Mittwoch, 27. Juni 2018

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."

HAMBURG DIGITAL REPORT

Versicherungen und Flexibilität - zwei Welten treffen aufeinander. Assekuranzen und Kundenservice - passten noch nie so richtig zusammen. Der Grund liegt nicht nur in der Kultur Jahrhunderte alter Versicherungsvereine verborgen. Viele Versicherungen werden im eigenen Haus ausgebremst - von durchschnittlich 14 Jahre alten IT-Systemen, von 30 Jahre alten IT-Anwendungen ganz zu schweigen.



Ein junges Team aus fünf Ländern hat womöglich den Stein des Weisen gefunden - zumindest für die versteinerte Versicherungsbranche: eine Serviceplattform für smarte Produkte, flexiblen Vertrieb und die kundenorientierte Verwaltung. Was wie ein Grimmsches Märchen klingt, ist bei 100 neuen Versicherungprodukten bereits im Einsatz - made in Hamburg. Ein junger Hamburg Digital Report.


Mit Stallgeruch der Versicherungsbranche:
Jungunternehmer Nikolaus Sühr.
Foto: Kasko
Versicherungen sind ihm in die Wiege gelegt: Der 34-jährige Nikolaus Sühr hat früh Berührung mit dem Geschäft seines Vater, einem Spezialvermittler für Oldtimer-Versicherungen aus Lübeck. Nach seinem BWL-Studium in London fokussiert sich der Hamburger auf die Versicherungswirtschaft und das Risikomanagement. Er geht zum Industriemakler Funk, ist unter den ersten Trainees des Risikomanagers. Nach 2 Jahren wechselt er in die elterliche Firma, ist für Produktentwicklung und Marketing verantwortlich. Schnell stellt der Nachwuchs fest: "Ich habe kein Benzin im Blut."


"Lass uns doch mal was Richtiges machen!"


Er hat eine Idee: einen Versicherungsvergleich für Spezialpolicen - z. B. für Kunst oder Jäger. Mit seiner fortschrittlichen Vorstellung trifft er auf eine Branche aus der Analog-Zeit: Der Jungunternehmer stellt fest: es gibt weder digital aufbereitete Daten noch digital-vernetzte Prozesse. Die Zeit ist noch nicht reif. Nikolaus wechselt in eine Strategieberatung, kümmert sich um Finanzthemen. Doch es kribbelt weiter in seinen Fingern. Die Idee, etwas Eigenes zu gründen, lässt ihn nicht los. Nach ersten Testläufen mit einer App für Zitate kommt Geschäftspartner und Datenspezialist Mathew Wardle im Dezember 2014 auf den Punkt: "Lass uns doch mal was Richtiges machen!" 

Zwei Ideen verfolgen die in ihrer Studienzeit in Nothingham in einem Zimmer untergebrachten Nachwuchsunternehmer: 1. einen digitalen Policen-Makler á la "Knip", oder Versicherungspolicen für das Carsharing mit Privatfahrzeugen, z. B. via "Drivy". Neujahr 2015 trifft Nikolaus eine Entscheidung: "Ich gehe die Autogeschichte an". Beim Startup-Weekend an der WHU pitcht er seine Idee: "Kasko Drive" - und gewinnt die Challenge, mit Fremden an einem Wochenende ein Produkt zu entwickeln. "Kasko" geht den Startup-Weg: Die jungen Gründer pitchen vor Investoren, machen den 2. Platz an der Jakobs Universität in Bremen, gewinnen Coworking-Plätze im "Hubraum" der Telekom in Berlin.


"Da muss es doch was im Versicherungsbereich geben."

Partner Matt kündigt seinen gut bezahlten Job als IT-Spezialist, kommt nach Hamburg, arbeitet an der Technik für den Versicherungsservice. Im Frühjahr 2015 entscheiden sie sich für Seedcamp in London, wollen ihre Idee von Mai bis Juli auf die nächste Ebene heben. Anfang 2016 starten Sie einen Testlauf mit der Barmenia und Autoscout24. Die Produktidee: ein Versicherungsschutz für Probefahrten. Die Idee floppt: das Geschäftsmodell fliegt nicht wirklich. Der entscheidende Hinweis kommt von einem Produktentwickler der Basler Versicherung aus der Schweiz.


Produktbeispiel "Friday" Kfz-Versicherung mit Modulen
Screenshot: Kasko

Statt selbst Versicherungen zu verkaufen, wird Kasko zum technischen Dienstleister. Das Geschäftsmodell dreht sich. Aus dem digitalen Vermittler wird ein Tech-Service für die Versicherer: "Versicherer sind auch ein Vertriebskanal für uns", stellt Unternehmer Nikolaus fest. Die Assekuranzen haben ein Problem: Ihre IT-Systeme sind im Schnitt 14 Jahre alt, in der Spitze laufen bis zu 30 Jahre alte Cobol-Anwendungen in ihren Kellern. Während bei einer Bank im Schnitt ein Kreditsystem die Arbeit macht, werkeln bei Versicherern bis zu 25 Systeme parallel. 


"Es ist total unterschiedlich, ob es ein Handy, ein Laptop oder ein Pferd ist."

Nikolaus bringt die Herausforderungen auf den Punkt: komplexe IT-Systeme inkl. Altsysteme und komplexe Prozesse in Bestands- und Neugeschäft. Der Experte im Gespräch: "Für einen Versicherer ist es nicht wirtschaftlich, ein kundenorientiertes Produkt mit den bestehenden Prozessen und Systemen herauszubringen." Damit fasst der Kopf eines heute 20-köpfigen Teams seine mehr als 10-jährige Expertise zusammen. Mit flexiblen Geschäftsmodellen der Versicherer und bedarfsorientiertem Vertrieb on- oder offline hat das wenig zu tun. Geschweige mit der Nutzung von Daten.

Der lange Weg hat sich gelohnt: Die Studienfreunde und Jungunternehmer bauen eine Whitelabel-Plattform für Versicherungsprodukte - nutzbar für angestellte Agenten, freiberufliche Makler, Online-Aggregatoren, Vertrieb über Webseiten und diverse Vertriebskanäle, wie Banken oder Autohändler. Mehr als 500 verschiedene verschiedene Vertriebspartner arbeiten heute mit der Plattform. Aus 12-18 Monaten Einführungszeit inkl. IT-Anpassung werden 2-3 Wochen über den modularen Service aus Hamburg. 22 Produkte werden allein in 2017 eingeführt, über 100 Einführungen mit 20 verschiedenen Versicherungen in 6 europäischen Ländern sind es bis heute. 


"Wir müssen offen sein, denn der Prozess ist bei jedem ein bisschen anders."

Nikolaus Sühr ist nach all den Startup-Irrungen und -Wirrungen stolz auf das Geschäftmodell: "Wir bauen ein Frontend für Endkunden und Vertriebspartner. Wir bauen den Rechenkern für Tarife, Angebote und Anträge - inkl. Policierung, Zahlungsabwicklung und Kundenkommunikation." Das Ganze funktioniert auch für Omni-Channel-Lösungen, z. B. bei einer Sparkasse, einem Autohersteller oder einem Möbelhaus inkl. erforderlicher Datenintegration. Und damit Versicherungen richtig Spaß an der Lösung haben, ist die Verwaltung und das Management von Verträgen auf Wunsch mit dabei - einschließlich Schadensmeldungen und Adressänderungen.


Schweizer WG-Versicherung "Splitsurance" von der Allianz
Screenshot: Kasko

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit der Service-Plattform ist keine Integration in Altsysteme notwendig, die komplette Verwaltung der neuen Spezial-/Versicherung erfolgt stand alone. Die Zeit von der Entscheidung bis zur buchbaren Versicherung verringert sich auf 2-3 Wochen. Dazu kommt Flexibilität in der Anpassung und späteren Integration, wenn gewünscht. Mittlerweile beraten die jungen Hamburger Versicherungen bei der Umsetzung ihrer Produktideen, lizensieren ihr virtuelles System als Blaupause. Nikolaus formuliert es so: "Wir geben Euch Schaufeln an die Hand. Die Kosten nicht 500.000, €, sondern 5.000,- €. Jetzt schaufelt mal los!"


"Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."

Im Gespräch gibt er zu: "Wir profitieren von der Goldgräberstimmung. Und wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln." Hintergrund: Viele Versicherungen wollen neue Produkte auf den Markt bringen, wollen flexible Prozesse einführen und sich aus den Fängen ihrer IT befreien. Auf die Frage, warum sie soviel günstiger sein können, als klassische IT-Dienstleister mit großen Systemen, antwortet der Insurtech-Unternehmer: "Wir sind soviel günstiger, weil wir viele Sachen nicht machen. Das ist nicht sexy, aber es ist ein Geschäftsmodell." Mit Standorten in London, Hamburg und Riga sind sie international aufgestellt. 

Stellt sich die Frage, wer unter den jungen, flinken Startuppern zu leiden hat. Es sind vor allem interne IT-Abteilungen mit eigenen Entwicklungen, die sie unter Kontrolle haben wollen. Es sind Software-Häuser mit spezialisierten Fachanwendungen für die Versicherungswirtschaft und es sind IT-Systemhäuser, z. B. im SAP-Umfeld. Nikolaus ist stolz auf seine Technologie, denn "am Ende geht es um Kapazitäten". Und wieder einmal zeigt sich, dass die Kooperation mit einem etablierten Partner auch für junge Partner hilfreich sein kann. In diesem Fall ist es Häuser wie Barmenia oder Basler, die Kasko mit spannenden Projekten den Start ermöglichen und weiter begleiten.


Reiseversicherung von AXA Starling in Großbritannien.
Grafik: Kasko
Als Nächstes plant Nikolaus zusammen mit seinem Co-Founder Matthew Dataservices und ein Marktplatzmodell für Versicherungen. Dabei spielt trotz Startup-Anfängen seine langfristige Ausrichtung eine wichtige wichtige Rolle: "Mir geht's um die Freiheit zu entscheiden und dass es langfristig Sinn macht." Dabei hilft ihm auch sein "Stallgeruch" aus der Versicherungsbranche. Kein Wunder, dass Kasko auch ein Partner der noch jungen Hamburger "Insurtech Werft" der Agentur Alsterspree und der HSBA ist. Aber das ist unsere Insurtech-Geschichte in einer Woche.

 Hamburg Digital Background: 

KASKO - InsurTech as a Service:
www.kasko.io

Nikolaus Sühr bei Linkedin:
www.linkedin.com/in/nikolaussuehr/de/

InsurTech Werft: Alsterspree + HSBA:
https://insurtech-werft.de/

Sonntag, 24. Juni 2018

HANSEPERSONALITY Olaf Rotax: "Da muss mehr sein als das, was wir heute haben."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

20 Jahre digitaler Background, über 100 Transformationsprojekte in mehr als 50 Konzernen, Familienunternehmen und Startups. Mit der Erfahrung von tchibo.de, otto.de, shopping24.de, karstadt.de ist der gebürtige Hamburger Olaf Rotax ausgewiesener E-Commerce-Spezialist. Der Buchautor zur "Web-Exzellenz im E-Commerce" sieht sich jedoch als Generalist für die Transformation von Unternehmen.


Visionär mit klaren Vorstellungen: Olaf Rotax
Foto: dgroup
Seit 4 Jahren beschäftigt sich der 45-jährige Vater dreier Kinder mit der dgroup um Verständnis zu Wirtschaft und Technologien sowie Kultur und Politik Chinas, baut Brücken zwischen Berlin und Peking, Hamburg und Shanghai. Der Blick nach Osten eröffnet neue Perspektiven - zu Plattformen, Ecosystemen und künstlicher Intelligenz. Wo ist Europas Platz zwischen Darvinismus und Sozialismus? Ein Hamburg Digital Interview mit dem Visionär und Innovator Olaf Rotax:

Während Ihres Schülerpraktikums erlebten Sie mit 16 Jahren in einem großen Verlagshaus, dass hochspezialisierte Lochkartenprogrammierer auf Grund verjährter Kompetenzen in die Kantine versetzt wurden. Haben Sie sich an der FH Wedel zum Wirtschafts-Ingenieur ausbilden lassen, um als Generalist niemals in die Gefahr geraten, aussortiert zu werden und - bildlich gesprochen - in die Kantine versetzt zu werden?

Am Ende hat mich das Erlebnis sicherlich dazu gebracht, nicht nur auf die ursprünglich favorisierte Informatik und eine praxisnahe Ausbildung zu setzen. Viel entscheidender war aber, dass ich mich dadurch schon sehr früh mit Megatrends auseinandergesetzt habe, die unser Leben in Zukunft verändern können – und dabei stößt man zwangsläufig auf den Wirtschaftsingenieur als „Brückenbauer“ der Veränderungen und Disziplinen. Der damit verbundene Anspruch, dass dafür durchschnittliche Leistung nicht ausreicht, hat mich dann zusätzlich angespornt.

Trainee bei Tchibo, Nr. 4. mit E-Mail-Adresse @tchibo.de, Entrepreneur bei der Gründung von tchibo.de, Mitarbeiter Nr. 14 für "Neue Medien" bei otto.de, Gründer der E-Commerce-Agentur Mindwyse und der Beratungsfirma Diligenz, Gründer der Digitalberatung dgroup, nach der Übernahme Vorzeigeexperte bei Accenture, Brückenbauer zwischen Europa und China. Wann werden Sie mit Ihrem Erreichten zufrieden sein?

Zuerst einmal klar und deutlich: Das klingt nach einem klaren Plan von Anfang an, ist aber eine Kombination aus Chance, Glück und sicherlich dem Streben nach „da muss mehr sein, als das, was wir heute haben“. Ich habe früh Chancen bekommen, mich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen und die Freiheiten erhalten, diese dann auch konsequent zu verfolgen. Dafür bin ich meinen Führungskräften in den ersten 10 Jahren meiner Entwicklung sehr dankbar – dabei bin ich hier sicherlich nicht immer nur den „eingetretenen“ Weg gegangen, durfte auch mal Fehler machen. 


Olaf Rotax - Gründer und Geschäftsführer der dgroup
Foto: dgroup
Die Selbständigkeit und der gemeinsame Firmenaufbau mit meinen Partnern hat mich dann erst einmal Demut gelehrt, aber ebenso wieder bestärkt, dass beim Zusammenkommen einer klaren Vision und eines starken Teams fast alles möglich ist. Plus die Erkenntnis nach fast 20 Jahren Auseinandersetzung mit „What‘s Next“ – was viele heute mit Digitaler Transformation gleichsetzen - dass ich mich noch einmal verändern muss, wenn ich die Zukunft wirklich aktiv gestalten möchte. 

Zufrieden werde ich realistisch sein, wenn ich dazu beigetragen habe, für meine drei Kinder das Gute von heute mit dem Neuen von Morgen verbunden zu haben. Ich habe eine klar positive Vision unserer Zukunft und möchte sicherstellen, dass diese auch so eintritt.



Sämtliche intellektuellen Modelle, die heute z. B. von Startups umgesetzt werden, stammen aus der Zeit zwischen 1998 und 2000, z. B. Online-Bestellungen, Abo-Modelle über das Netz oder Vermittlungsplattformen. Gibt es überhaupt eine wirklich neue Methode, wenn selbst "KI" bereits 1956 erstmals beschrieben wurde. Ist das alles nur "alter Wein in neuen Schläuchen"?


Ein sehr fairer Punkt. Intellektuell wurde „Digital“ zwischen 1995 und 2000 quasi vollständig durchdacht, wenn auch auf Basis damaliger Technologie und ihrer entsprechenden Adaption. Was wir heute sehen, ist tatsächlich auf dem Meta-Level gleich zu dem vor 20 Jahren, aber eben der aktuellen Technologie und verzögert laufend technologischer Adaption angepasst. Die kurzfristige Veränderung zur Kernvision der Zukunft um 2000 wurde unterschätzt, die langfristige Wahrscheinlichkeit der dann iterierten Vision wird aber nach wie vor unterschätzt. 

Wie schnell dann Veränderung ablaufen kann, können wir aktuell am besten in China beobachten, wenn eine Nation aktuell einfach eine Stufe in der Entwicklung überspringt. Und die aktuelle Erkenntnis, dass Spitzenleistung und Innovation eigene Organisationsformen braucht, ist eigentlich auch bereits seit Jahrzehnten und nicht erst seit ein paar Jahren bekannt. Ich möchte es mal so ausdrücken: 


Alle Einzelteile waren eigentlich schon immer da – sie werden aktuell nur neu geordnet und mit neuen Methoden zusammengebaut.

Seit rd. 5 Jahren kommen die Innovationen zunehmend aus China. Alibaba will ein voll automatisches Lager in Hamburg errichten. Sie haben im vergangenen Jahr mit dem "D20 Sino-German Digital Leadership Forum" eine Brücke zwischen Hamburg und Hangzhou, zwischen Deutschland und China gebaut. Warum sollten wir uns auf den "Silicon Dragon" einlassen?

Wenn es um (digitale) Trends geht, haben wir uns angewöhnt, zunächst nach Westen ins Silicon Valley zu schauen. Das ist nach wie vor nicht vollkommen falsch, aber definitiv nicht mehr ausreichend. China verbinden wir wiederum viel zu sehr mit einem Niedriglohn-Produktionsland oder großen Entwicklungsabsatzmarkt für unsere westlichen Produkte. 


Weiß, was in China online, mobil und digital passiert.
Foto: dgroup
Was wir lange Zeit übersehen haben ist, dass China zwar am Anfang gut kopiert hat, aber längst mit hoher Agilität iteriert und weiterentwickelt. WeChat ist keine WhatsApp-Kopie, sondern WhatsApp plus Paypal plus Amazon plus X – WeChat ist ein neuartiges Ecosystem, dass jetzt wiederum von WhatsApp und Facebook teilweise kopiert wird.  Bei der technologischen Adaption hat China die Entwicklung der letzten Jahre bei uns einfach übersprungen – Online Retail ist bereits größer als der klassische Retail und das „New-Retail-Konzept“ aus China wird realistisch ein weiteres Role-Model auch im Westen werden. 

Die alles entscheidende Frage wird sein: wird es auch „echte“ Innovation aus China geben? Die Zeichen stehen dabei sehr positiv – bei Future Mobility, Future Banking, New Retail und Technologien wie Quantum Computing, AI und Blockchain ist China bereits auf Augenhöhe und zum Teil führend. 


Wer also Zukunft gestalten möchte, sollte sich auf den „Silicon Dragon“ einlassen!

Europa steckt in der Zwickmühle: Einerseits die Vereinigten Staaten mit den GAFAs (Google, Apple, Facebook, Amazon), andererseits China mit den BAT-Riesen Baidoo (Suche), Alibaba (E-Commerce) und Tencent (u.a. WeChat-Services). Auf beiden Seiten massive Anstrengungen in datenbasierte Geschäftsmodelle. Wie kommt das zersplitterte Europa aus dieser Zwickmühle heraus?


Klare Worte, klare Perspektiven: Wie soll unsere Zukunft aussehen?
Foto: dgroup
Zunächst einmal muss man sich klarmachen, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum es keine „dritte Lösung“ aus Europa geben sollte. Mir persönlich würde eine pluralistische Welt mit Alternativen besser gefallen als eine Welt, in der nicht zwangsläufig europäische Werte im Vordergrund stehen. Gleichzeitig ist aber auch eine realistische Einschätzung, dass kein Einzelspieler aus Europa in der Lage sein wird eine echte Alternative zu den skalierenden aktuellen Eco-Systemen aufzubauen, von Nöten. 

Es ist uns bereits einmal gelungen beim ursprünglichen Aufbau der Europäischen Union Einzelinteressen zu Gunsten eines größeren Ganzen zurückzustellen – jetzt müssen wir zeigen, dass wir trotz aktueller wiedererstarktem Eigeninteressenfokus gemeinsam etwas sehr Lohnenswertes schaffen können, denn wie bereits gesagt – die kurzfristige Auswirkung von GAFA und BAT auf unsere Wirtschaft und Werte wird vielleicht zum Teil überschätzt, die langfristige Wirkung ohne Veränderung bei uns aber sehr naiv unterschätzt. 


Wir brauchen – wie übrigens vorbildlich orchestriert und gemanagt in China – eine digitale Zukunftsvision von Europa als drittem Eco-System neben GAFA und BAT.

Die Entwicklung geht vom klassischen Geschäftsmodell zur offenen Plattform, daraus zum umfassenden Eco-System und über allem steht eine konsolidierende Künstliche Intelligenz (AI). Sie sagen: die GAFAs werden bei der Datenauswertung zusammenarbeiten, im chinesischen System ist dies keine Frage. Was bedeutet es für international agierende Player aus Deutschland und Europa, wenn alles auf Artificial Intelligence hinausläuft?

Lassen Sie es mich so sagen: Weder die USA noch China überlassen die Entwicklung zum Aufbau des AI Meta-Ecosystems dem Zufall oder der reinen freien Marktentwicklung. Eine Dualität aus Förderung, Lenkung und Protektionismus eigener Lösungen ermöglicht es neuen Spielern, kritische Masse zu entwickeln und diese effektiv einzusetzen. Beide Faktoren werden bei uns in Europa viel zu wenig koordiniert und viel zu wenig auf ein klares Ziel gerichtet angewendet. Das Spiel um die Führungsplätze in der neuen Weltliga AI wird im Doppelpass zwischen Politik und Wirtschaft und mit hohem Einsatz gespielt. 


Hat eine konkrete Idee für das datenbasierte Europa.
Foto; dgroup
Für das Einzelunternehmen mache ich gerne folgende bewusst vereinfachte Rechnung auf: Der Aufbau eines wirklich relevanten und überlebensfähigen dritten AI Meta-Ecosystems wird vermutlich über die nächsten 10 Jahre mehr als 1.000 Milliarden kosten. Kein Einzelunternehmen wird diese Mittel alleine aufbringen können. 1.000 Unternehmen mit jeweils 1 Milliarde in einer neuen Art von "Genossenschaft" könnten das aber erreichen. Aktuell sind es diese 1.000 Unternehmen, die entscheiden müssen, ob sie mit ihren aktuellen Daten lieber für kurzfristigen Erfolg die AI der bestehenden Eco-Systeme GAFA und BAT füttern wollen oder den „Rohstoff der Zukunft Daten“ für eine eigene gemeinschaftliche Plattform einzusetzen.

Zu guter Letzt unser Hamburg-Frage: Sie sind gebürtiger Hamburger, leben heute mit ihrer Familie in Rellingen bei Pinneberg. Sie haben fast 10 Jahre für Tchibo und Otto das Online-Geschäft aufgebaut. Hand aufs Herz: Wie gut ist die Hamburger Wirtschaft aus Ihrer Sicht auf die digital-vernetzte Daten-Zukunft vorbereitet? Der Medienstandort ist bekanntermaßen bereits verloren das Marketing ist eine globale Disziplin. Wo hat die Hamburger Wirtschaft deutlichen Nachholbedarf?

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass wir noch in keiner Disziplin aus meiner Sicht final verloren haben, auch wenn in der zweiten Halbzeit schon einige Zeit verstrichen ist, wir nicht vorne liegen und nun das Spiel umstellen müssen. Am Ende sind es drei Dinge, die ich mir wünschen würde: 

1. Mehr Mut für echte disruptive Visionen für unsere Stadt genauso, wie für die hier führenden Unternehmen – Wir werden zwar noch Jahre vom Erreichten profitieren, aber müssen heute bereits den Grundstein für die nächste Generation von digitalisierten Geschäftsmodellen legen 


Zwei, die Brücken bauen: Petra Vorsteher (Smaato) und Olaf Rotax.
Foto: dgroup
2. Mehr Kooperation zwischen den Unternehmen und der Regierungsseite – keiner wird das Ziel alleine erreichen und unsere historische Partnerschaft zwischen Hamburg und China wird eine wichtige Brücke für uns sein 

3. Mehr Fokus auf Agilität – unsere Welt wird sich immer schneller verändern und die meisten Unternehmen sind nach wie vor für ein relativ stabiles Umfeld organisiert – eine exponentielle Zukunft braucht aber exponentielle Unternehmensorganisationen.

*  *  *

Herzlichen Dank für die zukunftsweisenden Antworten!
Das Interview führte Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Xing - Business-Profil von Olaf Rotax:
https://www.xing.com/profile/Olaf_Rotax/

Turi2 - Homescreen von Olaf Rotax:
http://www.turi2.de/allgemein/mein-homescreen-olaf-rotax/

dgroup - Ein Unternehmen von Accenture:
www.dgroup.com

Mittwoch, 20. Juni 2018

HANSEWORKLIFE: Die 4. Dimension der Digitalisierung.

Kulturwandel, Neue Arbeit, Arbeitswelt 4.0: Keine Woche vergeht in Deutschlands Metropolen ohne eine Konferenz zur Zukunft der Arbeit.  In Hamburg adressiert das Business-Netzwerk Xing das Thema mit Konferenzen, Diskussionen und Fachbeiträgen. Die Otto Group hat für Ihre 50.000 Mitarbeiter den Kulturwandel 4.0 eingeführt. Es tut sich was an Deutschlands Arbeitsmarkt. Zeit, sich näher mit dem Phänomen zu beschäftigen.


Dr. Jutta Rump ist Professorin für Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen. Die Expertin warnt: Jetzt werden die mittleren Qualifikationen abgeschafft, z. B. Ärzte, Anwälte und Steuerberater. Bis zu 40% der Arbeitsplätze in der westlichen Welt könnten wegfallen, sagen Forscher. Am Dienstag-Abend war die mehrfache Autorin Gast im IT Executive Club Hamburg. HANSEVALLEY traf die engagierte Arbeitsmarkt-Expertin. Ein Hamburg Digital Report.

Expertin für die Arbeitswelt: Prof. Dr. Jutta Rump
Foto: Hochschule Ludwigshafen
Controlling im Konzern, Risikomanagement in der Kreditabteilung, Befundung von MRT-Bildern in der Radiologie - immer wenn es um manuelle oder kognitive Routinen geht, sind IT-Systeme und künstliche Intelligenz schneller, genauer, effektiver. "Wir verschwenden keine Zeit mehr in Routinen", fasst es die Wirtschaftswissenschaftlerin und langjährige Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability der Hochschule Ludwigshafen zusammen. Seit mehr als 18 Jahren ist sie im Thema - weiß, wohin die Reise geht.

4 Ebenen sieht Prof. Dr. Rump im Wandel: Technologien, Geschäftsmodellen und Wertschöpfungen sowie den Faktor Mensch: Auf der Mikroebene stellt sich die Frage: Wie sehen veränderte Arbeitswelten und künftige Arbeitsplätze aus? Auf der Mesoebene geht es für die Spitzen-Wissenschaftlerin um die Veränderungen in Betrieben und künftige Modelle der Führung. Auf der Makroebene beleuchtet sie den Arbeitsmarkt und die Effekte durch die Umbrüche. Und schließlich fokussiert sie auf der Metaebene auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, einschließlich rechtlicher Rahmenbedingungen und der Mitbestimmung.

50 Handlungsfelder sind durch die Digitalisierung betroffen

"Die Digitalisierung ist in allen Bereichen angekommen", fasst die bundesweit engagierte Wissenschaftlerin zusammen. Ob Bundesregierung oder Arbeitsministerium, ob Industrie- oder Arbeitgeberverband, ob Caritas oder DAK, Robert Bosch- oder Randstad-Stiftung - ihre Expertise ist gefragt, Ihr Wort wird gehört. Eine der wichtigsten Aussagen der Wahl-Ludwigshafenerin: "Ich glaube nicht, dass die Betriebe die Mitarbeiter gehen lassen werden." Als positives Beispiel, die nächste Krise zu meistern, nennt Sie die Kurzarbeiterregelung von Ende 2008 bis 2010.

"Es ist eine Chance, gestärkt da rauszugehen", diktiert uns die sympathische Expertin in den Block. Statt die mittleren Qualifikationen auszusortieren, sollten die Firmen sie in der Transformation an Board behalten, Mitarbeiter auf die nächste Stufe qualifizieren und die Arbeitswelt professionell umbauen. Dabei geht es für die Arbeitsmarktexpertin um eine "Weiterbildung gemäß Kompetenzprofilen". Alle über einen Kamm zu scheren, wird aus Ihrer Sicht nicht mehr helfen, und das hat einen guten Grund:

Rump: "In Deutschland auf sehr gute Art und Weise vorgearbeitet"

Hamburgs Digital- und IT-Strategen im IT Executive Club
Foto: HANSEVALLEY
Die Expertin sieht in Deutschland eine breite Diskussion zu "Arbeit 4.0". In der Bundesrepublik werde nicht nur über Software, Organisationen und Prozessketten diskutiert. "Wir haben die perfekte Basis, um die Digitalisierung großflächig in der Wirtschaft einzuführen", ist sich die Gastrednerin des IT Executive Clubs sicher. Rump verweist auf 20 Jahre Optimierung, Rationalisierung und - besonders wichtig - Dokumentation in unseren Geschäftsprozessketten. "Andere wissen nicht, was sie in Software und Algorithmen einprogrammieren sollen." Vielleicht stellen wir Deutschen unser Licht mal wieder unter den Scheffel.

Automatisierung sei hier zulande gut möglich, fasst Prof. Dr. Jutta Rump zusammen. Sie lobt politische Stabilität und einen rechtlich verlässlichen Rahmen, die EU-weite Sicherheit der Daten, sehr gute Infrastrukturen und objektive Sicherheit für Unternehmen, ein gutes Bildungsniveau und geringe Fluktuation im Arbeitsmarkt. "Irgendwann werden die Arbeitsplätze, die eine Reise in Richtung Osten unternommen haben, wieder zurückkommen", hochautomatisiert, mit 3D Druck und Laserschweissen, in Mikrofabriken und klimatisch guten Bedingungen sowie ohne große Transportkosten zu den Kunden. Was heißt das für unseren Arbeitsmarkt?

Planen und Entwickeln, Beraten, Organisieren und Probleme lösen im Fokus 

Zukunftsforscher Erik Händeler
Foto: Günther Lintl
In Zukunft geht es um die Gestaltung von Prozessen, nicht um das Malen von Prozesstapeten, um das Programmieren von Routinen, nicht um das Ausführen stupider Fließbandarbeit. Wenn gleichbleibende Muster von Maschinen ausgeführt werden, muss es Menschen geben, die diese Muster bei Bedarf brechen. Und eines der Schlüsselthemen wird die soziale Interaktion. Zukunftsforscher Erik Haendeler brachte im Hamburg Digital Interview auf den Punkt: "Wohlstand ist in Zukunft nicht, noch härter zu arbeiten, sondern sich besser auszutauschen." 

Jutta Rump sieht als Notwendigkeit kluge Investitionen in die Zukunft - und die Notwendigkeit, die Menschen mitzunehmen auf die Reise. Das Ergebnis wären völlig neue Möglichkeiten: neue Erfindungen, neue Geschäftsmodelle, neue Arbeitsplätze. Für die Professorin geht es um kreatives Agieren, die Zeit sinnstiftend zu nutzen und die eigenen Stärken auszuleben. "Wenn man sich das klarmacht, das neue Geschäftsfelder, neue Tätigkeiten, neue Beschäftigung neue Zufriedenheit möglich machen"; schwärmt die Optimistin im Interview.

Schaut man objektiv über die vergangenen Jahrzehnte, ist unsere Arbeit in vielen Bereichen körperlich leichter und zugleich intellektuell anspruchsvoller geworden, ist unser Wohlstand auf breiter Front gewachsen und die Entwicklungsmöglichkeiten in Deutschland, Europa und weltweit gestiegen. So gesehen könnte Prof. Dr. Jutta Rump Recht haben, wenn Sie betont, dass die Arbeitwelt 4.0 "kein Horrorszenario" sein wird, wenn man den Wandel von alten zu neuen Arbeitsplätzen aktiv managt.

Hamburg Digital Reports:

HANSEPERSONALITY Erik Haendeler:
Wohlstand ist in Zukunft, sich besser auszutauschen.

Hamburg Digital Background:

Xing.de - Prof. Dr. Jutta Rump im Profil:

IBE Ludwigshafen - Leitung Prof. Dr. Jutta Rump:

IT Executive Club by Hamburg@work:

Sonntag, 17. Juni 2018

HANSEPERSONALITY Christian Pfromm: Digitalisierung ist Chefsache!

HAMBIRG DIGITAL INTERVIEW

Deutschlands Metropolen stehen im Wettbewerb: Modernste Forschung mit den klügsten Köpfen, starke Wirtschaft und erstklassige Infrastruktur, attraktive Jobs und gute Lebensbedingungen. Startups gehen nach Berlin, Tech-Companies nach München. Hamburg muss Tempo machen. Die Bahn schließt die Wirtschaftsmetropole noch schneller an die Hauptstadt an. Der Druck auf die Freie und Hansestadt wächst, die Digitalisierung wartet nicht.


Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Der Senat hat mit "Digitaler Stadt", "Digital First", intelligentem Verkehr und einem Chief Digital Officer Weichen gestellt. Jetzt kommt's drauf an: Wacht Helmut Schmidts "schöne Schlafende" endlich auf - oder "verpennt" sie es, wie es der Berliner sagt? Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm steht exklusiv Rede und Antwort, was auf der Brücke und im Maschinenraum der Digitalen und Hansestadt geplant ist. Ein Hamburg Digital Interview:

HAMBURG DIGITAL SERVICES:


Digital First-Plattform, Service-Konto und neue Dienste:

Staatsrat Dr. Christoph Krupp hat für den Herbst die "Digital First"-Plattform als Ablösung für das bisherig Behördenportal "Hamburg Gateway" angekündigt. 18,6 Mio. € hat die Bürgerschaft 2018 dafür bereitgestellt. Jeder Hamburger soll seine Behördengänge in Zukunft mit einem "Service-Konto" online erledigen können. Wie funktioniert die Plattform und was dürfen die Hamburger an neuen Möglichkeiten erwarten?

Über die neue Plattform "Digital First" werden die Hamburgerinnen und Hamburger neue und alte Online-Services der Stadt erreichen können. Als neue Services erarbeiten wir beispielsweise gerade die „Asbestmeldung“, die von Unternehmen bei Bauvorhaben abgegeben werden muss, falls eine Asbestbelastung vorliegt. Für Bürgerinnen und Bürger gibt es den Anwohnerparkausweis als neuen Online-Service. Und wir haben für dieses Jahr noch andere Angebote in der Pipeline, zum Beispiel die Themen Wohnraumschutz, Bewilligung von Sonn- und Feiertagsarbeit oder die Trassengenehmigung, die unter anderem für den Breitbandausbau relevant ist. 

Von der neuen Plattform-Technik selbst „sieht“ der Nutzer zunächst mal relativ wenig. Zwar überarbeiten wir auch die Nutzeroberflächen, vor allem aber erneuern wir auf der Plattform Funktionalitäten, über die sich Bürgerinnen und Bürger auch heute schon mit einer einmaligen Registrierung für das Service-Konto anmelden, den passenden Online-Service finden und wir den Datenverkehr zwischen den Online-Services und den jeweiligen städtischen Fachverfahren organisieren können. 


Wenn wir noch einen Stock tiefer im Maschinenraum hinabsteigen, geht es darum, dass wir mit der Plattform einen wichtigen Schritt in Richtung modularer IT gehen. Wenn ein Zahnrad hakt, müssen wir nicht gleich den ganzen Motor austauschen. Und bestimmte Funktionalitäten, wie zum Beispiel die Bezahlfunktion, werden einmal programmiert und vielfach wiederverwendet. So sparen wir Ressourcen und können Teilbereiche leichter modernisieren. Das kann uns auch bei der Umsetzung des OZG helfen. 


Kooperation mit Schleswig-Holstein und neue Dienste:

Peter Tschentscher und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther haben Ende Mai d. J. eine weitergehende Kooperation bei Digitalthemen verabredet. Im Mittelpunkt: Die Zusammenarbeit bei länderüberschreitenden Projekten. Hier werden u. a. die Themen Bildung, Daten und IT-Plattformen adressiert. Butter bei die Fische: Was soll künftig zusammen gemacht werden?

Schleswig-Holstein und Hamburg haben mit Dataport denselben IT-Dienstleister und arbeiten beim Service-Konto schon lange zusammen. Also haben wir uns verabredet, das „Interoperable Servicekonto für Norddeutschland“ weiterzuentwickeln. Darüber sollen Online-Services – also Verwaltungsdienstleistungen, die Sie übers Internet erreichen – gut zugänglich und leicht auffindbar sein. Egal, ob der für Sie relevante Service von Hamburg oder Schleswig-Holstein angeboten wird.

Außerdem müssen Online-Services so gestaltet sein, dass sie für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen intuitiv nutzbar sind. Daher werden wir in einer Entwicklungspartnerschaft die Nutzerperspektive ins Zentrum rücken und moderne technologische und methodische Ansätze wie zum Beispiel „Design Thinking“ anwenden. Schließlich erweitern wir den Zugang zum telefonischen Hamburg-Service um einen weiteren Kanal. In Hamburg projektieren wir hierzu in den kommenden zwei Jahren einen textbasierten Chatbot. Auch die hieraus gewonnen Erkenntnisse werden wir mit Schleswig Holstein in einer Kooperation teilen und vertiefen. 

Richtig verstandene Digitalisierung umfasst außerdem stets Prozessoptimierungen. Eine wichtige Grundlage im Baubereich bilden hierbei die Standards "XPlanung" und "XBau". Mit ihnen ist der Grundstein für die Etablierung digitaler Prozessketten im Bau- und Planungsbereich gelegt. Dies wollen wir nutzen und bis spätestens Ende 2018 eine Kooperationsvereinbarung abschließen und konkrete Schritte vereinbaren, die darauf abzielen, eine gemeinsame Planungsplattform zu entwickeln, Daten entsprechend auszutauschen und damit den Planungsprozess zu verbessern. Das erleichtert länderübergreifende Beteiligungsverfahren, bei denen regelmäßig die Einbeziehung der jeweils angrenzenden Gemeinden notwendig ist.

Schließlich werden wir bei der digitalen Bildung mit Blick auf eine eLearning Plattform zusammenarbeiten und entwickeln die Schulverwaltungssoftware weiter. Und im Bereich Beihilfe haben wir ganz unabhängig von der gemeinsamen Kabinettssitzung eine enge Kooperation vereinbart. 


Onlinezugangsverbesserungsgesetz und die Umsetzung:

Das Onlinezugangsverbesserungsgesetz (OZG) verpflichtet Sie, in 5 Jahren alle relevanten Bürgerservices auf kommunaler, Landes- und Bundesebene online bereitzustellen. Hand aufs Herz: Wie ist Hamburgs IT- & Digitalstrategie aufgestellt, 2022 nicht die "rote Laterne" der Republik zu tragen? Wie kann diese Mammutaufgabe gepackt werden?


Die Umsetzung des OZG ist eine Aufgabe, die alle Länder und auch den Bund vor erhebliche Herausforderungen stellt. Wenn wir das nicht umsetzungsorientiert, stringent und gemeinsam angehen, hält am Ende ganz Deutschland die rote Laterne in der Hand. Nicht nur ein einzelnes Land. 

Was sehr gut ist: Durch das Online-Zugangsgesetz wird das Thema der Nutzung von Online-Diensten ganzheitlich angegangen. Stichworte sind hier der Portalverbund mit "Online-Gateway" oder die bereits genannten interoperablen Servicekonten und zugehörigen Digitalisierungsprogramme.

Wenn wir auf Hamburg schauen wollen, sehe ich uns mit dem bestehenden Portal für Online-Dienste gut gerüstet. Außerdem wird dies von "Digital First" wie beschrieben modernisiert. "Digital First" hilft uns auch, vom Nutzer aus konzipierte Online-Services zu entwickeln. Und Dienste wie die Asbestmeldung könnten aufgrund ihres bundeseinheitlichen Charakters sogar von anderen Ländern übernommen werden. 

Den kooperativen Ansatz unterstützen wir, in dem Hamburg auf Bundesebene bei der Entwicklung des "Online-Gateways" mitarbeitet. 

HAMBURG DIGITAL VERWALTUNG:


Digitale Zuständigkeiten in der Hamburger Verwaltung:

Mit Ihnen gibt es 5 CDOs in der Verwaltung, neben der Senatskanzlei auch in der Wirtschafts- und in der Wissenschaftsbehörde, der Bildungsbehörde sowie gemeinsamen in der Stadtentwicklungs- und Umweltbehörde. Macht es Sinn, dass jede Verwaltung ihren eigenen CDO hat? Birgt dies nicht die Gefahr, das jedes Haus Digitalisierung auf eigene Faust unternimmt?

Wir haben uns in Hamburg entschieden, bei Digitalisierungsvorhaben auf zentrale Steuerung und dezentrale Umsetzung zu bauen. Das bedeutet für mich insbesondere, die Behörden zu befähigen, den Veränderungsprozess, den ich strukturiere und anstoße im Rahmen ihrer Ressortverantwortung auch umzusetzen. 

Das gilt natürlich auch für die CDOs der Behörden und die IT-Beauftragten. Die Kollegen in den Behörden sind für mich daher wichtige Partner, um unser gemeinsames Thema – nämlich die Digitalisierung – in den städtischen Einrichtungen zu verankern und voranzubringen. 

Folgerichtig ist mit dem neuen Amt auch eine zentrale Steuerung etabliert worden. Das heißt Leitplanken zu setzen und Priorisierungen festzulegen, etwa in den Bereichen IT-Planung und Controlling, Nutzerzentrierung bei Online-Services, Projektgrundsätze, zentrale IT-Architekturen oder "Digitale Stadt". Hier braucht es eine zentrale Stelle, die die Fäden in Händen hält und auch mal die Richtung vorgibt. 

Öffentliches Projektmanagement und Aktualisierung:

Ende Mai waren "fehlende Instrumente und Mechanismen im IT-Projektmanagement" im "Abendlichen Blätterwald" zu hören. Für alle IT-Projekte ab 350.000,- € gilt die "Verwaltungs-Vorschrift IT" von Dezember 2015. Wie gut ist das IT-Management in der FHH aufgestellt, gibt es eine übergeordnete Koordinierung und sind neue - agile - Methoden ein Thema?

Die Themen, die Sie ansprechen, liegen genau in meiner Zuständigkeit als CDO der Stadt. Und natürlich sind Projektmanagement und agile Methoden für uns ein Thema. Die VV IT-Projekte wird genau vor diesem Hintergrund weiterentwickelt. Neben der notwendigen Anpassung von Verwaltungsvorschriften brauchen wir aber auch eine geänderte Haltung, ein anderes „Mindset“ zum Thema Projekt- und Kostenmanagement. 

Lenkungsausschüsse müssen beispielsweise häufiger tagen und präziser prüfen, ob die Projektparameter noch stimmen. Wir planen Projekte in kleineren Schritten, um die leidvollen Erfahrungen mit Mammutprojekten in Zukunft möglichst zu vermeiden. Als zentrale Einheit stellen wir den Behörden außerdem Mitarbeiter aus unserem IT-Projektpool mit dem entsprechenden Projekt-Know-How zur Verfügung. 


Nachwuchskräfte in der IT- & Digitalverwaltung:

Zusammen mit Dataport und den 70 Mitarbeitern Ihrer Behörde in der Senatskanzlei arbeiten rd. 1.300 Mann in den Bereichen Hardware, Software und Services für die Stadt Hamburg. In der Hamburger "Welt-Presse" werden zusätzliche Kräfte angemahnt, z. B. für neue Verfahren. Kann ein duales Studium die Lösung sein? Welchen Ansatz der IT-Personalpolitik fahren Sie?

Wie es sich für so ein vielfältiges und zentrales Thema gehört, ist es bei uns Chefsache und wir verfolgen verschiedene Ansätze. So kooperieren wir sehr eng mit dem Personalamt – auch mit dem Thema duales Studium befassen wir uns. Wir haben in Hamburg seit 2004 Dataport als zentralen IT-Dienstleister etabliert. Damit ist eine Vielzahl der von Ihnen angesprochenen Skills bei unserem IT-Dienstleister vorhanden. Gleichwohl benötigen wir noch in vielen Bereichen der FHH „echte ITler“. 

Bei der Debatte kommt mir manchmal zu kurz, dass wir nicht mehr „nur“ über den klassischen IT-Techniker bzw. Informatiker sprechen. Vielmehr wandeln sich auch die Anforderungen an das Personal, das die zahlreichen Digitalisierungsvorhaben gestalten soll. Wir brauchen immer mehr IT-Manager, die sich mit den prozess- oder auch datenbezogenen Komponenten von Digitalisierungsprojekten befassen. Das ist ganz etwas anderes als klassische IT. Wenn wir dies umsetzen, können wir Prozesse neu denken und gestalten. Und eben nicht nur die Technik.

HAMBURG DIGITAL PERSPEKTIVEN:


Die Digitale und Hansestadt Hamburg in der vernetzten Welt:

Mit Ihrem Amtsantritt sind Sie für die "Digitale Stadt" verantwortlich geworden. Bei der Digitalisierung geht es um Geschäftsprozesse, Technologien und Digitale Services. Wo sehen Sie Ihre zentralen Aufgaben als CDO der Stadt und wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die FHH - nach innen wie nach außen?

Über viele inhaltliche Aspekte haben wir ja schon gesprochen: Digital First, das OZG, IT-Personal oder Projektmanagement und -controlling. All diese Themen stehen auf meiner Agenda. Darüber hinaus ist Digitalisierung ein tiefgreifender Veränderungsprozess, den wir aus dem neuen Amt auch kommunikativ begleiten müssen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt mitzunehmen. 

Bei den vielfältigen Vorhaben der Digitalen Stadt geht es somit um eine ganzheitliche Perspektive über die verschiedenen Themenfelder hinweg, wenn wir nicht nur die Verwaltung digitalisieren wollen, sondern auch andere Bereiche städtischen Lebens.

Wir brauchen die Brücke in die jeweilige Fachlichkeit, um Antworten auf die Frage zu finden: Wie verändern sich Schule, Universitäten, Verkehr und Mobilität oder Kultur in einer digitalisierten Welt, in der digitalen Stadt Hamburg? Auch hierfür sind wir auf Expertise und Verantwortlichkeit in den einzelnen Häusern angewiesen. Wir befassen uns auch mit neuen Technologien. Dafür brauchen wir Partner in Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um Lösungen zu finden, die unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen helfen. 

Mit der Strategie zu Intelligenten Transportsystemen (ITS), der Hamburg Open Online University oder der eCulture-Agenda haben wir schon gute erste Antworten gefunden. Diese und andere Initiativen müssen wir vertiefen, untereinander koordinieren und gesamtstädtisch präsenter machen. 


Glasfaserausbau in Hamburg und CDO-Unterstützung:

71% aller Haushalte - u. a. die SAGA-Wohnungen - sind mit "Fiber to the Home" angebunden. Peter Tschentscher will einen runden Tisch mit Telekom, Vodafone & Co. einberufen, damit auch die Gewerbegebiete z. B. im Hafen - angebunden werden. Das Thema liegt in der Kultur- und Medienbehörde. Was können Sie dazu beitragen, dass es keinen "Heldentot" stirbt, wie Breitband auf dem Land?

Das Thema ist bei den Kolleginnen und Kollegen in der Behörde für Kultur und Medien gut aufgehoben und die Position des Ersten Bürgermeisters gibt ja einen guten Hinweis auf dessen Stellenwert. 

Auch wir wissen natürlich: Ohne Glasfaser keine ordentliche Digitalisierung in der Stadt. Entsprechend unterstützen wir aus meinem Amt heraus. Etwa mit der Implementierung der Trassengenehmigung in DigitalFirst. Diese Genehmigungen brauchen die jeweiligen Unternehmen für die notwendigen Tiefbauarbeiten. 

Unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie sind ein halbes Jahr als "Chefdigitalisierer" der Stadt Hamburg im Amt, waren zuvor mehr als 6 Jahre verantwortlich für IT und Strategie der BHF-Bank in Frankfurt. Hand aufs Herz: Was läuft in IT und Digitalisierung der Freien und Hansestadt intern und extern richtig gut - und wo wünschen Sie sich noch ein bisschen mehr Dynamik?

Gut ist: Wir haben in der Stadt viele spannende IT- und Digitalisierungsvorhaben und sind konsequent dabei, uns perspektivisch noch besser aufzustellen. Greifbare Beispiele dafür werden die weiteren Online-Services von "Digital First" sein, von denen ich schon einige genannt habe. Und ich merke, dass sich wirklich viele Kolleginnen und Kollegen als Unterstützer erweisen. Dort wo noch Vorbehalte und Unsicherheiten bestehen, möchte ich diese abbauen – im besten Fall vollständig. 

Zudem bin ich gespannt, welche Lösungen beim Weltkongress zu Intelligenten Transportsystemen zu sehen sein werden. Auch wenn er erst 2021 in Hamburg stattfindet wird, ist dies für uns schon heute ein wichtiges Themenfeld. Auch mit dem Thema Künstliche Intelligenz befassen wir uns – ganz verwaltungstypisch erproben wir Technologien, um Dokumente in der elektronischen Akte automatisch zu verschlagworten. 

Was könnte besser sein? Ich glaube, gerade im Zusammenspiel von Bund und Ländern, nicht zuletzt mit Blick auf die OZG-Umsetzung, brauchen wir mehr Dynamik, um rechtliche Hürden pragmatisch aus dem Weg zu räumen, die Digitalisierungsvorhaben unnötig erschweren.

*  *  *

Vielen Dank für die tiefen Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 

HANSEEXKLUSIV: Peter Tschentscher fordert flächendeckendes Glasfaser:
https://hh.hansevalley.de/2018/03/hanseexklusiv-peter-tschentscher-glasfaser.html

Helmut Schmidts Brief an eine "schlafende Schöne" von 1962:
www.welt.de/regionales/hamburg/article149206055/Helmut-Schmidts-Brief-an-die-schlafende-Schoene.html

Donnerstag, 14. Juni 2018

HANSECHAMPION Kabs: Von der Polsterwelt zu moebel.de

HAMBURG DIGITAL REPORT

Autonome Navigation in Limousinen, KI-Fotochips in Smartphones, automatische Chatbots in der Verwaltung: Es gibt eigentlich nichts, was nich der digitalen Transformation unterworfen ist. Ob Konsumgüter, Luxusgüter oder Dienstleistungen - digitale Kundenzugänge, detaillierte Datenauswertung und Plattform-Geschäftsmodelle greifen um sich. Doch in unserem Zuhause gibt es Dinge, denen digital recht egal ist: Sessel, Sofas und Betten interessieren Chips und Elektronik bislang wenig.


Familientradition in 2. Generation: Kabs Polsterwelt
Foto: HANSEVALLEY

Bei Norddeutschlands Polstermöbel-Spezialist Kabs ist man da gar nicht so sicher. Der "MediaMarkt" unter den Polstermöblern hat erkannt: Was man verschicken kann, wird verschickt. Sich nur auf seine Filialen von Kiel bis Osnabrück und Schwerin bis Bremen zu verlassen, könnte in Zeiten von Amazon, Ikea, Otto und Tchibo brenzlig werden. Mit moebel.de hat das Familienunternehmen einen eigenen Weg ins Netz genommen. Ein Hamburg Digital Report:

'Das Internet ist nichts für uns'. 'Wir haben unseren Laden hier vor Ort'. 'Die letzte technische Innovation war das Faxgerät.' Die Statements stammen von Unternehmern der Möbelbranche. Gut 10 Jahre ist das her. Das unternehmerische Understatement bringt die Kultur einer Branche auf den Punkt, die in der Vergangenheit gern mal ein Nickerchen extra gemacht hat. Was daraus wird, sieht man mitten in Hamburg am eigenen Leib:

Altona, Große Bergstraße. Es ist die einstige Möbelmeile an der Elbe. Polstermöbelgeschäft reihte sich an Küchenstudio, Bettenspezialist präsentierte sich neben Teppichfachgeschäft. Die einstige Shoppingstraße ist abgerutscht: Döner-Bude grüßt Discounter. Lediglich das dutzende Möbelhaus aus Schweden hält dem Traditionsstandort die Stange, lockt mit günstigen Teelichtern und Fleischbällchen die Nachbarschaft an. Der Rest - trauriger Absturz.


In Hamburg Zuhause, in Europa aktiv: Robert Kabs
Foto: Kabs

Möbelhandel: Traditionsbranche und stationäre Verankerung

2018: Die Hamburger Möbelmeile ist kein Einzelfall, sondern Normalität in Deutschlands Großstädten: Berlin-Tiergarten, Genthiner Straße unweit des Schöneberger Rotlichtviertels. Die Stammhäuser von Deutschlands Möbelriesen Höffner und der Eignerfamilie Krieger sind ins Gewerbegebiet nach Schönefeld gezogen. Lediglich Exklusivanbieter Hübner lässt auf eigenem Hochhaus die Flagge wehen. Die (West-)Berliner Möbelmeile - abgestürzt wie in Hamburg-Altona.

Die Entwicklung ist kein Zufall. Fast alle 15.000 Möbler sind Familienbetriebe - einschließlich der Riesen IKEA (Kamprad), Höffner/Kraft/Walther/Skonto (Krieger) und XXXL/Lutz/Mömax/Poco (Seifert). Die Branche hat eine Welle der Konsoldierung überrollt. Die großen Drei mach rd. 30% des stationären Umsatzes aus. Die Branche stagniert, es herrscht Verdrängungsmentalität. Die Online-Riesen kommen: Amazon, IKEA, Otto Group und Tchibo setzen aufs Netz. Die Firmenenkel haben das verstanden. Sie gehen online.

"Moebel.de ist überparteilich und unabhängig."

Kabs-Firmengruppe in der Neustadt
Foto: HANSEVALLEY
"Wenn wir den stationären Möbelhandel nicht überzeugen können, kümmern wir uns um die, die schon im Internet sind", fasst Familienunternehmer Robert Kabs den Trend seiner Branche zusammen. Der gebürtige Wandsbeker lernt früh, wie die Branche tickt. Mit seinem acht Jahre älteren Bruder Jens fährt er in einem alten Hanomag die Möbel der väterlichen Betriebe an der Zollstraße und am Barmbeker Luftschutzbunker aus, damals Anfang der Neunziger. Heute ist Kabs mit rd. 300 Mitarbeitern und 12 Filialen einer der 3 großen Polstermöbel-Spezialisten in der Republik - und die Nr. 1 der Online-Möbelpreisvergleiche.

Einer der ersten Partner seiner Produksuchmaschine moebel.de ist otto.de - 2007, nach dem Relaunch des Portals. Robert Kabs hat "grundsätzlich Lust auf etwas Neues", sichert sich schon im Jahr 2000 die Domain moebel.de. "Irgendwas in diesem Internet will ich machen", ist sein Gedanke. Und fragt sich: "Was passt zu uns?" Nach dem ersten Anlauf baut der Winterhuder Traditionsunternehmer seine Plattform um, entwickelt die größte Produktsuchmaschine für Möbel. Und ist stolz auf sie: "moebel.de ist überparteilich und unabhängig."

Suche beim Spezialisten statt unsortierter Ergebnisse

Seinen Anspruch unterfüttert der gelernte Haspa-Bankkaufmann: "Wenn ich ein spezielles Thema habe, gehe ich auch lieber zum Facharzt, als zum Allgemeinmediziner." Auf seiner Suchmaschine werden mir genau die 10 passenden Sofa angeboten - aus 1 Millionen möglichen Varianten. "Unsere heiilge Kuh ist der Sortieralgorithmus",  verrät der 45-Jährige das Geheimnis von Datenanalyse und Vorauswahl. 250 Partner vertrauen moebel.de, mehr als 3 Mio. Produkte sind auf dem Portal, 5 Mio. Besucher surfen Monat für Monat bei den Hamburgern vorbei.


"moebel.de ist überparteilich und unabhängig"
Screenshot: HANSEVALLEY

Seit vergangenem Jahr sind auch die stationären Einzelhändler mit an Board. Der Grund ist einfach: Die Customer Journey beim Möbelkauf hat sich verändert. 80% aller Kunden informieren sich zunächst im Netz, bevor sie einen Fuß in ein Möbelhaus setzen. Für Robert Kabs eine echte Chance - und die Notwendigkeit zur qualifizierten Beratung vor Ort. Mit seinem Fachmarkt-Konzept für Polstermöbel bietet er seinen Kunden die Wahl - in 12 Möbelhäusern oder online. Seine Suchmaschine mit knapp 100 Mitarbeitern ist nun auch nach Frankreich expandiert, als meubles.fr.


moebel.de-App mit neuer Fotosuche
Screenshot: HANSEVALLEY
moebel.de - online, mobil, europaweit unterwegs.

Vor 5 Jahren hat Kabs moebel.de auf Wachstum und Internationalität ausgerichtet, zunächst durch Umwandlung in eine AG und die Beteiligung der größten deutschen Privatsenderfamilie ProSiebenSat1. Im Sommer 2014 holt sich der strategische Partner mit einem attraktiven Media-for-Equitiy-Deal aus München die Mehrheit. Damit kann moebel.de seine Reichweite erhöhen, den Traffic befeuern, die Attraktivität für die Suchmanschinenpartner ausbauen. Was als Idee für ein unbestimmtes Online-Business begann, ist eine Hausnummer im deutschen Möbelhandel geworden - ohne sich mit den Online-Händlern zu kanibalisieren. 

Die jüngste Entwicklung des cleveren Möbelhändlers mit seiner Firmenzentrale in der Neustadt ist eine App zur mobilen Produktsuche - ob vom heimischen Sofa oder aus dem 40.000 qm Glaspalast eines XXL-Möbelgiganten. Per Smartphone-Kamera können Interessenten Produkte finden und sich für einen Besuch vor Ort oder im Online-Shop entscheiden. Dabei sind die Suchergebnisse nicht nach dem für die Händler attraktivsten Angebot selektiert. Als neutraler Anbieter geht es nicht zuletzt um Relevanz: "Auf moebel.de geht keiner aus lange Weile", bringt es der Unternehmer auf den Punkt. Und das sind immer mehr.

 Hamburg Digital Background: 

Möbel-Suchmaschine moebel.de
www.moebel.de

Kabs Polsterwelt
www.kabs.de

Onlineshop Homesofa
www.homesofa.de