Dienstag, 28. Mai 2019

HANSESTATEMENT: MOIAs Mobilitäts-Märchen - eine Zeitreise ganz besonderer Art.


Hamburg Digital Statement


Viele Hamburger wünschen sich ein weiteres Feld:
"Welche MOIA Fahrt?"
Screenshot: HANSEVALLEY

Fast 2.000 Leser über unsere Media-Outlets HANSEVALLEY.de und MEDIUM.com. Unzählige Netzwerkpartner an Alster und Elbe, die von ähnlichen Erlebnissen in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis berichten. Und unsere Informanten bestätigen: Das Chaos bei "Moia" in Hamburg geht weiter: Fahrgäste, die durch die halbe Stadt kutschiert werden, um neue Mitfahrer abzuholen.  

Vor allem aber: Reihenweise Anfragen, die selbst mit stadtweit diskutierten Tricks für die App nicht bedient werden - und ein Pressesprecher, der Märchenstunde macht. Zeit für eine ganz besondere Zeitreise des Hamburg Digital Magazins - mit einem Mobilitäts-Märchen aus Wolfsburg, das zum Gespött Hamburger Innovatoren und Multiplikatoren zu werden droht. Gerd Kotoll ist Protagonist:

Üblicher Weise beginnen Märchen mit: „Es war einmal …“. Im Falle eines Wolfsburger Mobilitätsanbieters lautet der Einstieg ausnahmsweise „Es wird einmal …“.  Dabei wäre „Es hätte wirklich was werden können…“ der bessere Beginn unseres Märchens gewesen. Vor allem: der wahre. Von allen Mobilitätsanbietern in Hamburg ist "Moia" der Auffälligste: das liegt zum einen an den völlig überdimensionierten VW-Kleinlastern aka "E-Crafter", zum anderen an der mit Abstand auffälligen Langsamkeit, wofür offenbar eine unausgereifte Softwareplattform die Ursache zu sein scheint. 


Schaut man sich den Neuling an, ist es gar nicht innovativ und schon gar nicht service-orientiert, Menschen an virtuellen Haltestellen abzuholen, anstatt vor der eigenen Haustür. Zum anderen schafft es wirklich jeder Taxifahrer in Hamburg, mich exakt dorthin zu fahren, wo ich hin will, oft sogar ohne Navi - die heute vor allem den Weg durch Stau und Baustellen-Wirrwarr leiten und nicht etwa die mangelnde Ortskenntnis des Fahrers beheben sollen. 


Das Hauptptoblem von "Moia": Zu wenige Fahrer.
Foto: HANSEVALLEY

Anders bei Moia: hier wird auf Weisung der Software mit der einen oder anderen Runde um den Block noch eine Landeschleife gedreht, bevor der Fahrgast zumindest ungefähr dort abgesetzt wird, wo er wohl hinwollte. Vielleicht wird vorher aber noch ein anderer Fahrgast eingesammelt, was zumindest im Moment aber noch eher die Ausnahme als die Regel ist, denn ein Großteil der bronzierten Crafter transportiert nur einen Gast. 

Dabei sollte Ridesharing die öffentliche Mobilität eigentlich revolutionieren. Dieses Märchen wird aber nicht wahr - jedenfalls bisher nicht. Welch' innovative Disruptoren in Hamburg aber tatsächlich unterwegs sind (vermutlich ohne es zu wissen), kann man an den Fahrgastzahlen des HVVs ermessen: Schließlich ist Ridesharing – also: Fahrgemeinschaften bilden – dort ehernes Prinzip, denn in Bus & Bahn fahren Sie immer mit mehreren Fahrgästen in einem Fahrzeug. Und das übrigens regelmäßig schneller und günstiger als mit Moia ...



"Moia"-Pressesprecher Christoph Ziegenmeier wiegelt ab:
"Wir haben festgestellt, dass das Frontend schon sehr stabil läuft ...
und dass es keine größeren Schwierigkeiten gab."
Foto: HANSEVALLEY

'Aber sie fahren mit Strom', heißt es von standfesten Verteidigern des Corporate-Innovation-Startups. Stimmt. Das machen viele andere aber auch. Und auch nicht erst seit diesem Jahr. Hinzu kommt, dass man begründete Zweifel daran haben kann, dass elektrische Fortbewegung jenseits von Bahnen eine sinnvolle Energieverwendung ist. Hamburgs Wirtschaftssenatoren - von Frank Horch bis Michael Westhagemann - denken da schon weiter.

Ganz sicher ist es aber sinnfrei, mit einem Crafter  - ursprünglich als Transporter für Handwerker entwickelt - ein sehr viel schwereres Fahrzeug einzusetzen, dessen Kapazität zumindest bislang kaum benötigt wird. Denn der Verbrauch wird hier eben auch sehr viel höher sein, als bei einem E-betriebenen PKW als normales Taxi – das ja zusätzlich auch noch weniger Zeit benötigt, wie wir dank diverser Pressetests lernen durften.

Wir wollen an dieser Stelle nicht hinterfragen, warum ein Unternehmen mit einem derart holprigen Konzept eine Stadt als Werbefläche mißbrauchen darf, während man parallel mit Durchfahrverboten  - die ihren Ursprung letztlich beim gleichen Unternehmen aus Wolfsburg haben - versucht, die Luft sauberer zu machen. Trifft sich hier die vereinte Sinnfreiheit an Alster und Elbe? Oder wird der Bock mal wieder zum Gärtner?

Mein Fazit: An Moia ist nichts wirklich innovativ und schon gar nicht ausgereift. Mobilität schaffen andere besser und schneller. Auch das snobistische Interieur der Moia-Flotte wiegt das nicht auf. So ist dieser Dienst bestenfalls eine Stadtrundfahrt, leider als Stummfilm. Happy End geht aus meiner Sicht anders. Erst Recht, wenn es märchenhaft sein soll. 


*  *  *

 Hamburg Digital Autor Gerd Kotoll: 

Gerd Kotoll vernetzt Entrepreneure mit potentiellen Partnern und Kunden - und berichtet von ausgewählten Events und Entwicklungen im Ökosystem der Hamburger Startup-Szene. 

Als unabhängiger Makler berät und betreut Gerd Kotoll er Vereine, Verbände und Unternehmen in Fragen der betrieblichen Absicherung. Besonderen Fokus legt er auf junge Unternehmen und Startups. 

Gerd Kotoll ist Freier Autor des Hamburg Digital Magazins.

Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

 Hamburg Digital Background: 

HANSETECHTEST: MOIA - Versuchtskaninchen für Bananen-Software.
https://hh.hansevalley.de/2019/05/hansetechtest-moia-hamburg.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen