Freitag, 27. Juli 2018

HANSEGLOBAL: From Smart Moscow with Love.

MOSKAU DIGITAL REPORT

Mehr als 12 Millionen Einwohner aus über 130 Nationen, mehr als 2,5 Millionen Pendler und Besucher jeden Tag. 4 Mio. Fussball-Begeisterte kamen allein zum FIFA World Cup 2018, davon 2,5 Mio. aus aller Welt. Die Hauptstadt der Russischen Förderation ist mit gut 2.500 km² die Megacity Osteuropas. Bis 2025 erwartet der Innenminister der Metropole bis zu 20 Mio. Menschen am Tag in seiner Stadt. Der einstige Industriestandort mit qualmenden Schloten ist auf dem Weg zur Smart City. 


Moskau - Megacity und Millionen-Metropole an der Moskwa
Foto: Oliver Klein, gemeinfrei (Creative Commons CC0)

Einmal im Jahr lädt die Stadtregierung der russischen Metropole Journalisten aus aller Welt zur internationalen Medienkonferenz ins Herz der Russischen Republik ein. In dieser Woche trafen sich Journalisten aus den USA und Europa, Israel und Persien, Asien und Australien sowie aus Russland im World Trade Center. Das Top-Thema: Moskau 2030. HANSEVALLEY war exklusiv aus Hamburg mit dabei. Ein Moskau Digital Report:

Nr. 1 bei digitalen Services, Nr. 2 bei der Entwicklung der Infrastruktur, Nr. 3 beim Aufbau der Digitalwirtschaft, Top-Nr. 5 der weltweit innovativsten Smart Citys, stellt PWC im globalen Ranking 2017 fest. Die Millionenmetropole Moskau ist mit 11.300 Einwohnern pro km² eine Global City und mit 4 internationalen, z. T. ausgezeichneten Airports der Verkehrsknoten Russlands. Die Hauptstadt kann mit einem mittelgroßen Land Europas verglichen werden. Über 4 Tage hatte HANSEVALLEY als einziges Hamburger Medium die Chance, vor und hinter die Kulissen zu schauen, Zahlen und Fakten aus erster Hand zu recherchieren - zusammen mit rd. 30 weiteren Journalisten aus aller Welt.

Smart City Moscow 2030.

Moskau, im Bezirk Ostanskinski, im Norden der Megacity: Am Rande des nationalen Ausstellungsgeländes VDNH sticht ein grauer Pavillon mit nachgebildeten Platinen als Außenfassade heraus. Der "Smart City Pavilion 461" mit mehr als 50 Ausstellungsobjekten auf 250 m² ist Schaufenster für ein Moskau, wie es wohl wenige erwarten: Eine Stadt mit all jenen Themen, die auch in Hamburg auf der Tagesordnung stehen: digitale Infrastrukturen, online-vernetze Services und Nutzung öffentlicher Daten, digitale Gesundheitsversorgung und Online-Lernangebote sowie eine intelligente Verkehrssteuerung für 4,3 Mio. Autos sowie Car-, Bike- und Scooter-Sharing-Angebote zur Reduzierung des Straßenverkehrs. 


Die Megacity Moskau auf der digitalen Überholspur:
Im Smart City Center zeigt die Hauptstadt, was sie kann.
Foto: HANSEVALLEY

Was für die Freie und Hansestadt der ITS-Weltkongress 2021 im neuen CCH wird, ist für die Stadtregierung der Global City Moskau die gerade beendete Fußball-Weltmeisterschaft: Die Möhre vor der eigenen Nase, ein Ziel loszulegen und eine Zwischenstation auf dem Weg zur Smart City 2030. Um Moskau zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit hilfreich: 2016 beschließt die Stadtregierung, ihre IT nach vorn zu bringen, mehr als 350 Projekte werden angeschoben. Umgerechnet bis zu 680 Mio. € investiert die Regionalverwaltung seitdem jährlich in IT-Modernisierung und städtische Digitalprojekte. 

Die Stadtregierung hat drei zentrale Ziele für die Zukunft der Metropole, ihrer Verwaltung und der Finanzen definiert, die durch die Smart City 2030 erreicht werden sollen:
  • Nachhaltige Entwicklung, hoher Lebensstandard und optimale Bedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung
  • Eine zentralisierte, integrierte und transparente Verwaltung für die 12 Mio. Einwohner zählende Megacity
  • Höhere Wirtschaftlichkeit bei öffentlichen Ausgaben u. a. durch die Förderung von Partnerschaften mit Firmen

Um die strategischen Ziele zu erreichen, wurden 6 Bereiche identifiziert, in denen Moskau aktiv wird: von Smart People bis Smart Living, von Smart Mobility bis zu Smart Economy und von Smart Enviroment bis zu Smart Government. Die Metathemen definieren das große Ganze mit insgesamt 17 Handlungsfeldern. Um die Schlüsselthemen mit Leben zu erfüllen, fokussiert das IT-Department und ihr CTO auf 9 Maßnahmenkataloge, die man so zusammenfassen kann:
  • Smart City für Einwohner + Besucher mit digitalen Angeboten in allen Bereichen
  • Smarte Public Services für Moskauer mit Online-Lösungen für das tägliche Leben
  • Partnerschaften mit Wissenschaft + Wirtschaft und KI als ein Schlüsselthema
  • Digitale Verwaltungs-Dokumente gleichberechtigt neben gedruckten Unterlagen
  • Lösungen "Made in Russia" und Nutzung umweltfreundlicher Technologien

Beschäftigt man sich mit den bestehenden und geplanten Smart City Projekten, kommt man zu dem Schluss: Hier wird getan, was gesagt wird. Dabei hat die Stadtregierung und ihre IT den Vorteil, keine funktionierenden Angebote oder alten Zöpfe abschneiden zu müssen. Wie auf der grünen Wiese stemmt die Stadt in allen definierten Themenfeldern Pilotprojekte aus dem Boden, die anschließend zu regulären, flächendeckenden Angeboten werden. Um diese Schwerpunkte zu meistern, hat Moskau 8 zukunftsweisende Schlüsseltechnologien im Blick:
Wie sieht die technologische Zukunft aus?
Foto: HANSEVALLEY
  • Predictive Analytics
  • Künstliche Intelligenz
  • Neuronale Schnitstellen
  • Blockchain-Technologie
  • Internet of Things (IOT)
  • VR, AR & Mixed Reality
  • 5 G-Kommunikation
  • 3D-Modelling und -Druck

Spätestens bei Themen wie Künstlicher Intelligenz und Neuronalen Schnittstellen kann einem mulmig werden. Bei einer Bewertung der Aktivitäten und Technologien kann man jedoch auch zu dem Ergebnis kommen, dass die Smart City kein Selbstzweck ist und - im Gegensatz zum Social Scoring in China - kein Repressionsinstrument sein muss. Es geht um Lebensqualität und wirtschaftliche Zukunft einer europäischen Megacity, aber auch um Bekämpfung von Korruption, organisierter Kriminalität und Cyber-Security. Diese Sicherheitsthemen stehen auch bei uns auf der Tagesordnung.

Transparenz und Sicherheit.

Auch in Russland gibt es Gesetze zur Privatsphäre. Im Gesundheitssystem mit elektronischer Gesundheitsakte werden personenbezogene Daten von medizinischen Informationen getrennt - z. B. zur Erforschung personalisierter Medizin. 64% der Moskauer befürworten personalisierte Behandlungen - zu erwarten ab ca. 2030. Zugleich gehören Technologien auch zur Safe City Moskau. 160.000 Kameras überwachen wie in London Hauptstraßen und öffentliche Plätze  - an neuralgischen Punkten erweitert um biometrische Gesichtserkennung. Sie liefern 1,2 Mrd. Stunden Videomaterial im Jahr. In rd. 70% aller Ermittlungen spielen Kameras eine Rolle. Während der WM entdeckte man in Zusammenarbeit mit internationalen Sicherheitsbehörden fast 100 gesuchte Täter.


Überwachung von öffentlichen Straßen und Plätzen mit Kameras.
Foto: HANSEVALLEY

Smart Public Infrastructure.

Auf 211 Moskauer Buslinien mit 1 Mio. Fahrgästen am Tag und auf über 330 Kilometern der 13 U-Bahn-Linien mit ihren mehr als 200 Stationen gibt es seit 2 Jahren kostenloses Internet, ebenso wie an 2.500 Plätzen, verteilt über 15,5 km² in der ganzen Stadt. Damit ist Moskau weltweit Nr. 2 bei freiem WLAN - hinter Seoul. 3/4 aller Moskauer nutzen ein Smartphone. Die Mobilfunkanbieter bieten dafür 99% LTE-Abdeckung über 2 große und 1 kleineres Netz. Auch beim Breitband ist Moskau vorn dabei: Mehr als 80% des Stadtgebiets sind mit mind. 20 Mbit/s vernetzt. Und die Stadtverwaltung plant bei der bevorstehenden Renovierung von Stalin-Bauten 5G-Antennen und Elektroladesäulen mit zu verbauen. 


Von der Industriemetropole zur Smart City: Moskau 2018
Foto: HANSEVALLEY

Smart Public Transport.

Die Fußball-WM hat den Moskauern vor allem beim Nahverkehr Verbesserungen gebracht. Die Stadt investierte in 2.000 neue Busse. Bis 2021 schaffen die Verkehrsbetriebe jährlich 300 neue Elektrobusse an, ab 2021 nur noch Busse mit emissionsfreiem Antrieb. Bis 2020 sind 255 Verkehrs-Knotenpunkte mit Park & Ride-Parkplätzen geplant. Investitionen: mehr als 15 Mrd. € privater Mittel. Bis 2025 kommen 170 km neue U-Bahn hinzu, dazu 74 Stationen. Die Transportbehörde erwartet dann zwischen 8 und 10 Mio. Nutzern am Tag. Auch bei Regionalzügen wird aufgerüstet: Bis 2020 wird das Netz um 1.500 km erweitert, der Zeittakt auf 3,5 Minuten verringert. Das hilft vor allem Millionen von Pendlern.


Interaktives Modell der Megacity Moskau im "Maket Moscow".
Foto: HANSEVALLEY

Smart Transport Strategy.

Das McKensey Center for Future Mobility stellt in seiner Studie zu Transportsystemen in 24 Weltstädten fest: Moskauer Busse und Bahnen arbeiten hoch effizient (Platz 1), das elektronische Ticketsystem ist vorbildlich (Platz 1), die internationalen Luftverkehrs-Anschlüsse der Metropole sind erstklassig (Platz 5). Moskau punktet mit elektronischen Mobile Services z. B. zum Parken (Platz 6). Die Stadt hat mit kostenpflichtigen Services die Reduzierung des Autoverkehrs im Blick (Platz 7) und das ÖPNV-System ist für jedermann bezahlbar (Platz 9).

Die Fußball-WM 2018 als Testbed für die intelligent-vernetzte Stadt.
Foto: HANSEVALLEY

Auch Shared Mobility ist in Moskau angekommen. 12 Unternehmen bieten an der Moskwa seit 3 Jahren mit 4.000 Fahrzeugen Car Sharing an. Mehr als 7.000 Fahrten ersetzen jeden Tag private Autos in der Metropole. Nur E-Mobilität spielt im Ölförderland noch nicht wirklich eine Rolle. Zur Verhinderung des Verkehrskollaps helfen 2.000 Verkehrskameras und 3.500 Sensoren. Im Falle eines Unfalls können die Überwachungsfilme 30 Tage lang angefordert werden. Laut offiziellen Angaben konnte der Autoverkehr mit Smart Mobility Maßnahmen um rd. 10% beschleunigt und die Zahl der Unfälle um 11% reduziert werden. Heute erreicht ein Notarztwagen einen Unfall in der Megacity im Schnitt nach nur 8 Minuten.

Smart Public Services.

Dreh- und Angelpunkt der Moskauer Bürgerservices ist die Onlineplattform ag.mos.ru mit 6,4 Mio. registrierten und 2,1 Mio. aktiven Nutzern. Den Einwohnern der Megacity stehen mehr als 250 Angebote zur Verfügung, mit Varianten sind es mehr als 400. Das sind rd. 75% aller wichtigen Leistungen der Stadt. Diese können auch über Mobile Apps genutzt werden. 10 verschiedene Service-Apps bietet Moskau an. Im Geschäftsjahr 2016-2017 beteiligten sich 1,7 Mio. Moskowiter online an über 2.600 Online-Umfragen, aus denen mehr als 1.500 Lösungen für eine lebenswerte Stadt entwickelt wurden.


Das digitale Gesundheitssystem UMIAS vernetzt alle Player.
Foto: HANSEVLLEY

In Moskau wird wie in Hamburg alles über ein Portal gemanagt: Mos.ru erreichte mit seinen Informationen 2016 stolze 365 Mio. Visits. Dazu gehören 101 Mio. Arzttermine, die über das integrierte, digitale Gesundheitssystem UMIAS vereinbart wurden. 680 Versorgungszentren und Kliniken sind heute an das seit 2011 schrittweise eingeführte Digital Health System angebunden. 21.500 Ärzte und 9,5 Mio. Patienten sind mit digitaler Gesundheitskarte und Gesundheitsservices vernetzt. Das mittels Portal, App und Terminals zugängliche System gilt als Vorbild, bescheinigen KPMG, PWC und der British MobilGov Summit 2017 Award.

Smart Mobile Services.

Auch in Moskau gibt es ein Single-Sign-On für die öffentlichen Angebote - u. a. für die Nutzung der städtischen App Gosuslugi. Sie deckt fast alle Lebensbereiche mobil ab - von der Pass-Beantragung bis zur Registrierung eines neuen Unternehmens, der Ausstellung von Urkunden und Bescheinigungen, vom Beantragen sozialer Leistungen bis zur Bezahlung von Miete, Steuern, Abgaben und Knöllchen, ebenso wie die Auswahl von Grundversorgern oder die Nutzung von Reha-Services. Genau das nutzen die Moskauer online 80 Meter unter der Erde im freien WLAN - in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit.

Smart Education Services.

Im Jahr 2016 startete die Stadt als weiteres Großprojekt die Moscow Online School - eine umfassende Lernplattform. 1,5 Mio. User zäht das stadtweite System - inkl. Cloud-Services und digitaler Bibliothek sowie 50.000 frei verfügbaren digitalen Unterrichtslektionen. Rd. 3.600 Moskauer Schulen werden Teil der Lernplattform. Neben mehr als 860.000 Schülern nutzen auch 500.000 Eltern und 150.000 Lehrer das System. Die Lehrer sind mit 129.000 Tablets und 224.000 Laptops ausgestattet worden und arbeiten in den Klassen mit 17.000 interaktiven Whiteboards und 28.000 Multimedia-Projektoren. Investment: umgerechnet 24 Mrd. Euro inkl. neuer Schulgebäude.


Digital-vernetztes Lernen und Bewertung der Lehrer:
84 Zoll große Whiteboards mit insgesamt 50.000 Lektionen.
Foto: HANSEVALLEY

Schule Schwänzen ist für Moskaus Schüler praktisch nicht mehr möglich. Jeder Schüler ist mit Smart Card und Mobile App im städtischen Schülerservice eingebucht. Mit dem Kidradar bekommen Eltern eine Meldung, wenn ihr Schützling die Schule betritt oder verlässt. Mit dem Schülerservice wird die Schulspeisung bezahlt und beurteilen Lehrer nach jeder Stunde jeden Schüler - aber auch umgekehrt. Damit Schüler nach der Schule nicht auf dumme Ideen kommen, können Mama und Papa in der App sehen, welche Hausaufgaben auf der Tagesordnung stehen. Transparenz im Interesse eines leistungsfähigen Schulsystems. Das dürfte manche Elternvertretung in Hamburg interessieren.

Smart Digital Health.

Neben Sicherheit und Verkehr, Bürgerservices und Bildung steht das Gesundheitswesen im Fokus der Stadt. Bis 2020 sollen alle Leistungen digital vernetzt sein. Gesundheitsdaten werden vom Hausarzt zum Facharzt und vom Facharzt zum Krankenhaus übertragen. Das Ziel: Niemand soll mehr als 2 Tage auf einen Spezialisten warten, niemand länger als 15 Minuten im Wartezimmer sitzen. Jeder Mediziner wird nach der Behandlung beurteilt - und dass bei 620 Mio. Behandlungen im Jahr. So fördert die Stadt Exzellenz. Investitionen: mehr als 23 Mrd. € - inkl. Cluster mit neuem Forschungs- und Diagnosezentrum sowie Reha- und Trainingscenter. So will Moskau zugleich den Medizintourismus ins Ausland eindämmen. 


Öffentlich zugängliche Daten der Stadt für neue Modelle.
Screenshot: HANSEVALLEY

Eine Ebene darüber hat die Stadt eine Open Data Strategie aufgesetzt und teilt über data.mos.ru Informationen, z. B. für Partnerschaften mit Unternehmen. Dazu gehören bekannte Themen, wie Gesundheit und Religion, Verkehr und Transport oder Infrastruktur und Verwaltung. 745 Datensätze von 60 Anbietern sind 5 Jahre nach Einführung der Dienste ein beachtenswerter Zwischenerfolg. Mehr als 30 Mobile Apps konnten dank öffentlicher Daten entwickelt werden - zum Bezahlen von Knöllchen, zum Ausleihen von Fahrrädern oder zur Auswahl des Wohnbezirks. Das Portal wird heute 63 Mio. mal im Jahr aufgerufen und rd. 1,5 Mio. mal Datensätze downgeloadet.

Smart City Leadership.

Moskau ist mit seiner Smart City Strategie nach Beurteilung der Vereinten Nationen führend bei der Entwicklung des E-Governments - vor London, Paris oder New York sowie 36 weiteren Metropolen. Über 160 Fachverfahren werden heute elektronisch angeboten. Mehr als 400 Mio. mal wurden diese bereits genutzt. 2014 entschied die Verwaltung mit dem Projekt "Aktiver Bürger", Services zu digitalisieren und die Schlangen in den Behörden abzubauen. Mehr als 60% aller Einwohner nutzen heute E-Services ihrer Stadtverwaltung. 

Smart City Openess. 

Die Beteiligung ist kein Zufall und hat nichts mit Verpflichtung zu tun: Die Moskauer sind laut Angaben des russischen und in New York börsennotierten Mobilfunkanbieters MTS technischen Entwicklungen äußerst aufgeschlossen. Die Einwohner der Megametropole liegen mit 53% Aufgeschlossenheit direkt hinter Barcelona mit 54%, Shanghai mit 55%, London mit 59% und Singapore mit 64%. Da können wir Deutschen noch eine Schüppe zulegen, um nicht die rote Laterne zu tragen.


Modell der Megacity Moskau im Smart City Pavilion.
Foto: HANSEVALLEY

Neben den Weltmetropolen Europas und der USA vergleicht sich die russische Millionencity gern mit besonders dynamischen Großstädten, wie Berlin oder Barcelona. Nach einer erfolgreich gemeisterten Fußball-WM beraten die Moskauer Digitalexperten nun auch Doha, den Austragungsort der FIFA WM 2022 in Katar am Persischen Golf. Dazu kommen Kooperationen mit internationalen Ballungsräumen, wie Jerusalem oder Singapur. Moskau ist vorn dabei, um mit künftig 20 Mio. Menschen pro Tag die Herausforderungen einer Megacity in allen Bereichen des Lebens meistern zu können.


Smart City Hamburg: Mit allen wichtigen Themen dabei.
Grafik: ITS Hamburg 2021

Auch wenn Hamburg mit künftig 2 Mio. Einwohnern deutlich überschaubarer ist: Die Herausforderungen für eine lebenswerte und erfolgreiche Millionenstadt sind die Gleichen, Themen rund um Digitale Dienste, Nutzung öffentlicher Daten direkt vergleichbar. Nach 4 Tagen Exkursionen, Präsentationen und Diskussionen in der Megacity steht fest: Beide Städte sind auf dem Weg - zur Smart City bzw. Digitalen Stadt - mit klaren Zielen, Partnerschaften und Erfolg versprechenden Projekten. Darauf dürfen wir in Hamburg ebenfalls stolz sein.

 Moskau Digital Background: 

Smart City Moskau 2030:
www.mos.ru/en/news/item/22722073/

Smart City Projekte Moskau:
www.mos.ru/en/city/projects/smartcity/

Open Data Strategie Moskau:
www.mos.ru/en/news/item/13179073/

Open Data Apps und Services:
www.mos.ru/en/news/item/14690073/

Smart City Pavilion 461 Moskau:
https://vdnh.ru/en/news/mayor-of-moscow-sergey-sobyanin-opened-smart-city-at-vdnh/

Nach der Fußball-WM: Moskau buhlt um Investoren:
https://www.pressetext.com/news/20180731032

Russland: Smart City Moskau, ARD:
www.ardmediathek.de/tv/Weltbilder/Russland-Smart-City-Moskau/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=3906326&documentId=51001390

 Hamburg Digital Background: 

Digitale Stadt Hamburg:
www.hamburg.de/digitale-stadt/

ITS Hamburg 2021:
www.hamburg.de/bwvi/its/

HANSEPERSONALITY Christian Pfromm, CDO Senat Hamburg:
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansepersonality-christian-pfromm.html

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe, CDO BWVI + HPA:
https://hh.hansevalley.de/2017/09/hansepersonality-sebastian-saxe.html

Freitag, 20. Juli 2018

HANSEDIGITAL: Eye Bee M Design Studio: Mehr als nur schön machen.

Hamburg ist mit rd. 90.000 Beschäftigten und 11 Mrd. € Jahresumsatz ein führender Kreativstandort in Deutschland u. a. mit Werbung, Marketing und Digital-Business. Große Marketing- und Digitalagenturen haben rund um die Alster ihren Sitz. Seit 18 Jahren gibt es in der Freien und Hansestadt vom Technologiepionier IBM eine eigene Einheit für E-Business Innovationen am Alten Wandrahm in der Speicherstadt - und heute im Rahmen der Digital-Services "iX" im IBM-Hochhaus am Berliner Tor. 


Die Hamburger Innenstadt: Mittendrin das Rebus des IBM Design Studios.
Foto: HANSEVALLEY

Herzstück der 80 Mitarbeiter in Konzeption, Technik und Design ist das IBM Studio Hamburg. Ob Automobilhersteller oder Gesundheitsdienstleister, ob Direktbank oder Sachversicherung - in einem lichtdurchfluteten Großraum mit bunten Möbeln, Whiteboards und Pinnwänden entstehen praktische Portale, hilfreiche Apps, schnackende Chatbots und coole Voice-Services für Kunden, Partner und Mitarbeiter der Klienten. Ein Hamburg Digital Report aus dem norddeutschen Zentrum der Designcompany IBM:


"Good Design is Good Business" schreibt Thomas Watson jr., President der International Business Machine Corporation, 1966 in einem Brief zur Einführung des Design Programms nach Vorbild der "New York School" an seine Mitarbeiter. Ob ThinkCenter, ThinkPads, die drei gestreiften Buchstaben oder das Look & Feel der Büros - der Sohn des Firmengründers und Namensgebers der künstlichen Intelligenz "Watson" weiss: Design bewegt Menschen. 10 Jahre zuvor engagiert er Eliot Noyes, einen Kurator des Museum of Modern Art. Der Auftrag: Aufbau eines Corporate Design Programs. 1981 entwickelt der Designer Paul Rand das berühmte Rebus "Eye Bee M" .


Weltberühmtes Rebus-Rätsel "Eye Bee M" von Paul Rand in 1981.
Grafik: IBM

Ein sonniger Mittwoch im Juli 2018, im Hochhaus "Berliner Tor-Center" in St. Georg: Hier kümmert sich ein 50-köpfiges Team im Auftrag von Industrie- und Dienstleistungskunden um mehr, als nur schön machen. Als Teil der Digital-Sparte "iX" konzeptionieren, gestalten und designen UX- und Visual Designer, Content Strategen sowie Frontend- und Mobile-Developer digitale Lösungen für die Kommunikation mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Herz und Seele der Design-Unit ist die 49-jährige Harburgerin Antje Kruse-Schomaker. Seit 1992 ist sie bei der IBM, zunächst im Multimedia-Kompetenzzentrum in Stuttgart.

Was Anfang der Neunziger mit Kiosk-Systemen und CD-Roms beginnt, Mitte der Neunziger zu verteilten Multimedia-Systemen und Kiosken mit Videoberatung wird, mündet 1996 in der E-Business-Unit der IBM Unternehmensberatung nam Hamburger Sandtorkai, einer Ausbildung in Business Transformation Ende der Neunziger in den USA und dem Einstieg im neu gegründeten E-Business Innovation Center der IBM im Jahr 2000 - einer Full-Service-Agentur am Alten Wandrahm, dort wo heute die Agentur Kolle-Rebbe ihren Sitz hat. Mehr als 25 Jahre ist die Design Principalin und Studio-Leiterin nun schon dabei.


Seit 25 Jahren bei IBM, seit 2000 in Hamburg für digitale Technologien:
IBM Studio-Leiterin Antje Kruse-Schomaker
Foto: HANSEVALLEY

Heute leitet die 49-jährige Mutter dreier Kinder das Hamburger Studio im Verbund der weltweit 46 Design-Center des Technologieunternehmens IBM. Neben Hamburg hat der Konzern mit Aperto in Berlin und Ecx.io in Düsseldorf sowie in München und Stuttgart weitere digitale Standbeine in Deutschland. Was kaum jemand weiss: Mit 1.600 fest angestellten Mitarbeitern ist IBM die weltweit größte Design-Firma mit Headquarter im IBM Studio Austin, Texas. Ob Europa, USA oder Asien: Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören die Digital-Units von Accenture und Deloitte. Die Design-Studios sind wiederum Teil von IBM iX - der Digital-Agentur der IBM.


Zu den Highlights des Hamburger Teams gehören der Konzernauftritt der Deutschen Bahn, der weltweite Webauftritt der STA Travel und von Lufthansa.com, der europäische Aufritt des Elektronikkonzerns Sharp sowie die Website der DAK. Auf die Frage, was das IBM Studio konkret für ihre Kunden macht, kommt eine klare Aussage der Design-Informatikerin und Diplom-Designerin: "Es geht immer in die Prozesse." Dabei reicht die Spannweite von der Konzeption digitaler Lösungen über das fertige Produkt bis zum Methoden Coaching des Kunden, um an den Lösungen weiter arbeiten zu können.


Von wegen Tech-Dinosaurier: Hackathon im Hamburger Studio.
Foto: IBM Studio


Die iterative Arbeitsweise besteht aus 3 Schritten, beginnend mit einem konzeptionellen Design Sprint von Papierentwürfen, über einen visuellen Prototypen bis hin zum lauffähigen Piloten. Alle diese Ergebnisse durchlaufen Nutzertests und werden in der nächsten Stufe optimiert. So hat das Team in 6 Wochen einen fertigen Fleet Management Piloten gebaut, eine Demo für ein mobiles Liquditätsmanagement für die Deutsche Bundesbank gebaut, den Chatbot "CALRS" für den Personalbereich von Siemens gebaut, eine Berater-App für die Agenturen einer norddeutschen Versicherung entwickelt und für Otto Bock die digitale Strategie erarbeitet und die US-Website relauncht.


IBM Studio Grundsatz: Design Thinking is not a workshop.

Design Thinking gehört in den Studios zur Grundeinstellung. Dazu hat der Tech-Riese mit Enterprise Design Thinking seine angepasste Methode, die am Anfang jeden Projekts zum Tragen kommt. So ist nutzerzentriertes Denken kein Buzzword-Bingo, sondern gelebte Praxis. 2012 rief die heutige Konzernlenkerin Virginia Marie "Ginni" Rometty die entscheidende Leitlinie aus: "There's one key to our future growth: the client experience." Konzequenz: Aufbau des weltweiten Studio-Netzes und des Ziels, dass auf 8 Entwickler mind. 1 Designer kommt. Gesagt, getan. Heute haben Designer in der IBM eine eigene Karriereleiter bis zum Vice President. 




Wenn Alexa wüsste, was Watson weiss ...


Auf die Frage, wohin die Reise in Sachen User Experience geht, hat Antje Kruse-Schomaker spannende Ideen: z. B. UX für die DSGVO. Die Informatikerin erzählt: "Es ist spannend, weil es hilft, seine Nutzer durch Transparenz und Verständnis mitzunehmen und Vertrauen zu gewinnen." Damit nicht genug. Ein weiteres Top-Thema können sprachbasierte Assistenzsysteme als Begleiter (Companion) in Text (Chat), Voice (Alexa) und Grafik (Visual) werden - mit einer eigenen Persönlichkeit in Ansprache, Tonalität, Sensibilität und Umgang mit kritischen Situation. Die künstliche Intelligenz hat die IBM mit Watson bereits. 

 Hamburg Digital Background: 


Nicht ohne Kreativität: Blick ins Design Studio
Foto; HANSEVALLEY
Das Vorbild: The New York School
www.historygraphicdesign.com/the-age-of-information/the-new-york-school

Die Philosophie: IBM Good Design
www-03.ibm.com/ibm/history/ibm100/us/en/icons/gooddesign/

Das Programm: IBM Design
www.ibm.com/design/language/

Die Methode: IBM Enterprise Design Thinking
www.ibm.com/design/thinking/

Die Experten: IBM Studios
www.ibm.com/design/studio.shtml

Das Business: IBM iX-Sparte
www-935.ibm.com/services/ibmix/

Die Zukunft: IBM Watson 
www.ibm.com/watson/de-de/

Donnerstag, 12. Juli 2018

HANSEINSURANCE: Aus dunklen Datenkellern in neue Servicewelten.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Airbnb, Netflix, Spotify & Co. - globale Plattformen erobern Märkte, besetzen Kundenzugänge, bieten Mehrwerte, machen Anbieter zu unsichtbaren Lieferanten. Keine Dienstleistung ist vor ihren Ökosystemen sicher. Beispiel: Die Versicherungsbranche. Das Münchener Vergleichsportal Check24 ist in den Markt eingebrochen, bestimmt die Regeln bei Auswahl, Entscheidung und Belieferung mit der traditionellen Leistung der Risikoabsicherung.





Amazons Apothekendienst, Apple Health und Googles Verily saugen über E-Commerce, Smartphones, Smartwatches und Sprachassistenten persönliche Daten - blasen zur Eroberung des nächsten großen Marktes: der Gesundheitsindustrie. In Hamburg rüstet sich ein Konsortium um die Signal-Iduna, den GAFAs das Feld nicht zu überlassen. Im Mittelpunkt: eine Echtzeit-Datenplattform, eigene Kundenzugänge und Kollaboration mit externen Partnern. Ein Hamburg Digital Report:



SDA-Direktor Dr. Stephan Hans
Foto: SDA
Service Dominierte Logik, kurz: SDL - die Idee hinter Plattformen ist eigentlich ein alter Hut. Seit 2004 forschen Wissenschaftler an der Ablösung der Industriedenke. Die Idee: Produkte werden unbedeutender, Leistungen werden wichtiger. "Eigentlich kauft man nicht mehr das Produkt, sondern das Bündel der Services drumherum", erklärt der 39-jährige Kommunikationswissenschaftler Dr. Stephan Hans im quirligen WeWork am Axel-Springer-Platz. Der Ostfriese ist Geschäftsführender Direktor der SDA, einer europäischen AG. "Open Industry Solutions" steht auf seine Visitenkarte, aber was heißt das?

Es geht um die von Steve Vago und Robert Lusch maßgeblich forcierte Service-Philosophie, mehr 10 Jahre alten IT-Systemen bei Deutschlands Versicherungs-Dinosauriern und dem heran rollenden Tsunami durch Tech-Giganten und ihrem ungestillten Hunger auf Daten, um das nächste Geschäftsfeld für sich zu erobern. Nach Musik- und Filmindustrie, nach Hotel- und Taxidienstleistungen geht es der Versicherungsbranche an den Krage. Den seit 2009 in Hamburg beheimateten Wissenschaftler treibt eine Frage um: "Wie sieht die IT-Zukunft in einer Service-Welt aus?"

Im Keller der Versicherer lagern ungehobene Datenschätze.


SDA-Aufsichtsrat Dr. Markus Warg
Foto: Signal-Iduna
Prof. Dr. Markus Warg ist nicht nur Sparringspartner des Chief Business Development Officers und zweifachen Familienvaters. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der SDA, IT-Vorstand der in Hamburg und Dortmund beheimateten Signal-Iduna Versicherung und Professor für Service Design und Risikomanagement. In seiner Doppelrolle stellt der Ökonom und langjährige Bank- und Versicherungsexperte die richtigen Fragen: Was will der Kunde wirklich? Wie will der Kunde einen Service buchen - und wieder loswerden? Welche Abrechnung ist für den Nutzer am Interessantesten?

Während Startups - wie das von uns vorgestellte Kasko - mittels Whitelabelservices digitale Vertriebskanäle für neue Versicherungsprodukte unabhängig von den Branchentankern aufbauen, lagern in den Kellern von Signal-Iduna, Hanse-Merkur & Co. ungehobene Datenschätze. Ideal zur Befriedigung echter Kundenbedürfnisse - fernab von schnellen und kurzfristig generierten Absatzmärkten. Genau um diese Schätze in steinzeitlich anmutenden Datenbanken und mit vorsinnflutlichen Schnittstellen kümmert sich das Hamburger Gemeinschaftsunternehmen SDA - mit seinen Investoren Signal-Iduna, IBM und dem IT-Dienstleister MSG.

Ökosysteme, um mit Dienstleistungen Werte zu schaffen.

Die Idee von SDA ist so einfach wie logisch: Auf der einen Seite stehen Frontend-Services für B2C und B2B - online, mobil oder voice - um mit Interessenten und Versicherten zu kommunizieren. Auf der zweiten Seite stehen Zugänge zu Partnern, die Dienstleistungen erbringen, z. B. Dienste zum Scannen oder Drucken sowie Abrechnugnsdienste für Rechnungsprüfung und Bezahlung. Auf der dritten Seite stehen die Versicherungen mit dunklen Kellern voller Daten und einem Software-Zoo voller Fachanwendungen. Dazwischen sitzt die SDA, zusammen mit IBM als Cloud- und Datenprofi und der MSG als Profil im "Keller". Das, was SDA mit der Signal-Iduna entwickelt, ist mit Open Source Technologien von Anfang ein offener Ansatz, denn im Keller sieht es fast überall genauso aus.

Im Gegensatz zu anderen Tech-Riesen denkt man in Hamburg nicht über Plattformen nach, weil es Plattforen sind. Vielmehr geht es um Ökosysteme, die mittels Dienstleistungen neue Werte schaffen - für Nutzer wie für Anbieter. Das ist auch unbedingt notwendig. Denn der Krankenversicherer Signal-Iduna hat diverse Partner, mit denen er kooperiert: Agenten und Makler, Praxen und Krankenhäuser, Apotheken und Pharmahersteller. Dabei steht der Kundenkontakt im Mittelpunkt. Ist er verloren, sind alle Bemühungen umsonst. Umso wichtiger ist es, die Datensilos mit der Historie seiner Kunden zu heben und zu nutzen. Denn der Versicherer SignalIduna hat diverse Partner, mit denen er bereits kooperiert oder in Zukunft zusammenarbeiten möchte.


Kunden-App mit intelligenter Anbindung ans Data-Backend
Grafik: SDA SE

Richtig Spaß macht der Plattform-as-a-Service-Ansatz, denkt man künftige Möglichkeiten z. B. im Gesundheitssektor. Wenn die Gesundheitsakte von Techniker Krankenkasse und IBM, die Fallakte von UKE, Vivantes oder Helios und die Fitness-Apps von Adidas aka Runtastic im Rahmen gesetzlicher Möglichkeiten zusammenspielen, können anonymisierte Daten eine Qualität in Diagnose, Therapie und Kur bringen, die sonst nur den großen Datensammlern aus den USA möglich sind. Was für den Gesundheitssektor möglich wird, ist ebenso im Pflegesektor machtbar, was im Pflegesektor machbar ist, könnte ebenso in der Altersvorsorge entwickelt werden.

Die im Sommer 2016 zunächst innerhalb der Signal-Iduna getestete Plattform-Technologie wurde im Dezember des Jahres ein eigenes Unternehmen. Aktuell arbeitet das Hamburger Team mit 20 festen Mitarbeitern und fast 80 Köpfen Manpower einschl. Mitarbeitern bei IBM Global Business Services und MSG. Die sorgen dafür, dass Services im Frontend in Echtzeit laufen können, die Datenverarbeitung im Backend davon aber abgekoppelt sein kann. Und sie gewährleisten, dass die zertifizierte, regulierte Backend-Systeme ohne Sorge angekoppelt werden können.

Kein Fuß in der Haustür der Kunden ist kritisch bis tödlich.

Stephan Hans hat eine klare Botschaft an Versicherer: "Ihr seid für den Kunden in Zukunft nur relevant, wenn ihr Servicewelten in einem eigenem Ökosystem aufbaut": Geht des Kundenkontakt an Check24, ist er für lange Zeit verloren. Ist die Schnittstelle von einem fremden Ökosystem besetzt, gibt es keine aktuellen Daten zum Aufbau von Serviceangeboten. Ein Teufelskreislauf, der kaum zu durchbrechen ist. Der langjährige Berater warnt: Im nächsten Schritt lauert die künstliche Intelligenz. Hier keinen Fuß in der Haustür der Kunden zu haben, ist kritisch bis tödlich.

Haben Startups das Asset schneller und flexibler Kundeninteraktionen liegt für die Versicherer der Goldschatz im eigenen Keller: die Datenhistorie aus den Kundenbeziehungen. Und die wird bis heute selten bis nie genutzt, um besser zu werden und sich gegen  neue Herausforderer aus der Plattform-Ökonomie zu wappnen. Einige Player haben den Schuss gehört, z. B. die Allianz mit der DAK, ihrem IT-Dienstleister Bitmarck, dem IT-Riesen Atos und einer Reihe von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen oder die Techniker zusammen mit IBM, den Krankenversicherern Central, DKV, Signal-Iduna, dem UKE und den Klinikriesen Helios und Vivantes aus Berlin.

Das Rennen ist eröffnet. Der Wettlauf um Partner, Daten und Services hat begonnen. Die SDA von Signal-Iduna, IBM und MSG setzt auf eine offene Cloudarchitektur, die modulare, quelloffene Docker-Entwicklungsumgebung. Als einer der ersten externen Partner konnte die Alte Leipziger/Hallesche für eine eigene Gesundheitsplattform gewonnen werden. Dreh- und Angelpunkt des Ansatzes sind Schnittstellen und Adapter, die alles mit allem lauffähig machen können. Schauen wir mal, welches Konsortium das Rennen macht - und ob die US-Techriesen noch zu stoppen sind.



 Hamburg Digital Background: 

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösugnen aus der Werft für den Linienbetrieb.
https://hh.hansevalley.de/2018/07/hanseinsurtech-insurtech-werft.html

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html


Dr. Stephan Hans, SDA SE:
www.xing.com/profile/Stephan_Hans2/cv

Prof. Dr. Markus Warg, FH Wedel:
www.fh-wedel.de/mitarbeiter/mwa/

Service-Dominierte Logik:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service-Dominant_Logic

Service-Dominierte Architektur:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service_Dominierte_Architektur

Donnerstag, 5. Juli 2018

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösungen aus der Werft für den Linienbetrieb.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Hamburg, Neue Börse am Adolphsplatz. Einmal wöchentlich treffen sich Agenten, Makler, Assecuradeure und Sachverständige, um Transport- und Industrierisiken wie z. B. Feuer abzusichern. Seit dem Recht der Kaufleute von 1558, eine Börse zu betreiben, entwickelte sich die Versicherungsbörse zur wichtigsten Sparte  - wichtiger als Café, Getreide, Immobilien oder Wertpapiere. 


Altehrwürdige Eingangstüren der Hamburger Versicherungsbörse.
Foto: HANSEVALLEY

460 Jahre später drohen Versicherer den Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren, schieben sich Plattformen dazwischen, übernehmen Startups mit schnellen Geschäftsmodellen Teile des Geschäfts. Jetzt müssen die Versicherer handeln. An Deutschlands drittgrößtem Standort brennt es unter den Dächern lichterloh. Eine neue Werft soll Hamburgs und Norddeutschlands Anbietern helfen, sturmfest zu werden. Ein Hamburg Digital Report:

Ein Ende mit Schrecken: Die jeden Donnerstag um 13.30 Uhr öffnende Präsenzbörse der Hamburger Versicherungsbranche schließt nach 460 Jahren täglichem Betrieb in diesem Monat ihre Pforten. Ein Opfer der Digitalisierung. Schluß mit offenen Briefen, die im Börsensaal ausgetauscht werden, um mit einer Signatur das Risiko für Geschäfte abzusichern. Die Digitalisierung macht vor der Heimat der Feuergilde als weltweit erster Versicherung von 1591 nicht halt. Hamburgs Versicherer sind mittendrin im Sturm.

Rund 20.000 Beschäftigte arbeiten in rd. 370 Unternehmen der Branche. Die Handelskammer zählt aktuell 4.000 Versicherungsvermittler, davon 1.500 unabhängige Makler. Doch wie sieht die Zukunft aus? Berlin, Köln und München haben eigene Innovationshubs für die Versicherungsbranche gegründet. Verschläft die Freie und Krämerstadt einen wichtigen Trend? Verliert Hamburg seine Position als Nr. 3 unter den Versicherungsstandorten der Republik. Am Großen Burstah denkt man weiter.



Versteht sich als Think- und Work Tank: Die Insurtech Werft
Foto; HANSEVALLEY

Tilman Freyenhagen ist seit 1996 in der Branche, hat bei der Condor gelernt, 2002 ein duales Studium zum Vertriebsökonomen absolviert. Er war Maklerbetreuer, Vertriebsdirektor bei der Ideal und Prokurist bei Condor und R+V Leben. Risikomanagement liegt ihm im Blut, 20 Jahre "Stallgeruch" haben ihre Spuren hinterlassen. Mit Alsterspree gibt er das Fachmagazin "Procontra" heraus, betreibt mit "Profino" eine digitale Online-Plattform für den Austausch der Branche. Mit sehendem Auge kümmert er sich jetzt darum, dass die Branche ihre Augen öffnet.


Insurtech-Innovator Tilman J. Freyenhagen
Foto: Alsterspree
"Wir sind mit unseren innovativen Ideen bei den Versicherungen abgeprallt", bringt der Wahl-Hamburger zunächst auf den Punkt. Für Versicherungen geht es darum, Bestände zu migrieren, Regulierung zu beherrschen und Effizienzen zu steigern. Digitalthemen gehören nicht zum Alltagsgeschäft. Hinzu kommt: Mittelgroße Anbieter, wie die norddeutschen Anbieter Hanse-Merkur, Itzehoer oder Uelzener haben nicht die Ressourcen der Großkonzerne, um eigene Labore zu betreiben.

Die Idee von Startups, das Maklergeschäft anzugreifen, zielt zu kurz.

Prof. Dr. Florian Elert, Spezialist für Versicherungsmanagement an der Wirtschaftshochschule HSBA und Partner der gemeinsamen Insurtech Werft Hamburg sagt, wie man den norddeutschen Versicherern helfen will: "Unsere Idee ist, dass die Versicherungen möglichst schnell und mit wenig Aufwand neue Dinge ausprobieren können." Der Veranstalter des 1. Hamburg Insurance Innovation Days macht klar: Die Idee vieler Startups, das Maklergeschäft anzugreifen, zielt zu kurz. So, wie Versicherungen nicht immer schnell genug sind, so haben Startups nicht den Zugang zu Kunden und Daten.


Rapid Prototyping der InsurTech Werft im DI-Lab der HSBA
Foto: InsurTech Werft
Die Insurtech Werft geht einen anderen Weg: Auf der einen Seite engagieren sich Versicherer mit ihren Innovatoren, die offen sind für neue Ideen und die Umsetzung. Auf der anderen Seite stehen ausgewählte Startups. 6x im Jahr treffen sich die Partner, um einen Use Case in die Praxis umzusetzen.
Dreh- und Angelpunkt: Die digitale Musterversicherung "Fury“ als Sandbox. Umgesetzt an einem Tag zusammen mit dem Hamburger Startup „Kasko“, dass wir vorgestellt haben. Mittlerweile hat Fury einen Chatbot und ein Robotics-Tool bekommen, mit dem Geschäftsvorfälle automatisch und ohne Schnittstelle bearbeitet werden können.

Die praktische Zusammenarbeit an konkreten Themen ist der Kern der Insurtech Werft von Alsterspree, HSBA und Gründungspartner Hanse-Merkur. 16 Corporates und Startups sind aktuell dabei, widmen sich 6x im Jahr im DI-Lab gegenüber der Neuen Börse der Zukunft der Versicherungsbranche. Das Besondere: Alle Partner erarbeiten gemeinsam Konzept, Funktionen und Umsetzung einer Idee. Am Ende des Tages können die Beteiligten den fertigen Prototypen mit in Ihre Companies nehmen - und nutzen.

Versicherungen, Startups und Dienstleister freiwillig in einem Boot

"Wir sind der Meinung, dass das operative Arbeiten der große Unterschied ist, betont Vordenker Tilman Freyenhagen die Idee des Rapid Prototyping-Ansatzes. Während die bayerischen Versicherungen im "Insurtech Hub" München Blockchain-Strategien erarbeiten und im größten deutschen Lab in Köln Hackathons im Mittelpunkt stehen, geht es in Hamburg um konkrete Entwicklungen und schnelle Ergebnisse. "Unser Wunsch war, etwas sehr nah am Unternehmensalltag zu machen", betont Florian Elert. Im April vergangenen Jahres wurde die Idee geboren, im September kam die Hanse-Merkur an Board, im März diesen Jahres gab es den ersten Workshop.


Versicherungsexperte Prof. Dr. Florian Elert von der HSBA
Foto: HSBA
Die Partnerschaft mit den beteiligten Unternehmen geht über mindestens 1 Jahr, beinhaltet 6 eintägige Sprints im DI-Lab der HSBA mit vorabendlichen Netzwerk-Events und bis zu 2 Vertretern pro Unternehmen am Puls der Zeit. Zu den wünschenswerten Mitarbeitern zählen Innovationsmanager, Tech- und Themenspezialisten, leitende Mitarbeiter und Vorstände. Die Kosten richten sich nach Größe und Funktion und liegen für Startups, Dienstleister und Versicherer zwischen 4.900,- € und 14.900,- € im Jahr. 

Alle Unterstützung für Hamburger und norddeutsche Versicherer 

Dabei arbeitet die Hamburger Innovationswerft selbst nach der Lean-Startup-Methodik, spart sich kostspielige Strukturen. Zweimal im Jahr trifft sich ein "Steering-Komitee" mit aktuell 9 Vorständen der Partner und den Organisatoren, um das Konzept weiterzuentwickeln und die nächsten Themen abzustimmen. Drei Grundsätze verfolgt die neuartige Innovationswerft: 1. Es geht um Support der Branche in Hamburg und Norddeutschland, 2. Offenheit für neue Ideen ist A und O, und 3. Dienstleister dürfen mit max. 20% nur eingeschränkt dabei sein.

Mit der Sommerpause ist die Aufbauphase der Insurtech Werft abgeschlossen. Ab Herbst geht es um die Frage, wie das Programm weiterentwickelt wird und welche Themen in Zukunft auf der Agenda stehen. Außerdem sollen die Erfahrungen in den beteiligten Häusern vertieft werden und breit zum Einsatz kommen. Tilman Freyenhagen fokussiert zum Abschluss, dass "Fury" als Sandbox zu einem digitalen Versicherer ausgebaut werden wird. Prof. Dr. Florian Elert ergänzt: "Welche Ideen die Partner aufgreifen und in den Häusern umsetzen, liegt bei den Unternehmen." 

 Hamburg Digital Backgrund: 

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html

GESTERN:

Älteste Feuerversicherung der Welt: 
www.wasistwas.de/archiv-geschichte-details/die-aelteste-feuerversicherung-der-welt.html

Älteste Seeversicherung der Welt: 
http://versicherungswirtschaft-heute.de/dossier/seeversicherung-die-alteste-sparte-der-welt/

HEUTE:

Hamburger Versicherungsbörse:
http://hamburger-versicherungsboerse.de/

Hamburg Insurance Innovation Day:
www.hsba.de/hsba/unsere-hochschule/team/1-hamburg-insurance-innovation-day-start-ups/

Versicherungsstandort Hamburg:
www.vfvh.de/index.php/projekte

MORGEN:

Insurtech Werft, Hamburg:
https://insurtech-werft.de/

Insurhub, Berlin:
https://www.insurhub.de/

Insurlab Germany, Köln:
www.insurlab-germany.com/

Insurtech Hub, München:
www.insurtech-munich.com/

Werk 1 - W1 Insurtech, München:
www.werk1.com/branchen-programme/w1-insurtech/