklich die unterstellte Qualität? Daniel Barke und Marlon Litz-Rosenzweig, Gründer und Geschäftsführer der Mylittlejob GmbH aus dem Herrengraben in der Hamburger Neustadt, wissen was sie tun: In 5 Jahren wollen sie Menschen und Arbeitsplätze automatisiert zusammenbringen, berichtet Daniel Barke im Rechercheinterview. Dabei gibt sich der im Grindelviertel beheimatete Betriebswirt Barke äußerst menschenfreundlich: "Langfristig wollen wir Menschen wieder die Chance geben, zu arbeiten." Was altruistisch klingt, hat eine 50 Mio. Euro schwere Bewertung bekommen.


Mylittlejob-Gründer Daniel Barke und Marlon Litz-Rosenzweig:
"Menschenfreunde" oder Elite-gebildete "Cherrypicker"?
Pressefoto: WorkGenius

Dabei hat alles tatsächlich idealistisch angefangen: München, irgendwann zwischen 2009 und 2012. Daniel ist in seinem Bachelor-Studium in München - und findet keinen Ferienjob. Wie es ein guter Nachwuchsunternehmer tut, betrachtet er das Problem aus einer wirtschaftlichen Perspektive: Für Arbeitgeber ist das Finden, Auswählen, Anstellen, Anmelden und Einarbeiten ein zeitraubender Prozess. Für kurzfristige Aushilfen gilt dies umso mehr. Mit seinem besten Freund aus der Schulzeit denkt er darauf rum, wie man das Matchen von Jobs und Studenten besser organisieren kann.

Wie bei Aschenbrödel: 'Die guten ins Töpfchen, die Schlechten ... ins Jobcenter.'

Noch während des Studiums lassen die Gründer Daniel und Marlon 2011 einen ersten Prototypen zum Matchen von Angebot und Nachfrage bauen. Ein Jahr später dann der Lackmustest: Hat die Idee das Potenzial, zu skalieren? Wie so oft, waren Unternehmer durchaus angetan - doch keiner nutzte den neu entwickelten Service. Ungebunden und frisch mit der Eliteausbildung an der Munich Business School fertig, wagt Daniel mit seinem Schulfreund den Sprung ins kalte Wasser. Schließlich kommt man nur als Unternehmer finanziell ganz groß raus - nicht als Angestellter.


50 Fragen, 5.000 Datenpunkte, 2 Mrd. Datensätze:
Professionelles Matchmaking oder psychologischer Seelenstrip?
Screenshot: HANSEVALLEY

Mehr als 1,5 Jahre baut der Nachwuchs am Personal-Marktplatz. 2 VWL-Professoren der renommierten ETH Zürich bringen sie auf die entscheidende Idee: statt Interviews mit Kandidaten zu führen, setzen die cleveren Betriebswirte auf digitale Analysen. Im Mittelpunkt: das Verhalten eines Kandidaten. Daraus sollen Stärken und Schwächen abgeleitet werden. Wie bei Aschenbrödel gilt beim Elitenachwuchs: 'Die guten ins Töpfchen, die Schlechten ... ins Jobcenter.' "Wir hatten eine klare Vorstellung, was wir erreichen wollten", betont Jungunternehmer Daniel Barke überzeugt. 

Datenbasierte Jobvermittlung: "Ist ja widerlich" oder nur "Pre-Selektion"?

Auf gut Deutsch: 'Einordnung in Potenziale' - was immer das heißen wird. Die Online-Recruiter bauen einen Test mit 50 Fragen auf, untergliedern ihre Neugierde in 5 Dimensionen. Neben Fragen zu Mehrsprachigkeit oder mathematischem Interesse stehen auch die Religionszugehörigkeit, die besuchte Elite-/Universität und die sozialen Fähigkeiten auf dem Fragenkatalog: 'Wie verhalte ich mich bei Beantwortung von ...?' Der Test beurteilt z. B. die Geschwindigkeit beantworteter Fragen, einen Wechsel von Antworten - die ganze psychologische Trickkiste im Interesse der Personalselektion.

5.000 Datenpunkte wertet die eigene Engine aktuell aus, mit rd. 2 Mrd. Informationen ist das System bereits gefüttert. Ist es DSGVO- und Grundgesetz-konform, nach Religion zu selektieren? Unterm Strich steht ein gläserner Kandidat. Durch Jobhistorie und Bewertung seitens der Arbeitgeber können die "Cherrypicker" eine weitere Qualifizierung vornehmen. Die Reaktion auf das KI-basierte Ausfiltern reichen laut Co-Founder Daniel von "Ist ja widerlich" bis zu "Pre-Selektion". 300.000 Studenten mussten bis heute "Seelenstriptease" machen, um über die Datenplattform an einen Job zu kommen - noch vor der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung.

Selektion im Auftrag von "Menschenfreunden", wie Amazon und DHL.

Bis heute hat die 2011 als Mylittlejob gestartete Techfirma nach eigenen Angaben mehr als 1,2 Millionen Studentenjobs in 5.000 Unternehmen vermittelt, 90% davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz, dazu weitere EU-Länder, wie Großbritannien und die Niederlande, Italien und Spanien. Zu den Nutzern gehören zweifelhafte Arbeitgeber, wie das noch zur Otto Group gehörende About You, Amazon und DHL. Im jetzigen Wachstum plant WorkGenius von 35 auf gut 50 Mitarbeiter zu wachsen, um sein erweitertes Geschäftsmodell der Freelancer-Vermittlung abdecken zu können. Denn was mit Studenten "quick & dirty" möglich ist, ist mit Freelancern erst Recht machbar - in 28 Minuten zum ethisch fragwürdig vermittelten Projekt.


Mylittejob-Gründer und Geschäftsführer Daniel Barke:
Glaubwürdiger Unternehmer oder berechnender Plattform-Betreiber?
Pressefoto: Mylittejob

Die Zukunft für Datensammler WorkGenius hat gerade erst begonnen: Der Ausstieg von Unternehmen aus Tarifverträgen, das Abdrängen gering qualifizierter Mitarbeiter in prekäre Jobs und die Entwertung des Faktors Arbeit gehen weiter. Anforderungsprofile wechseln immer schneller, Unternehmen erhöhen den Druck, Technologien tun ihr Übriges. Gründer und Geschäftsführer Daniel Barke bringt es dagegen völlig uneigennützig auf den Punkt: "Wir wollen Technologien nutzen, um Menschen wieder in den Job zu bringen." Die eigenen PR-Aussagen klingen anderes: 'Die Studenten der Academic Workforce sind eine zuverlässige, skalierbare Verstärkung, wenn ein Unternehmen oder Freiberufler qualifizierte Arbeitskräfte kurzzeitig benötigen.

Wer ist beim Plattform-Geschäftsmodell Gewinner, wer "Depp vom Dienst"?

Bleibt man bei der 50 Mio. €-Bewertung, ist eine weitere Ansage des Gründers wesentlich glaubwürdiger: "Natürlich wollen wir eine der Plattformen entwickeln." Fragt sich, wer bei einer Plattform der Gewinner ist, wer als "Depp vom Dienst" die Rechnung bezahlt - mit gläsernem Profil, digitalen Daumenschrauben, Algorithmus-basierten Abhängigkeiten? Der hauseigene Kodex sieht im Zweifelsfall ein Abwerten im Ranking und einen Ausschluss von der Plattform vor. WorkGenius ergänzt im PR-Bereich: 'Selbstverständlich gibt es eine Geld-zurück-Garantie, sollte das Ergebnis einmal nicht den Anforderungen entsprechen.' Uber lässt grüßen.

Kein Wunder, dass nach Barkes Aussage "das Modell in den USA noch viel besser funktioniert". Sind es die vom Eliteabsolventen gelobten "fortschrittlichen Arbeitsmodelle", oder sind es hoch verschuldete Studenten, die auf Jobs angewiesen sind, um ihre Miete zu bezahlen? Womit sich wieder die Frage nach dem "Depp vom Dienst" stellt - und wer den großen Reibach machen will-werden-wird. Vielleicht ist die Zeit reif, Datenmodelle extra zu besteuern, wie von Angela Merkel Anfang der Woche in Berlin gefordert. Damit Menschen nicht zu billigen - pardon: kostenlosen - Datenlieferanten werden, mit denen Springer und Jahr jr. ihre Verlagsmillionen mehren wollen.

Die bisherige Bundeswirtschaftsministerin und künftige Fintech-Gründerin Brigitte Zypries brachte in Ihrer Keynote am Dienstag-Nachmittag auf der "Digital North" in der Altonaer Fischauktionshalle zum Personal-Recruiting in der digital-vernetzten Welt offen auf den Punkt:

"Stellen Sie die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig aussehenden, stellen Sie die ein, die andere, neue Ideen einbringen." 

Das hat mit psychologischem Seelenstriptease, kostenloser Datensammelwut, automatischer Personalselektion, digitalen Daumenschrauben und einer "Academic Workforce" nichts zu tun - aber mit Menschen, Möglichkeiten und Moral. Unsere Meinung.


 Redaktioneller Hinweis aus aktuellem Anlass: 

Das Unternehmen sah sich leider nicht im Stande, Informationen zu aktueller Finanzierung, Geschäftserweiterung und Umbenennung mit Veröffentlichung der Neuigkeiten über einen Presseverteiler zu versenden. Eine Anfrage am Montag-Mittag zur kurzfristigen Zulieferung ergänzend erforderlicher Informationen blieb über 6 Stunden ohne jede Rückmeldung, obwohl die E-Mail nach 10 Minuten gelesen wurde. Der Versuch einer telefonischen Kontaktaufnahme scheiterte an einer über die PR nicht informierten Mitarbeiterin.

Gründer Daniel Barke: "Ist der Typ noch ganz sauber im Kopf?"

Der Pressebereich von WorkGenius verweist auf Artikel aus den Jahren 2011 bis 2015, ein Pressekontakt zur direkten Anfrage gibt es nicht. Erst die Ankündigung der weitergehenden Beleuchtung des Geschäftsmodells sorgte innerhalb von 25 Minuten für eine Rückmeldung der Hamburger PR-Beraterin Melanie Schehl. Die Reaktion von Unternehmer Daniel Barke auf den Hinweis zur kurzfristig erforderlichen Zulieferung von ergänzenden Informationen: "Ist der Typ noch ganz sauber im Kopf?" Zitat Ende. Die Mail liegt uns vor.

PR-Beraterin Melanie Schehl: "Ich muss auch Grenzen setzen."

Leider eskalierte der Versuch einer rechtzeitigen Zulieferung ergänzender Informationen an mehrfach geäußerten Vorwürfen der PR-Beraterin Schehl. Sie griff unsere Arbeit mit Vorwürfen der "Unprofessionalität" und "Erpressung" an. HANSEVALLEY weist das Verhalten des seit 7 Jahren engagierten Unternehmers Daniel Barke und der 15 Jahre erfahrenen PR-Beraterin Melanie Schehl als unternehmerisch und kommunikativ inakzeptabel zurück, verweist auf die Redaktionsleitlinien "HANSECODEX" und empfiehlt die Lektüre des Fachbeitrags der Münchener Agentur Maisberger.

Wir sind ausschließlich unseren Lesern und uns selbst verpflichtet.

Das Hamburger Later Stage Startup mit offensichtlich professionellen Vertriebs- und Kontrollprozessen schreibt in seinem Kodex: "Beleidigungen, Hass, Rassismus und ähnliche Inhalte werden von uns nicht beantwortet und können zu Deinem sofortigen Ausschluss führen." HANSEVALLEY schließt trotz Beleidigungen und inakzeptablen Vorwürfen WorkGenius nicht aus, auch wenn WorkGenius/Mylitlejob und PR-Beraterin Schehl sich im Verhalten "toter Käfer" üben.

 Hamburg Digital Background: 

WorkGenius aka Mylittlejob:
www.workgenius.com/de/

WorkGenius Daumenschrauben:
www.workgenius.com/de/codex

WorkGenius Pressebereich:
www.workgenius.com/de/presse

John Jahr jr. ist stolz auf Mylittlejob, Die Welt/Bilanz:
www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article168555338/Mylittlejob-expandiert-in-die-USA.html

Ertragssteuer auf Datengeschäfte, Zeit Online:
www.zeit.de/politik/deutschland/2018-05/steuerreform-angela-merkel-daten-eu

Facebook-Datenskandal nur der Anfang, Handelsblatt:
www.handelsblatt.com/politik/deutschland/datenschutz-bundesdatenschuetzerin-vosshoff-fuerchtet-nach-facebook-datenskandal-aehnliche-vorfaelle-bei-anderen-plattformen/21234650.html

Hintergründe: Das Geschäft mit Daten, ZDF:
hwww.zdf.de/nachrichten/heute/das-geschaeft-mit-den-daten-100.html

Sonntag, 27. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Marlis Jahnke: Influencer Marketing - "Wild West ist vorbei".

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

TV-Spots, Plakate, Online-Banner: Seit vergangenem Jahr ist eine weitere Kategorie der Werbung hinzugekommen: Influencer Marketing. Was für die einen Schleichwerbung auf Instagram und YouTube ist, wird für Marketingabteilungen, Kommunikationsagenturen und Influener in der DACH-Region zur Zukunft der Werbung.



Stolz auf Ihre Influencer-Kampagnen: Die Hamburgerin Marlis Jahnke
Foto: HANSEVALLEY

Die Hamburger Agenturunternehmerin Marlis Jahnke hat 2014 mit Hastaglove die erste deutsche Plattform für Influencer Marketing aufgebaut. 10.000 vor allem junge Instagramer und YouTuber werden über den Kampagnenmarktplatz vermittelt. Jetzt hat die Unternehmerin ein Buch zum Thema geschrieben - und setzt Standards für die junge Branche. Unser HANSEPERSONALITY ist Marlis Jahnke:

Über 5 Jahre hast Du in der Musikindustrie gearbeitet, u. a. als Produktmanagerin bei Polygram am Glockengiesserwall. Du hast gesehen, wie die Branche sehenden Auges ins Unglück gelufen ist. Was war der ausschlaggebende Grund, Dich vor nunmehr 19 Jahren selbstständig zu machen?

Die Jahre in der Musikindustrie habe ich in vollen Zügen genossen. Dort habe ich Kommunikations-Skills und vor allem den smarten Umgang mit Content gelernt: das Spiel mit Exklusivität, kluges Timing und die Orchestrierung von Medienplatzierung. Nur meine Ideen im Umgang mit dem in den 90er Jahren noch „neuen Internet“ konnte ich in der Musikindustrie nicht umsetzen.


"Ich hatte immer Angst, Innovationen zu verpassen."

Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation, die das Internet möglich machte, haben mich aber so stark fasziniert, dass ich 1999 den Sprung ins Unternehmertum gewagt habe und mit Inpromo eine reine Digitalagentur aufgebaut habe, der ich bis heute vorstehe. Bei den Kunden der Filmindustrie konnten wir uns fest verankern: Sie profitierten von unserem Entertainment-Know-How, waren begeistert von unseren neuen Ansätzen und bescherten Inpromo eine Dekade des Wachstums. Ab 2010 haben wir uns dann erfolgreich aus der Nische heraus weitere Kunden-Kreise aufgebaut.

Du beschäftigst Dich seit Ende der 90er Jahre mit der Kommunikation im Internet - zunächst mit Newsgroups und Foren, später mit Communites und Social Media Plattformen. Hand aufs Herz: Wie baut man im Netz am Besten eine eigene Community auf? Und was sollte man tunlichst vermeiden?

Mir ging es immer um die Formen der Kommunikation im Netz. Nicht als Nerd, sondern um den Konsumenten zu erreichen: Das bloße Bannerschalten hat mich nicht interessiert. Wir haben den großen Bereich der Foren und Communities früh geclustert und mit dem Social Media Planner unsere erste agentur-eigne Innovation der digitalen Szene präsentiert. Wir waren dann froh, dass wir irgendwann einen Namen hatten für das, was wir seit Jahren machten: Social Media. 


"Ich habe richtig Bock auf digital und richtig Bock auf Innovationen."

Im Jahr 2014 hast Du mit "Hastaglove" zunächst eine Registrierungsplattform für Influencer aufgesetzt, im Jahr 2015 einen Marktplatz für die Vermittlung von Influenern gestartet. Seit vergangenem Jahr boomt das Thema bei Agenturen. Was macht Influencer Marketing im Kern aus?

Wir sind immer unserem Inpromo-Grundsatz treu geblieben, auch als Dienstleister eigene innovative Projekte auf die Beine zu stellen. In den Jahren 2013/2014 platzten unsere Excel-Listen mit all diesen „reichweitenstarken Social Media-Profilen" aller Kanäle aus allen Nähten und für ein sinnvolles Handling brauchten wir eine Datenbank. Aus dieser Notwendigkeit heraus haben wir den Influencern angeboten, sich bei uns mit ihren Profilen und Themen zu registrieren einschließlich der Freigabe zu unserer Reichweitenmessung, die wir über APIs zu den Social Networks durchführen. 


Die führende Influencer-Plattform: Hashtaglove aus Hamburg
Foto: HANSEVALLEY

Diese Registrierungsplattform war innerhalb kürzester Zeit so erfolgreich, dass wir 2014 Hashtaglove daraus entwickelten: einen virtueller Marktplatz, auf dem wir Marken und Influencer zusammen bringen. Bis heute beraten wir unsere Kunden bei der Entwicklung der Kampagne, Briefing der Influencer und kuratieren die Influencer-Auswahl. Damit unterscheidet sich Hashtaglove von einem reinen Selbstbuchungs-Tool. Und wir setzen auf die Erfahrung von Inpromo, das Influencer Marketing klug in die digitale Gesamt-Kommunikation zu integrieren.

Ihr habt auf der Plattform rd. 10.000 Influencer aus der DACH-Region. Die meisten Influencer sind zwischen 18 und 29 Jahren, gut 50% sind Frauen. Für welche Themen ist Influencer Marketing auf Social Media Netzwerken, wie Instagram und YouTube, besonders interessant? Und warum?

Im Online Marketing findet derzeit ein Shift großer Marketing Budgets zum Influencer Marketing statt. Gleichzeitig entwickeln sich sowohl die Social Media Plattformen - wie Facebook, Youtube, Instagram, Snapchat oder Musical.ly - als auch die Influencer-Szene mit großer Geschwindigkeit weiter. Diese Dynamik stellt sowohl für Marketingprofis als auch für Influencer eine immense und täglich neue Herausforderung dar. 


Inpromo-Team: Machen Marken glücklich und Influencer berühmt.
Foto: HANSEVALLEY

Influencer sind extrem divers und bespielen nicht nur unterschiedliche Kanäle, sondern haben auch unterschiedliche Themengebiete – von Touristik über Lifestyle bis zu Special Interest. Wir setzen bei Hashtaglove Produkttests genauso erfolgreich um, wie Branding-Kampagnen und Recruiting-Aktionen. Mit der Erfahrung abgeschlossener Kampagnen optimieren wir unsere technischen und kuratierenden Standards kontinuierlich weiter und erhöhen den Brandfit und das Influencer Matching.

Es geht um neue Medienschaffende mit ihren neuen Medienkanälen. wie Instagram und YouTube. Es geht um glaubwürdige Medienmarken und ihre persönlichen Empfehlungen. Sind Influencer als neue Testimonials nicht eigentlich "alter Werbewein in neuen Schläuchen"?

Die Logik und der Wert der Empfehlung sind natürlich nicht neu, sondern schon immer hoch relevant bei Konsumenten-Entscheidungen. Immer noch neu ist aber die Diversität von Themen und Kanälen in Kombination mit der riesigen Menge von Personen mit relevanter Reichweite. Dieses Potential wird unterschätzt – wohl auch, weil die mediale Berichterstattung sich vor allem auf die Mega-Stars unter den Influencern fokussiert. 

Die große breite Masse dieser neuen Medienschaffenden - Mikro- bzw. Makro-Influencer - sind hoch interessant für die Werbeindustrie. Alle Marktteilnehmer arbeiten an klugen Lösungen, die Diversität der Szene zu erfassen und Standards in der jungen Marketing-Disziplin durchzusetzen.

Du hast im Springer Gabler-Verlag zusammen mit W&V ein umfassendes Sachbuch zum Thema Influencer Marketing geschrieben - gemeinsam mit vielen Experten aus der Kommunikationsbranche, aber auch mit dem Chef der Medienanstalt. Was findet man in Deinem Buch? Und warum ist es wichtig?

Seit dem Launch von Hashtaglove haben wir viele Kunden beraten als auch Influencern geholfen, ihre Reichweite zu monetarisieren. Dieses Know-How wollten wir gerne teilen, um die junge Marketing-Disziplin zu professionalisieren und Standards zu setzen. Aufgrund des sowohl komplexen juristischen Hintergrundes als auch durch die unterschiedlichen Sichtweisen der Marktteilnehmer hielt ich es für sinnvoll, ein Herausgeber-Werk zu veröffentlichen.

Das heißt, die Experten stellen mit einem Beitrag ihr Fachgebiet vor: Die insgesamt zwölf Beitragsautoren rangieren von Thomas Fuchs (Direktor der Landesmedienanstalt MAHSH) über Franziska von Lewinski (Vorstand fischerAppelt AG) bis hin zum Top-Youtuber Simon Unge. Wir stellen Strategien, Plattformen und Instrumente vor; erklären die rechtlichen Rahmenbedingungen und zeigen viele Beispiele und Best Cases der letzten Jahre.



Unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Du hat 1999 Deine Agentur gegründet, bist mit Deiner Familie in Othmarschen zu Hause, engagiert bei Hamburg@work und Mitglied der Working Moms. Was läuft in der Marketing- und Internetcity Hamburg schon richtig gut? Und wo muss vielleicht noch ein büschen zugelegt werden?

Mir gefällt die Veranstaltungs-Szene in Hamburg und ich gehe gerne aus. Ich bin Fan des Reeperbahnfestivals/Next – mehr Hamburg geht nicht und das interdisziplinäre Miteinander rückt dem legendären South by Southwest Music Festival immer näher.

Büschen zulegen: Naja, das Problem des Fachkräftemangel hat auch Hamburg. Wir alle können dem nur gemeinsam begegnen durch Engagement für gute Aus- und Weiterbildung. Und 1. Liga wäre wieder schön ☺

Fachbuch Influencer Marketing
Buchtitel des 1. Influencer Sachbuches
Grafik: Springer Gabler
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Herzlichen Dank für die Offenheit!

Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Marlis Jahnke, Kress Köpfe:
https://kress.de/koepfe/kresskoepfe-detail/profil/33795-marlis-jahnke.html

"Influencer Marketing", Herausgeberin Marlis Jahnke:
https://www.springer.com/de/book/9783658208530

Hashtaglove, Influencer Marketing Plattform:
https://www.hashtaglove.de/

Inpromo, Digitale Kommunikationsagentur:
http://www.inpromo.de/

Freitag, 25. Mai 2018

HANSESOCIAL: Warum die Dezentralisierung von Sozialen Netzwerken so verdammt wichtig für uns sein sollte.

HAMBURG DIGITAL SOCIETY

Wenn im Zuge der Digitalisierung die Zukunft der menschlichen Arbeit nur noch wertschöpfend durch Empathie, soziale Interaktion und Kreativität sein kann, weil alles andere maschinell und automatisiert erfolgt, sollten die digitalen Plattformen in denen diese Wertschöpfung geschieht profitabel für alle Nutzer sein. Klaudius Nowak:

Blockchain-Visionär Klaudius Nowak
Foto: Laurin Tomaschewski
Die Digitalisierung unserer Welt schreitet stetig voran und die Stimmen, die die Gefahr von einer Zukunft mit immer weniger Jobs für einen Großteil der Bevölkerung prophezeien, werden immer lauter. Unternehmer wie Jeff Bezos (Amazon) oder Facebook-Chef Mark Zuckerberg, die zu den größten Treibern des digitalen Wandels gehören und in Ihren Unternehmen bereits einen hohen Grad an Automation implementiert haben, erklären öffentlich, das Lösungen für die finanzielle Absicherung für den Großteil der Bevölkerung - wie z. B. das bedingungslose Grundeinkommen . unumgänglich sind.

Während Studien die Gefährdung von bis zu 90 Prozent aller Arbeitsplätze bemessen, ist die genaue Prozentzahl meiner Ansicht nach gar nicht so entscheidend, denn wir wissen, dass die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist und im Zuge des globalen Wettbewerbs, nicht nur wegen des Preiskampfes, voranschreiten wird. Wieviele Arbeitsplätze davon betroffen sind ist daher keine Frage von Branche und Gefährdungsgrad, sondern eine Frage des zeitlichen Horizonts.

Neben der Frage der finanziellen Abhängigkeit zwischen Arbeit und Einkommen steht eine viel entscheidendere gesellschaftliche Frage im Raum: Wie entwickeln sich Menschen emotional, die über Generationen gelernt haben, dass arbeiten ein fester Bestandteil der Selbstidentifikation ist? Wie entwickelt sich unsere Gesellschaft, die mit Ihrer Arbeit nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt sichert, sondern der Überzeugung nach auch einen wertvollen Beitrag für unser Zusammenleben leistet?

Es liegt an uns, aus der Digitalisierung ein Wert für uns als Mensch zu schöpfen, der vielleicht einen Teil dazu beiträgt dass Arbeit anders -  leichter und natürlicher - aussieht.

Es ist wahrscheinlich unfassbar weit gegriffen, wenn man darüber nachdenkt, dass unsere Online-Aktivität alle kommenden Probleme löst, aber ist es gut vorstellbar, dass das Erstellen eines Status-Updates, Postings, Kommentars, einer Empfehlung, das Schreiben, Bewerten und die tägliche Investition in unsere kleinen Online-Marken und unseren digitalen Freundeskreis, sogar das Lesen und Konsumieren von digitalen Inhalten, eines der Bestandteile sein kann, welche unser Leben „finanzieren“ und einen gesellschaftlichen Beitrag in einer modernen Welt bedeuten.

Die industrielle Revolution 4.x, oder was auch immer für eine fiktive Versionierung dahinter steckt, hat mit der Möglichkeit durch die Dezentralisierung und durch die  - von mir enthusiastisch verfolgte - Blockchain-Technologie erstmalig die Chance, monopolartige Profiteure von Innovationen zu vermeiden und Einnahmen, Wissen und Macht so zu verteilen, dass das Ergebnis auf unsere tatsächliche Lebensqualität einzahlt.

Okay, kommen wir zu dem Punkt, der wirklich entscheidend ist: Wenn die Herausgeber der Studien recht haben - und mein Verständnis von Technologie widerspricht dem nicht -, sind es Tätigkeiten, die einen hohen Anteil an Empathie, Kreativität und sozialer Interaktion haben, die zum wichtigsten Bestandteil aller durch Menschen durchgeführten, wertschöpfenden Tätigkeiten werden.

So why is it important to change these networks or at least to get them to change?

Tätigkeiten, die durch künstliche Intelligenz und eine virtuelle Welt schwer zu imitieren sind. Und “damn straight!”: Das ist doch was Gutes! Und “damn straight again!”: Die digitalen und sozialen Plattformen Facebook, YouTube, Instagram und Snapchat sind die Plätze unseres immer intensiveren Online-Lebens, an denen genau diese Tätigkeiten - zumindest online - ein Zuhause finden. Das Zeitkontingent, das online verbracht wird, steigt jährlich, und die heranwachsende Generation empfindet die Online-Interaktion als natürliche, authentische Komponente des täglichen Lebens.

Betrachtet man die aktuelle Berichterstattung über die Vorwürfe gegenüber Sozialen Netzwerken wie Zensur, Fake News und insbesondere der Missbrauch von Daten, findet man Listenweise Ansätze die ein dezentrales Neudenken in Punkto Social Media begründen. Alles Wichtig, Alles Richtig!

Doch geht es um den Blick in die Zukunft in der Kreativität in Form von Schöpfung von Content aller Art, oder die emphatisch, soziale Interaktion die wertvollste Tätigkeit sein wird, die ein Mensch vollbringen kann, ist es nicht umso wichtiger das diese Tätigkeit bzw. die Online-Plattformen, die vielen das Werkzeug geben um Online schöpferisch Tätig zu sein, entsprechend honoriert wird?


What our parents regard as a gimmick or a waste of time may become an important social task.

Unsere digitalen Aktivitäten, die von unseren Eltern als Spielerei oder Zeitverschwendung angesehen werden, führen zu Daten und Datenbanken, die zu Werbeeinnahmen in zweistelligen Milliarden Höhen monetisiert werden (Google 95,4 Mrd. USD, Facebook 39,94 Mrd. USD, Quelle statista.com). Diese Milliarden-Umsätze und die daraus resultierenden Gewinne gehören momentan den Betreibern dieser Plattform.

Es ist nicht das ich denke, dass die Betreiber Böses damit vorhaben. Im Gegenteil: Diese Plattformen sind meiner bescheidenen Meinung nach fantastisch, innovativ und bringen echte Mehrwerte. Es ist nur so, dass es nicht gut sein kann, dass sie den Großteil des Profites damit bündeln und eine unvorstellbare Dominanz durch ihre monopolartige Stellung besitzen. Es scheint mir, als wäre es wie ein natürlicher Prozess, das eine neue Technologie dieses Ungleichgewicht ausgleicht, ausgleichen muss oder die Unternehmen zu einem Ausgleich bewegt.



Mit der Dezentralisierung dieser Plattformen lassen sich nicht nur die Probleme lösen, für die die Plattformen momentan in der Kritik stehen. Es lassen sich auch die Werbeeinnahmen fair zwischen Produzenten, Konsumenten und allen weiteren Shareholdern verteilen und mit viel Glück entsteht hier eine erneute Diversifikation eines ganz anderen, neuen Arbeitsmarktes.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit — in meiner Welt solltet ihr dafür entlohnt werden! :)

 Hamburg Digital Inspiration: 

The fourth industrial revolution | Klaus Schwab
The Four | Scott Galloway
Dr. David Richard Precht

Hamburg Digital Autoren

Unternehmer Klaudius Nowak
Foto: Maxime Billon
Klaudius Nowak ist seit 2011 einer der Geschäftsführer der Hamburger Redpinata Video Content ProduktionMit seinem Team realisiert der Medien-Manager Videoformate und interaktive Live-Streams für Social Media Plattformen. Seit er vor über 5 Jahren die Zahlung eines Auftrages in Bitcoin ablehnte und retrospektiv Millionen verlor, setzt er sich mit den Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie auseinander. In Zusammenarbeit mit SICOS.io berät er seit kurzem Unternehmen bei der Planung und Realisierung von ICOs (Initial Coin Offerings). Der engagierte Netzwerker tritt als Speaker auf namhaften Tech-Events auf, z. B. der Social Media Week Hamburg. Klaudius Nowak bei Xing.


Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

Mittwoch, 23. Mai 2018

HANSETECHTEST: Die Freenet Hotspot-App - kost' fast gar nix - bringt auch nix!

HAMBURG DIGITAL TECHTEST

Was sind sie doch stolz auf die Freenet-Hotspot-App: Mehr als 50 Millionen Hotspots in über 120 Ländern weltweit kostenfrei nutzbar. In Deutschland mit dabei: die Telekom- und Vodafone-Hotspots sowie viele bekannte Hotspot-Anbieter in Hotels, Restaurants und Cafés. Anbieter des vermeintlichen Meisterwerks: die in Hamburg beheimatete Freenet AG. Pressesprecher Rüdiger Kubald jubelt seine App in den 7. Himmel. Doch die Wahrheit spricht eine andere Sprache.


Meisterwerk oder Schrottleistung? Die Freenet Hotspot-App aus Hamburg
Screenshot: Apple App Store / Freenet

Eine App, die sich an- und abmeldet, wann sie will. Eine App, die bei Kunden massive Zusatzkosten verursacht hat. Eine App, die in den App Stores von Apple und Google in Grund und Boden bewertet wird. Im Hamburg Digital Techtest mussten wir seit März d. J. feststellen: Die Freenet Hotspot-App ist alles andere, als ein Meisterwerk Hamburger Informatik. Der HANSETECHTEST zu einem Stück Schrott in Software:

"Die Hotspot-Flat war (und ist) auf dem deutschen Mobilfunkmarkt einmalig, und wir haben bislang viel Zuspruch und Lob erhalten"; posaunt der zuständige Pressesprecher für Mobilfunk, mobile Daten- und Sprachdienste, Energie und Portaldienste in seiner "Wisch-und-Weg-PR-Mail" am 7. Mai d. J. Offensichtlich hat der PR-Fachmann alter Schule die Beurteilungen des von ihm gefeierten Stücks "Schrottware" bislang nicht zur Kenntnis genommen - oder irgend etwas Ungesundes geraucht:  

"Viel Zuspruch und Lob erhalten" - Beweisversuch Nr. 1

Apple App Store für iOS Apps: 1,7 von 5,0 Sternen - bei 25 Bewertungen

5 aktuelle Bewertungen im Apple App Store der vergangenen Wochen:
  • "Es ist keine Anmeldung in der App möglich"
  • "Verbindet mit iPhone 6S nicht automatisch"
  • "Auch mit dem frischen Update ist keine Verbindung zu Hotspots möglich"
  • "Es ist mir bisher nicht gelungen, mich mit der App mit einem Hotspot zu verbinden"
  • "Keine iPhoneX Unterstützung und zudem muss ich mich immer wieder neu in der App anmelden"


"Viel Zuspruch und Lob erhalten" - Beweisversuch Nr. 2
Google Play Store für Android Apps: 2,3 von 5,0 Sternen - bei 112 Bewertungen

5 aktuelle Bewertungen im Google Play Store der vergangenen Wochen:
  • "Unterirdisch schlecht, da völlig unbenutzbar"
  • "Weder der Login funktioniert noch kann man das Passwort ändern"
  • "Die App sucht erst gar nicht nach Hotspots in meiner Nähe ..."
  • "Seit dem Update verbindet sich die App nicht mehr mit dem Hotspot"
  • "Unbekannter Fehler, was soll man da sagen? Großer Mist!"
Lügen haben kurze Beine,
kürzer sind von Freenet seine ...
Screenshot: HANSEVALLEY
Mit stolz geschwellter Brust verkündet der Pressesprecher des aus der Vergangenheit für seine Tricks & Abzockmethoden bekannten Mobilfunk-Serviceproviders auf unseren Hinweis, dass die vom Londoner Dienstleister Mobilise Technology Ltd. bereitgestellte "Schrott-App" auf keinen Fall/nie und nimmer/um himmelswillen nicht die WIFIonICE-Hotspots in den mehr als 260 deutschen ICEs der Deutschen Bahn als Freenet-Hotspots identifiziert, sich versucht über Single Sign On einzubuchen und damit das Login komplett blockiert. Zitat:

"Sie erwähnen zudem, dass die Nutzung von WiFionICE in der App inkludiert sei. Dem ist nicht so! W-Lan Angebote wie „WIFIonICE“ oder „Telekom FON WLAN” sind nicht im Angebot enthalten und werden daher nicht von der App unterstützt."

Leider ist die Unternehmenskommunikation der Freenet AG erneut auf dem fröhlichen Holzweg und verkündet schlichtweg unwahre Informationen. Auf erneuten Hinweis zum Irrtum bequemt man sich bei Freenet in Hamburg dann doch mal ausnahmsweise einen Augenblick lang hinzuschauen, ob es eventuell/unter Umständen/ausnahmsweise ein klitzekleines Problemchen mit der Freenet-Hotspot-Dingens und den weltweit führenden Icomera-Hotspots bei der DB AG geben könnte. Folge: Freenet übt sich im kräftig zurückrudern.

"Wir haben uns auf Ihre E-Mail hin mit dem technischen Dienstleister in Verbindung gesetzt, der nach einem nochmaligen Test bestätigt hat, dass das Netzwerk WiFionICE als auswählbares Netzwerk angezeigt wird. Es ist aber korrekt, dass das Netzwerk nicht durch die APP unterstützt wird. Wir bedauern diese Irritation und haben den Dienstleister gebeten, die fälschliche Anzeige schnellstmöglich zu korrigieren."

Wifi-Finder? Kann böse ausgehen!
Screenshot: Freenet
Entweder Freenet-Kunden verzweifeln am Telefoncomputer der Servicehotline, um ihren Unmut über die "Schrott-App des Jahres" kundtun zu können, sie kündigen die nicht fehlerfrei erbrachte Leistung mit Pauken und Trompeten gleich wieder, um den den "Bringt-Nix-Mist" loszuwerden oder sie löschen die App, wenn die Hotspot-Flat ein kostenloses Zusatz-Goodie ist und wissen, auf welche Marketing-Masche sie das nächste Mal auf keinen Fall mehr reinfallen.

Neben der Blockade der WIFIonICE-Hotspots bei Betrieb der Freenet Hotspot-Möchtegern-App ist das Login der technisch unterirdischen Leistung ein unendliches Ärgernis. Sollte sich die App auf Grund eines Updates selbst ausloggen (was andere Apps unter iOS nicht müssen), muss man die App zwangsweise abschalten, um auf Grund der Schrott-Technik im ICE gar kein mobiles Internet mehr zu haben oder man bucht sich aus der "Freenet-Meisterleistung" aus, um nicht alle paar Minuten mit einem nervigen Public-Wifi-Login genervt zu werden.

Zitate von Apple iOS-Nutzern:
  • "Es ist keine Anmeldung in der App möglich"
  • "Keine iPhoneX Unterstützung und zudem muss ich mich immer wieder neu in der App anmelden"
Zitate von Google Android-Nutzern:
  • "Unterirdisch schlecht, da völlig unbenutzbar"
  • "Weder der Login funktioniert noch kann man das Passwort ändern"

Treffer, versenkt! Beim Versuch, sich in die App (wieder) einzubuchen, sind die geschilderten Macken täglicher Wahnsinn. Ein Login ist trotz korrektem Password auch nach mehrfachen Versuchen nicht möglich. Ebenso ist ein Reset des Passwortes nicht möglich. Und wieder ist der Märchenonk.. - pardon: Pressesprecher - aus dem Hamburger Deelbögenkamp wortreich zur Stelle, um zu erklären, warum die Schuld eigentlich bei mir als Nutzer liegen muss (ist doch klar):

"Eine Kritik, derer wir uns angenommen haben, ist der Login-Prozess an sich (nicht auf eine bestimmte Produktlinie bezogen): Wir haben den Registrierungsprozess am 18.4. umgestellt. Wir vermuten, dass ihr Problem in der alten Prozessstruktur begründet ist. Die Eingabe einer E-Mail-Adresse und eines Passworts ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erforderlich."

Die Wahrheit sieht anders aus:
Passwort zurücksetzen? Aber doch nicht bei Freenet ...
Screenshot: HANSEVALLEY

Tacheles gesprochen: Nichts hat sich geändert. Das Login ist auch 4 Wochen nach dem PR-seitig hochgejubelten Update schlicht eine Katastrophe, der Login-Prozess mit wiederholter und dennoch nutzloser Eingabe von Nutzername und Passwort die gleiche Schrott-Prozedur ohne jegliche Verbesserung. Der Märchenonk.. - pardon: Presseonkel - setzt in seiner unfassbaren Konzernblindheit auch gleich noch einen drauf:

Automatische Verbindung? Besser nicht!
Screenshot: Freenet
"Der Kunde hat nur noch auf den in der Bestätigungs-SMS bzw. E-Mail eingebettetem individualisierten Aktivierungslink zu klicken und wird anschließend direkt zum jeweiligen App Store geleitet, um die freenet Hotspot App herunterzuladen. Danach ist er automatisch eingeloggt. Leider ist eine Migration auf den neuen Prozess für Bestandskunden aus technischen Gründen nicht möglich. Sie haben als Kunde aber die Option, die Hotspot Flat neu zu buchen und profitieren dann automatisch vom neuen Prozess."


Hotspot-Flat neu buchen? Aus einer Inklusiv-Leistung eine extra zu zahlende Leistung werden lassen, weil das Login nicht funktioniert? Als Kunde extra bezahlen, weil es Freenet nicht hinbekommt, eine einwandfreie Hotspot-App anzubieten und den eigenen technischen Dienstleister zu verpflichten, seinen zugesicherten Leistungen nachzukommen. Sorry, aber diese Aufforderung von Sprecher Rüdiger Kubald führt leider zu einem durchschlagend negativen Ergebnis unserer monatelangen Testnutzung:

HANSETECHEST Freenet Hotspot-App:
Gesamturteil: MANGELHAFT.
Peinlich für Hamburg!

Sonntag, 20. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Erik Händeler: Wohlstand ist in Zukunft, sich besser auszutauschen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Was kommt nach der Digitalisierung? Wer löst die dominierenden Plattformen ab? Welches Metathema begleitet uns in der Zukunft? Wo liegen die künftigen Geschäftsmodelle? Diese Fragen stehen für Zukunftsforscher ganz oben auf der Tagesordnung.


Blickt krittisch und hoffnungsvoll in die Zukunft: Visionär Erik Händeler
Foto: Wolfgang List

Welcher Produktionsfaktor ist heute am Knappsten, und lässt sich nicht einfach ersetzen? Und welche Erfahrungen helfen uns, den nächsten Aufschwung erfolgreich zu begleiten. Ein ganz besonderes Hamburg Digital Interview mit dem Zukunftsforscher Erik Händeler:

Bis zu 40% der Arbeitsplätze in der westlichen Welt können durch Technologien - sprich die allumfassende Digitalisierung des Arbeitslebens - wegfallen. Sie sagen: Das ist Unsinn und uns wird die Arbeit nicht ausgehen. Dann könnte ich aufhören, über Digitalisierung zu schreiben, oder?

Nein! Weil erst durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze möglich werden, die vorher nicht ausreichend rentabel waren. Als die Dampfmaschine Bergwerke entwässerte und mehr Erz und Kohle hochschaffte, waren Eisen und Energie erst billig genug für unzählige neue Anwendungen. Die Digitalisierung ist ein Prozess, der jetzt schon Jahrzehnte läuft. Nur weil Computer Telefongespräche vermitteln, konnte Telefonieren so billig werden und neue Anwendungen ermöglichen. 

"Es reicht nicht, Technik A durch Technik B zu ersetzen, sich bequem zurückzulehnen und so weiter zu machen wie bisher."

Arbeit ist, Probleme zu lösen. Und weil wir immer Probleme haben werden, geht uns auch die bezahlte Arbeit nicht aus. Die Arbeit wandelt sich: Sie wächst in die gedachte Welt hinein: Nach Wissen suchen, das mein aktuelles Problem löst; etwas durchdenken und analysieren, um eine Entscheidung vorzubereiten; Inhalte aufbereiten und vermitteln; beraten, entwickeln, organisieren. Wir werden auch für einfachere Leute Arbeit haben, die höher Ausgebildete bei Routinen entlasten.


Nimmt kein Blatt vor den Mund: Publizist Erik Händeler
Foto: Wolfgang List

Sie stellen sich namhaften Wirtschaftswissenschaftlern entgegen und sagen: Es gibt einen 6. Kondratieff-Zyklus, mit dem die aktuellen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft begründet werden können. Dann müssten die täglichen Nachrichten neu geschrieben werden?

Die Zukunft entsteht an den Knappheiten. Als die englischen Unternehmer im 18. Jahrhundert nicht mehr hinterherkamen, Bergwerke zu entwässern und Spinnräder anzutreiben, haben sie den wissenschaftlichen Mitarbeiter der Uni Edinburgh, James Watt, beauftragt, einen Dampfmaschine rentabel zu machen. Als der Mangel an Transport weiteres Wachstum verhinderte, musste die Eisenbahn gebaut werden. 

Als die Wissensflut explodierte und wir mit Zettelkästen nicht mehr hinterherkamen, musste der Computer vorangetrieben und weiterentwickelt werden. Alle diese grundlegenden Innovationen benötigten auch eine bestimmte Infrastruktur und bestimmte Organisationsmuster und Verhaltensweisen, um die aufgestaute Knappheit zu überwinden und die Wirtschaft stark wachsen zu lassen. 

"Nachdem der Computer sich weitgehend ausgebreitet hat, müssen wir den nächsten Aufschwung in der Knappheit von heute suchen."

Diese 40 bis 60 Jahre langen Strukturzyklen hat Schumpeter nach Nikolai Kondratieff benannt, der sie in den 20er Jahren in Aufsätzen beschrieb, übrigens auch auf deutsch. Damals hatten Dampfmaschine, Eisenbahn und der elektrische Strom lange Konjunkturzyklen getragen. Aus dieser Sicht stellt sich die Frage: Was ist jetzt knapp? In der Wissensgesellschaft wird die Arbeit so komplex, dass wir viel mehr als früher angewiesen sind auf das Wissen anderer. 

Auf diese Zusammenarbeit sind wir nicht vorbereitet, weil wir entweder bedingungslosen Gehorsam oder Ellenbogenindividualismus kennen, nicht die Universalethik, in der sich jeder nach seinen Gaben entfaltet, diese aber für das Gesamtwohl einsetzt und Respekt hat vor den berechtigten Interessen der anderen. 

Wenn Innovationen grundsätzlich wegen knapper Ressourcen entwickelt und eingeführt werden - und das war unter Hamburgs Kaufleuten auch immer so, warum sind Sie der Überzeugung, dass Gesundheit zum neuen "Flaschenhals" wird, und nicht die Energie?

Wenn Sie einen Mittelständler fragen: Was ist Dein größtes Problem? Dann wird er Ihnen nicht "Energie" nennen, außer er produziert Zement. Das größte Problem sind die Personalthemen: nicht die richtigen Leute finden, schon wieder einen Arbeitsgerichtsprozess führen, Kommunikationsschwierigkeiten. Und vor allem die Lohnnebenkosten: Dahinter stecken die Kosten für Pflege, Arbeitslosigkeit und Krankheitsreparatur, und die haben alle mit einem Mangel an Gesundheit zu tun, der im Lebensstil entsteht und in der Arbeitsweise. 

Der 6. Kondratieff-Zyklus: Information und Gesundheit
Grafik: Erik Händeler

Gleichzeitig hängt der Wohlstand vom produktiven Umgang mit Wissen ab, das berührt die seelischen Schichten, deswegen rückt psycho-soziale Gesundheit in der Vordergrund. Wenn jemand seelisch so verletzt ist, dass er Machtbeweise braucht oder Statusbesitz, um sich selbst für wichtig und wertvoll zu erachten, dann ist das unproduktiv. Der Wachstumseffekt ist nicht das zusätzliche Geld, sondern die höhere Produktivität und die längere produktive Lebensarbeitszeit. 

"Gesundheit wird Wachsuntsmotor, wenn wir den Stress aus dem Arbeitsleben nehmen und bei weniger Arbeitslast flexibler viel länger arbeiten."



Wenn jemand nicht mit Ende 50 Jahren halbtot frühverrentet werden muss, sondern bei weniger Arbeitslast mit Freude und weniger Arbeitszeit bis 67 oder 70 mitarbeitet, dann ist diese zusätzliche produktive Lebensarbeitszeit der Wachstumseffekt.

Wir haben heute eine Arbeitswelt, in der wir 20 Jahre in Bildung, Ausbildung und soziale Fähigkeiten investieren, um die Menschen 30 bis 35 Jahre später in Frühverrentung, Vorruhestand und "Hartz 4" zu schicken. Was muss sich aus Ihrer Sicht in unserem Arbeitssystem ändern?


Sieht Gesundheit als Schlüsselfaktor: Erik Händeler
Foto: Günther Lintl
Wie gesagt: Die zusätzlichen produktiven Lebensarbeitsjahre schaffen den Wohlstand. Wenn wir im Schnitt alle 90 werden, können wir nicht mehr mit 60 in Rente gehen Die ist eh hochtoxisch, sagen mir Ärzte. Wenn man eingebettet bleibt in die Entwicklungen, in den Kollegenkreis, weiter milde gefordert wird, mehr Pausen hat, dann trägt es zu meinem Wohlbefinden bei. 


"Psychosoziale Gesundheit, kooperative Streit- und Arbeitskultur, neue Organisationsformen der Arbeit. Auf die dafür nötigen Erfolgsmuster sind wir noch nicht ausreichend vorbereitet."

Das ganze Geheimnis ist, das wir weniger arbeiten werden, um länger arbeiten zu können. Die meisten Träume lassen sich nicht verwirklichen, wenn man in Rente ist, dafür muss man vorher Gelegenheit bekommen und in der Arbeit ein halbes Jahr aussetzen.

Sie sagen: Die nichtlineare Wissensarbeit mit unstrukturierten Informationen wird unseren künftigen Wohlstand ermöglichen. Planen und Entwickeln, Beraten, Organisieren und Probleme lösen stehen im Fokus - und damit das Einordnen von Wissen. Wie sieht das konkret aus?

Nehmen Sie an: Am Freitag Nachmittag geht eine Maschine kaputt, der zuständige Ingenieur soll sie reparieren. Wenn er es alleine versucht, wird es Montag und er hat den Fehler vielleicht immer noch nicht gefunden. Wenn er aber erst einmal herumtelefoniert, wer ihm helfen könnte, und jemand gibt ihm einen Tipp auf einen Spezialisten, der ihm die entscheidende Information gibt, dann hat er die Maschine am Freitag Nachmittag repariert und sie können weiter produzieren. 

"Die Arbeit wird künftig in Netzwerken organisiert werden, die nach tagesaktuellen Kompetenzen zusammengestellt werden."

Wohlstand ist in Zukunft nicht, noch härter zu arbeiten, sondern sich besser auszutauschen. Wenn wir ein Problem haben, haben wir nicht die Zeit, fünf Fachbücher durchzulesen. Wir müssen jemanden fragen können, der das getan hat, und in einer Minute erklären kann, was die Lösung ist. Wenn wir dann im Team von Spezialisten sind, wird die Fähigkeit entscheidend für den Wohlstand, unterschiedliche Kompetenzen zusammenzufügen, ohne sich in Seilschaften, Ego- oder Gruppenkriege zu verzetteln, sondern von der Sache und vom Gesamtwohl auszugehen. 

Wir werden Berufe bekommen, die 80 Prozent ihrer Zeit lesen, lernen und aktuell bleiben, während sie 20 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden, um ihr tiefes Nischenwissen in den verbliebenen Rumpfmannschaften der Firmen anzubringen.

Geht den Ursachen auf den Grund: Zukunftsforscher Händeler
Foto: Erik Händeler

Die Produktivität einer Gesellschaft hängt immer von der Realwirtschaft ab, also nicht von Aktienkursen oder Zinsentwicklung. Wovon hängt dann die Produktivität in der Wissensgesellschaft ab, sprich, was ist der reale, entscheidende Erfolgsfaktor, den Standorte ausmachen werden?

Kapital können Sie überall auf dem Globus leihen, und sei es in Saudi-Arabien; eine Maschine kann jeder überall kaufen, Wissen vom Internet herunterziehen, sich einen Spezialisten in Paris mieten, seine Produkte weltweit vermarkten. Der einzige entscheidende Unterscheid wird die Fähigkeit der Menschen vor Ort, mit Wissen produktiv umzugehen.

"Mit Befehlen kann man Wissensträger einschüchtern, aber sie werden ihr Bestes dann schön für sich behalten."

Und das ist immer Umgang mit anderen Menschen die man unterschiedlich gerne mag, kennt oder mit denen man unterschiedlich viele berechtigte Interessensgegensätze hat. Die Kultur des Zusammenwirkens entscheidet den weltweiten Standortwettbewerb. Das hat auch mit den religiösen Wurzeln in der Geistesgeschichte zu tun.

Unsere Hamburg-Frage:

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - und der ehrbare Hamburger Kaufmann ist dies seit nunmehr 800 Jahren. Welche Botschaft haben Sie an Hamburger Familienunternehmer und Politiker, damit die Wirtschaftshauptstadt Deutschlands auch in Zukunft erfolgreich bestehen kann?

Geht über den Eigennutz hinaus. Seid ehrlich über Eure Ziele und Eure Motivation, Streitet nicht zur Vernichtung des anderen, sondern um der Sache willen bezogen auf ein Projekt. Denkt langfristig. Produktiver Umgang mit Wissen benötigt Versöhnungsbereitschaft – wir werden es uns nicht leisten können, nicht mehr miteinander zu reden, wenn wir zerstritten sind. Leider streiten wir oft nicht, weil wir entweder schlecht streiten würden oder weil wir Status oder Positionen nicht in Frage stellen wollen. 

"Der einzig entscheidende Standortfaktor wird sein, wie groß die Fähigkeit der Menschen vor Ort ist, mit Informationen umzugehen."

Der Mensch möchte sich nicht ändern und will vor allem nur selbst bestätigt werden. Das ist zunehmend eine Wachstumsbremse. Ich bin da aber ein fröhlicher Marktwirtschaftler: Wer sich nicht an die neuen Regeln des produktiven Umgangs von Wissen zwischen Menschen anpasst, der ist halt weniger produktiv, bis der Buchhalter kommt und sagt: 'Oh, wir haben ein Problem …'


* * *

Herzlichen Dank für den visionären Ausblick!
Das Interview führte Thomas Keup

 Hamburg Digital Background: 

Vorstellung Erik Händeler mit Vortrag:
https://youtu.be/ELWXuIJUxfQ

Erik Händeler: Wie uns trotz Digitalisierung die Arbeit niemals ausgeht:
https://youtu.be/6nGnzoXOTBM

Fachbuch Erik Händeler: "Die Geschichte der Zukunft":
http://www.erik-haendeler.de/seiten/buch/zukunft.htm

"Wenn der Zyklus die Krise erklärt", SZ 2013:
www.erik-haendeler.de/download/sueddeutsche_zeitung_17-09-2013.pdf

Kondratieff-Zyklen in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklus