Mittwoch, 28. August 2019

HANSEMOBILITY: Kluge Ampeln und clevere Autos für Hamburgs Straßen.

HAMBURG DIGITAL REPORT
* Update *

Bürgermeister Tschentscher mit einem Test-Tesla der HAW Hamburg.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

1,8 Mio. Einwohner, fast 1 Mio. Arbeitnehmer, 350.000 Pendler in und 130.000 Pendler aus der Stadt am Tag. Hamburg ist die Wirtschaftsmetropole im Norden Deutschlands, Drehscheibe für 4,5 Mio. € Tonnen Güter im Jahr, Heimat des größten Seehafens in unserem Land. Mit 3.900 km Straßen, 80 km Autobahn, 1.766 Ampeln und mehr als 770.000 Autos ist die Hansestadt auch die Verkehrsdrehscheibe im Norden. Der Hamburger Senat weiß um Bedeutung und die Herausforderungen.


Mit dem Zuschlag für den Internationalen Transport- und Mobilitätskongress ITS im Jahr 2021 hat der Senat ein umfassendes Programm für die Mobilität der Zukunft rund um Alster und Elbe gestartet. Mit den sechs Schwerpunkten Infrastruktur und Daten, Verkehrssteuerung und Parken sowie Mobilitätsservices und Vernetztes Fahren mit aktuell gut 60 aktiven und ebenso vielen abgeschlossenen Projekten beweist der Senat mit seinen Partnern, dass er es ernst meint.


Die Autonome Teststrecke aus der Vogelperspektive
Luftbild: Martin Elsen / Grafik: Olli Design

Eines der ambitioniertesten Projekte der Verkehrsbehörde mit dem stadteigenen Unternehmen für Verkehrsanlagen HHVA ist die Teststrecke für Autonomes Fahren vom Dammtor über die Messehallen und die Neustadt und weiter bis zur Hafencity und den Landungsbrücken. Nach großem Medienecho zur Präsentation von Senat und VW im April d. J. sprachen wir mit den Beteiligten, wie das Projekt vorangeht. Ein Hamburg Digital Report aus dem Herzen der Mobilitätsmetropole Hamburg:


Bürgermeister Tschentscher fährt freihändig auf der Hamburger Teststrecke.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Unsere Information hat sich bestätigt: Am 6. September '19 fuhr erstmals ein Tesla über die Teststrecke in der Hamburger City. An Board: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Ein weiteres Highlight auf der insgesamt 9 km langen Strecke. Am 4. April d. J. präsentierte die VW-Konzernforschung im Prototypen-Museum in der Hafencity ihre umgebauten und mit einem Rechenzentrum im Kofferraum ausgestatteten E-Golfs der Tages-, Wirtschafts- und Fachpresse. Autonomes Fahren - mitten in der Stadt - neben Fußgängern, Radfahrern, PKW, Taxen, Bussen und Brummis. Damit schlägt Hamburg deutschlandweit ein einzigartiges Kapitel auf. 


"Der Bürger hat einen zunehmenden Mobilitätsbedarf. 
Mit Hilfe der Digitalisierung entwickeln wir Lösungsansätze."
Volker Rech, Geschäftsführer Hamburg Verkehrsanlagen

14 Kameras, 11 Laser-Scanner und 7 Radare besitzt jeder der 5 in der Hamburger City freigegeben E-Golfs auf der speziell ausgestatteten Teststrecke westlich der Alster. Im ersten Schritt können die Testwagen die Bedingungen für vernetztes und teil-/autonomes Fahren auf insgesamt 3 Kilometern testen, später auf 9 Kilometern speziell ausgestatteter Stadtstrecke. Das Geheimnis sind die Ampeln, die für die Kommunikation mit den Testfahrzeugen speziell umgebaut und aufgerüstet werden. 


Eines der 5 autonomen Testfahrzeuge auf Hamburgs Straßen.
Foto: HANSEVALLEY

Was wir als Grün, Gelb und Rot unterscheiden können und unser Gehirn zu 90% visuell verarbeitet, ist für ein autonomes Fahrzeug nicht erkennbar. "Bis auf Weiteres werden Autos dumm bleiben", erläutert Volker Rech, zuständig für die 1.766 Ampeln in Hamburg zwischen Bergedorf und Blankenese. Um in den 2020ern das automatische Fahren zur Serienreife zu bringen, müssen nicht nur Fahrzeuge mit Kameras, Scannern und Radaren mit der Umgebung kommunizieren. Für das automatische Fahren der Zukunft sind kluge Ampeln im Zusammenspiel mit vernetzten Fahrzeugen ebenso wichtig.


Eine der ersten Funkboxen für autonome Fahrzeuge in Hamburg.
Foto: BWVI

37 Siemens- und Swarco-Ampeln plus 1 Brücke baut das öffentliche Unternehmen für Verkehrsanlagen HHVA im Auftrag der Verkehrsbehörde bis 2020 um und stattet sie mit einer "Roadside Unit" - sprich Funkbox - mit "V2X"-Kommunikationstechnik aus. Hier informieren Ampeln die Autos, wo sie stehen und wann es weiter geht. Mit an Board sind neben dem ITS-Referat der BWVI und dem Ampelbetreiber HHVA auch das Urban Mobility Lab der HAW Hamburg. So gewinnt Hamburg Erfahrungen für vernetzte Ampeln und die Stadt kann sich als Taktgeber für Mobilität in Großstädten aufstellen.


Einer der E-Golf der VW-Konzernforschung in der Hafencity.
Foto: VW

Einmal im Monat führt die VW-Konzernforschung aktuell Testfahrten rum um Dammtor, Funkturm, Michel und Elphi mit bis zu 2 Fahrzeugen gleichzeitig durch. Dabei sind bis zu 10 Ingenieure aus Wolfsburg vor Ort - fast unbemerkt von Auto-, Taxi-, Bus- und Brummifahrern. Erste Testfahrten wurden bereits im Frühjahr durchgeführt, seit Anfang April d. J, geht es Stück für Stück voran. Auf Seiten der Hamburger Verkehrsanlagen sind ein halbes Dutzend Ingenieure mit an Board, dazu kommen u. a. Mitarbeiter von Hochschule, Projektträger, Chiphersteller NXP und Softwareentwicklung mit eigenen Projekten auf der Strecke. 


"Mein Antrieb jeden Morgen ist es, die Stadt ein klein bisschen weiter zu bringen."
Sebastian Troch, Referatsleiter ITS und Datenmanagement, BWVI Hamburg

Das Ziel der Anstrengungen im Rahmen der Mobitlitätspartnerschaft zwischen Senat und Volkswagen aus dem Jahr 2016 ist klar: Vollautomatisiertes Fahren mit PKW und Bussen bis Level 4 - vollautomatisch aber mit Fahrer an Board. Dabei denken die Verantwortlichen schon weiter als bis 2020 und planen, das Projekt über die jetzige Testphase hinaus weiterzuentwicklen. 21,5 Mio. € stehen vor allem für die Ampelausstattung zur Verfügung, die Hälfte vom Verkehrsministerium in Berlin gefördert, die Hälfte vom Hambuger Senat als Investition in die Zukunft eingesetzt. 

Teststrecke für Autonomes Fahren westlich der Alster.
Grafik: BWVI

Die gewonnenen Daten bieten nicht nur VW und dem Senat wertvolle Erkenntnisse für die Mobilität der Zukunft - sie werden zudem auf der Hamburger Urban Data Platform für künftige Projekte und Entwicklungen zur Verfügung gestellt. Ein Mobilitätsdaten-Marktplatz ermöglicht es, Unternehmen neue, digital-vernetzte Geschäftsmodelle aufzusetzen und das Thema Verkehr und Mobilität in Hamburg zu einer zukunftsweisenden Digitalbranche werden zu lassen. 

Ob vollautomatische Stopps in Gefahrensituationen, kooperatives Fahren in Kolonnen, vorausschauende Gefahrenwarnungen, ob Restanzeigen für wartende Autofahrer oder sichere Abbiegevorgänge zum Schutz von Radfahrern - die künftigen Einsatzszenarien kluger Ampeln begeistern schon heute. Möglich macht es das Zusammenspiel für cleveren Ampeln und klugen Autos, die uns immer mehr unterstützen können. Volker Rech von der HHVA bringt auf den Punkt: "Was wir im Ansatz haben, ist Verkehr, Mobilität, Sicherheit und Klima."

"Wir wollen herausfinden, was die Straßeninfrastruktur von morgen können."
Sebastian Troch, Referatsleiter ITS und Datenmanagement, BWVI Hamburg

2021 soll das Projekt für Autonomes Fahren - kurz TAVF - abgeschlossen werden und bis 2030 sollen die Ziele für die intelligent-vernetzte Mobilitätsmetropole Hamburg erfolgreich umgesetzt sein. Am 4. September d. J. treffen sich Experten und Interessenten zum 11. Mal in der HAW am Berliner Tor, um Perspektiven und künftige Möglichkeiten für das autonome und vernetzte Fahren zu diskutieren. Im kommenden Jahr wird der Senat außerdem einen neuen Verkehrsentwicklungsplan verabschieden. 

Kick-off für die vernetzte Mobilität der Zukunft in Hamburg.
Foto: VW

Neben der Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes in und um Hamburg stehen vor allem die Ziele Umweltschutz, Gesundheit und natürlich die Sicherheit auf Hamburgs Straßen ganz oben auf der Tagesordnung. Für die Freie und Hansestadt geht es nicht ums Geld verdienen, sondern um eine bessere Zukunft auf Hamburgs Straßen. Gut zu wissen, wenn sich die Stadt um eines der wichtigsten Themen unseres Alltags kümmert.

 Hamburg Digital Background: 

06.09.2019: Welt Hamburg: So testet Hamburg autonomes Fahren
welt.de/regionales/hamburg/article199834974/Mobilitaet-So-testet-Hamburg-autonomes-Fahren.html

04.09.2019: TAVF-Projektforum am Urban Mobility Lab der HAW Hamburg

ITS Mobility: City-Teststrecke für autonomes Fahren (ausführlich)

Verkehrsbehörde BWVI: City-Teststrecke für autonomes Fahren (kurz)

ITS Hamburg 2021: Projekte, Nachrichten, Termine + Newsletter

Kontakt Verkehrsbehörde BWVI, ITS Hamburg + Weltkongress 2021

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Pressestelel BWVI: Mobilitätsstudie MID 2018 für Hamburg

Wikipedia: Autonomes Fahren


BMW: Die 5 Stufen des autonomen Fahrens


Freitag, 16. August 2019

HANSEBLOCKCHAIN: Internationale Blockchain-Community tagt in der Handelskammer

HAMBURG BLOCKCHAIN MAGAZIN

Die global-vernetzte Blockchain - Vertrauen ist die Zukunft im Internet.
Foto: HANSEVALLEY

Mit mehr als 750 Wissenschaftlern, Technologieexperten und Wirtschaftsvertretern, Politikern und Medienvertretern aus Hamburg, Deutschland, Europa und aller Welt ist am Freitag-Morgen in der Handelskammer Hamburg die 2. BLOCKCHANCE Conference eröffnet worden. Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher eröffnete als Schirmherr mit einem Grußwort die deutschlandweit größte Fachtagung für die global-verteilte Datenbank-Technologie:


Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher:
"Damals gab es in Hamburg den Letter of Credit -
heute kann es die Blockchain werden."
Foto: HANSEVALLEY


Blockchain ist eine zukunftsweisende Technologie, die immer breitere Anwendung findet. Datensicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit sind gerade in der digitalen Welt von großer Bedeutung. Die hochkarätig besetzte BLOCKCHANCE Conference unterstreicht das wachsende Interesse an dieser Technologie, die wir für die Digitalisierung und Innovation in Hamburg nutzen wollen.” Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher bringt die Bedeutung der - laut The Economist - globalen "Trust machine" auf dem Punkt.


Die weitreichende Entwicklung der verteilten Datenbank-Technologie für die Hamburger Unternehmen aus traditionellen Branchen wie der Logistik und dem Energiehandel pointierte Heiko Wandrey, Vorsitzender des Innovationsausschusses der Handelskammer, zur Eröffnung im Albert-Schäfer-Saal der "Neuen Börse" auf den Punkt:


Die Handelskammer ist Gastgeber für die Zukunftstechnologie Blockchain.
Foto: Handelskammer Hamburg

Die Blockchain-Technologie wird immer wichtiger für Unternehmen aller Größen und aller Branchen – auf der ganzen Welt und natürlich auch in Hamburg. Besonders im Bereich der Logistik und der Energie gibt es viele innovative und erfolgreiche Projekte und ich bin sicher, dass andere Branchen bald nachziehen werden. Als Handelskammer unterstützen wir mit dem ’Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum’ vor allem kleine und mittlere Unternehmen dabei, das ökonomische Potenzial dieser vielversprechenden Technologie zu erkennen und im eigenen Betrieb Anwendungsbereiche zu finden.


Was lokale Multimedia-Veteranen der 12%-SPD für eine Sternschnuppe ohne nachhaltige Bedeutung halten und wem Startup-Netzwerke jetzt kopflos hinterher hecheln, ist an der alt eingesessenen E-Commerce- und Online-Marketing-Szene rund um Binnen- und Außenalster längst vorbeigezogen. Dazu Fabian Friedrich, Veranstalter der BLOCKCHANCE Conference Hamburg:


Initiator und Veranstalter Fabian Friedrich.
Foto: Karsten Eichhorn

“Mit mehr als 50 vornehmlich jungen Unternehmen, 5 Veranstaltern von führenden Konferenzen und Netzwerken, 3 wissenschaftlichen Einrichtungen, einem eigenen Branchenverband und zahlreichen namhaften Anwendern in Produktion, Handel und Dienstleistung entwickelt sich Hamburg zu einem der führenden Standorte für die Blockchain-Technologie in Deutschland. Was vor einem Jahr eine Vision war, wird durch praktische Forschung, Pilotprojekte und die Beteiligung der Industrie zu einem Alleinstellungsmerkmal der Freien und Hansestadt Hamburg."

Von 0 auf 100: Die Blockchance-Konferenz in Hamburg:
750+ Gäste aus aller Welt aus Politik, Wirtschaft + Gesellschaft.
Foto: HANSEVALLEY


Die internationale BLOCKCHANCE Conference ist nicht allein: Führend engagierte Technologie- und Beratungsunternehmen wie IBM, Deloitte, Osborne Clarke und Sopra Steria supporten die Wirtschafts- und Gesellschaftskonferenz ebenso, wie maßgebliche Netzwerke an Alster und Elbe, z. B. das Digitalcluster Hamburg@work, die CIO- und CDO-Vereinigung IT-Executive Club Hamburg, der Finanzplatz Hamburg, ThIS! The Interface Society und der VDI Hamburg.

"Dank der engagierten Unterstützung starker und visionärer Partner aus Wirtschaft und Politik ist die BLOCKCHANCE Conference ein entscheidender Treffpunkt für Technologie, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft im Kontext der dezentral vernetzten Datenbank-Technologie. Wir freuen uns, mit dieser Plattform unsere Stadt mit ihrer starken Wirtschaft, ihrer Verwaltung und der Gesellschaft zu unterstützen, in die digital-vernetzte Zukunft zu starten.”


Eines der Highlights auf der BLOCKCHANCE 2019:
Der 1. Bitcoin-Geldautomat von Sutor Bank und Spot9.
Foto: HANSEVALLEY

Internationale Keynotes, Diskussionen und Panels zur vernetzten Zukunft
Mit 77 Sprechern aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden ebenso, wie aus China, Dubai und den Vereinigten Staaten sowie mit ihren 16 Panels ist die "BLOCKCHANCE" eine der größten Konferenzen in Deutschland zu den technologischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Konsequenzen der globalen Distributed Ledger Technologien. Die Auftakt-Keynote hielt am Morgen Marc Buckley, Advocat des UN-Entwicklungsprogramms SDG für Nachhaltigkeitsziele und Experte des Weltwirtschaftsforums.

Globale Chancen, Facebook’s Libra und die deutsche Automobilindustrie

Zu den weiteren Highlights der 2-tägigen Konferenz mit über 20 nationalen und internationalen Ausstellern gehören internationale Keynotes von Vertretern des Club of Rome, der Europäischen Kommission und der Vereinten Nationen, Talks und ein exklusives Panel mit 5 namhaften Experten zur geplanten Corporate Money Libra von Facebook sowie eine Diskussion mit Innovatoren von BMW, Daimler und VW zum Einsatz der Blockchain-Technologie in der deutschen Automobilindustrie.


Politik trifft Blockchain Startup-Förderung für Hamburg:
Peter Tschentscher lernt BlockRock Ventures kennen.
Foto: HANSEVALLEY

Hamburgs Blockchain-Accelerator und Startup-Contest mit 50.000,- €

Besondere Aufmerksamkeit richtet die BLOCKCHANCE auf das Thema Startup-Förderung. Im Rahmen einer Keynote gibt der Presenting Partner BlockRock Ventures Accelerator am Freitag-Nachmittag seinen Einstand. Der internationale Investor und Startup-Förderer Evan Luthra (Startup Studio) stiftet für den "BC19 Evan Luthra Startup Award" ein Preisgeld von 50.000,- € für den Sieger des Pitch-Wettbewerbs am 2. Konferenztag.

Willkommen im Hamburger "Blockchain Kindergarten" für jedermann

Für alle Neugierigen First Mover, Early Adaptor und Techis bietet die BLOCKCHANCE am Samstag zwischen 12.00 und 15.00 Uhr kostenfreien Eintritt zur integrierten Messe. Dann erklären 5 Schüler im "Blockchain Kindergarten" allen Interessenten auf Einladung des Hanseatic Blockchain Instituts die global-vernetzte Datenbank-Technologie, gefolgt von einer praktischen Mitmach-Session, seine ganz persönliche Blockchain zu bauen und gleich mit nach Hause nehmen zu können.

Einer der jüngsten Blockchain-Fans auf der Konferenz:
Der Hamburger MOIA-Hund "Karl".
Foto: HANSEVALLEY

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 Hamburg Digital Background: 

BLOCKCHANCE Conference Hamburg 2019
www.blockchance.eu

BlockRock Ventures Accelerator, Hamburg
www.blockrock.eu

Blockchain Summer Hamburg 2019
www.blockchainsummer.com

Hanseatic Blockchain Institute, Hamburg
www.blockchaininstitute.eu

Blockchain Research Lab, Hamburg
http://www.blockchainresearchlab.org

Freitag, 2. August 2019

HANSEPERSONALITY Karel J. Golta: Hamburg kann mehr als Hafen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Industriedesigner und pragmatischer Innovator: Karel J. Golta
Foto: HANSEVALLEY

Es ist keine Agentur. Es ist keine Organisationsberatung: Das Hamburger Unternehmen Indeed Innovation geht einen ganz eigenen Weg. Fernab austauschbarer Prozessfolien konzentriert sich das 45 Mann starke Team um individuelle Problemlösungen und technische Möglichkeiten. Gründer aus eine, Management Buy-out füllt Indeed Innovation eine Lücke zwischen Unternehmensberatungen und IT-Dienstleistern.

Beim "Digital Kindergarten" lernten wir Karel J. Golta kennen  - mit spannenden Aussagen zur Zukunft der Arbeitswelt in einer durch Künstliche Intelligenz veränderten Arbeitswelt. HANSEVALLEY hat die Chance genutzt und den Schweizer Industriedesigner zu Vogel-Strauss und Innovationen, Technologien und Möglichkeiten interviewt. Unser HANSEPERSONALITY ist Karel J. Golta:

Lieber Karel Golta: Sie sagen 'Eigentlich dürfte es Indeed gar nicht geben' - wenn Unternehmen ihre Innovationen selbst treiben würden. In Hamburg haben sich Hapag-Lloyd, die HPA, die Otto Group oder auch Tchibo auf den Weg gemacht. Hand aufs Herz: Was ist der schwerwiegenste Fehler in der digital-vernetzten Geschäftswelt, den Firmen machen können - und warum? 

Ein schwerer Fehler ist darauf zu vertrauen, dass es früher ja auch immer gut gegangen ist, und man deshalb einfach nur im Flow bleiben muss. Oder kurz gefasst: Sich zurücklehnen und nicht aktiv die Zukunft gestalten. 

Seit 20 Jahren verändern neue Geschäftsmodelle immer mehr Branchen. Dabei geht es eben nicht mehr nur um das Wie oder das Was sondern oftmals ums Warum. Menschen nutzen zum Beispiel AirBnB nicht nur, weil es günstiger als ein Hotel ist, sondern weil sie auch mit Einheimischen in Kontakt treten wollen. Die Motivation verändert sich. Das bedeutet, im Unternehmen muss sich auch das Mindset entsprechend anpassen. 

Methoden, Prozesse, Strategien - einfach alles ändert sich systemisch. Es ist ein Irrsinn, wenn Firmen glauben, sie könnten eine Digital Unit oder Abteilung aufbauen, die das dann losgelöst vom restlichen Unternehmen abarbeitet.

Besuchen wir Hamburgs Vorstandsetagen: Das Geschäft läuft dank steigendem Welthandel gut, Zukäufe (z. B. von Container-Terminals) sichern das Wachstum und Verlagerung von Produktion (z. B. Fracht von Bremen nach Hamburg) sichert den Standort. Wie kommen Vorstände aus ihrer bequemen Blase raus, um wirklich die Zukunft anzupacken?

Einsicht ist der erste Schritt zur Veränderung. Vor 160 Jahren konnte man Eis nur gewinnen, indem man an einem See den kalten Winter abgewartet hat, um dann mit einer Säge das Eis zu ernten. Produktionskapazität war die Größe des Sees. Die Nachfrage durch steigernde Bevölkerung gesichert. Und wenn ein heißer Sommer kam, war spätestens im Herbst das Eis ausverkauft.

Heute gibt es keine „Eis-Bauern“ mehr. Sie wurden durch Eisfabriken ersetzt. Und schließlich die Eisfabriken durch Kühlschränke. Kein Eis-Bauer wurde zum Eisfabrikant. Kein Eisfabrikant zum Kühlschrankhersteller.

Wenn Vorstände die schöpferische Zerstörung nicht als Geschäftsrealität für ihr Unternehmen akzeptieren und proaktiv die Zukunft gestalten, dann wurden sie vom Aufsichtsrat falsch berufen.

Das System des Shareholder Value börsennotierter Aktiengesellschaft ist aus Ihrer Sicht für Innovationen eher schwierig. Zugleich betreuen Sie NASDAQ- und DAX-Konzerne ebenso, wie Familienunternehmen und Startups. Wie helfen Sie einer Company, aus den ausgetrampelten Pfaden herauszukommen? Gibt es ein Innovationssystem? 

Etablierte Unternehmen betreiben leider oftmals nur noch Produktentwicklung. Sie haben ja eine bestehende Kundenbasis und wollen denen noch mehr Produkte verkaufen. Start-Ups hingegen betreiben Customer Sourcing, denn ihnen fehlen die Kunden. Dadurch sind sie viel eher an den wirklichen Bedürfnissen von Kunden und Nutzern interessiert.

Der erste Schritt heißt also Nutzerzentrierung und Kundenfokus, indem man relevante Einsichten in deren Ökosystem und Bedürfnisse gewinnt. Und diese nicht nur durchs Marketing, sondern auch durch Produktmanagement und vor allem durch die Entwicklungsabteilung. Empathie für die Nutzer ist ein essenzieller Schlüssel für Innovationen.

Im Weiteren gehört Mut und Risikobereitschaft dazu, um aus den Erkenntnissen wirklich neue und gute Lösungen zu entwickeln. Dabei kann man sehr agil vorgehen und sich vom Prototyp, den man durch die Zielgruppe validiert, zum MVP weiterhangeln. 

Am Ende geht es aber auch hier um die Kultur. Ein Unternehmen muss mit allen seinen Mitarbeitern Innovationen entwickeln wollen – Silo übergreifend und mit Fokus auf Umsetzung. Solange eine Idee nur in der Schublade schlummert, so lange wird es auch keine Innovation geben können. Leider gibt es für diese komplexe Aufgabe keine einfache Lösung.

Stellen Sie sich vor, ich leite ein Traditionsunternehmen und lade Sie zum Pitch ein. Sie berichten mir von branchenübergreifender Denke, von individueller Herangehensweise. Butter bei die Fische: Warum soll ich meine Firma mit Ihnen innovieren, und nicht mit Accenture, Deloitte oder durch eine Tech-Agentur? Sie haben ja auch rd. 2/3 Techis an Board...

Der Vorteil unserer Größe ist, dass wir eine absolut persönliche Betreuung bieten. Bei uns gibt es keine Overheads in Form von Executives, Partnern oder Vertical Leads, die alle viel Geld kosten aber nicht die ganze Zeit mit 100% Engagement auf ihrem Projekt sitzen und Verantwortung übernehmen.

Die Büros von Indeed Innovation in Hamburg.
Foto: Indeed

Unsere Kollegen sind alles besondere Menschen und hervorragende Fachkräfte, die erst dann ruhen, wenn das Projekt die Ziellinie passiert hat. Denen geht es nicht um Titel und Headcounts, sondern darum täglich Neues zu schaffen. Innovation ist People Business. Das Zwischenmenschliche muss stimmen, nicht die Marke des Beraters.
Eines der aktuell heißesten Themen ist die Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf die digital-vernetzte Arbeitswelt. Zur Zeit sind die skizzierten Szenarien für viele Menschen ein Schreckgespenst. Sie sagen, in 5 Jahren kommen wir in eine Zeit Domain-übergreifender KI, die Kontexte versteht. Was heißt das für das Berufs- und Geschäftsleben?

Wir werden endlich mehr wirklich gute und wichtige Arbeit leisten können. Viele Aufgaben in den meisten Berufen, vom Anwalt über den Arzt bis hin zum Architekten sind bürokratisch. Sie brauchen weder viel Gehirnschmalz noch bringen sie Spaß. Dennoch sind sie relevant. 

Wie viele E-Mails beantworten Sie jeden Tag, die eigentlich sinnbefreit sind? Wieviel Zeit verwenden Sie für Dokumentation oder die Suche nach Informationen? 

Wenn KI Kontext zwischen zwei und mehr Domains schafft, dann werden wir viele der eher stumpfen und unkreativen Arbeiten einfach wegdelegieren können. Im besten Fall wird es dann nur noch spannende und herausfordernde, also menschliche Arbeit geben – wie eben das innovieren.

Bleiben wir einen Augenblick bei Künstlicher Intelligenz: Was müssen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in den kommenden 5 Jahren machen, um nicht durch selbstlernende KI überrascht und in der Folge verdrängt zu werden. Und vor allem: Welche Branchen sollten aus Ihrer Sicht langsam aber sicher loslaufen?

KI ohne Daten ist nutzlos. Und wenn ich nicht weiß, was ich mit den Daten beabsichtige zu tun, sind diese sinnlos.
Insofern muss sich jedes Unternehmen zuerst einmal überlegen, ob, wo und wie es Daten generiert oder generieren könnte. Dann kann im Rahmen eines ersten KI-Innovationsprojektes geschaut werden, was mit diesen Daten alles zu erreichen wäre, bzw. welchen Wert, welchen Output mit ihnen fürs Unternehmen oder seine Kunden geschaffen werden könnte.

Unternehmen, die schon heute ein hohes Datenvolumen mittels Kundendaten, Messdaten, etc. generieren, sollten dringend ein KI-Projekt anstoßen. Denn ihre Branche könnte sehr schnell durch neue Geschäftsmodelle und Services disruptiert werden. Aber Achtung: KI-Projekte sind keine IT-Projekte.

Sie sind ein 'neugieriger Mensch' - professionell ganz vorn als Innovator, persönlich eher ein Multiplikator funktionierender Möglichkeiten. Nach 19 Jahren "schönste Stadt" und persönlicher Bindung in Volksdorf: Was läuft in Sachen Innovationen in Hamburg richtig gut? Aber warum verliert Hamburg jede Marktführerschaft wieder an andere Städte und Regionen?


Jede Stadt hat ihr "Beast": Der Hamburger Hafen von der Elphi
Foto: HANSEVALLEY

Richtig gut ist das Clustermanagement. Mit acht Clustern, die clever aufgesetzt und gut vernetzt sind, schafft Hamburg eine enorm gute Innovationspolitik. Da ich selbst in zweien als Vorstand und als Beirat aktiv bin, erlebe ich wöchentlich, welche Vielfalt die Hansestadt bietet und welches Potenzial vorhanden ist. 

Hamburg steckt jedoch selbst im „Innovators Dilemma“. Als ewige Handelsstadt mit Krämerseele hat sie sich immer um den Hafen gekümmert. Bis heute. Alles andere ist zwar interessant, aber eben nicht so wichtig wie das etablierte System des Handels. Dies kann sich nachteilig auswirken, denn Monokulturen waren noch nie für ihre Resilienz bekannt. 

Die hiesige Politik schiebt zwar regelmäßig Dinge an, in der Hoffnung sich später im Lichte des Erfolges sonnen zu können. Was aber unerlässlich ist: Man muss das Baby auch über die Ziellinie tragen (wollen). Man muss Neues soweit und solange (auch nach Rückschlägen) fördern und global denken, bis die ganze Welt verstanden hat: Hamburg kann mehr als Hafen.

*  *  *

Vielen Dank für die spannenden Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Service: 

Indeed Innovation:
indeed-innovation.com

Hamburger Wirtschaftscluster:
hamburg.de/wirtschaft/clusterpolitik/


 Hamburg Digital Background: 

HANSEEXKLUSIV Staatsrat Jan Pörksen:
Die Dienstleistungen des Staates vom Nutzer her denken.
hansevalley.de/2019/04/hanseexklusiv-dr-jan-poerksen.html

HANSEPERSONALITY Benny Bennet Jürgens:
In unserer Jetzt-und-Sofort-Gesellschaft muss der Mehrwert sofort spürbar sein.

hansevalley.de/2019/04/hansepersonality-benny-bennet-juergens.html

HANSEPERSONALITY Henning Schneider:
Hamburg sollte sich den digitalen Vorsprung nicht nehmen lassen.
hansevalley.de/2019/03/hansepersonality-henning-schneider.html